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Test Mercedes C250 d T-Modell - Und es hat plopp gemacht

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Das meistverkaufte Modell von Mercedes ist die C-Klasse, das prestigeträchtigste die S-Klasse. Wie viel "S" steckt in dem "C"? Ein Test.

Mercedes C 250 d als T-Modell: Praktisch, aber laut Mercedes C 250 d als T-Modell: Praktisch, aber laut Quelle: Daimler

Berlin – Mercedes, das klingt nach sattem Sound beim Zuschlagen der Türen. Man hört sofort: Das hier ist ein Benz, kein Audi, kein BMW. Es ist dieses dumpfe Ploppen, gefolgt von einem saugenden Geräusch. Wie ein Tritt in einen tiefen Sumpf – nur nicht so unangenehm. Der Ton klingt nach Burg, nach Qualität und nach Komfort. All das gilt nicht nur für die S-Klasse, sondern auch für das C-Klasse T-Modell – wenn man genau hinhört.

Die C-Klasse ist das meistverkaufte Modell der Schwaben Die C-Klasse ist das meistverkaufte Modell der Schwaben Quelle: Daimler Fällt die Tür ins Schloss, kehrt zunächst Ruhe ein. Das Cockpit wirkt hochwertig, die Schalter edel und die Materialien fühlen sich gut an. An die breite Mittelkonsole gewöhnt man sich schnell. Nur an das freischwebende Display in Form eines gedrehten Tablet-Computers nicht: Es ragt wie ein Splitter aus der Haut. Dafür überzeugt die klare Abbildung der Rückfahrkamera. Die liegt bei dem Fahrzeug spritzgeschützt hinter einer Abdeckung und kommt nur beim Rückwärtsfahren zum Einsatz.

Ein Testwagen mit allen Assistenzsystemen

Technisch stockt Mercedes die C-Klasse mit fast allem auf, was das Konzernregal hergibt: Zur Serienausstattung zählen der Aufmerksamkeits-Assistent und der Anti-Kollisions-Assistent. Alle anderen elektronischen Helferlein kosten extra. Darunter der aktive Tempomat „Distronic Plus“ mit Lenk- und Stop-and-go-System. Dazu kommen noch der Kreuzungsassistent und die Spurhalte-Hilfe, die Einparkhilfe, die Verkehrszeichen-Überwachung und das adaptive Fernlicht. Unser Testauto hatte alles.

Auch wenn man bei der ersten Fahrt denkt, „so ein Quatsch, brauch ich nicht“: Nach ein paar Hundert Kilometern will man darauf nicht mehr verzichten. Vor allem der aktive Tempomat mit der Lenkunterstützung macht aus öden Autobahnetappen entspannte Strecken. Einmal aktiviert, beschleunigt und bremst das System selbstständig und hält einen vorher definierten Abstand ein. Die Lüftung filtert die meisten Stoffe aus der Umgebung. Pollen, Blüten, Staub und Abgase bleiben im Filter, im Auto riecht es frisch. Auch nach einer fünfstündigen Autofahrt steigt man entspannt aus dem Auto.

Der Diesel des C250 d nagelt sogar im warmen Zustand Der Diesel des C250 d nagelt sogar im warmen Zustand Quelle: Fabian Hoberg/ MOTOR-TALK Einen großen Anteil daran hat das Fahrwerk. Mercedes bietet erstmals in der C-Klasse eine Luftfederung an. Die kostet zwar 1.416 Euro, federt den Kombi aber noch schneller und genauer ab als das adaptive Serienfahrwerk „Agility Control“. Mit „Agility Select“ lassen sich Motor, Fahrwerk und Lenkung zwischen Sport und Komfort abstimmen. Ganz gleich, ob bei langen Bodenwellen, tiefen Lkw-Spurrillen oder einer Schlaglochpiste in der Stadt: Viel komfortabler schluckt auch die S-Klasse Unebenheiten nicht weg. Der Trend scheint bei Mercedes klar. Was die größeren Modelle bieten, darf auch nicht im Topseller fehlen.

Eine Tür wie ein Orchester

Warum? Weil die C-Klasse zu den wichtigsten Modellen der Schwaben zählt. Sie darf ruhig kleiner sein als die S-Klasse, soll aber den gleichen Komfort bieten. Dazu zählen auch die anfangs erwähnten Türen. Trotz 30 Prozent Gewichtsersparnis im Türrohbau gegenüber dem Vorgänger wirken sie massiv. „Der Sound des Zuschlagens ist uns sehr wichtig“, sagt ein Mercedes-Ingenieur. Deshalb werden in der Entwicklung der Fahrzeuge feste Abstimmungsschleifen für den Sound integriert. Denn der entsteht nicht mehr durch Gewicht, sondern durch ein charakteristisches Frequenzspektrum.

