Wie war es in der alten Zeit mit dem TÜV?

Man erzählt ja immer gern von früher, gell. Umso besser, wenn es mal jemand hören will. Was mich nämlich interessieren würde:
Brösel (Werner-Zeichner) meinte früher, man stehe mit einem Bein im Knast, wenn man ein vernünftiges Motorrad fahren will.
In den Comics ist auch viel dazu verarbeitet ("der Lenkäh is abä nich oginool!"😉.

Irgendwann muss sich das geändert haben, denn was ich z.B. auf den Harley Days so mit amtlichem Kennzeichen sehe, spottet teils einiger Beschreibung.
Deshalb meine Frage: wurden damals wirklich nur Maschinen im Zustand ab Werk geduldet? Gab es Ape Hangers u.ä. überhaupt nicht legal? Was gibts so für Anekdoten zu erzählen? Was hatte man für Probleme als Reisbrennerfahrer (die mit der Güllepumpe und dem Schuberth-Golfballhelm in den Comics), nur den evtl zu lauten Auspuff?

Beste Antwort im Thema

Als ich 1973 den M-Lenker an meiner RD 350 eintragen lassen wollte, meinte
der TÜVler, ich soll an den Hörner Isolierband drumwickeln. Hab ich natürlich nicht gemacht und
wurde auch nie mehr beanstandet. Als ich vor gut 10 Jahren mit meiner Z 1000
zum TÜV kam, waren Ölspuren an den Tauchrohren zu sehen. Der TÜV-Prüfer (älter)
sagte "die Gabeldichtringe sind undicht; oder hab ich Öl auf die Rohre gebracht".
NATÜRLICH.😁 Er lächelte wissend und es gab die Plakette.

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Was in den letzten Jahren mmer ein Drama war ist Reifen eintragen lassen. Kam da dauernd an TÜVler die einfach keine Ahnung hatten und musste somit zu einem gut 100 km entfernten TÜV wo das alles dann rein gar kein Problem war. *Kopf schüttel*

Bin froh das bei meiner 690er der blöde Zusatz mit der Freigabe laut Hersteller im Schein endlich fehlt...

Was enorm zur Entspannung beigetragen hat, das ist neben dem EU-Recht die neu geschaffene Konkurrenzsituation. Früher durfte nur der Tüv prüfen, heute gibt es Tüv, Dekra, KÜS, GTÜ... Das einzige, wo die Monopolsituation erhalten geblieben ist, das sind meines Wissens Eintragungen in die Kfz-Papiere Die dafür erforderlichen Unterlagen stellt im Westen der Tüv aus, im Osten die Dekra. Mal gucken, wie lange sich die EU diesen Marktprotektionismus noch ansieht.

Nochwas. Immer wenn ich mit meinem NSU Prinz 4 vorgefahren bin, war mir schon klar daß es nicht beim ersten Mal klappen würde. Die Bremsen waren immer die üblichen verächtigen. Zu hasue eingestellt wieder hin, Aufkleber fertig.
Vor einem Termin sagte ich dem Ing wir könnten das ganze auch verkürzen.
Er sollte mir den Aufkleber geben und gut. Das wollte er nicht................

Ich habe eher den Eindruck, dass der TÜV heutzutage toleranter ist wie damals, wo man oftmals auf echte Querscheißer mit Besenstiel im Ar... treffen konnte, die einem die Kiste zerpflückt haben um nach Fehlern zu suchen, wenn man nur die Haare etwas länger trug als es die DIN -Norm gestattete.Daher ist der Brösel - Comic gar nicht so abwägig und die Wut von so manchen, war berechtigt.

Man muss heutzutage nur den richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt wählen, z.B. kurz vor dem Sommerurlaub in der Stadt, dann sind die maßlos überfordert und winken schon mal, nach recht bescheidener Überprüfung der Funktionen wie Licht, Blinker, Bremsen, genervt und schnell durch.

Wie gesagt, die Erfahrungen sind recht unterschiedlich, man kann generell nichts pauschalieren, das o.g. sind nur persönliche Erfahrungen.Jeder hat überdies auch eine andere Auffassung von dem was Recht und Ordnung und technisch okay ist, was nicht...

Man muss nur mal nach Frankreich auf ein Motorradtreffen fahren, da geht einem als deutscher Motorradfahrer der Hut hoch und die Klappe fällt auf den Boden, wenn man sieht, was da alles mit frischem TÜV noch auf die Straße darf, ein El-Dorado für Schrauber, Bastler um Customizer.

