123d: übles Turboloch

BMW 1er E81 (Dreitürer)

Hallo zusammen,

kennt ihr das auch? Man hat das Gefühl, dass sich etwas schleichend verändert hat, ist sich aber irgendwie nicht hundertprozentig sicher, ob man es sich nicht nur einbildet?

Mein 123d (3-türer) ist Baujahr 10/2011, wurde schön gemütlich eingefahren und hat mittlerweile gut 7.500 km auf der Uhr. Anfangs war ich vom Motor schwer begeistert, insbesondere vom spontanen und kräftigen Durchzug aus dem Drehzahlkeller. Seit etwa 2.000 km bin ich jedoch zunehmend unzufrieden, da das Triebwerk nach meinem Empfinden ein übles Turboloch entwickelt hat, das ich so aus der Anfangszeit nicht kannte. Da ich das Auto aber erst so kurz fahre, bin ich mir eben nicht absolut sicher, ob es wirklich eine Verschlechterung gab oder ob das vielleicht doch schon immer so war. Vielleicht könnt ihr mir ja ein bisschen Klarheit bringen... :-)

Es geht hier ausdrücklich um das Ansprechverhalten in niedrigeren Drehzahlen, sagen wir unterhalb von 2.500 U/min. Das Turboloch bei hohen Drehzahlen wurde ja schon ausgiebig diskutiert und erscheint mir akzeptabel. Mein 123d braucht aber in allen Drehzahlbereichen deutlich länger als eine Sekunde bis ein vernünftiges Drehmoment anliegt, was sich weder mit meiner Erinnerung aus den Kilometern 2.000 bis 5.000 deckt noch mit den vielfältigen Aussagen im Sinne von "praktisch kein Turboloch". 

Das Ansprechverhalten ist in der unteren Hälfte des Drehzahlbandes überall gleich: Egal ob ich z. B. bei 1.400 oder 2.200 U/min aufs Gas gehe, die handgestoppte Zeit bis zum Anliegen des vollen (oder nahezu vollen) Drehmoments liegt je nach Gang bei ca. 1,3 bis knapp unter 2 Sekunden, bis dahin geht es nur sehr zaghaft vorwärts (in niedrigeren Gängen viel stärker zu spüren). Wenn er mal geht, dann geht er richtig gut, aber BIS er mal geht dauert's meiner Meinung nach viel zu lange.

Da dieser Zeitraum nur in sehr unbefriedigender Genauigkeit gestoppt werden kann, habe ich eine kleine Messreihe diverser Elastizitätswerte gemacht. Hierbei habe ich die Beschleunigung zwischen verschiedenenGeschwindigkeiten in verschiedenen Gängen gemessen (nach Tacho) - und zwar einmal aus der Startgeschwindigkeit heraus (mindestens 5 Sekunden lang mit Tempomat gehalten) und einmal aus einer 10-20 km/h niedrigeren Geschwindigkeit durchbeschleunigend. Das Ergebnis ist sehr konsistent und deckt sich mit meinen vorherigen Messungen: Die Zeiten aus Halbgas heraus sind im Schnitt rund 1,5 Sekunden langsamer als aus Vollgas heraus:

(Zeiten für 4./5./6. Gang)

ex Halbgas:
40 km/h bis 120 km/h:  12,1 / - / -
60 km/h bis 120 km/h:  9,1 / - / -
80 km/h bis 100 km/h:  3,9 / 4,4 /5,5
80 km/h bis 120 km/h:  6,5 / 7,7 / 9,5
80 km/h bis 140 km/h:  9,6 / - / -
80 km/h bis 160 km/h:  12,9 / - / -
100 km/h bis 140 km/h:  6,8 / - / -
120 km/h bis 140 km/h:  4,5 / - / 5,4

ex Vollgas:
40 km/h bis 120 km/h:  10,7 / - / -
60 km/h bis 120 km/h:  7,7 / - / -
80 km/h bis 100 km/h:  2,5 / 3,1 / 4,3
80 km/h bis 120 km/h:  5,1 / 6,3 / 8,2
80 km/h bis 140 km/h:   8,1 / - / -
80 km/h bis 160 km/h:   11,4 / - / -
100 km/h bis 140 km/h:  5,5 / - / -
120 km/h bis 140 km/h:  2,9 / - / 4,1

