Leerlauf unruhig, Leerlaufdrehzahl schwankt, Motor schüttelt sich, geht aus -> LÖSUNG

VW Vento 1H

Der Betreff ist so seltsam, damit er bei einer Suche mit höherer Wahrscheinlichkeit gefunden wird...

Das Problem ist gelöst, dieser Beitrag soll allen Mitleidenden die IMHO wahrscheinlichste Lösungsmöglichkeit erläutern, damit auch euer Motor im Leerlauf wieder rund läuft.

Ich HATTE das allseits "beliebte" Problem, dass der Motor (Golf III, 1,4L, 44kW, 11/95, Bosch Motronic MP 9.0) im Leerlauf gelegentlich ausgeht, vor allem an Ampeln oder wenn man gerade ausgekuppelt hat und dann die Servolenkung betätigt, aber auch wenn der Verstärker einen kräftigen Bass raushaut. Besonders leicht ist der Motor abgestorben, wenn die Drehzahl gerade abgefallen ist, also z.B. wenn man in einer Kurve gerade vom 3. in den 2. Gang schaltet und genau dann die Servolenkung betätigt, wenn die Drehzahl frisch abgefallen ist.

Das Problem war fast völlig temperaturunabhängig, trat aber IMHO tendenziell eher bei feuchter Luft auf, kann aber auch Einbildung gewesen sein. Möglicherweise im Winter ein klein wenig öfter.

Ursachen kann es wohl so viele wie Lösungsideen geben, meist wird auf Falschluft getippt, wenn man jemanden fragt. Bei mir war aber ZU WENIG Luft der Grund.

Ich habe in diesem Forum (weiß leider nicht mehr von wem) den Tip gefunden, dass man mal die Ölkohle, also das schwarze Dreckzeug an der Drosselklappe entfernen sollte und dass dies in 90% der Fälle helfen soll.

Und tatsächlich: gereinigt und nun habe ich einen lustigen Effekt: direkt nach dem Anlassen dreht der Motor mit 1500 UPM und geht dann langsam runter auf 900, wobei er dies ab ca. 1200 in mehren Schritten tut und zwischendurch immer mal wieder ca. 100 UPM höher geht und dann 200 UPM runter, bis er ca bei 900 ist (noch relativ kühl, ist allerdings 35° C warm draussen). Wenn er warm wird, geht er sicher auch bis 700 runter. (noch nicht getestet)

Gefahren bin ich nach der Reinigung noch nicht. Ich habe ihn als Jahreswagen gekauft und weiß gar nicht mehr, ob das am Anfang auch so war, die letzten Jahre fing er auf jeden Fall direkt mit ca. 800-900 UPM an.

Ich habe mal für ca. 10 Minuten die Baterrie abgeklemmt, aber auch danach lief er direkt nach dem Starten ca. 30 Sek. erstmal wieder mit 1500 UPM. (Hätte ja sein können, dass das Steuergerät einen Fehler erkannt hat und sich anders verhalten hat als üblich)

Jetzt interessiert euch vielleicht die Ursache (würde mich jedenfalls interessieren). Das war folgende: bei diesem Motor regelt die Elektronik das Standgas mit der gleichen Drosselklappe, die man auch per Gaszug bewegt. Aber für den Leerlaufbereich (ca. die ersten 15 mm) ist es möglich die Luftmenge viel feiner zu regulieren als beim Rest der Stellweges. D.h. in den ersten 15 mm, bzw. geschätzten 10° Neigung ändert sich die Luftmenge deutlich weniger als bei gleicher Winkeländerung in dem Bereich über 10° Neigung.

Der Luftspalt wird innerhalb der ersten 15 mm / 10° also nur sehr langsam breiter. Und die dort abgelagerte Ölkohle vom Schwitzöl aus dem Kurbelgehäuse hat diesen Spalt so verengt, dass zu wenig Luft durchströmen konnte. Die Motorelektronik ist offensichtlich so programmiert, dass sie den Leerlauf aber nur in diesem Stellbereich regelt (sie könnte ja sonst einfach noch ein klein wenig weiter aufmachen). Die Elektronik mißt die Drosselklappenstellung ja per Poti und weiß daher, wo sich dieser Leerlaufregelbereich befindet und geht wohl für die Leerlaufdrehzahl keineswegs nach gemessener Drehzahl, sondern nach gemessener Winkelstellung der Drosselklappe. Irgendwie ist das also ziemlich schwachsinnig programmiert.

