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Die Pure Unvernunft

Aus dem Alltag eines PS-Junkies

25.02.2019 16:57    |    knolfi    |    Kommentare (37)    |   Stichworte: 4, Land Rover, Range Rover

Liebe Bloggemeinde,

 

am vergangenen Samstag habe ich meinen Highness nun drei Monate im Alltagsgebrauch und aktuell knapp 5.800 km abgespult. Mal Zeit ein kleines Zwischenfazit über den "Über-Range" zu ziehen, wie sich der Brummer im Alltag so schlägt.

 

Ich versuche mal eine Einteilung in die Kategorien "Karosserie", "Verarbeitung", "Motor", "Fahrverhalten" und "Bedienung", damit das Ganz etwas strukturiert und übersichtlich wird.

 

1. Karosserie

 

Der große Range als SWB (short wheel base) entspricht in Radstand und Karosseriebreite dem Range Rover Sport, er ist "nur" 15 cm länger und 2,1 cm höher als der RRS. Die Länge sollte eigentlich dem Platzangebot im Fond und dem Kofferraum zu Gute kommen, wird nur leider von den voluminösen Businessclass-Rücksitzen komplett wieder aufgefressen. Der Kofferraum wirkt teilweise kleiner als der des RRS, weil das Kofferraumschott sehr flach steht, damit die "Lümmelfunktion" der Sitze im Fond nicht gefährdet wird. Leider hat die Beinfreiheit im Fond durch die voluminösen Rücksitze ebenfalls gelitten, so das die Großzügigkeit im Vergleich zu den einfacheren Ausstattungsvarianten HSE oder Vogue nicht aufkommt. Nicht falsch verstehen, Platz im Fond ist noch mehr als ausreichend vorhanden (speziell Beinfreiheit), aber so großzügig wie bei den Modellen mit manueller Rückbank geht es nicht zu.

Ich bin mal gespannt, wie sich der Kofferraum kommenden Freitag bei der Fahrt in den Winterurlaub schlägt. Unsere beiden großen Schalenkoffer müssten nach wie vor flach nebeneinander reinpassen, aber viel Tiefe wird danach nicht mehr bleiben.

 

Ansonsten macht der Range bzgl. der Abmessungen eigentlich keinerlei Probleme. Gut mancher Rangierbereich ist eben etwas kleiner geworden, aber dank Rückfahrkamera und Parkpiepser sind größere Rempler bisher vermieden worden. Nur einmal habe ich beim Rangiern ganz leicht im Dunklen eine schwarze Mülltonne touchiert, was aber ohne Schaden für His Highness und die Tonne verlaufen ist. :D

 

Der Rest der Karosse ist übersichtlich wie auch beim Sport. Die Rundumsicht ist dank der schmalen Dachsäulen nochmals besser als beim Sport und die beiden Motorhaubendome links und rechts außen helfen auch beim Manövrieren ohne Parkpiepser, die man im Übrigen beim Vorwärtsfahren manuell einschalten muss, wenn man diese Funktion im KI-Menü ausgewählt hat.

 

Etwas tricky ist die zweigeteilte Heckklappe. Denn öffnet man beide Hälften, so kommt man als normal gewachsener Mensch kaum noch an das Schott der Rückbank. Somit muss man immer ein wenig mit den Klappen hantieren (beide elektrisch getrennt oder synchron zusammen bedienbar), um das Gepäck sinnvoll im Kofferraum zu verstauen.

 

Der Lack ist optisch ein Traum, kommt aber bzgl. der Opitk m. E. noch nicht so sehr rüber, wie ich es mir erhofft habe. Zu 90% erscheint er schwarz, nur bei speziellen Lichtverhältnissen schimmert er blau. Das sieht dann aber wirklich toll aus. Leider ist der Sonderlack sehr weich und kratzemfindlich, weshalb ich ihn gleich einer professionellen Versiegelung habe unterziehen lassen.

