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WMCBolle's Fahrzeugstammbaum

In diesem Blog möchte ich den Werdegang und die Abenteuer meiner Autos, die ich mit meinen 26 Jahren gefahren habe, erzählen.

16.05.2014 10:14    |    WMCBolle    |    Kommentare (13)    |   Stichworte: Passat, Stammbaum, VW

Nach der Geschichte mit dem FIAT musste ich erst einmal wieder einige Zeit mit dem Zug fahren, bis ich wieder genug Geld beisammen hatte um mir wieder einen fahrbaren Untersatz zu leisten. Nachdem ich nun einen fast schon Kleinstwagen mein eigen genannt hatte, wollte ich etwas großes. Bei meiner Suche nach Nummer 3 suchte ich vor allem in Kategorien wie: Renault Espace, Seat Alhambra, VW Sharan oder ähnliche. (Die Marke war mir mittlerweile egal, hauptsache es fährt und geht nicht gleich kaputt.) Als ich da 3 gute Autos gefunden hatte ging es darum, eine geeignete Versicherung auszuwählen. Da aber der kleinste Motor meiner favoriten ein 2.0 Liter Diesel war mit irgendwas um die 150PS, wurde mir schnell klar, dass ich da mehr Geld in Steuer und Versicherung investieren würde, als in Benzin. Vor allem, weil ich da noch unter 25 war und noch bei 140% gefahren bin (nur der Golf war als Zweitwagen auf meine Mutter angemeldet, die anderen alle auf mich).

Also aus der Traum mit dem schönen großen Auto, in dem man Platz hat. Also suchte ich eine Nummer kleiner: Kombis.

Nach einigen Ford Escorts (die Mondeos gingen auch ab 2 Liter Diesel los) Opel astras und Citroen ZX Kombis, (Ford und Opel rosteten schnell wurde mir gesagt und nen Franzosen? Na ich weiß nicht) war da auf einmal ein Auto, das ich noch nie vorher gesehen hatte. Die Bilder waren auch aus einem schlechten Winkel, oder mit schlechter Beleuchtung aufgenommen (ich habe damals ausschließlich nach ben Bildern, den PS und den Kilometern geguckt) die Marke war nicht zu erkennen auf den Fotos, aber die Beschreibung wies das Fahrzeug als „VW Passat Variant“ aus. Die wichtigen Kriterien:

Aussehen: keine ahnung, aber er war grün. (meine lieblingsfarbe)

Kilometer: ~ 180.000 (noch unter 200.000)

PS: 90 wie der golf.

Preis: 250€ mir sind fast die Augen rausgefallen. So wenig für so viel Auto? Der isses!!!

 

Also den Typen angerufen und nen Termin ausgemacht. Am Samstag drauf mit dem Zug da hingefahren und angeguckt. Ich wollte unbedingt mit einem Auto wieder heimfahren und habe in weiser vorraussicht nur eine Hinfahrkarte gekauft :D.

Ich habe in einem Industriegebiet dann die Adresse gefunden und hab mich umgesehen und da stand er. In einem umzäunten Hof, zwischen Autos mit Unfallschäden und einigen Stapeln alter Reifen. Also ging ich auf den Hof und in diesen Container mit der aufschrift „Büro“. Als ich dem Herrn am Schreibtisch gesagt hatte, dass ich wegen dem Passat komme, hat er gefragt: „Wo ist deine auto mit die hänger?“ da hatte ich Idiot kein Wort von der Fahrzeugbeschreibung gelesen. Da stand nämlich „nicht fahrbereit“ und „nur Händler oder Export“ drin. Wir einigten uns darauf, dass er guckt, dass er den am selben Tag noch zum laufen bringt, wenn ich ihn dann gleich mitnehme. Gesagt getan, der Passat lief und ich hab mich gefreut wie ein Kind, das vom Opa ne Kugel Eis gekauft kriegt.

