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09.02.2020 11:06    |    notting    |    Kommentare (12)    |   Stichworte: E-Auto, intelligente Messeinrichtung, Ladekosten, Ladesäule, Rollout, Smart-Meter

Was haltet ihr von diesen Neuerung für die Stromkunden? Mehrfach-Antworten möglich (2 versch.Fragen)

Logo Der Pflicht-Rollout der (noch dummen) intelligenten Messsysteme beginntLogo Der Pflicht-Rollout der (noch dummen) intelligenten Messsysteme beginnt

Hallo!

 

Ein Thema, das uns alle betrifft, insb. auch E-Auto-Fahrer, aber auch, wenn man kein E-Auto fährt, sondern nur einen Haushalt mit Stromanschluss hat.

Es war einmal ein Stromzähler, der quasi keine Elektronik drin hatte, sondern elektro-mechanisch funktioniert hat. Der hat vom Grundprinzip her jahrzehntelang problemlos seinen Dienst getan. Ok, man musste ab und zu hinlaufen um den Verbrauch abzulesen, meist max. 1x/Jahr. Kann man mit leben.

Seit einiger Zeit werden moderne Messeinrichtungen verbaut wenn z. B. die Eichung des Stromzählers abgelaufen ist. Das ist ein digitaler Stromzähler.

Seit 31.1.2020 besteht laut der BSI-Analyse die technische Möglichkeit zur breiten Smart-Meter-Markteinführung.

Was heißt das alles nun?

Ein intelligentes Messsystem besteht aus einer modernen Messeinrichtung und einem integrierten Smart-Meter-Gateway (was auch nicht direkt integriert sein kann). Letzteres kommuniziert mit dem Stromnetzbetreiber und kann z. B. den Stromverbrauch in bis zu 15min kleinen Intervallen übermitteln. Das kann z. B. auch für "Tarifoptimierungen" genutzt werden. Stellt sich dann die Frage, ob die Tarife dann wirklich so gestaltet werden, dass die Kunden wirklich was davon haben, von außen steuerbare Ladevorgänge von E-Autos & Co. hin oder her.

Zumal diese Geräte aktuell zu dumm sind z. B. mit Wallboxen zu kommunizieren.

Pflicht ist der Einbau u.a. wenn der Kunde >=6MWh/Jahr verbraucht. Bei 25kWh/100km (Ladeverluste und Eigenverbrauch der Wallbox auch wenn kein E-Auto dranhängt nicht vergessen) wäre das bei ca. 24Mm/Jahr erreicht. Dazu kommt ggf. noch der Strom, der im Haushalt verbraucht wird, wenn beides am selben Zähler hängt, d.h. die Grenze wird dann schneller erreicht. Auch für Erzeuger (z. B. Solaranlage) soll eine Pflicht spätestens ab 7kW kommen. Desweiteren muss der Stromnetzbetreiber innerhalb von 3 Jahren ab dem Start der Einbaupflicht 10% der Messstellen entspr. ausgestattet haben.

Die Preisobergrenze beträgt bei 6-10MWh/Jahr 100EUR/Jahr. Ist ja "nur" Faktor 5 zur modernen Messeinrichtung :-(

Ab 10MWh/Jahr Verbrauch oder wenn man Erzeuger ist, kann es sich lohnen den Messstellenbetreiber zu wechseln. Die Auswahl ist leider noch nicht so groß, insb. für Haushalte. Der Wettbewerb beginnt aber gerade.

Noch ein Haken: Ab 2021 darf der Hauseigentümer bestimmen wer Messstellenbetreiber ist. Bzw. braucht der Mieter bzw. der ETW-Eigentümer ab dann eine Genehmigung vom Hauseigentümer bzw. der Eigentümer-Gemeinschaft um wechseln zu dürfen.

Bei freiwilligem Einbau sind die Preisgrenzen übrigens niedriger, aber nicht so niedrig wie bei der modernen Messeinrichtung.

 

Noch ganz am Rande sei die Möglichkeit erwähnt, seinen Stromanschluss dafür freizugeben, dass er im Notfall zu den ersten gehört, die abgeschaltet werden. Bei Netze BW z. B. spart man dann 0,032EUR/kWh Netzentgelte. Die Netzentgelte bzw. die mögliche Ersparnis sind aber regional sehr unterschiedlich. Man braucht aber einen eigenen Stromzähler dafür, der wie oben angedeutet mind. 20EUR/Jahr kostet. Es steht aber nur "Steuergerät" dabei und nicht ob es sich auch um eine intelligente Messeinrichtung handelt.

