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21.06.2017 11:17    |    Thilo T.    |    Kommentare (1)    |   Stichworte: Kritik, Skoda Octavia RS 2.0 TSI 169kW

Hallo zusammen,

 

nach nunmehr 1000km schreibe ich hier einmal auf, was mir am Octavia RS FL alles so gefällt und was mir nicht gefällt.

Vielleicht hilft das dem einen oder anderen bei seiner Kaufentscheidung. Vor allem sind das jetzt Dinge, die uns bei Probefahrten nicht aufgefallen sind und auch in div. Testvideos und -berichten nicht zur Sprache kamen. Vermutlich, weil die Testfahrer nicht die Zeit hatten, den Wagen intensiv zu testen und quasi nur einmal die AB oder den Rundkurs einmal rauf und runter bügeln durften.

Interessant ist dazu warscheinlich auch, was wir von dem RS erwartet haben:

 

  1. er sollte sportlich sein und Spaß machen
  2. es sollte mehr Gepäck reinpassen, als im Audi A4 B6 Avant oder mind. gleich viel
  3. er sollte solide sein. Ruhiger Innenraum, gute Haptik usw.

 

Ich fange jetzt mal mit dem Positiven an und das wäre nach o.g. Liste unter Punkt 2 zu finden:

Der Octavia ist innen sehr geräumig und nun genießen unsere Kinder eine für sie bis dahin nicht gekannte Beinfreiheit. Der Kofferrraum mit doppeltem Ladeboden, Taschenhaken, Taschenlampe, "Regenschirmwanne" usw. ist groß und IMHO ungemein praktisch. Die automatische Heckklappe findet bei uns allen großen Zuspruch und nach der Umprogrammierung, kann sie nun auch vom Schlüssel aus (und vom Schalter im Innenraum) geschlossen werden. Da geht das Rausschmeissen der Kinder vor der Schwimmhalle oder der Schule noch komfortabler und schneller ;).

Also vom Nutzwert her ist der Octavia großartig und das entspricht auch absolut dem Werbeversprechen und den bekannten Auto-Tests.

Das ist für uns aber eher neu, da wir eben bisher nur Lifestylekombis oder Cabrios gefahren sind. Schön (teuer) und klein.

Fazit hier als Schulnote: 1

 

Punkt 3 ist schon etwas diffiziler:

Die generelle Haptik kann mit preislich gleichwertigen oder etwas höherpreisigen Fahrzeugen absolut mithalten. Nur die S Line Varianten bei Audi bieten noch den weichen und sehr dunklen Kunststoff an, zumindest ist das meine Beobachtung bei div. Mitfahrten und einer AH Besichtigung.

Von daher würde ich da nicht mäkeln wollen.

Was uns(!) überhaupt nicht gefällt, sind die Sitze: diese bieten schmaleren Personen (ich z.B. knapp unter 1,8m bei 70kg) nur geringen Seitenhalt. Stabiler gebaute Fahrer dürften sich bis zur ersten Kurve etwas besser darin fühlen, dann aber auch über die Wangen herausrutschen. Die Sitze sehen gut aus, aber das war es auch schon.

Was mir bei der Probefahrt auch nicht aufgefallen war: der Octavia hat keinen Haubenlift und die Motorhaube ist nicht gedämmt. Ok, den nicht vorhandenen Haubenlift kann ich mir mit Gewichtsersparnis schönreden. Die nicht vorhandene Dämmung nervt, da es dadurch im Innenraum merklich lauter wird.

Zu den Auspuffblenden: gibt es eigentlich ein anderes Fahrzeug aktuell auf diesem Planeten, bei dem man so schön durch die quasi eckigen Blenden auf die runden Endrohre gucken kann?

Mann, mann, mann, hat den niemand aus der Skoda Entwicklungsabteilung sich auch nur einmal hinter das Fahrzeug gestellt?

Wenn man die Blenden ein paar Grad nach unten geneigt hätte, wäre das überhaupt kein Drama. So lächelt jeder über das Design und schmunzelt über die angelöteten Blenden. Bei MB kann man übrigens die ebenfalls runden Endrohre nicht mal eben so sehen. Da muss man schon auf die Knie gehen.

Warum hat der Octavia eigentlich kein Handschuhfachschloß? Ich habe das gerne genutzt, um z.B. meine Geldbörse dort versichert(!) zu verstauen.

Und: warum hat der RS LED Scheinwerfer, LED Kennzeichenbeleuchtung, LED Ambientebeleuchtung und GLÜHBIRNEN als Lese- und Innenraumbeleuchtung??? LED Innenraumbeleuchtung läßt sich auch nicht per Paket dazukaufen.

