Direkteinspritzer - der nächste Abgasskandal?

Mich wundert ja ein bisschen, dass das noch kein großes Thema ist:

http://www.zeit.de/mobilitaet/2016-06/abgas-diesel-benzin-partikel

In Kürze: Fast alle setzen inzwischen auf Direkteinspritzung statt auf Saugrohreinspritzung, ob Turbo oder Sauger. Die stoßen aber wesentlich mehr Schadstoffpartikel aus, sieht man auch recht schnell beim Ruß am Auspuff.

Gibts da eigentlich Nachrüstoptionen, dass man Benzin-Partikelfilter nachträglich einbauen kann?

Beste Antwort im Thema

Sorry, aber ist alter Käse, wissen wir schon. 😉
Nur Geduld. Jetzt werden erstmal die Diesel abgefrühstückt und danach kommen die direkten Benziner dran mit Nachrüstungen, Fahrverboten, kalter Enteignung usw. usw.
Kommt alles noch.

Das ist ein sensibles Spiel - du darfst den Leuten ihre Autos nicht zu früh entwerten, da werden sie sauer, aber wenn die Kisten mal so 8 oder 10 Jahre alt sind, ist es dann doch OK, man muß ja was für den Absatz tun.
Da werden die Fachleute des KBA in Absprache mit den führenden Herstellern eine zufriedenstellende Lösung finden.

Ach ja, Zynismus is was feines...schönes Wochenende noch. 😁

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Aber zurück zum Alltag.
Mittlerweile dürften die meisten DI-Ottos alle im homogenen Betrieb arbeiten (einspritzen während des Saughubes), was die Abgase im Vergleich zum Schichtladeprinzip schon verbessern hat.
Wenn sich hier noch etwas im Bereich der Treibstoffe ändert (alternative Brennstoffe, mehr Ethanol etc) und "free valve Timing", um vollständig drehzahlunabhängige Steuerzeiten zu realisieren, umgesetzt wird kann sich hier noch einiges Verbesserung. Auch im Bereich Zündquellen.
Ich bin auch dafür das der aktuelle Verbrennungsmotor noch nicht am Ende der Entwicklung ist.

Zitat:

@RtTechnik schrieb am 20. Dezember 2016 um 12:30:54 Uhr:


Aber zurück zum Alltag.

Kombinierte Einspritzung ist Alltag. Damit sind alle Probleme des pure-DI 😉 erledigt. Und alle solchen der Saugrohreinspritzung. Das Thema ist damit durch. Das müßen halt nur alle machen...

Was man noch weiter steigern kann ist allgemein die Effizienz des Antriebs pro Einheit des zugeführten verbrannten Kraftstoffs. Nur eben hoffentlich nicht durch immer wässrigere Schmieröle...

Effizienz und Umweltverhalten auf die Kraftstoffzufuhr bezogen ist mit obigem durch und erschlagen. Bis DA jetzt nochmal etwas wirklich pfiffiges kommt, werde sogar ich ein E-Auto fahren wollen. Und das, schätze ich, wird in frühestens 25 Jahren der Fall sein 😎

Noch leicht aufwendigere Düsen mit noch bisschen mehr Druck und vielleicht einer noch bisschen gepimpten Zündquelle jedenfalls, das wird man wohl kaum mehr revolutionär bezeichnen können.

Der Betreff ist mit der kombinierten Einspritzung jedenfalls über. Richtig ist aber, daß es ne Weile dauern wird bis alle fahrenden Ottos so arbeiten und man bislang die GESAMTE Umweltbelastung eines DI unterm Tisch kehrte.
Da gibts jetzt aber auch nichts mehr zu retten. Dieses Kind liegt nicht nur bereits im Brunnen, es ist schon gestorben.

Ciao.

Also ich bin bei der Bewertung der Gesundheitsgefahr "HC vs. Partikel" noch nicht so richtig weitergekommen, wobei sich "um Faktor 1000 erhöhte Partikelzahl bei Direkteinspritzern im Vergleich zu Saugrohreinspritzern" und das Thema "kleiner und zahlreicher als beim Diesel" / "geht direkt in die Lunge bzw. teilweise sogar in Blutgefäße" sich schon etwas übler anhört als ein dreifach erhöhter HC-Wert.

