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BMW 3er E36 316i 1,9 Compact Praxis-Test

15.01.2015 11:21    |   Bericht erstellt von Verbrauchtwagenfan

Testfahrzeug BMW 3er E36 316i Compact
Leistung 105 PS / 77 Kw
Hubraum 1895
HSN 0005
TSN 650
Aufbauart Schrägheck
Kilometerstand 194000 km
Getriebeart Handschaltung
Erstzulassung 5/2001
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als 5 Jahre
Gesamtnote von Verbrauchtwagenfan 4.0 von 5
weitere Tests zu BMW 3er E36 anzeigen Gesamtwertung BMW 3er E36 (1990 - 2000) 3.5 von 5
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Einleitung

Der BMW Compact ist inzwischen seit 8 Jahren in meinem Besitz und in der Zeit bin ich damit ziemlich genau 100tkm gefahren.

 

Gesucht wurde damals eine eierlegende Wollmilchsau, die

 

- wenn mans darauf anlegt mit 6,5 Litern zu fahren ist, da ich damals täglich 70 km gefahren bin

- wenn mans darauf anlegt Spaß beim fahren macht mit hohen Querbeschleunigungen

- in der ich gut sitze

- zwei mal im Jahr eine Zeltausrüstung mit Rennrad aufnehmen kann, deshalb auch Heckklappe

- die im Ruf steht 300tkm Laufleistung gut weg zu stecken

 

Er sollte einen wirtschaftlich nicht mehr TÜV-fähigen Golf II GT Spezial ersetzen und eigentlich sollte es damals ein gut motorisierter Golf IV werden, aber den e36 Compact hatte ich mit auf der Rechnung und als ich einen sah mit kompletten M-Paket, 6 Jahre alt aus erster Hand für 6.500,- vom BMW Händler war es "meiner", zumal mir gefiel, dass eine Steuerkette anstelle eines Zahnriemens an Bord ist.

 

In wie weit wurden die Erwartungen erfüllt?

Galerie

Karosserie

3.0 von 5

Als ich ihn damals kaufte fiel mir gleich auf, dass die Lackqualität (Avus-Blau) wirklich gut war. Er wirkt satt im Auftrag, selbst nach 6 Jahren.

 

Auch die innen verwendeten Materialien machten einen tollen Eindruck. Nach 14 Jahren hat der Sportsitz an der Wange ein kleines Loch im Alcantara-Leder (Nachvollziehbarer Verschleiß) und der Innenhimmel löst sich (ärgerlich). Ansonsten hat die Innenausstattung gut gehalten, es funktioniert auch noch alles, selbst der Sitz ist nicht durchgesessen.

 

Die Sitzposition im Auto ist großartig und variabel, selbst 1300km zum Atlantik in einem Rutsch sind gut erträglich. Das Auto läßt sich auch sehr gut abschätzen, lediglich beim Heck wirds zum Einparken unübersichtlich. Wenns eng wird schaue ich dann durch die Tür aufs Heckschürzeneck, dann geht's Milimetergenau.

 

Die Konstruktion der Fensterheber hält nicht mit dem restlichen Auto Schritt. Der in der Fahrertür war bei mir 2 mal defekt, aber der Tausch der Gleitbacken und dabei Schmieren des Mechanismus ist kein Hexenwerk.

 

Eine der Anforderungen war, dass Zelturlaubsausrütung und Rennrad reinpassen. Hier wurde ich enttäuscht, denn es war enger als in meinem Golf 2 und selbst im damaligen Polo 86c meiner Mutter ging das Equipement leichter unter, obwohl beim e36 mehr Außenlänge zur Verfügung steht. BMW legt den Schwerpunkt auf andere Dinge. Wer vorwiegend auf die praktische Seite seines Autos wert legt ist mit einem VW, Opel, Ford o.ä. wahscheinlich besser bedient.

Galerie
Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + Klasse Verarbeitung und Materialeien
  • + Steife Rostressistente Karosserie
  • - Innen kleiner als vermutet

Antrieb

4.0 von 5

Ein BMW lebt vom M im Markennamen, das ist hier nicht anders. Allerdings auf eine andere Art als erwartet: Die Nennleistung liegt bereits bei 5200 U/min an. Das Vorbild dieses Motors scheint der 2,5 Liter eta Motor aus den 80ern gewesen zu sein. Entsprechend früh liegt gutes Drehmoment an und das trotz langer Übersetzung. Im alltäglichen Fahrbetrieb fühlt sich der BMW deutlich stärker an als die 105PS erwarten lassen. Auch auf der Autobahn gehts zügig auf die 180, erst dann wirds zäh, bei 200 Tacho ist dann Schluss. Wenn der Vordermann vom M-Gesicht eingeschüchtert Platz macht (DER Unterschied zu meinem Golf GT; auf der Autobahn wird viel häufiger Platz gemacht) kommt also meist noch was. Nach oben hinaus ist der Motor aber eher zäh, nicht direkt unwillig, aber der gaswechsel ist aufs Drehmoment ausgelegt und nicht auf Drehzahl. Deshalb kam dann ja auch Vanos......)

