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BMW 320d GT: Test - Zwischen drei und fünf und doch keine vier

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In den BMW 3er GT passt mehr als in einen 3er Kombi. Auch Kopf- und Beinfreiheit wachsen. Was der Gran Turismo sonst noch so kann, lest Ihr in unserem Test.

Trifft nicht jedermanns Geschmack und polarisiert die Gemüter: Der BMW 3er GT Trifft nicht jedermanns Geschmack und polarisiert die Gemüter: Der BMW 3er GT Quelle: Fabian Hoberg/ MOTOR-TALK

Berlin – Kleiner Buckel, viel dahinter: Der BMW 3er GT ist ein Kombi für Menschen, die gerne eine Limousine fahren würden, aber Platz brauchen. Und für Menschen, die gerne einen 5er fahren würden, aber nicht genug Platz in der Garage haben. Damit - und mit seinem Namen - sorgt er für Verwirrung.

1. Gang: Die Basis

Die BMW-3er-Familie ist groß: Neben der Limousine gibt es den Kombi namens "Touring" und den Gran Turismo GT. Der 4,82 Meter lange GT überragt sowohl Limousine als auch Kombi um 20 Zentimeter. Den Radstand verlängerten die Ingenieure um 11 Zentimeter auf 2,92 Meter. Gleichzeitig streckte sich die Karosserie um 7,9 Zentimeter in die Höhe (1,51 Meter).

2. Gang: Das Beste

Was kann der GT, was Limousine und Touring nicht können? Der Zwitter aus Kombi, Limousine und Coupé bietet dank der gewachsenen Abmessungen deutlich mehr Platz. Zudem lassen sich die Rücksitze vielfach verstellen, der Innenraum ist variabler als bei den anderen 3ern.

Schaltwippen und Sportautomatik in einem Auto mit 2.0 Dieselmotor - Nett, braucht man aber nicht Schaltwippen und Sportautomatik in einem Auto mit 2.0 Dieselmotor - Nett, braucht man aber nicht Quelle: Fabian Hoberg/ MOTOR-TALK Der GT ist ein Kombi für nicht Kombi-Fahrer. Der lange hintere Überhang erweitert den Stauraum, und der XL-Radstand schafft viel Platz im Innenraum. Das Gepäckteil fasst zwischen 520 und 1.600 Liter. Das sind 25 beziehungsweise 100 Liter mehr als beim Kombi. Die Heckklappe ist groß, auch Kühlschränke passen locker rein. Nur dürfen die nicht zu lang sein. Denn das schräg abfallende Heck schränkt die Lademöglichkeit ein. Da ist der Touring durch seine klassische Form im Vorteil.

Wo hinten mehr Platz ist, wird es auch vorne luftiger. Mehr noch: Die Passagiere sitzen 5,9 Zentimeter höher als beim Touring und rücken Richtung X3 – ohne den ganzen SUV-Kram. Die Rundumsicht ist dank der großen Fensterflächen so gut wie auf einem Oberrangplatz im Stadion.

Trotz des langen Radstandes fährt sich der GT überaus agil. Dazu passt der 2,0-Liter-Diesel mit 184 PS: flott und sparsam. Einmal warm, arbeitet er dezent im Hintergrund, surrt leise vor sich hin und pocht kurz auf, wenn der Drehzahlmesser über 2.500 Touren dreht. Dann schiebt das Drehmoment von 380 Newtonmeter den GT mit einer Lässigkeit nach vorn, wie es sonst eher sportliche Coupés draufhaben.

Die acht Gänge schalten schnell und sanft. Ab 110 km/h fährt der Heckspoiler automatisch aus und sorgt für mehr Abtrieb. Den NEFZ-Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern je 100 Kilometern schafft der GT allerdings nur auf dem Papier. Auf unserer Testfahrt schluckte er 1,5 Liter mehr.

Ein Grand Tourismo im klassischen Sinne ist er nicht - Reisen kann er trotzdem ausgezeichnet Ein Grand Tourismo im klassischen Sinne ist er nicht - Reisen kann er trotzdem ausgezeichnet Quelle: Fabian Hoberg/ MOTOR-TALK Die Sprinterqualitäten treten in den Hintergrund, wenn der GT auf die Autobahn auffährt. Hier wird der Name "Gran Turismo" zum Programm. Lange Strecken werden dank des langen Radstandes und des sparsamen sowie durchzugsstarken Diesels zur Ruhephase. Bei Cockpit, Instrumenten, Schalter und Assistenzsystemen macht der GT keine Unterschiede zu Limousine und Kombi.

