Zeugensuchprogramm
Hallo Gemeinde,
ich habe heute im aktuellen FleetMagazine einen Bericht über eine Webseite gelesen, wo man sich als Zuge melden kann, bzw. nach einem Unfall Zeugen suchen kann.
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Zitat:
Verkehrsunfall und kein Zeuge in Sicht?
Eine neue Internetplattform schafft Abhilfe. Die Webseite www.vrvz.de bietet Unfallopfern die Möglichkeit, ihren Verkehrsunfall schnell, einfach, anonym und kostenfrei ins Netz zu stellen, um Zeugen zu suchen.
Gemeldete Unfälle sind innerhalb weniger Minuten online.
Melden sich Zeugen, wird der Unfallgeschädigte zunächst seitens vrvz.de informiert. Nachdem er seine zuvor hinterlegten Kontaktdaten freigegeben hat, werden diese direkt an den Zeugen weitergeleitet. Die Plattform bedient derzeit D, A, CH. Weitere Länder sollen folgen.
Zitat Ende.
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Da ich mich selber schon einmal darüber geärgert habe, dass mir jemand in mein geparktes Auto gefahren ist, ohne sich zu melden, könnte dies evtl. eine Plattform sein, wo man vielleicht doch noch einen Zeugen findet.
Gruß
Peter
Beste Antwort im Thema
Da werden dann bestimmt auch ganz dubiose Zeugen auftauchen...für 100 Euro habe ich alles gesehen, was du willst...
Die Idee an sich ist nicht schlecht, aber ich fürchte, da scheitert es einfach an der Umsetzung. Für mich persönlich ist die Seite auch eher nichts, was ich nutzen würde. Habe ich was gesehen, dann scheue ich mich nicht, das auch entsprechend mitzuteilen. Wenn mir ein Unfall passiert und ich Zeugen brauchen würde, dann würde ich die vermutlich eher nicht im Internet suchen. Aber das mag jeder anders sehen...
30 Antworten
Zitat:
Original geschrieben von Gnubbel
Wovor hast Du Angst? Als Zeuge hast Du nichts zu befürchten, ausser wenn du bewußt falsch aussagst. Ist wohl das was man im Ausland gelegentlich als "German Angst" bezeichnet...
Das stimmt nicht. Aus einem "Zeugen" kann schnell ein "Verdächtiger" werden, siehe div. Fälle, wo die Polizei die Daten _aller_(!) Mobilfunkteilnehmer einer Funkzelle zum Zeitpunkt eines Delikts bekommen hat.
Sowas (nicht mit Mobilfunk) ist mir selbst schon passiert! Der Polizist meinte sinngemäß zu mir, dass ich zwar formal Zeuge wäre, aber da ich der einzige bin, dem er den Delikt aufgrund des Wissens zutraut (bin ehrenamtlicher Admin (gehe dort nur hin wenn was ist) in einem kirchlichen Büro, wo alle Festangestellten mit Müh und Not Office, E-Mail und etwas surfen hinbekommen, wo angeblich illegal Dateien aus dem Internet geladen wurden), bin ich inoffiziell sein Hauptverdächtiger - bis ich dem Polizisten anhand seiner vorhandenen Unterlagen zeigen konnte, dass er bei seinen Ermittlungen total auf dem Holzweg ist, weil er eine wichtige Stelle nicht richtig gelesen hat und er deswegen an der falschen Stelle gesucht hat - damit war ich zum Glück aus dem Schneider (hatte sowieso nix damit zutun).
Wenn das nicht gewesen wäre, hätte er mir theoretisch unterstellen können, dass ich (obwohl zu dem Zeitpunkt nachweislich viele km entfernt gearbeitet habe bzw. dumm wenn ich keine Zeugen habe, wo ich zu dem gefragten Zeitpunkt war) das zeitgesteuert laufen gelassen habe (der Taskplaner ist seit mind. 10 Jahren im Standardumfang von Windows) bzw. das entspr. Programm installiert habe, obwohl ich's nicht war - dann beweis mal deine Unschuld...
notting
. . . also ich sehe das ziemlich ähnlich. Bei Volksabstimmungen in der Schweiz wird man gefragt ob man für einen bestimmten Vorschlag ist.
In unserem Land würden das wohl viele mit "sind sie dafür, dass sie dagegen sind?!" übersetzen. Warum so kompliziert?
1. Habe ich etwas wichtiges gesehen?
2. Kamm mein Zeugnis anderen Menschen helfen?
3. Bin ich bereit anderen Menschen zu helfen?
Die Gallier hatten ihr komplettes Weltbild um die Angstvorstellung angeordnet, dass Ihnen vielleicht der Himmel auf den Kopf fallen könnte. Aber Angst ist bekanntlich etwas subjektives und höchstpersönliches.
