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Mercedes Vito W447 119 BlueTEC 4x4 Test

09.01.2023 18:16    |   Bericht erstellt von Fisch_in_Tomate

Testfahrzeug Mercedes Vito Tourer 119 BlueTEC 4x4
Leistung 190 PS / 140 Kw
Hubraum 2143
HSN 2222
TSN ARP
Aufbauart Van
Kilometerstand 23500 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 6/2018
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer mehr als ein Jahr
Gesamtnote von Fisch_in_Tomate 4.5 von 5
weitere Tests zu Mercedes Vito W447 anzeigen Gesamtwertung Mercedes Vito W447 (seit 2015) 4.0 von 5
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Einleitung

Unsere E-Klasse T-Modell mit Vollausstattung hat mir im Italienurlaub die Grenzen aufgezeigt, trotz großem Kombi, war der Anspruch nach mehr Platz gegeben... bei unseren Fahrten auf italienischen Landstraßen war ich auch stets sehr um die teuren AMG-Felgen besorgt, so dass der "E" für zukünftige Urlaubsfahrten ausgetauscht werden sollte.

Die E-Klasse ist und bleibt ein tolles komfortables Auto, das ich immer sehr gern gefahren bin.

So nun zum Vito. Auf der Suche nach einer Bus-Alternative kamen die üblichen Verdächtigen T5 / T6 , Ford Tourneo und die Mercedes V-Klasse bzw. der Vito in Betracht.

Es sollte wieder ein 4x4 werden, so dass Mercedes aus optischen und kaufmännischen Gründen den Vorzug bekam:

Der VW Bulli ist einfach nicht so schick und die Motorenprobleme des T5 haben mich abgeschreckt.

Eigentlich wollte ich nach dem Verkauf der E-Klasse noch Geld in der Hinterhand für eine Offroadumrüstung behalten, so dass ich mich zunächst nach einem Viano/ Vito des Vorgängermodells ab BJ. 2011 umgesehen habe.

Wer allerdings von der E-Klasse mit 258PS aus 6-Zylindern auf den 163PS Viano umsteigt, ist emotional nicht gerade angeschossen...

und die Preise sind galaktisch für ein mehr als 10 Jahre altes Auto.

Mehr Leistung hieß also, entweder kein Allrad (Viano 6-Zylinder) oder das aktuelle Modell W447 mit 190PS und 4matic und Preisaufschlag.

Also habe ich mein Budget um 10.000 EUR erhöht und nach einem geeigneten Fahrzeug gesucht.

Beuteschema:

Vito in dezenter Farbe (kein Weiß): mit 190PS, 4matic, LED-Licht, zwei mechanische Schiebetüren, variable Sitzverstellung (lange Airlineschienen), Klimaautomatik, Sitzheizung, mindestens 6 Sitze in der langen Version (5,14m), Anhängekupplung, weniger als 100.000km.

Meine Suche hat 10 Monate gedauert, bis das richtige Fahrzeug gefunden wurde. Die Ausstattung ist eher bei der V-Klasse auffindbar, das hätte nochmals zusätzlich Geld gekostet.

 

Dann habe ich einen passenden Vito gefunden:

Zusätzliche Ausstattung: 8-Sitze, Leder, Panoramadach, Kamera hinten.

Ein Glückfall, denn Vitos mit zwei Schiebetüren sind so oder so sehr selten.

Die V-Klasse hatte ich mir angesehen, ich wollte aber lieber den Vito. Der Vito ist irgendwie ehrlicher... und nicht so viel chi chi...

Karosserie

5.0 von 5

Genügend Fussraum auch auf den hinteren Bänken, gut einstellbare Sitze und Kopfstützen.

 

Gute Übersicht trotz der langen Karosserie. Hohe Sitzposition.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + großer Bus, mit genügend Platz für den Hausgebrauch, durch die niedrige Bauhöhe Parkhaus geeignet
  • - Innenstädte sind eben kein Vito-Revier

Antrieb

4.5 von 5

Das Fahrzeug wiegt immerhin leer zwei Tonnen. Die 190PS sind eine gute souveräne Motorisierung, ich denke in Verbindung mit der 7-Gang-Wandlerautomatik ist auch der 163PS-Motor hinreichend motorisiert.

 

Der Verbrauch auf der Autobahn liegt bei knapp 7,5 Litern. Im Landstraßenbetrieb etwa 8 Liter. Das ist erfreulich und für einen 4x4 vollkommen in Ordnung.

 

Auch im Anhängerbetrieb problemloses Fahrzeug, Verbrauch je nach Beladung entsprechend höher.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Gutes Aggregat, der OEM651 ist das Schweizer Messer von Mercedes
  • + lange Wartungsintervalle (24 MOnate / 40.000km)
  • - zusätzlicher Adblueverbrauch mit etwa 1L auf 1.000km

Fahrdynamik

3.5 von 5

Der Vito ist eben mit 3,20m Radstad und 5,14m Länge ein großes Fahrzeug.

Ein Bus soll auch nicht sportlich sein, er hat andere Stärken.