Wie ist das eigentlich in der Praxis; ist eher nur eine hohe Konzentration in der Luft gefährlich oder ist es eher so, dass ein Fußgänger an einer Ampel, der meine Abgase vom Direkteinspritzer einatmet und dabei dann "eine Nase voll" Partikel dabei sind, schon unmittelbarer betroffen ist, weil dann sein Risiko steigt, an den Auswirkungen, die hier unter "Gesundheitsrisiken" beschrieben sind, zu leiden: http://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub

Da würde mich auch in dem Zusammenhang interessieren, weil von vielen immer kommt "Kamine sind ja viel schlimmere Feinstaubproduzenten" - geht es bei Kaminruß überhaupt um solche Nanopartikel, die direkt in die Blutgefäße gelangen und ist das nicht ein Unterschied, wenn Autos Abgase direkt ins Gesicht blasen im Gegensatz zu Kaminen, die das in mind. 5 Meter Höhe tun?

Bei der bewertung der Partikel gehen die "Fachmeinungen" auseinander. Es gibt Leute, die sehen die von den Partikel ähnlich Aktivkohle absorbierten Verbindungen kritischer als die Partikel selbst.

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Zitat:

@fm672 schrieb am 22. Dezember 2016 um 19:32:15 Uhr:


Da würde mich auch in dem Zusammenhang interessieren, weil von vielen immer kommt "Kamine sind ja viel schlimmere Feinstaubproduzenten" - geht es bei Kaminruß überhaupt um solche Nanopartikel, die direkt in die Blutgefäße gelangen und ist das nicht ein Unterschied, wenn Autos Abgase direkt ins Gesicht blasen im Gegensatz zu Kaminen, die das in mind. 5 Meter Höhe tun?

Dann bring ich ein anderes Beispiel...

Ein Euro 6 Benziner darf eine PN (Partikelzahl) von 6*10^6 pro km ausstossen (ab 2017 Euro 6c nur noch 6*10^5). Ein handelsüblicher Laserdrucker im Büro/Homeoffice bläst bis zu 2*10^9 pro Seite raus! Alles Partikelklasse PM10, also alles was kleiner als 1µm ist zählt komplett und darüber in Abstufungen anteilig. Und ja, auch beim Kamin geht es um die gleiche Partikelklasse. Genauso wie beim aufgewirbelten Strassenstaub, Brems- und Reifenabrieb, Baustoffschüttungen/-umladungen, Ackerbewirtschaftung oder Industriestaub.

Ok, also die Partikel selbst sind dann die eine Sache, aber der Unterschied zwischen Laserdrucker und Direkteinspritzer ist folgender, oder?

"Auf der Oberfläche der Teilchen lagern sich verschiedene Verbrennungsprodukte ab, etwa die krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK)"

Jetzt hat ja der MX-5 einen um den Faktor 2-3 geringeren HC-Ausstoß als ein vergleichbarer Saugrohreinspritzer. Wenn aber HC (PAK = Teil der HC-Abgase, richtig?) erst gefährlich wird, wenn er per Partikel-Transport ins Blut geht; könnte da was dran sein? Andererseits: wenn die PAKs so klein sind, dass sie sich an die Partikel anheften können, können Sie dann nicht auch ohne Transportmöglichkeit direkt in die Lunge / ins Blut? Sind wahrscheinlich alles nicht die cleversten Fragen, aber ich habe jetzt schon einige Ausschnitte aus Untersuchungen und Arbeiten gelesen und da tauchen PAKs in Verbindung mit Abgasen irgendwie immer nur in Verbindung mit Diesel auf.

Dem Körper ist es auf der klein und kleinst Ebene egal ob an den Microparts noch was anhaftet. Wenn die Teilchen von den Lungenbläschen aufgenommen werden ist die Schädigung erstmal da. Und ob die Kunstharze, Pigmente und Metalloxide "gesünder" sind, wage ich mal zu bezweifeln.

Zitat:

@Sachte schrieb am 21. Dezember 2016 um 22:42:56 Uhr:


Kombinierte Einspritzung ist Alltag. Damit sind alle Probleme des pure-DI 😉 erledigt. Und alle solchen der Saugrohreinspritzung. Das Thema ist damit durch. Das müßen halt nur alle machen...

