CO2-Bilanz „alternativer“ Mobilität? : Was mich bewegt
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Was mich bewegt

Themen, die mich bewegen - mit Schwerpunkten und auch bunt gemischt

06.11.2022 20:44    |    notting    |    Kommentare (16)

Hallo!

 

Mir ist eine Studie vom Fraunhofer ISI und Lime von letzter Woche zur Nachhaltigkeit von Mikromobilität über den Weg gelaufen. Das hat mich daran erinnert, dass bei uns die Stadt vor hat div. „Mobilitätshubs“ zu eröffnen mit Car-/Bicycle-/etc.-Sharing. Schauen wir mal, wie nachhaltig sowas ist.

 

Hier der Link: https://www.isi.fraunhofer.de/.../...s-emissionen-verkehr-staedte.html

Für alle die Lime noch nicht kennen: Das ist eine Fahrrad-/E-Tretroller-Sharing-Firma. Von daher sind vor allem alle Aussagen über Lime in der Studie mit äußerster Vorsicht zu genießen. Fand den Rest ohnehin interessanter.

 

Fangen wir mit der IMHO interessantesten Grafik an. In allem was danach kommt scheint der Fokus auf dem Vergleich Lime mit dem „Rest der Mobilität“ zu liegen.

 

Um was geht es in dieser Grafik?

Figure 1: Average LCA results for selected combined modes by life cycle components in g CO2e per pkm applied in this study (source: own calculations).
Quelle: The Net Sustainability Impact of Shared Micromobility in Six Global Cities (Fraunhofer ISI/LimeFigure 1: Average LCA results for selected combined modes by life cycle components in g CO2e per pkm applied in this study (source: own calculations). Quelle: The Net Sustainability Impact of Shared Micromobility in Six Global Cities (Fraunhofer ISI/Lime

Es soll das CO2-Äquivalent pro Personen-km verschiedener Verkehrsmittel verglichen werden.

Die Farben der Teile in den Balken bedeuten:

  • Dunkelgrün: Fahrzeugherstellung verteilt über die Fahrleistung während der Lebensdauer
  • Blau: Benutzungsphase, z. B. Fahrenergie
  • Gelb: Service, also Wartung, Reparaturen, Transport, Bergung oder sonstige Bewegung des Fahrzeugs aus betrieblichen Gründen (z. B. morgens viele Pendler die Station am Bhf. „geleert“ haben und aber weitere Pendler Fahrzeuge nutzen wollen und diese deswegen dorthin transportiert werden und abends umgekehrt) etc.
  • Hellgrün: Infrastruktur

Die Fehlerbalken zeigen die generelle Ungenauigkeit von 25%, die u.a. durch die vielen Schätzungen verursacht wurde zzgl. der Spannbreite der Werte aufgrund unterschiedlicher CO2-Werte des Strommixes, unterschiedlicher Nutzung dieser Mobilitätsarten etc.

 

Wie kam diese Grafik zustanden?

So wie ich es verstanden habe (wenn man den Lime-Teil wegdenkt) in der Hauptsache so:

  • Man hat die Werte aus der Studie https://www.itf-oecd.org/...ing-environmental-performance-new-mobility hergenommen, wo es um die Nachhaltigkeit von „neuer Mobilität“ geht.
  • Man hat eigene Umfragen in div. Großstädten gemacht, wie die Mobilität genutzt wird, geschaut wie dort z. B. der Strommix ist, etc. Man hat also Angaben zu weiteren Städten in der gerade genannten Studie ergänzt, aber auch vorhandene aktualisiert.

 

Was muss man bei dieser Grafik generell beachten bzw. welche Faktoren haben u.a. Einfluss auf diese Werte?

