Geräumiger Benziner bis 5.000 €, wohin orientieren?
Hallo zusammen,
bei uns muss ein Zweitwagen her, der allerdings nur gelegentlich gebraucht und wenig gefahren wird, schätzungsweise vielleicht 5.000 km/Jahr. Daher sollte es ein Benziner sein und nicht viel kosten; angedacht wäre ein Budget bis 5.000 €, was sich aber strecken ließe falls etwas interessantes es rechtfertigt. Marke, Bauform, Ausstattung, Verbrauch etc. spielt nicht die große Rolle, für die Zukunftsplanung sollte nur berücksichtigt werden, dass auch mal ein Kinderwagen in den Kofferraum passt, und min. 100-130 PS (je nach Fahrzeuggewicht) wären wünschenswert.
Wenn ich die einschlägigen Suchportale mit diesen Parametern füttere und mir die Ergebnisse anschaue bin ich ziemlich ratlos, in welche Richtung ich mich orientieren soll:
Zunächst mal die klassische Frage, jüngere Autos mit mehr Kilometern, oder ältere Autos mit weniger auf der Uhr? Alter und Kilometerstand schrecken uns eigentlich beides nicht unbedingt ab; die Folgekosten sind eher das interessante... und da fange ich an zu zweifeln, was ich bevorzugen sollte.
Bei jedem x-ten Suchergebnis frage ich mich auch, "ist der das wert"? Ein schönes Beispiel wäre etwa eine Citroen C5 3.0 V6 Limousine, die uns von einem Citroen Händler angeboten wurde: Aus erster Hand, makellos in Fachwerkstatt gewartet, wohl auch alles präventiv gemacht was langsam nötig wurde, steht vom Erscheinungsbild her top da... aber EZ 2001 bei 145.000 km - für 3.500 €. Ist der Preis für ein 18 Jahre altes Auto gerechtfertigt?
Das Hauptkriterium unserer Suche ließe sich eigentlich perfekt mit "wir sind damit die nächsten paar Jahre glücklich, es frisst uns derweil nicht mit Werkstattkosten die Haare vom Kopf und lässt sich ggf. in 1-3 Jahren ohne allzu großen Verlust verkaufen, falls wir auf Dauer doch kein Zweitauto brauchen sollten" zusammenfassen.
Was meint ihr, was wäre vernünftig unter diesen Gesichtspunkten?
Besten Dank im Voraus für eure Ratschläge!
Beste Antwort im Thema
So, wollte mal vom Endergebnis der Suche berichten:
Der ursprünglich interessant erschienene C5 fiel dann aufgrund doch noch gefundener Mängel, fehlenden Unterlagen zur Vorgeschichte und keinerlei Flexibilität des Verkäufers abrupt raus.
Daraufhin haben wir beschlossen das Suchraster komplett auf den Kopf zu stellen und spaßeshalber die Frage "Ein wie junges, wenig gelaufenes Auto können wir für das Geld auftreiben?" in den Mittelpunkt gestellt. Mit Filter auf <125.000 km, <5.000 €, >110 PS, 4/5 Türen und Sortierung nach EZ haben wir die Autokaufportale abgegrast und sind damit sehr bald über einen totalen Exoten gestolpert: Ein Fiat Linea.
"Nie gehört"? Ging mir auch so. Das war (bzw. ist, in manchen Ländern verkauft sich der richtig gut) Fiats Versuch eine ordentliche Limousine in Größe einer Mercedes C-Klasse auf die Beine zu stellen, die dank viel aus dem Punto entliehener, bewährter Technik kostengünstig zu produzieren aber solide ist. War in Deutschland zum Neupreis viel zu teuer, und wer kauft hierzulande schon eine Limousine, noch dazu von Fiat? Ist entsprechend komplett gefloppt in D, nur wenige hundert Stück pro Jahr wurden verkauft.
