50 Jahre Trabant 601 und 25 Jahre Mauerfall

Trabant 601 P 601

Zwickau –

Die Nacht vom 9. auf den 10. November in Berlin-West. Eine Hand greift eine andere und zieht den daran hängenden Menschen auf das Bollwerk jahrelanger Unterdrückung. Fremde liegen sich in den Armen, weinen. Auf dem Kurfürstendamm riecht es nach Freibier und nach verbranntem Zweitakt-Gemisch. Das Fernsehen zeigt Geschichte, live. Gänsehaut, Gejohle der Massen und immer wieder Reng-teng-teng.

Wir treffen Toni Wünsch in Zwickau. Der Himmel ist grau, Industriegebiet, am Zigarettenautomaten gibt es F6. Als vor 25 Jahren die Mauer fiel, war Toni noch nicht auf der Welt. Was ihm der 9. November bedeutet? Er antwortet:

„Ich war ja nicht dabei“

und lacht.

Wie ein alter Freund

Tonis Auto schon. Knatternd steht es auf dem Parkplatz

. Der Geruch von verbranntem Zweitakt-Gemisch dringt wie eine Erinnerung in die Duftrezeptoren.

In den hinteren Seitenscheiben kleben goldene 50er-Embleme, so wie man sie von Geburtstagskarten kennt.

Toni feiert 50 Jahre Trabant 601

. Autos, die gebaut wurden, als an ihn noch nicht zu denken war. Ein Auto als schlichtest mögliche Transportform. Ein Auto aus „Pappe“, das vor 25 Jahren plötzlich in Masse die unüberwindbare Mauer durchbrach.

Toni besitzt mehrere „Zeitzeugen“. Darunter

zwei Nullserien-Trabant

aus dem Jahre 1964.

Das älteste und das drittälteste bekannte Exemplar Deutschlands

.

Nullserien-Trabant von '64

Die sogenannte Nullserie entstand vor dem eigentlichen Produktionsbeginn im Juni 1964. Äußerlich war der neue Typ 601 da schon fast das „Mauer-Auto“ von heute. Aber in Motor- und Innenraum

entsprach er in weiten Teilen noch seinem Vorgänger

dem „runden“ P60 oder Trabant 600.

Der Mini-Motor mit zwei Zylindern schöpft

23 PS aus 600 Kubik

. Das reicht, um das 615-Kilo-Autochen auf rasante 100 km/h zu beschleunigen. Viel schneller wollte in der Duroplast-Wanne ohne Bremskraftverstärker und mit Trommelbremsen sowieso niemand fahren. Erst

1969 wurde die Leistung auf 26 PS

angehoben.

Wir steigen in Tonis pastellblauen 601 mit der Seriennummer 6430816. Ein besonderes Fahrzeug. Laut Seriennummer (der Brief existiert leider nicht mehr) gefertigt im April '64 und somit immerhin der drittälteste bekannte Trabi Deutschlands.

Im Innenraum findet sich das Armaturenbrett des Vorgängers – und die harten, dürren Sitze. Auf dem Beifahrersitz zieht man die Beine ein, bis der Bauch die Oberschenkel berührt.

Kaum vorstellbar, wie in einem solchen Auto eine ganze Familie bis nach Ungarn oder sogar Bulgarien gefahren ist

. Doch es ging – mit dem Trabi. Sofern die politische Gesinnung eine Ausreisegenehmigung zuließ.

Made in VEB Sachsenring Werke Zwickau

Routiniert schiebt Toni den Hebel am Lenkrad nach vorn und dann runter. Erster Gang, und wir knattern los.

Der Geruch im Innenraum eines Trabant ist so prägnant wie der aus seinem Auspuff

. Es riecht alt und – entschuldige, lieber Trabi – modrig. Fast so, als ob noch ein bisschen vom Freibier aus der Wende-Nacht im Teppich steckt. Es zeugt von Charakter.

Bevor der Trabant 601 in Serie ging

, gab es 110 Funktionsmuster, die komplett in Handarbeit gefertigt wurden“ sagt Toni. „Das war '63. Aber von denen ist, soweit bekannt, keiner mehr erhalten. Deswegen sind die

Vorserienfahrzeuge aus dem Frühjahr '64 (Januar bis Mai)

die ältesten 601, die man fahren kann“.