Mercedes C-Klasse: Innenraum Mercedes C-Klasse: Innenraum Quelle: Fabian Hoberg/ MOTOR-TALK Die Tür sei ein Orchester – die einzelnen Bauteile die jeweiligen Instrumente. In der Entwicklungsphase werden deshalb die Teile so angepasst, dass das gesamte Orchester beim Zuschlagen den typischen Klang erzielt. „Jede Tür hat aufgrund ihrer Form und der Materialien ihr eigenes, charakteristisches Frequenzspektrum, das durch Dämpfungssysteme auf den Mercedes-typischen Sound gestimmt wird“, sagt der Entwickler.

Vergangenes Jahr griff etwa die Hälfte aller C-Klasse-Kunden zum Auto mit dem großen Kofferraum, 2013 waren es sogar 60 Prozent. Den Zusatzstauraum lässt sich Mercedes allerdings auch fürstlich bezahlen. Im Vergleich zur Limousine kostet der Kombi 1.666 Euro Aufpreis. Am besten verkauft sich das T-Modell C220 d mit 170 PS ab 40.489 Euro. Der C250 d T kostet mindestens 45.844 Euro.

Neben Komfort bietet der Kombi aber noch mehr, vor allem im Alltag. Die elektrische Heckklappe (476 Euro) öffnet und schließt auf Fußtritt. Die hinteren Sitzlehnen (jetzt in 40:20:40 umklappbar) lassen sich bequem per Kopfdruck vom Kofferraum aus umklappen. So wird die Ladefläche schnell eben und fasst zwischen 490 und 1.510 Liter. Mit der Teleskopstange im Kofferraum (178 Euro) verrutscht bei der Fahrt kein Kasten Wasser. Ein Raumwunder wurde das C-Klasse T-Modell zwar nicht, aber für eine vierköpfige Familie reicht der Platz.

Der Diesel arbeitet laut und heftig

Der 204-PS-Diesel im C250 d Der 204-PS-Diesel im C250 d Quelle: Fabian Hoberg/ MOTOR-TALK Alles super? Nicht ganz. Zur Ruhe bei Stillstand passt der 250er-Diesel nicht. Der Vierzylinder drängelt sich immer in den Vordergrund, laut und heftig – selbst im warmen Zustand. Der Motor nagelt schon bei niedrigen Drehzahlen wie ein Zimmermann auf Speed. Obwohl die C-Klasse aufwändig gedämmt ist, nervt der Motorklang. Ein bisschen mehr Gewicht in Form von Dämmmaterialien hätte dem Orchester ganz gut getan.

Dafür zieht der Diesel mit 204 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment aus dem Stand in knapp sieben Sekunden auf Tempo 100. In der Stadt sprintet er lässig von Ampel zu Ampel, auf der Autobahn sind bis zu 241 km/h drin. Doch so sportlich die technischen Daten auch scheinen: Richtig wohl fühlt sich der Vierzylinder bei niedrigen Drehzahlen und ruhiger Fahrt. Auf der Autobahn reichen 140 km/h bis 160 km/h zum lockeren Mitschwimmen, am besten ohne hektisches Gas geben.

Dann, und nur dann, wechselt die serienmäßige Siebengang-Automatik 7G-tronic Plus die Gänge schnell und ruckfrei durch. Beim Zurückschalten ruckelt die Box kurz – ein vom Vorgänger bekanntes Phänomen und nach wie vor nervig. Auch der Durchschnittsverbrauch enttäuscht: Aus den angegeben 4,5 Litern auf 100 Kilometern werden im Alltag 6,6 Liter, bei zügiger Fahrt knapp 7,5 Liter.

Auch die typische Mercedes-Aufpreispolitik stört den guten Eindruck. Kleiner Auszug: Anhängerkupplung 999 Euro, Tempomat 321 Euro, LED-Scheinwerfer ab 1.029 Euro, beheizte Scheibenwaschanlage 202 Euro, Head-up-Display 1.178 Euro, größerer 66 Liter Tank 59 Euro. Die 50.000-Euro-Grenze wird schnell überschritten. Viel Geld für das besondere Plopp bei der C-Klasse.

Technische Daten - Mercedes-Benz C250 d T-Modell

  • Modell: Mercedes-Benz C250 d T-Modell
  • Motor: 2,1-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel
  • Getriebe: Siebengang-Automatik
  • Leistung: 204 PS
  • Drehmoment: 500 Nm
  • Verbrauch laut NEFZ: 4,5 l/100 km
  • Verbrauch im Test: 6,6 l/100 km
  • CO2: 117 g/km
  • 0 – 100 km/h: 6,9 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 241 km/h
  • Kofferraumvolumen: 490 – 1.510 l
  • Länge x Breite x Höhe in m: 4,70 x 1,81 x 1,45
  • Leergewicht: 1.660 kg
  • Preis: ab 45.844 Euro

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