GLAmour. Dauertest des Mercedes-Benz GLA 250 4Matic. Teil 1 : Egotrips
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23.02.2015 18:31    |    AsiRider    |    Kommentare (15)

Warnung:
Folgender Text enthält insgesamt 39106-Zeichen in 6587-Wörtern, komplizierte Nebensätze, Nominativ, Akkusativ, Dativ und sogar Genetiv, Konjunktiv, Schreib- sowie Tippfehler, detaillierte Beschreibungen, Fremdwörter, Zitate, Metapher, Emotionen, philosophische Gedanken, verschiedene Fahrmanöver und -Situationen, technische Kompetenz, Selbstbewunderung, sexistische, menschen-, ausländer- und vegetarierfeindliche Äußerungen. Das Wort „Dauertest“ bezieht sich nicht nur auf die Dauer des Tests, sondern auch auf die Länge dessen Beschreibung. Weiterlesen auf eigene Gefahr!

 

 

Glamour, der oder das

blendender, betörender Glanz [dem gelegentlich etwas Künstliches anhaftet]

(Quelle: Duden)

 

Jeder Trip hat einen Anfang. Dieser begann am 8. August 2014 um ca. 12:10 Uhr, und zwar mit einem lauten Knall, der für ein außenplanmäßiges Facelift (Übersetzung für Mercedes-Benz-Fahrer - MoPf) meines A45 AMG sorgte. Übrigens, dieser betont elegant und ausgesprochen witzig formulierter Satz enthält eigentlich einen sehr geringen Witzanteil, da das Auto bei der Reparatur tatsächlich die Front vom Modelljahr 2015 bekam.

 

Alles zum Unfall:

 

http://www.motor-talk.de/.../...-test-privater-natur-t5016345.html?...

 

Aber zurück zum Hauptthema.

Nachdem mein Werkstattmeister netterweise alle Unfallmeldemaßnahmen bei der Versicherung etc. übernahm und ich ihm den Schüssel vom Rest meines Autos aushändigte, kam ich zum Tisch der für Ersatzwagen zuständigen, sehr netten Frau, um mir einen zu holen.

„Hi!“

„Einen wunderschönen guten Tag! Na, alles gut bei Ihnen? Sie haben aber für heute nicht reserviert, oder?“

„Nein, der Unfall hat sich spontan ereignet.“

„Oh... Ach so... Ihnen ist aber nichts passiert?“

„Doch, aber schon in der Kindheit.“

„Sie, Scherzkeks... Was ist denn passiert?“

Während ich bei meiner Beschreibung des Unfallhergangs versuchte, gegenüber Frauen am Steuer nicht allzu feindlich zu wirken, checkte die nette Frau den Ersatzwagenbestand.

„Leider kann ich Ihnen, als AMG-Kunden, ohne Reservierung nur einen ganz neuen und gut ausgestatteten CLA anbieten.“

Offenbar verriet meine nonverbale Kommunikation mittels unglücklichen Gesichtsausdrucks, dass ich von diesem Angebot nicht begeistert war.

„Keine Lust?“

„Nö.“

„Warum nicht?“

Nicht, dass ich ein Nutzwert-Fanatiker bin, aber ein Auto, das mehr Platz als die A-Klasse braucht, aber weniger bietet, wollte ich nicht. Außerdem wollte ich lieber etwas Neues erfahren, wenn es schon mit dem Fahrspaß nicht klappte.