 

2. Verarbeitung

 

Wie schon beim RRS top. Nichts klappert oder knarzt, keine großen oder schiefen Spaltmaße, sollte bei solch einem teuren Fahrzeug aber auch so sein. Lediglich die Dichtung der beiden Kofferraumklappen macht bei Querfugen bei den aktuellen Temperaturen leichte Geräusche, aber nur solange der Innenraum noch kühl ist.

Das verwendete Leder ist ebenfalls ein Traum. Endlich mal ein Leder das nach Leder riecht und nicht irgendwie künstlich. Es sieht auch nach Naturleder aus und hat nicht diesen plastikartigen Anblick. Von diesem Leder wurde ja auch reichlich verwendet. :D Überhaupt ist die Materialauswahl top, Plastik sieht man kaum und wenn ist es nur im Fußraum verbaut, wo man mit den Schuhen auch gegenkommt. Der Rest besteht aus Leder, Sichtcarbon (Dekorleisten), Alu und Glas.

 

Auch die Funktionalität ist zu jederzeit gegeben. Während meine ersten beiden Vorführ RR's immer mal wieder mit der Heckklappensynchronisation beim Schließen Probleme hatten (mal ging nur der obere Teil zu, mal reagierte nur der untere Teil), funktioniert dies bei meinem einwandfrei. Auch sonst habe ich keinerlei Ausfälle mehr.

 

Das Problem mit der Standheizung ist verschwunden, nun war ja mehr oder weniger ein Bedienfehler in Folge von Unwissenheit und fehlnder Informationen in der Bedienungsanleitung. Die SH habe ich aber seit dem auch nur einmal genutzt (Start per App) und sie hat ihren Job erledigt.

 

Allerdings fällt mir auf, dass die ganze Elektrik und Elektronik überproprotional viel Saft aus der Batterie zieht, weshalb ich bereits zweimal die Warnung erhielt, dass die Batterie schwach sei und ich den Motor starten soll. Gut ich fahr im Alltag viel Kurzstrecke und anscheinend bewahrheitet sich wieder das Gerücht, dass die modernen Lichtmaschinen erst ab einer gewissen Fahrstrecke hinzugeschaltet werden, um Sprit zu sparen und somit den Verbrauch herunter zu mogeln.

 

Jedenfalls mag es die Batterie gar nicht, wenn man die el. Rücksitze mehrfach umklappt oder die Türen öffnet und schließt, ohne dass der Motor läuft, weil dadurch immer alle Steuergeräte ausgeweckt werden, was Strom frisst. Und das, obwohl der Range zwei Batterien an Bord hat. Da hilft dann nur eine große Runde zu fahren, bis die Start-/Stopp-Funktion wieder reagiert. Dann hat die Batteie wieder ausreichend Ladung.

 

3. Motor

 

Nach den anfänglichen Problemen mit der Lambdasonde verhält sich der Motor sehr "zurückhaltend präsent". D. h. er ist da, wenn man ihn fordert, aber ansonsten hält er sich zurück...auch akustisch. Der Durchzug ist allerdings für eine solche schwere Fuhre phänomenal und man kann so ziemlich mit allen auf der AB mithalten (außer es kommen die Überlimos vom Schlage eines aktuellen M5, E63s, usw oder eben Sportwagen wie Elfer, und die Exoten aus Italien und England). Meist bewegt man sich aber im etwas geringeren Geschwindigkeitsbereichen als die genannten Exemplare, da der Range nicht zum Rasen verführt... es ist einfach zu anstrengend.

 

Ach ja noch eine Annekdote: im Fahrzeugschein ist eine Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h eingetragen...obwohl der SV laut Prospekt bei 250 km/h abgeregelt sein soll. Ausprobieren konnte ich es wegen der Winterreifen noch nicht. :D

 

4. Fahrverhalten

 

Der Komfort ist beim RR noch eine Spur besser als beim RRS, auch wenn er nicht so sänftenaritg wie bei seinen schwächeren Brüdern daher kommt. Dank der 22" und dem etwas straffer abgestimmten Fahrwerk, was im Übrigen 9mm tiefer als bei den "normalen" RR's liegt, lässt er sich deutlich agiler als die zivilen Brüder bewegen, was aber auch zu Lasten des Komforts geht. Dafür wankt er nicht so stark wie eine Ostseefähre im Sturm und er läßt sich auch relativ agil durch die Kassler Berge zwirbeln, wenn man den Dynamic Modus in Verbindung mit den optionalen aktiven Hinterachsdifferential auswählt.

