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WMCBolle's Fahrzeugstammbaum

In diesem Blog möchte ich den Werdegang und die Abenteuer meiner Autos, die ich mit meinen 26 Jahren gefahren habe, erzählen.

10.06.2014 21:54    |    WMCBolle    |    Kommentare (16)    |   Stichworte: ALL, AVL), Escort, Ford, GAL, GAL 4, Mk7 (GAA, Stammbaum

Der Polo war ziemlich angeschlagen und ich konnte von Glück sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt nur 5Km vom Wohnort entfernt gearbeitet hatte. Eine längere Strecke, evtl. sogar über Autobahn wäre vielleicht nicht gerade prickelnd gewesen.

Meine Vorstellung für einen Nachfolger des kleinen Packesels waren eindeutig. 4 Türen und mehr Platz im Kofferraum, dass die Basskiste und dann eventuell noch ein bisschen anderer Kleinmüll, den man immer irgendwie drinne hat, aber nie braucht, reinpasst. Meine erste Suche bestand hauptsächlich aus Kombis. Mondeo hatte nen zu großen Motor, Passats waren alle (!) in sehr schlechtem Zustand, hauptsächlich runtergerittene Zugpferde mit weit über 200.000Km.

Budgettechnisch hatte ich eigentlich nur das, was ich von der Versicherung erhalten habe, also 800€ plus evtl 100-200€ zusätzlich. Mussten halt ein paar Zigaretten im Automat bleiben. Auto war wichtiger. (ohne Geld kein Auto, ohne Auto kein Geld. Ist leider oft so) im Internet war leider wirklich kaum was zu finden, da kurz vorher die Geschichte mit der Abwrackprämie aktuell war. Also am Wochenende den Kumpel geschnappt und sämtliche Autohändler in der Umgebung abgeklappert.

Sonntags abends haben wir einen Polo Harlekin (der kunterbunte, den es mal bei McDoof zu gewinnen gab) gefunden, der vom Zaun aus noch gut da stand und eine nähere Untersuchung verdient hatte. Allerdings waren die 950€, die der (offenbar südländische) Händler angesetzt hatte etwas über meiner Obergrenze. Was solls, muss ich wohl in den sauren Apfel beißen, dachte ich mir. Auf dem Heimweg habe ich dann den Entschluss gefasst, den am Montag mal genauer anzugucken. Das Auto sollte ja ein bisschen halten und nicht wieder nur 6 Monate und dann weiter.

Als ich Montags von der Arbeit da hinfahren wollte, habe ich aus dem Augenwinkel etwas gesehen, also angehalten und mal gucken.

Eins vorweg: ich habe die offiziellen Händler immer bewusst ausgelassen, weil die bisher immer außerhalb meines finanziellen Rahmens agiert haben.

Das kurze Bild, das ich gesehen hatte, war ein 3er Golf in metallicgrün. tiefergelegt, Kabel für die Anlage liegen schon, und beim Preis fiel mir die Kinnlade runter. 800€. Nur 86.000 km runter und 90PS. War eigentlich klar. Der Golf wurde von einem Ford Händler angeboten. Also auf ins Büro, Probefahrt machen. Mein Grinsen verflog ziemlich schnell, als die Dame mir sagte, dass da die Kupplung kaputt wäre und der nicht tiefergelegt war, sondern die Stoßdämpfer kaputt. Aber sie hätte noch was da, was sie mir zeigen könne. (die Andern neben dem Golf hab ich mir gar nicht angeguckt, weils keine VWs waren) also wieder zum Golf hin. Neben dran stand ein silberner Ford Escort mit Basisausstattung für 1200€, aber ich hatte innerlich schon abgelehnt. Die Frau wollte mir aber unbedingt den Escort zeigen, weil der in so gutem Zustand war und tigerte gleich wieder ins Büro um den Schlüssel zu holen. Währenddessen sah ich mich um. (Den golf hatte ich nur von vorne angeguckt gehabt, weil da der Zettel lag. Sonst nur Fiestas und Escorts aufm Hof, also wieder Scheuklappen drauf.) nun stand ich aber hinter den Autos. Links von dem Golf das silberne Schmuckstück der dame. „Nur“ 3 Vorbesitzer hatte sie gesagt. Naja. Die Freundin fährt auch seit 2 Jahren einen Escort der selben Baureihe und hatte bisher keine Probleme damit. Ihrer war ein 3-Türer. Der silberne hatte allerdings auch 3, was mir gar nicht passte.

