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22.03.2016 13:33    |    AsiRider    |    Kommentare (49)

1972

Unter Druck des iranischen Scheichs Mohammad Reza Pahlavi, des Halters von ca. 18% der Daimler-Benz-Aktien, beschließt Daimler-Benz in Kooperation mit Steyr-Daimler-Puch die Entwicklung eines Geländewagens für den Einsatz in iranischen Grenzpatrouillen und als Jagdfahrzeug.

Außen - ein ZuckerwürfelAußen - ein Zuckerwürfel

 

2016

Ich mache die relativ schmale, dünne und dem nichtentsprechend schwere Fahrertür auf. Den Knopf mit dem Daumen drücken, ihn gedrückt halten und am starren Griff ziehen.

Und sofort werde ich von unvorstellbarem Luxus erschlagen. Mit Kaviaröl feinstgegerbte Mammuthäute, wohin das Auge reicht. Alle Hebel aus Kängurugeweih. Alle Tasten aus Augen süßer Welpen mit passenden Irisfarben. Aber all das bescheidenerweise als Nappa, herkömmliches Plastik mit dezenten Metalleinsätzen und Carbon getarnt. Die Stelle, wo diese Tarnung besonders gut gelungen ist, ist, wie es sich später herausstellt, die Innenabdeckung der Handschuhfach-Klappe. Die kann man glatt mit der eines Dacia verwechseln. Dabei ist der Dacia Nova aus den Neunzigern gemeint. Und das Wort „glatt“ ist auch nicht zufällig gewählt.

Innen - eine RuheoaseInnen - eine Ruheoase... „Moment! Carbon?“ Ich gehe etwas misstrauisch zum Fahrzeugheck, um mich zu vergewissern, dass da tatsächlich ein „G500“-Schriftzug und nicht „GTs“ dran ist. Ein mit etwas Sonderausstattung über 2,6 Tonnen-schweres Wohnzimmer mit Leichtbau-Zitaten aus dem Rennsport? In diesem Augenblick wird mir schlagartig klar, mit was für Geschäftsidee ich zum Milliardär werde – Carbon-Langhantel!

Eine Identitätskrise?Eine Identitätskrise?Ich entere das Fahrzeug. Die linke Hand aufs beheizbare Lenkrad, den linken Fuß aufs Trittbrett (Achtung: Rutschgefahr bei Nässe, Ledersohlen und Schockstarre durch die Innenabdeckung der Handschuhfach-Klappe!) und mich mit einer Vierteldrehung des gesamten Körpers gegen den Uhrzeigersinn um das linke Bein herum, den Kopf leicht einziehend auf den Fahrersitz schwingen. Die Augenzeugen berichten, dass ich dabei genauso graziös wirke, wie Mikhail Baryshnikov mit seinen 67 Jahren beim Besteigen eines Wasserklosetts nach einer Flatrate-Party.

Ich begutachte den Innenraum. Er ist überwiegend gradlinig mit weichen Ecken gestaltet, einigermaßen passend zum Außendesign. Das iPad von Bildschirm des serienmäßigen Multimediasystems namens Comand Online liegt optimal im Blickfeld des mittleren Fahrgastes aus der zweiten Sitzreihe. Die Adäquatheit (das ist tatsächlich das adäquate Substantiv von „adäquat“) der gestalterischen Integration des Bildschirms konkurriert mit der der Carbon-Paneele.

Die wahrscheinlich kürzeste Vollausstattungsliste aller Mercedes-Benz-ModelleDie wahrscheinlich kürzeste Vollausstattungsliste aller Mercedes-Benz-ModelleDie Ausstattung sorgt für Luxussorgen. Beispielsweise, wieso ist nur Belüftung, aber keine Massagefunktion für die vorderen, serienmäßig beheizbaren Sitze verfügbar, wenn man diese sogar bei deutlich günstigeren Mercedes-Benz-Modellen bekommt? Technisch müsste man am Fahrzeug selbst kaum etwas dafür verändern. Oder warum ist keine 360°-Kamera, oder zumindest eine Videodrohne mit Carbongehäuse zum Erleichtern des Einparkvorgangs bestellbar, wenn... – das Argument von vorher gilt auch hier. Genauso mit fehlender Verkehrsschilder-Erkennung und vermisstem Head-up-Display.

Ich checke Ablagemöglichkeiten für Portemonnaie, Schlüssel, Handy etc. Sie sind vorhanden. Das traditionelle Fangnetz für entlaufene Kaffeebecher auf der Beifahrerseite auch. Die Abwesenheit eines Brillenfachs kompensieren die Fächer unter den Vordersitzen. Die der Flaschenhalter ebenfalls. Andererseits, wofür braucht man noch Flaschenhalter, wenn man schon eine G-Klasse hat? Falls Sie keine Logik darin sehen, wird es Sie vielleicht beruhigen, dass es mir auch nicht anders geht.

Ich schaue mich um. Zuerst ein Blick nach vorne. Ich sehe die Brooklyn Bridge, die Rückseite des Mondes und das Ende der Flüchtlingskrise. Mehr Sicht nach vorne hat man nur in einer Krankabine. Mehr Höhenangst, übrigens, auch. Viele Motorräder bieten eine schlechtere Sicht auf die Fahrzeugfront, als die G-Klasse.

Das Dreieckige hat im Viereckigen nichts zu suchen!Das Dreieckige hat im Viereckigen nichts zu suchen!Die Rundumsicht liegt ganz knapp unter dem durchschnittlichen Odtimer-Cabrio-Niveau. Das macht den generell überflüssigen Totwinkelassistenten noch überflüssiger, da man ein neben sich fahrendes Fahrzeug fast gleichzeitig mit dem roten Dreieck im entsprechenden Außenspiegel, der eine absolut kritikfreie Sicht ermöglicht, bemerkt. Und generell überflüssig ist er, weil er erfahrungsgemäß nur auf der Autobahn einigermaßen sinnvoll ist, aber im Stadtverkehr fast ununterbrochen leuchtet und somit jeden gewöhnlichen Spurwechsel in Frage stellt – mit solchen Freunden braucht man keine Feinde.