„Den find' ich blöd.“

„Hmmm...“

„Gibt es kein E-Klasse Cabrio? Oder eine neue C-Klasse?“

„Nein, durch den baldigen Modellwechsel haben wir alle E-Klassen bereits entsorgt und alle C-Klassen sind gerade unterwegs.“

„Hmmm...“

„Ok. Ich schaue noch woanders nach, vielleicht kann ich etwas Anderes für Sie zaubern... Da hätte ich eventuell noch einen GLA...“

Ich fand dieses Auto schon bei der Vorstellung interessant. Aber nicht, weil es für mich in Frage kam, sondern, weil bei mir die Frage aufkam: „Wie fährt sich so ein nett designtes Fahrzeug der absolut sinnfreien Fahrzeugart?“. Denn auf den ersten Blick vereint diese Fahrzeuggattung nicht die Vorteile, sondern nur die Nachteile der Fahrzeugarten, aus denen sie zusammengewürfelt wurde: Geländewagen-Tugenden wie Geländegängigkeit, Robustheit und selbst hohe Sitzposition, die einen guten Überblick im Straßenverkehr ermöglicht, sind nicht vorhanden; höherer Schwerpunkt, der das Fahrverhalten auf der Strasse verschlechtert, Trägheit, höherer Spritverbrauch und lautere Windgeräusche durch mehr Angriffsfläche für den Fahrtwind sind aber vorprogrammiert. Wie aufmerksame Leser schon dem Text entnehmen konnten, war meine Vorfreude auf dieses Auto nichts Anderes, als eine Art Schadenfreude.

„Ok.“

Wer bin ich?Wer bin ich?Einige Minuten später stand ich vor dieser Collage von Auto. Ein etwas dunkleres Silber diente dem Fahrzeug als Korrosionsschutz für die äußeren Oberflachen der Karosserieteile. Unlackiertes schwarzes Plastik an den Radkästen, den Schwellern und den unteren Rändern der Stossstangen suggerierte Robustheit. Alufelgen im 5-Doppelspeichen-Design sollten mehr Sportlichkeit verleihen. Trotz diesem Stilmix sah das Fahrzeug insgesamt stimmig und edel aus. Mal schauen, wie sich dieser SUV für die Kö (umgangssprachlich für die Königsallee in Düsseldorf) fahren lässt...

 

 

Innenraum, der

ringsum [von Wänden] umschlossener, im Inneren von etwas liegender, das Innere von etwas bildender Raum

(Quelle: Duden)

 

Die Fahrertür ließ sich mühelos öffnen und legte die Sicht auf die in einer mehr oder weniger ähnlichen Ausführung von der A-Klasse gewöhnten Designexperimente frei. Allerdings auf einer ungewöhnlichen Höhe. Denn in den GLA steigt man wie in ein normales Auto, statt sich wie bei der A-Klasse W176 wie ein Speläologe in eine enge Höhle fallen zu lassen. Auch wenn man nur 38 Jahre alt sowie einigermaßen sportlich ist. Dabei ist die Sitzposition gar nicht SUV-hoch oder aufrecht, gibt aber dem GLA die Übersichtlichkeit eines normalen Autos. Was besonders im direkten Vergleich mit der A-Klasse W176 auffällt.

Adel sitzt im Gemüte, nicht im Geblüte.Adel sitzt im Gemüte, nicht im Geblüte.Die gut aussehenden Teil(kunst?)leder-Vordersitze mit angenehmen Sitzbezügen waren erstaunlich unbequem, da deren Rücklehnen zur Rückenlänge eines 173 Zentimeter großen Osteuropäers überhaupt nicht passen wollten. Dazu noch boten sie weder eine Lordosenverstellung, noch gar -unterstützung. Ich würde nicht grossartig spoilern, wenn ich an dieser Stelle erwähnen würde, dass ich diese Fahrersitzeigenschaft im Laufe meiner ganzen GLA-Zeit verfluchte. Während sich der Seitenhalt für gebotene Fahrleistungen als erstaunlich ausreichend erwies. Ebenso wie die Form und die Länge der Sitzfläche. Auch die Sitzheizung funktionierte sehr gut und machte die Sitze sogar schneller warm, als die bei den Mikrofaser-Perfomance-Sitzen des A45 AMG – nur um mit dem Thema „Sitzkomfort“ komplett abzuschliessen. Upps, beinahe vergessen: Die hintere Sitzreihe war gefühlt menschenwürdiger, als bei der A- und der CLA-Klasse.