Ich finde die Idee nicht schlecht.
Sie ist jedoch nicht neu.
Wenn ich die Zeitung aufschlage, dann gibt es täglich mehrere Artikel von Unfällen mit Fahrerflucht in denen die Polizei um Mithilfe bittet.
Und es sind nicht immer Unfälle mit großen Sachschäden oder Verletzten. Im Gegenteil. Sehr oft handelt es sich um Schäden wie abgefahrene Spiegel etc.
Die Seite steht und fällt, so denke ich und das wurde bereits anfangs bereits geschrieben, mit deren Bekanntheitsgrad.
Einige Antworten bei den FAQs regen allerdings zum Überlgen an:
Was ist vrvz.de ? Warum gibt es vrvz.de ?
vrvz.de ist eine kostenlose, anonyme Hilfsplattform von und für Verkehrsteilnehmer (Auto-, Motorrad-, Fahrradfahrer oder Fußgänger).
Die Idee zu vrvz.de entstand aus der jahrelangen anwaltlichen Praxis des Gründers Lazar Vesin. Der Verkehrsanwalt stellte immer wieder fest, dass unschuldige Unfallopfer, die keine Zeugen hatten, aufgrund von Beweismangel auf ihrem Unfallschaden sitzen blieben. Das sollte sich ändern.
Wer oder was steckt hinter VRVZ.de ?
vrvz.de ist ein Projekt der Hamburger VRVZ GmbH. Das Unternehmen betreibt verschiedene Internetseiten zum Thema „Straßenverkehrsrecht“.
Quelle: http://www.vrvz.de/vrvz-faq.html
Man könnte nun vermuten, es handelt sich eine Art "verdeckte Kundengewinnung".
Andererseits scheint es so zu sein, als ob bereits Polizeibehörden diese Seite bereits nutzen.
Ich habe einfach mal als Datum den 01.01.-31.12.2011 eingegeben und die Suche auf Hessen beschränkt.
In einem der Treffer taucht im Menü-Punkt: "Beteiligt als": Polizeibehörde auf.
Bei einer Meldung eines Unfalls muß man u. a. seine eMail-Adresse angeben. Also als Privatperson eine gefakte Polizei-eMail-Adresse erfinden stelle ich mit problematisch vor. Zumal man einfach überprüfen kann welche eMail-Adresse eine Polizeibehörde hat bzw. wie diese aufgebaut ist.
Andererseits sind Behörden bekannt dafür sich nicht an solchen Projekten privater Anbieter zu beteiligen (mit wenigen Ausnahmen).
wenn überhaupt, stellen Behörden ein eigenes Portal ins Netz.
Zitat:
Original geschrieben von F213
[...]
Die Idee zu vrvz.de entstand aus der jahrelangen anwaltlichen Praxis des Gründers Lazar Vesin.
Der auch Inhaber der Domain ist.
Zitat:
Original geschrieben von F213
[...]
Man könnte nun vermuten, es handelt sich eine Art "verdeckte Kundengewinnung".
[...]
Was mich nicht verwundern würde, aus Mitleid wird so eine Seite sicherlich nicht betrieben. Vielleicht meldet sich nach Eintragung eines Tathergangs ja ganz zufällig einer der Anwälte der Kanzlei und bietet Rechtsbeistand an...
Ob das jetzt positiv oder negativ zu werten wäre mag jeder für sich entscheiden. Ich will hier auch nichts schlechtreden oder gar unterstellen, sind nur meine Gedankengänge bei so einer Verknüpfung von Internetauftritt und Berufsbild.
Ciao!
Moin Gemeinde,
am Sonntag, den 19.02.2012 lief auf VOX bei AUTOmobil ein Beitrag zu dem Thema.
Man kann sich den Beitrag online unter AUTOmobil ansehen.
Der Bericht zum vrvz beginnt ungefähr bei Minute 35:00
Gruß
Zitat:
Original geschrieben von petham67
Moin Gemeinde,
am Sonntag, den 19.02.2012 lief auf VOX bei AUTOmobil ein Beitrag zu dem Thema.Man kann sich den Beitrag online unter AUTOmobil ansehen.
Der Bericht zum vrvz beginnt ungefähr bei Minute 35:00
Gruß
Ja, den habe ich auch gesehen.
Anfangs fand ich die Idee gut. Alls aber das Schicksal einer verunfallten Studentin gezeigt wurde, habe ich mich schon gefragt, warum jemand nachträglich nach diesem nicht schweren Unfall suchen sollte. Wegen schlechten Gewissens?
Das war mein erster Zweifel an der Sinnhaftigkeit. Aber was soll's. Man hat ja oft schon die Wirkung einer Geschichte unterschätzt.
