[ADZ] Motorlager getriebeseitig - Öl/Fett unbekannter Herkunft

VW Vento 1H

Mahlzeit,

was für ein Lager ist das getriebeseitige (in Fahrtrichtung hinten links) eigentlich? Einfach Gummi-Metall oder ein sog. Hydrolager?

Hintergrund: Seit einiger Zeit tropfte es unter meinem Auto (ärgerlich und ausserdem eine Sauerei). Das "Öl" fühlte sich aber eher klebrig und zäh an, von daher schied nach meiner Ansicht Motoröl aus.

Ich hatte vor einiger Zeit ein Problem mit dem Öldruckschalter, es wäre denkbar, daß sich irgendwo noch etwas Öl gesammelt hätte und nach und nach abtropfte, nur, wäre das dann so dick?

Also habe ich mich im Zuge der Verbereitungen zum Zahnriemenwechsel mal unters Auto gelegt und nachgeschaut. Dabei ist mir eine Menge Siff am besagten Motorlager aufgefallen (siehe Fotos).

Der Siff war wie auch das abgetropfte Zeug, dick und klebrig (nach dem Abwischen des Siffs hat übrigens das Tropfen -erstmal- aufgehört). Da die Achsmanschetten unversehrt aussehen und auch noch genug Servoöl vorhanden zu sein scheint (was außerdem eher dünnflüssig ist) frage ich mich, ob das Zeug nicht doch irgendetwas mit dem Motorlager zu tun haben könnte.

Falls das Lager tatsächlich gewechselt werden muß, direkt die nächste Frage nach dem Ob und Wie.

Hier nochmal meine Fragen in Kurzform:

Was ist das für ein Motorlager?
Wo kommt der Schmier her?

Ist ein Wechsel des Lagers in Eigenarbeit möglich?

Danke für Meinungen.

Bild 1v2

Beste Antwort im Thema

Feddisch, das Teil ist gewechselt.

Kurz: Ja, es war das Lager und nein, die Karre ist mir nicht auf den Kopf gefallen und wiederum nein, diesmal gibt es auch keinerlei Verletzungen zu beklagen.

Im Detail:
Gedauert hats fast 3 Stunden aber eigentlich war es wirklich einfach, doch mal der Reihe nach.

Ich habe es in der Garage gemacht, d.h. der Platz links und rechts war doch etwas begrenzt. Zuerst war ich unschlüssig, ob ich die Karre auf Böcke stelle oder auf die Rampen fahre. Eigentlich hätte ich letzteres bevorzugt, aber dank Mikis Hinweis wollte ich doch das Rad abnehmen um richtig (Dreh)Moment zum Lösen aufbringen zu können.
Der demnach naheliegende Gedanke war dann, die Karre erst links aufzubocken, Rad ab, Schraube anlösen, Rad dran, ablassen, auf die Rampen und dann weiterarbeiten. Das war dann aber selbst mir doch etwas zu doof, also habe ich nur links anghoben, und mittels zweier Böcke (einen zum Halten, einen als Reserve) die Arbeitsposition festgelegt. Ein Bock links und einer rechts war mir in der nur ca 2,7m breiten Garage einfach nicht möglich.

So, jetzt aber zum interessanten Teil. Ich bemühe mich, die chronologische Reihenfolge einzuhalten. Da ich quasi (fast) keine Bilder habe, bemühe ich mich um eine umfangreiche Beschreibung.

Nach dem Aufbocken das, zuvor gelöste, linke Vorderrad abgenommen; zusätzlich zur angezogenen Handbremse habe ich noch zwei Kanthölzer ans rechte Vorderrad gelegt (rechts hinten wäre eigentlich noch besser gewesen aber da wars grad ungünstig).
"Zentralschraube" des Lagers mittels 17er Nuss, Kardangelenk, Knebel und Rohr gelöst. Vermutlich wärs auch ohne Rohr gegangen, weil die Schraube recht kooperativ war. Danach habe ich die Schraube rausgedreht.

Dann die eine der Lagerbefestigungsschrauben (SW 13), die in Fahrtrichtung linke, gelöst.
Da ich an die rechte kaum drankam, habe ich doch die Getriebekonsole ausgebaut. Hierzu müssen 3 Schrauben gelöst werden, die Köpfe sitzen (in Fahrtrichtung) auf der rechten Seite. Die obere wird von oben gelöst, die untere von unten; bei der in der Mitte kommt es auf die Vorlieben an, ich habe sie (IIRC) von oben gelöst und von unten angezogen - ist aber wirklich unkritisch, einfach mal gucken.