Rechts von dem golf (ich war mir nicht sicher ob das Rot oder Braun war) stand auch ein Escort...

 

... mit Stufenheck. So einen hatte ich noch nie gesehen. Ich kannte bisher nur den Ford Orion (der durch eben diesen abgelöst wurde). Als sie wiederkam sagte ich ihr klipp und klar, dass ich den Silbernen nicht haben möchte fragte aber gleich was der Stufenheck kosten soll, da der kein Schild drinliegen hatte. „oh da muss ich meinen Mann fragen was mit dem Orion ist.“ (ihr Mann ist der Werkstattleiter und sie macht das Büro)

Folgendes Gespräch fand ich so gut, dass ich das bis jetzt nicht vergessen habe. (Namen hab ich mal geändert)

Sie: „Herrmann was issen mit dem Orion da?“

Er: „Was? Welcher Orion? Wir haben keinen Orion da.“

Sie: „ja doch der junge Mann würd den gern mal probefahren.“ (ich hab eigentlich nur nach dem Preis gefragt, aber OK. Angetan hat er mirs auf jeden Fall.

Er (schon ärgerlicher): „Gabi wenn ich dir sag mir ham kein Orion da, dann ham mir auch keinen da!“

Sie: „Ja doch der Stufenheck da draußen.“

Er: „Was? Der Scorpio?“ er guckt mich an und schreit fast „der ist nicht zu verkaufen, das is meiner“

Worauf mir nur einfiel: „Was? Sie haben nen Scorpio? Darf ich mir den mal angucken ich hab noch nie einen in echt gesehen.“ (mir ist mal einer aufgefallen bei einer der vorherigen suchen, aber 2l, Benziner und Automatik war dann doch nicht so toll)

Sie daraufhin: „nee der Rote neben dem Golf“

Er: „Ach der Escort. Der braucht noch nen Service und saubermachen, dann kann er ihn für 1600 mitnehmen.“

 

Also bin ich mit ihr ins Büro und hab den Schlüssel gekriegt.

Erster eindruck: Lack gut, Reifen gut, Radläufe und Schweller kein Rost. BEIGE Innenausstattung mit Velourssitzen und Wurzelholzimitat. Kurzer Blick nach hinten, jap isn Ghia, also wurde das Chrom außen und die Ausstattung nicht nachgerüstet, sondern so bestellt, was schonmal 3 Pluspunkte wert ist. Also einfach mal eingestiegen und vom Hof runter. Das Auto stand den ganzen Tag in der prallen Sonne. Folglich war es ziemlich warm da drin. Ich bin grad von dem Industriegebiet auf die Bundesstraße gefahren und wollte nebenbei das Fenster runterkurbeln. Ich habe bestimmt 2 Minuten rumgetastet, bis es mir zu blöd wurde. An der nächsten Nothaltebucht hab ich dann angehalten und die Tür aufgemacht, weils da drin kaum auszuhalten war. Dann fiel mir auf, der hat ja gar keine Kurbeln. Oha elektrisch, bloß wo sind dann die Knöpfe? In den Türen war nix zu sehen. Langsam kam mir der Verdacht, dass das Auto vielleicht eine gepanzerte Ausführung für Staatsgäste war und man deshalb die Fenster nicht runtermachen kann (manchmal komm ich auf die blödesten Ideen, aber so bin ich halt) hmm der hat doch n Schiebedach. Aha da ist ein Knopf. So sieht der also aus. Erst mal das Dach auf und dann beim Ganghebel angucken (wo gehts jetzt rückwärts???) fiel mein Blick auf 2 Knöpfe, die offensichtlich die fensterheber sein sollten. Super ich hab jetzt bald 10 Minuten gebraucht die Fensterheber zu finden, was find ich dann wohl zum nächsten TÜV Termin? Klimaanlage brauchte ich nicht, ich hab ja 4 Fenster (die 2 Hinteren musste man kurbeln, aber man konnte sie aufmachen) und ein Schiebedach.