Ihr markantestes Erkennungszeichen: die viereckigen Lufteinlässe in der Frontmaske

. Weil bei der Fertigung die entsprechende Presse noch nicht vorhanden war, wurden sie von Hand ausgesägt. Bei späteren Serienfahrzeugen waren sie rund.

Viele andere Merkmale der allerersten 601er, wie die dünnere B-Säule ohne Sicke, die speziellen Zierleisten, der Stützstab für die Kofferraumklappe oder die fehlende Entlüftung an der C-Säule, blieben noch bis '65. Als der Trabi endlich das Aussehen bekam, das er bis zum ähnlichen, aber weniger kultigen Viertakt-Nachfolger Trabant 1.1 von '89 behalten sollte

Exkursion in die deutsche Auto-Geschichte

Toni zirkelt flott durch die Stadt, vorbei am Horch-Werk, das später zum VEB Sachsenring Werk wurde. Dem Werk in dem Tonis Trabant vor 50 Jahren als einer von mehr als 2,8 Millionen zu Welt kam.

„Autos müssen gefahren werden“, sagt Toni, als er um die nächste Kurve pfeift. Rund 9.670 Kilometer sind bis zu diesem Tag seit der Restaurierung 2012 zusammengekommen. 2010 hatte er den Trabant in Teilen aus Berlin geholt.

Toni orientierte sich bei der Restaurierung am ersten Prospekt zum neuen Trabant 601

. Auch ihn trafen dabei die üblichen Schwierigkeiten, aber auch die Glücksgefühle, die jeder Schrauber kennt:

Zwar waren drei der alten Felgen mit den länglichen Löchern dabei, doch eine vierte fehlte. Toni fand sie schließlich auf einem Teilemarkt. Stöbern, fragen, handeln. Ein bisschen muss man vorgehen wie in der DDR.

Spezifische Teile für die frühen 601 sind Goldstaub

.

Der wahrscheinlich älteste Trabant Deutschlands

Heute ziert ein Original-Verbandskasten (mit Inhalt) die Hutablage. Über das Alter der originalen Pneumant-Reifen lässt sich nur mutmaßen. Und für Fotos schraubt Toni die Europa-Kennzeichen kurzerhand ab. Denn dahinter verbergen sich selbstgebastelte „DDR-Nummernschilder“. Nicht aus blöder Ostalgie, sondern mit der gleichen Nummer wie im Prospekt: TG 86-42.

Doch

Tonis größter Schatz

steht in einer Lagerhalle nahe der „Automobilen Trabant Ausstellung“ in Zwickau. Toni kramt einen Aufkleber vom Licht-Test '91 aus dem Fußraum eines

verstaubten pastellweißen 601

. „Ist durchgehend gelaufen, bis '91“, grinst er. „Wer weiß, vielleicht war er ja sogar beim Mauerfall dabei? Kurz danach muss er jedenfalls weggestellt worden sein“.

Im Fahrzeugbrief steht unter Erstzulassung der 25. März 1964

. In der deutschen Trabi-Szene kennt niemand einen älteren 601, als den mit der Seriennummer 6430233. Den 233sten 601, der gebaut wurde.

Erst im vergangenen Jahr hat Toni den Trabi ergattert. Seitdem ruht er. Und wartet auf ein zweites Leben im wiedervereinigten Deutschland.

Auf die nächsten 50

Wann der älteste Trabant Deutschlands wieder läuft, weiß Toni noch nicht genau.

2017 könnte es mit der Restaurierung losgehen

. Vorher muss er sich noch um ein paar andere Schätzchen kümmern. Gerade erst ist sein erstes Auto wieder fertig geworden, ein blauer 601 von '89. Selbst bei dessen Fertigung hier um die Ecke in Zwickau war Toni noch nicht auf der Welt.

Das schlechte an hohen Geburtstagen und Jubiläen ist ja, dass zunehmend weniger Leute leben, die sie mit einem feiern. Alte Menschen kennen das.

Wer wird sich in 25 Jahren schon noch lebhaft an die Nacht des 9. November erinnern können?

An das Gesicht der Frau, der er auf die Mauer half. Daran, wie unfassbar gut das Freibier auf dem Kudamm schmeckte. Oder daran, wie die Abgase eines ganz besonderen 75-jährigen Ost-Autos aus „Pappe“ riechen?

Aber heute ist nicht 2039

. Und außerdem gibt es ja noch Toni Wünsch.

