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Wie verzögert reagieren die Spritpreise auf die fallenden Ölpreise?

Themenstarteram 6. Juni 2019 um 15:40

Hallo,

ich habe eine Verständnisfrage: Warum sind die Spritpreise derzeit immer noch so hoch, wenn der Rohölpreis stetig fällt?

Aktuell kostet das Rohöl vom Typ Brant 60 USD. Im Vergleich dazu hat es noch im Oktober 2018 85 USD (!!!) gekostet. Seit dem April ist der Ölpreis stetig am Fallen (siehe: https://www.finanzen.net/rohstoffe/oelpreis), dennoch passen sich die Spritpreise an den Tankstellen nicht an.

Welchen Grund hat das?

Mit welcher Verzögerung in Wochen oder Monaten muss man rechnen, damit man als Endkonsument auch was von den Preisschwankungen am Rohölmarkt mitbekommt?

Ich freue mich auf eure spannenden Theorien. :)

Beste Antwort im Thema

Thema Spritpreis:

1. Die OPEC-Länder steigern ihre Produktion:

- der Benzinpreis steigt.

Dies ist auf grundlegende ökonomische Gesetze unserer Marktwirtschaft zurückzuführen: Die gestiegene Nachfrage nach Tankerkapazität verteuert die Frachtraten überproportional.

 

2. Die OPEC-Länder drosseln ihre Produktion:

- der Benzinpreis steigt.

Das ist ökonomisch bedingt: Das Angebot sinkt bei gleichbleibender Nachfrage, damit wird die Ware teurer.

 

3. Im Nahen Osten herrscht vorrübergehend Waffenruhe:

- der Benzinpreis steigt.

Die Ruhe ist trügerisch, die Lager werden vorsorglich aufgefüllt. Die zusätzliche Nachfrage erhöht den Marktpreis.

 

4. Im Nahen Osten wird gekämpft:

- der Benzinpreis steigt.

Hamsterkäufe erhöhen die Nachfrage und damit den Marktpreis.

 

5. Die Verbraucher sparen:

- der Benzinpreis steigt.

Der Minderverbrauch sorgt dafür, dass die Raffinerien weit unterhalb ihrer Kapazität produzieren müssen. Dies erhöht den Einheitspreis (Kosten pro Liter), den in einer Marktwirtschaft die Konsumenten zu tragen haben.

 

6. Die Verbraucher sparen nicht:

- der Benzinpreis steigt.

Die Ölgesellschaften erfüllen eine lebenswichtige Funktion in der Martkwirtschaft: Durch Preiserhöhungen wirken sie einer noch größeren Abhängigkeit vom Erdöl entgegen.

 

7. Die Verbraucher weichen auf Substitute aus:

- der Benzinpreis steigt.

Die Verbundproduktion der verschiedenen Erdöl-Derivate kommt durcheinander. Das erhöht die Kosten pro Liter.

 

8. Der Rhein führt Hochwasser:

- der Benzinpreis steigt.

Die Versorgungslage wird prekär. Vorsorgebestellungen erhöhen die Nachfrage und damit logischerweise den Marktpreis.

 

9. Der Rhein führt Niedrigwasser:

- der Benzinpreis steigt.

Die Schiffe können nur zu einem Drittel ihrer Kapazität beladen werden. Die dadurch erhöhte Fracht pro Tonne Ladegut verteuert die Ware.

 

10. Der Rhein führt Normalwasser:

- der Benzinpreis steigt.

Kaum 25% des eingeführten Benzins erreichen uns auf dem Wasserweg. Für die Kalkulation spielt daher die Situation auf dem Rhein eine geringe Rolle.

 

11. Der Dollarkurs steigt:

- der Benzinpreis steigt.

Alle Erdöl-Kontakte werden in Dollar abgerechnet. Die Konsequenzen für den Preis in Euro liegen auf der Hand. In einer freien Marktwirtschaft wirken sich alle Änderungen sehr schnell aus.

 

12. Der Dollarkurs sinkt:

- der Benzinpreis steigt.

Längst nicht alle Abschlüsse auf dem für Deutschland maßgebenden Spotmarkt in Rotterdam werden in Dollar abgewickelt. Im übrigen dauert es immer eine gewisse Zeit, bis sich Änderungen beim Verbraucher auswirken.

 

13. Die Lager sind randvoll:

- der Benzinpreis steigt.

Große Lagerbestände drücken auf die Gewinnmarge. Die Filialen der großen Erdölkonzerne leisten

freiwillig einen unschätzbaren Beitrag zur Landesversorgung in Notzeiten. In einer freien Marktwirtschaft ist es nur natürlich, dass sich die Konsumenten an den hohen Kosten dafür beteiligen.

 

14. Die Lager sind leer:

- der Benzinpreis steigt.

Die hohen Lagerverluste wurden bisher stets von den Erdölgesellschaften zu Lasten ihrer Erfolgsrechnung getragen. Das ist nicht mehr länger möglich.

 

15. Der durchschnittliche Reingewinn der großen Erdölkonzerne ist gegenüber dem Vorjahr um 380%

gestiegen:

- der Benzinpreis steigt.

Die Zahlen ergeben ein unvollständiges Bild. Im Benzingeschäft allein sieht die Lage schlecht aus.

Vereinzelt entstanden sogar Verluste, die von den anderen Abteilungen getragen werden mussten.

 

16. Der durchschnittliche Reingewinn der großen Erdölkonzerne ist gegenüber dem Vorjahr kaum

gestiegen:

- der Benzinpreis steigt.

In einer freien Marktwirtschaft kann ein Produzent nur mit einer angemessenen Umsatz-Marge

existieren.

