• Online: 3.173

17.03.2022 08:33    |    NDLimit    |    Kommentare (73)

Bernstein oder Phosphor?Bernstein oder Phosphor?

Auf Anregung von einem User in einem anderen Blog, kam ich auf die Idee zu diesem Artikel.

 

Historischer Hintergrund:

 

Gegen bzw. nach Ende des 2. Weltkriegs wurde die Ostsee quasi als Mülleimer für Kriegsgerät aller Art, aber vor allem als "Entsorgungs-Tümpel" für Munition missbraucht. Tonnenweise wurde Munition in der Ostsee "entsorgt". Teils in der Nähe der Küste, aber auch gezielt abseits der Küste in tieferen Regionen. Neben der konventionellen Munition wurden aber auch chemische Kampfstoffe dort entsorgt. Das Umweltbundesamt geht von ca. 1,6 Millionen Tonnen, das sind 1.600.000.000 kg, konventioneller Munition und 5.000 Tonnen chemischer Kampfstoffe aus. Quelle: Umweltbundesamt

 

Auftrag zur Kampfmittelbeseitigung:

 

Den Auftrag zur Kampfmittelbeseitigung hat die deutsche Marine. Zitat: "An der Minenjagd in der Ostsee beteiligen sich die Minenabwehrboote „Fulda“, „Grömitz“ und „Bad Rappenau“ vom 3. Minensuchgeschwader aus Kiel. Die „Bad Rappenau“ fungiert zugleich als Minentauchereinsatzboot. Begleitet werden die Boote vom Tender „Elbe“ aus dem Unterstützungsgeschwader als Flagg- und Führungsschiff. Der nationale Verband umfasst rund 150 Kieler Marinesoldaten.

 

Das 3. Minensuchgeschwader besteht aus den zehn Minenjagdbooten der „Frankenthal“-Klasse. Dieser Bootstyp bündelt alle Fähigkeiten der Marine zur verbundenen Seeminenabwehr: gezielte Minenjagd und Minentauchen sowie großflächiges Minenräumen. Zwei Boote des Geschwaders sind in der Regel immer Teil der beiden NATO-Verbände SNMCMG 1 und 2.

 

Die Minenjagdboote haben mehrere Möglichkeiten, Gefahren unter Wasser zu suchen und zu beseitigen. Entweder steuern sie kabelgelenkte Unterwasserdrohnen, die Minen identifizieren und vernichten können. Oder sie setzen Minentaucher des Seebataillons ein, die Sprengkörper an schwer zugänglichen Stellen – beispielsweise in Häfen – unschädlich machen können. Darüber hinaus können sie die Überwasserdrohnen der „Seehund“-Klasse, die Motorengeräusche und Magnetfeld von Schiffen simulieren und so Grundminen zur Detonation bringen, einsetzen." Quelle; Bundeswehrjournal

 

Hier ist auch noch ein interessanter Artikel zu dem Thema: Maritime Altlasten in der Ostsee

 

Auswirkungen auf die Umwelt:

 

Abgesehen von von der Gefahr für die maritime Schifffahrt auf der Ostsee, haben diese Altlasten einen enormen Einfluss auf unsere Umwelt. Die Korrosion schreitet unaufhaltsam voran und führt zum Freisetzen giftiger Stoffe in die Umwelt. Somit bekommen wir durch den Genuss von Fisch einen Teil der Gifte mit auf den Teller. Auch hierzu findet man einen interessanten Artikel: klickmich

 

Aktuell:

 

Leider hat das Thema auch einen aktuellen Bezug. Im Rahmen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine geht man davon aus, dass vermehrt russische Minen in der Ostsee platziert wurden.Auch hier hat die Bundeswehr einen entsprechenden Auftrag bekommen.

 

"Bernstein-Funde":

 

Die Strände an der Ostsee sind bekannt dafür, dass man Bernstein finden kann. Leider ähnelt der aus den Munitionsresten ausgetretene weiße Phosphor optisch dem Bernstein. Immer wieder kam es in der Vergangenheit dazu, dass eben Phosphor aufgesammelt wurde. Dieser Phosphor entzündet sich bei Wärme von selbst. Steckt man also unbedarft so ein Stück "Bernstein" in die Hosentasche, kann man sehr böse Verbrennungen erleiden. Insbesondere dann, wenn man modische Outdoor-Hosen aus Synthetik trägt, dann schmilzt die Kunstfaser und brennt sich mit in die Haut ein.

 

Meine Tauchgänge in der Ostsee:

 

Vor vielen Jahren war ich mehrfach in der Ostsee tauchen. Zwei Erlebnisse zu dem Thema sind mir in guter Erinnerung geblieben.

