Diskussion: Finanzkrise erreicht Automobilhersteller

Audi TT 8J

Da ich mit der Suche nur schwerlich dazu etwas gefunden habe, wollte ich mal eine Diskussion zu dem Thema anregen.

Die ersten Automobilhersteller fahren kurzzeitig ihre Produktion zurück und schliessen weitere Produktionskürzungen nicht aus.
Ist diese erste "Reaktion" der Hersteller nur ein Vorbote größerer Probleme ? Was passiert mit dem Neuwagen- und Gebrauchtwagenmarkt ? Brechen die Preise ein ? Wie stark wird das besonders die deutsche Wirtschaft treffen, da ja viele Autos aus Deutschland "kommen" ? Usw. usw...

Ich persönlich denke, dass das alles ein Fass ohne Boden ist. Die Hersteller versuchen mit Aussagen wie "nicht auf Halde produzieren zu wollen" die Verbraucher nur zu weiteren Käufen zu animieren, bzw. die Angst nicht weiter zu schüren.
Audi scheint es zwar besser als allen anderen zu gehen, da sie ihre Produktion weiter ausbauen wollen. Nur ist das eventuell nur ein Versuch falsche Stärke zu zeigen !?

Beste Antwort im Thema

Zitat:

Original geschrieben von maody66


...

Schurz beiseite, ...

Also wirklich, Markus, das Thema ist zu ernst für deinen Schweinkram. 😉

Mit mir hat sich wohl nun einer der letzten Bullen von den Märkten verabschiedet. Anlass selbst zu vorsichtigem Optimismus sehe ich nicht mehr. Die Fundamentaldaten vieler Unternehmen sehen zwar hervorragend aus, die Bilanzen sind in Top-Zustand und die Konzerne sind schlank aufgestellt sowie mit einer soliden Cash-Position ausgestattet. Aber der Konjunkturhimmel über den USA ist pechschwarz. Und während die Gewitterwolken über den Atlantik ziehen und auch hier die Aussichten eintrüben, haben sie mal eben auf halbem Wege Island an den Rand des Abgrunds geführt. Die Insel steht vor dem Staatsbankrott. Die Kreditmärkte trocknen zusehends aus. Banker, die vor anderthalb Jahren noch die berüchtigten Ninja-Kredite (no income, no job, no assets) in der Weltgeschichte ausgereicht haben, halten jetzt die Kassen geschlossen. Mit anderen Worten, während man noch vor einigen Monaten so naiv war und Hinz und Kunz die Kredite hinterhergeschmissen hat - offensichtlich hat man der Supermarktkassiererin, die Eigenheimbesitzerin werden wollte, ja blind vertraut -, vertraut man jetzt nicht einmal mehr den eigenen Kollegen. Die Banken leihen sich selbst kein Geld mehr, sondern tragen es lieber zur Fed. Es kommt einem vor wie ein Ammenmärchen aus Absurdistan, aber ist traurige Realität.

Man könnte nun sagen, die Lage sei ernst, aber nicht hoffnungslos. Dem halte ich unsere Krisenmanager und ihre gotterbärmliche Unfähigkeit entgegen. Die Lage ist ernst und hoffnungslos. Der größte Kasper sitzt wohl im deutschen Finanzministerium: der Mann, der den Mund zu voll nahm. Ein inkompetenter Dampfplauderer gibt großkotzig Ratschläge, wie andere ihre Häuser vor dem Ruin retten sollten, und merkt nicht einmal wie seine eigene Bude gerade abfackelt. Die Außenkanzlerin schmeißt ihren europäischen Kollegen gleich erstmal die Knüppel zwischen die Beine mit ihrem Vorstoß hinsichtlich der nationalen Einlagensicherung. Sonntagsreden ohne jegliche Substanz, bei denen aber noch mehr Porzellan zerdeppert wird. Ein konzertiertes Vorgehen, das nötig wäre, wird im heillosen Durcheinander der gackernden Hühner verunmöglicht. Positive Ansätze werden dann noch von Möchtegernexperten kleingeredet, statt dass wenigstens mal ein paar Leute versuchen etwas Zweckoptimismus zu verbreiten auch wenn die Schritte klein sein mögen. Aber nein, wenn irgendein Professor KriegdasMaulnichtzu eine Fernsehkamera in seine Fresse gehalten bekommt, dann kann er wohl nicht anders.