Wieder zurück auf dem Hof fehlte natürlich noch das nächste Kriterium und gleichzeitig der interessante Punkt. Der Kofferraum. Man male sich meine Überraschung aus, als ich den öffnete und einen kompletten (!) Satz Sommerreifen MIT Felgen darin fand. Meine Vespertasche hätte auch noch dazugepasst ohne drücken und schieben, also: RIESIGER Kofferraum. Unter der Motorhaube hatte sich 15 Jahre alter Dreck angesammelt, aber nirgends war ein Tröpfchen Öl oder Wasser zu sehen. Der Motor nagelte und klapperte nicht, kein brummeln oder blubbern am Auspuff.

Fazit: Perfekt! Allerdings weit über meinem Budget.

Nun ging ich wieder ins Büro um den Schlüssel abzugeben. Die Frau textete mich gleich zu: „Und wie wars? Gefällt er ihnen? Der wird halt noch saubergemacht. Und nen Service und neuen TÜV kriegt er auch noch. Der hat nur einen Vorbesitzer gehabt, der hat den neu gekauft und ist dann verstorben und der Sohn hat den dann zu uns gebracht. Des Auto war regelmäßig zum Service bei uns, des Scheckheft ist lückenlos...“ ich hab sie reden lassen, denn zwischendrin waren interessante Details zu dem Auto, was die 1600€ immer billiger werden ließen.

Als ich ihr sagte, dass ich eigentlich bloß 800€ erübrigen könne, sprach ihr blick Bände. Nach einigem hin und her und Rücksprache mit ihrem Mann, einigten wir uns darauf, dass ich die 800€ anzahle (was ja 50% sind) und den rest in 8 Monatsraten abstottere. „normalerweise machen wir das nicht bei nem Auto was über 100.000Km drauf hat und außerdem ist der ja auch schon 15 Jahre alt“ da fiel mir ein, ich hatte gar nicht nach den Kilometern geguckt. Naja das musste warten bis ich ihn abhole.

 

 

Eine Woche lang fuhr ich noch mit meinem „verbogenen“ Polo rum, als der Anruf kam. Anmeldegebühr war im kaufpreis mit inbegriffen, also hab ich mich hinfahren lassen und bin mit meinem „neuen“ heimgefahren. Beim Service wurde Bremsflüssigkeit, Öl, und die Wasserpumpe gewechselt.

Ich weiß nicht, ob es mir nur so vorkam, aber als ich mit dem Escort daheim vorfuhr, sah der Polo ziemlich enttäuscht aus, irgendwie auch ungläubig. Vielleicht hatte er gedacht ich würde ihn wieder hinbiegen (im wahrsten Sinne des wortes), aber beschlossen wars also musste er weg.

Ich war nun also stolzer Besitzer eines Ford Escort Ghia Stufenkeck Baujahr 1996, mit 1,6l 16v und 90PS aus erster hand in (Achtung jetzt kommts) „Kastanienrot“. Mit lückenlosem Scheckheft mit 101.000Km. die ersten und einzigen Sachen, die ich verändert habe waren die Anlage eingebaut und die komischen Spritzschutzlappen weggemacht. Die waren schon so festgegammelt, dass die kaum gescheit weggingen. Hinten dran bröselte trockener Dreck runter, was mich aber nicht wunderte, da es die ganze Woche schon warm und trocken war. Außerdem hab ich noch die Nebelrückschlussleuchte auf der rechten seite nachgerüstet, da der Reflektor schon vorhanden war.

