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Korrosionsschutz des W211 sehr fragwürdig - eine Empfehlung

Themenstarteram 23. August 2005 um 9:54

Hallo,

ich habe mir heute Morgen zusammen mit dem Mercedes-Meister meines Vertrauens meinen W 211 von unten angesehen. Auch wenn es nur minimale Korrosionsspuren gibt (z.B. an den Antriebswellen, wo die Lackierung abplatzt - auch ein schlimmer Fehler) war ich ziemlich entsetzt: es gibt keinerlei Unterbodenversiegelung. Lediglich die Nähte der Bleche sind versiegelt, ansonsten ist da nur das dünn lackierte nackte Blech zu sehen. Auch unter den Kunststoffverkleidungen gibt es nur nacktes Blech, wenn auch verzinkt. Mein Meister sagte, er habe schon ganz andere W 211 gesehen, meiner zeige ja kaum Korrosion. Mein Fahrzeug wurde bisher im Winter kaum gefahren, und diese Entscheidung war nach dem, was ich gesehen habe, korrekt.

Bevor jetzt jemand anfängt zu mosern: ich bin ordentlicher Professor, habilitierter Physikochemiker und verstehe eine ganze Menge von Elektrochemie und Korrosion. Moderator AKL33 kennt meine Identität.

Kurze Einführung:

Jedes Metall korrodiert, manche nur an der Oberfläche mit wenigen Monolagen (Platin, Gold), manche in der Volumenphase (Eisen bzw. Karosseriestahl). Wie jeder weiß, kann sich Eisen vollständig in die Oxide (= Rost) umwandeln. Das hat elektrochemische Gründe. Leichtmetalle und Legierungen aus Leichtmetallen wie Aluminium, Magnesium und Zink bilden deckende und manchmal selbstpassivierende Oxidschichten. Diese Schichten (beim Edelstahl: Chromoxid) verhindern aus kinetischen Gründen die weitere Korrosion. Das gelingt mit Aluminium, Magnesium und seinen Legierungen, nicht jedoch mit reinem Zink. Eine reine Zinkschicht korrodiert auch nicht sehr viel langsamer als Stahl, die Korrosion ist lediglich gleichmäßiger, d.h. es entsteht in der Regel keine Lochfraßkorrosion in Zinkschichten. Wenn die Zinkschicht verbraucht ist, beginnt das Eisen aber zu rosten. In der Technik wird Zink phosphatiert, d.h. (nur) an der Oberfläche in Zinkphosphat umgewandelt. Diese Schicht reduziert die Korrosion drastisch, solange die Schicht unversehrt ist, da diese Schicht elektrisch nicht leitend ist. Bei einem Steinschlag, der die Zinkschicht absprengt, wird Eisen eine Weile durch das verbleibende Zink kathodisch geschützt (Lokalelement, Zink ist die Opferanode), irgendwann greift der Sauerstoff jedoch das Eisen an, und die Korrosion beginnt. Wenn man das zu spät merkt, können auch verzinkte Bleche völlig durchrosten. Ein wirksamer Korrosionsschutz ist daher immer mehrschichtig. D.h., verzinktes und phosphatiertes Blech muss im Unterboden mit einem sehr elastischen Material beschichtet sein, mehrschichtig lackiert und dann mit einem hochelastischen Wachs versiegelt werden. Steinschläge werden dann abgefedert, die Wachsschicht ist selbstheilend, und Korrosion hat in der Regel keinerlei Chance. Von Bitumen-aehnlichen Schichten im Unterboden ist abzuraten, da diese Schichten irgendwann aushärten, spröde werden, Wasser und Salz durchlassen und dann unter der "Schutzschicht" die Korrosion losgeht.

Aus wissenschaftlicher und technischer Sicht muss ich die Rostvorsorge am Unterboden des W 211 als mangelhaft bis ungenügend einstufen. Es ist ein schlimmer Anfängerfehler, zu glauben, dass es reicht, das verzinkte Blech nicht zu schützen. Gerade am Unterboden darf das nicht passieren, Mercedes bei der hochpreisigen E-Klasse schon 2x nicht.