Der zweite und doch tiefere Zweifel kam mir bei dem Interview mit dem Rechtsanwalt. Wieso macht er das? Die Begründung, es kostenlos für die Gerechtigkeit und für die Unfallopfer zu tun...sorry...die habe ich ihm einfach nicht abgenommen. Das Betreiben einer solche Site kostet Geld, Zeit, Aufwand.
Solange da kein gemeinnütziger Verein oder privat engagierte Menschen dahinter stehen, bei denen man auch schon vorsichtig bezüglich der Motivation sein sollte, kommen mir derartige Dinge immer suspekt vor. Auch ein Ausdruck der "German Angst"? Vielleicht...😉
Mir ist völlig klar was da abläuft. Der Betreiber der Seite besitzt gleichzeitig eine Anwaltskanzlei für Verkehrsrecht. Die Seite liefert ihm jede Menge Geschäftspotenzial frei Haus. Ohne großen Aufwand bekommt er in Hülle und Fülle Daten und Informationen zu Unfällen, bei denen die Rechtslage unklar ist (sonst würden ja keine Zeugen gesucht) - und das sind genau die "Fälle", bei denen die Leute ganz gerne mal einen Anwalt einschalten. Ein Anruf genügt, und schon ist wieder ein Kunde an Land gezogen ....
Ich würde sowas nicht unterstützen.
Zitat:
Original geschrieben von StevieMUC
Mir ist völlig klar was da abläuft. Der Betreiber der Seite besitzt gleichzeitig eine Anwaltskanzlei für Verkehrsrecht. Die Seite liefert ihm jede Menge Geschäftspotenzial frei Haus. Ohne großen Aufwand bekommt er in Hülle und Fülle Daten und Informationen zu Unfällen, bei denen die Rechtslage unklar ist (sonst würden ja keine Zeugen gesucht) - und das sind genau die "Fälle", bei denen die Leute ganz gerne mal einen Anwalt einschalten. Ein Anruf genügt, und schon ist wieder ein Kunde an Land gezogen ....Ich würde sowas nicht unterstützen.
Das könnte genau der Punkt sein. Es ist etwas völlig anderes, wenn die Polizei mit Zeitungsaufrufen oder Schildern an Straßen nach Zeugen sucht.
Ich fürchte auch, dass hier (wie so oft) aus der Verzweiflung von Geschädigten versucht wird, Kapital zu schlagen.
Gerne würde ich aber falsch liegen.
Liebe motor-talk-Gemeinde,
so finanziert sich VRVZ:
VRVZ wird vor allem durch Freiwilligenarbeit ermöglicht und finanziert sich aus privaten Mitteln des Teams. Auf VRVZ gibt es weder Werbung noch wird in sonstiger Weise Geld erwirtschaftet!
Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu bleiben, und langfristig kostendeckend arbeiten zu können, prüfen wir derzeit verschiedene Einnahmemöglichkeiten.
So wie es ausschaut, wird VRVZ für Einträge in einem - ohnehin geplanten - Verzeichnis für Verkehrsrechts-Experten (z.B. Verkehrsanwälte und Kfz-Gutachter) einen Beitrag erheben.
VRVZ muss und wird immer ein unabhängiges, für Unfallopfer und Zeugensuchende kostenloses Hilfsangebot bleiben. Versprochen! (Quelle: http://www.vrvz.de/vrvz-faq.html)
Wir wünschen ein schönes Wochenende und immer gute Fahrt 🙂
In Vertretung des VRVZ-Teams
LV
Also ich finde die Idee trotzdem gut.
Wikipedia funktioniert ja schliesslich auch, obwohl auf der Startseite immer häufiger massiv nach Spenden gebettelt wird.
Und sollte der Betreiber zeitgleich den etwaigen Erfolg der Webseite für Werbung nutzen um seine Kosten zu decken....... So what!
Nichts auf der Welt ist umsonst und ausserdem kann jeder halbwegs intelligente Mensch selber entscheiden, welche Informationen und Angebote er nutzt und welche nicht.
Die Idee ist nett, löst aber das wirkliche Problem nicht: Zeugen haben kein Interesse daran, auch als Zeugen aufzutreten. Schon gar nicht bei kleinen Unfällen, die nur Sachschäden hinterlassen. Was bringt es dem Zeugen? Nichts. Aber es kostet: Lebenszeit, Aufwand und es gibt sogar noch das Potenzial für Ärger von der Verursacherseite.
Es gibt bestimmt ein paar Idealisten, verbohrte Belehrer usw. die etwas beobachtet haben und hinterher doch aussagen möchten aus irgendwelchen Gründen. Dafür ist die Seite gut. Das grundlegende Problem, dass Zeugen in der Mehrzahl der Fälle nicht als Zeugen auftreten wollen löst die Seite nicht.