Ein weiterer Kaufgrund war, dass die Schwiegereltern beide keinen Führerschein hatten und deshalb entweder die Freundin oder ich immer fahren mussten, was bei ihrem 3 türer manchmal problematisch war.

Das was meiner an Luxus mehr hatte, als der meiner Freundin, wollte natürlich auch bewegt werden, was mit unter 7,5 Litern Durchschnittsverbrauch kaum möglich war. Zum Vergleich: meine Freundin fuhr in ihrem zwischen 5 und 6 Litern mit dem selben Motor. (sie hatte einen Escort Flair ohne ABS mit Kurbeln und der schwarzen Ausstattung in Bordeauxrot).

Auch lustig war, dass meiner von hinten buchstäblich nach Rentner geschrien hat. Wenn ich an der Ampel vorne auf der Linken spur stand und rechts ein Golf mit nem Älteren Herrn drin, haben sich alle, die dazukamen sich rechts hinter den Golf gestellt. (wahrscheinlich dachten die der kommt schneller weg :D) bei grün war ich dann schon weg und alle anderen standen an der nächsten Ampel hinter mir. Deshalb hab ich mir so nen tollen Hut gekauft, der auf der Ablage nen Platz gefunden hat. Nen Klorollenwärmer wollte mir die Freundin nicht häkeln und nen Wackeldackel hab ich mir auch zum Geburtstag gewünscht, hab ich aber leider nie gekriegt :(.

Als der erste Winter kam, zog ich mit meiner Freundin, die mich zu dem Zeitpunkt schon 5 Jahre ertragen musste, zusammen. (musste mal gesagt werden) sie verkaufte ihren Escort, weil die Bahn nur 5 Min zu Fuß entfernt war und wesentlich billiger als ein Auto. Also blieb nur noch meiner, was ihm zusätzliche Kilometer bescherten.

Als der erste Schnee kam, musste ich überraschend mein gesammeltes Wissen aus diversen Videos und meiner Erfahrung zusammenrufen, da bei nasser Fahrbahn (und kalten Temperaturen + Schnee/Eis) mir im Kreisverkehr der Hintern ausgebrochen ist und ich da quer durch bin. Das war zum Glück auf dem Weg von der Spätschicht nach Hause, wo zu der Uhrzeit wenig bis kein Verkehr war. Am Wochenende habe ich dann auf einem Parkplatz das Fahrverhalten genauer studiert und herausgefunden, dass der Gute nicht über die Vorderräder schob, wie alle meine anderen (einschließlich Passat), sondern der Schwerpunkt so weit hinten lag, dass er einen unruhigen Hintern hatte. Also hieß es meine Fahrweise entsprechend anzupassen. Das hat auch soweit ganz gut geklappt. Der spritzigste war er sowieso nicht, also war eigentlich nur gemütliches cruisen möglich.

Im Dezember fuhr ich nachts eine Landstraße lang und ehe ich michs versah, rumpelte es rechts hinten und das Heck brach richtung Graben aus. Also wie in der Fahrschule gelernt: langsam gegenlenken. (das war bei der A-Klasse leichter als beim Escort) Das Heck brach daraufhin noch stärker in die andere Richtung aus, also hab ich zu stark gelenkt. Einen tick leichter zurückgelenkt, aber der kritische Punkt war schon vorbei. Ich drehte mich und rollte rückwärts mit mittlerweile 80 Sachen die Landstraße lang. Dann machte es Klick „mensch hier ist doch keine Sau, also kannste auch auf der Straße stehen bleiben und dann wenden. Außedem haste ABS.“ Also Vollbremsung. Die Reifen haben blockiert und überall war beißender Gummiqualm. Da habe ich gelernt, dass ABS nur beim Vorwärtsfahren anspricht. Dann hab ich mich wieder gedreht und bin seitlich von der Straße gerutscht.

