Plädoyer für den 204er – da weiß man, was man hat

Mercedes C-Klasse S204

Mein jetziger S204 / C180 ist nun mein dritter Mercedes.

Zuvor hatte ich einen S202er und einen S203er. Immer ein C180 Classic mit ziemlich kompletter Ausstattung – einmal die Preisliste runter.

Mit meinem S202er hatte ich bereits einiges an Problemen. Von merkwürdigen Vibrationen um 100 km/h, deren Ursache keiner herausbekommen hat, bis zu Rost. Und die Elektronik hat auch schon manchmal gehakt.

Getoppt wurde das von dem S203er. Er hatte jede Menge Probleme mit der Elektronik, Rost gab es auch wieder, die Werkstattaufenthalte häuften sich. Wie gut, dass es die Gnade des Vergessens gibt - die einzelnen Probleme, die mich insbesondere in der Summe sehr geärgert hatten, bekomme ich schon gar nicht mehr zusammen.

Einer meiner Standardsprüche damals war, dass Mercedes dabei ist, seinen klassischen Ruf von technischer Topleistung verbunden mit Zuverlässigkeit und Komfort nachhaltig zu ruinieren. (Damals hatte auch die E-Klasse einiges an Problemen. Und selbst die S-Klasse meines Vaters kämpfte mit Rost und wurde zweimal auf Kulanz lackiert…)

Eigentlich war mir klar, dass der nächste kein Mercedes mehr wird. Also Probefahrt mit BMW und Audi – aber irgendwie haben mich beide nicht überzeugt. Zuviel auf Dynamik und zu wenig Komfort.

Dann konnte ich lesen, dass Mercedes offensichtlich verstanden hatte: Das Testprogramm für den neuen 204er sollte das umfangreichste in der Geschichte von Mercedes gewesen sein. Also noch einen Versuch. 2008 habe ich meinen S204 in Bremen abgeholt.

Und siehe da: Plötzlich wieder ein Mercedes, der endlich dem entspricht, was ich unter diesem Namen erwarte: eine schönes klassisch, konservatives Design, komfortables Fahren, absolut zuverlässig.

Auch das angeblich so schlechte Innendesign stört mich persönlich überhaupt nicht. Natürlich finde ich den Mopf besser, aber so schlecht ist der Vormopf nun wirklich nicht.

Werkstattaufenthalte gab es nur für die Inspektionen. Mit einer einzigen Ausnahme: Artico war mal wieder gerissen (wie auch schon zweimal beim 203er). Das wurde aber immer auf Kulanz erneuert, wobei man sich schon fragen muss, warum Mercedes das offensichtlich nicht umfassend in den Griff bekommt.

Aber um es mit einem Wort zu sagen: Von meinem S204 bin ich immer noch begeistert.

Einzig die Inzahlungnahme, die mir nach drei Jahren noch für den Kauf eines Mopf angeboten wurde, hat mich doch ein wenig geschockt. Doch dafür kann der 204er nun gar nichts. Das ist eher eine Frage von Angebot und Nachfrage auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Also habe ich meinen 204er weiter gefahren. Inzwischen haben wir beide gemeinsam ohne ein einziges weiteres Problem die 100.000 km geschafft.

Der Plan war, als nächstes einen 205er zu nehmen. Aber dann kamen mir doch so Zweifel.

Der 205er soll um einiges größer werden (nach AMS immerhin so um die 10 cm in der Länge und um die 4 cm in der Breite). Im Fond bringt das sicherlich Vorteile, aber die Handlichkeit in der Stadt geht doch ein wenig verloren.

Bei allem Geschiele auf die Tests, in denen z.B. der Größenvorteil des Passats herausgekehrt wird: Die geringere Länge der C-Klasse verbunden mit der besseren Handlichkeit empfand ich immer als ein wesentliches Argument. Wenn ich mehr Platz brauche, kann ich die E-Klasse nehmen, die mit dem Passat platzmäßig locker mithält. (Betrachtet man nur die Außenmaße, so konkurriert der Passat sowieso eher mit der E-Klasse, dem A6 und dem 5er BMW. Nur preislich ist er günstige Mittelklasse.)

