50 Jahre Trabant 601 und 25 Jahre Mauerfall

Trabant 601 P 601

Zwickau –

Die Nacht vom 9. auf den 10. November in Berlin-West. Eine Hand greift eine andere und zieht den daran hängenden Menschen auf das Bollwerk jahrelanger Unterdrückung. Fremde liegen sich in den Armen, weinen. Auf dem Kurfürstendamm riecht es nach Freibier und nach verbranntem Zweitakt-Gemisch. Das Fernsehen zeigt Geschichte, live. Gänsehaut, Gejohle der Massen und immer wieder Reng-teng-teng.

Wir treffen Toni Wünsch in Zwickau. Der Himmel ist grau, Industriegebiet, am Zigarettenautomaten gibt es F6. Als vor 25 Jahren die Mauer fiel, war Toni noch nicht auf der Welt. Was ihm der 9. November bedeutet? Er antwortet:

„Ich war ja nicht dabei“

und lacht.

Wie ein alter Freund

Tonis Auto schon. Knatternd steht es auf dem Parkplatz

. Der Geruch von verbranntem Zweitakt-Gemisch dringt wie eine Erinnerung in die Duftrezeptoren.

In den hinteren Seitenscheiben kleben goldene 50er-Embleme, so wie man sie von Geburtstagskarten kennt.

Toni feiert 50 Jahre Trabant 601

. Autos, die gebaut wurden, als an ihn noch nicht zu denken war. Ein Auto als schlichtest mögliche Transportform. Ein Auto aus „Pappe“, das vor 25 Jahren plötzlich in Masse die unüberwindbare Mauer durchbrach.

Toni besitzt mehrere „Zeitzeugen“. Darunter

zwei Nullserien-Trabant

aus dem Jahre 1964.

Das älteste und das drittälteste bekannte Exemplar Deutschlands

.

Nullserien-Trabant von '64

Die sogenannte Nullserie entstand vor dem eigentlichen Produktionsbeginn im Juni 1964. Äußerlich war der neue Typ 601 da schon fast das „Mauer-Auto“ von heute. Aber in Motor- und Innenraum

entsprach er in weiten Teilen noch seinem Vorgänger

dem „runden“ P60 oder Trabant 600.

Der Mini-Motor mit zwei Zylindern schöpft

23 PS aus 600 Kubik

. Das reicht, um das 615-Kilo-Autochen auf rasante 100 km/h zu beschleunigen. Viel schneller wollte in der Duroplast-Wanne ohne Bremskraftverstärker und mit Trommelbremsen sowieso niemand fahren. Erst

1969 wurde die Leistung auf 26 PS

angehoben.

Wir steigen in Tonis pastellblauen 601 mit der Seriennummer 6430816. Ein besonderes Fahrzeug. Laut Seriennummer (der Brief existiert leider nicht mehr) gefertigt im April '64 und somit immerhin der drittälteste bekannte Trabi Deutschlands.

Im Innenraum findet sich das Armaturenbrett des Vorgängers – und die harten, dürren Sitze. Auf dem Beifahrersitz zieht man die Beine ein, bis der Bauch die Oberschenkel berührt.

Kaum vorstellbar, wie in einem solchen Auto eine ganze Familie bis nach Ungarn oder sogar Bulgarien gefahren ist

. Doch es ging – mit dem Trabi. Sofern die politische Gesinnung eine Ausreisegenehmigung zuließ.

Made in VEB Sachsenring Werke Zwickau

Routiniert schiebt Toni den Hebel am Lenkrad nach vorn und dann runter. Erster Gang, und wir knattern los.

Der Geruch im Innenraum eines Trabant ist so prägnant wie der aus seinem Auspuff

. Es riecht alt und – entschuldige, lieber Trabi – modrig. Fast so, als ob noch ein bisschen vom Freibier aus der Wende-Nacht im Teppich steckt. Es zeugt von Charakter.

Bevor der Trabant 601 in Serie ging

, gab es 110 Funktionsmuster, die komplett in Handarbeit gefertigt wurden“ sagt Toni. „Das war '63. Aber von denen ist, soweit bekannt, keiner mehr erhalten. Deswegen sind die

Vorserienfahrzeuge aus dem Frühjahr '64 (Januar bis Mai)

die ältesten 601, die man fahren kann“.

Ihr markantestes Erkennungszeichen: die viereckigen Lufteinlässe in der Frontmaske

. Weil bei der Fertigung die entsprechende Presse noch nicht vorhanden war, wurden sie von Hand ausgesägt. Bei späteren Serienfahrzeugen waren sie rund.

