ForumOldtimer
  1. Startseite
  2. Forum
  3. Auto
  4. Oldtimer
  5. kaltverzinken vs elektrolytisch verzinken

kaltverzinken vs elektrolytisch verzinken

Themenstarteram 9. Juni 2004 um 23:18

hi!

hat jemand erfahrung mit einer 2 komponenten kalt verzinkung?

wie gut haftet das wenn man die oberfläche vorher per sandstrahl anrauht?

wohl schon viel besser als zink staub farbe oder?

und wieviel besser ist das recht teure elektro lythische zink verfahren?

gruß Arne

Ähnliche Themen
17 Antworten

Moin,

Meiner Meinung nach ist die einzige SINNVOLLE Art und Weise ein AUTO zu verzinken, die Feuerverzinkung, also das Auto quasi in ein Zinkbad einzutauchen.

Dies ist jedoch bei einem "fertigen" Auto nicht möglich.

Beide von dir angesprochenen Verfahren arbeiten im alkalischen oder sauren Bedingungen. Das heißt, deine Bleche werden entweder in Säure/Alkali getaucht und elektrolysiert, oder mit Alkali/Säure eingeschmiert. Auf großflächigen Blechen ist das kein Problem. Doch in Hohlräumen und Schweißnähten können hier echt Probleme auftreten. Denn schlimmstenfalls fängt das Blech UNTER der Zinkschicht unsichtbar, durch die Säure/Base katalysiert, wegzurosten. Und das geht, da ein interessantes Lokalelement entsteht sehr schnell vonstatten.

Verzinken iss schwer vernünftig durchzuführen.

MFG Kester

Themenstarteram 10. Juni 2004 um 22:41

ja ok das mit dem verzinke bringt wohl echt nichts

danke für die info

Vielleicht darf ich das mal Auflisten, denn ich habe mir auch überlegt ob eine Verzinkung Sinn macht:

Zink per Sprühdose (Farbe): hält nicht, da das Zink nur "lose" wie Farbe auf der Oberfläche bleibt. Absolut unnütz. Bestenfalls wegen des Farbtones aus optischen Gründen zu verwenden, nicht aber als Rostschutz.

Zink per 2k Lack oder Epoxy: kann eigentlich auch nicht funktionieren, zumal der Lack/Epoxy ja auch noch elektrisch isoliert und somit das Zink behindert.

Elektrolytisch: haftet schon deutlich besser, jedoch wie Rotherbach schon schrieb, etwas "unpraktikabel" :-)

Außerdem ist die Schicht sehr dünn und kratzempfindlich

Feuerverzinken: hält am besten, echte Verbindung von Karosse & Zink. Tolle Sache, aber auch schon wie erklärt eigentlich kaum machbar und extrem aufwändig.

 

Es gibt noch eine kleine Alternative die dazwischenliegt.

Flammspitzverzinken !

Dabei wird Zink mittels einer Flamme flüssig auf das gesandstrahlte Blech aufgetragen. Wäremeverzug fällt nicht an, das Material wird ca. 50-80°C warm.

Die Haftung ist recht gut, jedoch kann man nur Oberflächen und keine Hohlräume behandeln. Der Untergrund muß jedoch rauh und sauber sein, also am besten vorher strahlen.

Wie bei jeder Verzinkung muß danach mit Zinkgrund grundiert werden. Farbe haftet sonst nicht darauf. Normale Grundierung geht nicht.

Außerdem sollte man das mit dem Lackierer absprechen (vorher!) damit es später keine Überraschungen beim Lackieren gibt.

Aufgetragen wird das Zinkpulver mit einer Pistole (Acetylenflamme) per Hand, sehr einfach. Schichtdicke sollte so 60-100u sein hab ich mir sagen lassen.