 

Das Getriebe schaltet sich knackig knochig wie man es von einem BMW kennt und erwartet. Bei meinem Exemplar zeigt der 5. allmählich Schwächen beim Syncronring. Es war halt ein hoher Anteil an Berufsverkehrsfahrten dabei.....

 

Wer sportlich fährt hätte sicher gerne, wenn er den Motor laufen lässt, engere Anschlüsse beim Schalten. Das ist der Preis der langen Übersetzung (im Gegensatz zum 316i 1,6l, der wesentlich sportlichere Motor mit deutlich kürzerem Getriebe), die aber zwei Große Vorteile hat:

 

- Ruhe im Innenraum, die ich nur von größeren Autos kenne

- Der Verbrauch

 

Ich zähle sicher zu den sparsameren Fahrern im Lande. Im normalen Verkehr fahre ich das Auto mit etwa 6,4-6,7 Litern. Damit ist anforderung zwei voll erfüllt. Beim Angasen wird es deutlich mehr, ca. 8,5-10. Wenn ich im Urlaub durch Frankreich rolle ist auch die 5 vor dem Komma. Hierbei handelt es sich um errechnete Verbräuche. Der Bordcomputer zeigt mit konstanter Bosheit einen halben Liter weniger an. Reichweiten auf gemütlichen Langstrecken von 800 km bis zum Tanken sind also Standard.

 

Nach 194tkm liegt der Ölverbrauch bei ca einem Liter auf 15tkm. Zwischen den Ölwechseln also kein Nachfüllen. Auch wirkt der Motor immer noch frisch. Da geht also noch was.....

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Drehmomentverlauf des Motors
  • + Verbauch
  • + lange Übersetzung, trotzdem Durchzug
  • + Gut schaltbares Getriebe
  • - Im oberen Drehzahlbereich zäh

Fahrdynamik

4.5 von 5

Hier könnte ich ganz kurz sagen: Ein BMW! Der Motor könnte nach oben mehr Feuer entwickeln. Ich hätte also den 318ti kaufen müssen. Ansonsten kein Grund zur Klage: Sehr enger Wendekreis, eine auf den Millimeter zielgenaue Lenkung trotz Servounterstützung, auch sehr gute Rückmeldung. Scheibenbremsen rundum in ordentlicher Dimension packen zu, auch mit der kompletten Ausrüstung beim Tiefflug durchs Massiv Central (Tolles Heizergebiet, herrliche Strässchen!!). Und mit dem M-Fahrwerk gibts auch noch tolle Querbeschleunigung.

 

Beim Einlenkverhalten in Haarnadeln spürt man aber schon das ordentliche Gewicht (1250Kg). Hier machen dann auch Reifen einen großen Unterschied aus. Denn je nach dem bleibt das Auto lange neutral um dann übers Heck allmählich zu drängeln, oder bei mäßigen Reifen untersteuert das Auto leicht um dann unter Last relativ unvermittelt in ein sanftes Übersteuern zu wechseln. Das serienmäßige ASC wirkt recht unauffällig und gut abgestimmt, obige Tendenzen kommen besser zu Tage, wenn es ausgeschaltet ist. Im Winter ist das aber eine Lebensversicherung. Leichte angetriebene Hinterache macht auf Schnee irrsinnig Spaß, solange man Platz hat und alleine ist. Kommt man jedoch plötzlich und unerwartet auf Eis wirds ekelig........

 

Im Laufe der Jahre mussten die Tonnenlager hinten (Jetzt Meyle) und 3(!) mal eine gebrochene M-Feder an der Hinterachse gewechselt werden. Letzteres ist ärgerlich, da es die M-Federn nur Paarweise zum Apothekenpreis gibt.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + Hohe Querbeschleunigung (M-Fahrwerk)
  • + Gute Bremsen
  • + Direkte

Komfort

4.0 von 5

Die guten Sportsitze habe ich schon weiter oben erwähnt und mache es hier nochmal, sie haben es verdient. Guter Seitenhalt, ermüdungsfrei auf langen Strecken und immer noch nicht durchgesessen. Gerne wieder....