 

Ein Tauchgang führte uns zu einer Stelle, wo man im WWII Torpedos testete. Unter anderen konnten wir an den Resten einer alten Brücke tauchen. Die Warnung des Skippers war eindeutig: Nichts anfassen!

 

Nun, wir tauchten zu dritt. Irgendwann entdeckte ein Buddy etwas in den Trümmern und untersuchte das "Fundstück" näher. Taucher 2 war direkt daneben und wollte ihn wild gestikulierend davon abhalten. Ich selber schwebte über den beiden. Taucher 1 griff auf einmal zu und zog das Fundstück aus den Trümmern hervor. Taucher 2 wollte in Panik abhauen. Zum Glück erwies sich dieses Fundstück als ein alter, verrosteter Wasserkocher. Zurück auf dem Boot gab es dennoch eine Schelte für Taucher 1.

 

Im Jahr drauf ging es wieder zur Ostsee. Wieder stand Wracktauchen auf dem Programm. Zwei Taucher berichteten im Vorfeld davon, dass es in der Nähe eines Wracks eine Kiste mit Munition geben solle. Diese wollte man suchen und finden. Mein Einwand, dass dies doch eine dumme Idee sei, wurde direkt überhört. Als dann der Tauchgang an dem Wrack stattfand, bewaffneten sich die 2 mit entsprechenden Reels und Leinenzeugs um vom Wrack aus ein Suchmuster abzutauchen. Leider wurden die 2 auch fündig und brachten einiges an Munition mit. Es waren längliche Projektile aus Messing mit einer Länge von ca. 25 cm und 4-5 cm Durchmesser. Unten war auch noch das Hakenkreuz eingraviert. Es stellte sich heraus, dass es alte Leuchtspurmunition war. Zum Glück ist nichts passiert, aber wenn man bedenkt, wie lange das Zeugs da unten lag und wie sich die Druckveränderung durch die Bergung auf die Munition hätte auswirken können, war das eine dumme Idee.

 

#stay safe

Euer Taucher

 

Nachtrag: Hier noch ein tollerLink, den bronx.1965 zur Verfügung gestellt hat. Danke dafür.

Hat Dir der Artikel gefallen? 12 von 12 fanden den Artikel lesenswert.

18.03.2022 18:01    |    bronx.1965

Zitat:

Neben den topographischen und taucherischen Bedingungen interessiere ich mich auch im Vorfeld über die Geschichte des jew. Wracks. Was war das vorher für ein Schiff, welche Geschichte hatte es und warum liegt es nun da unten...

Das würde ich nicht anders machen. Man möchte ja wissen, was warum seit wann dort unten liegt.

 

Zitat:

Joa, hätte ich vermutlich nicht anders gemacht.

Ganz "gut" das man sich als Kind verschiedener Gefahren einfach (noch) nicht bewußt ist. Das meine ich in dem Sinne - dass alle Ängste fehlten.

18.03.2022 18:03    |    NDLimit

Goify, ich war schon in einigen Grotten. Teils werden die auch als Höhlen bezeichnet. Hat aber mit dem wirklichen Höhlentauchen nichts zu tun. Ich war schon in verschiedenen Bergwerken, das ist teils vergleichbar.

 

Hier mal ein Bericht dazu:

 

https://www.motor-talk.de/.../...nge-im-bergwerk-nuttlar-t6668156.html

18.03.2022 18:07    |    bronx.1965

Wie an anderer Stelle schon geschrieben: meine Unterwasser-"Erfahrungen" beschränken sich auf Schnorcheln im Andamanmeer und das ist locker 25 Jahre her. Mit Tauchen habe ich nix am Hut, bewundere aber jeden der das drauf hat.

Im Bergwerk tauchen - eine für mich schaurig-faszinierende Vorstellung. :eek:

18.03.2022 18:12    |    NDLimit

Eine megageile Erfahrung! Ebenso das Tauchen unter Eis...

18.03.2022 18:22    |    Goify

Wer unter Eis tauchen kann, hat keine Klaustrophobie.

18.03.2022 18:23    |    NDLimit

Das gilt aber auch für Höhlen/Bergwerke

18.03.2022 18:49    |    Goify

Zitat:

@bronx.1965 schrieb am 18. März 2022 um 18:07:40 Uhr:

Wie an anderer Stelle schon geschrieben: meine Unterwasser-"Erfahrungen" beschränken sich auf Schnorcheln im Andamanmeer und das ist locker 25 Jahre her.

