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Ram 1500 Laramie Crew Cab: Pick-up im Test, technische Daten - O Laderaum, o Laderaum

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Ein sanfter Riese, bärenstark und allergisch gegen kleine Parkplätze: Der Ram 1500 ist ein echter Ami, den es eigentlich nicht in Deutschland gibt. Der Pick-up im Test.

Auf der Suche nach der richtigen Beschäftigung für einen Full-Size Pick-up: Mit dem Ram 1500 beim Weihnachtsbaum-Bauern Auf der Suche nach der richtigen Beschäftigung für einen Full-Size Pick-up: Mit dem Ram 1500 beim Weihnachtsbaum-Bauern Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch

Berlin – Der Ram fällt auf. Natürlich, er ist groß und laut. Parkplätze überragt er fast immer, die in Berlin-Friedrichshain sogar um einen Meter. Große SUVs wirken neben ihm mickrig. Aber darum geht es der Dame gar nicht, die uns wütend auf unseren Pick-up anspricht. Sie sei Ärztin, mache sich Sorgen um ihre Gesundheit. Sie befürchtet einen – Gott bewahre! – Diesel unter der riesigen Haube. Die sind ja schädlich.

Wir können die Dame beruhigen: Stickoxide und Feinstaub sind kein Problem dieses Fahrzeugs. Unter seiner Haube rackert ein Benziner, ein ganz sauberer. Glück gehabt! Aber trotzdem: Ob man sowas Großes braucht? Nun ja: Wenn man schwere Dinge ziehen will, dann schon. Anhänger mit mehreren Pferden zum Beispiel. Anhängelast, Sie verstehen? Nein? Dann eben nicht.

War ja auch geflunkert. Die Anhängerkupplung des Ram haben wir nicht benutzt. Wir hätten gern, aber es musste gerade niemand (samt Haus) umziehen. Was man sonst so tun kann? Männerkram: Haus bauen. Baum pflanzen. Der Platz reicht auf jeden Fall.

"Ich bin der König der Welt" - nein, so sind wir nicht gefahren. Wollten wir aber "Ich bin der König der Welt" - nein, so sind wir nicht gefahren. Wollten wir aber Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch Baumfällen passt gerade in die Jahreszeit. Ab zum Christbaum-Dealer! Wir finden einen außerhalb von Berlin. Großartig, denn in der Stadt wird es uns zu eng. Außerdem wollen wir schnell weg. Bevor die Dame merkt, dass mit „5,7 L“ nicht der Verbrauch gemeint ist. Dann könnte ihr einfallen, dass CO2 auch doof ist.

Das Navi führt uns nach Werneuchen, östlich von Berlin, zu Bauer Nietsch. Der hat ein Feld voller Tannen und einen großen Parkplatz. Wie wichtig dieser Punkt ist, haben wir ja bereits angedeutet.

Abmessungen | Platzangebot | Karosserie

Pick-ups, wie sie in Deutschland üblich sind, ordnet man in den USA der Mittelklasse zu. Der Ram gehört zum Segment der Full Size Pick-ups. Ford führt da seit Jahrzehnten. Auf unserer Seite des Teiches mag man den Ram lieber. Der ist übrigens kein Dodge mehr, Ram ist jetzt eine eigene Marke. Ram 1500 heißt er also.

LED-Licht am Ram. Weihnachtsbaum noch unbeleuchtet (und hier nicht im Bild) LED-Licht am Ram. Weihnachtsbaum noch unbeleuchtet (und hier nicht im Bild) Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch Full Size bedeutet: fast sechs Meter lang, mit Spiegeln zweifuffzig breit, mannshoch. Gemessen an einem großen Mann. An die linke Spur in der Autobahnbaustelle sollte man nicht einmal denken. Parkhäuser gehen nur mit Geschick und Geduld. Wer etwas Größeres will, bekommt bei Ram natürlich mehr. Uns hat schon das Crew-Cab ganz schön beschäftigt.

Dafür hat man Platz. Die Mittelkonsole wirkt, als passe zur Not eine Babyschale samt Kind hinein. Kameras, Wasserflaschen oder Laptops verschwinden in ihr. Hinten hat man mehr Beinfreiheit als in der Luxusklasse. Und unsere 2,50-Meter-Tanne liegt kaum geknickt diagonal auf der Ladefläche. Massive Ösen sichern die Ladung. Abdeckungen, Aufbauten oder Organisationssysteme gibt es optional.