Mensch, was machen die für einen Blödsinn....

Wenn der Unterboden des W 211 nicht nachbehandelt wird, sind die ersten Durchrostungen beim W 211 so 2007 zu erwarten. Dann heißt es wieder, das seien ja nur Einzelfälle. Da greift auch nicht die 30-jährige Garantie, denn die gilt nur für Durchrostung von innen nach aussen. Wegen der Materialwahl ist das nur bei den Scwellern und den Türen zu erwarten. Der Unterboden wird gewiss nicht von innen nach aussen rosten.

Meine Empfehlung, die ich jedem von euch ans Herz lege: lasst den Unterboden nachbehandeln. Die Mercedes-Werkstaetten bieten an, den gesamten Unterboden (also auch unter den Verkleidungen) mit einem hochelastischen Wachs zu beschichten. Die Kosten bei einer E-Klasse werden so um 250 Euro liegen. Oder geht zu den Jungs von TimeMax www.timemax.de, dort kostet eine Behandlung aber gleich um die 1100 Euro.

Auf die Frage, ob der eingesparte Unterbodenschutz mit der EU-Altautoverordnung oder den Sparmaßnahmen zusammenhängt, meinte mein Meister: das sind ganz klar die Sparmaßnahmen. Er meinte auch, dass sich die Sparmaßnahmen nun beim W210 schon bitter rächen und Mercedes schon viel Geld durch Nachbehandlungen am W210 verloren hat. Aber, die Reparaturen können auch beim W210 nicht von Dauer sein. Man müsste das Fahrzeug ja schon komplett zerlegen und die Konstruktionsfehler ausmerzen.

Ich werde Mercedes in meiner Funktion als Universitätsprofessor demnächst ein ausführliches Schreiben senden und ihnen meine Sicht der Dinge darstellen.

Nochmals zu AUDI: Klar, hier im Forum kann es nur wenige AUDI-Fans geben, viele tragen halt eine rosarote Mercedes-Brille. Mein Meister meinte jedoch, dass AUDI von allen Herstellern wohl am konsequentesten in die Rostvorsorge investiert.

Euer Ferrocen

Beste Antwort im Thema
Themenstarteram 23. August 2005 um 9:54

Hallo,

ich habe mir heute Morgen zusammen mit dem Mercedes-Meister meines Vertrauens meinen W 211 von unten angesehen. Auch wenn es nur minimale Korrosionsspuren gibt (z.B. an den Antriebswellen, wo die Lackierung abplatzt - auch ein schlimmer Fehler) war ich ziemlich entsetzt: es gibt keinerlei Unterbodenversiegelung. Lediglich die Nähte der Bleche sind versiegelt, ansonsten ist da nur das dünn lackierte nackte Blech zu sehen. Auch unter den Kunststoffverkleidungen gibt es nur nacktes Blech, wenn auch verzinkt. Mein Meister sagte, er habe schon ganz andere W 211 gesehen, meiner zeige ja kaum Korrosion. Mein Fahrzeug wurde bisher im Winter kaum gefahren, und diese Entscheidung war nach dem, was ich gesehen habe, korrekt.

Bevor jetzt jemand anfängt zu mosern: ich bin ordentlicher Professor, habilitierter Physikochemiker und verstehe eine ganze Menge von Elektrochemie und Korrosion. Moderator AKL33 kennt meine Identität.