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Bei uns konnte man auch nicht einfach beim TÜV vorfahren. Zumindest für Bochum, Gelsenkirchen und Recklinghausen musste man eine Doppelkarte
mit gewünschter Prüfstelle, Tag und Uhrzeit ausfüllen und nach Essen
zum TÜV schicken. Irgendwann kam dann eine Karte zurück, wo der Ort,
Tag und Zeit angegeben war. Oft stimmte weder Ort, Tag und Uhrzeit mit
dem gewünschten Termin überein. Also reine Glückssache. Auch
der Termin selbst wurde nie eingehalten; bis man dran kam vergingen
teilweise mehrere Stunden und man musste für den TÜV am Besten einen
Tag Urlaub nehmen. Das besserte sich so Ende der 80er.

Den Erzählungen der Club-Veteranen zufolge gab es damals 3 Möglichkeiten:

1.) Custom-Teile mit Schlagzahlen "legalisieren". Haben die TüVler meistens nicht bemerkt (wie denn auch?)
2) Einfach illegal rumfahren, weil Motorrad-Kontrollen gab es mangels Motorrädern äußerst selten. Vor dem TüV gabs dann das große "Geschraube". In meinem alten Club gab es, Berichten zufolge, EINE legale Auspuffanlage, die jährlich mindestens 5 Mal zum TüV gefahren wurde...
3.) In der "Szene" waren die großzügigeren Prüfer bekannt, also ging man zu denen. Teilweise wurden Harley-Umbauten vom Kreis Göppingen bis nach Hockenheim gefahren, da war einer, der war sehr großzügig. Und man wußte auch sehr genau, zu welchem TüV man keinesfalls fahren durfte.

Und wenn dann doch mal einer erwischt wurde, hat man halt die Strafe bezahlt und evt. die Sperre abgesessen, und dann gings weiter wie zuvor. Da kam keiner mit dem Anwalt oder so, das war mehr so eine Art Sport.

Heute machen die Organisationen ihr Geschäft aber auch nicht mehr nur in ihren Prüfstellen, sondern zu einem großen Teil beim Kfz-Gewerbe. Und da kann es sich ein Prüfer einfach nicht erlauben, zu pissy zu sein, weil die Kfz-Werkstatt sonst mit einem anderen Prüfer zusammenarbeitet.

Zitat:

Original geschrieben von Kleinkubikgemesch


Ich habe eher den Eindruck, dass der TÜV heutzutage toleranter ist wie damals, wo man oftmals auf echte Querscheißer mit Besenstiel im Ar... treffen konnte, die einem die Kiste zerpflückt haben um nach Fehlern zu suchen, wenn man nur die Haare etwas länger trug als es die DIN -Norm gestattete.Daher ist der Brösel - Comic gar nicht so abwägig und die Wut von so manchen, war berechtigt.

Jep vieles ist einfacher geworden.

Aber Wir hatten damals "Unseren" Prüfer und irgendwie ist das heute noch so 😁

Ich hatte auch "meinen" Prüfer als ich mit meinem NSU da war. Er fuhr einen Goggo. Da gab es immer Benzingespräche. Die Prüfung war da nebensächlich.

Zitat:

Original geschrieben von Softail-88


Vor dem TüV gabs dann das große "Geschraube". In meinem alten Club gab es, Berichten zufolge, EINE legale Auspuffanlage, die jährlich mindestens 5 Mal zum TüV gefahren wurde...

So ähnlich hab ich mir das vorgestellt. 😉 😁

Es ist auch heute wohl noch so, dass es ein wenig aufs Äußerliche ankommt. Meine Karre wird vom TÜV sicher auch deshalb so durchgewunken, weil sie eine der wenigen des Typs ist, die noch zu 99% original aussehen (das restliche Prozent ist die moderne Headunit anstelle des 90er-Kassettenradios). Die ganzen Leute mit ihren getönten Scheiben, tiefergelegten Fahrwerken und 20"-Schlappen scheinen es da schwerer zu haben. Bei Dingen wie Original-Xenon ohne automatische LWR und Scheinwerferreinigungsanlage gehen dann die Diskussionen schon los.

Vermutlich wird auch damals der brave BMW-Fahrer anders behandelt worden sein als der "Rocker mit seinem Ami-Teil".