Die Kreditklemme wird die Investitionstätigkeit der Industrie deutlich erschweren. Die Amerikaner spüren das bereits. Hier dürfte es wohl auch nicht mehr lange dauern. Wie soll denn auch ein Budget erstellt werden, wenn ungewiss ist, ob die Kreditlinien überhaupt noch zur Verfügung stehen werden. So wird die Konjunktur ganz schnell einbrechen und die Realwirtschaft unter die Räder kommen. In diesem Umfeld hauen die Automobilbauer wohl somit als erste in den Sack. Die Kurse Daimlers und BMWs implodieren ja förmlich und die Bänder werden angehalten. Mir schwant, dass wir auf eine üble Depression zu steuern. Der Staat beschuldigt die Wirtschaft und schwingt die Keule der Regulierung. Aber wer ist denn der Staat? Man schaue sich doch nur einmal den Vogel im Oval Office an. Und wer wird sein Nachfolger? Eines der beiden wirtschaftspolitischen Fliegengewichte, das seine Energie lieber darauf verschwendet, den politischen Gegner mit Vorhaltung seiner Verfehlungen vor x Jahren zu diskreditieren, statt eigene Konzepte für die Zukunft zu präsentieren. Mit wirtschaftspolitischem Sachverstand hapert es noch, aber an der Dreckschleuder sind alle beide schon ganz Große. Ob das einen Bürger, der ganz konkrete wirtschaftliche Sorgen hat, interessiert, darf zumindest bezweifelt werden.

Freunde, ich wünsche euch jetzt ein glückliches Händchen, um durch diesen Schlamassel sicher hindurch zu kommen! Es wird schmutzig werden! Ich habe die Schnauze für heute so gestrichen voll, dass ich mir jetzt erstmal ganz gepflegt einen ansaufen werde. In diesem Sinne ... Gute Nacht!

P. S.: Sorry für das ganze off topic!

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Zitat:

Original geschrieben von lulloz


arbeitest du an der börse und hast heute alles verloren ? 😁
ich glaube so dunkel sind die aussichten dann doch nicht 😉

richtig.

Hört doch das Jammern auf und schaltet das Gehirn ein.

z.B. MAN im bestem Jahr der Unternehmensgeschichte bei einem KGV von 4,x und Dividendenrendite von 8%.

Das ist fundamental nicht begründbar und wird sich recht schnell wieder korrigieren (das haben wohl auch schon heute die ersten gemerkt).

Und da gibt es im Moment noch reichlich andere Kandidaten, die einfach in Sippenhaft genommen wurden.

Wer natürlich ein fundamentales Problem wegen falscher Weichenstellungen im operativen Geschäft hat, den hätte es über kurz oder lang sowieso erwischt. Das war schon immer so, geht grad nur etwas schneller.

Natürlich haben diverse Finanztitel vergeigt oder sogar Ihre Existenz gefährdet. Aber was hat die Jungs denn auch geritten, sich die "schwarzen Peter" pardon faulen US-Immobilienkredite zustecken zu lassen.
Warum müssen die drei führenden Banken einer 300.000 Personen Volkswirtschaft (mit wohl normalerweise kleinerer Bilanzsumme als die Stadtsparkasse München) in ganz Europa Festgeld zum Vorzugszins einsammeln, den sie selbst die der Refinanzierung nicht bekommen?
Dazu gehören dann natürlich Anleger, die jeden Mist glauben und ihre Kohle sogar Unternehmen anvertrauen, deren Gerichtststand sie nicht buchstabieren können, weil es 0,5% mehr Zinsen geben könnte.