Fugen und vor allem Bodenwellen dämpft er einfach weg. Ist auf der AB immer schön zu sehen, wenn beim Vordermann fast die Dämpfer durchschlagen und man selbst schon die Pobacken zusammenzieht, passiert einfach...nichts. :D

 

5. Bedienung

 

Die Bedienung ist und bleibt eigentlich die größte Schwäche von LR. Das Infotainment Touch Duo ist beim Hochfahren lahm und die Bedien-Icons sind sehr klein. Der voreingestellte Home-Screen des unteren Monitors wechselt fröhlich von selbst und das Starten des Navis dauert ewig. Teiweise (speziell nach dem Tanken) dauert es 30 sec bis das System hochfährt. Wenn es aber mal da ist, funktioniert alles wie es soll. Die berühmt berüchtigten Ausfälle hatte ich bisher nicht, nur die Kommunikation zwischen dem iPhone und dem System via Kabel klappt nicht immer, was aber am iPhone liegt, welches erst entsperrt werden muss.

 

Die Zieleingabe beim Navi ist zwar dank einfacher Sucheingabe einfach, aber das Starten der Navigation dauert wieder ewig. Das können ander Hersteller besser. Auch das kostenlose Kartenupdate ist sehr umständlich. Man muss das Update (rd. 30 GB) erst vom PC auf einen Stick ziehen und dann vom Stick aufs Navi spielen. Andere Hersteller machen das mittlerweile online. Hier soll aber noch ein SW-Update Besserung liefern.

 

Ebenfalls nervig sind die Tasten für das Umklappen der Rücksitze. Da diese nicht leicht versenkt sind, kommt man beim Be- oder Entladen gerne mal aus Versehen dagegen und die Sitze vollführen Ihr Kunststückchen. Blöd nur wenn noch was auf der Rückbank liegt, was nicht gequetscht werden sollte, das ist dann Mus und außerdem frisst diese Funktion jede Menge Batteriekapazität. Hier wünsche ich mir meine alte manuelle Rückbank zurück. Nicht alles, was elektrisch ist, ist auch automatisch gut.

 

Der Rest der Bedienung kenne ich aus meinem RRS und ist für mich kein Neuland...auch wenn nicht alles immer ganz logisch aufgebaut ist.

 

 

Fazit nach drei Monaten:

 

Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Range Rover zufrieden. Er macht Spaß und ist ein angenehmer Alltagsbegleiter. Er setzt allerdings nicht solche Emotionen frei, wie mein alter RRS, der deutlich sportlicher war. Dennoch mag ich es, meinen Range zu betrachten und er macht mir mittlerweile Freude.

 

Ob ich Ihn nochmals bestellen würde?

 

Wahrscheinlich so nicht (mehr). Die el. Rückbank nervt mich und ich würde wohl eher eine Nummer kleiner nehmen (Range Rover SCV8 ATB) und die normale Rückbank bestellen, was beim ATB geht.

 

Aber wäre ich aktuell in der Situation, einen Ersatz für den Range Rover zu benötigen, würde ich vermutlich gar nicht mehr zu LR greifen. Das liegt aber nicht am Fahrzeug, sondern vielmehr daran, dass mein Händler seine Filiale in der Nähe geschlossen hat und ich mind. eine Stunde Fahrzeit zur nächstgelegenen Filiale bzw. 60 km auf mein Fahrzeug draufjuckeln müsste, um zum Händler zu kommen. Daher hoffe ich immer, dass der Range nicht außerplamäßig in die Werkstatt muss, da dies immer ein Akt ist.

 

Akutell würde ich wohl eher zu einem Modell von der Konkurrenz greifen...ohne el. Rückbank. :D

 

So long

 

euer knolfi

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