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WMCBolle's Fahrzeugstammbaum

In diesem Blog möchte ich den Werdegang und die Abenteuer meiner Autos, die ich mit meinen 26 Jahren gefahren habe, erzählen.

15.05.2014 15:37    |    WMCBolle    |    Kommentare (16)    |   Stichworte: Fiat, Stammbaum, Uno

Da mein 2er Golf ja leider für mich als Azubi unrettbar kaputt war, musste ich mich nach einem neuen Auto umsehen, da zugfahren für mich nicht mehr in Frage kam. Eines stand für mich von vorne herein fest: Ein VW kommt mir nicht mehr vors Haus. Wenn bei denen so ein bisschen zu wenig Öl schon alles kaputt macht. (ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass ich von Autos und deren Technik null Ahnung hatte. Ich wollte fahren und nicht schrauben.) Also suchte ich in Zeitungen und im Internet nach einem seltenen Fahrzeug, das bezahlbar und in gutem zustand war.

So richtig fündig wurde ich dabei nicht wirklich. Neben vielen Corsas (A bis C) und unzähligen Peugeot 105 und 205 war nicht wirklich was dabei, als abends dann mein Vater heimkam und gemeint hat, er hätte jemanden, der sein Auto verkauft und ich soll doch gleich mitkommen. Also ab 2 Ortschaften weiter und angucken.

 

Auf dem Weg dorthin erzählte er mir, dass das Auto einer Frau gehörte, die jetzt mit dem Mercedes von ihrem Mann herumfuhr, der einen Geschäftswagen bekommen hatte. Ich verkniff mir zu fragen, was das für ein Auto sei, um möglichst vorurteilsfrei da drangehen zu können. Mir war sowieso klar, dass ich das nehmen würde, was ich kriege, vorausgesetzt der Preis stimmt. Allerdings dache ich mir, dass das schon ein tolles Auto sein müsse, wenn der Mann einen Benz fährt. Und wenn er einen Geschäftswagen kriegt, muss er doch gut verdienen, also kann das Auto, mit dem seine Frau rumfährt doch eigentlich nicht schlecht sein. In den Einfahrten der „gehobenen Einfamilienhaussiedlung“, in die wir fuhren sammelten sich viele neue BMWs, Mercedes, und sogar hier und da ein Porsche. Wir kamen an und ich schaute mir die Augen aus dem Kopf, aber nirgends war ein abgemeldetes Auto zu sehen. Nach einer Tasse Kaffee und ein bisschen Smalltalk gings los, Auto angucken. Ich war schon total hibbelig. Als wir draußen standen, sagte die Frau mir, dass „der Hüpfer“ in der Garage stehe. (Hüpfer?? Also was kleineres. Mist, ich wollte was größeres.)

Als das Garagentor offen war, fiel mein Blick auf ein wirklich kleines komischgrünes Ding. (diesen Spitznamen hat er von mir ab da gehabt.)

Es war ein FIAT Uno, BJ 1992 mit überwältigenden 999 Kubik und brachialen 45PS. Sehr spritzig in Verbindung mit dem sehr (!) langen 5 Gang Getriebe (Achtung Ironie). Meine Begeisterung war dementsprechend fast greifbar. Während ich mir das „Ding“ anschaute, hatten Geld und Papiere schon die Besitzer gewechselt, ohne dass ich es mitbekam. Mein Vater drückte mir die Unterlagen in die Hand und sagte: “komm wir fahren. Ich hab Hunger.“ Das war Sonntag, der 03.12.2006.