Zitat:

Original geschrieben von Ruebe-ruebe


Jep vieles ist einfacher geworden.
Aber Wir hatten damals "Unseren" Prüfer und irgendwie ist das heute noch so 😁

Ich würde es mal so bezeichnen: Ob früher oder heute, alles in allem eine Frage der Kompetenz im Zusammenhang mit Verantwortung, so gab es immer schon fähiges, oder unfähiges Personal, die entweder mit breitem technischen Fachwissen aufwarten, oder sich nur an die Vorschriften halten.Wie gesagt, ich habe nur den Eindruck, dass es damals mehr von den letzteren gab.

Ich habe an den "alten TÜV" nur schlechte Erinnerungen. Mein erstes Zusammentreffen mit TÜV war mit meinem Vater, der sein Auto prüfen lassen wollte. Was da alles angeblich kaputt war. Dann ein paar Jahre später, ich mit meiner VESPA P200E. Das Fahrzeug hatte vorne ein zu schmierendes "offenes" Lager, bei dem es passierte, dass bei höheren Temperaturen etwas "flüssiges" Fett aussen der der Bremstrommel zu sehen war. Der Prüfer wollte dann auch soft mein Fahrzeug stillegen und aus dem Verkehr ziehen. Ich durfte dann wenigstens mit nicht bestandener Prüfung nach Hause. In der Werkstatt dann die Trommel von aussen abgewischt. Wie hin. "Warum nicht gleich so".... das war alles, was er gesagt hat...

Wenn heute was zu machen ist, geht es gleich über die Werkstatt. Lieber 10 Euro mehr, dafür keine sorgen.

Zitat:

Original geschrieben von Ruebe-ruebe


Im Vergleich zu "heute" war es früher (ausser bei HD´s) deutlich schwerer umbauten zu legalisieren,
Orginalität war den Tüv´lern enorm wichtig.

grüßchen Frank

Ich muss das nochmal aufgreifen, ich vermute, dass ich falsch verstanden wurde.

Gerade und nicht "außer" bei Harleys sind Änderungen nur schwer zu legalisieren. Ich verfüge über das Harley - Kompendium von Matthias Gerst, der das nach zehnjährigem intensiven Studium der Marke verfasst hat. Da ist jede noch so kleine Änderung aufgeführt und fast alles ist nicht genehmigfungsfähig. Schon kleinste Modifikationen führen z.B. dazu, dass man keine Harley mehr hat.

Leider kann ich darüber nicht mehr sagen, da das Werk als Insiderwissen gehandhabt wird und nur dem TÜV Süd und den Kontrollorganen zur Verfügung steht.

Fakt ist, dass gerade in den Siebziger und Achtziger Jahren an Motorrädern viele Umbauten vorgenommen wurden, ich grenze das ausdrücklich gegenüber Mängeln an Original-Bauteilen wie die genannten gerissenen Bremsscheiben ab. Wer sowas als Prüfer übersieht, hat seinen Job verfehlt und ist haftbar für Folgeschäden oder Unfälle, dass muss man klar sehen.

An Motorrädern aus Berlin wurde wenig verändert. Verkleidungsergänzungen aus dem Hause Heinrich für die R 90 und 100 S, Vollverkleidungen aus GFK von Pichler oder Gläser, wie sie auch Behörden verwendeten, dann wars das auch, weil BMW schon damals nahezu perfekte Motorräder baute.
Lediglich die, die richtig Kohle hatten, ließen ihre Boxer noch bei Fallert veredeln.

Bei den Japanern sah das etwas anders aus, da wurden schon mal simple Komponenten zusammengesteckt und mit dazu viel zu starken Motoren bestückt. Klassische Beispiele die "Witwenmacher" von Kawasaki, KH 500 H1 Mach III oder KH 750 H2E Mach IV, sowie "Frankensteins Tochter", die Z 900.
Einfache Rohrschwingen, die sich verdrehten wurden gerne durch Kastenschwingen von Rau oder Egli ersetzt. Bronzelager oder gar Kunststoffbuchsen als Schwingenlager waren gang und gäbe (Kostenersparnis), das wäre heute nicht mehr denkbar. Die wurden natürlich auch durch Nadellager ersetzt.
Dünne Gabelröhrchen wurden durch Stabilisatoren von Kern-Stabi versteift, Flatterlenkungen durch anschraubbare Lenkungsdämpfer, bei Suzukis GSX-R 1000 seit 2001 Serie. Fussrastenanlagen von Raask, Lenker von Gustav Magenwirth aus dem schwäbischen Bad Urach (Magura) oder von Fehling; gelochte Bremsscheiben von Roland Eckert an der Bol d'or, Sitzbänke von Giuliari, leistungssteigernde Auspuffanlage von Schüle aus Pfalzgrafenweiler im Schwarzwald, Verkleidungsteile von Roland Gimbel oder komplette Rahmenumbauten von Egli, Rickman, Rau oder bimota machten aus dem japanischen Einheitsbrei ein individuelles bike.