Viele andere Merkmale der allerersten 601er, wie die dünnere B-Säule ohne Sicke, die speziellen Zierleisten, der Stützstab für die Kofferraumklappe oder die fehlende Entlüftung an der C-Säule, blieben noch bis '65. Als der Trabi endlich das Aussehen bekam, das er bis zum ähnlichen, aber weniger kultigen Viertakt-Nachfolger Trabant 1.1 von '89 behalten sollte

Exkursion in die deutsche Auto-Geschichte

Toni zirkelt flott durch die Stadt, vorbei am Horch-Werk, das später zum VEB Sachsenring Werk wurde. Dem Werk in dem Tonis Trabant vor 50 Jahren als einer von mehr als 2,8 Millionen zu Welt kam.

„Autos müssen gefahren werden“, sagt Toni, als er um die nächste Kurve pfeift. Rund 9.670 Kilometer sind bis zu diesem Tag seit der Restaurierung 2012 zusammengekommen. 2010 hatte er den Trabant in Teilen aus Berlin geholt.

Toni orientierte sich bei der Restaurierung am ersten Prospekt zum neuen Trabant 601

. Auch ihn trafen dabei die üblichen Schwierigkeiten, aber auch die Glücksgefühle, die jeder Schrauber kennt:

Zwar waren drei der alten Felgen mit den länglichen Löchern dabei, doch eine vierte fehlte. Toni fand sie schließlich auf einem Teilemarkt. Stöbern, fragen, handeln. Ein bisschen muss man vorgehen wie in der DDR.

Spezifische Teile für die frühen 601 sind Goldstaub

.

Der wahrscheinlich älteste Trabant Deutschlands

Heute ziert ein Original-Verbandskasten (mit Inhalt) die Hutablage. Über das Alter der originalen Pneumant-Reifen lässt sich nur mutmaßen. Und für Fotos schraubt Toni die Europa-Kennzeichen kurzerhand ab. Denn dahinter verbergen sich selbstgebastelte „DDR-Nummernschilder“. Nicht aus blöder Ostalgie, sondern mit der gleichen Nummer wie im Prospekt: TG 86-42.

Doch

Tonis größter Schatz

steht in einer Lagerhalle nahe der „Automobilen Trabant Ausstellung“ in Zwickau. Toni kramt einen Aufkleber vom Licht-Test '91 aus dem Fußraum eines

verstaubten pastellweißen 601

. „Ist durchgehend gelaufen, bis '91“, grinst er. „Wer weiß, vielleicht war er ja sogar beim Mauerfall dabei? Kurz danach muss er jedenfalls weggestellt worden sein“.

Im Fahrzeugbrief steht unter Erstzulassung der 25. März 1964

. In der deutschen Trabi-Szene kennt niemand einen älteren 601, als den mit der Seriennummer 6430233. Den 233sten 601, der gebaut wurde.

Erst im vergangenen Jahr hat Toni den Trabi ergattert. Seitdem ruht er. Und wartet auf ein zweites Leben im wiedervereinigten Deutschland.

Auf die nächsten 50

Wann der älteste Trabant Deutschlands wieder läuft, weiß Toni noch nicht genau.

2017 könnte es mit der Restaurierung losgehen

. Vorher muss er sich noch um ein paar andere Schätzchen kümmern. Gerade erst ist sein erstes Auto wieder fertig geworden, ein blauer 601 von '89. Selbst bei dessen Fertigung hier um die Ecke in Zwickau war Toni noch nicht auf der Welt.

Das schlechte an hohen Geburtstagen und Jubiläen ist ja, dass zunehmend weniger Leute leben, die sie mit einem feiern. Alte Menschen kennen das.

Wer wird sich in 25 Jahren schon noch lebhaft an die Nacht des 9. November erinnern können?

An das Gesicht der Frau, der er auf die Mauer half. Daran, wie unfassbar gut das Freibier auf dem Kudamm schmeckte. Oder daran, wie die Abgase eines ganz besonderen 75-jährigen Ost-Autos aus „Pappe“ riechen?

Aber heute ist nicht 2039

. Und außerdem gibt es ja noch Toni Wünsch.