Leider ist die Pistole sauteuer, wir haben im Betrieb vor 10 Jahren rund 4500DM dafür gelöhnt. Dafür kann man mit dem Ding alles mögliche Beschichten, auch Keramikpulver, oder extrem harte Beschichtungen für Wellen&Kolben (mit entsprechender Nachbearbeitung)

Ob sich der Aufwand lohnt ist eine andere Frage. Ich überlege so meinen Unterboden zu behandeln. Außenflächen, wie Hauben & Türen kommen nicht in Frage, bzw. da lohnt es nicht. Falzen und der Unterboden kommen eher in Frage. Danach wird eben grundiert und normal lackiert.

Da ich eben nicht in Hohlräume damit komme, kann die Wanne von innen nach außen weitergammeln, so gehts ja meist. Von Innen komme ich mit MikeSanders Fett entgegen. Ob dann wie gesagt der ganze Aufwand mit dem Verzinken außen Sinn macht, weiß ich nicht. Mein Oldie wird so wenig bewegt, so daß eigentlich kaum neuer Rost entsteht. Jedenfalls nicht von außen nach innen.

Steinschlagbereiche sind gut geeignet.

Eine Kunststoffbeschichtung kann man ebenfalls mit der Pistole ausführen, ist jedoch ungeeignet für Flächen am Auto, spez. Unterboden. Kleinteile könnte man so behandeln (Achsteile, Streben, Halter...etc)

Da wir die Pistole haben und ich eh meinen Wagen teilweise strahlen werde, probiere ich die Verzinkung mal aus. Ist ja quasi nur 1 Arbeitsgang mehr, direkt nach dem Strahlen.

Ob es funktioniert hat, schreibe ich also in 15-20 Jahren :-)

Eine Wunderwaffe gegen Rost ist es jedenfalls ganz sicher nicht. Besser ist es den Wagen so trocken wie möglich zu lagern.

Ich hatte mal einen 63er Dodge einen Winter in einer Scheune lagern. In diesem Winter hat er mehr gelitten als in den darauf folgenden 10 Jahren in meiner trockenen Halle. Bevor ich also Geld in eine Feuerverzinkung stecken würde, würde ich mir erst eine passende Garage für den Wagen suchen. Das ist letztendlich viel wichtiger.

Moin,

Tja ... Feuerverzinken wäre die meiner Meinung nach einzige sinnige Sache.

Leider kann man ein fertiges Auto schlecht in heißes Zink tauchen. Zuerst würde sich die Karosse verziehen und andererseits wären gerade Hohlräume gefährdet komplett vollzulaufen. Was solche unkontrolliert irgendwo verteilten Zusatzmassen aufs Fahrverhalten haben können, darüber zerbrechen wir uns mal ein andern mal die Köpfe.

MFG Kester

In einer alten (bestimmt schon 10 Jahre her) Oldtimer Markt war mal ein Bericht. Da hat jemand seine Rohkarosse Feuerverzinken lassen.

Er hatte einige Streben eingeschweißt um den Verzug zu reduzieren.

Zusätzliche Abflußlöcher wurden gebohrt um das Zinn wieder Ablaufen zu lassen.

Die Blechaußenflächen kamen natürlich wellig raus. Eine intensive kosmetische Nachbehandlung war fällig. Ich denke nicht das es gespachtelt wurde :-)

Extrem viel Arbeit.

Ich weiß nicht mehr welches Auto das war, aber es war kein sehr großes und hatte nach entfernen aller geschraubten Bleche nicht mehr viel glatte Flächen.

am 13. Juni 2004 um 11:26

Hallo zusammen,

ich muss hier mal eine Lanze für das elektrolytische verzinken/ galvanisieren brechen!

Natürlich ist es nicht möglich, ein ganzes Auto in einen Elektrolyt zu packen.