Ja, ich erwarte auch schwierigere Zeiten, aber Pessimismus ist dann doch nicht angebracht.
Unter den Automobilisten werden die gestärkt rauskommen, die je nach Image "höher, schneller, weiter" mit weniger Spritverbrauch und CO2-Austoss am besten in der jeweiligen Gewichtung in Einklang bringen werden.

bye

Wer an der Börse agiert, sollte wissen, was er tut. Ich weiß was ich tue. Aber Börsenweisheiten, die schon Lieschen Müller aufgeschnappt hat als sie im Alter von fünf Jahren mit ihrem Papa mal die lokale Kreissparkasse besucht hat, brauche ich jetzt sicherlich nicht. Trotzdem, vielen Dank! 😉

Darauf wollte ich aber auch gar nicht hinaus. Mir ging es vielmehr um eine persönliche Einschätzung der Lage - mit zugegebenermaßen stark emotional geprägter Wortwahl 😉 - zu dem hier diskutierten Thema. Ich habe heute morgen noch einen ganz interessanten Artikel in der Financial Times zum Thema gelesen, in dem sich Stephen Roach, Chairman Morgan Stanley Asia, äußert. Es gibt gewiss Abstufungen in der Einschätzung wie ernst die Lage ist, aber er lässt es zumindest nicht an Deutlichkeit mangeln.

Zitat:

Notwithstanding my long-standing bearishness on the global economy and world financial markets, I am now actually hopeful that the world is at a critical turning point. We have gone to the edge of an abyss that few thought was ever possible. Having stared into the darkness, the authorities hopefully have a better appreciation of what is truly at stake. It is not too late. If the world now pulls together, we can avoid the Armageddon endgame.
We didn’t have to come this close to disaster. Steeped in denial, policy makers around the world were operating largely in an ad hoc mindset – coping with asset and institution specific issues as they arose on a case by case basis. That may have worked in crises of the past – but not this time. The reactive and incremental approach has to be replaced by one that is proactive and powerful – in essence, deploying all of the firepower in the policy arsenal. This is definitely not a time to keep ammunition in reserve.
In the end, this is not just a crisis of markets, financial institutions, risk management and regulators. It is a crisis of leadership. The authorities who gather in Washington this weekend should be locked in a room until they come up with a true global fix for this mother of all global crises. Incrementalism and failure are not an option.

Ich hoffe, dass das glimpflicher abgeht, als es momentan möglich scheint, allein ich glaube nicht so recht daran. Denn so weit hätte es nie kommen müssen. Die Hoffnung "Wird schon alles gut werden!" mag man haben, aber der wird man wohl nicht mehr gerecht, indem man so eben nur auf das Beste hofft, statt sich auf das Schlimmste vorzubereiten. Die Exporte brechen der deutschen Industrie bereits weg.

So langsam scheint die Bundesregierung zusammen mit andren Staaten mal den Arsch hoch zu kriegen - offenbar ist das deutsche Finanzsystem doch nicht so solide wie noch vor paar Tagen 😉

Einer vom IWF hat gesagt dass die Märkte zwar nochmal um ~20% einbrechen könnten, sich dann aber eine Erholung abzeichnet.
Die Chance für eine neuerliche Weltwirtschaftskrise sieht er bei praktisch Null.

Ich bin zunehmend optimistisch dass die Sache am Ende doch relativ glimpflich mit "lediglich" einem deutlichen Wirtschaftsabschwung ausgeht.

Emulex

Hallo Zusammen,

die Automobilbranche ist auf den Weg in eine große Krise.

Zum Beispiel:

Wenn alle Werke auf der Welt voll ausgelastet wären (und kein Hersteller baut Werke um sie halb auszulasten) würden wir 16.000.000 Mio Fzg zu viel produzieren.
Die Konsequenz daraus ist das in Zukunft noch einige Werke geschlossen werden.

Es gibt keine britischen Herstelle mehr, die amerikanischen Hersteller haben riesen Probleme.

Mercedes fehlen zum aktuellen Moment pro Tag 700 Bestellungen (!!!)

BMW hat eine Gewinnwarnung heraus gegeben.

Hersteller wie Audi und BMW haben in den letzten Jahren bei ihren Leasingrücklaufern mit viel zu hohen Restwerten kalkuliert und können diese Preise absolut nicht am Markt realisieren.
Ein großer Händler der VW Audi vertreibt bekommt im Jahr 1000 Leasingrückläufer zurück und trotz Sonderanpassung seitens Audi setzt das Autohaus pro Fzg. bis zu 1000 Euro hinzu.