Die 80-bis-x-Zeiten beim Durchbeschleunigen entsprechen übrigens recht genau denen, die mal in der Sportauto veröffentlicht wurden:
80 km/h bis 100 km/h:  2,6/3,2/4,1
80 km/h bis 120 km/h:  5,5/6,6/8,2
80 km/h bis 140 km/h:  8,9/10,4/13,0
80 km/h bis 160 km/h:  13,8/15,1/18,7
Meine z. T. etwas besseren Zeiten könnten daher kommen, dass SA vermutlich "echte" Geschwindigkeiten misst und ich nur die Tachowerte nehme. Interessant wäre natürlich, ob bei den SA-Tests die Elastizitätswerte "aus dem Stand" oder "fliegend" gemessen wurden - weiß das jemand? Zumindest bei der AMS wird "mit vorgegebener Startgeschwindigkeit in einem festen Gang durchbeschleunigt".

So, schließlich die eigentliche Frage an die 123d-Fahrer (Handschalter!): Wie ist bei Euch das Ansprechverhalten, wenn ihr z. B. im 2. Gang bei 2.000 U/min mit Tempomat dahinrollt und dann schlagartig Vollgas gebt: Geht das Auto dann relativ zügig und gleichmäßig voran oder dauert es auch deutlich über eine Sekunde, bevor wirklich was passiert?

Ein weiteres Symptom: Anfahren aus dem 2. Gang beim langsam-an-die-Ampel-ranrollen (was anfangs fabelhaft funktionierte) endet mittlerweile häufig in heftigem Ruckeln und beinahe-Abwürgen. 

Ansonsten habe ich auch den Eindruck, dass der Spritverbrauch angestiegen ist. Ein paar schnelle Messwerte (gleiche, recht ebene und mehrere km lange Strecke mit Tempomat hin und zurück, daraus der Mittelwert; 19 Grad, A/C aus):
120: 6,5  /  140: 7,2  /  160: 8,8
Ich bin mir relativ sicher, dass der Verbrauch im Winterurlaub bei 120 selbst mit dem dicken Skikoffer auf dem Dach bei nur knapp über 6 Liter lag, kann mich aber irren. Gravierender als diese Verbräuche beim Tempomat-Fahren auf der Autobahn finde ich aber meinen derzeitigen Verbrauch im Kleinstadt-und-kurzen-Überland-Verkehr: Dieser liegt auch bei zaghafter Fahrweise deutlich über 8 Liter... :-/

Mein :-) hat leider derzeit keinen 123d auf dem Hof stehen, sonst hätte ich mal einen direkten Vergleich anstellen können. Im Bekanntenkreis hat auch keiner so ein Schmuckstück, und ich möchte ungern bei irgendeinem Händler einen Gebrauchten unter dem Vorwand einer Probefahrt missbrauchen. Oder gibt es vielleicht jemanden im Großraum Aschaffenburg, der einen 123d-Handschalter besitzt und mich mal ein paar km mitnehmen bzw. meinen kurz probefahren möchte? ;-)

Schöne Grüße,
Jochen

6 Antworten

Das mit dem Probieren ist eine sehr gute Idee. Ich fahre E60 (5er) demnach kann ich da nciht mitreden. 🙂

Aber es hört sich für mich aus technischer Sicht nicht ganz in Ordnung an. Also ab 2000 1/min sollte ein sehr guter Schub (genug Abgasenergie vorhanden) auftreten und zu spüren sein! 🙂

Entweder ist ein Unterdruckschlauch porös, welcher die Lader steuert und somit den Ladedruck einstellt, oder aber der Luftmassenmesser hat ein Problem, was auch den erhöhten Verbrauch erklären würde.