  • Vermutlich wurde mal wieder heftig mit Ökostrom gearbeitet, der nur den „Normalmix-Stromkunden“ „weggenommen“ wurde. D.h. unterm Strich ändert sich bei der Stromerzeugung nix.
  • Atomstrom ist dort CO2-neutral. Betrifft insb. auch Frankreich.
  • Es wird offenbar nicht darauf geachtet, ob man z. B. der ÖPNV eher einen Umweg fährt muss als mit dem Individual-Verkehr, also beim ÖPNV ggf. für real die selbe Strecke mehr Personen-km zurückgelegt würden als wenn man z. B. mit dem Fahrrad gefahren wäre. Ähnlich wenn man einen Umweg zu einer Mietstation machen muss, vor allem wenn man mit dem Mietfahrzeug 2x heimfahren muss, um z. B. Leergut einzuladen und die Einkäufe auszuladen.
  • Wenn viele Leute z. B. E-Tretroller verwenden wo sie die Strecke sonst gelaufen werden, erhöht das den CO2-Wert von E-Tretrollern, weil E-Tretroller fahren an sich unterm Strich mehr CO2 ausstößt als laufen und sie eben eine Laufstrecke kannibalisiert haben. Weiter hinten in der Studie ist von ca. 40-60% Prozent die Rede, im Schnitt von 50%. Aber auch ein schlecht ausgelasteter ÖPNV kann für hohe CO2-Werte sorgen. Wobei hier Trams, U-/S-Bahnen & Co. separat aufgeführt sind. In ländlichen Gegenden findet man davon i.d.R. bestenfalls eine RB bzw. einen RE, der dort defakto sowas wie eine S-Bahn sind. Dort gibt’s aber noch viele Diesel-Fahrzeuge, die z. T. demnächst auf H2 umgestellt werden. Das wurde wohl dort nicht berücksichtigt, weil eben nicht „urbane“. Und viele kommen mit dem Bus zur Tram, U-/S-Bahn & Co. Busse beschädigen auch die Straßen deutlich mehr (https://de.wikipedia.org/wiki/Vierte-Potenz-Gesetz). Somit ist der individuelle CO2-Faktor auf der Route eine entsprechende Mischung dieser Werte, die eben nicht alle hier in der Grafik auftauchen. Und Schienen auch für Trams kann man eben nicht überall sinnvoll hinlegen und es werden immer wieder Busse als Schienenersatzverkehr gebraucht.
  • Die ISI-Studie berücksichtigt z. B. auch die 20% Verlust bei den Fahrzeugen durch Diebstahl oder Vandalismus. Allerdings gibt’s dort keine Aussage, ob z. B. Tauchgänge wie in Köln mit einberechnet wurden. Im Juni 2021 gab’s eine Meldung, wonach dort in dem Rhein-Abschnitt der der Innenstadt zuzuordnen ist geschätzt 500 E-Tretroller liegen (https://t3n.de/news/druck-verleiher-spezialdrohne-1386720/). Vor September 2021 waren in ganz Köln im Schnitt über 7.000 Miet-E-Tretroller unterwegs (https://www.stadt-koeln.de/.../index.html). Das wären 7% zzgl. Vandalismus und Diebstahl, wo der E-Tretroller nicht im Rhein oder außerhalb des Innenstadt-Bereichs in einem Gewässer gelandet ist. Da dürften einige Tauchgänge nötig gewesen sein, bis die ersten 100 der versenkten E-Tretroller geborgen wurden. Wie sehr z. B. die Akkus aus den E-Tretrollern Organismen im Wasser schädigen, ist wohl noch nicht bekannt.
  • Bei Bussen wird offenbar von einer recht guten Auslastung (in der Studie geht’s nur um Großstädte) und noch von einem hohen Anteil fossiler Fahrenergie ausgegangen. Das wird aber nichts daran, dass Busse tendenziell ungünstige Benutzungsprofile für einen Akku haben. Ein Akku für einen ganzen Tag inkl. Klimatisierung wäre zu riesig und Busse stehen tagsüber meist nicht mehrere Stunden herum, sondern muss ggf. mittendrin in wenigen Minuten Standzeit viel Energie reinbekommen. Also viel Schnelllladen, was dem Akku nicht gut tut. BEV wird meist mehr Ladezeit im Verhältnis zur Akkugröße gegönnt, auch wenn häufig am HPC laden muss. Im Vergleich zu einem BEV und zu ÖPNV-Fahrzeuge die die meiste Zeit z. B. direkt über die Oberleitung gespeist werden, wird das also tendenziell schlechter bleiben. Dazu noch der höhere Energieaufwand für die Klimatisierung, weil die Türen alle paar Minuten geöffnet werden und danach sofort wieder weiter klimatisiert wird.

 

Jetzt aber zu den konkreten Zahlen

Da wo es pro Mobilitätsart zwei Balken gibt, weil Privat- vs. Miet-Fahrzeug, ist das Privat-Fahrzeug immer deutlich besser (wie gesagt, ich ignoriere hier die Lime-Werte). Kein Wunder, hab auch schon bei Car-Sharing selbst die Erfahrung machen müssen, dass selbst die Mieter sich einen Scheiß um Mietsachen kümmern. Zudem muss man wie weiter oben schon angedeutet bei Mietfahrzeugen oft Umwege machen, weil man dort z. B. Leergut einladen und die Einkäufe ausladen muss, was aber vermutlich nicht in dem Balken drinsteckt. Was aber drin stecken dürfte sind die Fälle, wo Leute sich früher kein eigenes Auto leisten konnten oder wollen und auch ihr Leben führen konnten, aber nun dank Car-Sharing sich gelegentliches Auto fahren leisten können bzw. es auch tun. An dieser Stelle möchte ich nicht weiter darauf eingehen, ob 1x/Woche „Rundtour“ durch die Supermärkte in der Stadt oder alle diese Supermärkte liefern lassen sinnvoller ist, vor allem wenn man tagsüber nicht daheim ist und wie sehr Car-Sharing auch gerade da wo der ÖPNV mies ist auch eine Art der sozialen Fürsorge für finanziell schlechter gestellte Menschen ist, Kosten für einen PKW-Führerschein hin oder her. Haben in der Familie auch z. B. meine Oma zum Einkaufen mitgenommen als sie noch laufen konnte. D.h. ein Führerschein kann schnell dazu führen, dass z. B. auch die Nachbarin ohne Führerschein von Car-Sharing profitiert.