Gaspedal, Kupplungs- und Bremspedal kommen in Edelstahloptik. Die Fußstütze nicht. :confused:

Auch Vollleder wurde gestrichen und es gibt nur noch Alcantara. Bei unserer Bestellung wurde uns noch Vollleder versprochen "ist nur noch nicht im Konfigurator - gab es aber bis jetzt immer".

Was für Umsteiger von VW und Audi wiederum top ist: alles ist an dem Platz, an dem man es vermutet. Blinker, Tempomat etc. pp..

Ich bin mal einen Citroen Cactus gefahren und war kurz davor, mich aus Frust mit dem Ding um einen Baum zu wickeln. ;).

Also hier würde ich in Anbetracht des Preises sagen: Schulnote 2-

Ich verstehe da einfach die Kleinigkeiten nicht, die nur Ct's kosten, aber das Erscheinungsbild noch einmal deutlich abgerundet hätten.

 

Ihr ahnt es schon: wir kommen wir zu dem für uns ernüchternsten Punkt.

Punkt 3 die Sportlichkeit und der Spaßfaktor:

Die 230PS machen warscheinlich Spaß und er geht gut nach vorne. Warscheinlich, weil wir ihn ja noch nicht ausfahren dürfen. Aber bisher sieht das ganz gut aus ;).

Allerdings macht er das nur geradeaus wirklich gut.

Was uns nämlich gar nicht gefällt ist das (DCC) Fahrwerk:

Im Sportmodus ist es einfach nur hoppelig und im Innenraum klappert dann auch gerne mal etwas (Verkleidung o.ä.).

Beim Beschleunigen zerrt es auch enorm am Lenkrad.

Im Komfortmodus ist es deutlich weicher und angenehmer, aber eben weit entfernt von der Sportlichkeit, wegen derer wir uns für den RS entschieden haben.

Auch der einstellbaren Progressivlenkung können wir wenig abgewinnen. Sie läßt sich zwar in der Härte verstellen, aber die Rückmeldung ist dürftig und gefühlt zu leichtgängig.

Das könnte auch mit dem geringen Gewicht auf der Vorderachse einhergehen.

Aber mit den 230PS und 350NM scheinen das Fahrwerk und die Lenkung überfordert zu sein.

Auf jeden Fall gibt das 13 Jahre alte S Line Plus Fahrwerk am A4 deutlich mehr Rückmeldung und vermittelt ein viel direkteres Lenkgefühl als das RS Fahrwerk bzw. die RS Lenkeinheit.

Das S Line Plus Fahrwerk ist sehr straff abgestimmt, aber absolut nicht hoppelig. Allerdings sollte man hier auch nicht aus Glasflaschen trinken, es sei denn man hat schon einen Termin beim Zahnarzt ;).

Ich habe das heute mal in einer AB Auffahrt getestet, die ich sehr gut kenne und quasi jeden morgen fahre:

Bei der Kurveneinfahrt fühlt sich der Octavia hochbeinig an (trotz DCC im Sportmodus), beim Einlenken macht sich die sehr leichtgängige Lenkung unangenehm bemerkbar und er neigt sich merklich nach aussen; dann rutsche ich im Sitz nach rechts weg. Sekunden später rutscht dann auch der RS ab ca. 85km/h über die Vorderachse weg. Das war schon anstrengend.

Der A4 Avant mit S Line Plus Fahrwerk liegt dagegen wie ein Brett auf der Straße. Bei der Kurveneinfahrt gibt es schöne Rückmeldungen vom Lenkrad und der Wagen neigt sich sehr wenig zur Seite. Die Recaros halten einen schön fest und bei 90km/h merkt man, daß das Limit erreicht ist. Alles ohne Schweißperlen auf der Stirn :(. Da klappert übrigens auch nach 13 Jahren nichts.

Beide Fahrzeuge sind mit 18" Räderm unterwegs. Der RS mit 225'er Markenreifen und der Avant mit 235'er Nexen N8000.

Was uns wiederum sehr gut gefällt sind die Bremsen. Die packen kraftvoll zu und scheinen uns absolut ausreichend dimensioniert sein.

Was ich wieder nicht verstehe: wie konnte Skoda das Sounddesign abnicken? Das ist absolut gruselig und ich habe hier den Sound auf Komfort oder sogar Eco zurückgedreht.