Was mich übrigens wundert ist, dass weder VW, noch A.T.U., noch freie Werkstätten, noch Tankstellenwerkstätten auf diese Idee gekommen sind. Zumindest VW muß doch das Standgas-Problem durch abgelagerte Ölkohle bekannt sein, bei Motoren dieser Bauart, also mit Leerlaufluftmengenregelung über die Drosselklappe und ohne Ölabscheider im Luftfiltergehäuse.
(Scheint bei Ford aber auch sehr oft aufzutreten, wenn man mal google befragt)

Oder WOLLEN die Werkstätten von nichts wissen, bzw. lieber mal den potentiellen Kunden die halbe Motorsteuerung, zig Schläuche und am Besten noch die gnadenlos überteuerte Motorelektronik tauschen lassen???

Wer auch immer das war, der hier den Tip mit dem Abputzen der Ölkohle (ich hab' ca. 30 Taschentücher und eine halbe Flasche Reinigungsbenzin gebraucht) geschrieben hat: Du hast einen Kasten Bier bei mir frei :-)

BTW: es reicht aus, den verengten Bereich um die Drosselklappe und den äußeren Rand der Klappe selbst zu reinigen. Dazu muß man allerdings das ganze Drosselklappenelement abschrauben (ist nicht besonders schwierig). Aufpassen, dass nichts in den Ansaugkrümmer (oder ist das der Vergaser?) fällt und am Ende nicht vergessen das Erdungskabel wieder mit anzuschrauben.

Beste Antwort im Thema

Wie denn? Welches Problem? Ich dchte, ich hätte hier die LÖSUNG des Problems (unruhiges Standgas, gelegentlich auch komplettes Ausgehen des Motors) beschrieben... Dachte mir, das andere das auch gebrauchen können. :-)

Oder meinst Du mit "Problem" die 1500 UPM, die ich neuerdings (also seit heute) nach dem abschrubben der Ölkohle habe? Aber innerhalb 30 Sek. geht er langsam auf knapp unter 1000 UPM runter. Also scheint mir doch alles in Ordnung zu sein. Ich hatte ihn allerdings Spaßeshalber vorher mal mit abgezogenem Stecker vom Drosselklappensteuerelement und Luftmassenmesser versucht zu starten. Dann nochmal nur mit abgezogenem Luftmassenmesser. Dann mit beiden Teilen angeschlossen. Dann sprag er auch an :-) Nun dachte ich, dass das Steuergerät evtl. einen Fehler registriert hat (mit Sicherheit) und habe deshalb ca. 10 Minuten die Batterie abgeklemmt. Danach fing er aber genauso wieder mit 1500 UPM an und ging langsam runter. Gefahren bin ich noch nicht. Ich denke mal es ist alles in Ordnung, wenn er bei richtig warmem Motor auf ca. 750 bis 800 runtergeht im Leerlauf sollten doch sämtliche Sensoren korrekt funktionieren, oder?

Vielleicht kalibiriert sich die Motorelektronik ja sobald ich fahre automatisch so, dass die Drehzahl auch direkt nach dem nächsten Anlassen nicht über 1000 liegt. Aber ist doch eigentlich egal, ob er die ersten 30 Sek. mit 1500 dreht...

19 weitere Antworten
19 Antworten

Ich hab mir die Sache bei mir mal angesehen.. sehe ich das richtig, dass ich zum abmontieren die 3 oder 4 Imbusschrauben lösen muss? Ist das ok dass das Teil ziemlich ölverschmiert ist?

Entschuldigt die blöden Fragen, aber ich kenne mich mit Motoren nur wenig aus.. 🙂

Danke im Voraus...

Gruß Hit

such mal nochmal in der Suchfunktion. Es gab da nen Thread (nen ziieeemlich langen) da war ein Link mit ner Bebilderten Anleitung drin.