Aber: für Einzelteile hat das Verfahren unschlagbare Vorteile (im folgenden immer vorausgesetzt, dass das ganze nach dem Stand westeuropäischer Technik durchgeführt wird)

 

- die Haftung ist exzellent und von 2K Verfahren nie zu erreichen, da bei der Elektrolyse eine Kristallographische Verbindung von Substrat und Schicht auftritt

- es tritt kein Verzug auf

- die Bauteile müssen natürlich so gesaltet sein, dass ein sauberes Spülen möglich ist, wobei die "Ablauflöcher" längst nicht so groß sein müssen wie beim Feuerverzinken, da die galvanischen Elektrolyte wesentlich niederviskoser sind

- zum Thema "Reste von Säure/Lauge in Hohlräumen", da wird mehrfach gespült, neutrailisert etc. Den genannten Stand der Technik vorausgesetzt passiert da dem Bauteil nichts negatives

- natürlich bildet sich ein Lokalelement, das aber so wirkt, dass das Zink den Stahl durch die Potenzialverhältnisse kathodisch schützt, außer man komt in Bereich der "Potenzialumkehr" (wissenschaftlich idiotischer Begriff), der abhängig von den sonstigen Bedingungen bei Temperaturen überhalb von 70 Grad auftreten kann, dafür kann aber die Elektrolyse nichts, das ist eine Eigenschaft des Zinks als solches

- im moderne Verzinkungsverfahren erreichen mit blau / Transparentchromatierungen optische Eigenschaften, die der Laie oft nicht von Chromschichten unterscheiden kann. Der Unterschied wird nach korrosiver Belastung sichtbat, da hier das Zink anders reagiert als das Chrom ("Weißrost"), aber auch dies ist eine Eigenschaft des zinks. Die Optik der galvanischen Verzinkung wird von keinem anderen Verzinkungsversafhren erreicht.

- Thema Umwelt: die modernen Verahren sind entweder schwach sauer (ökologisch gar kein Thema), die alkalischen sind heute cyanidfrei und damit ebenfalle unbedenklich. In jedem Fall ökologisch wesentlich sinnvoller als Flammspritzen.

Grüße

Martin

Moin Martin,

Sicher ... Elektrolytisches Verzinken HAT seine Daseinsberechtigung. Aber nicht beim Verzinken von kompletten Karosserien ! Und die Gefahren, die Ich geschildert habe sind da. Egal wie oft auch immer Du spülst und neutralisierst (Du neutralisierst übrigens eine Säure mit einer Base und umgekehrt) es werden immer Säurereste zurückbleiben. Alternativ natürlich auch die Gegenionen, also z.B. Sulfate oder was auch immer eingesetzt wurde.

Diese Reste reichen aus, um als Startkatalysator zu fungieren. In Chemischen Reaktionen reichen z.B. die sauren Eigenschaften von minimalen WASSERSPUREN aus, um gewisse Reaktionen unmöglich zu machen. Mit solchen Sachen kämpfe ich beruflich jeden Tag (Diplomchemiker).

Man sollte das nicht unterschätzen. Gerade in Schweißnähten, wo kleinste Mengen Elektrolysebad z.b. von kristallinem Zink am Blech eingeschlossen werden können, sind die Gefahren sehr groß. Und es ist einfach Schade um die ganze Arbeit, wenn nach 2 Jahren die Restauration wieder für die Katz ist.

MFG Kester

Vielen Dank für Eure Ausführungen. Das Ganze ist sehr interessant.

 

Doch der eigentlich Nachteil dürfte für uns Heimanwender die Praktikabilität sein.

Man kann schlecht eine Handvoll Kleinteile selber zum Verzinker tragen, oder ? Dann noch Gebrauchtteile ohne entsprechende Vorbehandlung (bestenfalls gesandstrahlt) Das Ergebnis dürfte nicht gut sein, bzw. Kleinstmengen nimmt sicher kaum jemand an, oder ?

Eignet sich eine gesandstrahlte Fläche zum elektrolytischem Verzinken ?

 

Welche Stoffe werden eigentlich beim Verzinker zur Vorbereitung der Werkstücke verwendet ? Also zum entmetallisieren, bzw. Lösen von Fett/Dreck/Rost/sonstigen Verunreinigungen ?