Der GLA erfreute mich auch mit besseren Ablagemöglichkeiten, als der A45 AMG. Das lag vor Allem am grossen Fach in der Mittelkonsole, wo beim A45 AMG der Getriebewahlhebel sitzt.

Die Belüftungsdüsen spiegelten sich in der Seitenscheibe auf der Höhe des linken Außenspiegels, was einen längeren Spiegelblick erforderte, also vom Blick nach vorne länger ablenkte und die Fahrt somit nicht gerade sicherer machte.

Irgendwann landete mein Blick beim fragwürdigsten Experiment der aktuellen Innenraum-Designsprache von Mercedes-Benz. Besonders kompetente Leser haben es richtig erraten – beim drangeklatschten Multimediadisplay. Dieses sollte bei meinem Ersatzfahrzeug die Funktionen des Becker® MAP PILOT visualisieren. Nicht, dass das Comand-System das Allerbeste auf dem Markt wäre, aber verglichen mit dem Comand ist das Becker® MAP PILOT nicht weit davon entfernt, die automobile Multimediasteinzeit zu verkörpern. Besonders, was die Karten-Darstellung angeht. Mit diesem Navi kommt man zwar an, aber viel mehr auch nicht.

Außerdem entstand bei mir der Eindruck, dass die Marketingabteilung bei Mercedes-Benz beim Becker® MAP PILOT einfache, aber sehr nützliche Funktionen entfernt hat, um Kunden zur Bestellung des deutlich teureren Comand-Systems zu animieren. Denn dafür, dass es bei der Musik-Interpretenliste (wenn man beispielsweise ein iPhone anschließt) keine Alphabetleiste wie beim Comand (und bei fast jedem anderen System der anderen Autohersteller) gab, fand ich keine andere plausible Erklärung. So musste ich beim Fahren knapp eine Minute lang runterscrollen, wenn ich einen Interpreten am Ende des Alphabets suchte, was natürlich gewissermaßen vom Fahren ablenkte.

Die serienmäßige Soundanlage war für eine serienmäßige Soundanlage im Großen und Ganzen in Ordnung. Nicht dramatisch schlechter, als Harman Kardon® Logic 7® Surround-Soundsystem. Was aber eher gegen Letzteres, als für Erstere spricht.

Ganz gemütlich bis auf den...Ganz gemütlich bis auf den...Die Anbindung vom iPhone 5s über Bluetooth (zum Telefonieren) und mein eigenes Media Interface-Kabel samt Lightning Adapter (fürs Abspielen der Musik von meinem iPhone) funktionierte schnell und problemlos. Nur das mit dem Telefonieren entpuppte sich als doch nicht ganz unproblematisch. Alle meine Gesprächspartner hatten Probleme, mich zu verstehen. Das lag in diesem Fall offenbar weniger an meinem Akzent, sondern mehr an dem Mikrofon, bzw. dessen Empfindlichkeit. Alle baten mich am Telefon, deutlich lauter zu sprechen, obwohl ich schon am Schreien war. Dabei konnte ich sie immer sehr gut hören. Es fällt mir schwer vorzustellen, dass beim GLA andere Mikrofone, als bei der A-Klasse verwendet werden, aber, als ich meinen A45 AMG zurück bekam, fragten mich alle Telefongesprächspartner etwas beunruhigt, warum ich sie anschreie.

Nachdem ich eine für mich passende Einstellungskombination Sitz-Lenkrad-Innen-/Außenspiegel-Radiosender fand und alle meine Sachen im Innenraum untergebracht wurden, begann mein unfreiwilliger 73 Tage-langer GLA 250 4Matic-Dauertest.