Das gefundene Exemplar stand sich seit einem dreiviertel Jahr bei einem Fiat-/Alfa-Händler die Reifen eckig, ursprünglich inseriert für knapp 4.600 €, kürzlich war der Händler auf 4.000 € heruntergegangen, Interessenten gab es trotzdem keine. Verkauf vom Händler selbst, nicht im Kundenauftrag, das ist schon mal vertrauensbildend. Der Linea ist gerade mal 9 Jahre alt, etwas über 100.000 km gelaufen, 120 PS Turbobenziner, Klima, Tempomat, ASR, ESP, Berganfahrhilfe, ein Haufen Airbags, Sprachsteuerung, Bluetooth, USB, erweiterter Bordcomputer, extra schalldämmende Verglasung, schöne weinrote Metalliclackierung, üppiger Kofferraum. Exotische Kiste, nie zuvor gesehen, aber sah gar nicht verkehrt aus und erfüllt prinzipiell alle Kriterien... also Rückenlehnen senkrecht stellen, Markenbrillen und Vorurteile ablegen und mal anschauen!
Ergebnis der Besichtigung und Probefahrt: Sieht in der Realität besser und größer aus als auf Fotos, ganz nett eigentlich. Simple Materialien, aber anstandslos verarbeitet, nichts klappert oder knarzt. Überraschend fix rennt der (damals nagelneue, heute immer noch u. a. im neuen Tipo verbaute) 1.4 T-Jet Motor, alle Achtung, Verbrauch dabei um die 6,7 L/100 km auf unserer ausgedehnten Testfahrt. Fahrwerk sportlich straff, aber nicht zu hart, Sitze bequem, Innengeräusche angenehm leise. Platzverhältnisse sind großzügig, selbst ich mit meinen knapp 2 m kann einwandfrei sitzen und dahinter passt noch ein Erwachsener. Gibt unerwarteterweise ein echt gutes Reiseauto ab.
Der Zustand des Autos war technisch gesehen makellos - Top in Schuss, alles gemacht, keine baldigen Baustellen. Vorbesitz aus erster Hand, wurde gekauft und scheckheftgepflegt beim selben Autohaus das ihn nun verkauft. Besitzer war jemand der selten, aber wenn dann primär Langstrecke fuhr. Optisch wurde der Wagen nicht groß gepflegt: Viele kleine Kratzer, hier und da eine winzige Delle, Radkappen komplett zerschunden, etwas schmutziger Innenraum, aber nichts schlimmes, außerdem kein Krümel Rost irgendwo.
Gefällt, bis auf die Optik im Detail, aber das kann man als Argument verwenden um den Preis zu drücken! Also Butter bei die Fische: Lieber Händler, das Auto muss doch mal runter von deinem Hof... die Scheibendichtungen hatten ohne Übertreibung bereits Moos angesetzt. Entsprechend ging preislich noch einiges - am Ende der Verhandlungen haben wir 3.700 € bezahlt, wobei folgendes inklusive war:
- 1 Jahr Gebrauchtwagengarantie
- eine komplette große Inspektion
- einen passenden Satz guter Winterreifen
- TÜV/AU vorzeitig neu bei Zulassung
- Ausbesserung aller Lackmängel
- neue Radkappen
- neue Fußmatten
... sowie noch ein wenig anderen Kleinkram, plus Abfertigung wie bei einem Neuwagen: Autohaus kümmert sich um die Zulassung und stellt das Auto vollgetankt, frisch gewaschen und auf Hochglanz poliert im Showroom zur Abholung bereit. Letzteres wäre echt nicht nötig gewesen, aber hey, why not, macht zumindest Spaß.
Am Ende fühlte sich das irgendwie fast ein wenig wie Diebstahl an - ich habe für Reparaturrechnungen an meinen bisherigen Autos schon mehr auf einmal ausgegeben, als dieser recht junge Fiat mit Rundum-Sorglos-Paket letztlich kostete - aber mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Fazit nach mehreren Wochen:
a) Es gab keinen übersehenen Haken, weshalb den Linea keiner wollte, läuft tadellos wie ein Neuwagen!
b) Das ist verdammt viel Auto für das kleine Geld, wenn man über etwas billig wirkendes Plastik hinwegsehen kann!