Und dann die ersten Bildandeutungen zum Innenraum des 205er mit dem freistehenden Bildschirm wie in der A- und B-Klasse. Mit meinem Verständnis von zugegebenermaßen konservativem Design hat dies wenig zu tun. Da soll die C-Klasse nun wohl auch auf jung-dynamisch gestaltet werden, wie die A-Klasse und der CLA. Wer weiß, welche Konsequenzen daraus noch folgen. Mag ja sein, dass man das für den Erfolg auf dem Markt braucht – aber mein Geschmack ist es nicht. Aus meiner Sicht muss Mercedes durchaus aufpassen, dass bei allem Gerede über dynamisches Design und die Zielgruppe „Life-Style-Elite“ die älteren konservativen Käuferschichten mit ihrer Kaufkraft nicht verprellt werden.

Und dann die Frage nach der Zuverlässigkeit. Schafft es Mercedes wieder, von Anfang an einen so soliden Wagen auf die Beine zu stellen, wie das beim 204er gelungen ist?

Als ich mich mit solchen Fragen auseinandersetzte, kam mir dann doch der Gedanke, ob ich nicht erst einmal lieber bei dem bleibe, was ich kenne, beim 204er. Da weiß ich, was ich habe. Und technisch wird der 205er auch erst einmal keine so großen Fortschritte bringen. Der jetzige 180er hat schon den M274, Comand ist mit dem Mj. 2014 auf neuestem technischen Stand (PAN und LiveTraffic), die passiven Assistenzsysteme ebenfalls (den aktiven traue ich sowieso nicht) etc.

Also ab zum Freundlichen und mit Beginn des Modelljahrs 2014 noch schnell einen neuen S204 / C180 bestellt. Die Lieferzeit war kurz, die Ersparnis mit Premiumpaket und Nachlass beachtlich. (Auch wenn ich 51 Tsd. für ein solches Auto immer noch für einen stolzen Preis halte. Das waren einmal 100.000,00 DM!?!)

Nächste Woche werde ich nach Bremen fahren, und ihn abholen.

Und dann kann ich in aller Ruhe auf den Mopf beim 205er warten. Dann werden innen und außen mit Sicherheit alle ggf. vorhandenen Designsünden repariert (wie beim 204er und aktuell bei der E-Klasse) – an den Rest hat man sich bis dahin gewöhnt. Und viele wesentliche technische Neuerungen kommen ja sowieso zumeist erst mit der Modellpflege.

Da ich als passiver Leser dieses Forums viel von ihm profitiert habe, wollte ich diese Erfahrungen und Einschätzung einmal loswerden. Ich würde mir sehr wünschen, wenn ich in fünf Jahren hier lesen kann, dass Mercedes den mit dem 204er begonnen Weg mit dem 205er erfolgreich fortsetzt hat.

P.S. Und um auch noch etwas Lästerliches los zu werden: In fünf Jahren möchte ich nicht die Werbung lesen können „Das Beste oder nichts – Renault Kangoo“.

Beste Antwort im Thema

Mein jetziger S204 / C180 ist nun mein dritter Mercedes.

Zuvor hatte ich einen S202er und einen S203er. Immer ein C180 Classic mit ziemlich kompletter Ausstattung – einmal die Preisliste runter.

Mit meinem S202er hatte ich bereits einiges an Problemen. Von merkwürdigen Vibrationen um 100 km/h, deren Ursache keiner herausbekommen hat, bis zu Rost. Und die Elektronik hat auch schon manchmal gehakt.

Getoppt wurde das von dem S203er. Er hatte jede Menge Probleme mit der Elektronik, Rost gab es auch wieder, die Werkstattaufenthalte häuften sich. Wie gut, dass es die Gnade des Vergessens gibt - die einzelnen Probleme, die mich insbesondere in der Summe sehr geärgert hatten, bekomme ich schon gar nicht mehr zusammen.

Einer meiner Standardsprüche damals war, dass Mercedes dabei ist, seinen klassischen Ruf von technischer Topleistung verbunden mit Zuverlässigkeit und Komfort nachhaltig zu ruinieren. (Damals hatte auch die E-Klasse einiges an Problemen. Und selbst die S-Klasse meines Vaters kämpfte mit Rost und wurde zweimal auf Kulanz lackiert…)

Eigentlich war mir klar, dass der nächste kein Mercedes mehr wird. Also Probefahrt mit BMW und Audi – aber irgendwie haben mich beide nicht überzeugt. Zuviel auf Dynamik und zu wenig Komfort.

Dann konnte ich lesen, dass Mercedes offensichtlich verstanden hatte: Das Testprogramm für den neuen 204er sollte das umfangreichste in der Geschichte von Mercedes gewesen sein. Also noch einen Versuch. 2008 habe ich meinen S204 in Bremen abgeholt.