Und zwar mit einem Griff ins Nichts. Denn nach dem Motorstart greift ein A45 AMG-Fahrer nach dem Getriebewahlhebel in der Mittelkonsole. Bevor man sich daran erinnert, wo er bei den „normalen“ Mercedes-Benz-Modellen, also „Nicht-AMG“ sitzt. Gut informierte Leser haben an der Stelle bestimmt verstanden, dass mein Ersatzwagen ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe namens 7G-DCT besaß. Die ohne jegliches sichtbare Hindernis vorne rechts piepsende Parktronic erläutete den Anfang meiner ersten Fahrt mit dem GLA 250 4Matic.

 

 

Stadtverkehr, der

Straßenverkehr in einer Stadt

(Quelle: Duden)

 

Was macht ein gut erzogener Autofahrer in den ersten Minuten nach dem Anfang der Fahrt? Richtig! – Man fährt im C-Modus, damit das Auto auf die Betriebstemperatur kommt. Es sei denn, man ist ein Vegetarier oder Anhänger einer anderen zivilisationverachtenden Sekte und bleibt im Eco-Modus.

Beim Mitschwimmen im Stadtverkehr fiel mir als Erstes auf, dass ich im Stadtverkehr nicht auffiel. Keiner schaute beunruhigt in meine Richtung. Kein erschrockener Fussgänger von der anderen Strassenseite zeigte mir den Mittelfinger. Keine Mutti packte ihr Kind am Arm und zog es noch weiter weg von der Fahrbahn. Wenn man mit dem A45 AMG mit dem Performance Auspuff im S-Modus fährt, gewöhnt man sich sehr schnell dran. Neben den gerade beschriebenen Vorteilen für den Fahrer des A45 AMG, hat dies auch unbestrittene Vorteile für alle: Man wird gehört und gesehen, also von den anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen, was der Verkehrsicherheit erheblich gut tut. Wobei der Grund für mich, mit dem A45 AMG meistens im S-Modus zu fahren, weniger der erregende Sound, sondern mehr das deutlich direktere Ansprechen des Autos auf Gasbefehle ist...

... Von welchem Modell ist eigentlich dieser Fahrbericht? Ja, stimmt, schon gut...

Außerdem ist das Thema „C-/S-Modus“ beim GLA 250 4Matic noch viel relevanter. Im Klartext: Bei weinigen Autos ist der Unterschied zwischen Sport (-Modus) und Mord (C-Modus) durch Verzögerung im Antriebstrang und Kontrolleverlust übers Auto so spürbar, wie bei diesem.

Dabei gab es einen ganz klaren Unterscheid, ob ich ausgesprochen passiv, ständig in der selben Spur, Fahranfänger-mäßig mitschwamm; oder normal, also mit Spurwechseln, stärkeren Beschleunigungen (aber keinesfalls aggressiv) fuhr.

Bei der Verkehrshindernis-Fahrweise, wenn das Getriebe ein paar von Stimmungsschwankungen freie Minuten hatte, schaltete es bei 2000 Umdrehungen pro Minute hoch, was zum ordentlichen Mitschwimmen reichte. Ab 3000 Umdrehungen pro Minute ging es mit Nachdruck vorwärts. Und beim aus purem Test-Interesse ausprobierten Vollgas-Anfahren an der Ampel schaltete es bei knapp unter 6000 Umdrehungen pro Minute in den zweiten Gang. In fast jeder Situation blieb das Motorgeräusch kaum wahrnehmbar im Hintergrund.

Der Gangwechsel beim Cruisen in der Stadt lief immer sehr fließend, bzw. so gut wie gar nicht spürbar. Auffällig waren dagegen leichte Schläge und Ruckeln im Getriebe bei Schrittgeschwindigkeit. Welche sich aber mit sensiblem Gasfuss kaschieren ließen, da sich das Gaspedal ziemlich feinfühlig zeigte. Aufs Durchgreifen über die Schaltpaddels am Lenkrad reagierte das Getriebe sanft und ohne Verzögerungen.

