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03.01.2011 05:23    |    MT-Tom    |    Kommentare (3)    |   Stichworte: Buenos Aires, Dakar 2011, Scrutineering

Während in Deutschland darüber diskutiert wird, ob Harz IV Empfänger weniger böllern sollen und die meisten darauf hoffen, dass es in der Silvesternacht nicht gar zu kalt wird, ist der Sommer in Argentinien gerade erst angekommen. Wer jetzt denkt, dass es um so gemächlicher bei den Temperaturen zugeht, der hat weit gefehlt. Bei gut 30 Grad zerren nur ab und an einige erfrischende Windböen an meinem "Pressebändel" während ich die Stunden bis zum Nachmittäglichen Pressebriefing durch Buenos Aires schlendere. So unverhofft, wie die Gelegenheit kommt für ein paar Stunden einfach die Stadt und die Menschen auf sich wirken zu lassen so willkommen ist die Gelegenheit. Die nächsten Tage haben sich schon mit dem Versprechen angekündigt sehr anstrengend zu werden. Die Dakar 2011 startet am "Katertag" also am 1.1.2011, mitder ersten Etappe nach Victoria. Mit 377 Km ist die Etappe weder sonderlich lang noch enthält sie ein Special oder irgend eine Art von Zeitmessung. Die Dakar zeigt sich von ihrer entspanntesten Seite, die aber ungefähr so repräsentativ für die Rallye ist, wie Bowling auf der Wii für echtes Bowling. Worauf ich gespannt bin ist aber der Start vom so genannten Podium im Zentrum von Buenos Aires auf dem Plaza dela Republica. Dort steht ein großer Obelisk... ähnlich wie auf dem Place de la Concorde in Paris, von dem die Rallye Jahrelang gestartet ist. Wenn beabsichtigt, dann ist es, wie ich finde, eine nette Homage an die alte Zeiten.

 

Eigentlich ist heute Sylvester, aber für den Wintergewohnten Deutschen, also mich, ist Sylvester bei 30 Grad hochgradig suspekt. In der Stadt ist wenig los, einige Touristen knipsen sich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit und die meisten Argentinier genießen den freien Tag. Auf den Straßen fliegen jede Menge Papierschnipsel durch die Gegend. Erst halte ich das für eine schlecht funktionierende Stadtreinigung, aber ein Einheimischer erklärt mir, dass es hier wohl den Brauch gibt die "Papiere und Sorgen" des vergangenen Jahres zu zerreißen und das neue Jahr unbelastet zu beginnen. Das wiederum gefällt mir gut... deutlich unbeschwerter, als so mancher Deutscher.

 

In der prallen Mittagssonne brutzeln meine Sommersprossen und die gute weiße europäische Haut ächzt unter dem Südamerikanischen Photonenansturm. in der Stadt beginnen bereits an allen Ecken und Enden die Vorbereitungen für den Start der Dakar. Überall werden Absperrgitter zum abzäunen der Strecke aufgebaut und der Place dela Republica ist bereits komplett abgesperrt. Von den typischen Sehenswürdigkeiten bekomme ich kaum etwas zu sehen, ich spaziere eigentlich mehr oder weniger planlos durch die Straßen und knipse, was mir vor die Linse kommt. Gegen 14:00 Uhr fahre ich mit zwei weiteren Journalisten (Timo und Fabian) ins Dakar Village. Dort sind die letzten Teams dabei ihre Fahrzeuge durch das Scrutineering zu bekommen. Die gestern hektische Halle ist jetzt fast schon verwaist. Einige Buggy Fahrer machen Kunststückchen zur Belustigung der Zuschauer und der eine oder andere Truck rumpelt in Richtung Bühne.