Der Magura M-Lenker wurde mit seinem Teilegutachten ohne Schutz der Spitzen nur dann eingetragen, wenn der Abstand zu den Instrumenten weniger als 20 mm betrug (Unfallschutz) und der Bremsflüssigkeitsbehälter nicht zu stark geneigt war und daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Fehling baute seinen M-Lenker von vorneherein mit schwarzen Plastikkappen.

Heute kann ich jeden Hobel in beliebigen Varianten kaufen, was früher die Tuner und Veredler auf dem Zubehörmarkt anboten, kommt heute schon oft von den Herstellern.

Dazu kommt die bereits genannte Änderung der StVZO und Einführung der FZV, hier wurde EU-Recht umgesetzt und seitenlange Anhänge an Fahrzeugscheinen gehören der Vergangenheit an.

Mit US-Fahrzeugen war es immer ein besonderes "Vergnuegen":

Praktisch kein Pruefer kannte sich damit aus--was aber nicht
unbedingt ein Vorteil war. Dann wurde man naemlich pingelig.
Einmal kaufte ich einen Ford E Van (Lieferwagen von den US-
Streitkraeften in D.) bei einem Haendler in Bayern. Er war
"zulassungsfertig" mit einem Begleitschreiben des TUEV Bayern.
Darin stand: Ohne Maengel....Zulassung wird von hier aus
befuerwortet (echt !) Beim SVA in der Heimat wurde er dann
auch zugelassen...zumindest fast. Bei der Ausgabe fuer die
Papiere und Schilder bemerkte der Sesselpuper, dass die
Ausnahmegenehmigung vom RP (Regierungspraesidenten)
Duesseldorf noch fehlte (Abgasverhalten, Gurte etc. nicht
bauartgeprueft (stand damals immer bei Amis im Brief) .---
Also gab mir der Puper Brief, Schein, Kennzeichen, aber klebte
das Siegel nicht drauf... "Sie brauchen erst die Ausnahme...
vom RP." Im Brief stand aber schon, dass das Fzg. "heute"
zugelassen war und einen Fzg.-Schein hatte ich auch schon.
Aber halt kein Siegel (nur TUEV-Plakette) auf den Kennzeichen.
Ich bin dann ohne Siegel direkt nach D'Dorf zum RP gefahren.
Die hatten um 14.00 Uhr offenbar gar keinen Bock mehr, einen
Stempel gegen 10 DM Entgeld rauszuruecken und meinten:
"Woher sollen wir wissen, dass der richtige Auspuff drunter ist?"
Ich: "Er hat doch frischen TUEV in Bayern bekommen!" Die:
"Was interessiert uns, was der TUEV Bayern schreibt..."
Ich: 😕😕 Die: "Fahren sie -hier- zum TUEV,
der soll bescheinigen, dass der Auspuff richtig ist." ----
15.00h beim TueV: "Woher soll ich wissen, ob dieser Auspuff
der richtige fuer das Fzg. ist", meinte der Pruefer. "Fahren
sie zum Ford-Haendler und lassen sie sich das von dem Meister
bescheinigen." Ich: 😕😕 15. 20h beim Ford-
Meister: "Kann ich ihnen nur bescheinigen, wenn sie hier einen
neuen Auspuff kaufen und einbauen lassen, woher soll ich wissen...
.........?" Ich: 😕😕 Kurz vor 16.00 Uhr wieder
zum RP, Feierabendstimmung......Die ganze Story erzaehlt und
siehe da, fuer 10 DM gab's dann doch den fuxxing Stempel......
und am naechsten Tag auch meine Siegel fuer die Kennnzeichen.....

harte Zeiten die 70er/ 80er........😉

Zu US-Cars kenne ich auch noch das schöne Thema "kleine Kennzeichen". Der gute LBK Verkehr HH-Mitte gilt da als sehr unkulant..
Umgekehrt haben ja nicht wenige Chopper das Kennzeichen so komisch an der Seite. Das geht dann?!

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