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Die Pure Unvernunft

Aus dem Alltag eines PS-Junkies

02.06.2020 14:29    |    knolfi    |    Kommentare (45)

Taycan
Taycan

Liebe Bloggemeinde,

 

da wir uns in den rechten Vorderreifen unseres Elfers eine Schraube reingefahren haben, braucht selbiger einen neuen Schlappen und ist daher heute Gast beim heimischen PZ.

 

Als Ersatz gab's auf meinem Wunsch hin einen Taycan 4S, da ich mal einen reines EV ausprobieren wollte...auch um zu sehen, ob dies ggf. später eine Alternative für den Elfer wäre. Denn dieser bekommt bei uns als reines Zweitfahrzeug fast nur Kurzstrecken und diese sind bekanntlich ja Gift für den Motor.

 

Nach einer kurzen Einweisung durch den Verkäufer gings dann wieder 35 km zurück zum Büro. Der Taycan war voll geladen, die Reichweite zeigte 437 km an. Von der Bedienung her gibt der Taycan keine Rätsel auf. Wer einen aktuellen Porsche fährt, kommt sofort mit der Bedienung zurecht. Lediglich der "Richtungswahlhebel" sitzt nicht in der Mittelkonsole, sondern rechts neben dem Lenkrad im Armaturenträger. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: der Taycan hat keine Feststellbremse mehr, die man manuell anziehen oder lösen muss.

 

Der Instrumententräger ist ja mittlerweile nur noch ein Screen, den man individuell konfigurieren kann. Dazu dienen die Walzen am MFL. Positiv fand ich, dass die Lautstärkeregelung für das Infotainment nun wieder als Walze in der linken Lenkradspeiche ausgeführt ist...bei meinem Cayenne gibt es dafür noch zwei separate Tasten.

 

An den Seiten der Instrumententrägers befinden sich noch Shortcut-Touch-Tasten für z. B. das Luftfahrwerk; dieses lässt sich aber auch im Zentral-Bildschirm über dem Mitteltunnel bedienen, wo es hinsichtlich der Erreichbarkeit einfacher während der Fahrt zu bedienen ist.

 

Das PCM im Taycan unterscheidet sich von den anderen Systemen aus Panamera II/MacanFL/Cayenne III/992, dass es geteilt ist: ein Monitor oben für Apps, Car und Home und ein großes Touchfeld zur Bedienung der Klimaeinstellungen unten in der Mittelkonsole. Dort finden sich auch die Shortcut-Tasten für die einzlenen Hauptmenüs wieder.

 

Der Vorführer war auch mit dem zweiten optionalen Beifahrermonitor ausgestattet, den ich aber nicht ausprobiert habe.

 

Die Fahragilität des Taycan ist wirklich phänomenal: das ist keine lahme Elektrokiste, die auf Effizienz getrimmt ist, sondern ein echter Sportwagen, der in Agailität und Direktheit einem Porsche gerecht wird. Die Fahrleistungen des 4S liegen auf dem Niveau meines 991 C4S, allerdings merkt man bei schnell gefahrenen Kurven doch das Gewicht, was der Taycan mit sich rumschleppt.

 

Längydynamisch ist der Taycan allerdings der Hammer: SportChrono-Modeschalter auf Sport Plus gedreht, linker Fuß auf die Bremse rechter Fuß auf "Gas", Launch Contorol ist aktiv, Bremse schnalzen lassen und der Taycan geht ab wie eine Rakete. Dem Beifahrer haut's den Kopf an die Kopfstütze, trotz das er gewarnt wurde. :D Und das ist schon beim schwächsten Taycan beeindruckend...ich möchte gar nicht wissen, welche Gewalten da beim Turbo oder Turbo S herrschen. :D

 

Das Ganze lässt sich beliebig oft wiederholen, aber ist ja eigentlich nicht Ziel der Fortbewegung. Meist rollt man im "Normalmodus" im Verkehr mit, dort frisst der E-Motor ungefähr doppelt so viel Reichweite, wie man tatsächlich als Strecke zurücklegt. Will sagen: auf 35 km Strecke habe ich für ca. 70 km Energie verbraucht. Man kommt also im Alltag rund 200 -250 km weit, wenn man den Taycan normal nutzt und auch mal zügig beschleunigt.

 

Noch ein Wort zur Karosse: der Taycan wirkt vom Design her ebenfalls porschig, auch wenn man ihn ein eigenständigen Look geben wollte. Dieser ist aber nicht jedermanns Sache: er ist sicherlich nicht hässlich und so verschwobbbelt designed wie eine asiatisches EV, aber eine richtige Schönheit ist er in meinen Augen auch nicht. Die Seitenlinie und das Panamera/992-Heck gefallen mir, die Front mit den schmalen und steil stehenden LED-SW eher nicht. Da gefällt mir der e-tron GT, der Ende des Jahres kommt und der auf dem Taycan basiert, besser. Ist aber Geschmacksache. Bei meiner Frau ist der Taycan optisch durchgefallen: sie findet ihn hässlich. :D

 