Über die Sicht nach hinten gibt es durch ihre Abwesenheit nichts zu berichten. Das, was man durch die kleine und hoch platzierte Heckscheibe noch irgendwie sehen könnte, verdecken die Ersatzradabdeckung und die mittlere Kopfstütze der hinteren Sitzreihe. Letztere würde ich zwecks einfacheren Einparkens direkt demontieren, wenn man nicht immer zu Fünft unterwegs ist. Aber zum Thema „Einparken“ komme ich noch.

Für die Massage-Funktion sorgt das FahrwerkFür die Massage-Funktion sorgt das FahrwerkIch suche nach einer passenden Sitzposition. Sie scheint irgendwo ganz nahe, aber doch unerreichbar zu sein. Bei meinen 173 Zentimetern des Napoleon-Komplexes habe ich relativ lange Beine (Jeanslänge 32), aber einen etwas kürzeren Oberkörper und dementsprechend kürzere (aber nicht wirklich kurze) Arme. Dabei ist es generell eine schnelle Nummer, auf dem grundsätzlich sehr bequemen und mit umfassenden Einstellungsmöglichkeiten (Sitzflächenhöhe und –Neigung, aufblasbare Schenkelauflage, Rücklehnenneigung, Lordosenhöhen- und -Tiefenverstellung, Seitenwangenverstellung, Kopfstützenhöhenregulierung) versehenen Fahrer- (ebenso wie dem Beifahrer-) -Sitz eine passende Lage zu erreichen. Aber es wäre wünschenswert, wenn ich als Fahrer noch ans Lenkrad und, was auch nicht ganz irrelevant ist, an die Pedale kommen könnte. Am Liebsten gleichzeitig. Und hier beginnen die Schwierigkeiten. Nein, das linke Pedal ist keine KupplungNein, das linke Pedal ist keine KupplungDeren Hauptgrund liegt am Bremspedal, das ich zuerst draußen auf dem Parkplatz suche und dann ganz zufällig links von der Lenksäule finde. Also dort, wo bei vielen Autos mit Schaltgetriebe noch das Kupplungspedal ist. Die Frage „Warum wurde es bei einem elektronisch gesteuerten Bremssystem nicht etwas mehr nach rechts versetzt?“ gehört offenbar zu der selben Kategorie, wie die „Wofür braucht man den Blinddarm?“. Besonders, wenn auch die tiefste Position des Fahrersitzes Bus-hoch ist und sogar bei mir für einen Winkel zwischen dem Unterschenkel und dem Fahrzeugboden sorgt, den selbst die G-Klasse mit ihrer Steigfähigkeit von bis zu 100% nicht schaffen würde. Dabei würde allein eine stabile, etwas breitere Bremspedalauflage das Problem spürbar entschärfen, da man sich zwischen dem Brems- und dem Gaspedal ein Taxi nehmen muss. Das heißt im Endeffekt: Entweder finde ich eine Sitzposition, bei der ich bequem an die Bremse komme (den Sitz komplett nach unten, damit kein unangenehmer Kniewinkel entsteht), aber das (komplett herausgefahrene und in der untersten Position stehende) Lenkrad und das Gaspedal kaum erreiche, oder eine, bei der ich gut lenken und Gas geben kann, aber die Bremse nur im rechten Kniewinkel und mit dem unnatürlich nach links verdrehten rechten Fuß betätigen kann (den Sitz nach vorne und relativ hoch), was nicht nur unbequem und ziemlich schnell schmerzhaft, sondern auch in Sachen Fahrzeugbedienung sehr gefährlich wäre. Nach mehreren Versuchen, bei denen ich auch mit Sitzflächen- und Rücklehnenneigung sowie der Schenkelauflage experimentiere, finde ich einen Kompromiss, der aber wirklich nur als Kompromiss betrachtet werden darf, bei dem mein linker Fuß die für ihn bestimmte Ablagefläche kaum erreicht. Einen Tag später komme ich auf eine Idee, die weniger ästhetisch, aber ziemlich praktisch ist – ein kleines, zusammengefaltetes Tuch unter der Matte, an der Stelle der Ablage für den linken Fuß verbessert signifikant sowohl den Sitzkomfort, als auch die Integration ins Fahrzeug. Noch ein paar Tage später spreche ich mit zwei Bekannten, - einer von denen ist ca. 8 Zentimeter größer als ich und macht gleichzeitig mit mir eine Probefahrt einer G-Klasse; der Andere - ein Mechatroniker bei der Düsseldorfer Mercedes-Benz-Werkstatt - ist noch größer und fährt ab und zu eine G-Klasse – beide haben ähnliche Probleme mit der Sitzposition.

Das Runde im EckigenDas Runde im EckigenIch klappe die mittlere Armlehne auf, schließe mein iPhone an und schalte Musik ein. Der Klang des Surround-Soundsystems Harman Kardon Logic 7 mit Dolby Digital 5.1, 12 Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 450 Watt ist spürbar weniger schlecht, als der des gleichnamigen Systems im A45 AMG. Ob das an der einem Lautsprecher ähnelnden Form des Innenraums der G-Klasse liegt?

Ich öffne das Blech-Schiebedach, das diese Bezeichnung tatsächlich verdient. Der Klang des Soundsystems leidet darunter nur unwesentlich.

Ich mache die Fahrertür mit einem PKW-ungewöhnlich lauten Knall zu, stelle die Spiegel ein, schnalle mich an, stelle den rechten Fuss auf die Bremse, löse die echte mechanische Feststellbremse, indem ich den Hebelknopf drücke, den Hebel leicht nach oben ziehe und dann komplett unten versenke.