Ich habe Flossen. ;)

 

Ich dachte mal, ich würde einfach mal so wie im Film von Luc Besson einen See ertauchen, aber ich kann nicht tauchen, habe ich festgestellt. Zu viel Luft in den Knochen oder was auch immer. Ich komme selbst mit größter Anstrengung kaum tiefer als 1 m. Ist vielleicht auch besser so.

18.03.2022 18:51    |    bronx.1965

Flossen hatte ich damals auch.

 

Braucht man beim Tauchen nicht Blei-Gewichte wenn man es in nennenswerte Tiefen schaffen will?

Vlt bist du zu leicht. :confused:

18.03.2022 18:52    |    berlin-paul

Thorsten schummelt ... er nimmt Balastblei ... :D

18.03.2022 18:53    |    bronx.1965

Sag ichs doch! :D

18.03.2022 18:55    |    NDLimit

Das stimmt so nicht. Wenn man ohne Anzug taucht, dann braucht es kein Blei. Man kommt so runter. Ein wenig muss man schon die Technik lernen, aber es braucht so kein Blei.

18.03.2022 19:01    |    Goify

Allerdings auch ohne Luft in den Lungenflügeln. Nur taucht es sich dann etwas schwer. Vielleicht probiere ich mal die sizilianischen Stiefel aus. :D

18.03.2022 19:57    |    Antaiir

Das Problem sind nicht nur Öl- und Munitionsreste aus dem zweiten Weltkrieg, auch verschollene nukleare Kampfmittel und gesunkene Atom-Uboote werden irgendwann zu einem großen Problem.

 

Was wir unseren Weltmeeren seit langer Zeit antun, wird sich definitiv rächen. Wir wissen mehr über den Weltraum, als über die Ozeane direkt vor unserer Nase. Dennoch mißbrauchen wir sie als Müllkippe, seit wir sie bereisen.... und dem Weltraum ergeht es nicht besser. Sind wir als Spezies überhaupt fähig, uns weiterzuentwickeln? Ich bezweifle das.

19.03.2022 03:54    |    NDLimit

Ich stimme zu, dass wir den Weltmeeren zu viel zumuten und der Vergleich mit dem Weltraum ist passend, auch wenn wir die kleinen grünen Männchen immer noch nicht entdeckt haben.

 

Nukleare Kampfmittel sind tatsächlich auch ein Problem. Allerdings "wehrt" sich die Natur dagegen. Nach der Operation Crossroads war das Gebiet verseucht, inklusive der gesunkenen Schiffe. Hier der Link dazu:

Crossroads

 

Mittlerweile ist immer noch reichlich Strahlung auf den Bikinis, aber die Schifswracks sind nahezu ohne Strahlung. Es gibt sogar Anbieter, die Wracktouren dorthin für technische Taucher anbieten. Inklusive Flugtransfer, Schiffstransfer, Gaslogistik darf man aber round about ca. 15-20.000 US-$ für einen solchen Trip einplanen. :(

20.03.2022 12:29    |    Erwachsener

Kleine Korrektur von mir, weißer Phosphor entzündet sich nicht durch Wärme, sondern durch Luftkontakt. Den hat er nicht, solange er unter Wasser bzw. nass ist. In der Hosentasche trocknet er aber, und dann geht's los. Und so ganz nebenbei ist das Zeug auch noch stark giftig. In diesem Sinne sind sämtliche Warnungen nur allzu berechtigt! Insbesondere Kinder sollten dringend durch ihre Eltern informiert werden, bevor es an den schönen Ostseestrand geht.

20.03.2022 12:43    |    NDLimit

Der Post mit der id 63476729 von NDLimit wurde von NDLimit gelöscht.

Grund: Danke für den Hinweis

 

NDLimit ist nicht Mitglied des MOTOR-TALK Teams

20.03.2022 13:00    |    bronx.1965

Anmerkung meinerseits dazu: weißer Phosphor entzündet sich sehr wohl durch Sauerstoff und Wärme. In einem Temperaturbereich zwischen 20 und 40 Grad C.

Der Schmelzpunkt liegt bei 44 Grad C.

Siedepunkt bei 280,5 Grad C.

Trocken am Strand liegender Phosphor ist also in der kalten Jahreszeit genauso persistent wie in salzhaltigen Wasser lagernd.

Die Personenschäden entstehen in genau diesem Temperaturbereich durch die Erwärmung auf den Wert der Körpertemperatur, welche eben "idealerweise" am oberen Rand des Temperaturfensters liegt.

Es sind also stets 2 Faktoren nötig.

20.03.2022 15:33    |    NDLimit

Bleibt festzustellen: Finger weg!

 

Der gelschte Post hat den Hintergrund, dass der User nicht mit Namen genannt werden möchte. Dem Wunsch komme ich gerne nach.