Laut Mercedes-Benz sind 195 links mehr als 195 rechts.Laut Mercedes-Benz sind 195 links mehr als 195 rechts. Wenn ich dagegen normal, also nicht in Zeitlupe fahren wollte, ging es deutlich weniger harmonisch zu. Dann verhielt sich das Getriebe im C-Modus wie ein Makler, der zu viel Provision nahm. Man bekam zwar die im Kaufvertrag genannte Quadratmeter- und Zimmerzahl, zahlte aber deutlich mehr als gewollt. In dem Fall mit Fahrsicherheit. Denn das Getriebe sorgte zwar nicht für Leistungs-, dafür aber für dramatische Dynamikverluste durch lethargisches Schalten mit Gedenkwoche. Dazu noch konnte sich das Getriebe nicht für eine bestimmte Schaltlogik dauerhaft entscheiden und konsequent dabei bleiben. Im Endeffekt hatte ich meistens ziemlich genau das Gegenteil davon, was ich im Moment brauchte: Aufregung, wenn ich es unaufgeregt bevorzugte; Schockstarre, wenn ich Aktion wollte. So kam es sogar zu einem Beinahe-Unfall.

In der rechten Spur einer dreispurigen Fahrbahn dicht am Vordermann kriechend, hielt ich Ausschau nach einer Lücke in der Mittleren, in der es deutlich zügiger ging. Als sich eine recht Grosse bildete, setzte ich den Linksblinker und begann den Spurwechsel mit gleichzeitigem Vollgas, um meine Geschwindigkeit der in der mittleren Spur anzupassen und den nachfolgenden Verkehr nicht zur Notbremsung zu zwingen. Aber es geschah nichts. In dieser Pause hätte ich eine rauchen können. Danach überhaupt aufhören zu rauchen. Dann wieder anfangen und die Nächste anzünden. Ich meine Zigarren, nicht Zigaretten.

Ich kroch weiterhin nach links mit ca. 20 km/h, während der Hintermann mit ca. 60 km/h (entsprechend der Geschwindigkeitsbegrenzung an diesem Abschnitt) mir gefährlich nahe kam. Plötzlich, als ich schon zur Hälfte in der mittleren Spur war und die Vorderräder gerade stellen wollte, machte das Auto einen Satz nach vorne. In die linke Spur. Wo gerade keine Lücke vorhanden war. Mit viel Glück konnte ich mehr verspätet als rechtzeitig zurück rudern und das Auto in die mittlere Spur steuern. Wenige Zentimeter am links neben mir fahrenden Auto vorbei. Dabei piepste die Parktronic wieder. Diesmal aber vorne links und gerechtfertigt.

Um mit der Beschreibung meiner Gefühlslage in dem Moment nicht vom GLA 250 4Matic abzulenken, mache ich es ganz kurz: Mir reichte es.

„Wo zum Teufel ist hier die S-Modus-Taste?!“

Mitten in der Mittelkonsole, direkt neben der Warnblinkanlagentaste links. Warum ich so detailliert beschreibe, wo diese Taste saß? Weil das Fahrzeug erst im S-Modus verkehrssicher wurde. Weil es nur dann genüsslich am Gas hängte, ordentlich voran ging, Überholmanöver prognostizierbar machte und Lust auf schnelle Fortbewegung in Freude daran verwandelte. Ruckelfrei und gut kontrollierbar, fast immer im passenden Gang, mit schnellen und sinnvollen Schaltvorgängen, fast schon sportlich.

Trotzdem, nur um es klar zu stellen: Im Vergleich zum A45 AMG darf "S" als "Sport" nur dann verstanden werden, wenn man auch Schach zum Sport zählt. Aber vermutlich wäre das Wort „Schach“ zu lang als Beschriftung für die Taste.