Und siehe da: Plötzlich wieder ein Mercedes, der endlich dem entspricht, was ich unter diesem Namen erwarte: eine schönes klassisch, konservatives Design, komfortables Fahren, absolut zuverlässig.

Auch das angeblich so schlechte Innendesign stört mich persönlich überhaupt nicht. Natürlich finde ich den Mopf besser, aber so schlecht ist der Vormopf nun wirklich nicht.

Werkstattaufenthalte gab es nur für die Inspektionen. Mit einer einzigen Ausnahme: Artico war mal wieder gerissen (wie auch schon zweimal beim 203er). Das wurde aber immer auf Kulanz erneuert, wobei man sich schon fragen muss, warum Mercedes das offensichtlich nicht umfassend in den Griff bekommt.

Aber um es mit einem Wort zu sagen: Von meinem S204 bin ich immer noch begeistert.

Einzig die Inzahlungnahme, die mir nach drei Jahren noch für den Kauf eines Mopf angeboten wurde, hat mich doch ein wenig geschockt. Doch dafür kann der 204er nun gar nichts. Das ist eher eine Frage von Angebot und Nachfrage auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

Also habe ich meinen 204er weiter gefahren. Inzwischen haben wir beide gemeinsam ohne ein einziges weiteres Problem die 100.000 km geschafft.

Der Plan war, als nächstes einen 205er zu nehmen. Aber dann kamen mir doch so Zweifel.

Der 205er soll um einiges größer werden (nach AMS immerhin so um die 10 cm in der Länge und um die 4 cm in der Breite). Im Fond bringt das sicherlich Vorteile, aber die Handlichkeit in der Stadt geht doch ein wenig verloren.

Bei allem Geschiele auf die Tests, in denen z.B. der Größenvorteil des Passats herausgekehrt wird: Die geringere Länge der C-Klasse verbunden mit der besseren Handlichkeit empfand ich immer als ein wesentliches Argument. Wenn ich mehr Platz brauche, kann ich die E-Klasse nehmen, die mit dem Passat platzmäßig locker mithält. (Betrachtet man nur die Außenmaße, so konkurriert der Passat sowieso eher mit der E-Klasse, dem A6 und dem 5er BMW. Nur preislich ist er günstige Mittelklasse.)

Und dann die ersten Bildandeutungen zum Innenraum des 205er mit dem freistehenden Bildschirm wie in der A- und B-Klasse. Mit meinem Verständnis von zugegebenermaßen konservativem Design hat dies wenig zu tun. Da soll die C-Klasse nun wohl auch auf jung-dynamisch gestaltet werden, wie die A-Klasse und der CLA. Wer weiß, welche Konsequenzen daraus noch folgen. Mag ja sein, dass man das für den Erfolg auf dem Markt braucht – aber mein Geschmack ist es nicht. Aus meiner Sicht muss Mercedes durchaus aufpassen, dass bei allem Gerede über dynamisches Design und die Zielgruppe „Life-Style-Elite“ die älteren konservativen Käuferschichten mit ihrer Kaufkraft nicht verprellt werden.

Und dann die Frage nach der Zuverlässigkeit. Schafft es Mercedes wieder, von Anfang an einen so soliden Wagen auf die Beine zu stellen, wie das beim 204er gelungen ist?

Als ich mich mit solchen Fragen auseinandersetzte, kam mir dann doch der Gedanke, ob ich nicht erst einmal lieber bei dem bleibe, was ich kenne, beim 204er. Da weiß ich, was ich habe. Und technisch wird der 205er auch erst einmal keine so großen Fortschritte bringen. Der jetzige 180er hat schon den M274, Comand ist mit dem Mj. 2014 auf neuestem technischen Stand (PAN und LiveTraffic), die passiven Assistenzsysteme ebenfalls (den aktiven traue ich sowieso nicht) etc.

Also ab zum Freundlichen und mit Beginn des Modelljahrs 2014 noch schnell einen neuen S204 / C180 bestellt. Die Lieferzeit war kurz, die Ersparnis mit Premiumpaket und Nachlass beachtlich. (Auch wenn ich 51 Tsd. für ein solches Auto immer noch für einen stolzen Preis halte. Das waren einmal 100.000,00 DM!?!)

Nächste Woche werde ich nach Bremen fahren, und ihn abholen.

