Tempolimit für Kleintransporter ?
Hallo zusammen,
aus gegebenem Anlass (heute morgen hat mich ein 160Km/h-Sprinter-416CDI beinahe in die ewigen Autogründe befördert) möchte ich mal Eure Meinung zu dem Thema hören. Welche Lösung würdet Ihr bevorzugen? Habt Ihr andere Ideen?
ciao
112 Antworten
Die aktuelle Sprinter-Baureihe riegelt bei 162 km/h elektronisch ab und auch vergleichbare Modelle dürften wegen ihres spärlichen Leistungsgewichts nicht deutlich schneller werden.
Und wie wir bereits festgestellt haben ist schon die Einstufung als Kleintransporter schwierig, wenn das ganze willkürfrei geschehen soll.
Zitat:
Original geschrieben von Errkah
...ich habe gegen ein Tempolimit gestimmt (obwohl ich keinen Kleinlaster fahre...) - und bin der Meinung, wer für ein Tempolimit bei diesen Autos ist, der sollte konsequenterweise auch für ein Tempolimit für die SUV's usw sein. Prinzipiell sehe ich keinen Unterschied zwischen einem VW Transporter und einem Tuareg, Porsche Cayenne, Mercedes G usw...
... beim Eigengewicht vielleicht nicht, aber ansonsten schon. Die Tuareg, Cayenne usw.-Fahrer dürften in der Mehrheit Leute sein, die sich das Auto leisten können. Die Transporter-Fahrer dagegen sitzen mehrheitlich wohl im Fahrzeug, um damit für Andere Geld zu verdienen. Also zwei völlig verschiedene Gründe, weshalb man überhaupt mit dem Auto unterwegs ist. Daraus resultiert für mich ob ich schnell fahren will, weil es mir Spass macht, oder schnell fahren muss, weils sonst Stress mit dem Boss oder dem Kunden oder sonstwem gibt. Hinzu kommt, daß Transporter zumindest auf einem Weg meist voll beladen sind, nicht selten sogar übervoll (Gewicht).
Davon ab fahre ich zwar keinen Kleintransporter - das was ich "nur zum privaten Vergnügen" fahre, hat zwar die gleichen Ausmaße, hieß aber damals trotzdem Lastwagen und hat hinten Zwillingsreifen, ohne die ich mich sogar bei Tempo 80 sehr unwohl fühlen würde.
Aber nettes Hobby hast du 😁
Mit ein paar 24ern und 32ern können wir auch dienen, aufbauend auf der alten Original 124
An dieser Stelle möchte ich noch einmal die Absurdität der Diskussion aufzeigen: Da ein Sprinter (jetzt mal als Oberbegriff für die ganze Klasse verwendet) mit einer Geschwindigkeit, die die zulässige um 100 % überschreitet, gesehen wird, wird jetzt diskutiert, ob alle Fahrzeuge dieser Art eingebremst werden müssen (was in dem angegebenen Fall sowieso absolut KEINEN Effekt hätte). Nur mal so am Rande...
Ich möchte einen weiteren Aspekt einbringen: Eine Begrenzung der Sprinter-Klasse auf 80 km/h würde der KEP-Branche den Todesstoss versetzen, da ein Nachtsprung aus Österreich/Schweiz/Benelux etc. zum Hub in der Nähe von Fulda (in meinem Fall) und zurück schlichtweg nicht mehr möglich ist (national mag das ja noch irgendwie gehen). Die ganze Branche basiert darauf, dass die Sendungen nachts schnell zwischen den Stationen verteilt werden können. So würden diese Strecken (z. B. Paris - Mailand) per Luftfracht bedient werden (wenn überhaupt möglich), was die Kosten für den Kunden ansteigen lässt und für starkt verringerte Möglichkeiten des Transports sorgt: Blutproben (DER Geldbringer im KEP-Markt), Spraydosen etc. kann man per Flugzeug gar nicht transportieren. Kinofilme (pro Karton mit einem Film: 25 kg) per Luftfracht? Herrlich ineffizient. Und der Geschwindigkeitsvorteil ist einfach das Geschäftskonzept, was man gegenüber einer Spedition hat.