Es gibt zwar dort sogar noch einen einmaligen Bonus von 200EUR, allerdings ist der Langzeit-Effekt eines derartigen Einmal-Bonus natürlich sehr begrenzt. Bei 3,6MWh/Jahr spart man z. B. unterm Strich ohne Einmal-Bonus 95,20EUR/Jahr. So wie ich die Angaben dort verstehe, könnten auch hier die weiteren Regelungen mit dem Pflicht-Einbau der teureren intelligenten Messeinrichtung greifen. Es könnte aber auch sein, dass dort einfach schon bei kleineren Leistungen eine intelligenten Messeinrichtung verbaut, aber weniger Geld als bei einer "normal" genutzten intelligenten Messeinrichtung verlangt wird. Ggf. würden höhere Kosten für den Stromzähler logischerweise den finanziellen Vorteil durch die verringeren Netzentgelte entspr. reduzieren - wenn nicht ohnehin einen eigenen Stromzähler benötigt wird. Es kann in manchen Fällen sein, dass E-Autos z. B. über einen anderen Hausanschluss ans Stromnetz angeschlossen sein müssen, weil z. B. wegen der vorgesehenen Gesamtleistung der Lademöglichkeiten der vorhandene Hausanschluss nicht ausreicht oder die Parkplätze zu weit vom Hausanschlusskasten des Hauses entfernt sind.

 

Allerdings wird diese Abschaltbarkeit durch den Netzbetreiber voraussichtlich eine der Bedingungen sein, um Fördergelder des Bundes für gemeinschaftlich genutzte Wallboxen bzw. des dafür nötigen Stromanschlusses usw. zu bekommen.

 

EDIT 2020-03-28: Worauf mich ein Video noch gebracht hat, was ich an sich schon wusste, aber hier nicht dazugeschrieben habe: Für div. alte Elektroinstallationen gilt Bestandsschutz. Wenn dann ein Elektriker nur eine Kleinigkeit ändern soll (z. B. Wallbox mit anschließen), muss ggf. alles was da mit dranhängt auf den neueste Stand gebracht werden. Das ist aber unabh. davon, ob man einen "dummen" oder "intelligenten" Stromzähler hat.

 

Was haltet ihr von diesen Neuerungen bzw. zu erwartenden Entwicklungen? Bitte nehmt an der Umfrage teil.

 

Links:

https://www.bundesnetzagentur.de/.../SmartMeter.html - neuer Link: https://www.bundesnetzagentur.de/.../IntelligentesMesssystem.html?...

https://www.verbraucherzentrale.de/.../...en-stromzaehler-kommen-13275

https://www.finanztip.de/wechsel-messstellenbetreiber/

https://www.heise.de/.../...lichtenden-Smart-Meter-Einbau-4651422.html

https://www.heise.de/.../...-Meter-Roll-Out-kann-beginnen-4654554.html

https://www.netze-bw.de/Hausanschluss/Ladepunktbonus

https://www.golem.de/.../...ng-hat-endlich-einen-plan-1911-144937.html

https://www.bmvi.de/.../masterplan-ladeinfrastruktur.pdf?...

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Ergänzung von notting am 24.02.2020 19:00

Es gibt Streit um den Bereich 450MHz: https://www.heise.de/.../...mart-Meter-Einsatz-gefaehrdet-4667334.html

Zitat:

"Stünde ein 450-MHz-Breitbandnetz den energiewirtschaftlichen Anwendungen nur zum Teil zur Verfügung, hätte dies signifikant nachteilige Folgen für die Digitalisierung der Energiewende", warnt Ulrich Nußbaum, Staatssekretär im Wirtschaftsressort, im Namen der Bundesregierung in einer heise online vorliegenden Antwort auf eine Anfrage der grünen Bundestagsabgeordneten Ingrid Nestle. "In Smart-Meter-Gateways müssten dann zwei Kommunikationsmodule verbaut werden."

[...]

Die Konsequenz wären "mehrjährige Verzögerungen und erhebliche Mehrkosten".