Und dann kann ich in aller Ruhe auf den Mopf beim 205er warten. Dann werden innen und außen mit Sicherheit alle ggf. vorhandenen Designsünden repariert (wie beim 204er und aktuell bei der E-Klasse) – an den Rest hat man sich bis dahin gewöhnt. Und viele wesentliche technische Neuerungen kommen ja sowieso zumeist erst mit der Modellpflege.

Da ich als passiver Leser dieses Forums viel von ihm profitiert habe, wollte ich diese Erfahrungen und Einschätzung einmal loswerden. Ich würde mir sehr wünschen, wenn ich in fünf Jahren hier lesen kann, dass Mercedes den mit dem 204er begonnen Weg mit dem 205er erfolgreich fortsetzt hat.

P.S. Und um auch noch etwas Lästerliches los zu werden: In fünf Jahren möchte ich nicht die Werbung lesen können „Das Beste oder nichts – Renault Kangoo“.

21 weitere Antworten
21 Antworten

Zitat:

Original geschrieben von Dynomyte


Da der W204 als Nachfolger für meinen W202 ein heißer Kandidat ist (am liebsten Elegance 200 CDI), finde ich es schonmal gut, das hier ein Statement für den W204 gebracht wird. In der AutoBild Redaktion wird ebenfalls ein C180 Kompressor (also der "echte" 1,8er) mit mittlerweile um die 300.000km gefahren. Soweit sind die da auch sehr zufrieden mit dem Auto.

so bin ich auch umgestiegen, allerdings hab ich mir gleich den 220cdi gekauft, kostet in den steuern genauso viel wie der 200er, weil beide den selben Hubraum haben und muss sagen, das es die bessere wahl war, denn wenn ich lese, wie viele sich beschweren, das der 200er unten rum nicht gut geht, freu ich mich immer, das der 220er auf jeder lage gut geht.. wäre der 250er nicht so teuer damals gewesen, wäre es der geworden (hat auch den 220er Motor) und die nehmen sich alle nichts im verbrauch..

Ja, aber der 250er ist im unteren drehzahldrittel auch nicht der flotteste, da kommt der turbo auch erst so ab 2500.

Was für mich der hauptgrund ist, einen mercedes zu kaufen, ist die zuverlässigkeit. deswegen würde ich mir immer das jeweils problemloseste modell kaufen. bei einem 220er hätte ich immer "schiss" wegen den injektoren, bzw. wegen 2 turbos (doppelte fehlerquelle).

denn wenn ein auto problemlos läuft, ist selbst ein mercedes durchaus erschwinglich. ich bin azubi und fahr 30.000km im jahr, und kann mir meinen trotzdem leisten, eben weil er total zuverlässig ist.
Das würde ich auch bei meinem nächsten auto erwarten.

So, das wars von mir, sorry für offtopic, würd gern noch mehr gute erfahrungen, auch gerne mit höheren km- Leistungen hören 🙂

Zitat:

Original geschrieben von Dynomyte



...bei einem 220er hätte ich immer "schiss" wegen den injektoren, bzw. wegen 2 turbos (doppelte fehlerquelle)....

Dann hol dir einen 220er mit OM646, der hat nur 1 Turbo und Magnetinjektoren 😉

Ich dachte nur der alte 200er cdi hätte magnetinjektoren o.O

Ähnliche Themen

Zitat:

Original geschrieben von Vectranator



Zitat:

Original geschrieben von Dynomyte



...bei einem 220er hätte ich immer "schiss" wegen den injektoren, bzw. wegen 2 turbos (doppelte fehlerquelle)....
Dann hol dir einen 220er mit OM646, der hat nur 1 Turbo und Magnetinjektoren 😉

der piezo, deswegen gehen die ja immer kaputt (angeblich), die tauschteile sind wohl magnetventilinjektoren.. naja, ich hab noch die originalen piezos, den ersten turbo und da ist gar nichts kaputt, bei inzwischen 120tkm.. man kann glück haben und pech haben, kommt auch immer ganz darauf, wie man sein auto behandelt..

Injektoren waren bei meinem letzten E90 eine Schwachchstelle . Sobald einer kaputt war wurden gleich alle 4 erneuert ! Kullanz von BMW !!!

Zitat:

Original geschrieben von MZ-DJ-1970


Injektoren waren bei meinem letzten E90 eine Schwachchstelle . Sobald einer kaputt war wurden gleich alle 4 erneuert ! Kullanz von BMW !!!

und was soll mir das jetzt sagen?

Deine Antwort
Ähnliche Themen