Kurze Einführung:

Jedes Metall korrodiert, manche nur an der Oberfläche mit wenigen Monolagen (Platin, Gold), manche in der Volumenphase (Eisen bzw. Karosseriestahl). Wie jeder weiß, kann sich Eisen vollständig in die Oxide (= Rost) umwandeln. Das hat elektrochemische Gründe. Leichtmetalle und Legierungen aus Leichtmetallen wie Aluminium, Magnesium und Zink bilden deckende und manchmal selbstpassivierende Oxidschichten. Diese Schichten (beim Edelstahl: Chromoxid) verhindern aus kinetischen Gründen die weitere Korrosion. Das gelingt mit Aluminium, Magnesium und seinen Legierungen, nicht jedoch mit reinem Zink. Eine reine Zinkschicht korrodiert auch nicht sehr viel langsamer als Stahl, die Korrosion ist lediglich gleichmäßiger, d.h. es entsteht in der Regel keine Lochfraßkorrosion in Zinkschichten. Wenn die Zinkschicht verbraucht ist, beginnt das Eisen aber zu rosten. In der Technik wird Zink phosphatiert, d.h. (nur) an der Oberfläche in Zinkphosphat umgewandelt. Diese Schicht reduziert die Korrosion drastisch, solange die Schicht unversehrt ist, da diese Schicht elektrisch nicht leitend ist. Bei einem Steinschlag, der die Zinkschicht absprengt, wird Eisen eine Weile durch das verbleibende Zink kathodisch geschützt (Lokalelement, Zink ist die Opferanode), irgendwann greift der Sauerstoff jedoch das Eisen an, und die Korrosion beginnt. Wenn man das zu spät merkt, können auch verzinkte Bleche völlig durchrosten. Ein wirksamer Korrosionsschutz ist daher immer mehrschichtig. D.h., verzinktes und phosphatiertes Blech muss im Unterboden mit einem sehr elastischen Material beschichtet sein, mehrschichtig lackiert und dann mit einem hochelastischen Wachs versiegelt werden. Steinschläge werden dann abgefedert, die Wachsschicht ist selbstheilend, und Korrosion hat in der Regel keinerlei Chance. Von Bitumen-aehnlichen Schichten im Unterboden ist abzuraten, da diese Schichten irgendwann aushärten, spröde werden, Wasser und Salz durchlassen und dann unter der "Schutzschicht" die Korrosion losgeht.

Aus wissenschaftlicher und technischer Sicht muss ich die Rostvorsorge am Unterboden des W 211 als mangelhaft bis ungenügend einstufen. Es ist ein schlimmer Anfängerfehler, zu glauben, dass es reicht, das verzinkte Blech nicht zu schützen. Gerade am Unterboden darf das nicht passieren, Mercedes bei der hochpreisigen E-Klasse schon 2x nicht.

Mensch, was machen die für einen Blödsinn....

Wenn der Unterboden des W 211 nicht nachbehandelt wird, sind die ersten Durchrostungen beim W 211 so 2007 zu erwarten. Dann heißt es wieder, das seien ja nur Einzelfälle. Da greift auch nicht die 30-jährige Garantie, denn die gilt nur für Durchrostung von innen nach aussen. Wegen der Materialwahl ist das nur bei den Scwellern und den Türen zu erwarten. Der Unterboden wird gewiss nicht von innen nach aussen rosten.

Meine Empfehlung, die ich jedem von euch ans Herz lege: lasst den Unterboden nachbehandeln. Die Mercedes-Werkstaetten bieten an, den gesamten Unterboden (also auch unter den Verkleidungen) mit einem hochelastischen Wachs zu beschichten. Die Kosten bei einer E-Klasse werden so um 250 Euro liegen. Oder geht zu den Jungs von TimeMax www.timemax.de, dort kostet eine Behandlung aber gleich um die 1100 Euro.

Auf die Frage, ob der eingesparte Unterbodenschutz mit der EU-Altautoverordnung oder den Sparmaßnahmen zusammenhängt, meinte mein Meister: das sind ganz klar die Sparmaßnahmen. Er meinte auch, dass sich die Sparmaßnahmen nun beim W210 schon bitter rächen und Mercedes schon viel Geld durch Nachbehandlungen am W210 verloren hat. Aber, die Reparaturen können auch beim W210 nicht von Dauer sein. Man müsste das Fahrzeug ja schon komplett zerlegen und die Konstruktionsfehler ausmerzen.