Die ganze Zeit war freies Feld neben der Straße und genau da wo ich rausrutsche, fangen die Bäume an. Keine großen zwar, aber immerhin doch so 7cm dicke Stämme. Als endlich alles rum war, Bestandsaufnahme. Erstes Brandloch im Sitz, Tabakkrümel im Gesicht und im Mund, und das Auto ist richtig rum. Motor läuft noch und alles stinkt nach Gummi. Ich hab dann erst mal den Warnblinker angemacht und bin ausgestiegen. Der Escort stand 2cm von dem ersten Baum weg auf allen 4 Rädern 2 Meter von der Straße weg. Der Boden war gefroren und abschüssig, weil es da gerade auf eine Brücke hochging. Erst mal druntergelegt und überall gewackelt. Fazit: alles fest, nix kaputt. Mir fiel ein riesiger Felsbrocken vom Herz. Ein halbes Jahr das Auto und schon wieder ein neues suchen hätt ich mir nicht leisten können. Also bin ich wieder eingestiegen und hab probiert langsam zur Straße hochzukommen, bin aber bei jedem Versuch immer weiter unter richtung Baum gerutscht. Runter ins Feld fahren ging auch nicht, weil die überhänge zu groß waren um durch den Graben vor dem Acker zu kommen was hieß ich würde dann gar nicht mehr wegkommen. Dann kam ein Auto und hielt an. Auf der Beifahrerseite stieg ein Mann aus und fragte ob alles Ok ist, was ich bejahte und gleich fragte (frägte?) ob er mich rausziehen könne. (das Abschleppseil hatte ich natürlich eine Woche vorher rausgeschmissen (brauch ich ja eh nicht)) dann stieg seine Frau aus und fragte ihren Mann ob alles Ok ist. Mit dem Blick auf mich fiel dann der Satz von ihr: „des is doch der wo uns vorhin überholt hat. So nem Raser gehörts nicht anders komm steig ein wir fahren weiter“ ich rief ihr noch hinterher, dass ich ihr auch mal wünsche dass ihr keiner hilft wenn sies braucht. (zur Anmerkung die gute Frau ist 3Km vorher mit 50 in ner 100er Zone gefahren und hat gehupt und Lichthupe gegeben als ich sie mit 70(!) überholt hab und ich habe sie nicht geschnitten beim einscheren) also hab ich die Bekannte angerufen zu der ich unterwegs war, ob sie nicht schnell mit nem Seil vorbeikommen könne und mich ausm Graben ziehen könne. Also Rettung war in Sicht. Als ich dann gewartet hab hielt ein Ford Focus Turnier an und ein Klassenkamerad, den ich Jahrelang nicht gesehen hatte stieg aus. Nach kurzem „Hallo, wie gehts“ hat er gemeint, er guckt mal ob er n Seil hat. Er kramt rum und meint er hat keins. Ich frag ihn noch: „wie viel halten denn die Spanngurte aus“ da ging dann praktisch die buchstäbliche Glühbirne an. Also den Escort an den Focus gehängt und rausgezogen, was ohne Probleme ging. Die zwischenzeitlich eingetroffene Bekannte hatte sich um das nebensächliche (:D) Warndreieck gekümmert und hat gemeint dass da vorne ne richtige Eisfläche wäre. an dem Abend hatte ich beschlossen dem Escort einen weiblichen Namen zu geben, weil er, pardon, sie gerne mal das Hinterteil zeigt. Die Wahl fiel auf Esperanza (anscheinend im südamerikanischen ein Name wie Anna oder Marie in deutschland)weil er mit E anfängt und übersetzt Hoffnung bedeutet. Bildlich für die Hoffnung in Zukunft auf der Straße zu bleiben.