 

Als ich den Motor starten möchte, bemerke ich eine ungefähr 40 Jahre junge Frau und einen ca. 5 Jahre weniger jungen Mann, dem Kennzeichen ihres Autos nach, aus Griechenland. Der Mann kommt auf mich zu und zeigt mir „Daumen hoch“. Ich bedanke mich auf Englisch. Der Mann fragt mich mit einer verbal-gestikulären Kombintation, bestehend aus „How much“ und einem Fingerschnips-ähnelnden Aneinanderreiben von dem Daumen, dem Zeige- und dem Mittelfinger der linken Hand nach dem Preis des Fahrzeugs. „One hundred thirty thousand.“ – antworte ich. Offenbar nicht verstanden schaut er seine Begleiterin fragend an. Sie übersetzt ihm das von mir Gesagte. „Euro?“ – fragt der sichtbar verunsicherte Mann. Ich nicke bestätigend mit dem Kopf. „F*ck!“ – rutscht meinem Smalltalk-Partner heraus. Ich nicke nochmals bestätigend mit dem Kopf. Während ich auf die Handschuhfach-Klappe schiele.

 

 

1993

Daimler-Benz stellt den ersten V8 als 500GE mit 241 PS (177 kW) vor und führt die offizielle Bezeichnung „G-Klasse“ ein.

 

2016

Eine TraumfabrikEine TraumfabrikIch starte den Motor. Die Welt hinter der Windschutzscheibe wackelt ein paar Mal. Ausgerechnet in diesem Moment höre ich ein altes amerikanisches Auto ganz nahe an mir vorbeifahren. Ich schaue mich um und suche nach ihm. Bis ich verstehe, dass dieser Sound unter der Motorhaube meines Fahrzeugs stattfindet.

Ich bringe den Getriebewahlhebel in die Position „D“, setze den Blinker, kontrolliere das Fahrzeugumfeld und möchte losfahren.

... „Warum geht das Innenraumlicht nicht aus?“ Der erste Gedanke, obwohl er mir in dem Moment lustig vorkommt, ist jedoch richtig: die Fahrertür ist nicht vollständig geschlossen.

Ich kontrolliere, dass keiner von links kommt, mache die Fahrertür noch mal auf und danach wieder zu. Mit ordentlich Schwung. So dass ein herkömmliches Auto danach noch ein paar Sekunden lang wackeln würde. Die Innenraumbeleuchtung geht sofort aus.

Ich kontrolliere wiederholt das Fahrzeugumfeld und fahre an. Das Gaspedal bietet einen angenehmen Widerstand – nicht zu leicht- und nicht zu schwergängig. Das Ansprechen des Motors aufs Gaspedal, ob im C-, oder im S-Modus verdient ein Lob. Das Ansprechen des Gehirns auf den Motor gleicht einer Lobotomie: Die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Frontallappen werden durchtrennt und durch Einspritzventile ersetzt – bei jeder Betätigung des Gaspedals werden Endorphine direkt ins Gehirn eingespritzt.

Das traurige Ende der SportabgasanlageDas traurige Ende der SportabgasanlageDer 4 Liter-Motor des G500 hat nicht nur werksangegebene 310 kW / 422 PS und 610 Nm, sondern alles, was die Kinder der Siebzigerjahre (wie ich) cool fanden: sowohl einen V8, als auch zwei Turbolader. Was er selbst mit der optionalen Sportabgasanlage nicht hat, ist der nach Aufmerksamkeit schreiende Sound der aktuellen AMG-Modelle. Bei Teillast klingt er tief blubbernd, selbstbewusst, nicht durch einen Soundaktuator künstlich erzeugt, sondern so real, wie ein Traum nur sein kann. Dabei brüllt er sich beim Vollgas die Kolben aus dem Motorblock, aber ohne übertrieben theatralisch zu werden. Eine ausgesprochen gelungene Kombination aus Faszination und Alltagstauglichkeit, kein Kompromiss. Möglicherweise die Beste überhaupt.

Die Leistungsentfaltung des V8-Biturbos und seine Drehfreude sind wahrscheinlich der Traum eines jeden Motorenentwicklers: Sehr linear, keine Durchhänger und in jedem Drehzahlbereich ordentlich Drehmoment. Das Charakteristische dieses V8-Biturbos ist, dass man sich nicht zwischen Leistung oder Drehmoment entscheiden muss. Man hat Beides. Und zwar immer.

Die Erklärung für die Perfektion dieses Kraftwerks liegt in seiner einzigartigen Geschichte. Als im Jahre 2010 die Abgasbestimmungen drastisch verschärft wurden, brauchte Daimler-Benz einen großen saubereren Motor für die größeren Baureihen. Aus Kostengründen wurde es entschieden, die Entwicklung des eigenen neuen 12-Zylinders um 5 Jahre zu verschieben und stattdessen einen fremden Motor zuzukaufen. Er sollte mit leichten Anpassungen, die sich meistens auf die Motoraufhängung beschränkten, in den bestehenden Baureihen verwendet werden. Nach ausgiebigen Tests fiel die Wahl auf den 6-Liter Biturbo BMW-Motor unter der Bezeichnung M 74 aus der Siebener-Generation F 01. Aus unbekannten Gründen änderte sich die Meinung der Daimler-Benz-Chef-Etage im letzten Moment und es wurde entschieden, diesem Motor 4 Zylinder abzunehmen und ihn als einen V8-Biturbo zu verwenden. Das Problem war aber, dass der Motor nicht mehr mit dem original Biturbo verwendet werden konnte, da er von der Baulänge her nicht mehr passte. Die Lösung kam von Audi in Form des Biturbos aus dem 4-Liter Biturbo-Motor des S8 der Baureihe D4. Somit besaß dieser Frankenstein von Motor die besten Eigenschaften der besten Motoren, die es in den letzten 10 Jahren gab.