21.03.2022 14:36    |    Erwachsener

Schon richtig, Phosphor braucht eine Mindesttemperatur für die Selbstentzündung - nicht unbedingt Körperwärme. Aber das sind Details. Komplett ausreichend ist die Regel: Finger weg!

21.03.2022 14:44    |    Goify

Also auch kein Bernstein sammeln? Woran erkennt denn der Laie am allereinfachsten den Unterschied? Google sagt, Bernstein sei immer transparent, Phosphor transluzent bis opak.

21.03.2022 15:18    |    PIPD black

Zitat:

@Goify schrieb am 21. März 2022 um 14:44:55 Uhr:

Also auch kein Bernstein sammeln?

Zumindest nicht in den betroffenen Gebieten. Denn auch der Hautkontakt ist nicht ungefährlich.

21.03.2022 15:24    |    Goify

Werde ich bei einem Urlaub dort dann machen. Ostsee steht recht weit oben auf meiner Liste, auch wenn ich dort als Kind zwei bis drei mal war. War ja damals das einzige Meer, was wir hatten neben dem Plattensee. ;)

23.03.2022 01:45    |    NDLimit

Hier noch ein Link zum Thema Phosphor/Bernstein:

 

https://www.steine-und-minerale.de/artikel.php?topic=4&ID=351

 

Goify, den Plattensee als Meer zu bezeichnen finde ich witzig, dürfte damit das flachste Meer überhaupt sein :D

23.03.2022 13:03    |    berlin-paul

Das Müritzmeer ist tiefer und in der Gegend gibts viel Fontänen ... ähm Fontane .... oder so :)

23.03.2022 13:04    |    PIPD black

Fontanelle meinst du....Fontanelle.:D:D:D

23.03.2022 13:31    |    Goify

Meint ihr, das Bernsteinzimmer wird man jemals finden?

Meine Theorie: Das Teil ist bei irgend einer Bootstour untergegangen und keiner kann sich erinnern, bzw. lebt noch.

 

Dass das Teil bei jemandem daheim liegt, der die Klappe hält, geht nur so lange gut, bis jemand plappert. Früher oder später hätte immer jemand geplappert.

Aber vielleicht gibt es ja so ne coole Story wie damals mit Hitlers Tagebüchern. Die Verfilmung mit Horst Schimanski , äh Götz George war der Hammer.

23.03.2022 13:39    |    berlin-paul

Es wäre nicht gänzlich unmöglich, dass die Russen das verpackte Konvolut ohne Kenntnis des Inhalts während oder nach dem Krieg eingesackt haben und das irgendwo in irgendeinem uralten Staatsarchiv dort vor sich hin gammelt. Sollte es abgebrannt sein, so gäbe es keine Rückstände. Aber wie immer: nix genaues weiß man nicht.

23.03.2022 13:43    |    Goify

Stimmt, feuerfest war es ja nicht. Heißt zwar Stein, aber ist doch eher eine Art Baumharz.

23.03.2022 13:49    |    berlin-paul

Kiefer/Fichte ... stark harzhaltige Nadelbäume halt.

23.03.2022 13:54    |    Goify

Mein Opa hatte in seinem Lada einen Schaltknauf aus Bernstein.

23.03.2022 16:33    |    NDLimit

War dann der Schaltknauf teurer als der Lada??? :D

23.03.2022 16:40    |    Goify

Gut möglich. :D

Am teuersten waren wohl die vielen Liter Elaskon, die den Wagen vor dem frühen Rosttod bewahren sollten. Russenstahl ist dafür bekannt, noch im Bergwerk zu korrodieren. Wird ja von Höhlenmenschen und -tauchern abgebaut.

Deine Antwort auf "Was man so in der Ostsee findet"

Informationen

Hier möchte ich unregelmässig einige Berichte Rund um das Thema Tauchen veröffentlichen.

 

Ja, ich weiß, dass es OT in einem Auto-Forum ist. Da es hier im Forum einige User gibt, die selber tauchen oder es zumindest interessant finden, habe ich mich dennoch dazu entschlossen.

 

Daher: Viel Spaß beim Lesen :)

Informationen

Hier mal einige Tauchvideos:

 

Fishing under Ice

Adventures of the Fisherman

Human Balloon

 

und mein Favorit:

Tauchen in Nuttlar Total bekloppt, aber das habe ich gemacht. :)

Taucher:

  • anonym
  • PDay
  • NDLimit
  • berlin-paul
  • Schwarzwald4motion
  • Hannes1971
  • -Calle-
  • czissy
  • qaqaqe
  • tomcat092004

Blogleser (37)

Blog Ticker

Muss man kennen: