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Reagieren auf Untersteuern

Themenstarteram 13. Febuar 2017 um 23:52

Hallo

Ich hatte heute ein obligatorisches Fahrsicherheitstraining.

Bei der Übung zum Untersteuern wurde uns geraten falls man in so eine Situation kommt, voll auf die Bremse zu treten. Jedoch habe ich während des Trainings bemerkt, dass man dadurch das Untersteuern nur noch verstärkt. Vor allem wenn das Untersteuern schon relativ stark ist, wird man beim Bremsen nochmals um einiges mehr ans Kurvenäussere geschoben.

Ich hatte auf der Fahrbahn, welche den Grip auf festgefahrenem Schnee simulieren sollte, mehr Erfolg um die Kurve zu kommen, wenn ich etwas vom Gas bin und den Lenkwinkel möglichst unverändert gelassen habe.

Denkt ihr es ist eine gute Idee bei Untersteuern voll auf die Bremse zu gehen?

Wie würdet ihr reagieren?

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195 Antworten

Ein blockiertes (stehendes) Rad kann keine Seitenführungskräfte auf die Fahrbahn übertragen. Es kann situationsbedingt sinnvoll sein, dennoch - auch ohne ABS/ESP - voll zu bremsen und (jetzt wird es lustig) im richtigen Moment die Bremse wieder aufzumachen, damit die sich dann drehenden Räder wieder Seitenführung aufbauen können. So kann man eine brenzlige Situation sehr wohl entscheidend entschärfen und auf der Straße bleiben. Ungeübt kann man so aber auch gut mit stehenden Rädern - ohne ABS/ESP - bremsend geradeaus abfliegen. Mit ABS/ESP drehen die Räder weiter, auch bei einer Vollbremsung. Wenn die Geschwindigkeit jedoch so hoch ist, dass man sowieso abfliegen muss, dann ist die Vollbremsung richtig, denn nur so baut man Geschwindigkeit ab. Ist man noch relativ kurz über dem Grenzbereich der Reifen drüber, reicht oft schon das einfache Gaswegnehmen, wie Du es geschildert hast, und die Kiste fängt sich wieder ein. Du hast die Übung also nicht mit genug Herzblut gemacht. Hau richtig rein und mach einen Abflug. Dazu ist das Training da. Die Grenze erfährst Du nur durch ihre Überschreitung. Im Straßenverkehr soll das Gelernte dazu führen, dass Du beim Fahren unterhalb des Grenzbereiches bleibst. Wo er ist, muss man üben. Das kann man im Straßenverkehr nicht wirklich gefahrlos tun. Lernziel ist sicherlich, die Geschwindigkeit niedrig zu wählen, damit man sein Auto in solchen Situationen wieder einfangen kann. Das hast Du bereits erkannt. Warum das aber so wichtig ist, das solltest Du noch herausfinden.

Einzelfallentscheidung.

Vor einem Monat hab ich vor dem Kreisverkehr überholt (außerorts), nur um dann 50m vor dem Kreisverkehr zu merken dass es scheiße Glatt ist. ABS Bremsung zum Scheitelpunkt, ab da dann auf meine Reifen vertraut, schön untersteuert, es aber noch rum geschafft. Mit Bremsung (wie gesagt, Reifen können nur begrenzt Kräfte übertragen, mann muss entscheiden zwischen Längs und Seitenführung) bräuchte ich ne neue Kiste.

Man hat die Wahl zwischen Pest und Cholera:

Bremsen, ein Aufprall ist sehr wahrscheinlich, aber mit verringerter Geschwindigkeit - > geringere Verletzungswahrscheinlichkeit

Versuchen um die Kurve rum zu kommen, ein Aufprall ist unwahrscheinlicher, aber wenn, dann mit hoher Geschwindigkeit - > höheres Verletzungsrisiko

Aus dem Grund hat wohl dein Trainer pauschal allen zur Bremsung geraten.

Ist man sich unsicher, ist Geschwindigkeit rausnehmen immer eine gute Idee.

Es gibt mehrere Möglichkeiten:

1. Bremsen und warten bis die Reifen wieder Grip haben

2. Vom Gas gehen und auf Grip warten

3. Schlagartig ein paar mal den Lenkwinkel auf Maximum drehen, also bei einer Linkskurve zB leicht wieder gerade drehen und dann voll nach links, das Ganze ein paar mal wiederholen

4. Die Handbremse mitbenutzen, um ein Übersteuern zu simulieren. Das sollte man aber vorher schon ein paar mal geübt und praktiziert haben, sonst kann es voll in die Hose gehen :)

Alle Empfehlung sind für ein Fronttriebler gedacht, bei einem Heck oder 4 Rad-Antrieb verhält sich das Fahrzeug etwas anders und das Gaspedal gewinnt mehr an Bedeutung...

HTC

Stichwort ist hier Kammscher Kreis (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Kammscher_Kreis)

Bei Untersteuern trete ich ich immer die Kupplung, sofern es von der Geschwindigkeit reicht. Anschließend zieht es den Wagen erheblich in die Spur und man muss aufpassen, dass man nicht ins Übersteuern gerät, aber besser als Leitplanke küssen, ist das auf jeden Fall.

Typische Situation für so eine Situation wäre eine zu schnell gefahrene Autobahnabfahrt.

Zitat:

@HTC schrieb am 14. Februar 2017 um 07:42:22 Uhr:

Es gibt mehrere Möglichkeiten:

1. Bremsen und warten bis die Reifen wieder Grip haben

2. Vom Gas gehen und auf Grip warten

3. Schlagartig ein paar mal den Lenkwinkel auf Maximum drehen, also bei einer Linkskurve zB leicht wieder gerade drehen und dann voll nach links, das Ganze ein paar mal wiederholen

4. Die Handbremse mitbenutzen, um ein Übersteuern zu simulieren. Das sollte man aber vorher schon ein paar mal geübt und praktiziert haben, sonst kann es voll in die Hose gehen :)

Alle Empfehlung sind für ein Fronttriebler gedacht, bei einem Heck oder 4 Rad-Antrieb verhält sich das Fahrzeug etwas anders und das Gaspedal gewinnt mehr an Bedeutung...

HTC

3 und 4 halte ich für Unfug.

Habe das ausgiebig auf ner ausgemusterten Landebahn probiert. Bei untersteuern mehr einschlagen als nötig führt zu nichts, ist eher noch Nachteilig.

Dann hast du es wohl doch nicht ausprobiert, weil die Aussage dann geheißen hätte: Das ist Unfug :) oder Ich habs nicht hingekriegt :)

Aber ja, es gibt einen Grund wieso die Sachen so weit unten in der Liste stehen, die erste Wahl ist immer noch bremsen und/oder vom Gas gehen. Sollte das aber keine Wirkung zeigen, und alle Stricke reißen, probiere ich dann doch gerne Punkt 3 und 4 bevor ich abfliege :)

HTC

Wenn du meinst...

Ich hab locker 10 Stunden auf der Landebahn mit diversen Situationen verbracht, auch über 100km/h. Na gut, das meiste war sinnloses rumgedrifte, aber man bekommt dennoch ein sehr genaues Gefühl davon, wie sich die Kiste verhält.

Sei mal ehrlich: Hast du die Liste im Ernstfall schon mal abgearbeitet? So weit kommst du nicht. Man muss sich direkt festlegen, und auf das Gefühl vertrauen. Fängt man an rumzuprobieren landet man im Baum.

Vollbremsung, oder nur Gaswegnehmen?

Situationsabhängig, wie hier schon beschrieben.

Bei leichtem Unterersteuern reicht es aus, das Gas wegzunehmen. Bei eher brachialem Untersteuern, sprich die Kurve viel zu schnell angegangen, macht die Vollbremsung Sinn. Weil das bekommst du eh nicht unter Kontrolle. Die Volbremsung hilft dir wenigstens dabei, das du mit einem möglichem Hindernis erheblich sanfter zusammenstößt.

 

Bei genügend Platz hilft natürlich auch, wie beschrieben, mal kurz geradeaus zu lenken und dabei gleichzeitig zu bremsen. Bremsen, entsprechend stark, jenachdem wie viel man zu schnell ist.

Bremse wieder Lösen und erneut einlenken. Letzteres aber nicht abrupt und auch nicht weiter als der Radius es erfordert, sondern sanft.

Abrupte Lenkbewegungen auf glattem Untergrund bewirken fast immer das dein Auto geradeaus weitermaschiert.

Das wirst du ja auch bei den Ausweichübungen festgestellt haben, insbesondere bei denen, wo der Lehrer ansagt, wann man wohin ausweichen soll und du vielleicht mal etwas hektisch darauf reagiert hast.

Bei mir war das zweimal der Fall (wir hatten übrigens echten Schnee ;)), weil er erst sehr spät die Ausweichrichtung vorgab und ich schon gedanklich, wohlwissend das ich für spätes Einlenken (mehr als die komplette Fahrzeufglänge hinter der blauen Markierung) zu schnell bin, in die andere Richtung wollte.

 

 

Das mit dem Versuch, das Fahrzeug ins Übersteuern zu zwingen halte ich für kontraproduktiv.

Wenn die Vorderachse schon ihre Seitenführung verloren hat, die der Hinterachse auch noch opfern?