Ich suche immer noch ein Wundermittelchen zum reinigen von Motorteilen. Um z.B. einen ganzen Block von Ölschlamm, Kohle, Farbe und Dreck aus 30 Jahren zu befreien. In unserer alten Firma gab es vor langer Zeit (als das wohl noch erlaubt war) einen Entfetter der bei >70°C wirklich alles sauber bekam.

Kaltreiniger bewirkt fast gar nichts.

am 21. Juni 2004 um 10:06

Hallo Kester,

klar, ganze Karroserien geht nicht und Elektrolytreste z.B. in Hohlräumen sind der Tod, da hast Du völlig recht!

Was aber sicher nicht passiert ist, dass das Blech unter der Zinkschicht wegrostet, denn das geht genau wegen dem Lokalelement nicht - kämpfe beruflich auch jeden Tag mit sowas!

Was machst Du denn als Chemiker, vielleicht sind wir ja in derselben Branche??

Grüße

Martin

Moin,

Na, habs etwas schlecht ausgedrückt.

Zuerst gammelt da Schnurstracks die Zinkschicht weg. "Weil ist unedler". Dann hat man nen Hohlraum unterm Lack, und dann rostet das Eisen weg. Das schlimme daran, wie schon gesagt. Man sieht es erst, wenn es komplett durch ist.

ICh bin in der Biochemie tätig. Habe damit also relativ wenig beruflich zu tun.

MFG Kester

am 12. August 2015 um 18:31

Hallo,

das elektrolytische Verzinken ist gar nicht schwer!

Ich hab vor kurzem ein E-Zink Set der Marke TIFOO erworben und gleich ausprobiert.

Das Zink hat sich in wenigen Minuten abgschieden.

Jetzt hab ich drüber lackiert und das ganze hält echt gut.

Kann ich nur empfehlen.

Grüße

Heinz Myer

Eine Normkiste Kleinteile bis zu Bremssätteln und Fahrwerksteilen elektrolytisch verzinken und passivieren kostet bei uns 30 Euro . Lohnt da nicht , sich selbst so ein Bad zu kaufen , zumal es sicher Entsorgungsprobleme gibt .

Gruß : Rostklopfer

uh... schön was altes ausgegraben ..... :D

Ich weiß garnicht, wie jemand nach dem Golf2 noch der Meinung sein kann , dass verzinken am Auto gut ist .

Ein Golf2 wurde in der Regel auch ohne Verzinkung rostfrei uralt .

Wohingegen Audi mit seinen verzinkten Karossen riesen Probleme bei Reparaturen hatte

ich sehe beim verzinken großflächiger KArosserieteile eher Nach- als Vorteile .

Mit guten Hohlraumkonservierungen und guten Epoxy-Grundierungen lässt sich da heute optimal was schützen .... und die Mittel sind seit dem Golf2 inzw. nochmal 25 JAhre weiterentwickelt worden

Zitat:

@ulridos schrieb am 13. August 2015 um 12:03:21 Uhr:

 

Ich weiß garnicht, wie jemand nach dem Golf2 noch der Meinung sein kann , dass verzinken am Auto gut ist .

Ein Golf2 wurde in der Regel auch ohne Verzinkung rostfrei uralt .

Hi,

der Golf 2 ist eine Ausnahme (wie noch ein paar andere Autos), die die Regel bestätigt: die Autos, die große Rostprobleme haben, sind in den meisten Fällen nicht vollverzinkt.

Unsachgemäße Reparaturen sind immer ein Problem, egal ob die Karosserie verzinkt ist oder nicht.

Zum anderen kommt es auch auf den Umgang mit dem Fahrzeug und die Pflege an, ob es lange ohne Rostschäden bleibt oder nicht.

Grüße

 

Deine Antwort
Ähnliche Themen
  1. Startseite
  2. Forum
  3. Auto
  4. Oldtimer
  5. kaltverzinken vs elektrolytisch verzinken