Herzlichen Glückwunsch Trabant. Herzlichen Glückwunsch Deutschland.
95 Antworten

Zitat:

@garrettv8 schrieb am 10. November 2014 um 02:14:00 Uhr:



... als der dann das Auto abholen wollte & mit 35.000 Mark vorm Verkäufer stand waren aufeinmal noch 8! Leute da.der Verkäufer hat nur höhnisch gelacht- einer gab dann ein paar tausender mehr und das wars-so lief das damals ...

Genau! Diese acht Leute waren in Wirklichkeit neun real existierende Stasioffiziere und ein kommandierender Sowjetsoldat (der saß unterm Tisch, ein Horchposten hatte sich in drei Metern Höhe mit dem linken Ohr an der Wand festgesaugt). Statt das bestellte Auto zu erhalten, wurde dem ahnungslosen Käufer ein Liter Blut abgezapft - so lief das damals ...

Für diejenigen, welche sich 25 Jahre nach Grenzöffnung für den (grauen) DDR-Alltag interessieren, sei angemerkt, daß die Bestellung eines Fahrzeugs in der DDR erst mit Vollendung des 18. Lebensjahrs möglich war, da man zu diesem Zweck den Personalausweis vorlegen mußte. In das Bestellformular wurde die sogenannte Personenkennzahl eingetragen (siehe Abbildung unten). Diese Kennzahl hatte die gleiche Funktion wie heutzutage die ID; über sie war eine eindeutige Zuordnung des Bestellers möglich. Wurden Bestellungen auf andere Personen übertragen, was erlaubt war, mußten beide, also der alte und der neue Besitzer unter Vorlage ihrer Personalausweise sowie des Bestellscheins in der Verkaufstelle erscheinen. Für die Abholung galt dasselbe, ohne Personalausweis und Originalbestellschein gab es kein Auto.

Ich finde es gut, dass Ostalgiker gibt. Die DDR gehört nunmal eben zur Geschichte Deutschlands und damit auch zu Deutschland selbst. Ich bin geborener Wessi und war gerade einmal ein paar Monate alt als die Mauer fiel.
Dennoch find ich es schön, solche Fahrzeuge mal wieder sehen zu können. Wenn man sich den Aufbau der Fahrzeuge ansieht (sei es Wartburg, Trabbi oder Simson) dann kann man auch sehen, wie die Menschen in der DDR gelebt haben: Hier musste man aus der Not heraus clever konstruieren. Und genau diese Cleverness (was Wartungsfreundlichkeit und Simplizität angeht) fasziniert mich bis heute ungemein.
Und ich vertrete die feste Meinung, dass die Ostfahrzeuge nur dann unzuverlässig sind, wenn man sich nicht um sie kümmert. Die Konstruktionen stammen eben aus den 60ern oder 70ern und da brauchten Autos eben noch deutlich mehr Pflege als heutzutage. Und eben diese Pflege sollte man auch einem Wartburg oder Trabbi oder einer Simson (und allen, die ich vergessen habe) zukommen lassen.
Meine S51 ist genau zwei Mal liegen geblieben - und beide Male war es meine Schuld. Ansonsten hat sie mich mit ihrer simplen Mechanik und Elektrik und ihrer Unterbrecherzündung überall hin gebracht. Und ihr war es egal ob es -25°C oder +35°C waren.
Häufig kommt die schlechte Meinung über die Ost-Fahrzeuge auch von der Propaganda des Westens. Es musste ja schließlich der böse Kommunismus/Sozialismus niedergeredet werden. Was negative Propaganda anging waren die Wessis nicht besser als die Ossis.
Von meiner Seite als Wessi: Ein Hoch auf unsere gemeinsame Geschichte und auf unsere Fahrzeuge! Egal ob Ost oder West ;)

Hi,
Anfang der 60er war der Trabbi sowohl technisch als auch vom Design her gar nicht so unmodern. Ein 60er Standartkäfer war auch nicht besser. Und der Käfer hat trotzdem einen kleinen Siegeszug durch die USA veranstaltet trotz der 400PS Muscle Cars um ihn herum ;)
Aber das ist ja auch nicht so verwunderlich,bis in die 60er konnte die DDR technisch und wirtschaftlich halbwegs mithalten. Allerdings ist die Wirtschaft dann in vielen Bereichen auf dem Stand der 60er Jahre hängen geblieben,wie man eben am Trabbi schön sehen kann.
Staatlich gesteuerte Mißwirtschaft und die Flucht vieler Fachkräfte zeigten eben immer stärker ihre Wirkung und haben gezeigt das ein System wie es die DDR aufgebaut hat auf dauer nicht funktionieren kann.
Gruß Tobias