 

17. Ein OPEC-Mitglied stoppt infolge innerer Unruhen sämtliche Exporte:

- der Benzinpreis steigt.

Das Angebot auf dem Weltmarkt hat sich verringert. Die Preise reagieren entsprechend.

 

18. Ein OPEC-Mitglied nimmt seine Ausfuhren wieder auf:

- der Benzinpreis steigt.

Die seither eingetretene Inflation wurde entgegen den Gesetzen einer freien Marktwirtschaft von den

Konzernen aufgefangen. Das kann nicht ewig so weitergehen.

 

19. Neue Erdölvorkommen werden entdeckt:

- der Benzinpreis steigt.

Es gibt viel zu tun, packen wir’s an. Um die Versorgung in der Zukunft zu sichern, müssen heute

gewaltige Investitionen getätigt werden. Die Prokuktionskosten werden ständig höher.

 

20. Bisherige ergiebige Ölfelder erschöpfen sich:

- der Benzinpreis steigt.

Es wird immer schwieriger und teurer, der unverminderten Welt-Nachfrage nach Öl gerecht zu

werden.

 

21. Zwei Erdölkonzerne fusionieren:

- der Benzinpreis steigt.

Der Zusammenschluss ist ein Signal dafür, dass bei den gegenwärtigen Preisen das Überleben

einzelner Gesellschaften nicht mehr gewährleistet ist.

22. Zwei Erdölkonzerne fusionieren nicht:

- der Benzinpreis steigt.

Der von den staatlichen Aufsichtsstellen abgelehnte Zusammenschluss verhindert beträchtliche

Rationalisierungs-Vorteile. Die Konsequenzen hat der Konsument zu tragen.

 

;)

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Moin!

Wer soll das beantworten, so unterschiedlich das ist.

G

Der Rohölpreis spielt überhaupt keine Rolle für den Preis an der Zapfsäule. Die Konzerne fördern den Barrel seit Ewigkeiten für Preise zwischen 5 $ und 12 $ und sie verticken die Destillate in ihren Tankstellennetzen exakt zu den Preisen, die sie gerade haben wollen. Die Schwankungen resultieren aus dem umgedrehten Wettbewerb. Die einzige Frage ist täglich, wer den Preis ab 18:00 Uhr zuerst wieder anhebt. ...

42 :cool:

Eigentlich sollte jeder seit der Geschichte mit dem Niedrigwasser, Ende des letzten Jahres, wissen das der Rohöl Preis nicht wirklich großen Einfluss auf den Endpreis hat. Das ganze naja klingt etwas "Aluhut" Mäßig wird gefühlt nach Lust und Laune der großen gesteuert.

Niedrigwasser -> Hohe Preise -> Kein Niedrigwasser mehr -> Noch immer Hohe Preise sogar trotz sinkendem Rohölpreis

Erst wie das langsam an die Leute durchkam hat sich da langsam was getan. ¯\_(?)_/¯

Die Preise bleiben so lange oben bis eine Kette anfängt, sie zu senken. Der Zeitpunkt wird in meiner Kristallkugel leider nicht angezeigt. ;) Vielen Autofahrern scheinen die Preise auch ziemlich egal zu sein, wenn ich Kauf-, Tankverhalten und Fahrweise so verfolge.

Grüße vom Ostelch

Nach oben immer sehr schnell, aber dafür nach unten immer ganz langsam.

Zitat:

@derbeste44 schrieb am 6. Juni 2019 um 16:22:50 Uhr:

Nach oben immer sehr schnell, aber dafür nach unten immer ganz langsam.

... wenigstens gibt es die Richtung "nach unten" noch. ;)

Grüße vom Ostelch

Das glaube ich nicht.

https://...undesfinanzministerium.de/.../...rundlagen-benzinpreis.html

 

Zitat:

@berlin-paul schrieb am 6. Juni 2019 um 15:47:55 Uhr:

Der Rohölpreis spielt überhaupt keine Rolle für den Preis an der Zapfsäule. Die Konzerne fördern den Barrel seit Ewigkeiten für Preise zwischen 5 $ und 12 $ und sie verticken die Destillate in ihren Tankstellennetzen exakt zu den Preisen, die sie gerade haben wollen. Die Schwankungen resultieren aus dem umgedrehten Wettbewerb. Die einzige Frage ist täglich, wer den Preis ab 18:00 Uhr zuerst wieder anhebt. ...

Viel spannender finde ich, daß ab Januar der Preisanstieg für Diesel deutlich niedriger ausgefallen ist als bei Benzin. Wenn man die Preisentwicklung anschaut, dann ging es für Benzin im Verhältnis stärker nach oben. Jetzt gehen beide Preis recht langsam wieder nach unten.

Die Statistiken hier zeigen es recht schön (jeweils nach unten blätten zu 3 bzw. 12 Monate):

https://www.clever-tanken.de/statistik/historie/super-e10

https://www.clever-tanken.de/statistik/historie/diesel

Zitat:

@berlin-paul schrieb am 6. Juni 2019 um 15:47:55 Uhr:

Der Rohölpreis spielt überhaupt keine Rolle für den Preis an der Zapfsäule. Die Konzerne fördern den Barrel seit Ewigkeiten für Preise zwischen 5 $ und 12 $...

Der Rohölpreis besteht aber nicht nur aus den Förderkosten...

Erhelle uns ....

Hier wird das Thema umfassen erklärt:

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lpreis

Das ist doch Unfug. Den Konzernen gehört von der Quelle bis zur Zapfpistole die gesamte Kette. Im Übrigen bleibt es dabei, dass der Rohölpreis für den Preis an der Zapdsäule keine Rolle spielt.

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