 

Daniela, Timo, TinaDaniela, Timo, TinaIm RedBull Pavillon treffen wir bei Eisgekühltem Orangensaft Tina Meyer. So wie ich, werden sich die Meisten jetzt fragen, wer um alles in der Welt Tina Meyer ist? Tina fährt als eine von 13 Frauen und Einzige Deutsche die Dakar mit und das nicht zum ersten mal und dazu noch auf dem Motorrad. Mit Schlappen, Khakis und einem Dirtgirls.de T-Shirt wirkt Sie weniger wie eine knallharte Motorradfahrerin. Als sie im Spaß ihren Bizeps zeigt und lacht merkt man, dass wie üblich mehr hinter der Fassade steckt. Erstens sieht der Bizeps für einen Frauenarm überaus trainiert aus und zweitens kann man die Begeisterung für die Dakar und das Motorrad fahren immer wieder durchblitzen sehen. Ich denke man darf gespannt sein, wie sie die Dakar in diesem Jahr bestreiten wird. Merke: "...später in den Biwaks mal schauen, wie sich Tina und ihr Team so schlagen." Wer übrigens mehr wissen will. Tinas Team bloggt auch fleißig unter Dirtgirls.de von der Dakar.

 

Gegen 18:00 Uhr geht das Pressebriefing dann endlich los. Die versammelten Journalisten werden vom Veranstalter begrüßt und zu den wichtigsten Themen mit den letzten Informationen versorgt. Im Wesentlichen sind die Informationen aber identisch zu den bereits verfügbaren Presserichtlinien und für die meisten entsprechen sie auch dem gesunden Menschenverstand. Jeden Tag steht für Journalisten ein Roadbook mit besonderen GPS Koordinaten zur Verfügung. Diese sind besonders für die Fotografen interessant, da die Punkte sich direkt an der Strecke befinden und meist auch einen guten Einblick in das Renngeschehen ermöglichen. Jeden Tag um 17:00 Uhr gibt es dann eine Pressekonferenz zu den Ereignissen des Tages. Darüber hinaus wird noch einmal das Tripy erklärt.

 

Beim Tripy handelt es sich um ein Navigationssystem, das für alle Rallye Fahrzeuge verpflichtend ist. Es enthält das Roadbook für die Begleitfahrzeuge und für die Rennteilnehmer. Während des Rennens wird die zulässige Höchstgeschwindigkeit angezeigt und jeder Verstoß wird aufgezeichnet. Die Organisatoren lesen das Tripy bei Einfahrt ins Biwak aus und bei Verstößen der Begleitfahrzeuge kann es durchaus zu Punktabzügen für das gesamte Team kommen. In dieser Beziehung ist die A.S.O. Rigoros. Sicher auch deswegen, weil die Dakar in ihrer Vergangenheit diverse Todesopfer unter Zuschauern gefordert hat. Während des Rennens gibt es für die Fahrer auf bzw. an der Strecke so genannte Waypoints. Diese Punkte liegen meist neben der Strecke und müssen von den Fahrern angefahren werden. Das Tripy zeigt diese Wegpunkte ebenfalls sobald man in der Nähe ist. Sie liegen quasi auf dem Weg. Insbesondere aber, wenn "der Weg" mitten durch die Wüste geht und man genau genommen nicht einmal von Straße oder Weg sprechen kann, wird das schon mal zur Herausforderung und ist auch genau als eine solche gedacht. Die Fahrer haben wohl ein ähnliches System, das schaue ich mir aber noch einmal an, wenn ich im Biwak die Race Touaregs "unter die Lupe" nehmen kann.

 