Das ist ein klares „Kommt-sehr-drauf-an-Thema“.

 

Der CO2-Faktor für das Fahrzeug an sich im Verhältnis zur Fahrleistung über seine Lebenszeit zwischen privatem BEV und geteiltem E-Bike ist sehr gering. Die „Lime Gen 4 e-bikes“ und geteilten E-Tretroller sind hier sogar deutlich schlechter. Dafür hat das private BEV den größten „Kommt-sehr-drauf-an-Faktor“. Es kann sogar besser ein privates E-Bike sein. Dann ist nur ein privates Fahrrad mit reiner Muskelkraft besser.

Vom Durchschnittswert her sind aber geteilte E-Bike leicht besser als BEV. Und Busse/Shuttles sind nochmal etwas schlechter. Wohlgemerkt beziehen sich diese Werte auf Großstädte. In ländlicheren Gegenden dürfte die Auslastung wegen der noch häufigeren Umwege und schlechter Taktung geringer sind und zusätzlich die Umwege den realen CO2-Faktor weiter verschlechtern. Wobei ich aber auch z. B. Tram- und Bahn-Strecken bzw. üblicherweise vorgeschlagene schnellste Routen kenne, wo man regelmäßig Umwege fahren muss. Z. B. wenn man über eine Ost-West-Nebenstrecke an eine Nord-Süd-Hauptstrecke fahren muss um zum ICE-Bhf. zu kommen, der aber nicht genau am Knotenpunkt liegt und man deswegen ggf. zunächst in die falsche Richtung fahren muss. Oder der einzige örtl. Bhf. liegt an dem Ende der Stadt, das am weitesten vom nächsten ICE-Bhf. entfernt ist und der Zug ist natürlich deutlich schneller als die Buslinien zwischen diesen Bhf. - wenn gerade ein Zug fährt und die Anschlüsse der Busse zum Bhf. dazu passen.

 

Zum Thema geteiltes BEV stehen dort keine Werte. Aber aufgrund der deutlich schlechteren Werte von geteilten E-Tretrollern/E-Bikes vs. private E-Tretrollern/E-Bikes ist auch anzunehmen, dass geteilte BEV viel schlechter dastehen als private BEV.

 

Fazit

Insb. wenn viel daheim an der eigenen PV-Anlage geladen wird und das BEV nur genutzt wird, wenn das eigene rein muskelbetriebene Fahrrad oder laufen nicht wirklich praktikabel ist.

Ein eigenes E-Bike macht nur Sinn, wenn man damit wirklich viel mehr mehr Strecken fährt als mit dem normalen Fahrrad (z. B. wegen Steigungen oder weil häufiger Weglängen gefahren werden, die man für Fahrrad zu lang findet, aber mit einem E-Bike fahren würde), das normale Fahrrad idealerweise auch noch abschafft _und_ deswegen mit dem Auto weniger fährt.

Geteilte normale Fahrräder sind nur bedingt sinnvoll und geteilte E-Bikes und E-Tretroller sind kaum besser bzw. etwas schlechter als ein eigenes BEV. Beim ÖPNV kommt’s auf den elektrischen Anteil an und wieviel man im Vor-/Nachlauf geteilte Mobilität verwendet, insb. wenn’s dann kein rein muskelbetriebenes Fahrrad ist. In der Praxis gibt’s gerade bei ÖPNV-Nutzung häufig Umwege ggü. einer Autofahrt, was man auch noch mit einkalkulieren muss.

Ich persönlich fahre nicht nur wegen der Parkplatz-Situation bei uns in der Stadt, sondern auch um meinem Verbrenner Kurzstrecken zu ersparen mit einem normalen Fahrrad, wann immer sinnvoll möglich. Mein nächstes Auto wird wahrscheinlich ein BEV, weiß aber noch nicht, wann es soweit ist. Ein Auto vorzeitig „wegzuwerfen“ ist auch nicht umweltfreundlich, auch wenn es ein älterer und inzwischen dank Home-Office wenig gefahrener Verbrenner ist.

