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Ford Fiesta Active (2018) im Test: Alltagstest, Preise, Ausstattung - Wie ein bisschen SUV den Fiesta verändert

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Fords Fiesta Active soll Kunden ansprechen, die zwar SUV-Optik mögen, aber eigentlich kein SUV fahren wollen. Funktioniert die Mischung? Der Fiesta Active im Alltagstest.

Ford Fiesta Active: Unter dem "Active"-Etikett verbergen sich bei Ford höher gelegte und beplankte Varianten von derzeit Ka+ und Fiesta. Der Focus wird demnächst folgen Ford Fiesta Active: Unter dem "Active"-Etikett verbergen sich bei Ford höher gelegte und beplankte Varianten von derzeit Ka+ und Fiesta. Der Focus wird demnächst folgen Quelle: mobile.de

Berlin - Ohne das SUV geht's nicht mehr, davon sind die Autohersteller überzeugt. Die Zulassungszahlen geben ihnen Recht. Und selbst, was kein SUV ist, soll nach SUV aussehen. Größere Kombis im Offroad-Trimm gibt es zuhauf, Klein- und Kleinstwagen gab und gibt es zum Beispiel von Opel, Hyundai oder VW. Ford zieht nun mit dem Fiesta Active nach.

Der neue Ford Fiesta ist europaweit einer der erfolgreichsten Kleinwagen. Mehr als 250.000 Exemplare konnte Ford trotz Modellwechsel im Vorjahr absetzen. Die „Active“-Variante soll einerseits den durchschnittlichen Preis heben und andererseits neue Zielgruppen erschließen. Aber bringt der SUV-Look dem Fahrer im Alltag einen praktischen Vorteil, ist er eher nachteilig - oder im Grunde egal? Wir waren zwei Wochen im neuen Ford Fiesta Active unterwegs.

Karosserie | Platzangebot | Abmessungen

Gute vier Meter Außenlänge sind im Jahr 2018 kleinwagentypische Abmessungen Gute vier Meter Außenlänge sind im Jahr 2018 kleinwagentypische Abmessungen Quelle: mobile.de Gut vier Meter Außenlänge, das sind im Jahr 2018 kleinwagentypische Abmessungen. Auch bei der Breite (1,76 m ohne Spiegel) fährt der Fiesta Active klassenüblich, trotz der Kotflügel-Aufsätze. Allerdings übersetzt Ford den Längenzuwachs gegenüber dem Vorgänger nicht in mehr Raum innen. Das bedeutet: Auf der Rückbank kann es schon mal kuschelig werden. Vorn sitzt man großzügig, denn die Konsole geriet angenehm schmal.

Für das „Active“-SUV-Flair verordnet Ford dem Fiesta 18 Millimeter mehr Bodenfreiheit mittels Höherlegung der Karosse. Hinzu kommen ein spezielles Body-Kit und eine um 10 Millimeter breitere Spur. Insgesamt ragt der Fiesta Active rund zwei Zentimeter höher auf als die Standard-Variante. Ob die SUV-Optik gefällt, ist Geschmacksache – wir sind nicht ganz überzeugt. Sehr schön dagegen: der pflegeleichte, tief schimmernde Lack mit hohem Metallic-Anteil (Sika-Gelb, 715 Euro).

Am kleinsten wirkt der Fiesta hinter der Rückbank. Der doppelte Ladeboden erleichtert zwar das Beladen, verkleinert aber den ohnehin nicht riesigen Kofferraum des Ford (292 l mit Reifen-Reparaturset) deutlich. Der dann noch nutzbare Raum fällt unterdurchschnittlich aus: Mit einem Bordtrolley, einer Reisetasche und einer Einkaufstasche (oder drei Kästen Wasser) ist der Kofferraum komplett gefüllt. Die Ladekante liegt auf 70 Zentimetern Höhe.

Innenraum | Verarbeitung | Materialien

Vorne sitzt man im Fiesta Active prima Vorne sitzt man im Fiesta Active prima Quelle: mobile.de Im Cockpit vermeidet Ford die häufigen Kritikpunkte am Vorgängermodell. Das neue Dashboard ist übersichtlich, klar gegliedert und verzichtet auf die vielen Sicken und Zacken am Armaturenbrett. Auch qualitativ macht der Fiesta einen deutlichen Sprung. Die Oberfläche der Konsole ist angenehm gepolstert, weiter unten findet sich Hartplastik mit und ohne Profil und Klavierlackoptik.