Die Frage aller Fragen:
Trabi oder Trabbi? :confused:
Hab gestern versucht über Wiki und google etwas rauszufinden, aber dort gibt es zu beiden Schreibweisen ausreichend Material.
In Filmem wird er mal so, mal so geschrieben ("Go Trabi Go" / "Trabbi Goes To Hollywood";).
In Büchern über das Fahrzeug wird meistens "Trabi" geschrieben.
Gibts da aber irgendwas wirklich offizielles?
Gruß Martin

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Zitat:

@Simon180 schrieb am 9. November 2014 um 15:32:52 Uhr:


Hmm, vielleicht liegts auch daran dass ich zu jung bin und die Zeit selbst nicht mehr miterlebt habe, oder dass ich nicht ausm Osten komme, aber irgendwie konnte ich dem ganzen Trabbi-Kult noch nie was abgewinnen. Irgendwie warn die Kisten für mich einfach ein Symbol dafür, dass das System im Osten zum scheitern verurteilt war. Ich mein, vergleicht man einen Trabbi mit einem West-Auto der gleichen Zeit, oder gar mit dem was in schon in den 50er und 60er Jahren in Amerika gebaut wurde (Muscle Cars mit damals schon 400+ PS oder auch vor Luxus strotzende Cadillacs usw.) muss man sich doch im Osten ziemlich verarscht vorgekommen sein, wenn man mit so nem vierrädrigen Mofa rumfahren musste oder? Klar konnte sich auch im Westen nicht jeder so einen Wagen leisten, aber man hatte wenigstens die Möglichkeit an sowas zu kommen, wenn man denn hart dafür arbeitete. Is jetz nix gegen die Trabbi-Liebhaber, nur meine persönliche Meinung ;)

Ich bin aus dem sogenanten Westen und mag die kleinen Stinker.In der damaligen DDR war die USA ein Land auf einem anderen Planeten,kaum einer wuste dort mit was für riesigen Autos die Amis da rumgurkten.Und wenn man mal erlich ist konnte sich hier auch keiner diese PS Monster leisten.Das geht nicht gegen dich Simon aber vieleicht bist du wirklich zu jung um das zuverstehen.

Zitat:

@MartinSHL schrieb am 10. November 2014 um 09:50:03 Uhr:


Die Frage aller Fragen:
Trabi oder Trabbi? :confused:
Hab gestern versucht über Wiki und google etwas rauszufinden, aber dort gibt es zu beiden Schreibweisen ausreichend Material.
In Filmem wird er mal so, mal so geschrieben ("Go Trabi Go" / "Trabbi Goes To Hollywood";).
In Büchern über das Fahrzeug wird meistens "Trabi" geschrieben.
Gibts da aber irgendwas wirklich offizielles?
Gruß Martin

ich finde die Argumentation gegen "Trabi" auch voellig an den Haaren herbeigezogen

:)

. Ich sage ja auch nicht "Traaaaabaaaant".

Nun ja, mir ist es egal, ob mit "b" oder "bb".

Es ist natürlich einfach, sich aus heutiger Sicht wohlfeil über dieses Produkt ostdeutscher Mangelwirtschaft zu mokieren. Worin diese Mangelwirtschaft in wesentlichen Teilen AUCH begründet war, ist hingegen kaum bekannt. Wen es interessiert, der möge sich z.B. über die exorbitant ungleiche Verteilung der Reparationslast informieren. Während diese früher verheimlicht wurde, ist es ja heute nicht mehr schwer, sich dazu zu belesen. Der immense Schaden aufgrund eines Krieges, den Gesamtdeutschland geführt hatte, war von einem Fünftel der deutschen Bevölkerung bezahlt worden. Im Verhältnis pro Kopf von 1:130. Die ohnehin meist dünn besiedelte Gegend wurde solange deindustrialisiert und wie eine Zitrone ausgequetscht, bis die Leute am 17. Juni 1953 auf die Straße gingen. Der immense Rückstand wäre auch ohne SED-Betonköpfe nicht mehr aufzuholen gewesen. Woanders gab's den Marshallplan.