Getriebe etwas (1 max 2 cm) angehoben - das natürlich schon, bevor die Konsole gelöst wurde, zumindest den Wagenheber "auf Druck" gebracht, das eigentliche Angeben erfolgte nachdem die Schraube raus war. Dafür habe ich den Rangierheber und ein Kantholz, daß an einem stabil aussehenden Getriebeteil angesetzt war, verwendet. Genau wie beim Anlasseraus- und Einbau halte ich diese Aktion aber für recht unkritisch.

Zuvor mußte ich natürlich einige Teile des Getriebegestänges aushängen, was aber wirklich kein großes Problem war. Da ist einmal eine Stange mit einem dicken Tilgergewicht, die mittels "Durchsteckklammern" gehalten wird (Klammern mittels Spitzzange oder Schraubendreher entfernen, möglichst Einbauposition merken, nicht nur von den Klammern sondern auch von der Stange samt Gewicht) und dann sind da noch zwei Kugelkopfverbindungen (also 4 Kugelköpfe insgesamt). Eine lange Stahlstange, da reicht es den konsolenseitigen (also die Konsole, die später ausgebaut wird) zu lösen und eine kurze Verbindung aus Vollkunststoff, die beiseitig ausgeklipst wird. Ich habe letztendlich auch die Stange komplett ausgebaut aber dazu später mehr - für die eigentliche Reparatur wäre es nicht nötig.

Anmerkung: Zum Aushängen der Kugelköpfe muß man erst eine Kunststoffklammer ausklipsen, dann kann man die Kopf abnehmen. Zum Abnehmen (ebenso beim Wiederaufsetzen) ist immer noch etwas Kraft, Gewalt oder Hebelwirkung nötig, aber es bleibt im Rahmen; die Stellen, wo aufgeklipst werden muß finden sich, wenn man genau hinschaut.

So, Getriebegestänge ist ausgehängt, die Konsole kann losgeschraubt werden. Herausgenommen habe ich die Konsole von oben.

Nun konnte ich endlich gescheit an die andere 13er-Schraube dran.
Nachdem die auch draußen war, habe ich das Lager rausgenommen. Das klebte (im wahrsten Sinne des Wortes) zunächst etwas und kam mir auch leichter als das neulich gekaufte vor aber nach einem Blick darauf war das auch kein Wunder (Foto folgt).

Dann habe ich erstmal geputzt.

Dann das neue Lager eingebaut, in derselben Lage wie das alte (auf dem "Deckel" ist ein X eingestantzt was in meinem Fall in Fahrtrichtung zeigte). Die Befestigung war relativ problemlos, es gelang mir sogar den kleinen Drehmomentschlüssel anzubringen (Getriebe absenknen und Zentralschraube rein). Das Absenken habe ich aber ganz vorsichtig und langsam gemacht, als die Konsole auf den Klammern des Lagerdeckels auflag (wer ein Bild sieht, weiß, was ich meine) habe ich mal feste am Motor gewackelt, da hat es KLACK gemacht und die Konsole saß und ich konnte die Schraube weiter drehen.
Bevor ich sie ganz fest angezogen habe, habe ich den Motor gestartet - MIT BESONDERER VORSICHT!

Linken Fuß auf die Kupplung und dort nicht mehr weggenommen.
Rechten Fuß (bzw dessen Ferse) auf die Bremse und dort nicht mehr weggenommen.
Motor gestartet, ein bisschen hochgedreht (mit den Zehenspitzen), kurz 3 bis 4 kUpM und wieder Standgas und ausgemacht. Grund für die Vorsicht war die ausgehängte Getriebemechanik.

Erwähnte ich schon, daß die neue Zentralschraube SW 16 hat, die alte dagegen SW 17? Gut, war ja kein Problem, hatte mein Ratschenkasten auch da, wenn auch nur als Zündkerzenschlüssel.
Das Festziehen der Schraube an sich wäre keine Problem gewesen, ich hätte grundsätzlich auch keine Bedenken gehabt, wenn ich auf den Drehmomentschlüssel hätte verzichten müssen (im Motorraum wäre kein Platz gewesen, ich habs versucht).
Dann kam mir die Idee, mal den Kühlwasserausgleichsbehälter loszuschrauben. Danach war es möglich, mittles zweier 30er-1/2-Zoll-Verlängerungen und Kardan doch den DrehMo anzusetzen (wobei bewußt ist, daß ich hierbei womöglich die 60Nm nicht exakt getroffen habe).