Der Materialmix könnte gern homogener ausfallen. In punkto Passgenauigkeit und Fertigungsqualität leistet sich Ford aber keinen Fehler. Ford verspricht „besonders robuste und widerstandsfähige Materialien“. Ob das für alle Flächen gilt? Die großflächige Verkleidung der A-Säule etwa wirkt kratzempfindlich. Ziemlich sicher sind wir, dass die Teppiche im Kofferraum bei starker Beanspruchung schnell flusig würden.

Richtig prima: Die Sitze vorn bieten einen großen Verstellbereich und damit stets die passende Sitzposition für Fahrer unterschiedlicher Größe. Wer will, kann die im SUV gesuchte, etwas höhere Sitzposition einnehmen. Wer mag, kann sich auch tief in den Fiesta legen. Die Ergonomie überzeugt, vor allem die Bedienung des Multifunktionslenkrades hat Ford gegenüber früheren Versionen viel intuitiver gestaltet.

Etwas verwirrend gerieten lediglich die Bedienung des Heckscheibenwischers sowie der Umstand, dass die Klimaanlage zwei Regler für die Gebläsestärke besitzt. Ebenfalls nicht so gelungen: Die Mittelarmlehne sorgt für einen unbequemen Winkel des Arms zur Handbremse. Immerhin: Es gibt eine echte, mechanische Handbremse. Wir mögen das lieber als elektrische Lösungen.

Infotainment | Radio | Bedienung

Übersichtlich und weitgehend selbsterklärend: im Cockpit macht Ford sehr viel richtig Übersichtlich und weitgehend selbsterklärend: im Cockpit macht Ford sehr viel richtig Quelle: mobile.de Beim Thema Konnektivität suchte Ford den großen Schritt nach vorn. Sync 3 rechnet schnell, hat einen logischen Aufbau, verfügt über eine erweiterte Sprachsteuerung sowie Apple Carplay und Android Auto. Es kann zum Beispiel um den Stau herum manövrieren oder Restaurants empfehlen. Die Sprachsteuerung funktioniert intuitiv und übernimmt Navi-Ziele zuverlässig. Die Frage nach einem „Supermarkt“ beantwortet sie mit einer Liste passender Ziele im näheren Umkreis. Auch die Kopplung mit dem Smartphone funktioniert schnell und problemlos.

Assistenzsysteme | Sicherheit

Ford Fiesta Active: Seitenansicht Ford Fiesta Active: Seitenansicht Quelle: mobile.de Euro NCAP bewertete die achte Generation des Ford Fiesta im September 2017 mit fünf Sternen. Beim Insassenschutz leistet sich der Ford keine Schwächen, im Bereich der A-Säule kann der Fiesta allerdings für Fußgänger zur Gefahr werden. Positiv bewerten die Crash-Tester: Ein Spurhalteassistent und ein Geschwindigkeitsbegrenzer sind serienmäßig an Bord. Ein Fußgänger-Notbremsassistent ist immerhin gegen Aufpreis lieferbar. Im Paket mit dem adaptiven Tempomaten kostet er faire 350 Euro.

Ford-typisch stecken im Fiesta auf Wunsch einige Assistenten, aber von großen Innovationen sehen die Kölner ab. Im Angebot sind eine Müdigkeitswarnung, eine Verkehrszeichenerkennung, Lichtsensor, Fernlichtautomatik. Ein automatischer Parkassistent fehlt kurioserweise in der Active-Preisliste, im „flachen“ Fiesta ist er verfügbar. Für ein echtes Stadtauto ein Nachteil. Die lieferbaren Parksensoren stimmte Ford zudem so empfindlich ab, dass sie in engen Parklücken kaum helfen.

Ebenfalls im Alltag auffällig: Das Notbremssystem analysiert vor dem Fiesta Active abbiegende Fahrzeuge als Gefahr. Mehrmals schlug das System in solchen Situationen an – zum Glück nur optisch und akustisch. Nicht gefährlich, aber nervig: Die Verkehrszeichenerkennung winselte bereits bei geringster Überschreitung der erkannten Höchstgeschwindigkeit penetrant um Aufmerksamkeit.

Der in der Stadt beste Assistent im Fiesta Active funktioniert analog: Der mechanische Türkantenschutz nimmt engen Quer-Parklücken effektiv den Schrecken beim Aus- und Einsteigen. Auf Überlandstrecken gefiel uns die Lichtanlage besonders gut: Die LED-Scheinwerfer (ab 750 Euro) sehen nicht nur gut aus mit den schicken, sequenziellen Blinkerbändern. Sie leuchten auch hervorragend die Straße aus. Der Fernlicht-Assistent funktionierte zuverlässig, zumindest bekamen wir nie die Lichthupe zu sehen. Was bei Nutzung dieser Funktion in Fahrzeugen anderer Hersteller nicht immer so ist.