Etwa als ich zwölf war, konnten sich meine Eltern ihr erstes Auto gebraucht kaufen,
einen 601, Baujahr 64. Also auch einen ziemlich frühen, der wurde damals
an verdiente Bergarbeiter verkauft.
Bekommen haben wir ihn mit einem ausgebesserten Kotflügel vorn rechts ( da schlug wohl das Garagentor zu ) , der war noch original Duroplast-braun.
Später ließen wir ihn hellblau lackieren, mit weißen Streifen ind weißen Dach - megaschick.
Auch der Motor wurde bald gegen ein 26PS-Exemplar getauscht.
Einzige wirkliche Panne war eine abgescherte Antriebswelle ( kein Wunder bei der Leistung ),
das Batteriemassekabel wurde auch immer dünner und bescherte letztendlich eine Stromausfall.
So was hat man natürlich im Eigenleistung wieder hingebogen.
Erst Ende der achtziger tauschte Papa ihn dann gegen einen 353, neu. Weiß der Teufel, wo er die
Anmeldung her hatte.

Zitat:

@XV1600A schrieb am 10. November 2014 um 12:14:34 Uhr:


Es ist natürlich einfach, sich aus heutiger Sicht wohlfeil über dieses Produkt ostdeutscher Mangelwirtschaft zu mokieren. Worin diese Mangelwirtschaft in wesentlichen Teilen AUCH begründet war, ist hingegen kaum bekannt. Wen es interessiert, der möge sich z.B. über die exorbitant ungleiche Verteilung der Reparationslast informieren. Während diese früher verheimlicht wurde, ist es ja heute nicht mehr schwer, sich dazu zu belesen. Der immense Schaden aufgrund eines Krieges, den Gesamtdeutschland geführt hatte, war von einem Fünftel der deutschen Bevölkerung bezahlt worden. Im Verhältnis pro Kopf von 1:130. Die ohnehin meist dünn besiedelte Gegend wurde solange deindustrialisiert und wie eine Zitrone ausgequetscht, bis die Leute am 17. Juni 1953 auf die Straße gingen. Der immense Rückstand wäre auch ohne SED-Betonköpfe nicht mehr aufzuholen gewesen. Woanders gab's den Marshallplan.

Hi,

die Wiederaufbauhilfe durch den Marshallplan wird stark überbewertet und verklärt. Die deutsche Industrie war wesentlich weniger geschwächt als allgemein vermutet. Natürlich gab es gewaltige Schäden die waren jedoch punktuell in der breiten Masse war die Wirtschaft nach dem Krieg noch sehr Leistungsfähig. Natürlich ist es dem Marshallplan zu verdanken das die West Deutsche Wirtschaft nicht ausgeplündert wurde sondern ein wirtschaftlich starkes Deutschland als Puffer gegen "die Roten" und natürlich auch als Absatzmarkt den Westmächten nützlicher war.

Der Osten dagegen wurde wirklich sehr geschwächst durch Reparationszahlungen,da brauchten sich die Politischen Führer sowohl in Deutschland als auch bei der Besatzungsmacht nicht zu wundern das die Menschen in Scharen rüber gemacht haben. Wenn man seine Bevölkerung mittels einer Mauer einsperren muß ist doch schon klar das da was grundsätzliches schief läuft.

Gruß Tobias

Zitat:

@Simon180 schrieb am 9. November 2014 um 15:32:52 Uhr:


Hmm, vielleicht liegts auch daran dass ich zu jung bin und die Zeit selbst nicht mehr miterlebt habe, oder dass ich nicht ausm Osten komme, aber irgendwie konnte ich dem ganzen Trabbi-Kult noch nie was abgewinnen. Irgendwie warn die Kisten für mich einfach ein Symbol dafür, dass das System im Osten zum scheitern verurteilt war. Ich mein, vergleicht man einen Trabbi mit einem West-Auto der gleichen Zeit, oder gar mit dem was in schon in den 50er und 60er Jahren in Amerika gebaut wurde (Muscle Cars mit damals schon 400+ PS oder auch vor Luxus strotzende Cadillacs usw.) muss man sich doch im Osten ziemlich verarscht vorgekommen sein, wenn man mit so nem vierrädrigen Mofa rumfahren musste oder? Klar konnte sich auch im Westen nicht jeder so einen Wagen leisten, aber man hatte wenigstens die Möglichkeit an sowas zu kommen, wenn man denn hart dafür arbeitete. Is jetz nix gegen die Trabbi-Liebhaber, nur meine persönliche Meinung ;)

Dazu solltest du dir mal Prototypen von Fahrzeugen anschauen, welche aus der Feder DDR-Fahrzeug- Ingenieuren stammen.

Der Ein oder Andere würde sich stark wundern :-)

Das Problem war ja, man durfte keine anderen/weiteren Autos bauen.