Last but not least: der RS lässt überhaupt keine Emotionen aufkommen. Ich kann das schlecht erklären, da ich eigentlich ein Zahlenmensch bin, aber als wir den Avant neu hatten, habe ich mich auf jede Fahrt gefreut. Es ist aktuell tatsächlich so, daß es mir (und meiner Frau) egal ist, ob wir im alten A4 fahren oder im nagelneuen Octavia RS.

Im Octavia macht zwar das Infotainment aktuell mehr Spaß, aber das Fahrgefühl ist schlechter oder eher nicht vorhanden. Der Avant hat kein DAB, kein DCC, keine personalisierbaren Schlüssel, etc. pp., aber dafür liegt er souverän auf der Straße und macht sportlich gesehen, deutlich mehr Spaß, bzw. das Fahren an sich macht Spaß.

Trotz 40 PS weniger.

Als Fazit würde ich für Sportlichkeit und Fahrspaß tatsächlich nur eine 4 vergeben wollen.

 

Natürlich ist er günstig, aber er wird eben auch enorm mit Sportlichkeit beworben.

Ich würde dazu gerne mal mit Hans-Joachim Stuck sprechen, der mir mit seinem Markenbotschafter Videoclip auch richtig Lust auf den RS gemacht hat. Das kann er IMHO unmöglich alles ernst gemeint haben. Oder sein Fahrzeug war fahrwerksmäßig gepimpt.

 

Nicht schlagen, aber im Vergleich zum A4 Avant aus 2004 kann der Octavia nichts Entscheidendes besser, ausser der Zuladung:

- Der Octavia hat LED Scheinwerfer, der A4 Bi-Xenon mit neuen Brennern: kein Unterschied

- beide haben das jeweils größte Navi. Beim Octavia noch größer und bunter. Beide führen zum Ziel.

- die Recaro Sportsitze im Avant sind SPORTSITZE! ;) Im Octavia gibt es zuwenig Seitenhalt.

- der Octavia verbraucht nur knapp 1L weniger, trotz Start-Stop Automatik. Da hätte ich auch mehr erwartet, kann aber damit leben.

 

 

Würden wir ihn nochmal kaufen: als Zweitfahrzeug, für den Urlaub und Fahrten zum Baumarkt, ja.

Ist er seinen Preis wert: ja!

Es gibt in diesem Preissegment einfach keinen Gegner. Nicht umsonst ist jeder 5.te Octavia ein RS. Aber die eierlegende Wollmilchsau, speziell für Fans guter Haptik und Sportlichkeit, ist er definitv nicht.

Sportliche Autos mit Spaßfaktor und sehr guter Haptik/Verarbeitung kosten eben doch leider 20k € mehr :(.

 

 

Das Gesamtfazit für uns lautet daher:

Keine Emotionen, geringer Spaßfaktor und nur pseudo sportlich.

Dafür enorm praktisch, geradeaus schnell und bezahlbar.

 

 

Vielleicht macht SEAT den Leon Cupra von aussen noch hübscher. Dann könnte das in 3 Jahren ein neuer Kandidat werden.

 

 

beste Grüße,

 

Thilo

 

 

P.S. Das 4-Augen Gesicht habe ich bewusst nicht angesprochen, weil daß technisch gut umgesetzt wurde. Ob einem das Design persönlich gefällt, darf jeder selbst entscheiden.

Beim RS gefällt es uns; den normalen Octavia würde ich damit nicht kaufen wollen.

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16.08.2017 18:04    |    Parnucha

Super geschrieben. Daumen hoch.

 

Wir sind auch von einem S4 B6 Limo auf den Octavia VRS Kombi, jedoch als TDI, gewechselt.

 

Ich kann dich beruhigen. Du hast noch einen neuen Wagen. Da muss sich noch alles Einspielen.

 

Wir haben zwar nicht den FL und damit auch nicht das DCC. Mir war aber das Fahrwerk am Anfang auch zu hoppelig, zu wenig Rückmeldung. Das hat sich aber noch ca. 30.000km geändert. Es ist komfortabler geworden und arbeitet jetzt auch deutlich besser. Man bekommt jetzt bei schnellen Kurvenfahrten auch gute Rückmeldungen vom Heck.

 

Der Verbrauch war am Anfang auch ziemlich hoch für einen TDI. Das war ich anderes gewohnt. Der hat sich jetzt aber normalisiert. Nach 20.000km hat er angefangen 1l weniger auf 100km zu nehmen. Nach weiteren 30.000km nochmal um 0,5l weniger.


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Thilo T. Thilo T.

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