Peugeot hat die Niederlassung in Hannover geschlossen (im übrigen 1 von 2 ) und lässt den Raum von Vertragshändler "abgrasen". Natürlich wurde die Niederlassung geschlossen weil sie nicht mehr Rentabel ist.

Und jetzt noch eine Nachricht die ich letzte Woche gehört habe auf NDR Info:

Die deutschen Autobauer beklagen sich das sie große Probleme mit den Banken haben ihr TAGESgeschäft abzuwickeln.

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Zitat:

Original geschrieben von Tommydeluxe


Hallo Zusammen,
Zum Beispiel:

Wenn alle Werke auf der Welt voll ausgelastet wären (und kein Hersteller baut Werke um sie halb auszulasten) würden wir 16.000.000 Mio Fzg zu viel produzieren.
Die Konsequenz daraus ist das in Zukunft noch einige Werke geschlossen werden.
TAGESgeschäft abzuwickeln.

Ähm 16.000 Milliarden bzw. 16 Billionen Fahrzeuge?! Das meinst Du doch wohl nicht im Ernst?

Gruß

Cossor

Zitat:

Original geschrieben von Cossor



Zitat:

Original geschrieben von Tommydeluxe


Hallo Zusammen,
Zum Beispiel:

Wenn alle Werke auf der Welt voll ausgelastet wären (und kein Hersteller baut Werke um sie halb auszulasten) würden wir 16.000.000 Mio Fzg zu viel produzieren.
Die Konsequenz daraus ist das in Zukunft noch einige Werke geschlossen werden.
TAGESgeschäft abzuwickeln.

Ähm 16.000 Milliarden bzw. 16 Billionen Fahrzeuge?! Das meinst Du doch wohl nicht im Ernst?

Gruß

Cossor

ich glaube er hats einfach ausversehen doppelt geschrieben....er meint einfach 16mio, mehr kann ich mir nämlich auch nicht vorstellen...unmöglich 😉

sorry...natürlich 16.000.000 Fzg oder 16 Mio :-D

Zitat:

Original geschrieben von Emulex


So langsam scheint die Bundesregierung zusammen mit andren Staaten mal den Arsch hoch zu kriegen - offenbar ist das deutsche Finanzsystem doch nicht so solide wie noch vor paar Tagen 😉

Ist aber doch interessant. Da predigen viele (nicht unbedingt Du) den freien Markt und den Kapitalismus, die Banken allen voran und wenn beim Spielen etwas nicht so klappt rennen alle zu Mama und Papa damit sie es wieder richten. Und dann darf wohl weitergespielt werden.

Seeehr inkonsequent. Ich frage mich wirklich manchmal was die Leute wollen. Wahrscheinlich die totale Freiheit aber bitte mit Versicherung und Fangnetz. Aber so geht das halt nicht. Da haben sich Banken und Investoren verzockt und jetzt darf es die Gemeinschaft über Steuergelder reparieren. Das Schlimme ist, dass es auch gar nicht anders geht da sonst noch viel mehr den Bach runtergeht und es den sogenannten "Otto-Normalbürger" noch viel mehr trifft.

Ich bin ja der Meinung, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Die Stimmung bzw. das allgemeine Misstrauen macht nur alles kaputt. Den meisten Banken geht es glaube ich ganz gut aber wenn die Leute beginnen scharenweise ihr Geld abzuheben und sich die Banken gegenseitig nichts mehr leihen dann kippt die Geschichte halt.

Von daher kann ich nur hoffen, dass die 500.000.000.000 (!!!!) lediglich dazu dienen wieder Vertrauen zu erzeugen aber nicht wirklich benötigt werden.

Letzendlich wenn keine Existenzen daran hängen würden wäre mir persönlich erstmal vollkommen wurscht was mit Unternehmen passiert die falsch gewirtschaftet oder geplant haben. Und um wieder zur Autoindustrie zu kommen. Die Hersteller die innovative interessante Produkte anbieten werden auch diesen Sturm überleben. Leider sehe ich zur Zeit wenig Innovation bei unseren Herstellern. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

"Verzockt" ist halt ein wenig das falsche Wort.
Diese Kreditpakete gingen meines Wissens mit Triple-A Wertungen von S&P usw. um die Welt, da muss man sich schon ein Bisschen auch drauf verlassen können find ich.