Ergänzung von notting am 28.03.2020 11:55

Ein neues Video, was so wie ich es verstehe auch sagt, dass z. B. durch feste Zeiten gesteuerte günstigere Stromtarife z. B. nachts erstmal eine sehr große Investition erfordern: https://www.youtube.com/watch?v=5j1SmjrUNSA

 

notting

09.02.2020 13:44    |    hd311

Bei uns in Spanien sind die einfachen mechanischen Zähler 2016 erneuert worden durch die elektronischen. Ich hätte es als Fachmann gerne verhindert, aber da die Zähler dem Stromkonzern gehören, war das so nicht möglich. Jetzt zahle ich Miete, und kann den Verbrauch nicht mehr einfach ablesen, sondern muss in einem Menu herumstochern ...

Alles in allem nur Nachteile für den Kunden.

Dass die neuen elektronischen Zähler kaum so lange problemlos arbeiten, wie die alten mechanischen Zähler, sei nur am Rande erwähnt ...


09.02.2020 13:52    |    notting

Zitat:

@hd311 schrieb am 9. Februar 2020 um 13:44:37 Uhr:

Bei uns in Spanien sind die einfachen mechanischen Zähler 2016 erneuert worden durch die elektronischen. Ich hätte es als Fachmann gerne verhindert, aber da die Zähler dem Stromkonzern gehören, war das so nicht möglich. Jetzt zahle ich Miete, und kann den Verbrauch nicht mehr einfach ablesen, sondern muss in einem Menu herumstochern ...

Alles in allem nur Nachteile für den Kunden.

Dass die neuen elektronischen Zähler kaum so lange problemlos arbeiten, wie die alten mechanischen Zähler, sei nur am Rande erwähnt ...

Bei mir wurde auch schon eine moderne Messeinrichtung eingebaut, aber IIRC steht standardmäßig der aktuelle Gesamtverbrauch auf dem Display.

Hast du Links bzgl. der Haltbarkeit?

 

notting


11.02.2020 13:11    |    GLI

Ich hab mich schon länger gefragt, wie sie die immensen Ausfälle der an den Kraftstoff (Benzin, Diesel, Gas) gebundenen Steuern wieder reinholen wollen, wenn mal größere Anteile der Bevölkerung auf ein Stecker-Auto umgestiegen sind und zu Hause am Wohneigentum laden können.

Eigentlich nahm ich an, dass daher die große Bestrebung rührte, die PKW-Maut in Deutschland einzuführen. Aber das hat ja bisher nicht geklappt.

 

Jetzt ist mir natürlich klar geworden, dass man auf dem Weg mit dem Smart-Meter in Zukunft einfachst feststellen kann, welche Menge vom Gesamt-Stromverbrauch als Traktionsstrom genutzt wird. Und kann diesen kann man dann ja ganz bequem genauso überbesteuern wir jetzt den Sprit. Hätte ich eigentlich schon eher drauf kommen können.

 

Dazu kommen dann sicher noch regelmäßige kostenpflichtige Elektro-Inspektionen im Haus, um zu prüfen, dass man nicht irgendwas trickst um die "Fahrstromsteuer" zu umgehen...


11.02.2020 18:30    |    notting

Zitat:

@GLI schrieb am 11. Februar 2020 um 13:11:33 Uhr:

Ich hab mich schon länger gefragt, wie sie die immensen Ausfälle der an den Kraftstoff (Benzin, Diesel, Gas) gebundenen Steuern wieder reinholen wollen, wenn mal größere Anteile der Bevölkerung auf ein Stecker-Auto umgestiegen sind und zu Hause am Wohneigentum laden können.

Eigentlich nahm ich an, dass daher die große Bestrebung rührte, die PKW-Maut in Deutschland einzuführen. Aber das hat ja bisher nicht geklappt.

Sie könnten auch z. B. einfach die 50% Rabatt bei der E-Auto-Kfz-Steuer wegnehmen (für die Zeit nach der Gratis-E-Auto-Kfz-Steuer) und den Strompreis nicht ganz so absinken lassen.

 

Zitat:

Jetzt ist mir natürlich klar geworden, dass man auf dem Weg mit dem Smart-Meter in Zukunft einfachst feststellen kann, welche Menge vom Gesamt-Stromverbrauch als Traktionsstrom genutzt wird. Und kann diesen kann man dann ja ganz bequem genauso überbesteuern wir jetzt den Sprit. Hätte ich eigentlich schon eher drauf kommen können.