Etwas verwundert war ich bezüglich der Platzverhältnisse. Der Taycan ist ja ein stattliches Auto mit 4,90 m Länge und passt so gerade in unsere Garage, wo hinten noch das Fahrrad meiner Frau steht. Und ordentlich breit ist er ebenfalls. Dafür bietet er innen bescheidene Platzverhältnisse. Weniger vorne sondern vielmehr im Fond. Gerade der Fußraum lässt dort zu wünschen übrig, wenn ich vorne Platz nehme. Und ich bin mit meinen 1,85m nun kein Riese. Der Kofferraum ist ob so eines großen Autos ebenfalls mickrig: er hat gerade mal Kompaktklasse-Niveau. Stellt man dem Taycan hinsichtlich der Außmaße den aktuellen Cayenne gegenüber, so ist dieser bei fast identischen Abmessungen bzgl. Länge und Breite ja innen Kathedralenartig: ordentlich Beinfreihiet hinten und ein rieseiger Kofferraum. Also als Familienkutsche für Urlaubsfahrten mit Kind und Kegel taugt der Taycan nicht. Aber dafür würden wir ihn auch nicht einsetzen.

 

Mein Fazit: Porsche hat Elektromobilität mit dem Taycan richtig emotional umgesetzt. Der Taycan besticht durch tolles Handling und Agilität, sehr gute und solide Verarbeitung und einfache Bedienung. Dem gegenüber steht eine sehr großes Auto, was innen wenig Nutzwert bietet und ein Design, was sicherlich auffällt, mich aber nicht anspricht. Ich warte jetzt erstmal auf den e-tron GT.

 

So long

 

euer knolfi

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07.06.2020 20:44    |    jennss

Ich frage mich auch, was Launch Control beim E-Auto bedeutet. Soll es aber geben.

j.


08.06.2020 08:30    |    knolfi

Launch Control ist hier die Möglichkeit, das "Gaspedal" in der schräften Motoreinstellung (Sport plus) bei gedrückter Bremse voll durchzutreten, damit damit Verzögerungen beim Durchtreten des Pedals vermieden werden.

 

Heißt wirklich Launch Control, da alle Paramter des Antriebes geschärft werden.


08.06.2020 10:35    |    jennss

Ja, das ist eigentlich eine normale (Super-)Sporteinstellung. Beim Verbrenner kommt noch der hochdrehende Motor vorm Einkuppeln dazu, was besonderes materialmordend ist.

j.


08.06.2020 16:16    |    DaimlerDriver

Das stimmt fast. Es ist natürlich ein (sehr kleiner) Unterschied, ob man das Gaspedal schon voll durchgetreten hat oder nicht.

 

Bei einem Elektroauto macht das allerdings viel weniger Sinn, als bei einem Verbrenner. Auch ohne Launch Control kommt an der Ampel keiner mit.


10.06.2020 08:50    |    emv_tester

Habe schon im E-Tron GT gesessen. Ist halt auch nur ein Taycan. Audi hat dem Etron halt ein eigenes Gesicht und einen ordentlichen Wählhebel verpasst, sonst die gleiche Basis. Fahren konnte ich noch nicht, weil er noch keine Straßenfreigabe hatte. Wird aber nicht anders als der Taycan sein.


21.09.2020 07:35    |    MightyBo

Zitat:

@knolfi schrieb am 8. Juni 2020 um 08:30:19 Uhr:

Launch Control ist hier die Möglichkeit, das "Gaspedal" in der schräften Motoreinstellung (Sport plus) bei gedrückter Bremse voll durchzutreten, damit damit Verzögerungen beim Durchtreten des Pedals vermieden werden.

 

Heißt wirklich Launch Control, da alle Paramter des Antriebes geschärft werden.

Das ist beim E-Auto anders als beim Verbrenner. Die Stellungs des Gaspedals gibt wieder, welches Drehmoment der Elektromotor abgibt. Sobald das Gaspedal voll durchgedrückt wird, gibt die E-Maschine ihr volles Drehmoment direkt ab. Da sind keine 20ms Verzögerung zwischen drücken und das das Drehmoment am Rad anliegt. Da das Pedal voll durchgedrückt ist, macht auch keine scharfe Kennlinie Sinn, da eh 100%. Ich kenne den Taycan nicht, wahrscheinlich ist das ein SW Marketing Feature, was entweder für den Start noch mehr Drehmoment freischaltet, oder das ESP schärfer eingestestellt ist. Wenn man das schon weit vorher einschalten muss, könnte die Batterie auch entsprechend vortemperiert werden, damit der Launsch auch im Winter klappt :-)

 

Noch was, bei Elektroautos gibt es keinen Kompromiss zwischen Effizienz und Fahrspass. Das ist ja das schöne dabei! Die Effizienz kommt alleine aus einem geringen Luftwiderstand, Rollwiderstand und der Effizienz des Antriebsstranges inklusive Batteriespeicher. Diese Effizienz wird so gut wie nicht durch eine hohe Leistung beschnitten.

Genauso spielt das Gewicht für den Verbrauch/Effizienz eine lange nicht so bedeutende Rolle wie beim Verbrenner. Die durch die Beschleunigung aufgebaute kinetische Energie, für die ja Energie aufgewendet werden musste, wird beim Abbremsen, dank Rekuperation zu 85% wieder zurückgewonnen und in den Akku transferiert. Nur auf der Rennstrecke, reicht die Rekuperationsleistung nicht aus und dann muss zusätzlich die Bremse betätigt werden.

 

Danke für den schönen Bericht!


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