Man hätte schon zu Anfang der Krise anfangen sollen diese Kredite samt dahinterliegender Immobilien aufzukaufen und z.B. an die Schuldner vermieten.
Die Schwämme an zwangsversteigerten Häusern und der damit verbundene Preisverfall hat die Sache halt immer mehr ins Rutschen gebracht.

Aber ich bin absolut auch der Meinung dass das Chaos in der Finanzwelt mit ihren undurchsichtigen Produkten einer Generalüberholung bedarf und man strengstens darauf achten muss dass da bloß keiner auch noch schön was abstaubt in der aktuellen Situation.

Emulex

Zitat:

Original geschrieben von gandalf1068



Zitat:

Original geschrieben von Emulex


So langsam scheint die Bundesregierung zusammen mit andren Staaten mal den Arsch hoch zu kriegen - offenbar ist das deutsche Finanzsystem doch nicht so solide wie noch vor paar Tagen 😉
Ist aber doch interessant. Da predigen viele (nicht unbedingt Du) den freien Markt und den Kapitalismus, die Banken allen voran und wenn beim Spielen etwas nicht so klappt rennen alle zu Mama und Papa damit sie es wieder richten. Und dann darf wohl weitergespielt werden.

Seeehr inkonsequent. Ich frage mich wirklich manchmal was die Leute wollen. Wahrscheinlich die totale Freiheit aber bitte mit Versicherung und Fangnetz. Aber so geht das halt nicht. Da haben sich Banken und Investoren verzockt und jetzt darf es die Gemeinschaft über Steuergelder reparieren. Das Schlimme ist, dass es auch gar nicht anders geht da sonst noch viel mehr den Bach runtergeht und es den sogenannten "Otto-Normalbürger" noch viel mehr trifft.

...

Deine Einschätzung teile ich grundsätzlich, aber bin trotzdem froh, dass jetzt Pragmatiker das Heft in die Hand genommen haben, die ihre ideologischen Scheuklappen zum Wohle einer effektiven Bekämpfung der Krise abgenommen haben. Diesen Luxus kann sich momentan einfach keiner mehr erlauben. So sind die Garantieleistungen und Rekapitalisierungen m. E. unbedingt zu begrüßen. Der Umfang des Pakets lässt wenig an der Entschlossenheit vermissen, die jetzt an den Tag gelegt wird. Wir sollten dankbar sein, gerade jetzt eine Große Koalition in Deutschland an der Macht zu sehen, die Widerstände zu überwinden vermag. Das G7-Treffen vom Freitag wird wohl evtl. als die wichtigste Koferenz seit Jalta in die Geschichtsbücher Eingang finden. Und so war es nur konsequent, jetzt nicht nur zaghaft die Tarnung von den Geschützen zu nehmen, sondern alles einzusetzen, was an Feuerkraft zur Verfügung steht. Die Kernschmelze im internationalen Finanzsystem stand unmittelbar bevor und wir werden erst in den nächsten Tagen wissen, ob die Gefahr gebannt ist. Lediglich angesichts der heutigen Kursfeuerwerke an den internationalen Finanzplätzen den Sieg zu verkünden, könnte sich schnell rächen. Die Situation bleibt wohl weiterhin hoch fragil und angespannt.

Die Politik hat zumindest in Großbritannien, Deutschland und den USA großen Worten auch große Taten folgen lassen. Zu spät mag mancher bemängeln. Das ist gewiss richtig. Aber an der Richtigkeit des jetzigen Handelns tut das keinen Abbruch. Die Gefahr, diesmal zu kurz zu springen war mit unkalkulierbaren Risiken verbunden. Ein Überschießen der Maßnahmen ist ein möglicherweise geringeres Übel. Die im Raum stehende Summe des Rettungspakets ist natürlich nicht die Gesamtbelastung des Steuerzahlers. Es handelt sich um Garantien und Beteiligungen. Auf die Grantien wird im Falle eines bald wieder angelaufenen Interbankenverkehrs gar nicht zurückgegriffen werden müssen und die Beteiligungen als Gegenleistung für Kapitalspritzen können gar mit Gewinn einmal wieder veräußert werden. Realistischerweise wird man aber wohl einen gewissen Schaden einkalkulieren müssen. Allerdings sind funktionierende Märkte und verlässliche Kreditströme öffentliche Güter, die ihren Wert haben. Uns allen sollte an ihrer Unversehrtheit gelegen sein. Ein Scheitern der Rettungsbemühungen würde unvorhersehbare, aber auf jeden Fall sehr gravierende Konsequenzen haben, die sich wohl keiner auch nur vorstellen mag.