BMW_verrückter

Zitat:

Original geschrieben von FlyingLemming


So, schließlich die eigentliche Frage an die 123d-Fahrer (Handschalter!): Wie ist bei Euch das Ansprechverhalten, wenn ihr z. B. im 2. Gang bei 2.000 U/min mit Tempomat dahinrollt und dann schlagartig Vollgas gebt: Geht das Auto dann relativ zügig und gleichmäßig voran oder dauert es auch deutlich über eine Sekunde, bevor wirklich was passiert?

Ein weiteres Symptom: Anfahren aus dem 2. Gang beim langsam-an-die-Ampel-ranrollen (was anfangs fabelhaft funktionierte) endet mittlerweile häufig in heftigem Ruckeln und beinahe-Abwürgen. 

Ich hab´mir aus Zeitgründen jetzt nicht alles durchgelesen, aber wenn deiner erst 7500km drauf hat, dann würde ich erstmal warten bis der Wagen richtig eingefahren ist. Bei 10tkm verändert sich nochmal einiges am Ansprechverhalten.

Der 123d ist im ersten (evtl. auch zweiter) ja auch etwas leistungsbegrenzt. Den zweiten Gang kann ich aber gut zum rausbeschleunigen verwenden.

Zitat:

Original geschrieben von FlyingLemming


Meine z. T. etwas besseren Zeiten könnten daher kommen, dass SA vermutlich "echte" Geschwindigkeiten misst und ich nur die Tachowerte nehme. Interessant wäre natürlich, ob bei den SA-Tests die Elastizitätswerte "aus dem Stand" oder "fliegend" gemessen wurden - weiß das jemand? Zumindest bei der AMS wird "mit vorgegebener Startgeschwindigkeit in einem festen Gang durchbeschleunigt".

Die Sport Auto misst mit "echten" Geschwindigkeiten und die Durchzugsmessungen werden fliegend gemessen. So wird für die Durchzugsmessung von 80-120Km/h bei ca. 70Km/h beschleunigt und anschließend der Zeitraum für die Beschleunigung von 80 bis 120 gemessen.

Dieses Verfahren verzerrt meiner Meinung nach zwar deutlich die Ergebnisse zugunsten von aufgeladenen Fahrzeugen, lässt sich aus unserer Sicht aber nicht ändern.

Zitat:

Original geschrieben von frankenmatze


Ich hab´mir aus Zeitgründen jetzt nicht alles durchgelesen, aber wenn deiner erst 7500km drauf hat, dann würde ich erstmal warten bis der Wagen richtig eingefahren ist. Bei 10tkm verändert sich nochmal einiges am Ansprechverhalten.

Hm, da das Ansprechverhalten ja anfangs hervorragend war und sich (nach meinem Empfinden) im Laufe der Zeit verschlechtert hat, kann ich mir kaum vorstellen, dass es plötzlich wieder erheblich besser werden wird (mittlerweile hab ich knapp 9.000 km drauf, bislang keine Verbesserung).

Die Verzögerung nervt inzwischen ganz gewaltig; sogar bei relativ zügigem Schalten spürt man sie nach jedem einzelnen Schaltvorgang, egal ob dieser bei 2.500 oder 4.000 U/min erfolgt.
In den letzten Wochen hab ich die Kiste mehrfach beim Anfahren (1. Gang!) abgewürgt - und ich glaube nicht, dass ich das Autofahren schlagartig verlernt habe. Der Motor fühlt sich in den ersten 1-1,5 Sekunden so an wie mein alter 116i compact (E36)... :-(

Muss jetzt doch einmal zusehen, dass ich irgendwo ein Vergleichsfahrzeug finde.

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Gibt es für deinen eventuell ein Software-Update?

Zitat:

Original geschrieben von frankenmatze


Gibt es für deinen eventuell ein Software-Update?

Würde mich bei dem späten Baujahr (10/2011) wundern, zumindest weiß mein :-) nichts davon.

Könnte denn ein 123d-Fahrer unter Euch mal kurz beschreiben, wie bei ihm das Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen (< 2.500 U/min) ist? Wie lange ist denn bei Euch die Verzögerung vom Durchtreten des Gaspedals bis "richtig" Schub anliegt (ist im 3. oder 4. Gang besser zu beurteilen als im 5. oder 6.)?

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