 

 

Montags hab ich ihn angemeldet und bin erst mal eine Weile gefahren um vielleicht doch noch etwas zu entdecken, was mir daran gefallen könnte. Auf der Autobahn war bei 120 schluss und die Außenspiegel drehten sich nach unten, als ob er sich bereitmacht, abzuheben. Beschleunigungstechnisch war absolut kein Blumentopf zu gewinnen. Sogar ein 50er Roller hängte mich an der Ampel ab und ich brauchte fast 200 Meter, um ihn wieder einzuholen. Die Kurvenlage war unter aller Sau. Der Wendekreis war riesig im gegensatz zum Golf, obwohl der FIAT kleiner war. Und so weiter. Die einzigen 2 positiven Sachen waren: Ich musste nicht laufen und ich wurde nicht nass bei Regen.

 

Am Sonntag, den 10.12.2006 (ja genau eine woche später) wollte ich nachts um 2 von meiner damaligen Freundin zu mir nach Hause fahren und auf halber Strecke, zwischen 2 Ortschaften, mitten in einer Linkskurve hat sich das rechte Hinterrad verabschiedet und ich bin ca 60 Meter weit in den Acker geflogen und hab mich fast 4 mal überschlagen. Das rechte Hinterrad und die Bremstrommel hingen nur noch am Federbein, wodurch das Rad nach hinten innen gewandert ist und dort im Radkasten blockiert hat. Die Bremsleitung wurde dabei abgerissen, weswegen ich auch nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte und mit 70 ungebremst in den Graben gerutscht bin, der mich hinten abheben ließ und „das komischgrüne Ding“ Purzelbäume schlagen ließ. Das makabere an der ganzen Situation war das Lied, das im Radio kam: „Vööööllig losgelöst. Vooon der Erde...“.

Nachdem ich mich befreit hatte machte ich erst mal Bestandsaufnahme. Alle Finger dran, beide Beine da, nirgends Blut, Knie tut weh. Immerhin mir nix passiert. Erst mal die letzte Zigarette die ich hatte angebrannt und angefangen das Handy zu suchen. Dieses lag vor dem Unfall auf dem Beifahrersitz. Mittlerweile wahrscheinlich irgendwo im Acker. Beim suchen hab ich noch meine Windschutzscheibe eingesammelt, aber das Handy blieb verschwunden. Zum Glück hatte ein vorbeifahrender Taxifahrer die Polizei verständigt, die dann auch prompt da war. Der Krankenwagen wurde wieder abbestellt und der eine Polizist half mir sogar, das Auto wieder auf die Räder zu stellen und beiläufig fragte er mich, ob das mein Handy wäre. Im Acker konnte ich da lange suchen, denn es war in der Beifahrertür oben eingeklemmt. Das Display war zwar kaputt, aber telefonieren ging noch. Also Daheim angerufen und die Eltern wachgeklingelt. Danach den ADAC, der bald 2 Stunden gebraucht hat. Endstation Schrottplatz.

 

 

Ich fand es schade, dass ich nicht mehr Zeit mit dem FIAT verbringen konnte, aber er war der Grund, warum ich mir niemals wieder einen Italiener zulegen werde.

 

Danke für die positive Rückmeldung meines ersten Beitrags. Da dies mein erster Blog ist, bin ich für Verbesserungsvorschläge und Kritik offen. Die Groß-/Kleinschreibung habe ich diesmal beachtet :D

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15.05.2014 15:59    |    1,3er-i

Heftige Geschichte. Hattest damals wohl mehr als ein dutzend Schutzengel gehabt. Im Vergleich zum 2er Golf GL kam dir der kleine Fiat wohl wie eine Schubkarre vor. Aber einen sche.. aufs Auto egal ob alt neu hübsch dreckig wenn sowas passiert ist dass wichtigste, dass man heil rauskommt.


15.05.2014 16:57    |    Turboschlumpf6

Das ist eine krasse Geschichte. Von den Unos hatte ich auch einige und fand sie immer recht gelungen. Zuverlässig waren sie auch.

 

Der Unfall hätte auch ins Auge gehen können. Das Dach ist ja schon mächtig eingeknickt. Ein Glück, dass Dir nichts passiert ist.