 

 

Im Jahr darauf durfte ich das erste (und bisher einzige) Mal mit Anhänger fahren. Dem Schwiegervater musste aufgrund von Diabetes ein Bein abgenommen werden, was das Rollerfahren (er fällt in die Regelung „vor neunzehnhundertschießmichtot geboren, darf Roller fahren“) quasi unmöglich machte. Also suchte er nach einem Krankenfahrstuhl „mit mehr bumms“ (das AOK Standardmodell mit 6Km/h ist definitiv zu langsam) er hat eins gefunden und sich um nen anhänger gekümmert. Ich musste nur fahren. Vorwärts fahren war kein Problem. Das Fahrverhalten hat sich kein bisschen verändert. Rückwärts war da schon schwieriger mangels praktischer Erfahrung.

Dann waren die Bremsen vorne fällig. Da ich bisher nur Erfahrung mit Polobremsen hatte, stellte ich mir das Ganze schwieriger vor. Also hab ich die Teile besorgt und erst mal die eingebauten Bremsen angeguckt. Da stellte sich heraus, dass das sogar einfacher war die zu wechseln, als beim Polo, also gleich drangemacht. Beifahrerseite ging ohne Probleme innerhalb von 15Min mit Wagenheber ansetzen, Rad runter und wieder draufmachen. Fahrerseite war da schon schwieriger. Erst wollte der Bolzen nicht raus und dann der Sattel nicht runter. Als ich da so saß und überlegte, was ich noch versuchen könnte, um das zu lösen, knirschte es irgendwo. „Hmm wo das wohl herkommt? Warum liegt da Rost auf dem Boden? Wo kommt der denn her?“ in dem Moment sah ich, dass das ganze Auto runterkam. Ich war etwas zu langsam und schon lag der Scheißkarren auf meinem Bein. Er hatte sich schön langsam darauf niedergelassen. Ich hab dann den Wagenheber soweit weiter hochgedreht, dass ich mein Bein rausbekam und besah mir das ganze. Der Wagenheber hatte den Unterboden nach innen gedrückt, dass ich jetzt eine richtige Beule im Fußraum hatte. Die Bremse fertigmachen ging ratz fatz, als ich dann den Heber woanders angesetzt hatte und Holzklötze druntergelegt hab. Dann musste ich den Teppich anheben und mit nem großen Hammer den Unterboden wieder runterklopfen. Eine genauere Untersuchung hat dann ergeben, dass er mir wortwörtlich unterm Arsch wegrostet. Also Klischee pur. Und schuld daran waren diese komischen Spritzlappen. Der Dreck hat sich über die Jahre mit Wasser vollgesogen und nach innen tranportiert, was zu einer blühenden Rostentwicklung im Inneren der Schweller führte. Als dann das ganze Gewicht auf dem einen Punkt konzentriert war, hat das bisschen Blech, das noch in Ordnung war, nachgegeben und sich nach innen gewölbt und den Boden hochgedrückt.

Dann stand die Hochzeit meiner Cousine vor der Tür und damit eine längere Autobahnfahrt. Von Baden-Württemberg nach Mecklenburg-Vorpommern. Die Route war auch schon festgelegt: über Frankfurt/Main nach Hamburg-Lübeck und dann quer über die A20 ans Ziel. Vorher hab ich noch brav nen Check gemacht. Zahnriemen war erst in ca. 20.000Km wieder fällig, sämtliche Flüssigkeiten optimal befüllt, Ölwechsel und Autowäsche waren auch gemacht. Also konnte es losgehen. Laut Berechnung musste erst wieder kurz nach Hamburg getankt werden. Ich hatte den schlechtesten Verbrauch von 10,3L/100Km angenommen. Gemütliche Reisegeschwindigkeit von 120 war auch drin, also los. Kurz vor Hamburg kam dann von meiner Freundin: „du musst bald tanken.“ Und tatsächlich. Der Zeiger hat den Reservebereich schon angekratzt. 70 Kilometer zu früh.Also nochmal halb vollgemacht. (Autobahnsprit ist eben teuer) und nach nem Autohof ausschau gehalten. Wir hatten aber anscheinend die letzte Raststätte vor Polen erwischt. Dann kamen nur noch Parkplätze. Als wir dann am Ziel ankamen und nach der nächsten Tankstelle gefragt haben, kam von meiner Tante nur: „2 Ortschaften weiter da lang is eine und 2 Ortschaften in die andere Richtung ist auch eine.“ Sie hat aber nicht gesagt, dass die Ortschaften 30Km auseinanderliegen. Also auf den Weg gemacht und mit dem letzten Tropfen sprit vor die Zapfsäule gerollt (der Motor war schon aus). Den Polensprit auf der Rücktour hat er komischerweise besser vertragen. Mit einer Tankfüllung kam er da komischerweise ganz gut klar.