Wir hatten ja von unseren Verbündeten Autos, wie Zappelfrosch, Skoda, Moskvitsch, Lada, usw.

Ein sehr schönes Fahrzeug aus dem Osten der 60iger war Bsp.w. der Wartburg 311/3, oder aber der 313er Cabriolet.

Den Melkus gab es noch aus Privater Hand, aber in Kleinserie, welche sehr oft und sehr schnell geschrottet wurden

:mad:

Sonderbauten wie der Trabbi Kübel waren leider nur für die Forst, oder aber NVA !

Naja die Polizei hatte die natürlich auch.

Zitat:

@ML-250 [url=http://www.motor-talk.de/.../...rst-du-ewig-knattern-t5110876.html?...]
Genau! Diese acht Leute waren in Wirklichkeit neun real existierende Stasioffiziere und ein kommandierender Sowjetsoldat (der saß unterm Tisch, ein Horchposten hatte sich in drei Metern Höhe mit dem linken Ohr an der Wand festgesaugt). Statt das bestellte Auto zu erhalten, wurde dem ahnungslosen Käufer ein Liter Blut abgezapft - so lief das damals ...

Wenn das Ironie war -war sie gut. Leider war´s die Realität. Sollte das unten auf dem Foto dein eigner Laufzettel gewesen sein müßtest du dich eigentlich besser auskennen. :rolleyes:

So dann lege ich mal ein Wort für den kleinen Zwickauer ein (ohne ihn zu beschönigen oder schlecht zu machen). Wer über die Rückständigkeit des Trabants klagt, sollte bedenken das der Citroen 2CV ( Ente), Renault R4, Käfer und weitere Fahrzeuge auch kaum verändert zu seiner Bauzeit produziert wurden. Der Käfer schaffte es sogar ins 21. Jahrhundert und stammte ursprünglich aus den 30er Jahren. Weiß Gott umweltschonend und schnell war er nicht, aber er war durchaus praktisch, leicht zu warten und billig für den "einfachen Mann". Auch im Westen gab es 2-Takt-Motoren im PKW beispielsweise das Goggomobil und die Hersteller DKW und Saab hatten einige Fahrzeuge mit diesem Motorenprinzip.
Bei uns schafften es damals einige Exemplare nach Jugoslawien, jedoch war der Wartburg beliebter vorallem als Tourist (Kombi). Und dass obwohl man sich auch westliche PKW, Ostblock PKW oder einfach aus Eigenproduktion einen Zastava holen konnte. Es fahren auch heute noch einige rum.

Zitat:

@Turbotobi28 schrieb am 10. November 2014 um 08:37:21 Uhr:


Staatlich gesteuerte Mißwirtschaft und die Flucht vieler Fachkräfte zeigten eben immer stärker ihre Wirkung und haben gezeigt das ein System wie es die DDR aufgebaut hat auf dauer nicht funktionieren kann.

Ich bin nur gespannt, wann das bundesrepublikanische System mal zusammenbricht - bei einer so exorbitant hohen Staatsverschuldung kann es ja nicht mehr lange dauern.

Zitat:

@campr schrieb am 10. November 2014 um 17:32:38 Uhr:



Zitat:

@Turbotobi28 schrieb am 10. November 2014 um 08:37:21 Uhr:


Staatlich gesteuerte Mißwirtschaft und die Flucht vieler Fachkräfte zeigten eben immer stärker ihre Wirkung und haben gezeigt das ein System wie es die DDR aufgebaut hat auf dauer nicht funktionieren kann.

Ich bin nur gespannt, wann das bundesrepublikanische System mal zusammenbricht - bei einer so exorbitant hohen Staatsverschuldung kann es ja nicht mehr lange dauern.

Wenn das "System" in die Knie geht, dann dürfte diese Auswirkung sich eher Weltweit zeigen !

Basiert eben Weltweit auf Schuldenpolitik

Die SED Führung war auch nur eine Marionette des grossen "Bruders". Sie waren Handlanger um das ostdeutsche volk für den Krieg büßen zu lassen.
Wenn man bedenkt was an schlauen Köpfen und an Maschienen der Automobilindustrie in den Westen und auch an den Ural gegangen ist läuft es einem Eiskalt den Rücken runter.
Ich war gestern im ehemalig Welt grössten Motorradwerk in Zschopau.
Da wurden nach 45 alle Maschinen inclu der Fachkräfte an den Ural verfrachtet um dort weiter zu produzieren. Das war damals kein Einzelfall.

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