Nee, viel zu gefährlich, verbunden mit der Wahrscheinlichkeit, einen seitlichen Aufprall ohne Knautschzone zu riskieren.

Zitat:

Sollte das aber keine Wirkung zeigen, und alle Stricke reißen, probiere ich dann doch gerne Punkt 3 und 4 bevor ich abfliege :)

Auf einer normalen Straße wird dir dafür der Platz fehlen.

 

Zitat:

Fängt man an rumzuprobieren landet man im Baum.

Oder im Gegenverkehr.

Wie hier schon beschrieben: bremsen ja - aber auch wieder rechtzeitig loslassen (vor dem Einschlag/Abflug), um dem Reifen eine Chance zu geben, Seitenführungskräfte aufzubauen.

Falls Du die Nerven hast, vor dem Bremsen die Räder noch etwas gerader auszurichten, und beim Loslassen der Bremse wieder (soweit notwendig: voll) einzuschlagen - umso besser...

Zitat:

@HTC schrieb am 14. Februar 2017 um 07:42:22 Uhr:

3. Schlagartig ein paar mal den Lenkwinkel auf Maximum drehen, also bei einer Linkskurve zB leicht wieder gerade drehen und dann voll nach links, das Ganze ein paar mal wiederholen

Was genau versprichst du dir davon? Die Vorderräder sind mit einem kleineren Lenkwinkel schon überfordert und du willst den Lenkwinkel noch massiv erhöhen? Bis an den Lenkanaschlag zu gehen erfordert einiges an Lenkradarbeit (=Zeit). Dann wieder zurück lenken und das ganze mehrfach - wieviel Zeit willst du dafür brauchen? Bis du das erste mal am Lenkanschalg und wieder zurück bist, hast du die Straße schon längst verlassen.

Zitat:

4. Die Handbremse mitbenutzen, um ein Übersteuern zu simulieren. Das sollte man aber vorher schon ein paar mal geübt und praktiziert haben, sonst kann es voll in die Hose gehen :)

Falsch, das wird komplett in die Hose gehen. Erstens ist auch hier wieder der Zeitfaktor wichtig. Der Griff zur Handbremse dauert einfach zu lang. Außerdem fehlt dir denn eine Hand zum Lenken.

Bitte unterlasse solche gefährlichen Vorschläge.

Zitat:

@KarimK schrieb am 13. Februar 2017 um 23:52:46 Uhr:

Ich hatte heute ein obligatorisches Fahrsicherheitstraining.

Bei der Übung zum Untersteuern wurde uns geraten falls man in so eine Situation kommt, voll auf die Bremse zu treten.

Was war denn das für ein Training bei dem so ein Schwachsinn gelehrt wird??

Untersteuern: Gas weg, auskuppeln, und falls nötig das Lenkrad eine Handbreit öffnen.

Gruß Metalhead

Das ist überhaupt kein Schwachsinn. Wir hier im Thread bereits anklang, so kommt es stark darauf an, wie weit man sich oberhalb des Limits bewegt. Ist man knapp drüber, so kann auskuppeln reichen. Ist man deutlich drüber, so bleibt nur die Vollbremsung um Geschwindigkeit abzubauen.

Ich vermute auch, dass der Trainer dies so dargestellt hat. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass nicht alle Nuancen bei den Teilnehmern hängenbleiben.

Das ist kein Schwachsinn.

Wie hier schon mehrmals beschrieben, es hängt immer von der Situation ab.

Bei unserem Training wurde dies übrigens mit drei Optionen geübt.

- Volbremsung

- mit Gas wegnehmen

- ohne ESP selber ausprobieren, wie man's am besten hinbekommt

 

Bei Letzterem hat bei mir Gas sanft weghehmen, Gas sanft geben am besten funktioniert, weil mir das ESP nicht dazwischenfunkte und meine Korrekturen dadurch 1:1 umgesetzt wurden.

Entscheidend war aber, das sich der Geschwindigkeitsüberschuss innerhalb eines kontrollierbaren Bereiches befand.

Bist du reichlich darüber hinaus, da hilf halt nur noch die Vollbremsung.

Mein allererster Versuch übrigens, der war vieeeeeeeeeeeel zu schnell. ;)

 

 

Aber ich lese hier bei einigen wieder heraus, das sie Fahrzeugbeherrschung mit Situatioinsbeherrschung gleichsetzen und dabei übersehen, das die Situation oftmals nicht den Platz für den beherrshbaren Umgang mit dem Fahrzeug bereitstellt.

Und unter diesen Umständen ist nun mal der schnellstmögliche Geschwindigkeitsabbau die beste Option.

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