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Test: Škoda Citigo - Mit dem Škoda Citigo zum Einkaufen

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Ist der Škoda Citigo ein ernstzunehmendes Auto oder eher ein Einkaufswagen mit Rasenmähermotor? MOTOR-TALK Redakteur Björn Tolksdorf fährt Einkaufen.

Kleine Autos gehören in die Stadt. Aber neulich, um 17:45 Uhr an der Berliner Oberbaumbrücke, fragte ich mich, ob noch irgendein Auto hierhergehört. Noch dazu mit mir drin, wenn sich die Berliner Blechmassen mal wieder weder vorwärts noch rückwärts bewegen. Aber es hilft nichts: Die Vorräte an Cola, Wasser, Milch, Brot, Käse, Kartoffeln müssen aufgefüllt werden. Genau das richtige für einen rollenden Einkaufswagen wie den Škoda Citigo.

Kurz und viereckig Kurz und viereckig

Blech & Form

Der Škoda Citigo ist der Zwilling des VW Up, und als solcher vor allem klein. Das stört nicht weiter, denn in Berlin ist Parkraum knapp; deshalb gibt es von mir kein böses Wort über die kurze Nase und die schroffe Kante am Heck. Positiv auch: Die schmalen Fünftürer-Türen, die kriegt man selbst in engen Querparklücken gut auf.

Koffer & Raum

Was außen klein ist, kann innen nicht groß sein; Entsprechend gering die Erwartungen an Rücksitze und Kofferraum. Der ist gar nicht so klein, dafür aber tief. Anders gesagt: Die Ladekante ist hoch. Egal, denn noch bin ich körperlich fähig, eine Getränkekiste anzuheben. Und freue mich, dass der Einkauf komplett im Citigo-Kofferraum verschwindet.

Bonjour, Tristesse Bonjour, Tristesse Was dagegen stört ist das Citigo-Gefühl. Ein so tristes Armaturenbrett habe ich lange nicht gesehen. VW gönnt seinem Up übrigens gegen Aufpreis ein paar bunte Blenden, ansonsten sind die Bauteile identisch: VAG-Interieur in ganz preiswert.

Das Gefühl, dass hier an allem gespart wurde, gipfelt in der Hutablage. Da verzichtet der Citigo auf die Gummiband-Verbindung zur Heckklappe. Ergebnis: Einkäufe verladen, Hutablage (wie gewohnt) nicht beachten, einsteigen – und nach hinten nichts sehen.

Fahr & Spaß

 

Also fluchen, noch mal aussteigen, Ablage herunterklappen, dann kann ich endlich den Supermarktparkplatz verlassen. Ein Finger ans Lenkrad, einen Finger an den Schalthebel – der Škoda ist in seinem Element, macht es mir ganz leicht. Fahrspaß in der Stadt ist heute ein Auto, das möglichst wenig nervt. Mit diesem hier lässt es sich derart mühelos um die Ecken wieseln, dass ich die Hutablage fast vergesse. Fast, denn jetzt bin ich sensibel: Der Schalthebel fühlt sich nicht so stabil an. Der wird doch nicht abbrechen? Natürlich nicht. Er beschränkt sich auf butterweiches Schalten.

Das Fahrwerk macht einen guten Eindruck, und das will was heißen bei den Berliner Schlaglöchern. Straff, aber konsequent werden die gröbsten Unebenheiten weggefedert. Und auch Spurrillen irritieren den Citigo nicht im Geringsten.

Kraft & Quelle

Der Motor im Up/Mii/Citigo wird oft kritisiert. Warum eigentlich? Ja, er klingt wie ein Dreizylinder, er ist schließlich auch einer. Wenn Du abends nach dem Einkaufen einfach nur noch nach Hause willst, interessiert Dich dann, wie Dein Dreizylinder klingt? Mich interessiert, dass ich zügig von der Ampel wegkomme, denn von denen habe ich noch jede Menge vor mir. Im Stadtverkehr gibt es an dem Motor nichts auszusetzen. Auch der Verbrauch ist absolut ok für ständiges Stop and Go: Rund sechs Liter pro 100 km haben wir ermittelt.

Der Citigo findet immer einen Parkplatz Der Citigo findet immer einen Parkplatz

Ende & Urteil

Zwei Seelen wohnen in der Brust des kleinen Skoda: Auf der einen Seite ist der Škoda Citigo eine kompromisslose Spardose: Man bekommt schonungslos vorgehalten, wo man steht, nämlich ganz unten in der VAG-Hierarchie. Dem gegenüber stehen überzeugende Fahreigenschaften und eine gut nutz- und parkbare Kleinstkarosse.

Allerdings: Beim freundlichen Škoda-Händler steht neben dem Citigo der Fabia, der oft nur gut 1.000 Euro mehr kostet. Das dürfte die härteste Konkurrenz für Škodas neuen Kleinstwagen sein. Ja, man kann den Citigo ganz pragmatisch fahren und über seine Charme-Schwächen hinwegsehen. Man kann aber auch fragen, ob er nicht das beste Argument für den Fabia ist.

Modell: Škoda Citigo Fünftürer, 1.0 MPI Elegance

Motor: 1,0 Liter-Dreizylinder Benziner

Getriebe: Fünfgang-Handschaltung

Leistung: 60 PS

Verbrauch: 5,8 bis 6,1 Liter Liter/100 km (NEFZ: 4,5 Liter/100 km).

CO2: 105 g/km

Reichweite: Ca. 580 km

0 – 100 km/h: 14,4 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h

Länge x Breite x Höhe: 3,56 m x 1,64 m x 1,48 m

Leergewicht: 929 kg incl. Fahrer

Kofferraum: 251 – 959 Liter

Basispreis: 8.890 Euro; Testwagenpreis: 13.585 Euro

Garantie: 2 Jahre

Werkstattintervalle: Jährlich/alle 15.000 km

 

 

Quelle: MOTOR-TALK

Avatar von Björn Tolksdorf Björn Tolksdorf (bjoernmg)
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