 

 

Das Aus für meine Dicke kam ziemlich überraschend. Ich hatte mir Urlaub genommen, weil der nächste TÜV termin vor der Tür stand. Mit dem Rostproblem sah ich allerdings schlechte chancen, den zu bestehen. Also musste wahrscheinlich geflext und geschweißt werden was das Zeug hält. Am ersten Urlaubstag hab ich dann die Freundin auf die Arbeit gefahren und wollte im Geschäft noch schnell was abholen um danach die Teile zu besorgen. Auf dem Weg ins geschäft war vor mir einer, der abgebogen ist und mitten im abbiegen warten musste, weil einer entgegen kam. Ich wollte dann schwungvoll an ihm vorbeifahren, übersah aber, dass da ein 7,5 Tonner entgegenkam. Da das nicht geklappt hätte, dachte ich, dass es vom Abstand her vielleicht doch noch reicht, um an dem 4er Golf vorbeizukommen. Also hab ich wieder nach rechts gelenkt und dann doch noch den Golf erwischt. Überall sind Glassplitter und Kunststoffteile herumgeflogen. Ergebnis: die Stoßstange vom Golf ist ab dem Kennzeichen abgerissen, hat dabei das Rücklicht zerstört und landete im nächsten Vorgarten. Ersatzteile dran und der ist wieder wie neu. Den Escort hats schwerer erwischt. Stoßstange, Kotflügel, Scheinwerfer-Blinkerkombi, Radaufhängung, Querlenker, Federbein. Lenken war nicht möglich und das Rad hat sich gar nicht mehr gedreht. Nachdem zufällig die Polizei vorbeikam, wurde das von denen auch noch aufgenommen, was mich zusätzlich 35€ gekostet hat. Der gerufene ADAC-Abschlepper kam dann nach ca. ner Stunde und hat meine treue Seele Huckepack genommen und zur letzten Ruhestätte transportiert.

 

 

 

Da war ich am Tag davor noch so froh, dass es nur 2-3 größere Roststellen waren, die ziemlich in einer Ecke waren, dass man da vielleicht ein einzelnes größeres Blech reinschweißen müsste, und dann ein paar stunden später sowas.

 

 

Ich habe dann von der Abschleppfirma über den ADAC einen Opel Zafira für eine Woche Kostenfrei zur Verfügung gestellt gekriegt. Der Ausbau der Anlage und den ganzen Krimskrams rausholen ist mir wirklich schwer gefallen. Als die Dicke so ganz unpersönlich und nackig da stand wurde mir richtig schwer ums Herz. Der Zafira hatte so viel Schnickschnack drin, da kam gar keine Freude beim Fahren auf. Bei 120 auf der Autobahn was das Raumschiff schon knapp über 4000 Umdrehungen. Also zur Überbrückung ok, aber dauerhaft wollt ich so einen dann doch nicht haben. Der Escort war ein treues und robustes Auto. Geringe Störanfälligkeit und günstig im Unterhalt (wenn man mal vom Durst absieht) das einzige, was ich investiert habe waren Bremsen und ein Ölwechsel. Wenn man die Roststellen kennt und rechtzeitig erkennt und sich dann entsprechend zeitnah drum kümmert, dann kann der einem durchaus sehr lange erhalten bleiben.

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