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07.11.2022 08:44    |    Goify

Interessante Studie. Sie sagt im Grunde das aus, was man sich so denken kann. Nur bei geteilten E-Bikes bin ich verwundert, wieso diese so schlecht sind.

 

Ich persönlich fahre mit dem E-Bike täglich in die Arbeit, weil es praktischer ist als mit dem Auto. Parkplatzprobleme habe ich nicht, weder daheim (Garage) noch im Büro (Garage).

07.11.2022 16:52    |    notting

Zitat:

@Goify schrieb am 7. November 2022 um 08:44:54 Uhr:

Interessante Studie. Sie sagt im Grunde das aus, was man sich so denken kann. Nur bei geteilten E-Bikes bin ich verwundert, wieso diese so schlecht sind.

 

Ich persönlich fahre mit dem E-Bike täglich in die Arbeit, weil es praktischer ist als mit dem Auto. Parkplatzprobleme habe ich nicht, weder daheim (Garage) noch im Büro (Garage).

Immerhin hat das eigene E-Bike nur einen doppelt so hohen CO2/pkm-Faktor wie ein Rad ohne E-Motor.

Ich denke die Probleme des (auch eigenen) E-Bikes sind:

- Wegen dem Gewicht des E-Antriebsstrangs muss es etwas stabiler gebaut werden -> mehr Material und der CO2-Faktor des Antriebsstrangs kommt dazu -> mehr CO2. Insb. der Umweltfaktor der Akku-Produktion dürfte hier reinhauen, auch weil bis zu einer gewissen Streckenlänge eigentlich auch ein Fahrrad ohne E-Motor reicht und es somit in solchen Fällen halt nicht zu mehr Umweltfreundlichkeit führt (wobei für wenige Fahrten wo ein Rad ohne Motor Sinn macht ein zusätzl. Rad zu kaufen allerdings auch keinen Sinn macht).

- Die Haltbarkeit des Akkus mangels Klimatisierung selbigen.

 

Bei mir dagegen würde ein Pedelec/E-Bike keinen Sinn machen. Es gibt in meinem Profil zu wenige Ziele, wo ich aktuell nicht mit meinem Rad fahren würde, aber für ein Pedelec/E-Bike IMHO nicht zuweit weg sind.

 

notting

07.11.2022 17:14    |    Goify

Bei mir ist es genau anders herum: Steigung von gut über 20 % auf einem langen Abschnitt. Demzufolge ist es unmöglich, ohne zu Duschen mit der Arbeit zu beginnen. Dafür lasse ich das Auto stehen - im gesamten Jahr. Mein Auto steht nur im Büro in der Garage und kommt nur für große Transportaufgaben mal heim.

 

Dass ein E-Bike nicht so ökologisch wie ein Fahrrad ist, liegt ja auf der Hand und man sieht, dass es sogar gegenüber einem E-Auto noch deutlich besser ist, obwohl das E-Bike viel weniger gefahren wird. Preislich lohnt sich ein E-Bike erst nach vielen Jahren - wenn überhaupt. Denn oft braucht man ja beides und fährt man nun statt mit dem Auto, mit einem zusätzlichen E-Bike, muss man damit schon sehr lang fahren, bis sich das rentiert, da das Auto ja in der Zeit herumsteht und trotzdem Kosten verursacht.

07.11.2022 20:52    |    wirme

Ich und meine Holde haben seit 2017 neben den normalen Rädern auch E-Bikes. Wir nutzen die Räder als Hobby + Sportgerät und fahren 2.000 bis 3.000 km pro Jahr. 90 % der Touren werden direkt aus dem Keller raus gestartet. Das Auto bleibt in der Garage stehen.

 

Zum Pendeln zur Arbeit über die Straße sind die Räder nicht geeignet. Wegen einem 5to5 Job habe ich da auch keine Lust zu.

 

Meine Frau nutzt ein E-Auto und ich einen Hybrid (BEV ist bestellt). Zuhause haben wir eine PV Anlage + Ökostrom - auf der Arbeit klimaneutralen Strom + PV Anlage.

11.11.2022 07:02    |    kartoffel911

Ich setzte auf den Mobilitätsmix. Wir haben nur einen Polestar als BEV und das ist ein reines Spaßgerät für den Wochenendausflug. Alles andere erledigen wir mit Fahrrad (Arbeit (12km), tägliches Einkaufen, in der Stadt herum fahren) und Car Sharing (Transporter, für die Sprudelkasten, Möbel, Waschmaschinen …). Mit dem BEV komme ich so auf nur 7000km p.a., der nächste wird ein eRoadster.