Ich werde Mercedes in meiner Funktion als Universitätsprofessor demnächst ein ausführliches Schreiben senden und ihnen meine Sicht der Dinge darstellen.

Nochmals zu AUDI: Klar, hier im Forum kann es nur wenige AUDI-Fans geben, viele tragen halt eine rosarote Mercedes-Brille. Mein Meister meinte jedoch, dass AUDI von allen Herstellern wohl am konsequentesten in die Rostvorsorge investiert.

Euer Ferrocen

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Mein 210er rostete nicht schlecht. Angefangen hats am Kofferraumschloss, am Schluss zeigten sich Roststellen praktisch überall. Da war er 10 Jahre alt und hatte 250.000km. Aber: Ich habe das Auto bei jedem Werkstattaufenthalt von unten in Augenschein genommen (Reifenwechsel, Ölwechsel,...) und muss sagen, dass dort auch nach zehn Jahren und teils harten langen Wintern mit täglichem Gebrauch nur sehr wenig Rost zu sehen war. Für Unterboden alles absolut unbedenklich, da nur optisches Problem.

Ich wundere mich zwar auch wie das möglich ist, da einige Bleche teils nur eine Grundierung zu haben schienen, aber so war's.

 

Das Problem sind nicht die Flächen, solange die unverletzt

sind, sondern die Kanten. Vielleicht ist der Lack dort

dünner aufgetragen, oder er verläuft vorm Trocknen zu dünn,

oder die Grundierung ist dort mangelhaft, oder die Entfettung,

oder beim Anbau von Teilen (Kofferraumleisten, früher Antennen,

Scheiben ...) werden Kanten verletzt ... Ich bin kein Lackierexperte.

Ich habe noch keinen Rost gesehen, der mitten auf einer Fläche

vorhanden ist, solange diese keine Schrammen durch z.B. Steinschlag

hat. Auch bei Schraubenlöchern habe ich so meine Bedenken, da

fängt es auch gern an. Der Lack könnte beim Einsetzten der Schrauben

an den Blechkanten des Lochs verletzt worden sein. Und dann noch

diese Gummistopfen, auch wieder Lochkanten, und Nässe und Dreck,

der sich unter den Rändern der Stopfen sammeln kann. Oder undichte

Scheißnahtabdichtungen, sammelt sich auch rostförderndes Zeugs

drunter. Beim W124 z.B. der Kotflügel vo am Stoßfänger: ein Schaum-

stoff als Abdichtung darunter geklemmt, der Wasser und schmiergelnden

Dreck schon festhält - raus damit! Eigentlich müsste man wo es geht

Schrauben von Anauteilen und Stopfen entfernen, Blech darunter

kontrollieren, konservieren und nach dem Trocknen mit Sandersfett

bestrichen erst wieder Schrauben und Stopfen einsetzten. :rolleyes:

Ja ja, das alles kenn ich gut, wollte nur Fragen wie die Langzeiterfahrungen mit dem 211er so sind.

Scheinbar ist der am Unterboden doch deutlich besser als der 210er geschützt, obwohl auf den ersten Blick die Lage recht ähnlich ist?

Klar, normalerweise rostet es an Kanten, Bohrungen, usw. Dort fing es ja auch an. Kofferraumschloss, Stern, Radläufe (aber nur 3, einer war auch am Schluss wie neu!).

Das erstaunliche am 210er war aber

1. extreme Empfindlichkeit gegen Steinschlag. Bei 90.000km ist mir das zum ersten mal aufgefallen. Die Motorhaube war übersät mit kleinen weißen (Grundierung) Pünktchen.

2. gegen Ende kam der Rost an allen Stellen einfach so aus dem Blech. Immer von unter dem unverletzten Lack. Einfach so mitten auf der Tür, der Kofferraumdeckel. Auch die B-Säule rostete munter drauf los. Rostbeulen unter einer perfekten Lackoberfläche.