 

Auch die Klimatisierung geht in Ordnung. Der Lüfter läuft die ersten beiden Stufen sehr leise. Die Heizung ist gewalttätig und im Sommer wird die Klimaanlage locker mit dem kleinen Innenraum fertig. Ich selbst mache bei Hitze aber viel lieber das Fenster auf......

 

Das einzige Manko ist der Luftverteilungsschalter: Er funktioniet gut, aber es fehlt die Stellung, bei der aus allen Öffnungen Luft kommt, also im Winter etwas auf die Scheibe, damit diese frei bleibt, warme Füße und warmer Innenraum (Mittelausströmer). Mein Golf GT2 konnte genau das. So hat man nur die Wahl zwischen zwei der drei Dinge, da die warme Fußraumluft seltsamerweise den Innenraum nicht so sehr wärmt. Statt auf zu steigen geht die Warme Luft wohl zügig in Richtung Zwangsentlüftung....

 

Dank des langen Getriebes und der Ausgleichswellen nerven weder Vibrationen noch laute Geräusche beim Fahren. Bis 160 kann man sich ohne die Stimme zu erheben unterhalten. Anstelle Winterreifen habe ich mir letzten Herbst einen Passat 35i Kombi gekauft, der kann das nicht so gut.

 

Der beste Punkt zum Schluss: Das M-Fahrwerk. Das es beim Tieffliegen Spaß macht und seine große Stunde hat ist nicht neu, aber mich hat von Anfang an erstaunt, wie ordentlich es Fahrbahnfehler wegbügelt. Es ist kein sanfter Gleiter, aber so wie es mir gefällt: Ein ordentliches Maß an Federweg und straff gedämpft. Sehr langstreckentauglich.

Testkriterien
Federung (sportlich): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Klasse Sportsitze
  • + Gekonnt abgestimmte Federung
  • + Leise

Emotion

3.5 von 5

Ich fahre ihn sehr gerne und wenn ich hinterm Steuer sitze und vor mir frei ist gehen automatisch die Mundwinkel hoch. Wie oben erwähnt fährt eine Portion Überholprestige mit, mehr als das Auto eigentlich verdient. Da das Fahrzeug inzwischen 14 Jahre alt ist, dem Reutlinger Hagel 2013 zum Opfer gefallen ist und inzwischen doch seltsame Fahrer auf dem Auto zu sehen sind werde ich wohl kaum von meinen Nachbarn und Freunden darum beneidet. Zum Glück mögen sie mich trotzdem :)

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (sportlich): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Macht Spaß zu fahren

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 100-200 Euro
Verbrauch auf 100 km 6,5-7,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 100-300 Euro
Gebrauchtwagengarantie 12 Monate
Werkstattkosten pro Jahr 200-500 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 70794
Haftpflicht 300-400 Euro (35%)
Teilkasko 50-100 Euro
Außerplanmäßige Reparaturkosten Fahrwerk/Rost - Feder (200 €)

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Da ich das Fahrzeug seit 8 Jahren habe bin ich logischerweise damit zufrieden, sonst hätte ich es weiter gegeben. Die eingangs erwähnten Erwartungen wurden also weitestgehend erfüllt. Auch scheint die Konstruktion wirklich robust zu sein und der Rost hält sich in ganz engen Grenzen. Es wird wohl noch ein paar Jahre gehen, zumal ich die Wartung inzwischen selbst erledige (weil man es bei einem so alten Auto auch einfach kann) und der Wiederverkaufswert inzwischen nicht mehr zum Verkauf drängt. Auch muss ich mich nicht mehr darüber wundern, was manche Teile bei BMW kosten können (Luftmassenmesser); heute geht es über den freien Handel. Und wenn ich noch eine Motorhaube in Avusblau finde, fällt auch der Hagelschaden nicht mehr so auf.

 

Ich war 3 mal mit dem Compact beim TÜV und habe die Plakette nie auf Anhieb erhalten. Aber das war alles aus dem Bereich "hätte man sehen können" und "TÜV-Prüfer war wohl schlecht gelaunt" (Mein freier Schrauber zu den"durchgefallenen" Tonnenlagern). Finanziell waren es aber nie Dramen. Der e36 scheitert wie es scheint an den preiswerteren Positionen.

 

Das beste was man über ein Auto sagen kann ist wohl: "Ich würde es auf jeden Fall wieder kaufen" und das kann geschehen wenn ich noch mal einen guten 316i 1,9 Compact M-Paket finde mit erheblich weniger Kilometer als meinem. Vielleicht aber auch als 323ti.....

 

Wer richtig Spaß beim Fahren zu überschaubaren Kosten und Risiken sucht tut es mir gleich.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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