 

ÖPNV kommt nicht in Frage. Mich hält die komplizierte Fahrkartenkauferei ab. Ich habe nicht studiert und kapiere die Automaten und das Tarifsystem nicht. In jeder Stadt was anderes. Unpünktlichkeit stört mich gar nicht, wenn man auf Bus/Zug wartet hat man ja was zum Lesen dabei.

 

Pedelec nicht bevor ich 80 oder älter bin. Habe ein Bürojob und schätze jeden Meter mit dem Fahrrad bei dem ich mich sportlich ertüchtigen kann. Ich bin Ü55 und schaffe es noch auf Berge zu wandern, daß schaffen viele Kollegen und Kolleginnen nicht mehr und da sind manche 10 Jahre jünger.

14.11.2022 11:29    |    towe96

Schön dass "ÖPNV dank Elektroauto umwelttechnisch sinnlos" jetzt auch als Studie vorliegt - wenn sich nur die Politik auch mal daran orientieren würde und der Steuergelder, die aktuell für den ÖPNV verschwendet werden, in die Ladeinfrastruktur investieren würde...

 

Zum Fahrrad: Klar, die e-Bikes erzeugen erstmal doppelt so viel CO2. Aber es gibt genug Leute, die ohne e-Unterstützung einfach gar kein Fahrrad fahren würden, weil es im Vergleich zum Auto unnötig anstrengend, langsam und umständlich ist. Somit ist der Benefit für viele Nutzer auch so schon gegeben.

 

Interessant wäre noch ein Vergleich mit dem "Zu Fuß gehen" - ein e-Bike oder e-Scooter verbraucht ja so schon deutlich weniger Energie als ein laufender Mensch, je nach Ernährungsweise wird es auch da eine Grenze geben.

14.11.2022 18:22    |    notting

Zitat:

@towe96 schrieb am 14. November 2022 um 11:29:33 Uhr:

Zum Fahrrad: Klar, die e-Bikes erzeugen erstmal doppelt so viel CO2.

Nur wenn sie nicht "geteilt" sind, sonst ist es noch viel schlimmer.

 

Zitat:

Aber es gibt genug Leute, die ohne e-Unterstützung einfach gar kein Fahrrad fahren würden, weil es im Vergleich zum Auto unnötig anstrengend, langsam und umständlich ist. Somit ist der Benefit für viele Nutzer auch so schon gegeben.

 

Interessant wäre noch ein Vergleich mit dem "Zu Fuß gehen" - ein e-Bike oder e-Scooter verbraucht ja so schon deutlich weniger Energie als ein laufender Mensch, je nach Ernährungsweise wird es auch da eine Grenze geben.

Genau diese zitierten Faktoren gingen auch in den CO2-Faktor ein. Also jegliche Fortbewegung die nicht rein mit Muskelkraft ist, aber eine Muskelkraft-Fortbewegung ersetzt, verschlechtert den CO2-Faktor. Bei deinem Beispiel mit "E-Bike ersetzt Auto, weil normales Rad wg. Steigung oder was auch immer nicht genutzt wird" wird der CO2-Faktor des E-Bikes eher besser. Aber wenn halt die Mehrheit eben E-Bikes nimmt wo sie vorher gelaufen sind, wird der Gesamt-CO2-Faktor schlechter.

 

notting

16.11.2022 16:11    |    schaumkrone

Für mich ist das Elektrofahrrad keine Lösung der zentralen Verkehrsproblematik, weil die meisten Städte einfach nicht für Radfahrer geschaffen sind und daher nur selten dezidierte Radwege zur Verfügung stehen, so dass man als Radfahrer zwangsläufig auf dem Bürgersteig oder auf der Straße fahren muss, was aber beides problematisch ist, weil man auf der Straße grundsätzlich den Autoverkehr aufhält und zudem häufig von Autofahrern geschnitten wird, was ich wegen des knappen Platzes teils auch nachvollziehen kann. Auf dem Bürgersteig wiederum konkurriert man mit den Fußgängern um den knappen Platz, zudem ist auf vielen Bürgersteigen und in vielen Fußgängerzonen das Fahrradfahren nicht erlaubt. Aus diesen Gründen ist für mich ein flüssiges Vorankommen mit dem Fahrrad in der Innenstadt nicht möglich. Das Grundproblem sehe ich in der Quersubventionierung der Automobilität, die zur Folge hat, das Parkplätze in bester Innenstadtlage nicht zu Marktpreisen angeboten werden und daher der Preis als Verknappungsindikator nicht wirken kann. Am deutlichsten wird dies an den gigantischen Supermarktparkplätzen in teuerster Innenstadtlage, auf denen man kostenlos über lange Zeit parken kann. Das ist aber nur möglich, weil Parkplätze massiv staatlich subventioniert werden. Ob die Multimilliardäre, denen Supermarktketten wie LIDL und ALDI gehören, tatsächlich staatliche Hilfen erhalten sollten, muss jeder für sich entscheiden. Früher gab es keine Supermärkte, sondern viele kleine Lebensmittelgeschäfte, die meist fußläufig erreichbar waren, weil damals mit dem knappen, städtisch erschlossenen Raum weitgehend marktwirtschaftlich umgegangen wurde. Erst in der Nachkriegszeit begann man, die zerstörten Städte als "Autostädte" nach dem völlig ineffizienten amerikanischen Vorbild neu aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass öffentliche Verkehrsmittel und alternative Verkehrswege niemals auch nur ansatzweise mit dem Autoverkehr konkurrieren können.