Dagegen hatte ich z.B. niemals dieses Türkantenrostproblem, das soviele hier hatten. Meine Türkanten waren bis zum Schluss wie neu.

Das soll mal einer verstehen.

Und wie gesagt, am Unterboden gegen Ende weniger Rost als an der sichtbaren Karosserie. Dort gab es vereinzelt Kantenrost. Aber nur sehr wenig. Absolut unbedenklich.

Dafür sind mir die Federbeine abgerostet. Die Reparatur hat aber Mercedes anstandslos bezahlt.

Morgen...!

Mein kleiner wird ja bald 4 Jahre jung und hat ca. 113 tkm auf der Uhr.

Als ich ihn vor nem Monat wieder winterschlaffertig gemacht habe, habe ich selbstredend das ganz Fahrzeug nach Rost oder Defekten bzw. Leckagen abgesucht.

 

Nun ja, Rost gibt es so gut wie garnicht an meinem Fahrzeug. Der Auspuff ist ja bereits bekannt. Darüber hinaus habe ich ein klein bissl an der Druckluftverteilung an der HA gefunden.

Zusätzlich waren die Schraubverbindungen (Mutter und Schraubenkopf) von einer (1x) Schubstrebe, jeweils links und rechts, an der HA stark angegriffen, aber nur diese eine Schraubverbindung.

 

Ansonsten war am gesamten Fahrzeugunterboden nichts weiter zu finden.*auf Holz klopf*

 

MfG André

Bislang kann ich das prognostizierte Rostproblem nicht nachvollziehen.

OK, Auspuff ist etwas matt und die Antriebswellen rosten ein wenig. Aber an der Heckklappe sowie an anderen Stellen ist er sehr frisch - nur etwas Flugrost/Oberflächenkorrosion. Aber nicht bedenkliches. So wie halt jeder Wagen nach ein paar Jahren aussieht - auch ein Audi oder BMW.

(*Klopf-auf-Holz)

Hyperbel

Themenstarteram 1. Dezember 2011 um 17:48

Zitat:

Original geschrieben von Hyperbel

So wie halt jeder Wagen nach ein paar Jahren aussieht - auch ein Audi oder BMW.

Hyperbel

Außer meiner :)

Servus,

beim Thema Rost kann ich für den W211 absolut nur eine Lanze brechen......das ist (zumindest bei mir) überhaupt kein Thema. Ich habe meinen in 05 gekauft und fahre auch im winter öfter in Gegenden wo massiv salz gestreut wird ect. .....bislang hatte ich absolut keinen Rost an der Karosse- ich schaue mir den wagen jedes Frühjahr mit meinem MB Meister an und bislang ist da nix zu sehen. Das einzige was ich letztes Jahr mal hatte waren minimale Rostansätze in den hinteren Radläufen die durch Steinschläge kamen.......da habe ich es vom Lackierbetrieb entfernen lassen, es wurde neu lackiert und danach kam ein steinschlagschutz drauf....damit sollte die nächsten Jahre ruhe sein;)

 

Gruß

am 2. Dezember 2011 um 0:10

Hallo,

es ist sehr zu begrüssen, wenn sich (wie selten) einmal ein wirklicher Experte zu serienmässigen Verarbeitungsmängeln äussert ! Bei Mercedes gab es auch bereits in der Vergangenheit immer wieder Korrossionsmängel, die jedoch, soweit überhaupt möglich, meist kulant behoben wurden.

Falls nicht ohnehin bereits geschehen wäre es wichtig und im Interesse aller Betroffenen, wenn Sie Ihre fundierten Beanstandungen auch direkt Mercedes gegenüber vorbringen würden. Es ist nicht zu erwarten, dass bei Mercedes Experten mit vergleichbarer Qualifikation tätig sind. Es scheint, dass man beim Korrossionsschutz nach wie vor experimentiert, nicht zuletzt aber auch aus Kostengründen.