Nach dem Pressebriefing geht es zurück ins Hotel. Die offizielle VW Silvesterfeier soll gegen 20:00 Uhr starten. Gerade genug Zeit, um Fotos zu sortieren und ein paar Gedanken festzuhalten. Vielleicht reicht es sogar für ein kurzes Nickerchen. Die vier Stunden Zeitverschiebung fordern inzwischen verhalten ihren ersten Tribut. Tatsächlich reicht die Zeit dann doch nicht zum Schlafen, aber eine Dusche ist drin. Man nimmt was man kriegen kann, erst recht wenn nicht klar, ist wie das mit den Duschen in den nächsten Tagen so aussehen wird. Tatsächlich trifft sich das gesamte VW Team und der Begleittrupp, insgesamt weit über 130 Menschen, zum "Exilsilvester". Leider kommt der Abend nicht so richtig in Schwung, das Team ist natürlich auf das Rennen am nächsten Tag eingestellt und gegen 22:00 ist auch der letzte Fahrer und ein Großteil der Techniker in den Betten verschwunden. Als die Uhr dann unaufhaltsam die letzten Minuten von 2010 "vertickt" wird es aufgeregt im Saal. Obwohl ich mich eigentlich den Abend über gut unterhalten habe fühle mich ziemlich fehl am Platz. Wenn ich so darüber nachdenke kann ich gar nicht genau sagen, wann ich das letzte mal ohne meine Familie und Freunde Sylvester gefeiert habe. Noch verrückter daran ist die Tatsache, dass in Deutschland seit fast vier Stunden bereits das neue Jahr in Kraft ist. Meine Familie fehlt mir, wildfremde Menschen wünschen mir ein frohes neues Jahr und zwei Sambatänzerinnen versuchen die Party in Schwung zu bringen. Ich schnappe mir eine Flasche Bier und fliehe aus dem Keller des Hotels in die warme Argentinische Nacht. Vom Regen in die Traufe, das Hotel liegt zwar im Zentrum, aber nicht da wo gefeiert wird. Vor dem Hotel tummeln sich einige Partygäste sonst ist die Straße tot. Kein Taxi, kein Auto, keine Böller und erst recht keine feiernden Argentinier. Ein Wahnsinn, ich bin in Südamerika, es ist Sylvester und ich freue mich über Fotos meiner Freunde und Familie auf Facebook anstatt zu feiern. Ein gelungener Start sieht anders aus. Aber was beschwere ich mich, ich bin ja auch nicht zum feiern hier. Der frühe Morgen des 1. Januar 2011 geht dann doch noch bei einem Bier und Whisky gemeinsam mit ähnlich tickenden Journalisten "Kollegen" am Hotelpool zu Ende. Kurz vor drei lasse ich meine völlig verstellte innere Uhr wissen, dass jetzt Schlafenszeit ist. Nach gefühlt Stundenlangem hin und her wälzen findet mich irgendwann der Schlaf. Ob gerecht oder nicht vermag ich nicht mehr zu sagen.

 

Euch allen ein frohes, neues und erfolgreiches 2011 :)


03.01.2011 15:11    |    Standspurpirat10991

@ MT-Tom:

 

Danke, Dir ebenfalls ein "Gutes Neues" und hoffentlich (bzw. bestimmt) tolle Tage im Warmen.

 

PS: Bei uns schneit`s heut schon wieder dicke Flocken runter, der Schnee bzw. Winter nervt mittlerweile. Aber leider ist ja erst Anfang Januar, und Winter kommt ja meist er im Januar/Februar.

 

In diesem Sinne kannst Du evtl. die "komische Silvesternacht" auch schnell vergessen und dich am warmen Klima erfreuen.

 

Viel Spass weiterhin... :cool:

04.01.2011 08:33    |    Spannungsprüfer47468

Hey Tom,

 

frohes Neues auch von mir. Hab gerade beim ARD Morgenmagazin Bilder von der Ralley gesehen. NEID!!!! Was für ne Landschaft! Was für ein Wetter! Was für eine Ralley! Viel Spaß und bis die Tage.

 

Jalopy

04.01.2011 13:22    |    XC70D5

Frohes Neues nachträglich, jetzt ist ja schon "mittendrin" (bei der Rallye, nicht beim Jahr ;-).

 

Auch wenn ich eher beim "Pseudo-Privatteam" von BMW bin, wünsche ich wenigstens den VW-Begleitteams alles Gute :p

 

Habe die letzten beiden Tage bei Eurosport geguckt, aber kein bekanntes Gesicht gesehen. Warte also weiter auf den Telewinker Tom :D

 

 

Gruß

 

Martin

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