16.11.2022 16:31    |    notting

@schaumkrone: Der innerstädtische ÖPNV besteht vielerorts zu einem großen Teil aus Bussen, weil flexibler etc. Und die haben noch höhere Anforderungen an die Straße als Autos.

Ich selbst komme mit dem Rad innerorts zieml. gut klar. Ich nehme die kürzeren Wege durch die Nebenstr. und der Kfz-Verkehr wird mit höheren Tempolimits als 30km/h auf die Hauptverkehrstr. gelockt. Leider wollen letzteres angebliche Radverkehrsförderer ändern, spricht durch niedrigere Tempolimits mehr Kfz-Verkehr in die Nebenstr. bringen. Weniger als 30km/h werden Radfahrer nicht akzeptieren, gut zugeparkt sind die Nebenstr. auch schon, nur dass auf dem Hauptverkehrsstr. noch Zebrastreifen, komplett überflüssige Verkehrsinseln rein für Radfahrer die ich nie gebraucht habe, Blockier-Bushaltestellen usw. dazukommen.

Finde es auch immer scheiße wenn jmd. hinter mir dranhängt. Die überholen meist im dümmsten Moment. Bei 50km/h können die mich meist prima überholen bevor ich wieder bremsen muss weil die Lücke zwischen geparkten Autos zu Ende ist.

Deswegen muss das Tempolimit auf den Hauptverkehrsstr. höher bleiben als 30km/h.

 

notting

17.11.2022 06:46    |    towe96

Zitat:

@schaumkrone schrieb am 16. November 2022 um 16:11:47 Uhr:

Das Grundproblem sehe ich in der Quersubventionierung der Automobilität, die zur Folge hat, das Parkplätze in bester Innenstadtlage nicht zu Marktpreisen angeboten werden und daher der Preis als Verknappungsindikator nicht wirken kann. Am deutlichsten wird dies an den gigantischen Supermarktparkplätzen in teuerster Innenstadtlage, auf denen man kostenlos über lange Zeit parken kann. Das ist aber nur möglich, weil Parkplätze massiv staatlich subventioniert werden. Ob die Multimilliardäre, denen Supermarktketten wie LIDL und ALDI gehören, tatsächlich staatliche Hilfen erhalten sollten, muss jeder für sich entscheiden. Früher gab es keine Supermärkte, sondern viele kleine Lebensmittelgeschäfte, die meist fußläufig erreichbar waren, weil damals mit dem knappen, städtisch erschlossenen Raum weitgehend marktwirtschaftlich umgegangen wurde. Erst in der Nachkriegszeit begann man, die zerstörten Städte als "Autostädte" nach dem völlig ineffizienten amerikanischen Vorbild neu aufzubauen. Vor diesem Hintergrund ist es klar, dass öffentliche Verkehrsmittel und alternative Verkehrswege niemals auch nur ansatzweise mit dem Autoverkehr konkurrieren können.

Nur weil der Staat den Parkraum nicht massivst besteuert, ist es nicht gleich eine Subvention. Auch mit all diesen vermeintlichen Vorteilen nimmt der Staat immer noch weitaus mehr am PKW und LKW-Verkehr ein, als dafür ausgegeben wird.

 

Wenn Bus und Bahn hingegen trotz milliardenschwerer *realer* Subvention immer noch unattraktiv sind... vielleicht sind sie dann einfach ein heutzutage völlig unnötiger Verkehrsträger?

17.11.2022 08:09    |    wirme

ÖPNV mag in der Stadt gut funktionieren - bei mir im Sauerland leider nicht.

Der ÖPNV wird subventioniert, die Landbevölkerung zahlt mit und hat davon nichts.

 

Mit dem Rad fahren ist aufgrund fehlender Radwege bei uns eher grenzwertig.

Bin eine Zeit lang mit dem Rad zur Arbeit gefahren, bis mich ein Autofahrer von der Straße geschubst hat.