Generell war die Idee, über den eigenen Tellerrand hinaus zu suchen und keine falsche Scheu vor Exoten und Flops zu haben, goldrichtig.
Meines Erachtens ist der Fiat Linea ein absolut unterschätztes Auto, speziell aufgrund des Gegenwerts im Vergleich zum geringen Marktwert. Klare Kaufempfehlung, falls ihr mal in derselben Situation seid und in der Preisklasse ein Auto sucht!
39 Antworten
Zitat:
@mat619 schrieb am 19. März 2019 um 12:49:17 Uhr:
Hatte den Linea auch kleiner erwartet, wie bereits erwähnt - war verblüfft als ich davor stand und drin saß. Liegt wohl an der Punto-Front, aber die trügt: Der Linea steht auf einer anderen, längeren Plattform als der Punto.Radstand, Länge, Breite und Höhe sind bis auf wenige cm identisch mit der letzten C-Klasse. Innenmaße sind ebenfalls sehr vergleichbar, der Kofferraum des Linea ist sogar etwa 25% größer.
Naja, diese wenigen Zentimeter machen halt den Unterschied. Der Linea steht auf der Small Plattform die von Fiat und GM gemeinsam entwickelt wurde - auf der steht auch der Opel Corsa D - das sind nunmal andere Maße als bei der C Klasse. Das die Plattform beim Linea einen leicht größeren Radstand hat macht da auch nicht viel aus, der Radstand der C Klasse liegt mit 284cm ca. 24cm weiter auseinander als beim Linea - und 24cm beim Radstand sind nun einmal Welten.
Ist doch völlig überflüssig über cm zu diskutieren...er fühlt sich in dem Wagen wohl und das ist die Hauptsache. Und zu dem Preis, finde ich das wirklich top!
Zitat:
@fachwirt10 schrieb am 19. März 2019 um 15:34:57 Uhr:
Ist doch völlig überflüssig über cm zu diskutieren...er fühlt sich in dem Wagen wohl und das ist die Hauptsache. Und zu dem Preis, finde ich das wirklich top!
Ist nicht wirklich überflüssig, schliesslich ist das hier ein frei zugängliches Forum in dem nach Information sucht und wenn man hier lesen kann das ein Fiat Linea die gleichen Maße wie eine C Klasse hat dann verfälscht das die Realität gewaltig.
Jeder kann/soll sich das Auto kaufen das ihn glücklich macht, nur sollte man vor lauter Glück die Realität nicht aussen vor lassen.
Keine Ahnung welche C-Klasse du zum Vergleich heranziehst, aber die letzte Generation (W204) hat 2,76 m Radstand, der Linea 2,63 m. Das sind gerade mal 13 cm, keine 24 cm. Die Länge der C-Klasse beträgt 4,58 m, die des Linea 4,56 m.
Abgesehen davon, warum so an den Karosseriemaßen festhalten? Am Ende geht es darum, wie der Hersteller den Platz verwendet hat und folglich um den Nutzwert.
Wenn ich mit meinen fast 2 m im Linea vorne sitze, kann hinter mir noch ein Erwachsener recht bequem sitzen. Das geht in der besagten C-Klasse W204 schon nur etwas beengt (Form des Fahrersitzgestells lässt kaum Platz für die Füße) und in einem Audi A4 B8 z. B. leider in der Praxis gar nicht (Vordersitze weiter hinten, da das Armaturenbrett so weit nach innen ragt). Das Kofferraumvolumen des Linea ist wie gesagt ein gutes Stück größer als das der angesprochenen C-Klasse und auch etwas als das des A4.
Das ist die Realität. Wo genau bewege ich mich in der Fiktion und wo sind nun diese "Welten", die der Radstand ausmacht?
Mit einem Kleinwagen hat der Linea nichts zu tun, außer einer Plattform für selbige entsprungen zu sein.