Ihren Ausweis bitte!Ihren Ausweis bitte!Außerdem hatte die Medaille des S-Modus auch eine Kehrseite – ständiges Kribbeln in den Pedalen, besonders im Gaspedal, was angesichts von keinen 500 PS unter der Plastikabdeckung des Motors etwas unpassend wirkte. Dennoch fuhr ich seitdem nur im S-Modus, sobald das Auto warm wurde. Allerdings musste ich ab und zu auf die Getriebe-Modus-Anzeige schauen, um sicher zu sein, dass es tatsächlich der S-Modus war. Denn der Motorsound war auch im S-Modus alles Andere als „S“. Dezent formuliert war er „nicht störend“. Wenn man nicht um das heiße Motoröl herum reden wollen würde, würde man den Sound weder als Hörgenuss bezeichnen, noch ihm gar rudimentäre sportliche Note attestieren. Dieser Sound wäre perfekt für einen guten modernen Diesel gewesen, aber eines Benziners war solche Tonlage nicht würdig.

Auch was die restliche Geräuschkulisse anging, herrschte keine übertriebene Begeisterung meinerseits. Generell hätte ich sie als gut bezeichnen können, aber das Aber war in diesem Fall grossgeschrieben. Dafür sorgten ständige Klappereien von hinten und den B-Säulen, wobei Letzteres ein bekanntes Problem von Mercedes-Benz darstellte. Ausserdem bei nicht mal halber Lautstärke und minimal, aber wirklich nur minimal basslastiger Musik krachte und resonierte es aus dem Heck. Ich wollte zuerst gar nicht nachschauen, ob jemand eine Kiste mit Leergut im Kofferraum vergaß, um mich nicht mit der Notwendigkeit zu konfrontieren, nach einer Erklärung zu suchen, wie ein unfallfreier Neuwagen so einen Krach erzeugen kann. Als ich später beim Einkaufen doch mit dem Inhalt des Kofferraums konfrontiert wurde, genauer gesagt, mit dem, was sich unter der Bodenabdeckung befand, fand ich dort tatsächlich eine Kiste. Aber eine leere Klappbare aus dem Mercedes-Benz-Zubehörkatalog. Umso trauriger war es, dass die Heck-Klappereien nach dem Entfernen dieser Kiste nicht verschwanden.

Das Fahrwerk und die Lenkung konnte ich beim Nahkampf im Stadtverkehr verständlicherweise nicht ausführlich testen, aber zumindest die ersten Eindrücke sammeln.

Das Kühlergrill-Logo wäre wohl noch grösser, wenn der Kühlergrill selbst nicht so klein wäre.Das Kühlergrill-Logo wäre wohl noch grösser, wenn der Kühlergrill selbst nicht so klein wäre.Das Fahrwerk hätte Winston Churchill sicher gefallen. Denn es verkörperte seinen bekanntesten Spruch. Nein, nicht „Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.“. Sondern „No Sports.“. Es zeigte sich viel zu weich, aber nicht wirklich komfortabel. Es enttäuschte selbst bei kleineren Fahrbahndefekten durch leichtes aber konstantes Poltern der Vorderachse, besonders in der Lenkung gut spürbar, teilweise aber auch in den Pedalen. Zusätzlich zum Kribbeln im S-Modus. Aber es leistete sich auch keine echten Durchschläge, wenn die Fahrbahn mal deutlich schlechter wurde. Dabei schaukelte es sich auf Bodenwellen etwas auf, aber ungefährlich und nicht verunsichernd. Kein übertriebenes Nicken beim Anfahren und beim Bremsen.

Die Lenkung war dank der variablen Unterstützung zu leicht, spürbar „virtuell“, was bei elektromechanischen Systemen meistens der Fall ist. Sie erfreute aber mit konstanter Lenkübersetzung und ausreichendem Gefühl für die Vorderräder. Das heißt, die Lenkung war ausreichend direkt und bot ausreichend Feedback auch für eine etwas sportlichere Gangart. Nachdem ich das Wort „Ausreichend“ 3 Mal in einem aus nur 48 Wörtern bestehenden Absatz benutzte, fragte ich mich, ob ich über 50000 Euro für ein „ausreichend“ fahrendes Auto ausgeben würde.