Herzlichen Glückwunsch Trabant. Herzlichen Glückwunsch Deutschland.
95 Antworten

Man darf nicht vergessen, daß in Zweitaktmotoren bei jedem Kolbenhub ein Arbeitstakt
stattfindet und nicht bei jedem zweiten wie im Viertakter.
Das macht die Motoren theoretisch effektiver.
Sieht man sich die Kenndaten z.B. des Wartburgmotors an, fällt das ( für damalige Verhältnisse )
in Relation zu Hubraum und Leistung sehr hohe Drehmoment auf. Muss ja irgendwo herkommen.

Zitat:

@Karli65 schrieb am 15. November 2014 um 19:07:36 Uhr:


Man darf nicht vergessen, daß in Zweitaktmotoren bei jedem Kolbenhub ein Arbeitstakt
stattfindet und nicht bei jedem zweiten wie im Viertakter.
Das macht die Motoren theoretisch effektiver.
Sieht man sich die Kenndaten z.B. des Wartburgmotors an, fällt das ( für damalige Verhältnisse )
in Relation zu Hubraum und Leistung sehr hohe Drehmoment auf. Muss ja irgendwo herkommen.
Danke

, das weis aber nicht jeder User !

;)

Das "Danke" ist Ernst gemeint , gibt es hier aber nicht !

Zitat:

@trixi1262 schrieb am 15. November 2014 um 18:41:25 Uhr:


...Das D: zwei Kriege verloren hat, dürfte Allgemein bekannt sein, aber was das nun mit dem Wartburgmotor zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis !...

Das ist so eine Sache mit dem Allgemeinwissen. Du beispielsweise weißt nicht mal, das die Sowjetunion im II. WK zu den Alliierten zählte.

Die Teilung Deutschlands war eine der Folgen des verlorenen Krieges. Der Zusammenhang zwischen der ökonomischen Situation der DDR und ihrer technologischen Verelendung mit dem Verbleib im sowjetischen Machtbereich läßt sich jedoch auch mit nur geringen Geschichtskenntnissen herleiten. Eisenach war eine der früheren Fertigungsstätten der Bayerischen Motoren Werke (BMW). Dort entstanden so unvergessliche Fahrzeuge wie der 328, ein Wagen, auf dessen Basis sogar ein Geschwindgkeitsweltrekord aufgestellt wurde und der in seinen zahlreichen Rennvarianten sowohl vor, als auch nach dem Krieg große international Rennsportveranstaltungen dominierte (Siege bei der Mille Miglia und auf der Avus) und schließlich sogar bei der Weltmeisterschaft an den Start ging. Der Schritt vom vielfach preisgekrönten wassergekühlten Vorkriegs-Reihensechszylinder zum Dreizylinder-Zweitakter war für die wirtschaftliche Brachlage Deutschlands zu Beginn der 50er Jahre symptomatisch und unterschied nicht zwischen Ost und West. Den Dreizylinder gab es im DKW F91 (in der Westzone) sogar erst zwei Jahre nach dessen Einführung im F9 Ost. Es steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt, daß nach 37 Jahren Entwicklungsstillstand dieser Motor noch immer als Antrieb für den "repräsentativen Reisewagen" Wartburg 353 herhalten mußte.

Zitat:

@ML-250 schrieb am 15. November 2014 um 19:50:41 Uhr:



Zitat:

@trixi1262 schrieb am 15. November 2014 um 18:41:25 Uhr:


...Das D: zwei Kriege verloren hat, dürfte Allgemein bekannt sein, aber was das nun mit dem Wartburgmotor zu tun hat, entzieht sich meiner Kenntnis !...