 

Wenn es sein soll, geht die 190PS-Ausbaustufe mit dem Doppellader aber schon zur Sache: Topspeed 200 und rund 9 Sekunden für den Sprint auf 100km/h. Die entspannte Reisegeschwindigkeit liegt aber auf der Autobahn eher bei 140-160 km/h.

 

Durch den hohen Aufbau und das Gewicht schiebt der Vito in den Kurven leicht über die Vorderräder, aber alles gutmütig und kontrolliert.

Das Fahrwerk ist straff und gleichzeitig komfortabel.

Durch den 4x4 ist der Wendekreis etwas größer aber alles noch im Rahmen - unser BMW X3 ist nicht wesentlichen wendiger.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + der Vito entschleunigt den Fahrer, er lädt zum Reisen und nicht zum Rasen ein
  • - in engen Städten und auf kurvigen Landstraßen ganz ok, aber eben kein Sportwagen

Komfort

4.5 von 5

Ein sehr guter Reisewagen, alle Sitze sind uneingeschränkt Langstrecken tauglich.

Gute Beinfreiheit, für sehr große Fahrer sind etwas längere Beinauflagen wünschenswert. 600km und mehr am Stück sind aber problemlos machbar.

Der Vito hat konstruktionsbedingt etwas lautere Innengeräusche, eine Unterhaltung ist aber auch bei 170km/h machbar ohne sich anzuschreien.

Türfächer sollten nachträglich mit Filz ausgekleidet werden, Anti-Rutsch-Matten im Cockpit helfen Handy und Schlüssel am Platz zu halten. Schade, dass Mercedes diese geringen Mehrkosten auf den Halter abwälzt.

 

Die Bedienung ist einfach und selbsterklärend, viele Ablagen für Kleinkram und Wasserflaschen oder Becher.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Viele Ablagen und Fächer
  • + Klare Instrumente und Anzeigen
  • - Hartplastik im Innenraum

Emotion

4.5 von 5

Vito und V-Klasse sind beide sehr schick, aber das liegt immer im Auge des Betrachters. Ich finde das Design zeitlos.

 

Es gibt viele Fachbetriebe, die sich auf Modifikationen spezialisiert haben.

Als Reisemobil mit oder ohne Schlafmöglichkeit nutzbar.

Umbau zu mehr Offroad(optik) oder zu mehr optischer Sportlichkeit durch höher oder tiefer legen.

Ein Bus wird nie so geländegängig wie ein echter Offroader mit Leiterrahmen, Sperren und Untersetzung.

Was Seikel für VW ist, ist die z.B. die bayerische Firma Iglhaut oder Oberaigner oder Achleitner aus Österreich für Mercedes. Diese bieten auch echte Offroadkits für den Vito an, das ist aber eher für den gewerblichen heavy-duty-Einsatz gedacht und für Privatleute kaum erschwinglich. Meiner Ansicht nach ist der kurze Sprinter für diesen HD-Einsatz auch die besserer Basis als der Vito, aber das ist ein anderes Thema.

Einfachere Umrüstungen für z.B. Wasserdurchfahrten oder hochalpinen Einsatz sind trotzdem bei mehreren Umrüstern verfügbar und auch für Privatleute noch bezahlbar.

Und für die Freunde sportlicher Autos sei gesagt, dass ein Bus nie ein sportliches Kurvenwiesel wie ein Roadster werden wird, trotz Tiefbettalus, Fahrwerksoptimierung und Leistungsteigerung.

 

Aber in jedem Fall bietet der Vito genügend Möglichkeiten, das eigene Fahrzeug nach Gusto und Geldbeutel mit mehr Emotionen aufzupeppen...

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + Viele Firmen die Umrüstungen und Veredelungen anbieten
  • - es bleibt so oder so ein teurer Spaß ein besonderes Auto zu besitzen

Unterhaltskosten

KFZ-Steuer pro Jahr 300-400 Euro
Verbrauch auf 100 km 7,5-8,0 Liter
Inspektionskosten pro Jahr 500-700 Euro
Gebrauchtwagengarantie keine vorhanden
Werkstattkosten pro Jahr 500-1500 Euro
Versicherungsregion (PLZ) 31188
Haftpflicht bis 200 Euro (30%)
Vollkasko bis 200 Euro 30%

Gesamtfazit zum Test

  • + hohe Wertstabilität
  • + große Vielseitigkeit
  • + hohe Zuverlässigkeit
  • - hohe Anschaffungskosten
  • - hohe Unterhaltskosten
Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Ein Bus, der auch im Alltag Spaß macht und aufgrund seiner Vielseitigkeit alle Familienmitglieder begeistert.

 

Busse werden als sympathische Arbeitstiere wahrgenommen und erzeugen keine Missgunst als Statussymbol bei der Nachbarschaft.

Aus diesen Gründen kann ich den nicht empfehlen:

Wenn Du nicht gern Parklücken suchst und Schwierigkeiten beim Parken von normalen PKW hast.

Wenn Du keinen kleinen Zweitwagen hast und "nur" Bus fährst.

Gesamtwertung: 4.5 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.5 von 5 möglichen Sternen
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