Wenn Sie das geglaubt haben, machen Sie lieber eine kurze Pause und holen Sie sich einen Kaffee / ein Bier / einen aus recycelten Früchten hergestellten Smoothie, bevor Sie weiterlesen.

Aber obwohl die tatsächliche Entstehungsgeschichte des im aktuellen G500 verwendeten M 176 nicht so surreal geriet, war sie trotzdem ziemlich ungewöhnlich. Dieser Motor ist eigentlich ein AMG-Triebwerk, das aber nicht nach dem Prinzip „One Man – One Engine“, sondern auf Fließband hergestellt wird. Er besteht sozusagen aus zwei M 133-2 Liter Twinscroll-Turbomotoren der A W 176 / CLA C 117 / GLA X 156 45 AMG-Reihe, die zu einem „heißen V8“ mit 2 zwischen den Zylinderbänken liegenden Turboladern vereint wurden. Ähnliche Motoren (nur im „One Man – One Engine“-Verfahren zusammengesetzt) werden unter der Bezeichnung M 177 mit 476 PS beim C63 AMG und mit 510 PS beim C63 S AMG (Baureihe W/S 205) sowie als M 178 mit Trockensumpfschmierung mit 462 PS beim AMG GT und mit 510 PS beim AMG GT S der Baureihe C 190 eingesetzt.

Jeder Elefant braucht einen RüsselJeder Elefant braucht einen RüsselDie „Hälfte“ von diesem Motor bewegt mich seit über zwei Jahren in meinem A45 AMG und zeigt sich sowohl rennstreckentauglich im Alltag, als auch alltagstauglich auf der Rennstrecke. Man muss ihn nur sorgfältig warm sowie kalt fahren. Und sich nicht wundern, wenn der Kühler nach langen Vollgasetappen nach dem Abstellen des Motors schon mal mehrere Minuten lang nachläuft.

Keine "Motorsport"-Attrappe, sondern ein echter KühlerKeine "Motorsport"-Attrappe, sondern ein echter KühlerDabei leistet der "doppelte" Motor des G500 laut Werk nur ca. 30-40 PS mehr, als meiner. Auch das Drehmoment von „nur“ 610 Nm liegt bei Weitem nicht beim Doppelten von meinem mit seinen werksangegebenen 450 Nm. An der Stelle sollte aber erwähnt werden, dass die AMG-Triebwerke für ihre – je nach Modell und Serienstreuung – im Schnitt gut 20-40 PS Mehrleistung gegenüber der Werksangabe bekannt sind. Auch mein Testfahrzeug beschleunigte sowohl subjektiv, als auch laut GPS etwas schneller, als die angegebenen 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Außerdem bestätigte mir ein in der Fahrzeugentwicklung beschäftigter Mercedes-Benz-Mitarbeiter, dass die Werksangaben bei manchen 500ern absichtlich niedriger angesetzt werden, damit die Kundschaft sich nicht fragt „Wozu brauche ich dann einen teureren AMG?“. Ob das auch beim aktuellen G500 der Fall ist, weiß ich allerdings nicht.

Wie dem auch sei, aber der aktuelle G500 ist mit seiner Leistung sogar fast schon etwas übermotorisiert. Salopp formuliert: Wer sich 422 PS leisten kann, wird eine höhere Leistung beim G-Modell nicht vermissen.

Das im G500 verbaute Getriebe namens 7G-Tronic macht im Laufe meiner knapp 500 Kilometer mit dem G500 kein einziges Mal auf sich aufmerksam. Bis auf die Schaltpaddels, die sich in dieses Fahrzeug verirrt haben.

Nur eine Eigenheit ist verbesserungswürdig: Beim Kickdown braucht das Fahrzeug eine Kaffee-Pause, bis es nach vorne springt. Das ist besonders auffällig, weil die Gaspedal-Befehle ansonsten beispielhaft verzögerungsfrei ausgeführt werden.

Kaum zu glauben: Der Golf 6 R verbraucht auf der selben Strecke bei einer ähnlich brutalen Fahrweise ungefähr das GleicheKaum zu glauben: Der Golf 6 R verbraucht auf der selben Strecke bei einer ähnlich brutalen Fahrweise ungefähr das GleicheUnd jetzt zum Thema, das für jeden Besitzer eines 130.000 Euro-teuren Fahrzeugs am Wichtigsten ist. Bei einer gutbürgerlichen Fahrweise, zu der die G-Klasse ihren Fahrer auch zwingt, liegt der Verbrauch, sowohl in der Stadt, als auch im Durchschnitt - diese Werte liegen tatsächlich auf ungefähr dem selben Niveau, da bei ca. 120-130 km/h, also einer Geschwindigkeit, bei der die meisten Autos am Wenigsten verbrauchen, der cw-Wert des G500 von 0,54 jegliche Sparsamkeit wegbläst – bei 13-14 Litern pro 100 Kilometer. Bei einer verbrauchsorientierten Fahrweise, also der Allerbrutalsten, die man selbst auf der Rennstrecke kaum überbieten kann – Autobahn-Dauervollgas, dauerhaft Topspeed, immer Durchbeschleunigen, sobald selbst eine ganz kleine Lücke entsteht, von jeder Ampel mit Vollgas, immer so lange es geht am Gas bleiben, spät bremsen und aus jeder Kurve, so gut es geht, herausbeschleunigen etc., komme ich auf maximal 26 Liter. Das Fahrzeug hatte zum Zeitpunkt des Testes ca. 5000 Kilometer runter, war also einigermaßen eingefahren.