Das ist so eine Sache mit dem Allgemeinwissen. Du beispielsweise weißt nicht mal, das die Sowjetunion im II. WK zu den Alliierten zählte.
Die Teilung Deutschlands war eine der Folgen des verlorenen Krieges. Der Zusammenhang zwischen der ökonomischen Situation der DDR und ihrer technologischen Verelendung mit dem Verbleib im sowjetischen Machtbereich läßt sich jedoch auch mit nur geringen Geschichtskenntnissen herleiten. Eisenach war eine der früheren Fertigungsstätten der Bayerischen Motoren Werke (BMW). Dort entstanden so unvergessliche Fahrzeuge wie der 328, ein Wagen, auf dessen Basis sogar ein Geschwindgkeitsweltrekord aufgestellt wurde und der in seinen zahlreichen Rennvarianten sowohl vor, als auch nach dem Krieg große international Rennsportveranstaltungen dominierte (Siege bei der Mille Miglia und auf der Avus) und schließlich sogar bei der Weltmeisterschaft an den Start ging. Der Schritt vom vielfach preisgekrönten wassergekühlten Vorkriegs-Reihensechszylinder zum Dreizylinder-Zweitakter war für die wirtschaftliche Brachlage Deutschlands zu Beginn der 50er Jahre symptomatisch und unterschied nicht zwischen Ost und West. Den Dreizylinder gab es im DKW F91 (in der Westzone) sogar erst zwei Jahre nach dessen Einführung im F9 Ost. Es steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt, daß nach 37 Jahren Entwicklungsstillstand dieser Motor noch immer als Antrieb für den "repräsentativen Reisewagen" Wartburg 353 herhalten mußte.

Es ist doch alles richtig, was du schreibst, das kann und will ich ja überhaupt nicht abstreiten !

Aber der Wartburg ,sowie der Trabbi war nun mal seit 37 Jahren(auch deine Erfahrung) Standard in der DDR und alles andere war verpönt ! Außer die Fahrzeuge aus den Ostblockstaaten.

Das EMW und BMW verwandt sind, das weis ich auch, Horch war ja auch mal vertreten und wurde dann von unserer Obrigkeit umbenannt, oder ebenfalls verpönt ?

Ich kenne "Horch" jedenfalls nicht als Hersteller zu DDR-Zeiten.

Es ist einfach so, bei Uns hat der Russe so gut wie in alles ausgebremst hat und auf der "anderen Seite" hatte man die Möglichkeit sich Frei zu entfalten !

Ich würde mir sicherlich keinen Warti mehr kaufen, aber zur damaligen Zeit war das in der DDR schon ein gutes Auto !

Ich habe jetzt nur noch 2x einen 2 Takter, die Kettensäge und meinen Aussenbordmotor

;)

PS.

Stinken tun die alle Beide !!!

Aber das moderne Mischöl (TCW3) ist auch schon was völlig anderes, als unsere Plörre damals !

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Zitat:

@trixi1262 schrieb am 15. November 2014 um 21:20:23 Uhr:



Zitat:

@ML-250 schrieb am 15. November 2014 um 19:50:41 Uhr:



Das ist so eine Sache mit dem Allgemeinwissen. Du beispielsweise weißt nicht mal, das die Sowjetunion im II. WK zu den Alliierten zählte.
Die Teilung Deutschlands war eine der Folgen des verlorenen Krieges. Der Zusammenhang zwischen der ökonomischen Situation der DDR und ihrer technologischen Verelendung mit dem Verbleib im sowjetischen Machtbereich läßt sich jedoch auch mit nur geringen Geschichtskenntnissen herleiten. Eisenach war eine der früheren Fertigungsstätten der Bayerischen Motoren Werke (BMW). Dort entstanden so unvergessliche Fahrzeuge wie der 328, ein Wagen, auf dessen Basis sogar ein Geschwindgkeitsweltrekord aufgestellt wurde und der in seinen zahlreichen Rennvarianten sowohl vor, als auch nach dem Krieg große international Rennsportveranstaltungen dominierte (Siege bei der Mille Miglia und auf der Avus) und schließlich sogar bei der Weltmeisterschaft an den Start ging. Der Schritt vom vielfach preisgekrönten wassergekühlten Vorkriegs-Reihensechszylinder zum Dreizylinder-Zweitakter war für die wirtschaftliche Brachlage Deutschlands zu Beginn der 50er Jahre symptomatisch und unterschied nicht zwischen Ost und West. Den Dreizylinder gab es im DKW F91 (in der Westzone) sogar erst zwei Jahre nach dessen Einführung im F9 Ost. Es steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt, daß nach 37 Jahren Entwicklungsstillstand dieser Motor noch immer als Antrieb für den "repräsentativen Reisewagen" Wartburg 353 herhalten mußte.

