Wüstenprüfung bestanden!
Unweigerlich wachen wir heute morgen mit einem etwas flauen Gefühl im Magen auf. Nein, wir haben uns zum Glück nicht die „Damas Belly“ Geholt, wie einige andere Rallyecarpiloten hier – es fühlt sich einfach nur komisch an, denn heute ist bereits der letzte Tag der Rallye. Wir sind nun so weit gefahren, werden gleich in dem neunten und für uns letzten Land den Zoll passieren und dann ist alles vorbei. Schade.
Früh brechen wir zur jordanischen Grenze auf. Wir haben keine Probleme, den richtigen Weg aus Damas ‘gen Süden zu finden, geübt werde ich durch die erwachende Stadt chauffiert. An den chaotischen Verkehr hat man sich schnell gewöhnt, wir werden uns ärgern über die starren Verkehrsregeln und vielen Ampeln in Deutschland, der Verkehr fließt hier einfach trotz vieler Autos.
Um kurz vor neun sind wir bereits an der Grenze, wieder mal ganz vorne mit dabei. Ein ähnliches Zollprozedere wie bei der Einreise. Planlos rennen wir hin und her, Dollarscheine, Euronen oder andere noch vorhandene Währungen wandern über zu neuen syrischen Besitzern. Einige Zollbeamte schlafen noch in ihren Häuschen und lassen sich von dem ganzen Trubel nicht irritieren.
In Jordanien werden wir sofort freundlich und mit Handschlag vom Zollbeamten begrüßt. Das Land freut sich auf uns, wir sind hier Ehrengäste. Einige andere Teamkollegen dürfen sich ebenfalls freuen. Auf der jordanischen Seite stehen winkend ihre Frauen und Kinder, die extra angereist sind, um ihren „Rennfahrer“ nach den zwölf Tagen Reise hier nun endlich wieder wohlbehalten in die Arme zu schließen.
Wir müssen lachen, als wir das erste Mal wieder auf die Uhr gucken und mit allen Formalitäten durch sind, ist es bereits zwölf. Selbst die stundenlange Warterei auf unsere Pässe und die schier endlos erscheinenden Formalitäten am jordanischen Zoll stören uns nicht mehr, die Zeit vergeht wie im Fluge, unsere deutschen Tugenden haben wir orientalisch „umgestellt“.
Die Wüstensonderprüfung findet als letzte Prüfung mitten in der Wüste statt. Es ist nicht mehr weit bis dahin, der Weg lässt sich nicht verfehlen. An jeder Ecke stehen Polizeifahrzeuge, halten den entgegenkommenden Verkehr auf, damit wir durchfahren können. Die Menschen winken, lachen und begrüßen uns beim Vorbeifahren „Welcome to Jordan“!
Nach und nach trudeln die Teams am Zielort unserer Reise ein. Die Rallyetagebücher, das ausgefüllte Lösungsbuch, das mitgebrachte Hörgerät, die Kiste Kinderspielzeug und der wüstentaugliche Baum werden an das Organisationskommitee übergeben. Wir haben alle Aufgaben erfüllt, haben unser bestes gegeben und als Team wunderbar funktioniert. Das ist uns wichtig, auf diesen letzten Teil der Veranstaltung hat niemand von uns so wirklich Lust. Es gilt in möglichst kurzer Zeit einen kleinen Wüstenparcours abzufahren.
Einige andere Teams haben es etwas zu gut gemeint, wir sehen völlig demolierte Autos, einen in den Motorraum gebrochenen Dämpfer, verlorene Stossstangen, zerschlagene Scheiben und kaputtgefahrene platte Reifen. Ein Fahrer ist sogar verletzt, das Auto hat sich überschlagen beim Durchfahren einer Rille im sonst so griffigen Wüstenboden. Schade, dass die tolle Rallye für manche Teams so ausklingt. Ich kann es nicht verstehen und ärgere mich sehr über das kindische Verhalten einiger Fahrer. Wir alle sind für einen guten Zweck 6000 Kilometer bis nach Jordanien gefahren, damit die Menschen in diesem Land von der Rallye profitieren und für die in Ersatzteile zerlegten Autos einen möglichst guten Preis erzielen und am Ende wird das ganze gut gemeinte Vorhaben mutwillig zunichte gemacht. Wir wurden in jedem Land ehrenvoll begrüßt, wie gute Freunde behandelt und benehmen uns am Ende wieder wie Vollidioten? Das sollte man nach dieser Reise besser wissen....
Der offizielle Teil der Rallye ist nun beendet. Torsten und ich fahren weiter nach Amman, Denis und Frank haben, wie die meisten anderen auch, das Anschlussprogramm des jordanischen Reiseveranstalters gebucht und werden nun in das Wüstencamp mit den anderen Teams fahren. Für uns heißt es also Abschied nehmen von Denis und Frank. Vielen vielen Dank ihr beiden für diese gemeinsame Tour! Es hat Spaß gemacht mit Euch, wir hätten uns keine besseren Teampartner denken können und würden jederzeit wieder mit euch fahren! Es gab viel zu lachen, jeder von uns hatte seine Rolle im Team und wir haben uns wunderbar ergänzt, so soll es sein.
Auf ein baldiges Wiedersehen in Deutschland, vielleicht kommt ihr jetzt ja mal!