Im Innenraum gibt es serienmäßig mehr Ablagen, als man braucht. Allein in Reihe eins zählen wir sechs Getränkehalter und zwei Handschuhfächer, vier USB-Anschlüsse und zwei Handy-Halter, einer davon mit induktiver Ladefunktion. Im Fond verstecken sich im Boden herausnehmbare Staufächer. Die Rückbank lässt sich geteilt in eine bequeme Lümmel-Position stellen.

Was der Ram 1500 transportieren und anhängen darf, hängt von Motor uns Karosserieaufbau ab. Das 2019er-Modell zieht in den USA bis zu 5.760 Kilogramm und lädt eine gute Tonne ein. In unserem Fall bleiben immerhin 3,5 Tonnen Anhängelast und 1.095 Kilogramm Zuladung. Diese Zahlen gelten im deutschen Straßenverkehr. Auf dem eigenen Bauernhof geht mehr.

Innenraum | Verarbeitung | Materialien

In Brandenburg wirkt der Ram gar nicht mehr so groß. Berlin passt ihm aber nicht richtig In Brandenburg wirkt der Ram gar nicht mehr so groß. Berlin passt ihm aber nicht richtig Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch Der Ram ist ein Arbeitstier. Wohnlich ist er durch durch seine Größe, weniger durch die Haptik. Wirklich angenehm fühlt er sich innen nur dort an, wo es unbedingt nötig ist. Die obere Hälfte des Armaturenbrettes ist bei besseren Ausstattungen immerhin schön anzusehen. Und es lässt sich fast alles mit dicken Arbeitshandschuhen bedienen. Die Schalter sind groß und robust, außerdem übersichtlich sortiert.

Wichtige Funktionen bekommen eigene Tasten. Vom Fahrersitz aus lassen sich zum Beispiel die Bremsbalance des Anhängers einstellen, Antriebsart und Untersetzung auswählen und das Luftfahrwerk verstellen. Touch nutzt der Ram im Prinzip nur fürs Navi. Dafür muss man die Handschuhe ausziehen.

Materialien und Qualität wie in einem großen SUV sollte man im Ram nicht erwarten. Die gibt es allerdings generell nicht in Pick-ups. Harte Kunststoffe sind üblich und gewünscht, denn sie sind haltbar und leicht zu reinigen. Deshalb verzeihen wir unserem Riesen gern das eine oder andere Knarzen. Deutliches Scheppern im Bass-Takt nervte auf Dauer trotzdem.

Infotainment | Radio | Konnektivität

Serienmäßig steckt ein Touchdisplay mit 8,4 Zoll Diagonale in der Mittelkonsole. Ein Soundsystem von Alpine sowie die Smartphone-Standards Apple CarPlay und Android Auto sind ebenfalls an Bord. Schönes Detail: Die Bedienleiste für alle Fahrzeugsysteme bleibt erhalten, wenn das Display den Inhalt des Handys spiegelt.

Den Sound müsst Ihr Euch vorstellen: Hemi-V8, Klappenanlage, Last. Hach! Den Sound müsst Ihr Euch vorstellen: Hemi-V8, Klappenanlage, Last. Hach! Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch Auch hier gilt: Wer mehr will, der bekommt mehr. Zum Beispiel einen Touchscreen mit zwölf Zoll Diagonale, hochkant ins Armaturenbrett eingelassen. Das sieht Tesla-mäßig aus. An beide Systeme schließt Ram optional ein Harman-Kardon-Soundsystem mit 19 Lautsprechern und 900 Watt Leistung an.

Eigentlich wird der Ram in Europa nicht angeboten. Ab Werk sind also nur Karten für Nordamerika auf dem Navi installiert. FCA-Hauptimporteur AEC spielt europäisches Material auf und stellt Sprache und Einheiten um. Ein paar Details erinnern an die USA, zum Beispiel die Uhr im Zwölf-Stunden-Modus.

Das Kombiinstrument besteht aus Rundinstrumenten und einem Sieben-Zoll-Display mit Bordcomputer. Der zeigt an, wie lange der Motor bereits lief, wie lange der Ram bisher ziehen musste und was sonst im Motorraum los ist. Vier Instrumentenfelder lassen sich frei konfigurieren, zum Beispiel mit Temperaturanzeigen für Getriebe- oder Motoröl.