15.05.2014 17:07    |    John-Mac-Dee

Beim Golf war ich sauer auf dich, hier musste ich irgendwie schmunzeln. Bestätigt alle Vorurteile. Fehler in allen Teilen eben :D Ein Uno ist eben nur ein besseres Behindertenmobil aka Krankenrollstuhl. Also diese Dinger die 25-45 fahren können/dürfen. Auto kann man das wirklich nicht nennen, selbst geschenkt ist da noch fast zu teuer.


15.05.2014 17:36    |    Paddi_V8-Freak

:D Gut geschrieben, ich bin aus dem Grinsen gar nicht mehr rausgekommen. Glück dass dir nix passiert ist natürlich :)

Weißt du noch woran es lag dass anscheinend die komplette restliche Radaufhängung sich verabschiedet hat? Und warum das nicht im Vorfeld festgestellt wurde?


15.05.2014 18:15    |    Turboschlumpf6

Die genaue Ursache würde mich auch interessieren.


15.05.2014 19:14    |    Christoph2605

Is doch nett geschrieben :D

 

Wenn Du weiter so schnell KFZ-Hersteller aus-schließt, wird

es bald eng mit den verbleibenden Möglichkeiten :rolleyes:

 

Als ich mich damals mit meinem Lieblingsbus während einem Eis-Unfall

überschlagen hab (Heul) lief grad Demis Roussos "Good bye my love"

 

Komisch was man sich an merkwürdigen Kram erinnert.

 

Is fast wie im richtigen Leben :D

 

LG Christoph


15.05.2014 19:43    |    WMCBolle

zu der ursache kann ich nicht viel sagen, außer dass da viel rost war und da ziemlich viel verbogen. nur anhand der schleifspuren konnte man davon ausgehen, dass das rad sich noch schnell gedreht haben muss, als es den radkasten berührt hatte und aprupt gebremst wurde, weil nur an ca 2/3 des reifens das gummi angeschmort war. so hat mir das zumindest der polizist erklärt. hatte aber wie gesagt zu dem zeitpunkt null ahnung.


15.05.2014 20:07    |    Kangoo-Oma

 

Sei froh,das Dir soweit nicht viel passiert ist.

 

Ein Auto kann man ersetzen.

 

Wie gut,das Du Deinen Humor nicht verloren hast.

 

Ich wünsche Dir für die Zukunft ein richtig tolles Auto.


15.05.2014 21:00    |    salieridai

Zitat:

Eines stand für mich von vorne herein fest: Ein VW kommt mir nicht mehr vors Haus

Wenn ich da so oben in die Navigationsleiste gucke und das Wort "Polo" sehe, bin ich sehr gespannt :D


16.05.2014 10:01    |    Dortmunder 65

Das dritte Auto hielt bestimmt nur 2 Tage. ;):D:D:D:D:D:D

Bin gespannt wie es weiter geht.


16.05.2014 11:16    |    Gaswart

Wichtig ist nur das Dir nicht allzu viel passiert ist, Scheiss aufs Blech! Das kann man ersetzen.

 

Wenn Du ein zuverlässiges Auto suchst kauf Dir was japanisches.

 

Von allen Autos die ich bis jetzt hatte [siehe Signatur] waren die Japaner die mit weitem Abstand am problemlosesten.

 

Mein Polo? Mein erster und mein mit Sicherheit letzter VW!


16.05.2014 12:20    |    Zeiti0019

Genauso einen Uno habe ich heute noch zuhause in der Garage. Ebenfalls BJ 92

Nur in Pink. Zustand noch echt gut, Originale 49.800 KM. Seit ´94 in unserem Besitz.

Hat allerdings 195er auf Abarth- Alus (vom Uno Turbo) montiert. Damit fährt er mit etwas Anlauf lt. Tacho knapp 160 km/h auf der Geraden. Mit den serienmäßigen Salamischeiben auf Stahl waren sogar über 170 drin.