Anders wäre es, wenn Zeugen von neutraler Seite bezahlt werden würden für ihre Aufwände. Darum geht's aber nicht.
Daher: bezahlt mir meine Zeit, die ich für euren Prozess investieren soll von neutraler Seite fair. Dann trete ich auch als Zeuge auf. Sonst gehe ich lieber arbeiten oder widme mich meinem Leben. Bei mir klopft auch keiner freiwillig an, mir unentgeltlich bei meinen Problemchen und Sorgen im Leben zu helfen.
Lieber zerschmetterling81,
Du hat natürlich vollkommen Recht. Jeder sollte für sich entscheiden, ob, wie und unter welchen Bedingungen er anderen hilft. Bei VRVZ geht es gewiss auch nicht darum, andere Menschen von etwas zu überzeugen.
Eine Frage sei allerdings erlaubt. Wie groß erscheint Dir die Wahrscheinlichkeit, dass ein Durchschnittsbürger einer ihm unbekannten jungen Mutter mit Kinderwagen beim Besteigen einer Treppe hilft, ohne Bezahlung?
Lass uns nicht so pessimistisch sein. In unserem Land leben viele Menschen, die anderen ohne Entlohnung helfen und so tagtäglich unsere Gesellschaft mitgestalten. Schöffen, Schiedsmänner, Betreuer, ehrenamtliche Mitarbeiter in kirchlichen Organisationen, Hospizen, Betriebsräten, Personalräten, in der Jugendarbeit oder bei der Betreuung kranker, alter oder behinderter Mitmenschen.
Was ist mit den Freiwilligen bei der Feuerwehr, im Polizeidienst, der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, der DLRG, des ARB, des DRK, der Johanniter, der Malteser oder des Technischen Hilfswerks. Nichts als Aufwand, Kosten und Zeitverlust! Findest Du nicht auch, dass diese Menschen etwas verbindet, das sich nicht in Geld ausdrücken lässt?
Gebt VRVZ eine Chance 🙂
Wir sind immer wieder überrascht, mit welchem Misstrauen manche Menschen VRVZ begegnen und nehmen uns das zu Herzen.
Schönes Wochenende!
Für das VRVZ-Team
LV
Zitat:
Original geschrieben von VRVZ
Lieber zerschmetterling81,
Du hat natürlich vollkommen Recht. Jeder sollte für sich entscheiden, ob, wie und unter welchen Bedingungen er anderen hilft. Bei VRVZ geht es gewiss auch nicht darum, andere Menschen von etwas zu überzeugen.
Eine Frage sei allerdings erlaubt. Wie groß erscheint Dir die Wahrscheinlichkeit, dass ein Durchschnittsbürger einer ihm unbekannten jungen Mutter mit Kinderwagen beim Besteigen einer Treppe hilft, ohne Bezahlung?
Lass uns nicht so pessimistisch sein. In unserem Land leben viele Menschen, die anderen ohne Entlohnung helfen und so tagtäglich unsere Gesellschaft mitgestalten. Schöffen, Schiedsmänner, Betreuer, ehrenamtliche Mitarbeiter in kirchlichen Organisationen, Hospizen, Betriebsräten, Personalräten, in der Jugendarbeit oder bei der Betreuung kranker, alter oder behinderter Mitmenschen.
Was ist mit den Freiwilligen bei der Feuerwehr, im Polizeidienst, der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, der DLRG, des ARB, des DRK, der Johanniter, der Malteser oder des Technischen Hilfswerks. Nichts als Aufwand, Kosten und Zeitverlust! Findest Du nicht auch, dass diese Menschen etwas verbindet, das sich nicht in Geld ausdrücken lässt?
Du vergleichst Äpfel mit Birnen. Wenn ich ein Ehrenamt ausübe, kann ich bei rechtzeitiger Ankündigung immernoch problemlos sagen, dass ich z. B. beruflich gerade stark eingespannt bin und gerade nicht helfen kann oder je nach dem die Termine auch nur anders legen. Das machen sogar FFWler. Wenn ich mich aber als Zeuge melde, bin ich AFAIK per Gesetz bzw. Strafe dazu gezwungen, (obwohl es keine Vollbeschäftigung gibt) meinen Job zu riskieren, um zu einem Termin, den ich absolut nicht beeinflussen kann, als Zeuge auszusagen[1]. Das hat dann nichts mehr mit Freiwilligkeit zutun - von Drohungen seitens derjenigen, die ich durch meine Aussagen belaste, mal ganz abgesehen.
notting
[1] Für Kündigungen in der Probezeit und nicht verlängerte Zeitverträge sind keine Begründungen oder so erforderlich und das gibt's ja immer mehr.