Assistenzsysteme | Sicherheit

Echte Cowboys fahren selbst. In der Steppe ist aber weniger los als in der Stadt – gut, dass der Ram hilft. Vor allem Parksensoren und Rückfahrkamera sind unverzichtbare Extras. Wo der Pick-up vorn aufhört, lässt sich durch die hohe Haube kaum abschätzen. Hinten hilft das überraschend gute Videobild beim Rangieren in die Parklücken oder beim Ankoppeln des Trailers. Ohne wäre es kompliziert geworden. Gegen Aufpreis bietet Ram eine 360-Grad-Kamera an.

Bremsscheibe mit 38 Zentimetern Durchmesser hinter einer 20-Zoll-Felge. Dürfte gern mehr sein, die Bremswege leiden unter dem Gewicht Bremsscheibe mit 38 Zentimetern Durchmesser hinter einer 20-Zoll-Felge. Dürfte gern mehr sein, die Bremswege leiden unter dem Gewicht Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch Ebenfalls wichtig: Trotz riesiger Ohren und Weitwinkel-Spiegel verschwinden mittelgroße Autos im toten Winkel des Ram. Optische und akustische Warnsignale haben den einen oder anderen Blechkontakt verhindert. Verkehrszeichenerkennung und Tempomat sind auf langen Etappen hilfreich. Optional hält der Riese automatisch Abstand zum Vordermann. Unser Testwagen hielt nur die Geschwindigkeit.

Im Alltag hat sich außerdem die Absenkfunktion des Luftfahrwerks bewährt. Bei einer Höhe von rund zwei Metern wird es an Durchfahrten manchmal eng. Die tiefste (und höchste) Stufe hält der Ram bei langsamer Fahrt. Das reicht für die meisten Gelegenheiten. Trotz allem haben wir wirklich enge Abstellmöglichkeiten gemieden wie der Marlboro-Mann französische Zigaretten.

Antrieb | Motor | Getriebe

Der Ram ist ein echter Ami. Dazu gehört ein echter Ami-Motor: In unserem Testwagen blubbert ein 5,7-Liter-Hemi-V8 mit rund 400 PS. Zwei Ventile pro Zylinder, Saugrohreinspritzung und eine Auslegung ohne Turbo oder Kompressor gehören zur alten Schule. Ein bisschen Moderne kommt durch eine Zylinderabschaltung ins Aggregat.

Optional bietet Ram ein Mildhybrid-System („E-Torque“) an, das den Verbrenner mit 176 Newtonmeter Drehmoment unterstützt und eine Start-Stopp-Funktion ins Auto bringt. Die Technik ist in schwächerer Form für den 3,6-Liter-Basisbenziner (gut 300 PS) verfügbar. Wir fuhren ohne Elektrohilfe, dafür mit einer Klappenauspuffanlage des Importeurs. Yee-haw!

Kann sich benehmen wie die Axt im Wald. Ist hier aber ganz friedlich Kann sich benehmen wie die Axt im Wald. Ist hier aber ganz friedlich Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch Der V8 soll dem Ram vor allem nützlich machen. Ganz nebenbei wird der 2,4-Tonner erstaunlich flott: Er sprintet in ungefähr 7 Sekunden auf Tempo 100. Bei 170 km/h regelt die Elektronik die Geschwindigkeit ab. Ab 160 wird der Wind laut, sonst fühlt sich der Ram sehr nach Pkw an. Er liegt ruhig auf dem Asphalt und kommt toll mit hohem Tempo klar. Der Motor bietet früh viel Moment und einen breiten nutzbaren Drehzahlbereich.

Natürlich ist der Verbrauch ein Thema. Gigantische Stirnfläche, Oldschool-V8 – da geht ordentlich Sprit durch. Auf der Landstraße waren es in unserem Test etwa 12, beim Pendeln 15, in der Stadt mehr als 20 Liter pro 100 Kilometer – jeweils ohne große Zuladung. Nach oben bleibt Luft. Besonders dann, wenn man gern dem fantastischen V8-Sound lauscht. Insgesamt verbraucht der Ram aber weniger, als wir befürchtet hatten.

Damit es nicht zu teuer wird, bietet AEC eine LPG-Gasanlage von Prins an (VSI-2.0). Die kostet mit einem 122-Liter-Unterbodentank knapp 4.000 Euro. Optional kommen 200 Liter auf der Ladefläche dazu. Erfahrungsgemäß steigt mit LPG der Verbrauch um 10 bis 20 Prozent an, dafür kostet der Kraftstoff weniger als die Hälfte. Am Sound ändert sich nichts.