 

Wo ist denn mein Fahrzeug?Wo ist denn mein Fahrzeug?Ich stehe auf dem Parkplatz eines Supermarkts. Während ich versuche, meine Einkaufstaschen im Kofferraum verrutschsicher zu befestigen, geht eine ca. 45-jährige Frau in Outdoor-Kleidung in meine Richtung. Als sie nur weniger Meter von mir entfernt ist, wirft sie mir einen vernichtenden Blick zu, sagt (Original-Grammatik): „Wegen solcher wie Sie müssen meine Kinder vergiftete Lüft atmen!“, steigt in einen neben mir stehenden, mit Aufklebern „Anna Lisa on Tour“, „Jacqueline on Board“, „Pascal inside“ und „Atomkraft? Nein, danke!“ getunten Ford Galaxy 1.9 TDI der ersten Generation (Typ WGR), startet den Motor, hinterlässt mehrere schwarze Wolken und verschwindet.

 

 

1989

Die neue Baureihe unter der Bezeichnung 463 bekommt serienmäßigen permanenten Allradantrieb.

 

2016

Ich untersuche sehr aufmerksam das durch die Kraftverteilung auf die Antriebsräder bestimmte Verhalten des Fahrzeugs. Zuerst auf trockenem, danach auf nassem Untergrund.

Wer es noch nicht weiß, hat die G-Klasse einen Allrad. Wer es noch nicht weiß, was ein Allrad ist: Das ist wie vier zusammengeschweißte Fahrräder – ein paar vorne und ein paar hinten – nur ohne Vorderräder, dabei können die vorderen Hinterräder gelenkt werden und man zwar in die Pedale treten, aber nicht kurbeln muss, um zu fahren. Wer es noch nicht weiß, was ein Fahrrad ist: Das ist ein Fahrzeug, bei dem man am Hinterrad kurbeln muss, damit sich das Vorderrad dreht. Und wer es noch nicht weiß, was ein Rad ist: Das sind diese Dinger, die bei einem Allrad vorne gelenkt werden können. Aber genug Theorie.

In der Praxis ist das oben angesprochene Verhalten ausgesprochen neutral. Zu viel Gas am Kurveneingang wird traditionell mit Untersteuern quittiert. Wenn man es mitten in der Kurve mit dem Gas übertreibt, schiebt der G500 über alle 4 Räder mit einer ganz leichten Übersteuertendenz nach außen, aber ohne ausgeprägte Heckschlenker. Dabei ist der Grenzbereich breiter, als der Türsteher, ob im Trockenen oder bei Nässe. Nur in ganz engen Radien sollte man es sich knicken, das Fahrzeug ab dem Scheitelpunkt PKW-mäßig unter Vollgas heraustragen zu lassen, und gefühlvoller mit dem Gas umgehen, da der Reifen des kurvenäußeren Vorderrades spürbar nach innen einknickt, was im Schlimmsten Fall zum Überschlag führen kann. Generell ist es für mich überraschend, wie ausbalanciert, idiotensicher und geschmeidig sich der G500 im Grenzbereich und auch knapp dahinter benimmt. Außerdem möchte ich mich an dieser Stelle bei in 2015 neuabgestimmtem ESP, ASR, 4ETS etc. bedanken, dass ihr da wart! Aber nicht störten. Weder beim kurzen Durchdrehen aller 4 Räder bei jedem Vollgas-Ampelstart, das bei Nässe auch schon mal mehrere Fahrzeuglängen betrug. Noch als mir ebenfalls bei Nässe in einer lang gezogenen mittelscharfen Kurve bei mittelstarker Beschleunigung mit ca. 110 km/h die Hinterasche ins Rutschen kam, was mehr amüsant, als alarmierend war. Und es war herrlich zu spüren, wie die Vorderräder beim Durchdrehen an der Lenkung zerrten. Auch gelegentliche leichte Spannungen im Allrad trugen zum unverfälscht urigen Fahrgenuss bei. Das ist ohne jeglichen Sarkasmus gemeint.

Auf einen Offroad-Test verzichte ich. Ich komme aus einem Land, wo offroad überall on the road stattfindet, außerdem habe ich die G-Klasse bei diversen Offroad-Events auf wirklich anspruchsvollen Strecken erlebt. Sie muss mir nichts mehr beweisen. Ich kann ihr kaum etwas.

 

Der Fischgrätmuster-Parkplatz (eine einspurige Fahrbahn, die Parkplätze liegen diagonal auf deren beiden Seiten) eines McDonald´s-Restaurants um die Mittagszeit. Alle Parklücken bis auf eine sind besetzt. Diese ist knapp über 2 Meter breit, genauso wie alle Anderen lang und liegt zwar in einer Reihe mit den Anderen, ist aber im Bürgersteig „eingestanzt“ und mit etwas überdurchschnittlich hohen Bordsteinen umschlossen (kein Behinderten-Parkplatz, obwohl er möglicherweise so geplant war). Ich parke auf diesem Parkplatz und gehe zum Restauranteingang.

Als ich zurückkomme, steht auf der gegenüberliegenden Seite der Fahrbahn, also hinter meinem Fahrzeug ein 7er BMW der E 38-Generation in der langen iL-Ausführung und dann noch gut 50 Zentimeter von dem Bordstein im Frontbereich entfernt, so dass sein Heck ordentlich aus der Parklücke herausragt und somit die ohnehin nicht allzu breite Fahrbahn noch enger macht. Mir ist klar, dass ich selbst nach einem langen Rangieren nicht herauskomme.