Es ist doch alles richtig, was du schreibst, das kann und will ich ja überhaupt nicht abstreiten !
Aber der Wartburg ,sowie der Trabbi war nun mal seit 37 Jahren(auch deine Erfahrung) Standard in der DDR und alles andere war verpönt ! Außer die Fahrzeuge aus den Ostblockstaaten.
Das EMW und BMW verwandt sind, das weis ich auch, Horch war ja auch mal vertreten und wurde dann von unserer Obrigkeit umbenannt, oder ebenfalls verpönt ?
Ich kenne "Horch" jedenfalls nicht als Hersteller zu DDR-Zeiten.
Es ist einfach so, bei Uns hat der Russe so gut wie in alles ausgebremst hat und auf der "anderen Seite" hatte man die Möglichkeit sich Frei zu entfalten !
Ich würde mir sicherlich keinen Warti mehr kaufen, aber zur damaligen Zeit war das in der DDR schon ein gutes Auto !
Ich habe jetzt nur noch 2x einen 2 Takter, die Kettensäge und meinen Aussenbordmotor;)
PS.
Stinken tun die alle Beide !!!
Aber das moderne Mischöl (TCW3) ist auch schon was völlig anderes, als unsere Plörre damals !

wobei ich mich immer Frage: wie genau habt ihr damals gemischt?

Natürlich hat auch ein gut gemischter Zweitakter einen typischen Geruch, der sich auch mit der Ölsorte verändert. Notmales Motoröl ist immer noch relativ gut zu ertragen. Die alten Motoren waren auch damit zu betreiben und ich hätte auch bei neueren Zweitaktern keine Bedenken. Übrigens habe ich schon mal mehrere Jahre ein Zweitaktfahrzeug mit 60PS gefahren, also Erfahrungen gesammelt...

@Trixi, ist schon gut.
@Franz,
es gab allein 3,5 Millionen Zweitakt-Zweiräder (keine Ahnung wieviele Zweitakt-Autos). Da mußte man nicht selber mischen. Gemisch gab es an der Tankstelle. Wenn man mal selber mischen mußte, wurde daraus keine Wissenschaft gemacht. Zusatzöl gab es abgepackt in Flaschen. Beim Trabi hat man mit dem Meßstab umgerührt, beim Motorad hat man die ganze Maschine geschüttelt. Ob 1:50 oder 1:25 gemischt wurde, entschied jeder selbst. Wenn man seinem Fahrzeug etwas Gutes tun wollte, beispielsweise in der Einfahrphase, dann hat man auch stark graphithaltiges Schlangenöl zugemischt. Habe ich auch getan. Zu Weihnachten.
Auf einer Tour nach Rumänien kam ich in eine Gegend, in der es kein Mischöl gab. Da habe ich alles in den Tank reingekippt, was an ölhaltigen Flüssigkeiten verfügbar war und mit etwas Glück kam ich lebend wieder raus aus den Karparten.

Zitat:

@ML-250 schrieb am 15. November 2014 um 22:43:04 Uhr:


@Trixi, ist schon gut.
@Franz,
es gab allein 3,5 Millionen Zweitakt-Zweiräder (keine Ahnung wieviele Zweitakt-Autos). Da mußte man nicht selber mischen. Gemisch gab es an der Tankstelle. Wenn man mal selber mischen mußte, wurde daraus keine Wissenschaft gemacht. Zusatzöl gab es abgepackt in Flaschen. Beim Trabi hat man mit dem Meßstab umgerührt, beim Motorad hat man die ganze Maschine geschüttelt. Ob 1:50 oder 1:25 gemischt wurde, entschied jeder selbst. Wenn man seinem Fahrzeug etwas Gutes tun wollte, beispielsweise in der Einfahrphase, dann hat man auch stark graphithaltiges Schlangenöl zugemischt. Habe ich auch getan. Zu Weihnachten. Auf einer Tour nach Rumänien kam ich in eine Gegend, in der es kein Mischöl gab. Da habe ich alles in den Tank reingekippt, was an ölhaltigen Flüssigkeiten verfügbar war und mit etwas Glück kam ich lebend wieder raus aus den Karparten.

Ach du heiliger Strohsack, hast du die kleinen Buddeln noch ?

:eek::eek::eek:

Ja, an das Zeug kann ich mich noch dunkel erinnern, war irgendein Additiv (würde man wohl heute sagen) !

Auh man, ist das lange her !

Da gab es doch noch 1:33er Gemisch !

Zitat:

@ML-250 schrieb am 15. November 2014 um 19:50:41 Uhr:


Es steht jedoch auf einem ganz anderen Blatt, daß nach 37 Jahren Entwicklungsstillstand dieser Motor noch immer als Antrieb für den "repräsentativen Reisewagen" Wartburg 353 herhalten mußte.