Motor | Getriebe | Fahrleistungen

Der kleine Dreizylinder-Benziner ist Fords Allzeckwaffe und wird quer durchs Programm eingesetzt Der kleine Dreizylinder-Benziner ist Fords Allzeckwaffe und wird quer durchs Programm eingesetzt Quelle: mobile.de Ford stellte uns den die kräftigste Ausgabe des 1,0-Liter-Ecoboost-Benziner auf den Hof: 140 PS darf man in einem Kleinwagen als üppig bezeichnen. Darunter rangieren Versionen mit 85 PS, 100 PS und 125 PS. Zusätzlich sind 1,5-Liter-Diesel mit 85 PS und 120 PS lieferbar. Preislich liegen die Varianten dicht beieinander: Die Spreizung zwischen Benzinern mit 85 PS und 140 PS beträgt nur 3.200 Euro. Eine Automatik gibt es nur zum 100-PS-Benziner, unsere Topversion möchte manuell geschaltet werden. Alle Motoren erfüllen die Abgasnorm Euro 6d-Temp.

Der kleine, auf 98 Oktan ausgelegte Turbomotor hat mit dem Kleinwagen naturgemäß keine Mühe. Das maximale Drehmoment von 180 Newtonmetern liegt schon bei 1.500 U/min an und bleibt bis 5.000 U/min erhalten. Doch auch außerhalb dieses Drehzahlbandes funktioniert der Ford prima. Das Anfahrgas ist gut abgestimmt, und drehfreudig ist der Dreizylinder auch. Auf der linken Spur norddeutscher Autobahnen konnte er regelmäßig mehr, als Fahrer süddeutscher Vertreterlimousinen ihm zutrauten. Und musste dafür nicht einmal den sechsten Gang verlassen. Mitunter wird der Motor dann deutlich hörbar. Wer den knorrigen Dreizylinder-Sound mag, kann das durchaus genießen. Wer nicht, könnte sich daran stören.

Beim Normverbrauch weist Ford keinen Unterschied aus zwischen dem „Active“-Fiesta und dem Standardmodell. Unser Verbrauch, mit viel Autobahn, Landstraße und etwas Stadt: 6,6 l/100 km. Wer die linke Spur ausläßt, kann auch mit weniger als sechs Litern auskommen.

Fahrwerk | Lenkung | Fahrverhalten

Der angedeutete Unterfahrschutz gehört zum "Active"-Bodykit Der angedeutete Unterfahrschutz gehört zum "Active"-Bodykit Quelle: mobile.de Zugegeben, die Vorurteile waren da. Pseudo-SUV mit höherem Schwerpunkt, größerer Stirnfläche und damit höherem Verbrauch bei schlechteren Fahreigenschaften. Und mit, nicht ausstattungsbereinigt, 26 Kilo Übergewicht. Oder? Tatsächlich stimmt Ford den „Active“ anders ab als den normalen Fiesta: komfortabler, nachgiebiger und gutmütiger. Eine neue Geometrie der Achsschenkel und andere Federraten sind dafür verantwortlich, sagt Ford.

Auch das ESP lässt etwas weniger Freiraum. Über einen Fahrdynamik-Schalter lässt sich außerdem ein stärker auf Traktion ausgelegter Modus für rutschige Untergründe aktivieren. Wer ab und zu einen Feldweg unter die 17-Zöller nimmt, wird das zu schätzen wissen.

Wer das nicht tut, muss die Unterschiede zum „flachen“ Fiesta nicht registrieren. Redaktionskollegen empfanden das Fahrwerk als „straff mit klarer Rückmeldung“ und gaben zu Protokoll: „Fährt so, wie ein Mini Countryman fahren sollte“. Ja, beim Fahrwerk wissen die Kölner, was sie tun und finden eine gelungene Balance zwischen viel Rückmeldung und hohem Fahrkomfort. Schönheitsfehler: Auf Kopfsteinpflaster neigte die Vorderachse gelegentlich zum Poltern.

Ebenfalls viel Beifall gab es für die direkte, hervorragend gewichtete Lenkung. Feinfühlig und höchst präzise, aber ohne jeden Anflug von Nervosität lenkt sich der Fiesta Active damit. Zügige Manöver bereiten ebenso Freude wie geduldiges Surfen in langgezogenen Kurven.