Das tue ich mir nicht mehr an - zumal ich einen 5 to 5 Job habe.

18.11.2022 07:08    |    kartoffel911

Zitat:

@wirme schrieb am 17. November 2022 um 08:09:52 Uhr:

 

Der ÖPNV wird subventioniert, die Landbevölkerung zahlt mit und hat davon nichts.

Doch. Freie Straßen. Wenn hier mal der ÖPNV ausfällt, aus welchen Gründen auch immer und alle auf’s Auto wechseln, geht auf der Straße nichts mehr.

 

Schon bei Regen ist’s eine Katastrophe, wenn Radfahrer dann ins Auto steigen.

 

 

Daher bin ich für ÖPNV und Radwegeausbau. Das hält mir die Straße frei.

18.11.2022 21:05    |    notting

Zitat:

@kartoffel911 schrieb am 18. November 2022 um 07:08:23 Uhr:

Zitat:

@wirme schrieb am 17. November 2022 um 08:09:52 Uhr:

 

Der ÖPNV wird subventioniert, die Landbevölkerung zahlt mit und hat davon nichts.

Doch. Freie Straßen. Wenn hier mal der ÖPNV ausfällt, aus welchen Gründen auch immer und alle auf’s Auto wechseln, geht auf der Straße nichts mehr.

Bei uns sind die Bushaltestellen immer öfter so, dass gerade morgens selbst ein weiterer Bus von "hinten" nicht an einem an der Bushaltestelle stehenden Bus vorbeikommt. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, wo ich mit dem Bus zur Schule fahren musste und die meisten Kinder Assis waren, die am 1. Schultag im Monat die Monatskarte beim Busfahrer gekauft haben, wodurch es massive Verzögerungen gab. Ich habe das nie gemacht, auch weil ich jeden Monat einen speziellen Schein bekommen habe, den ich nur an speziellen Verkaufsstellen einlösen konnte.

 

Zitat:

Schon bei Regen ist’s eine Katastrophe, wenn Radfahrer dann ins Auto steigen.

Kann ich nicht bestätigen. Ja, insb. wenn's kälter ist stehen auf der Arbeit (Großstadt) weniger Fahrräder (zumindest vor Corona, bin inzw. im Home-Office), aber Auto-techn. merkt man keinen nennenswerten Unterschied. Es geht immer relativ zügig. Nur die Sperrung wg. Umbau des einen öffentl. Parkplatzes in der Nähe hat auf der Anfahrt für Chaos gesorgt (wir können bei uns auf der Arbeit parken).

 

Zitat:

Daher bin ich für ÖPNV und Radwegeausbau. Das hält mir die Straße frei.

Der ÖPNV-Ausbau hat bei uns für noch mehr Ampeln und noch mehr Busse und Autos die sich durch neue Einbahnstr. in Nebenstr. quetschen müssen gesorgt. Dadurch fahren nun mehr Autos durch die Nebenstr. auf der ich bisher immer gerne mit dem Rad in die Stadt bin, quasi parallel zur Hauptstr. ...

 

Und der Ausbau zum angebl. Vorteil für Radfahrer hat bei uns zu großen Nachteilen für Radfahrer geführt, siehe u.a. https://www.motor-talk.de/.../...rnativer-mobilitaet-t7367207.html?...

Bin bisher als Radfahrer immer gut klargekommen.

 

notting

18.11.2022 22:14    |    kartoffel911

Zitat:

@notting schrieb am 18. November 2022 um 21:05:46 Uhr:

Zitat:

@kartoffel911 schrieb am 18. November 2022 um 07:08:23 Uhr:

 

 

Doch. Freie Straßen. Wenn hier mal der ÖPNV ausfällt, aus welchen Gründen auch immer und alle auf’s Auto wechseln, geht auf der Straße nichts mehr.

Bei uns sind die Bushaltestellen immer öfter so, dass gerade morgens selbst ein weiterer Bus von "hinten" nicht an einem an der Bushaltestelle stehenden Bus vorbeikommt. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, wo ich mit dem Bus zur Schule fahren musste und die meisten Kinder Assis waren, die am 1. Schultag im Monat die Monatskarte beim Busfahrer gekauft haben, wodurch es massive Verzögerungen gab. Ich habe das nie gemacht, auch weil ich jeden Monat einen speziellen Schein bekommen habe, den ich nur an speziellen Verkaufsstellen einlösen konnte.

Zitat:

@notting schrieb am 18. November 2022 um 21:05:46 Uhr:

Zitat:

Schon bei Regen ist’s eine Katastrophe, wenn Radfahrer dann ins Auto steigen.