Naja, entwickelt hat man schon, man durfte nur nix bauen. Die Eisenacher hatten 1972 einen fertig entwickelten Viertaktmotor, der ohne große Änderungen (anders als beim VW Motor, der dann im Wartburg 1.3 zum Einsatz kam) in den Wartburg 353 gepasst hätte.
In Zwickau hatte man 1984 einen Dreizylinder Dieselmotor für den Trabant entwickelt - wurde aber auch nix draus...
Hier auch noch mal ein paar Prototypen, die ja schon in anderen Beiträgen hier angesprochen wurden, aus Eisenach, und aus Zwickau.

Zitat:

@trixi1262 schrieb am 15. November 2014 um 21:20:23 Uhr:



Das EMW und BMW verwandt sind, das weis ich auch, Horch war ja auch mal vertreten und wurde dann von unserer Obrigkeit umbenannt, oder ebenfalls verpönt ?
Ich kenne "Horch" jedenfalls nicht als Hersteller zu DDR-Zeiten.

Noch kurz dazu:
BMW - EMW
BMW baute eigentlich mal in erster Linie Motoren (sagt ja auch der Name), erst 1928 kauften die Bayern die "Fahrzeugfabrik Eisenach" und stiegen so in die PKW Produktion ein - alle BMW PKW's, die vorm zweiten Weltkrieg gebaut wurden, kamen aus Eisenach. Nach dem Krieg nahm man dort die Produktion wieder auf, da Eisenach allerdings in der Sowjetischen Besatzungszone lag, und die Münchner somit keinen Einfluss mehr darauf hatten, klagten sie gegen die Verwendung ihres Namens. In Eisenach reagierte man darauf und benannte sich um, so entstand "EMW" (Eisenacher Motoren Werke).
Horch
Horch geht zurück auf August Horch, er arbeitete bei Carl Benz in Mannheim wo er es bis zu Werksleiter brachte. Doch er hatte eigene Vorstellungen (Vierzylinder, Sechszylinder, Frontantrieb und noch mehr), für derartige Experimente war Carl Benz aber nicht zu haben, so gründete Horch dann in Köln 1899 seine eigene Firma. Schließlich ging er dahin, wo er Geld bekam - zuerst 1902 nach Reichenbach im Vogtland (1903 kam dann das erste deutsche Auto mit Vierzylindermotor von ihm), 1904 ging er dann nach Zwickau (1907 dann sein erster Sechszylinder). Die Firma "Horch" war eine AG, bei der August Horch aber durch seine geringe Kapitalbeteiligung keinen großen Einfluss hatte - 1909 kam es zum Streit mit dem Aufsichtsrat, und er hat das Unternehmen verlassen. Quasi in der Nachbarschaft gründete er dann sein neues Unternehmen, die August Horch Automobilwerke GmbH. Es kam zum Namensstreit mit der Horch AG, worauf hin er seine Firma dann in "Audi" umbenannte (lat. für "höre" ...also "horch";). 1915 wurde daraus dann auch eine AG.
Nach der Weltwirtschaftskrise wurden die sächsischen Automobilbauer dann sozusagen zwangsvereinigt, aus Horch, Audi, DKW (Zschopau) und Wanderer (Chemnitz) wurde die "Auto Union" mit dem Markenzeichen der vier ineinandergreifenden Ringe (damals der zweitgrößte deutsche Automobilproduzent nach Opel).
Nach dem Krieg wurde die "Auto Union AG" von der DDR Obrigkeit aus dem Handelsregister Chemnitz gelöscht - wodurch auch die Rechte an den Marken Horch, Audi, DKW und Wanderer aufgegeben wurden. Dadurch konnte in Westdeutschland die "Auto Union" neu gegründet werden. Unter dem Namen DKW wurden dann wieder Zweitakter gebaut. 1958 wurde die Auto Union von Daimler-Benz übernommen und 1964 an den Volkswagen Konzern verkauft, soweit mir bekannt, blieben aber die Rechte der Marke "Horch" bei Daimler-Benz. Da man bei der Auto Union nun auch auf Viertaktmotoren umstieg, entschied man sich dazu den Namen "DKW" zu begraben, da dieser steht's mit Zweitaktmotoren in Verbindung gebracht wurde - es wurde dann "Audi" als Name gewählt - was daraus dann bis heute wurde, dürfte bekannt sein...