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Zitat:
@mat619 schrieb am 19. März 2019 um 16:11:40 Uhr:
Keine Ahnung welche C-Klasse du zum Vergleich heranziehst, aber die letzte Generation (W204) hat 2,76 m Radstand, der Linea 2,63 m.
Der Linea hat einen Radstand von 2603mm, die aktuelle C Klasse ist der W205 der hat einen Radstand von 2840mm.
Bleib bei den Tatsachen auch wenn dir der Linea gefällt.
Zum Linea kursieren verschiedene Radstandsangaben: 2603, 2604 und 2630 mm, je nach Quelle. Womöglich stammt die eine oder andere vom Facelift oder ist ein Druckfehler, keine Ahnung welche stimmt - ist aber auch egal, wir reden von 2,7 verdammten Zentimetern. Als ob es eine Rolle spielen würde...
Und es ist schön für den W205, dass er einen Radstand von 2840 mm hat. Ich hatte jedoch explizit von der letzten und nicht der aktuellen C-Klasse geschrieben, dem W204, der eben nun mal die von mir korrekt angegeben 2,76 m hatte.
Unter dem Strich spielen die tollen extra Zentimeter beim Radstand des Mercedes wie vorhin ausgeführt in der Praxis aber leider keine Rolle, wenn sie vom Innenraumdesign aufgefressen werden und der effektive Nutzwert ähnlich oder gar etwas (Fußbereich hinten) bis deutlich (Kofferraum) kleiner als beim Fiat ausfällt.
Sei es wie es ist - auf jeden Fall interessant! Werde ich mir auch mal im Hinterkopf speichern, wenn ich in 2-3 Monaten auf die "Jagd" gehe.
Dürfte allerdings unwahrscheinlich sein, daß es auch ein Linea wird - ich habe den erst ein einziges Mal gesehen (neulich zum ersten Mal)... Aber zumindest von außen ist er chick - ich mag Stufenheck-Autos... 🙂
Zitat:
@Schrottkarrn schrieb am 19. März 2019 um 09:46:23 Uhr:
Soweit ich weiß ist der Fiat Linea eher ein Kleinwagen ...
hmmm....
https://www.auto-motor-und-sport.de/.../Zitat:
Länge 4560 mm
...
Kofferraumvolumen 500 l
ist bei Dir ein Kleinwagen???
damit definierst Dualso einen
3er BMW(nehmen wir die
E90-Baureihe als Stufenheck)
https://www.auto-motor-und-sport.de/.../Zitat:
Länge 4520 mm Kofferraum: 450 Liter
auch
als Kleinwagen!Merke: der Fiat Linea wurde auf der gleichen Plattform des Opel Corsa (=Kleinwagen) bzw des Opel Meriva gebaut.
Aber: in den vorherigen Posts haben wir gelernt, das der Linea aufgrund seiner tatsächlichen Länge bzw. Größe offensichtlich nicht mehr im Kleinwagensegment zuzuordnen ist.
Merke außerdem: wer schon mal in einem BMW E 90 gesessen hat, weiß dass auch dort kleinwagen Feeling aufkommen kann. Der ist so gesehen schon relativ eng für seine Klasse.
Im Prinzip ist das auch egal. Der Fiat Linear ist so selten, dass kaum jemand in die Verlegenheit kommen wird den zu kaufen. Edit...Obwohl: 2018 gab es noch 1.365 Zugelassene Fahrzeuge in Deutschland.
Umso interessanter ist es dass jemand hier im Forum ist der so ein Auto fährt und berichten kann.
Zitat:
@Schrottkarrn schrieb am 20. März 2019 um 13:00:04 Uhr:
Merke: der Fiat Linea wurde auf der gleichen Plattform des Opel Corsa (=Kleinwagen) bzw des Opel Meriva gebaut....
ja, und der erste VW-Bus wurde auf der Plattform des VW Käfer gebaut
trotzdem waren die Autos vom Platzangebot her nicht wirklich vergleichbar 😉
(und Hauptkriterium des hier Suchenden ist GERÄUMIG - nicht "wertig"/edle Materialien/...)