Deutlich mehr als ausreichend waren dagegen die Bremsen. Aber mehr dazu gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu berichten.

Nachdem ich mich überzeugte, dass der GLA dem Düsseldorfer Stadtverkehr gewachsen war, entschloss ich mich, das Fahrzeug unter den schwierigsten Bedingungen zu testen, die die meisten Premium-SUV jemals in ihrem Leben erleben – auf der Kö. Auf dem Weg dorthin fragte ich mich mehrmals, ob dieser Test doch nicht zu brutal für so ein junges und noch unerfahrenes Fahrzeug mit gerade mal 5000 Kilometern auf der Uhr wäre. Ob das Auto die zweispurige Fahrbahn bewältigen würde, aus der viele Ortsfremde nur eine machten, indem sie einfach in der Mitte fuhren. Ob es sich durch rückwärts und -sichtlos ausparkende Fahrzeuge nicht irritieren, oder sich von der Menschenmenge nicht verunsichern lassen würde.

Aber schon die ersten Meter machten mir Mut. Der 4Matic-Antrieb hatte keinerlei Probleme mit der schnurgeraden und topebenen Fahrbahn. Das Getriebe drehte ruckelfrei im selben Gang. Die Bremsen quietschten nicht beim Nichtbetätigen. Die Lenkung zeigte sich beim Geradeausfahren ausreichend direkt und mitteilungsreich. Das Fahrwerk ließ sich nicht durch Fahrbahnmarkierungen aus der Ruhe bringen und hielt das Fahrzeug auf Kurs. Die Federung hatte sogar im Stand an der Ampel ausreichend Reserven. Auch das Design des GLA verdiente auf der Kö nur Bestnoten. Denn der GLA fiel zwischen den ganzen Porsche, Ferrari, Aston Martin etc. nicht auf. Einige gut aussehende Frauen schauten sogar interessiert in meine Richtung. Wobei ich nicht einschätzen konnte, ob es am Auto lag.

Morgen spiele ich mit meiner Tante G-Klasse auf der Wiese!Morgen spiele ich mit meiner Tante G-Klasse auf der Wiese! Den Bergabfahrhilfe-Test musste ich leider abbrechen, da der nachfolgende Verkehr kein Verständnis für meinen Wissensdurst zeigte. Dabei machte ich aber eine nicht weniger wertvolle Endeckung: Wenn drei in einem unterirdischen Parkhaus hintereinander bergab stehende Autos gleichzeitig hupen, wird das von den Alarmanlagen aller restlichen im Parkhaus geparkten Autos als Einbruchsversuch interpretiert.

Da während meines Aufenthaltes im Parkhaus sowohl deren Ausfahrt, als auch der Weg dorthin frisch gereinigt wurde, konnte ich das Bergauf-Anfahren auf nassem Untergrund testen. Der GLA 250 4Matic meisterte diese Kö-Disziplin ebenso geKönnt, wie alle Anderen. Außerdem gab es bei der Bergauf-Fahrt selbst bei niedrigen Drehzahlen kein Verschlucken oder kaotisches Hin- und Her-Schalten.

Heilfroh, dass mein Kö-Test des GLA 250 4Matic mit einer Tasse Kaffee und nicht in Glasscherben des Schaufensters von Cartier oder Louis Vuitton endete, plante ich schon einen Weiteren, um die Buchstaben „L“ und „N“ Längeren.

 

 

Liebe Leser,

 

meine Erklärungen der Begriffe „Autobahn“, „Alltag“ und „Landstrasse“ bezüglich des Mercedes-Benz GLA 250 4Matic sind im 2. Teil der Saga „GLAmour. Dauertest des GLA 250 4Matic“ zu finden. Weiterhin feel Spass beim Lesen!