Sorry, is doch etwas länger geworden :D

Mit diesem hier, durfte ich als "Wessi" meine ersten Fahrversuche machen, und das Autofahren gelernt. Auf abgelegenen Feldwegen `77 bei Erfurt. Fotografiert 10 J später aus meinem 1 er Golf Juli 87 in dem damaligen "grauen" Erfurt. (die einzige Erleuchtung, war die graugelbe Telefonzelle) Der Trabi war 17 J im Einsatz. Letztens hatte ich wieder einen `89 vor der Garage, Kabel an der Lima abgefault. Stecker neu gemacht, und fährt wieder. (einfache Technik)
th

28l-erfurt-7-87

Zitat:

@tommel1960 schrieb am 16. November 2014 um 16:42:10 Uhr:


Mit diesem hier, durfte ich als "Wessi" meine ersten Fahrversuche machen, und das Autofahren gelernt. Auf abgelegenen Feldwegen `77 bei Erfurt. Fotografiert 10 J später aus meinem 1 er Golf Juli 87 in dem damaligen "grauen" Erfurt. (die einzige Erleuchtung, war die graugelbe Telefonzelle) Der Trabi war 17 J im Einsatz. Letztens hatte ich wieder einen `89 vor der Garage, Kabel an der Lima abgefault. Stecker neu gemacht, und fährt wieder. (einfache Technik)
th
klar, in Erfurt gab es noch nicht mal Blätter an den Bäumen....
man man man

Zitat:

@tommel1960 schrieb am 16. November 2014 um 16:42:10 Uhr:


... in dem damaligen "grauen" Erfurt. (die einzige Erleuchtung, war die graugelbe Telefonzelle)

Genau. Und im goldenen Westen war es schön bunt.

http://forum.rollingstone.de/album.php?albumid=770&page=2http://...lsenkirchener-geschichten.de/bild.php?...

die 10-15 Jahre Wartezeit klingen erstmal schlimm.
im Alltag sah das aber dann wie folgt aus:
- sobald das Kind 18 war wurde halt ein trabbi bestellt
- war der dann dran hat man den gekauft und sein altes auto mit wenig verlust oder sogar gewinn weiterverkauft. es gab ja immer irgendwo einen dessen auto fertig war und der eben auf der warteliste noch nicht dran war.
- teils ging es auch per handschlag. nachbar sowieso war mit dem neuen auto dran. hatte aber kein geld. also hat man es bekommen aber es war ausgemacht, dass wenn das eigene auto dann dran ist und er dann die kohle zusammen hat bekommt er dann dieses usw.
man arrangierte sich also mit den wartezeiten
- je größer das auto desto perfider waren die gebrauchtpreise.hatte man das glück kurz vor der wende mit einem wartburg 1.3 tourist dran zu sein für ca 34000 ostmark, konnte man für seinen 353 tourist durchaus mit 30000 ostmark rechnen. in der wende bot dann jemand 100 000 ostmark für den 1.3 - man war so dumm und machte das nicht weil: man hätte ja kein auto mehr gehabt!!
im nachhinein völlig bescheuert. für das geld wäre nach der währungsreform locker ein neuer benz drin gewesen.
------------------------------
die west gebrauchtwagenhändler haben nach der wendee in jedem fall dass geschäft ihres lebens gemacht. jeder schrottreife gebrauchte fand irgendwo noch einen dummen ossi der den kaufte.
geldtauscherei gab es in der unsicheren zeit in jedem fall auch jede menge krumme geschäfte. dass viele ossis sich doppelt begrüßungsgeld abholten ist da nur ein kleines übel. es gab wessis dir ihr geld durch tauscherei in ostmark und wieder zurück usw gerne mal verzehntfacht haben.
mancher ossi profitierte auch ein wenig - aber in der regel ging er deutlich vorsichtiger vor.
----------------
was den 601er hier angeht:
so richtig wertschätzung wird der nur in der trabiszene finden.
für jeden sonstigen autoaffinen menschen oder oldtimerfreak ist sonst ein trabant p50 und trabant 600 das deutlich angesagtere auto, insbesondere als kombi.
es ist auch nicht so als war der osten nur auf kleine autos aus. man versuchte selbst bei sachsenring durchaus was großen. den p240 kennt halt nur fast keiner:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sachsenring_P_240
das ist dann gar nicht mehr so weit weg vom ami.