Ausstattung | Preis | Kosten

Ford Fiesta Active: Der Kofferraum gehört zu den kleineren in der Kleinwagenklasse Ford Fiesta Active: Der Kofferraum gehört zu den kleineren in der Kleinwagenklasse Quelle: mobile.de Für den Fiesta Active schnürte Ford die Ausstattungslinien neu, ohne große Überschneidungen zum regulären Fiesta. Active, Colourline und Plus heißen sie, anstelle von Trend, Titanium oder ST-Line. Letztere liegt preislich ungefähr auf dem Niveau des Active-Einstiegspreises (17.950 Euro). Zum Vergleich: Einen Hyundai i20 Active gibt es ab 17.400 Euro, mit 100 PS. VW bietet den Cross Polo seit dem Modellwechsel nicht mehr an. Zuletzt starteten die Listenpreise jenseits der 18.600 Euro. Den Adam Rocks bietet Opel schon ab 15.700 Euro an, das Grundfahrzeug ist aber deutlich kleiner.

Bei Ford gibt es in der Basis in jedem Fall, neben den genannten Assistenten, das Sync-3-System und eine manuelle Klimaanlage. Eine Klasse darüber zieht neben einigen Kleinigkeiten das B&O-Soundsystem ein. Was nicht darüber hinwegtäuscht: so ein Fiesta Active kostet. Unter dem Strich stehen für unseren Testwagen 24.900 Euro. Das ist nicht wenig für einen Kleinwagen und nur einen runden Tausender entfernt vom Listenpreis zweier Basis-Fiesta.

Zum Basispreis unseres Testwagens (21.150 Euro) addiert sich einiges an Zusatzausstattung. Rückfahrkamera und Parkpiepser für 620 Euro, Sicherheitspaket II (adaptiver Tempomat, Notbremsanlage) für 350 Euro, Lendenwirbelstütze für den Beifahrer (65 Euro), Schmutzfänger vorn und hinten (100 Euro), Lenkradheizung (390 Euro), beheizbare Frontscheibe (250 Euro), beheizbare Spiegel, Totwinkel-Assistent (425 Euro), Metalliclack (715 Euro), Türkantenschutz (150 Euro), doppelter Boden im Gepäckraum (75 Euro), der schlüssellose Zugang (460 Euro) und, Obacht, selbst elektrische Fensterheber hinten lässt sich Ford mit 150 Euro extra bezahlen.

Fazit: Weniger Fiesta für mehr Geld

Unter dem Strich: Wer den Geländelook nicht braucht und nicht will, bekommt im regulären Ford Fiesta mehr Auto für sein Geld sowie das sportlichere Handling. Das ist wenig überraschend. Er bekäme dort derzeit auch mehr Ausstattungsoptionen, was schon eher überrascht.

Im Wettbewerbsumfeld der aufgebockten Kleinen steht der Ford gut genug da. Er erhält sich ausreichend Fiesta-Qualitäten, um gegen die dünne Konkurrenz zu punkten und bietet obendrein etwas mehr Komfort und Übersicht sowie mehr Souveränität auf Feldwegen. Schwereres Gelände sollte man ihm nicht zumuten. Müssen wir erwähnen, dass es keinen Allradantrieb im Fiesta Active gibt?

Der Fiesta Active erhält sich aber auch die größte Schwäche des Fiesta. Und die könnte in seinem Fall zum Kaufhindernis werden. SUV werden nicht selten wegen des im Vergleich zu Kleinwagen großzügigeren Raumangebots gekauft. Da ist der Fiesta, egal mit welcher Bodenfreiheit, ganz Kleinwagen. Und unter diesen sogar einer der engeren.

Ford Fiesta Active: Technische Daten

  • Motor: 1,0-l-Dreizylinder-Benziner
  • Leistung: 140 PS (103 kW)
  • Drehmoment: 180 Nm b. 1.500-5.000 U/min
  • Getriebe: Sechsgang manuell
  • 0-100 km/h: 9,4 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
  • Verbrauch: 5,2 l/100 km
  • Co2: 119 g/km
  • Länge: 4,068 m
  • Breite: 1,756 m
  • Höhe: 1,495 m
  • Radstand: 2,493 m
  • Leergewicht: 1.190 kg
  • Anhängelast: 1.000 kg
  • Kofferraum: 292-1.093 m
  • Grundpreis Ford Fiesta Active: 17.950 Euro
  • Grundpreis Fiesta Active Plus: 21.150 Euro
  • Testwagenpreis: 24.900 Euro

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Avatar von Björn Tolksdorf (bjoernmg)
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