Das Problem liegt für mich auch nicht in der Technik. Ich meine, kürzlich gelesen zu haben, dass die Bremsleistungen nicht so schlimm ist, wie es heisst. In der Firma habe ich jedoch den Vergleich. Nach meiner subjektiven Meinung bietet der aktuelle Vito eine Bremsleistung auf PKW-Niveau, der aktuelle Sprinter kommt auch schon in die Nähe. Daher sehe ich nicht mehr so das grosse Problem bei zumindest diesen Produkten. Beim letzten Sprinter kanns so schlimm nicht gewesen sein (Bremsleistungen waren adäquat), da es diesen auch in einer Version mit einem zulGG von 6 to gab, AFAIK ohne Modifikation der Bremsanlage. Vielleicht haben wir ja einen Nutzfahrzeugmechaniker hier im Forum, der sich dazu äussern kann.
Das Problem sitzt für mich primär hinter dem Steuer. Die Masse fährt IMHO gesittet mit ca. 130 (nachts eh nicht so das Thema), aber es gibt auch Fahrer, die mit 2 Tonnen in einem Sprinter vom Hof fahren, nach einer Tagschicht auch noch den Nachtsprung fährt (bei Besuch des Hubs gesehen, der Kerl sah aus, als wäre er auf Drogen) oder eine Ladungsstauung (von Verzurrung oder Sicherung möchte ich z. T. noch nicht mal reden - hier ist der Formschuluss meistens das Höchste der Gefühle) produzieren, wo das Fahrzeug schon schief am Hof steht, wird auch ein Tempolimit nichts bringen. Hier wäre vielleicht auch eine erforderliche Qualifikation, wie sie jetzt auch im LKW-Gewerbe kommt, sinnvoll; kombiniert mit Fahrsicherheitstrainings. Jetzt kann Klaus Jedermann für seine Firma in den Sprinter steigen und Nachtsprung fahren. Kenntnisse über Stauung/Ladungssicherung oder einfach nur Erfahrung mit dem Fahrzeugtyp? Fehlanzeige. Und ab auf die leere Autobahn, wo man dann aus dem Spass an der Freude richtig Gas gibt, aber dafür keinen Plan hat, wie sich das Fahrzeug voll beladen jenseits der 130 km/h verhält. Manchmal kann die Natur ein zu strenger Lehrmeister sein... Was passiert, wenn Personen Fahrzeuge bewegen, mit denen sie keine Erfahrung haben, kann man an unserem Fuhrpark sehen, der war vor 2 Monaten noch nagelneu (wobei diese im Verteilerverkehr bewegt werden).
Bei uns im System fahren Nacht für Nacht 70 Fahrzeuge der Sprinterklasse aus Amsterdam/Warschau/Wien/Flensburg bis zum HUB und zurück, machen also richtig Kilometer. Zu einem Unfall kommt es alle 2-3 Monate, und dann meistens auch nichts Schlimmes, etwas Blechschaden durch Leitplanke. Also sind sie schonmal nicht die rollenden Zeitbomben, für die sie gehalten werden.
Wenn ein Tempolimit, dann 120. somit bleibt der Geschwindigkeitsvorteil noch erhalten. Ein dem Fahrzeugtyp und der Verkehrssituation angepasstes Fahren kann man abe auch nicht durch ein Tempolimit erzwungen werden. Achja: mein Post bezieht sich jetzt mal primär auf die "professionellen" Fahrer. Handwerker, bei-Ikea-Transporter-ausleiher, etc. sind da mal aussen vor.
Meine 0,02 €
dragon46
Zitat:
Original geschrieben von dragon46
Ich möchte einen weiteren Aspekt einbringen: Eine Begrenzung der Sprinter-Klasse auf 80 km/h würde der KEP-Branche den Todesstoss versetzen, da ein Nachtsprung aus Österreich/Schweiz/Benelux etc. zum Hub in der Nähe von Fulda (in meinem Fall) und zurück schlichtweg nicht mehr möglich ist (national mag das ja noch irgendwie gehen). Die ganze Branche basiert darauf, dass die Sendungen nachts schnell zwischen den Stationen verteilt werden können.
Die Branche könnte dann auf große Kombis oder Vans ausweichen. Deren Fahreigenschaften dürften für den Geschwindigkeitsbereich über 80 km/h erheblich besser ausgelegt sein.