Was jetzt kommt ist Freistil:
Ich habe mir die Zeit genommen, alle Kugelköpfe und Kugelkopfschalen so gut wie möglich zu säubern und danach mit VW-Feststoffschmierpaste zu schmieren. Ums vorweg zu nehmen: Ich habe den Eindruck, daß die Schaltung noch nie leichtgängiger war als heute, äh, gestern (und hoffentlich heute immer noch ist).

Hierzu noch ein Sicherheitshinweis: Ich habe teilweise einfach mit der Bremsenreinigerspraydose "draufgehalten". Ist schon beeindruckend wie sauber das Werkstück wird aber es ist noch viel beeindruckender, was sonst noch alles mit Bremsenreiniger bespritzt wird - z.B. Augen (zum Glück hinter Schutzbrille).
SCHUTZBRILLE TRAGEN IST HIERBEI PFLICHT!

Also nochmal für die, die es interessiert: Alle Kugelkopfverbindungen, die beiden Lagerungen der Stange mit dem Tilgergewicht und die Lagerung der Stange, die radial und axial bewegt wird, habe ich mit der Feststoffschmierpaste bearbeitet; ebenso die "dicke" Kugel (wer mal nachsieht, weiß was ich meine). Die beiden anderen Drehpunkte habe ich (nochmal) mit Fettspray eingenässt (das werde ich nun alle paar Monate wiederholen).

Am Ende noch die Radschrauben saubergebürstet, die Kegel und die Radzentrierung (erstmalig) mit Wälzlagerfett hauchdünn eingestrichen und das Rad montiert - schon beeindruckend, wie angenehm sich so Radschrauben drehen lassen können.

Auf der anschließenden Probefahrt wirkte das Getriebe äußerst leichtgängig, Negatives gab es nicht zu berichten, okay, der Hochgeschwindigkeitstest auf der AB (also 120 und mehr ;-) steht noch aus.

Zum Abschluß: Danke für die Tipps, vor allem an Micki wegens des Rades. Die Abnahme des Vorderrades ist IMO zwar nicht wirklich notwendig aber das allgemeine Handling vereinfacht sich; man kommt besser an die eine Lagerbefestigung und die kurze Kugelkopfverbindung und man hat etwas "mehr Licht".
Nachteil: Man kann nicht auf die, IMO sichereren, Rampen fahren; naja, ich habs überlebt.

Grundsätzlich ist der Tausch dieses Motor/Getriebelagers weit weniger kompliziert als ich erst dachte; es dauert nur etwas.

So, jetzt noch ein paar Fotos; nichts tolles sondern einfach nur das defekte Lager und ein Blick auf die Konsole und die kurze Kugelkopfverbindung.

Dsc01429-k
Dsc01430-k
Dsc01425-k
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Hallo menschmeier,

erstmal Respekt wegen der Anleitung .... Einfach Top und dickes Lob von Mir !!! 😉 Doch gilt diese Anleitung auch für den auf Polomotor-basierenden 1.6L75PS ABU / CHL - Getriebe ? 🙂

Denn mein Getriebelager ist, wie bei Dir, auch ein Hydrolager und es leckt auch schon bereits, hält noch, sollte aber bald mal gewechselt werden und die anderen 2 Lager sind aber schon fertig und müssen raus und gegen Neue ersetzt werden.

Gruss Thomas

Zitat:

Original geschrieben von GOLFTFATF


Hallo menschmeier,

erstmal Respekt wegen der Anleitung .... Einfach Top und dickes Lob von Mir !!! 😉 Doch gilt diese Anleitung auch für den auf Polomotor-basierenden 1.6L75PS ABU / CHL - Getriebe ? 🙂

Denn mein Getriebelager ist, wie bei Dir, auch ein Hydrolager und es leckt auch schon bereits, hält noch, sollte aber bald mal gewechselt werden und die anderen 2 Lager sind aber schon fertig und müssen raus und gegen Neue ersetzt werden.

Gruss Thomas

Ich denke, daß es bei Deinem Motor grundsätzlich zumindest ähnlich (wenn nicht gleich) ablaufen wird, weil doch meines Wissens alle Motoren auf demselben Aggregateträger sitzen.

Unterschiede könnten sich bei der Führung des Schaltgestänges ergeben und eventuell ist die Befestigung der Konsole am Getriebe anders gelöst.
Wirf doch mal einen Blick in den Etzold oder Korp. Zumindest beim Etzold gibts eine Seite mit ein paar Zeichnungen zu den Motorlagern (wenn ich mein Buch finde, gucke ich auch mal).