Wo ich widersprechen muss: Der Wendekreis ist winzig klein, jedes Auto, das ich bisher hatte, fuhr größere Kreise. Seit einigen Jahren hat er Saisonkennzeichen, selten wurde er mal im Winter gefahren.

Das mögen die Unos gar nicht, wenns kalt ist laufen sie eher murrig und der Unterboden leidet schnell an der Nässe und Streusalz.

An unserem habe ich schon mal den Unterboden hier und da entrosten müssen und ausgebessert.

 

Was bei den Autos der große Schwachpunkt ist - und damit auch die hier beschriebene Unfallursache:

Untern den Stoßdämpferaufnahmen hinten gammelt es, Nässe kommt drunter und bis man es merkt, oder sieht, ist rungsum schon Lochfraß. Von innen verbirgt der Teppich im Kofferraum die Geschichte.

Beim linken an unserem musste deshalb schon ein Blech eingeschweißt werden.

Wenn man das nicht bemerkt, dann passiert genau das, was hier zum Glück gut ausgegangen ist.

 

Sonst wurde mal der Bremskraftverstärker erneuert und die ZKD.

Tüv/HU hat er ohne Beanstandung im September bekommen. Leider zickt jetzt die LWR und das ist auch noch ein spezielles Thema bei den Uno.

 

Dennoch macht die Kiste viel Spass zu fahren, auch wenns keine Rakete ist.

Für die Stadt optimal, von den Unterhaltskosten supergünstig.

Und er lief-wenn man ihn brauchte- deutlich zuverlässiger als mein VW Golf 2 und die beiden Audis danach :D;)


21.05.2014 10:10    |    Diesel73

Herrlich! :D

Du beschreibst den Unfall mit derart trockenem Humor, dass ich mich hier grad untern Tisch geier :D:D.

 

Ne Bekannte ist mal mit nem alten Ford Ka verunfallt. Auch mehrfach überschlagen. Sie sagt allerdings, das sich das kleine Ding gerollt hat wie ein Ei und auf den Rädern gelandet ist. Ihr ist nix passiert, dem Ka auch nicht wirklich. Der tat weiterhin seinen Dienst :D.


13.11.2014 20:15    |    ON 111

Hey, genau so ein Ding hatte ich früher auch mal. In grün mit pinken Sitzen. War "super". Aber immerhin kam ich damit überall hin. Meiner lief allerdings nach Tacho deutlich schneller als deiner. So 140km7h etwa. Mit vieeel Anlauf. Grüße


20.11.2014 10:25    |    r_daneel

... so 10 Jahre vor dir (ca. 96) hatte meine Freundin einen Uno. Aber mit 75 PS und in blau, mit grauen Sitzen und mit Alus. Mann, war das eine Rakete! Zu der Zeit führ ich aber auch /8 mit 60-Diesel-PS. ;)


25.11.2014 13:56    |    andis hp

Hallo,

 

einen ähnlichen Unfall hatte ich mit dem Vorgänger, dem Fiat 127. Der war 10 Jahre alt, als es ihn unvermittelt in einer Rechtskurve aus der Bahn warf.

Unfallursache war genau wie es "Zeiti0019" beschrieben hatte. Hinter der Radverkleidung hatte sich Schmutz und Feuchtigkeit eingenistet und damit den optimalen Nährboden für Rost geliefert. Dann in einer Belastungssituation ist das komplette Hinterrad mit Stoßdämpfer hinten in den Kofferraum geschossen. Oben im Kofferraum wurde im Vorfeld nichts auffällig, da hinter einer kräftigen Kunststoffwand versteckt, und damit nicht sichtbar.

Mein Glück war damals, das kein Feld da war, sondern ein stabile Leitplanke. Da bin ich dann mit ca. 80km/h reingerauscht, und hat das Ende des 127 besiegelt.

 

Aber schön bei deinem Unfall, dass dir nichts passiert ist.

 

Mfg

Andi


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