Eine Rezession wird sich dennoch nicht abwenden lassen. Die Vorboten sind deutlich sichtbar. Der Flurschaden in der deutschen Automobilbranche wird erheblich sein und auch massig Arbeitsplätze kosten, aber dennoch sind das Herausforderungen, mit denen eine intakte Marktwirtschaft fertig werden kann. Und diese nachhaltig zu stablisieren, muss jetzt das Ziel sein. Im Endeffekt wird man sich aber eingestehen müssen, dass die Feinde des Kapitalismus nicht nur die Wirrköpfe um die Herren Lafontaine oder Gysi sind, sondern dass feindliche Kräfte das System von innen heraus pervertiert und damit erheblich beschägt haben. Hier wird es neue Wege zu finden geben, sind doch die Banken diejenigen, auf die eines der Grundprinzipien des Kapitalismus nicht anwendbar ist: sie dürfen eben nicht im Rahmen einer Marktbereinigung untergehen. Hier werden sich wohl noch Wissenschaftler ihr Hirn zermatern, wenn die Protagonisten des letzten Wochenendes ihren Platz in den Geschichtsbüchern längst eingenommen haben. Aber, wie gesagt, noch ist der Krieg nicht gewonnen. Eine ganz entscheidende Schlacht aber erfolgreich geschlagen. Man wird sehen, was das wert sein wird.

In einem Punkt widerspreche ich Gandalf dem Weisen aber entschieden: Ich denke, dass die Katastrophe, die es abzuwenden gilt, weit größer ist, als das momentan abzuschätzen ist. Aber auch das wird wohl erst die Geschichte zeigen.

Zitat:

Original geschrieben von gandalf1068


Ist aber doch interessant. Da predigen viele (nicht unbedingt Du) den freien Markt und den Kapitalismus, die Banken allen voran und wenn beim Spielen etwas nicht so klappt rennen alle zu Mama und Papa damit sie es wieder richten. Und dann darf wohl weitergespielt werden.

Nun, eine wirklich Freie Marktwirtschaft haben wir nicht und gibt es auch nicht. Das Modell der freien Marktwirtschaft beruht unter anderem auf der völligen Transparenz eines Marktes. Von solch einem perfekten Markt sind wir meilenweit entfernt.

Diese "Soziale Marktwirtschaft" was wir haben und weitere Mischsysteme in den anderen Ländern haben zwar ihre Vorteile, verhindern aber auch im Gegenteil die Selbstregulierende Eigenschaft der freien Marktwirtschaft.

In der BRD wurde ja Anfangs unter dem Aspekt: soviel wie nötig, so wenig wie möglich vom Staat in die Marktwirtschaft eingegriffen. Nur in den letzten Jahrzehnten wurden diese Eingriffe immer massiver und größer, was sich nachteilig auswirkte.

Zur Zeit erleben wir meiner Meinung nach die Steigerung dessen, was wir schon beim Kollaps des neuen Marktes erlebt haben. Für viele Werte gab es einfach keine realen Gegenwerte. Wenn wir einfach betrachten, dass z.B. der Wert aller Credit Default Swaps über dem Bruttoweltprodukt liegen, kann doch einfach was nicht in Ordnung sein.
Es werden mit theoretischen Zahlen und Werten gespielt die überhaupt keinen realen Gegenwert besitzen. Das solch eine Blase einfach irgendwann platzen musste dürfte jedem klar sein.
Die Menschen suchen in der jetzigen Situation wieder Anlagen mit einem greifbaren Gegenwert wie z.B. Gold. Der Goldpreise ist ja in den letzten Tagen regelrecht explodiert.

Die derzeitige Krise stellt für mich eine Marktbereinigung dar, wobei einige auf der Strecke bleiben werden. Dies ist natürlich Bedauerlich, aber wir haben es selbst verschuldet.

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