Angeblich soll ja das Lager auf der Getriebeseite (also das derzeit diskutierte) das am kompliziertesten zu wechselnde sein. Nachdem ich doch auch den einen oder anderen Blick auf des Beifahrerseitige geworfen habe möchte ich dem nicht mehr so unbefangen zustimmen. Das sieht dort nämlich auch nicht soo einfach aus; aber vielleicht täusche ich mich auch und dort geht es tatsächlich noch einfacher als auf der linken Seite.
Das vordere Lager ist ja so gut zugänglich, daß dort allenfalls eine festgegangene Schraube Ärger machen könnte.

Hallo menschmeier,

ich werde mal das So Wirds gemacht - Buch dazu auch mal angucken ja, aber ich habe halt hier gehofft noch Tipps zu erfahren, die dort nicht vermerkt sind 😉 und das kam mit dem Rad demoniteren und so!

Wegen den Lagern allgemein.... Ich meine, dass das Beifahrer-Seitige mit das Schwerste überhaupt sein wird, dass zu wechseln, denn darauf ruht ja auch das volle Gewicht des Motors und der ist ja bekanntlich auch richtig schwer, also stelle ich Mir den Wechsel da nicht so leicht vor 😉

Und ja diese eine Schraube, die das Vordere am Getriebträger vorne hält ist bei Mir richtig extrem fest und weiss auch net wie ich die aufkriege ohne den Schraubenkopf abzureissen 🙁 Tipps ???

Gruss Thomas

Schlagschrauber oder ne große Verlängerung. Reißt sie ab ist das aber kein Problem. Das Lage ist doch eh 2teilig und man kann es dennoch ausbauen. Die alte Schraube würde dann im alten Lager verbleiben.
Du hebst doch eh den kompletten Motor an, somit ruht das ganze Gewicht auf keinem Lager mehr.

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Zitat:

Original geschrieben von Micki_23


Schlagschrauber oder ne große Verlängerung. Reißt sie ab ist das aber kein Problem. Das Lage ist doch eh 2teilig und man kann es dennoch ausbauen. Die alte Schraube würde dann im alten Lager verbleiben.
Du hebst doch eh den kompletten Motor an, somit ruht das ganze Gewicht auf keinem Lager mehr.

Zumindest ich habe bei dem Wechsel des einen Lagers nicht den ganzen Motor sondern nur einen Teil davon angehoben - genau genommen habe das auch nicht ich gemacht, sondern der Wagenheber;-)

Wären noch andere Lager zu wechseln gewesen, hätte ich den Wagenheber wahrscheinlich für jedes Lager an einer anderen Stelle (jeweils so nah wie möglich am jeweiligen Lager) angesetzt.

Den Motor mittels Wagenheber anzuheben ist mit keinem großen Kraftaufwand verbunden.

damit hätte ich hinten rechts nicht genug Freiraum bekommen. Gut vorne mag das ja gehen.

Hallo Alle zusammen,

ich habe mal von meinen Lagern nun mal Fotos gemacht 😉 und was meint Ihr wegen Wechsel?

Habe dazu auch noch gleich eine Frage! Auf dem Foto vom Motorlager habe ich auch mal eine Stelle markiert, die Mir etwas komisch vorkommt ... war da nicht mal eine Schraube gewesen oder ist das da normal so? Und bei Frontlager da habe ich auch eine Frage ... wie soll ich diese Schraube da los kriegen, die mit dem Pfeil markiert ist? Diese sitzt nämlich ziemlich fest 🙁

Gruss Thomas

Frontlager
Getriebelager
Motorlager

Für das vordere Hydrolager hat es dir Micki erklärt.

Ich habe es vor 3 Tagen gemacht. Alle Verlängerungen, die ich habe und dann ein Ruck.

ich sehe da jetzt nix defektes. Meine waren auch nur ausgelutscht und nicht undicht.

Zitat:

Original geschrieben von Micki_23


ich sehe da jetzt nix defektes. Meine waren auch nur ausgelutscht und nicht undicht.

Wenn man aber das Hydrolager von der Seite sieht, also von der Beifahrerseite oder durch den linken Radlauf, dann kann man sehr schön erkennen, dass das Ding Flüssigkeit verliert 😉

Auf dem Foto sieht man es leider net so gut, weil die Getriebeträger im Weg sind! Bzgl den anderen 2 jedoch die sind richtig fertig, dass man es deutlich sieht, wenn man Gas gibt!

Der Motor bewegt sich dann nach oben und fällt auch ruckartig nach Hinten, wenn man vom Gas geht. Dabei macht es auch gemeine Geräusche, die nur passieren, wenn die Lager defekt sind!

Gruss Thomas

hast du den Rostfraß schon beseitigen lassen, das sah ja echt übel aus. Sonst lohnt es sich doch gar evtl. net mehr.

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