 

Dazu kommen dann sicher noch regelmäßige kostenpflichtige Elektro-Inspektionen im Haus, um zu prüfen, dass man nicht irgendwas trickst um die "Fahrstromsteuer" zu umgehen...

Dazu müsste man erstmal die mobilen EVSE verbieten, die eben an CEE funktionieren ohne eine Info irgendwohin zu übermitteln. Aber sie werden sich steuerlich was ausdenken um die Einnahmeverluste wg. weniger Sprit zu kompensieren, soweit stimme ich dir zu.

 

notting


15.02.2020 16:36    |    takaratak

Zitat:

@GLI schrieb am 11. Februar 2020 um 13:11:33 Uhr:

Ich hab mich schon länger gefragt, wie sie die immensen Ausfälle der an den Kraftstoff (Benzin, Diesel, Gas) gebundenen Steuern wieder reinholen wollen, wenn mal größere Anteile der Bevölkerung auf ein Stecker-Auto umgestiegen sind und zu Hause am Wohneigentum laden können.

es ist ja jetzt nicht so, dass die zur Verstomung verwendeten Enerieträger als auch der Stom an sich nicht versteuert werden.

So gesehen zahlen wir doppelt Steuer auf den Strom.

Erst die Energiesteuer auf Kohle, Gas (auch Biogas!), Öl.

Und dann noch die Stromsteuer.

Denn die Mineralölsteuer gibt es seit Sommer 2006 nicht mehr.


15.02.2020 16:59    |    GLI

Was ist die KFZ-Steuer gegen die Steuereinnahmen auf Benzin und Diesel? Genau: Ein Pups.

Zumal die KFZ-Steuer ja nicht an die Kilometerleistung gebunden ist.

 

Das wir auf Strom auch eine Menge Steuern bezahlen ist mir klar. Aber welchen Steuerbetrag bringt ein E-Auto dem Staat auf 100km und welchen ein Diesel?

Der ganze Staat lebt von diesen Steuereinnahmen und das Geld wird auch zukünftig hereinkommen müssen. Idealerweise wird man natürlich noch mehr Geld sehen wollen.


16.02.2020 13:05    |    karl.napp

Ich habe vor einiger Zeit einmal irgendwo gelesen, dass ab 01.01.2020 alle E-Autos (und PlugIn-Hybride) über die Möglichkeit den geladenen Strom auszulesen verfügen müssen.

 

Laut meiner BMW NL ist das bei meinem 330e BJ 2017 bereits möglich. - Was hindert die Bundesregierung dann daran einmal jährlich diese Daten abzufragen und entsprechende Steuern zu erheben? (Dann müsste man auch Steuern auf den kostenlosen Ladestrom bei ALDI, LIDL usw. bezahlen).


16.02.2020 13:28    |    notting

Zitat:

@karl.napp schrieb am 16. Februar 2020 um 13:05:32 Uhr:

Ich habe vor einiger Zeit einmal irgendwo gelesen, dass ab 01.01.2020 alle E-Autos (und PlugIn-Hybride) über die Möglichkeit den geladenen Strom auszulesen verfügen müssen.

 

Laut meiner BMW NL ist das bei meinem 330e BJ 2017 bereits möglich. - Was hindert die Bundesregierung dann daran einmal jährlich diese Daten abzufragen und entsprechende Steuern zu erheben? (Dann müsste man auch Steuern auf den kostenlosen Ladestrom bei ALDI, LIDL usw. bezahlen).

Ich habe nichts derartiges gelesen bzw. finden können. Vllt. schaffst du es deine Quelle zu finden?

 

notting


16.02.2020 14:13    |    karl.napp

16.02.2020 14:15    |    notting

Zitat:

@karl.napp schrieb am 16. Februar 2020 um 14:13:04 Uhr:

https://www.electrive.net/.../

Ich hatte das so aufgefasst, dass eben nur der Verbrauch pro Strecke der letzten Zeit ausgelesen können werden muss. Bzw. es geht dort IMHO vor allem nicht um Innenraum klimatisieren oder Ladeverluste. Wird aber vermutl. auch Begehrlichkeiten wecken...

 

notting


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