Aber zwei Parkplätze rechts von mir sind frei geworden, mich trennt von denen ein ca. 50 Zentimeter breiter Bürgersteig. Ich rangiere das Fahrzeug im Rahmen meiner Parklücke, so dass ich so dicht wie möglich am linken Rand stehe, damit ich die Vorderräder nach rechts bis zum Einschlag stellen kann. Danach fahre ich vorsichtig über den Bürgersteig heraus, komme auf die mittlere Fahrbahn und bleibe kurz stehen, da ein Auto vor mir ausparkt. In dem Moment schaue ich zufällig in den Spiegel und bemerke, wie ein Porsche Cayenne der ersten Generation (Typ 9PA nach dem Facelift im Jahre 2007) versucht, die von mir gerade befreite Parklücke zu besetzen, und über den Bürgersteig klettert. Mein Vordermann fährt vor, ich folge ihm und höre in dem Moment hinter mir Plastik knirschen und platzen.

 

 

Liebe Leser,

 

meine Eindrücke von der Bremsanlage, dem Fahrwerk, der Lenkung und den Alltagseigenschaften des G500 sind im 2. Teil von „Sachlich. Testbericht des G500 V8-Biturbo, W 463 MoPf 2015“ zu finden. Weiterhin feel Spass beim Lesen!

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22.03.2016 13:58    |    Diesel73

:D Klasse geschrieben, macht Spaß zu lesen.

Wirklich tolles Auto, Stärken und Schwächen verständlich beschrieben.


22.03.2016 14:04    |    flooozz

Genial geschrieben ! Lese es gerade in ner langweiligen "Besprechung" und musst mich echt zusammenreißen, dass ich nicht loslache. Danke für den Bericht. So wo ist Teil2?


22.03.2016 15:01    |    a1m

Ein Düsseldorfer Alt, zwei Cheeseburger und 9er Kingwings bitte! Danke! ;)

 

Bis zum Rad hab ichs verstanden, aber was sind "Dinger"? :P


22.03.2016 16:12    |    G-Freund

Hab mich fast totgelacht, endlich mal was lustiges bei der Arbeit.

Alles kann ich nicht teilen, aber im Grundsatz alles korrekt beschrieben!


22.03.2016 17:06    |    AsiRider

@Diesel73

@flooozz

Vielen lieben Dank! Es freut mich sehr!

 

@a1m

Geht klar! Zahlst Du mit Karte oder bar? Und möchtest Du die ganzen Dinger allein aufessen?

 

@G-Freund

Herzlichen Dank!

Mir wäre natürlich sehr interessant, wenn Du (zumindest kurz) erzählen könntest, was Du beim G500 2015er MoPF (oder generell beim G) anders siehst. Ich würde mich sehr über Deine Meinung freuen!


22.03.2016 20:55    |    Stewaan

Sehr schöner Artikel, für mich der beste hier seit langem.

 

Den G500 konnte ich leider noch nicht fahren, allerdings hatte ich vor ein paar Jahren die Gelegenheit, einen neuen G350 CDI für einen längeren Zeitraum zu fahren. Und der hat mich schon sehr begeistert.


22.03.2016 21:15    |    AsiRider

@Stewaan

Das ist ein großes Kompliment, herzlichen Dank! Meine letzte persönliche Erfahrung mit einer G-Klasse (vor diesem Test) ist schon über 15 Jahre her, von daher kann ich leider nicht mitreden, was die VorMoPf-Generation angeht. Ich vermute aber, dass auch diese kaum weniger beeindruckend war.


23.03.2016 10:01    |    Hellhound1979

Super geschrieben, danke für diesen schönen Bericht!

 

Zitat:

...spät bremsen und aus jeder Kurve, so gut es geht, herausbeschleunigen etc., komme ich nicht über 26 Liter.

Kaputt? :D


23.03.2016 11:05    |    AsiRider

@Hellhound1979

Ich danke Dir für Deine Worte!

Ob es schon kaputt war, oder erst durch mich geworden ist, kann ich nicht beurteilen:-) Aber mich hat es schon verblüfft, wie sparsam der neue G500 auf meiner herzlosen Verbrauchsrunde war, gemessen an meiner betont spritvernichtenden Fahrweise.


23.03.2016 16:36    |    Keskin Nisanci

TOP geschrieben, TOP auto. diese G klassen sehen einfach geil aus. zudem noch wertstabilder als andere suvs/geländewagen.

 

am meisten musste ich bei diesem abschnitt schmunzeln und lachen :

"Ich stehe auf dem Parkplatz eines Supermarkts. Während ich versuche, meine Einkaufstaschen im Kofferraum verrutschsicher zu befestigen, geht eine ca. 45-jährige Frau in Outdoor-Kleidung in meine Richtung. Als sie nur weniger Meter von mir entfernt ist, wirft sie mir einen vernichtenden Blick zu, sagt (Original-Grammatik): „Wegen solcher wie Sie müssen meine Kinder vergiftete Lüft atmen!“, steigt in einen neben mir stehenden, mit Aufklebern „Anna Lisa on Tour“, „Jacqueline on Board“, „Pascal inside“ und „Atomkraft? Nein, danke!“ getunten Ford Galaxy 1.9 TDI der ersten Generation (Typ WGR), startet den Motor, hinterlässt mehrere schwarze Wolken und verschwindet."

 

die gute dame ist sich nicht bewusst, dass moderne autos "sauber" geworden sind. aber naja, idioten gibt es zu hauf, ist halt so. sie soll ihre alte drecksschleuder weiterfahren, soll einfach andere in ruhe lassen.


23.03.2016 17:57    |    AsiRider

@ Keskin Nisanci

Vielen herzlichen Dank!

Ja, es gibt tatsächlich sehr viele Fahrzeuge, die deutlich umweltschädlicher sind, als eine moderne G-Klasse. Aber an der Situation mit der Frau im Ford Galaxy finde ich am Traurigsten die Leichtigkeit, mit der sie über Andere urteilt und sich für einen besseren Menschen hält. Die Ursache des Bösen sind keine schlechten Menschen, sondern welche, die besser zu sein glauben.