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120 halte ich für ok, ggfls. auch 130, aber bei mehr streuben sich mir die Nackenhaare, gerade wegen der vielen Möchtegern-Schumis ohne ausreichendes Sicherheitsbewusstsein. Wäre zwar für den Unternehmer ein Zeitverlust, aber das würde sich positiv auf die Fahrtkosten auswirken (Spritverbrauch, Reifenverschleiss, geringeres Unfallrisiko usw.).
Vielleicht habe ich es übersehen, aber gibt es eine Unfallstatistik die genauer auf Unfälle mit Kleintransportern eingeht, also die Ursachen beleuchtet?
Oder vielleicht eine Statistik die belegt, daß Kleintansportet überdurchnschnittlich häufig wegen zu hoher Geschwindigkeit Unfälle verursachen?
Man hört zwar immer von den gefährlichen "Kleinlaster-Rasern", aber doch vornehmlich bei RTL Explosiv Co..
Gegenfrage: was nützt dem armen Kerl, der tot in seinem Trümmerhaufen liegt, eine Statistik die ihm sogar bestätigen würde, das es gar nicht seine Schuld war? Was zählt, ist doch wohl das Ergebnis. Diese Fahrzeuge erreichen Geschwindigkeiten, für die sie nicht gebaut wurden. Wenn dir dreieinhalb Tonnen ins Heck ballern, gibts Kleinholz auf beiden Seiten. Da spielt es keine Rolle mehr, wessen Schuld das war. Das interessiert doch nur, wenns um die finanzielle Abwicklung geht, hilft den betroffenen Insassen aber nicht mehr. Welcher Transporter-Fahrer hat denn jemals mit dem beladenen Transporter nen Elch-Test gemacht?
Fährst du Transporter?
Ich habe mir bei Autobahn-Fahrten mit meinem Oldie schon oft vorgestellt, was passiert, "wenn ich jetzt mit 80 Sachen meinem Vordermann hinten rein haue", mit dem Ergebnis, daß ich jedesmal den Abstand vergrößere, damit sich noch zwei Trottel in die Lücke quetschen können.
120 km/h auf der Autobahn geht einfach nicht - wie sollte das auf 2-spurigen Autobahnen laufen ?
Wenn, dann müsste man generell alle auf 130 km/h beschränken.
Auf der Landstraße geht die Post erst recht ab :
Da fahren die Kleintransporter in den Kurven schneller als andere mit ihren Sportwägen.
Würde man dort auf 80 km/h beschränken würden die den "Rückstand" zusätzlich innerorts wieder reinholen - es wenigstens versuchen.
Da hilft nur Vorbeilassen (dabei aber aufpassen, da die einen "gerne" runterschneiden) und froh sein, dass er innerhalb der nächsten 20 Sekunden außer Reich-/Sichtweite ist.
Und wer davon ausgeht, dass LKW wegen der Beschränkung brav langsam fahren täuscht sich gewaltig :
110 km/h auf der Autobahn ist fast schon standard - ein "Autotransporter" (7,5 Tonner ?) mit Cheep-Cherokee auf der Ladefläche hatte gar 140 km/h auf der Uhr.
80 bis 90 km/h auf der Land-/Bundesstraße mit dem 40 Tonner - auffahren auf 1 m, wenn man nach der Ortschaft nicht schlagartig auf 80 km/h ist - so sieht es aus.
Und nein - die Tachoabweichung meines Wagens ist nicht größer als 5 km/h.
Langsame Geschwindigkeiten sind in der Theorie immer besser - aber dass es in der Praxis etwas bringen würde wage ich zu bezweifeln.
Auch nicht schlecht war der Kleintransporter des BW-Fuhrparks (Soldat am Steuer), den wir neulich mit 160 km/h vor uns hatten - ich sag nur ZDV ...
Die Bundeswehr hat nämlich schon lange Geschwindigkeitsbegrenzungen und Lichtpflicht eingeführt.
Zitat:
Original geschrieben von Han_Omag F45
Gegenfrage: was nützt dem armen Kerl, der tot in seinem Trümmerhaufen liegt, eine Statistik die ihm sogar bestätigen würde, das es gar nicht seine Schuld war? Was zählt, ist doch wohl das Ergebnis.