ROE

Themenstarteram 2. Dezember 2011 um 7:33

Guten Morgen,

im Automobilbau werden mittlerweile bei allen Herstellern eklatante Fehler im Korrosionsschutz begangen. Der Hintergrund ist ganz einfach: An den deutschen Universitäten wurde die Elektrochemie nahezu ausgerottet und nur noch an ganz wenigen Standorten erfahren Ingenieure überhaupt noch eine Ausbildung in elektrochemischen Grundlagen bzw. in Korrosion. Weder eine Vollverzinkung noch eine Vollaluminium-Bauweise können Korrosion verhindern, sie wird lediglich langsamer. Meine Studenten sind immer wieder überrascht, wie schnell Zink korrodiert, wenn man ein klein wenig nachhilft. Man braucht dazu keine Salzsprühkammer. Im Baumarkt ein paar verzinkte Schrauben kaufen, sie in Salzlake legen (Kochsalz) und als Aktivator ein paar Tropfen Wasserstoffperoxid zugeben. Wer das nicht hat (ggf. in der Apotheke nachfragen), kann auch Bleichmittel aus dem Supermarkt nehmen. Damit findet eine Korrosion im Zeitraffer statt. Das A und O sind daher eine von Anfang an tadellose Verarbeitung sowie eine perfekte Konservierung. Da hat leider auch AUDI mächtig nachgelassen, wie ich mit meinem A6(4F) erleben musste. Immerhin, AUDI steht mit einer 100%-igen Kostenübernahme inkl. Ersatzwagen (meist gibt es einen A3 oder A4) für den Mist gerade, ohne Diskussion. Der Außendienstingenieur sagte mir klar, dass man da einen Fehler begangen hat, den man eben anstandslos korrigiert. Die zunehmende Verwendung höherfester und hochfester Stähle macht es leider auch nicht besser. Auch auf BMW würde ich keinen Cent wetten, denn die Korrosionsexperten dort sind auch schon lange in Rente. Mich erschrickt eher der Rost am MOPF-W211, wie er in einem anderen Thread hier beschrieben wird. Der Vor-MOPF-W211 zeigt wohl nur bei völlig vernachlässigter Pflege Rost, dann aber erheblich. Auch wenn es vielleicht nur ein Einzelfall oder ein geringer Prozentsatz ist, scheint meine Vorhersage vor einigen Jahren mit den ersten Durchrostungen so ganz falsch nicht zu sein. Beim MOPF-W211 sieht es für mich so aus, als hätte man wie bei der A/B-Klasse die Falze zuerst abgedichtet und dann erst elektrophoretisch grundiert. Das kann bei einem mechanisch belasteten Bauteil nicht funktionieren, da Eisen immer Unterfilmkorrosion zeigt, im Gegensatz zu Aluminium. Das hat verschiedene chemische Gründe wie die Elektronen- und Ionenleitfähigkeit von Eisenoxid, Komplexbildung mit Chlorid (Streusalz) und weitere kinetische Gründe. Kurz und gut, ein Kardinalfehler. Ob es sich um Einzelfälle handelt, kann ich nicht beurteilen, die Bilder deuten eher auf einen systematischen Fehler hin. Man kann auch wenig selber tun, höchstens kann man die Falze mit einem kriechfähigen Wachs einschmieren, evtl. Vasline.

Man sollte auch nicht vergessen, dass jeder Lack eine gewisse Durchlässigkeit für Sauerstoff und Wasser hat. Daher kann es schon sein, dass Mikrorisse irgendwann der Ausgangspunkt für Korrosion werden, wenn der Lackaufbau fehlerhaft ist. Daher können auch Bleche in der Fläche zu rosten beginnen. Aber, so was dauert natürlich ein paar Jahre.