Kann ich nicht bestätigen. Ja, insb. wenn's kälter ist stehen auf der Arbeit (Großstadt) weniger Fahrräder (zumindest vor Corona, bin inzw. im Home-Office), aber Auto-techn. merkt man keinen nennenswerten Unterschied. Es geht immer relativ zügig. Nur die Sperrung wg. Umbau des einen öffentl. Parkplatzes in der Nähe hat auf der Anfahrt für Chaos gesorgt (wir können bei uns auf der Arbeit parken).

Zitat:

@notting schrieb am 18. November 2022 um 21:05:46 Uhr:

Zitat:

Daher bin ich für ÖPNV und Radwegeausbau. Das hält mir die Straße frei.

Der ÖPNV-Ausbau hat bei uns für noch mehr Ampeln und noch mehr Busse und Autos die sich durch neue Einbahnstr. in Nebenstr. quetschen müssen gesorgt. Dadurch fahren nun mehr Autos durch die Nebenstr. auf der ich bisher immer gerne mit dem Rad in die Stadt bin, quasi parallel zur Hauptstr. ...

 

Und der Ausbau zum angebl. Vorteil für Radfahrer hat bei uns zu großen Nachteilen für Radfahrer geführt, siehe u.a. https://www.motor-talk.de/.../...rnativer-mobilitaet-t7367207.html?...

Bin bisher als Radfahrer immer gut klargekommen.

 

notting

Wenn jemand Bus oder Fahrrad fährt, dann ist es einfach Fakt, dass er nicht gleichzeitig mit dem Auto fährt.

19.11.2022 10:13    |    notting

Zitat:

@kartoffel911 schrieb am 18. November 2022 um 22:14:32 Uhr:

[Sinnloses Fullquote entsorgt]

Wenn jemand Bus oder Fahrrad fährt, dann ist es einfach Fakt, dass er nicht gleichzeitig mit dem Auto fährt.

Wie gesagt macht das die Gesamtsituation nicht zwangsläufig besser wg. Umwegen und zusätzl. Fahrten und Busse bzw. Radfahrer, die auch noch durch blödes Herumstehen (z. B. eben an Bushaltestellen wo man nicht am Bus vorbeikommt) bzw. langsames Fahren und sich nicht überholen lassen (insb. illegal nebeneinanderfahrende Radfahrer und Radweg-SUVs auf Radwegen) den restl. Verkehr massiv stören, auch andere Busse und Radfahrer. Wie oft bin ich schon als Radfahrer hinter einem Auto gehängt, was hinter einem lahmen Radfahrer gehängt ist, der uns (das Auto und mich) nicht hat überholen lassen. Z. B. die genannten sinnfreien Verkehrsinseln nur für Radfahrer die ich nie gebraucht haben, tun in solchen Situationen ihr übriges :-(

Dazu wurde eben bei uns der Kfz-Verkehr inkl. Busse so umgeleitet, dass es meine früher idealen Fahrradrouten praktisch unmöglich gemacht hat. Auf der "Alternativroute" eine Parallelstr. weiter fehlt ein ganzes Stück Gehweg -> Probleme mit Fußgängern.

 

notting

21.11.2022 12:00    |    tartra

Ich habe einfach aufgegeben darüber nachzudenken ... Es gibt einen gewissen % die sind einfach nur dumm.

 

Hier in meiner Hood auch, es gibt eine politische Richtung mit ihren Wählerlämmingen, da wird bereits wegen jedem Vorschlag für einen neuen sicheren Radweg geschimpft, wie kann man nur dem Autofahrer Straßenland entziehen (das passiert auf die km gerechnet an den wenigsten stellen) ...

 

Das aber etliche Radler Autofahrer sind, jedoch um so mehr das Rad nehmen, weil es gute sichere Radwege gibt, ihr Auto ebend nicht auf der Straße rollt und damit weniger für die anderen Autofahrer auf der Straße los ist ... raffen die einfach nicht, das ist zu weit gedacht.

 

Habe mal einen Artikel zu den Niederlanden gelesen, da lief auch nicht alles easy, es gab heftige Widerstände gegen den Wandel weg von der autogerechten Stadtplanung. Das war aber in den tiefen 1980er, die sind uns Jahrzehnte vorraus. Und oh Wunder, deren Städte rangieren unter den top lebenswertesten Städten weltweit ...

 

Kann es sein das die E-LeihRäder /Scooter so schlecht sind, weil deren Haltbarkeit unterirdisch ist?

 

Habe mal aufgeschnappt der typische E-Scooter oder E-Bike hält bei den sharing Anbietern im Schnitt 1-2 Monate, danach sind die reif für´n Schrott oder liegen tief im Fluss...:rolleyes:

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