Hat Dir der Artikel gefallen? 26 von 26 fanden den Artikel lesenswert.

23.02.2015 20:49    |    Sheam

Mich interessiert dieses Auto zwar nicht, aber dein Schreibstil hat mich so gefesselt, dass ich mir doch tatsächlich alles durchgelesen habe. :-)

23.02.2015 21:08    |    AsiRider

@Sheam

Liebsten Dank! Das freut mich sehr!

24.02.2015 09:30    |    BlackPJ80

Das Auto interessiert mich nicht - aber Sie sollten öfter ein Wagen testen und Ihre Erfahrungen hier Preis geben - der Artikel hat mich sehr amüsiert :-)

24.02.2015 09:53    |    Sheam

sag ich doch! - Oder ein Buch schreiben ;-)

lg aus der Schweiz

24.02.2015 11:04    |    AsiRider

@BlackPJ80

Vielen herzlichen Dank! Sobald ich etwas Neues in die Hände bekomme, werde ich berichten.

 

@Sheam

Nochmals Danke! Aber, um Bücher zu schreiben, muss man klug sein. Oder Daniela Katzenberger.

24.02.2015 13:33    |    BlackPJ80

Lässt sich jetzt drüber diskutieren ob die KAtzenberger "dumm" ist - wer es schafft lang erfolgreich zu sein kann nicht ganz doof sein ;-) aber off topic

24.02.2015 13:41    |    AsiRider

@BlackPJ80

Katzenberger stand stellvertretend für "schlau", keinesfalls für "dumm". Außerdem bin ich selbst kein besserer Mensch, um über Andere zu urteilen.

24.02.2015 13:56    |    andis hp

Danke für das kurzweilige Lesevergnügen. Jetzt auf zum zweiten Teil!

 

Mfg

Andi

27.02.2015 14:07    |    Scoundrel

Sehr toll geschrieben! Hab jetzt den Test schon zwei Mal lesen "müssen". :D

27.02.2015 14:56    |    AsiRider

@Scoundrel

Herzlichsten Dank!

28.02.2015 07:45    |    ImplantatorS

Sehr schön geschrieben! Danke fürs Teilen. Hat Spaß gemacht.

 

Einen ganzen Teil davon kann ich bestätigen,bzw. nachvollziehen.

28.02.2015 10:51    |    AsiRider

@ImplantatorS

Vielen lieben Dank für Dein Feedback und Deine sehr netten Worte!

08.10.2015 15:18    |    andre1740

Herrlich und echt ehrlich geschrieben. Ich hatte feuchte Augen vom lachen beim lesen. Danke informativ und lesenwert.

09.10.2015 12:42    |    AsiRider

@andre1740

Liebsten Dank für Deine sehr netten Worte!

22.03.2016 13:41    |    AsiRider

Ich bedanke mich bei allen, die Zeit fürs Lesen von meinen Berichten fanden. Einen besonderen Dank an all die, die ihr Feedback in irgendeiner Form hinterlassen haben, ob mit einem "Daumen hoch", oder besonders mit einem schriftlichen Kommentar. Es ist vor allem Euer Verdienst, dass es weitere amateurhafte und langweile Testberichte von mir geben wird. Herzlichsten Dank und feel Spaß beim Lesen!

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Ein neuer Artikel ist da!

Diesmal etwas Neues. Etwas ganz Neues. Etwas, was so neu ist, dass es so etwas noch gar nicht gibt. Noch nicht. Noch.

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Ich bedanke mich bei allen, die Zeit fürs Lesen meiner Berichte fanden. Einen besonderen Dank an all die, die ihr Feedback in irgendeiner Form hinterlassen haben, ob mit einem "Daumen hoch", oder besonders mit einem schriftlichen Kommentar. Herzlichsten Dank und feel Spaß beim Lesen!

 

 

Bei einem erhöhten Lesebedarf siehe auch:

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