Die Freude währte jedoch nur kurz, als ich auf der Heimfahrt merkte, dass ab 3000 Umdrehungen die Drehzahl hochging, aber die Geschwindigkeit gleich blieb. Außerdem stank es dann ziemlich. Trotzdem überstand er die Heimfahrt ohne Probleme. Die Reaktion meiner Eltern: „Was willsten mit dem alten Ding?“ Ein kurzer Blick auf den Fahrzeugschein ergab: Baujahr 1983. Der war älter als ich. Mit einem Blick auf den Schein sagte mein Vater: „Viel spaß mit der Steuer. Hätteste mal lieber den 2 Liter Diesel genommen, der wäre billiger gewesen.“ Da stand nämlich U-KAT drauf.

 

 

Als ich ihn am nächsten Montag angemeldet hatte, wollte ich natürlich eine Runde drehen. Also reingesetzt in den Panzer, wie ich ihn getauft hatte, Schlüssel rumgedreht und er leierte und leierte und leierte dann knallte es einmal und er lief. Ich ließ die Kupplung kommen und er nahm kein Gas an und ging aus. Danach hat er nur noch geleiert. Mit etwas sachkundiger Hilfe des Nachbarn kamen wir als Fehlerursache auf die Zündanlage, weil aus dem alten Vergaser stank es nach Sprit, ergo fehlte nur der Funke. Also Kerze 1 raus und da sah ich sogar als Laie, dass das nicht normal war. Die war schön gleichmäßig mattschwarz vorne. Der Nachbar hat die mit ner Drahtbürste wieder sauber gemacht und eingebaut. Das ganze dann nochmal bei den anderen 3 und er lief wieder. Er meinte nur was von gemisch zu fett. Da ich immer noch keine Ahnung von Autos hatte und noch nicht mal das Funktionsprinzip eines Verbrennungsmotors kannte, konnte ich damit nichts anfangen, wollte ich ehrlich gesagt auch nicht, da ich erst mal froh war, dass der Panzer wieder lief. Als nach 3 Tagen während der Fahrt die Drehzahl abgefallen ist und das ganze Auto geruckelt hat, lag bei mir der Verdacht nahe, dass das Problem das selbe war wie beim letzten mal. Zum Glück hatte ich die Drahtbürste und die Rätsche noch im Auto liegen. Also mitten im morgendlichen Berufsverkehr hingestellt und Zündkerzen geputzt. Nach Feierabend bin ich dann zum örtlichen VW-Händler mit Werkstatt gefahren und gemeint, dass das Gemisch zu fett sei und er das doch bitte einstellen solle. (mir wurde gesagt, dass das bloß ne Schraube sei, die man rein- oder rausdrehen muss). Die Antwort, die der qualifizierte Mitarbeiter mir gegeben hatte, war: „Dafür haben wir kein Werkzeug.“ Klasse!

Also musste ich mich wohl oder übel arrangieren. Jeden Morgen vorm Losfahren also Zündkerzen raus und putzen. Lief soweit wunderbar. Langsam kam auch der Gedanke, dass ich den solange behalte, bis er 25 Jahre alt war, um ihn mit einem H-Kennzeichen anzumelden. Dann würde die Steuer sich von 400€ (Benziner) um über die Hälfte reduzieren. Der Panzer hatte 4 Gänge plus Economy Gang mit Verbrauchsanzeige. Diese zeigte mir einen Verbrauch von ca. 20L/100Km an, wenn ich nicht auf dem Gas war. Schubabschaltung gleich Null. In einer Woche bei ca 35 Km pro Tag musste ich 3 mal volltanken. Was auch wieder für das falsch eingestellte Gemisch sprach, nur leider konnte mir niemand dabei helfen, weil niemand eine Ahnung von vergasermotoren hatte. Trotzdem liebte ich diesen unförmigen olivgrünen Kasten. Auf Parkplätzen musste ich 2 Parkplätze belegen... voreinander! Weil der einfach so lang war (auf die Länge kommts an :D) die Sitze waren

Wohnzimmersessel und die Stoßdämpfer waren absolut fertig. Im Freundeskreis wurde er nur „die Affenschaukel“ genannt.