"... man arrangierte sich also mit den wartezeiten..."
Ehm, äh, was wäre denn die Alternative gewesen? Beispielsweise, wenn man sich nicht arrangiert hätte? Ein Arrangement ist etwas, das beiden Seiten nützt, eine Übereinkunft.
"... jeder schrottreife gebrauchte fand irgendwo noch einen dummen ossi ..."
So dumm war selbst ein Ossi nicht, das er sich von einem Gebrauchtwagen finden ließ. Und diejenigen Ossis, welche sich einen schrottreifen Gebrauchtwagen kauften, taten dies in aller Regel nicht aus Dummheit, sondern weil der Markt nach Grenzöffnung leergefegt war. Von anderen Ossis. Denjenigen, die sich einen guten Gebrauchtwagen gekauft hatten.
"... dass viele ossis sich doppelt begrüßungsgeld abholten ist da nur ein kleines übel..."
Wer sich in der Öffentlichkeit über knapp 17 Millionen Menschen so äußert, der hat ja sicher profundes Datenmaterial. Welche Institution hat die Zahlen veröffentlicht, auf die du dich beziehst?
"... den p240 kennt halt nur fast keiner ..."
Ja, da staunt man, so verbreitet, wie der gewesen ist, müßte den doch eigentlich jeder kennen. Schließlich besaß jeder DDR-Bürger statistisch gesehen 0,00008 P240. Und kaufen konnten ihn nur Institutionen. Vor mehr als einem halben Jahrhundert. Da müßte ihn doch eigentlich fast jeder kennen.

Na ja, so schlimm finde ich die Ausführungen des Vorschreibers nun auch wieder nicht... ;)
Klar hat man sich irgendwie mit der Situation arrangiert, wobei abgefunden wohl die bessere Wortwahl gewesen wäre. Wer sich zu DDR-Zeiten wirklich ein Auto leisten konnten, was bei dem üblichen Durchschnittseinkommen gar nicht so selbstverständlich war, der hat eben auch mal den Neupreis für einen 10 bis 15 Jahre alten Gebrauchten gezahlt und später dann die eigene Bestellung für gutes Geld verkauft oder eben den Gebrauchten. Sowas wie Wertverlust gab es damals so gut wie nicht.
Ganz so Unrecht hat der Vorschreiber hinsichtlich der Gebrauchten auch nicht, die nach Grenzöffnung und Währungsreform den Besitzer wechselten. Kaum einer war wirklich vermögend und einen Umtausch 1:1 gab es nur für bis zu 4000 Ost-Mark. Die ganzen alten Westmöhren in der Preisklasse mit 2500 DM fanden eigentlich so ziemlich gleich einen neuen Besitzer. Aber leergefegt? Bei weitem nicht. Dafür gab es einfach genug billige Gebrauchte und zu wenig, die das Geld auf diese Art und Weise gleich verbrennen wollten. Wusste ja auch noch niemand so recht, was noch kommen würde. Aber sagen wir mal so, die westdeutsche Wirtschaft hat durch die neue Kaufkraft im Osten erstmal einen großen Schub nach vorne gemacht, egal in welchem Bereich.
Das mit dem doppelten Begrüßungsgeld ist im Großen und Ganzen aber Schmarrn. Es gab tatsächlich vereinzelt Fälle, wo dies passiert ist, aber im Grunde wurden die Daten des Personalausweises bei der Auszahlung abgeglichen und registriert.
Auch heute gibt es Fälle, wo Leute doppelt Hartz IV kassieren, oder eben mehr als ihnen zustehen würde. In den alten wie auch in den neuen Bundesländern. Im Gegenzug dazu gibt es aber auch genug, die zu wenig bekommen und es nicht merken. Sozialschmarotzer gab es früher wie heute, auf beiden Seiten, aber der Prozentsatz selbst, der statistisch auch nachgewiesen ist, hat sich nicht wirklich verändert.
* * * * *
Wie gesagt, der Trabbi war eigentlich schon damals ein Auto, welches keiner wirklich wollte, aber das gekauft wurde, weil es kaum eine Alternative gab. Ein Lada oder Wartburg war fast nicht finanzierbar, es sei denn man war in höheren Positionen zu gegen oder einer der wenigen Selbstständigen in der ehemaligen DDR. Einen 10 Jahre alten Trabbi hatte man sich dann aber vielleicht doch irgendwann noch zusammmengespart.

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