@Sachte: ist das wirklich so, hast du da eine Quelle zu? Meinst du mit kombinierter Einspritzung z.B. den Motor vom Toyota GT86 / Subaru BRZ? Also ich hatte letztens auch mal nachgeschaut und meine, dass der zwar weniger Partikelausstoß hatte, aber immer noch einen sehr hohen; meine Vermutung wäre, dass der 6c wegen der Partikel auch nicht erfüllt.

Update meines Halbwissens (irgendwann muss ich einen neuen Thread aufmachen, der hier ist so voller Vermutungen und CO2-Offtopic^^) und eine Theorie dazu: PAKs sind gasförmig, aber Partikel adsorbieren sie, also wäre meine Vermutung tatsächlich, dass Partikel andere Abgas-Emissionen erst richtig gefährlich machen, weil sie sie in die Lunge transportieren.

Weil die Rede davon war: Die HC (hydrocarbon) - Anhaftungen der Partikel waren ein Thema, als der Dieselmotor weder Filter, noch Oxidationskatalysator hatte. Bei aktuellen Dieselmotor hat man die für gewöhnlich nicht mehr, beim DI - Otto erst recht nicht.

Ich war mal so frech und habe Herrn Friedrich (den Auto-Abgas-Experten aus dem Zeit-Artikel) angeschrieben; seine Antworten waren auf jeden Fall hilfreich:

Zitat:

Benzindirekteinspritzer (GDI) nähern sich im Prinzip der Verbrennung Dieseldirekteinspritzer an, mit den Vorteilen eines niedrigen Verbrauchs, und damit von niedrigen CO2 Emission, aber auch mit dem Nachteil von höheren ultrafeinen Partikelemissionen. Deshalb haben die Mitgliedsstaaaten vor drei Wochen trotz heftiger Lobbyarbeit der Autoindustrie beschlossen, dass ab September 2017 für neue Fahrzeugtypen und ab September 2018 für alle Fahrzeugtypen Partikelanzahlgrenzwerte auch auf der Straße einhalten müssen. Das führt nach heutiger Kenntnis zum flächendeckenden Einsatz von Partikelefiltern in Pkw in der EU. Erst dann sind GDI aus Abgassicht akzeptabel.

[...]

Zitat:

die Angaben vom KBA sind Prüfstandswerte, die mit den realen Emissionen nicht korrelieren. Hinzu kommt, dass hier Kohlenwasserstoffemissionen mit Nichtmethankohlenstoffemissionen verglichen werden. Bei Emissionswerten von 10 mg/km THC liegt man schon im Bereich der Nachweisgrenze.

D.h.: diese Daten nicht überbewerten. Die HC Emissionen des Straßenverkehrs sind für die Gesamtbelastung kein wichtiger Beitrag.

Wichtig aus Umweltsicht sind die Partikelemissionen, die Sticstoffoxidemissionen und die CO2 Emisionen.

Darüber hinaus habe ich Mazda angeschrieben zum Thema MX-5 und Nachrüst-Filter und folgende Antwort erhalten; eine Antwort auf meine Anschlussfrage, was mit dem MX-5 ab September 2018 passiert, steht noch aus:

Zitat:

Nach erneuter Rücksprache mit unserer Technischen-, bzw. unserer Homologationsabteilung müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass aktuell keine Nachrüstfilter
für Benzindirekteinspritzer Motoren beim Mazda MX-5 geplant sind. Auf Grund der Tatsache, dass es sich hier um kein Volumenmodell handelt ist auch nicht
mit einem entsprechenden Angebot in der Zukunft zu rechnen.

Ich fand von beiden Seiten auf jeden Fall sehr nett, dass sie geantwortet haben.

Zitat:

Update meines Halbwissens (irgendwann muss ich einen neuen Thread aufmachen, der hier ist so voller Vermutungen und CO2-Offtopic^^) und eine Theorie dazu: PAKs sind gasförmig, aber Partikel adsorbieren sie, also wäre meine Vermutung tatsächlich, dass Partikel andere Abgas-Emissionen erst richtig gefährlich machen, weil sie sie in die Lunge transportieren.

Das Problem der besonders kleinen Partikel ist, dass diese zu klein sind um von der Lunge gefiltert zu werden und darum (im schlimmsten Fall zusammen mit anderen Schadstoffen die sich an sie anheften können) ins Blut und von dort m.W. teils auch in Hirn und Organe gehen.

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