Ram koppelt die Motoren serienmäßig an eine Achtgang-Automatik (beim V8-Hemi: 8HP75 von ZF). Sie schaltet gemütlich und weich, wenn es sein muss, überspringt sie ein paar Gänge. Die Kraft gelangt an die Hinterräder oder an alle Räder. Im Allradmodus lässt sich eine Untersetzung zuschalten. Den besten Modus wählt der Fahrer oder die Software aus.

Fahrverhalten | Fahrwerk | Lenkung

Arbeitsraum: Riesig. Fahrer und Beifahrer haben Probleme, Ellenbogenkontakt herzustellen Arbeitsraum: Riesig. Fahrer und Beifahrer haben Probleme, Ellenbogenkontakt herzustellen Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch Ohne Ladung und mit nasser Fahrbahn kann der Ram ganz schön giftig werden. Sogar beim Beschleunigen auf der Autobahn merkten wir, dass die Hinterachse nicht nur geradeaus will. Das ESP lässt sich nicht abschalten, die Traktionskontrolle schon. Bedeutet: Wenn es sein soll, lässt es der Ram hinten qualmen.

Wer es nicht übertreibt, fährt ein problemlos beherrschbares Auto. Der Ram rollt sauber geradeaus und lenkt hinreichend präzise. Das Luftfahrwerk macht ihn komfortabel, informiert aber zuverlässig über den Fahrbahnbelag. Abrollkomfort und Geräuschkulisse im Innenraum sind überraschend angenehm.

Durch den langen Radstand muss man allerdings genau aufpassen, was neben dem Auto passiert. Schnelle Kurven mag der Ram ohnehin nicht. Dann neigt er sich weit zur Seite. Das sei einem Auto dieser Größe vergönnt. Gleiches gilt für den langen Bremsweg.

Ausstattung | Preis | Fazit

Wir geben es ungern zu: So richtig sinnvoll ist ein Ram in Deutschland nicht. Anhängelast und Zuladung schaffen auch die offiziell verkauften Pick-ups. Die sind innen enger, dafür aber kompakter. Das macht sie objektiv zur besseren Lösung.

Endlich genug Platz: Constantin jammert nicht über Kopffreiheit. Passiert nicht oft Endlich genug Platz: Constantin jammert nicht über Kopffreiheit. Passiert nicht oft Quelle: ausblenden.de I Marlene Gawrisch Aber im echten Leben ist nicht alles rational. Verschwenderische Größe, einen großartigen V8 und gefühlt unendliche Reserven gibt es nur in der Pick-up-Königsklasse. Die besteht aus: Ford F-Serie, Chevy Silverado, Ram, GMC Sierra, Toyota Tundra und Nissan Titan – sortiert nach Verkaufszahlen in Nordamerika.

 

Der Ram startet im Heimatmarkt bei 31.700 US-Dollar netto. Nackte Modelle kommen kaum nach Deutschland, die Importeure konzentrieren sich auf gehobene Ausstattungslinien. AEC Europa verkauft den Ram 1500 als Crew Cab in „Laramie“ Ausstattung mit Allradantrieb für 69.900 Euro brutto. Die Topausstattung „Limited“ kostet 81.200 Euro.

Gegen Aufpreis gibt es ein Assistenzpaket (2.190 Euro), das höhenverstellbare Luftfahrwerk (2.390 Euro), einen 125-Liter-Benzintank (690 Euro) sowie diverse Chromzierteile und Staumöglichkeiten. Beeindruckte Blicke gibt es serienmäßig. Besonders dann, wenn man den Ram elegant in einem Zug einparkt. Aber eben auch böse Worte. Obwohl der Motor überhaupt kein Schadstoffproblem hat.

Ram 1500: Technische Daten

  • Motor: 5,7-Liter-V8-Benziner
  • Leistung: 401 PS (295 kW) b. 5.600 U/min
  • Drehmoment: 556 Nm b. 3.950 U/min
  • Getriebe: 8-Gang-Wandlerautomatik
  • Verbrauch (WLTP): 15,6 l/100 km
  • Testverbrauch: 15,2 l/100 km
  • 0 – 100 km/h: ca. 7 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h (abgeregelt)
  • Länge: 5,916 m
  • Breite: 2,084 m (o. Außenspiegel)
  • Höhe: 1,973 m
  • Radstand: 3,672 m
  • Gewicht: 2.405 kg
  • Max. Zuladung: 1.095 kg
  • Anhängelast: 3,5 t
  • Ladefläche (LxB): 1,711 m x 1,687 m
  • Ladeflächenvolumen: 1.526 l
  • Preis Ram 1500 Laramie in Deutschland: 69.900 Euro
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