Auf dem Passat waren Sommerreifen mit gesetzlich grenzwertigem Profil. Eines morgens wollte ich losfahren, kam aus dem Haus und... Schnee. Klasse. Sommerreifen, abgefahren, und noch nie vorher im schnee rumgefahren. Naja mal gucken. Reingesetzt, Schlüssel gedreht und er sprang sofort an, drehte hoch auf die 2000 Umdrehungen (für die, die sich wundern, das war normal, das hat der immer für ca. 20 Sekunden gemacht. Vorher musste man den Choke ziehen, das fiel dadurch weg).

In der Zeit hab ich den Schnee runtergemacht und mich noch gewundert, warum der so lange hochdreht, aber es ist ja kalt, vielleicht braucht der ein bisschen länger. Nach 5 Minuten hatte ich keine Zeit mehr zu warten und wollte losfahren. Gas gedrückt und angefahren. Bloß wo war auf einmal das Gaspedal? Das ist nicht zurückgekommen, sondern stehen geblieben. Gaszug festgefroren.

Gleich Panik geschoben. So konnte ich auf keinen Fall fahren. Vor lauter Panik hab ich dann am Gaspedal gezogen und siehe da, alles normal. Drehzahl auf Standgas und alle Nachbarn wach. Dann losgefahren. Jede Bodenwelle war in jedem Rückenwirbel spürbar. Hmm da ist wohl irgendwas eingefroren. (Hinterher wurde mir erklärt, dass das Öl in den Stoßdämpfern Wasser gezogen hatte und dadurch der so geschaukelt hatte und ab 0 grad ist das Wasser eingefroren, wodurch sich dann alle Schläge auf die Karosse übertragen hatten.) aber ich arrangierte mich mit den Zündkerzen, der Kupplung, den Stoßdämpfern und dem Verbrauch. Mal musste die Drahtbürste alle 200 Km herhalten, mal alle 70. Und die Stoßdämpfer waren präziser als manches Bordinstrument von neuen Autos, was die Außentemperatur anging. Und das eingebaute Alpha Radio hatte besseren Empfang als der Astra GTC meiner Mutter. Nach 4 monaten war die Kupplung endgültig fertig. Da ging nichts mehr. Also habe ich mich bei allen Werkstätten in der Umgebung nach Preisen erkundigt. Auch alle Hinterhofwerkstätten und „Bekannte von Bekannten, deren Arbeitskollegen mal was an Autos gemacht hatten“ . Der Günstigste war nur für Kupplung machen bei 350€ mit Material. Aber der wollte das nicht machen, als er gesehen hat was noch kaputt war. (im nachhinein verständlich.) Also blieb mir nichts anderes übrig, als den Panzer wegzuschaffen. Und ich schwor mir, dass ich beim nächsten Auto die ganze Beschreibung lesen werde.

 

 

Mein Fazit: Der Passat Variant 32B war das beste Auto, das ich je hatte. Trotz aller Mängel und Eigenheiten liebte ich ihn. Und ich habe gemerkt, wann er schlecht drauf war und wann nicht. Da habe ich das erste mal gemerkt, was es heißt, wenn jemand sagt, dass sein Auto Charakter hat. Und ich glaube er war mir dankbar, dass ich ihn vor dem Ausschlachten und Verschrotten vorerst bewahrt hatte und mich bemüht hatte, ihn zu retten. Und er revanchierte sich dafür bei mir. Er war der Grund, dass ich mich mit den Problemen beschäftigte, anstatt sie zu ignorieren. Hätte ich damals die Fahrzeugbeschreibung gelesen, weiß ich nicht, ob ich ihn trotzdem genommen hätte, aber ich bin froh, dass ich sie nicht gelesen habe. Ich verdrückte sogar die ein oder andere Träne, als er abgeholt wurde. (ich bin ein Mann ich weine nicht :D) schade, dass er nicht von jemandem mit mehr finanziellen Mitteln und mehr Know-How genommen wurde. Rest in Peace(oder Pieces) mein Panzer. Eins stand damals aber 100% fest: der nächste kommt auch aus Wolfsburg.

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