3. Gang: Das Schwächste

Ob die Optik gelungen ist, nun ja, darüber lässt sich streiten. Der ausgeprägte Heckdeckel trifft unseren Geschmack nicht. Hinter der B-Säule fällt die Dachlinie des 3er GT ab und mündet in einen breiten Bürzel-Hintern mit einem ausfahrbaren Heckspoiler. Auch wenn der 3er GT im Vergleich zum 5er GT filigraner aussieht: Er wirkt wie ein 100-Meter-Läufer mit einem Wanderrucksack.

Interessant wird es beim Preis: Obwohl der GT im Grunde nur eine Fließheckvariante ist, verlangt BMW zum gleichmotorisierten Touring 1.250 Euro Aufpreis – etwas mehr Glas kann ganz schön teuer sein. Mindestens 37.400 Euro kostet der Gran Turismo 320i, der 320d GT kommt auf mindestens 40.000 Euro. Für die empfehlenswerte Achtgang-Automatik verlangt BMW noch mal 2.150 Euro Aufpreis.

4. Gang: Das Überflüssigste

So sportlich der 3er GT vielleicht sein will, er bleibt ein mindestens 1,6 Tonnen schweres Auto. Da passt der Fahrerlebnis-Schalter mit dem Sportprogramm nicht wirklich. Der 3er GT ist kein Sportwagen und wird auch keiner werden. Ganz gleich, wie gut Fahrwerk, Motorkennfelder und Elektronik abgestimmt sind.

Dieses Kürzel sorgte schon beim 5er für begehrenswerte Blicke und Kopschütteln gleichermaßen Dieses Kürzel sorgte schon beim 5er für begehrenswerte Blicke und Kopschütteln gleichermaßen Quelle: Fabian Hoberg/ MOTOR-TALK Außerdem ist das Kürzel GT unglücklich gewählt. Bei Gran Turismo denkt man an komfortable Coupés mit viel Power. An einen Porsche 928 oder ein BMW 6er Coupé vielleicht, aber nicht an einen fünftürigen 3er mit extra-Stauraum.

5. Gang: Das Wissenswerte

Der 3er Gran Turismo fristet kein Nischendasein. Vergangenes Jahr verkaufte BMW davon mehr als 50.000 Fahrzeuge. Damit ist etwa jeder achte BMW 3er ein GT. Und wer jetzt meint, der lange Radstand und der viele Platz seien etwas für Chauffeurs-verliebte Chinesen, dem sei gesagt: Am gefragtesten ist das Modell in Deutschland. Erst danach kommen China und die USA.

6. Gang: Das Besondere

Praktisch: die geteilt öffnende Kofferraum-Abdeckung Praktisch: die geteilt öffnende Kofferraum-Abdeckung Quelle: Fabian Hoberg/ MOTOR-TALK Die rahmenlosen Scheiben sehen elegant aus und sorgen für mehr Luft. Scheiben runter, Wind durchs Haar wehen lassen und die Fahrt genießen. Mehr Freiheit gibt es nur im 3er, äh 4er Cabrio.

Eine Besonderheit stellt die zweigeteilte Hutablage dar: Mit der Heckklappe schwingt ein Teil nach oben, das andere Teil dient während des Beladens als Abstellfläche. Das ist praktisch, ebenso wie die Verstaumöglichkeit der beiden Hälften im Ladeboden. Denn wenn man den ganzen Stauraum benötigt, weiß man nie, wohin mit den Brettern. Das können weder 3er Limousine oder Touring. Und auch nicht 5er oder 7er.

Fazit

Wie einfach könnte die Welt sein: Coupés sind weniger praktisch als Limousinen, sehen aber eleganter aus. Bei Kombis ist es umgekehrt. BMWs Zugang zum klassischen GT-Kürzel irritiert auch in Zukunft. Dieser Gran Tourismo schließt die Lücke zwischen Limousine und Kombi. Ein Alleskönner ist er aber dennoch nicht. Die Optik, ganz ehrlich, ist unsere Sache nicht.

Technische Daten BMW 320d GT:

  • Modell: BMW 320d Gran Turismo
  • Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder
  • Getriebe: Sechsgang-Automatik
  • Leistung: 184 PS
  • Drehmoment: 380 Nm
  • Verbrauch laut NEFZ: 4,9 l/100 km
  • CO2: 129 g/km
  • Verbrauch im Test: 6,1 l/100 km
  • 0 – 100 km/h: 8,0 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
  • Kofferraumvolumen: 520 - 1.600 l
  • Länge x Breite x Höhe in m: 4,82 x 1,82 x 1,50
  • Leergewicht: 1.640 kg
  • Preis: ab 42.150 Euro

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