Eben, deshalb hätte ich ja gerne gewußt, ob es tatsächlich so viele Unfälle (wegen zu hohen Geschwindigkeiten) mit Kleintrasportern gibt, wie behauptet wird.
Ein Limit einzuführen, wenn das Problen vielleicht ganz woanders liegt, ist ja wohl wenig Zielführend.
Das Problem liegt wo anders. Es liegt in den Köpfen der Fahrer, die sich einbilden, auch bei hoher Geschwindigkeit noch alles im Griff zu haben, bis die Realität sie dann auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Ob ein Tempolimit (ich befürworte 120 oder 130) etwas daran ändern würde, bezweifel ich, da sich vermutlich wieder mal der Gedanke einbrennt: Son Quatsch, ich weis wie schnell ich fahren kann. 🙁
Doch wenn sich in anderen Posts schon X Leute darüber aufregen, auf der AB wegen anderer "Schnarchnasen" aus Tempo 200 runterbremsen zu müssen, was für ein tolles Gefühl ist es dann, 3,5 Tonnen oder im Zweifelsfall auch mehr aus Tempo 180 runterzubremsen, wenn sich hinten die ach so toll gesicherte Ladung selbständig macht?
Egal welche Statistik du da noch finden magst.
Zitat:
Original geschrieben von Han_Omag F45
.... was für ein tolles Gefühl ist es dann, 3,5 Tonnen oder im Zweifelsfall auch mehr aus Tempo 180 runterzubremsen, ...
Ist 180 Km/h nicht etwas hoch gegriffen?
Gerade die gewerblich genutzten Fahrzeuge haben sicher selten die Topmotorisierung unter der Haube.
Der VW T5 mit 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbodiesel und 131 PS ist z.B mit 165 km/h angegeben.
Ist ein bischen tot weniger als tot?
Vielleicht ist es etwas hoch gegriffen, vielleicht auch nicht.
Wirst du heute noch wahrgenommen, wenn du nicht übertreibst?
Ich hab nur öfter mal das Gefühl, das ich stehe, wenn so einer an mir vorbeirauscht. Und das nicht nur, wenn ich in meinem alten Laster sitze, sondern auch in meinem PKW, dessen Tacho auch erst jenseits von 200 endet, die ich dann zugegeben nicht drauf habe, weil es jenseits von 180 wegen des kurzen Radstandes auf schlechtem Untergrund etwas ungemütlich werden kann.
Zitat:
Original geschrieben von Han_Omag F45
Ist ein bischen tot weniger als tot?
Vielleicht ist es etwas hoch gegriffen, vielleicht auch nicht.
Wirst du heute noch wahrgenommen, wenn du nicht übertreibst?
Aber klar doch.
Es ist sogar von Vorteil, wenn man ernst genommen werden will.
Wer aus 150 km/h 180 Km/h macht gerät leicht in Verdacht das ganze etwas hysterisch zu sehen.
Wobei, wenn viele Kleintransporter tatsächlich mit 180 Sachen über die Autobahn brettern würden, wäre mir auch nicht ganz wohl.
Diese ganze Diskussion von wegen Tempolimit - sei es nun für alle oder nur für bestimmte Verkehrsteilnemer - hat es verdient sachlich geführt zu werden, ohne Polemik und ohne Über- wie auch Untertreibungen.
Bei uns im Rettungsdienst fahren mittlerweile mehrere sehr gut motorisierte Sprinter und Iveco Daily rum (alle mit 3,0er Motoren und 166-184PS). Die Dinger rennen laut geeichtem Tacho 160 Km/h (trotz Kofferaufbau). Ich will nicht wissen, wie schnell ein Mercedes 518CDI als Kastenwagen läuft. Der kratzt sicherlich die 170er Marke an.
Auch wenn diese Fahrzeuge mittlerweile sehr gute Bremsen haben - ein Notbremsmanöver ist mit so einem Schiff aus hohen Tempi noch immer eine Sache die ein echt mulmiges Bauchgefühl verursacht. Wenn dann noch mangelhaft gesicherte Ladung dazukommt dann... naja...
ciao