23.03.2016 18:24    |    saschaef

Super geschrieben! Sehr lustig aber auch informativ, so könnte jeder Testbericht sein.


23.03.2016 18:26    |    AsiRider

@saschaef

Liebsten Dank für Dein sehr nettes Kompliment!


24.03.2016 06:23    |    Hellhound1979

Zitat:

Aber mich hat es schon verblüfft, wie sparsam der neue G500 auf meiner herzlosen Verbrauchsrunde war, gemessen an meiner betont spritvernichtenden Fahrweise.

Eben deswegen meine Frage, war aber nicht ernst gemeint. :)


24.03.2016 08:36    |    AsiRider

@Hellhound1979

Es tut mir Leid, aber dieses Thema muss man ernst nehmen. Genauso ernst, wie die Verbrauchsangaben der Autohersteller. Die Wahlversprechungen aller Politiker. Oder die Wettervorhersage für Juni. In 2019.


24.03.2016 12:08    |    outbackler

Wirklich sehr toll geschriebener Bericht. Unterhaltsam UND informativ gleichzeitig!! Das Auto selbst ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben.


24.03.2016 19:47    |    AsiRider

@outbackler

Vielen lieben Dank!


24.03.2016 22:04    |    yeoman

Sensationell, hat mich sehr unterhalten. :-)

Den Part mit den Aufklebern am Galaxy der Dame fand ich am besten.


24.03.2016 22:37    |    AsiRider

@yeoman

Das ist ausgesprochen nett von Dir, danke sehr!

Du hättest die Dame selbst sehen sollen:-)


25.03.2016 15:05    |    enrgy

das foto "wo ist denn mein fahrzeug" erinnert mich an früher:

meine mutter fuhr in den 80ern immer liebend gerne mit meinem r4f6 zum supermarkt, denn da konnte sie den wagen schon von weitem als weißen fels im meer der anderen autos herausragen sehen...:D


25.03.2016 18:00    |    AsiRider

@enrgy

Für mich ist der R4 F6 einer der schönsten Kastenwagen aller Zeiten. Deshalb kann ich Deine Mutter absolut verstehen.


25.03.2016 18:35    |    Diesel73

Für solche Fälle hab ich an meinem kleinen Lupolein ne quiekgelbe Schleife an der Antenne :D:D:D.

 

Meine C-Klasse hat leider nur noch n Stummel, den such ich ewig :rolleyes::D.


25.03.2016 18:49    |    AsiRider

@Diesel73

Mit der W176 A-Klasse ist es auch nicht besser:-)


25.03.2016 18:58    |    Diesel73

Also doch CB Funk rein wie früher. Mit der dazugehörigen Antenne :D:D:D.

 

Zumindest dem G würd´s sogar stehen.


25.03.2016 20:56    |    AsiRider

@Diesel73

Der G braucht das nicht - siehe Bild:-)


26.03.2016 20:32    |    Diesel73

Hast Recht, den Dampfer findet man mit einem Blick :D;).


27.03.2016 00:32    |    AsiRider

@Diesel73

Leider ist es etwas schwieriger, ca. 130.000 Euro für den passenden Schlüssel dazu zu finden:-)


27.03.2016 09:58    |    Diesel73

Jepp, die such ich auch noch, werd sie aber trotz Ostern wohl nirgends finden :D.


28.03.2016 11:02    |    mfk0964

Ich habe den G als 230GE 4 Jahre Mitte der 80er in der Cabrioversion mit Hardtop gefahren. Die 70er und jünger Jahrgänge wissen nicht, was das damals für eine Show war. Damals war der Allrad zuschaltbar. Das Beste war aber das Untersetzlungsgetriebe. 1. Untersetzungsgang rein und los gings im Standgas. Es gab noch keine SUVs, keine handys, kein Internet ... und dann der offene G ... wow, locker über einem 911er. Mit dem riesigen Stern auf dem Kühler und der "mach-Platz-kleiner-jetzt-komme-ich" Front! Hinten die chicas drin und wehendem Haar. Totenstille im Szenelokal ... Ach ja die Bremsen! Gott was für Bremsweg. Einemal bin ich über eine Brücke in die rote Ampelkreuzung reingerutscht, mit blockierten Rädern. GsD kam keiner! Einmal im Allgäu, bergab. Ruuuuuuutsch! Ooooooh! Parken? Überall! Z.B. auf dem Busparkplatz Neuschwanstein. Parkplatzwächter machte die Schranke runter. Gefangen!? Nix da. Allrad PLUS Differenzialsperren rein. Böschung hoch und weg. Totlach! Wenn ich an das ganze SUV Gedöns heute sehe, diese Zahnaztfrauen-fahren-auf-den-Algi-Parkplatz-Krücken ... totlach.


28.03.2016 13:01    |    AsiRider

@mfk0964

Vielen Dank für den sehr unterhaltsamen Post!

Bei uns im wilden Osten, damals als "die UdSSR" bekannt, konnte man Mitte der 80er öfter ein UFO sehen, als selbst einen 124er. Und damit ist natürlich kein FIAT gemeint. Sogar ein 123er sorgte damals für Verkehrszusammenbrüche. Einen Geländewagen als Cabrio konnte man bei uns nur in Form eines UAZ 469 finden. Aber es gab kaum Menschen, die dieses Fahrzeug privat besaßen. Davon abgesehen, dass das Teil weniger komfortorientiert war, als ein Fahrrad ohne Reifen und einen Sattel, aber mit einer sehr spitzen Sattelstütze.

Der G kam zu uns erst Anfang der 90er, und zwar schon als 463er und wurde direkt zum offiziellen Fahrzeug der echten Männer - damit waren bei uns diejenigen gemeint, die eine Kopfnuss als eine höfliche Begrüßungsform praktizierten und deren AK-47, besser als "Kalaschnikow" bekannt, immer einsatzbereit war.