Hmm... ich kann dazu nur sagen dass Golf-Motor nicht gleich Golf-Motor ist. Es gibt 5 verschiedene Klassen von Benzinern die alle unterschiedliche Probleme haben können.

1.4 / 1.6 (kleine Maschine, Zündverteiler quer am Zylinderkopf angeflanscht). Typische Probleme sind defekter Hallgeber / Zündverteiler, Kopfdichtung reagiert empfindlich auf fehlendes Kühlwasser, Drosselklappeneinheit kann verschmutzen.

1.6 mit dem 101 PS-Motor - Motoraufbau wie der 1.8er aber mit Simos ? Einspritzanlage - sehr aufwendig und wenn Fehler auftreten nicht ganz trivial zu finden. Selten.

1.8 mit Mono-Motronic.
Recht anspruchslos - der Drosselklappensteller kann mal kaputtgehen ist aber sehr selten. Ansosnten geht alterungsbedingt höchstens mal der Zwischenflansch zwischen Drosselklappeneinheit und Ansaugrohr kaputt.

2.0 mit Digifant
Viel Zeug dran, sehr empfindlich bzgl. Nebenluft, dazu kann auch eine undichte Ventildeckeldicktung gehören. Das Leerlaufstabilisierungsventil ('Zigarre' oberhalb des Ventildeckels) verkokt gern, dann muss dass Ding gereingt oder meistens ersetzt werden.

VR6
Klasse für sich, aufwendig, Probleme sind ja wohl bekannt 🙂

mh

Also bei mir hat der Tip mit den Ölablagerungen an der Drosselklappe super funktioniert. Danke für den super Tip. Habe die Ablagerungen mit Benzin abgewischt, lies sich gut beseitigen.

Ähnliche Themen

Erst einmal danke, @Drosselklappe, daß du das so ausführlich beschrieben hast, um anderen zu helfen. Ich habe ein Leerlauf-Problem bei einem Bora 1.6 BJ2000 und werde das ausgiebige Reinigen mal testen.

Ich habe da aber noch 1, 2 Sachen aus dem Thread hier im Kopf:

Wie saugt ein Motor?
Natürlich durch die Abwärtsbewegung der Kolben, da gibt's keine extra Pumpe 😁 Dieser Unterdruck saugt die Ansaugluft an

Warum geht ein Unterdruckschlauch zum Bremskraftverstärker?
Muss deshalb sein, weil diese Verstärker mit Unterdruck funktionieren 😉 Ohne Unterdruck - keine Verstärkung, klaro? Darum haben Dieselmotoren auch eine elektrisch oder mechanisch(?) angetriebene Unterdruckpumpe, um den BKV zu versorgen.

Das Rohr vom Krümmer zum Ansaugsystem ... ehm... wenn du das meinst, was ich denke, wird da keine Luft angesaugt! Wie sollte der Luftmassenmesser diese denn berechnen? Ich habe einen 95er Golf (und auch sonst irgendeinen Golf) zwar noch nie wirklich von innen angesehen, aber was du beschreibst klingt sehr nach der Vorrichtung gegen Vergaservereisung. Die Ansaugluft wird dort erwärmt, aber immer über dasselbe Rohr angesaugt. Korrigiere mich, wer es genauer weiß...

ZU DEM BORA:
Er hat keinen Leerlauf mehr. Ohne Gas läuft er überhaupt nicht und geht aus. Er hat allerdings eine Art Nebenkanal, der an der Drosselklappe vorbei in den Ansaugtrakt führt, der meiner Meinung nach für die Luftzufuhr im Leerlauf verantwortlich ist. Die Kurbelgehäuseentlüftung gleich daneben war undicht, also hielt ich Falschluft für die Ursache, aber nach dem provisorischen Abdichten war das Problem immernoch da. Was könnte es noch sein, außer Falschluft?

Hat der 200er Bora 1.6 (MP Injection) einen Nebenkanal für den Leerlauf, oder stellt der den auch über die Drosselklappe ein? Dann würde das mit den Ölablagerungen auch bei uns Sinn machen.

DANKE!

Deine Antwort
Ähnliche Themen