Man muss weder bei einem 5er BMW, noch bei einem A6 noch bei einem W212 damit rechnen, dass sie einem im Zeitraffer wegrosten, das wird eher nicht passieren. Nur kann ich persönlich bei Preisen um 75.000 EUR für eine halbwegs gescheite Ausstattung und Motorisierung Rost nach wenigen Jahren eben überhaupt nicht akzeptieren, zumal ich zu den Deppen gehöre, die ihr Auto eben kaufen und ein wenig länger fahren wollen. Als Firmen-Leasing-Kunde wäre mir das wahrscheinlich auch eher egal.

In einem der Threads hat ein Mitglied in Frage gestellt, ob ein A6 ein Premium-Fahrzeug ist. Als A6-Fahrer sage ich dazu klar: NEIN. Diese persönliche Einschätzung gilt aber auch für jedes andere Fabrikat, d.h. auch einen Mercedes oder einen BMW betrachte ich nicht als Premium. Gut, die genannten Firmen bauen tolle Motoren bis hin zu 12-Endern, die Innenraumverarbeitung ist in der Regel tadellos, die Elektronik hat einen Sprung nach vorne gemacht wie auch der Fahrkomfort. Aber, wenn ich sehe, wie bei Mercedes ganze Baureihen rosten, Injektoren den Geist aufgeben, eine S-Klasse neuerdings wie ein Trecker klingt, bei AUDI die V6-Motoren festgehen, Steuerketten ausleiern und die Schweller vor sich hin rosten, BMW den 528i und den 525d als 4-Zylinder anbietet, frage ich mich, was da noch "Premium" sein soll. Im Grunde genommen halte ich die Ingenieure bei den Automobilfirmen für austauschbar. Nur in einem Punkt habe ich meine persönliche Entscheidung gefällt: Ein "Premium-Fahrzeug" darf nicht nach wenigen Jahren rosten, das ist für mich ein No-Go. Bei Dacia würde ich Rost sogar akzeptieren, bei dem niedrigen Preis muss man damit eigentlich rechnen. Aber, bisher rosten nicht einmal die Dacias, zumindest habe ich noch nichts davon gelesen.

So what ? Wie erwähnt, ich plane, mir im kommenden Jahr einen AUDI A8 aktueller Bauart zu kaufen, dem A6 traue ich im Hinblick auf den Korrosionsschutz noch nicht über den Weg. Die Mischbauweise des A6 macht mich auch skeptisch. Das Geld für einen Neuwagen lege ich im Hinblick auf den internationalen Markt auch nicht hin, daher wird mir ein einjähriger Werksdienstwagen reichen. Schaun mer mal.

Noch was: Es macht mich sehr traurig, dass ein Fahrzeug in der Preisklasse eines W211 (oder A6 oder 5er BMW) rostet, und es wäre mir viel lieber, ich könnte heute, rund 6 Jahre nach Erstellung des Threads sagen: Meine Warnung war überflüssig, Jungs, ich habe mich grundsätzlich geirrt, es gibt keine Korrosion beim W211, weder beim Vor-MOPF noch beim MOPF.

Schönen Tag noch

Euer Ferro

Zitat:

Original geschrieben von Ehm

Hallo,

es ist sehr zu begrüssen, wenn sich (wie selten) einmal ein wirklicher Experte zu serienmässigen Verarbeitungsmängeln äussert ! Bei Mercedes gab es auch bereits in der Vergangenheit immer wieder Korrossionsmängel, die jedoch, soweit überhaupt möglich, meist kulant behoben wurden.

Falls nicht ohnehin bereits geschehen wäre es wichtig und im Interesse aller Betroffenen, wenn Sie Ihre fundierten Beanstandungen auch direkt Mercedes gegenüber vorbringen würden. Es ist nicht zu erwarten, dass bei Mercedes Experten mit vergleichbarer Qualifikation tätig sind. Es scheint, dass man beim Korrossionsschutz nach wie vor experimentiert, nicht zuletzt aber auch aus Kostengründen.

ROE

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