Meine ersten eigenen Begegnungen mit der G-Klasse fanden erst Mitte der 90er statt. Natürlich nur zum wissenschaftlichen Testen ohne Kaufabsicht. Und selbstverständlich war ich von diesem Fahrzeug fasziniert. Und daran änderte sich bis heute nichts.

Und auch etwas davon, was Du beschrieben hast, hat sich bis heute nicht geändert: Ein G ist immer noch locker über einem 911er. Letzterer wird von den Passanten gar nicht mehr wahrgenommen. Obwohl selbst dessen Basisvarianten als Neufahrzeug mittlerweile in den Preisregionen angekommen sind, die schwer zu erklären sind.


29.03.2016 09:24    |    mfk0964

@Asirider Den W124 hatte ich mal als 300E. Toller Motor, aber damals gab es noch kein ESP. Bei einem Überholvorgang auf der Landstraße stand die Karre mit Kickdown im Regen plötzlich quer. Hab mir fasst in die Hose gemacht. Sofort wieder weg mit dem Teil und auf W126 umgerüstet. Heute fahre ich A8 mit Solardach bis Luftfederung und allem zip und zap was dazwischen liegt. Raumschiff Enterprise. Aber mit Wehmut denke ich an den alten G zurück. So viele schöne Erinnerungen an die guten alten 80er Jahre, als D. Bohlen noch das Haar lang trug ... Der G ist heute der einzige Wagen, nach dem ich mich umdrehe ... Respekt (vorausgesetzt natürlich, der Fahrer hat ihn auch bezahlt ....) Weiß jemand eigentlich, was ein Leiterrahmen ist? Siehste ...


29.03.2016 14:03    |    flat_D

Alles lustig geschrieben aber bei den Fakten nicht ganz bei der Wahrheit. Die Motorenehe zwischen BMW und Mercedes hat sehr wohl stattgefunden und Audi hat damit nichts zu tun. Der bereits 2008 bei BMW eingeführte N63B44 ist das 1:1 Vorbild für den M176. Der aus Aluguß in Closed-Deck-Bauweise hergestellte Zylinderblock, die Piezohochdruckeinspritzung, die Turbolader im heißen V, die wassergekühlten Ladeluftkühler, einfach das gesamte Motorlayout hat Mercedes hier für den 2015 erschienenen AMG GT vom BMW Motor übernommen. Anders sind lediglich Hub und Bohrungsverhältnis, weshalb der Mercedesmotor etwas weniger Hubraum hat und damit in den Zylinderinnenabmessungen den eigenen Vierzylindern ähnelt. Audis Biturbo V8 mit heißem V aus dem Jahre 2012 und ebenfalls 4L Hubraum ist ebenso eine Kopie des BMW Motors von 2008. Also auch keine Eigenentwicklung.


29.03.2016 16:15    |    AsiRider

@flat_D

Vielen Dank für den interessanten und informativen Post!

Die konzeptionelle Ähnlichkeit zwischen den von Dir erwähnten Motoren ist schwer zu übersehen und die von Dir gemeinte Text-Passage bezieht sich ja auch genau darauf sowie auf die allgemeine "Globalisierung" in der Autobranche. Allerdings war sie als Witz gemeint, was ich an deren Ende klar gemacht habe. Dass das Motor-Layout des M 176 keine eigene Erfindung von Mercedes-Benz ist, ist klar. Allerdings sind die Zylinderbänke des M 176 (laut offiziellen Daimler-Benz-Angaben) vom M 133 übernommen worden, was auch alle ihre Maße erklärt. Und lediglich das wollte ich in meinem Text ernsthaft erwähnen.


29.03.2016 18:18    |    AsiRider

@mfk0964

Ich hatte das Glück, den 124er in vielen Motorisierungen zu erleben, darunter auch als 300 E-24 mit dem M 104 E30 (die erste MoPf 1989-1992) und sogar als 500 E mit dem M 119 E50 (die erste Generation 1990-1993). Für mich persönlich ist der 124er, neben der G-Klasse und dem R 129, einer der letzten "echten" Mercedes. Und als Cabrio immer noch auf meiner Einkaufsliste, aber, zugegeben, an deren Ende.

Mit dem 126er hatte ich persönlich kaum Berührungen, mehr mit dem Nachfolger (W 140), von daher kann ich in dem Fall nicht wirklich mitreden. Aber ich traue den 80-90ern ebenfalls hinterher und freue mich jedes Mal, wenn ich ein Fahrzeug aus diesen Zeiten sehe, egal von welcher Marke. Und auch wenn ein paar moderne Offroader immer noch von einem Leiterrahmen getragen werden und moderne Strassenautos, wie Dein A8, Meisterstücke der Technologieentwicklung sind, sind das für mich nur Mittel zum Zweck, keine Autos, mit denen ich alt werden will. Genauer gesagt, von den Exoten abgesehen, ist die G-Klasse das einzige aktuell als Neuwagen bestellbare Fahrzeug, mit dem ich wunschlos glücklich in den Sonnenuntergang meines Lebens reiten würde.


29.03.2016 18:41    |    flat_D

@AsiRider:

Gut, den Scherz habe ich offenbar nicht gesehen oder missverstanden. ;)

 

Ich bin letztens den "alten" G63 AMG mit dem 5,5Liter Turbo gefahren und fand ihn motorische grandios. Nur das hohe Gewicht und das wegen der Geländeachsen schaukelige Fahrverhalten störten mich. Der etwas beengte Innenraum des G gehört dagegen zu seinem Charakter. Dagegen habe ich nichts. Jedenfalls trompeten die Sidepipes der AMG-Modelle ganz ungeniert, das macht Laune.


Deine Antwort auf "Sachlich. Testbericht des G500 V8-Biturbo, W 463 MoPf 2015. Teil 1"

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