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Volvo XC40 1 (X) 2.0 T4 Test

01.09.2018 19:18    |   Bericht erstellt von Elkcab

Testfahrzeug Volvo XC40 1 (X) 2.0 T4
Leistung 190 PS / 140 Kw
Hubraum 1969
HSN 9101
TSN BMF
Aufbauart SUV/Geländewagen/Pickup
Kilometerstand 3500 km
Getriebeart Automatikschaltung
Erstzulassung 8/2018
Nutzungssituation Privatwagen
Testdauer wenige Wochen
Gesamtnote von Elkcab 4.0 von 5
weitere Tests zu Volvo XC40 1 (X) anzeigen Gesamtwertung Volvo XC40 1 (X) (seit 2017) 4.0 von 5
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Einleitung

Der Wagen ist seit Mitte August 2018 mein Alltagswagen. Ich hatte das unerwartete Glück, ihn schon vor meinem Urlaub zu bekommen, der mich quer durch die ganze Republik führte. Dadurch konnte ich ihn auf mittlerweile über 3000km Stadt-, Überland- und Autobahnfahrten (ungefähr gleichmäßig zu jeweils 30%) austesten und mein "persönliches" Fahrgefühl entwickeln. Klar, meine Beschreibungen hier leben natürlich noch ein wenig vom "berauschenden" Gefühl eines neuen Autos, dennoch hoffe ich, dass meine (subjektiven) Bewertungen dem interessierten Leser bei der eigenen (Kauf-?) Entscheidung für oder gegen dieses Auto helfen.

Galerie

Karosserie

4.0 von 5

Der Gesamteindruck vom Innenraum ist grundsätzlich positiv. Das Platzangebot ist meinem Gefühl und Bedarf nach reichlich, es gibt viele Ablagemöglichkeiten und Staufächer, um seinen Kruscht unterzubringen. Und das Raumgefühl ist fantastisch. Gerade vorn finde ich das Platzangebot üppig, hinten gehts meinem Empfinden nach auch noch in Ordnung... ich sitze allerdings in meinem Auto auch selten hinten.

 

Die Übersichtlichkeit hatte ich mir auf Grund vieler Testberichte etwas schlimmer vorgestellt, allerdings bin ich da durch meinen C70 II (bei geschlossenem Dach) auch nicht verwöhnt, insofern komm ich damit klar. Besonders die sehr großen Rückspiegel und hier auch der separate konvexe Bereich ganz außen machen sich hier positiv bemerkbar, zumal der Schulterblick links nach hinten durch die B-Säule etwas schwierig ist. Sollte man nicht den Toter-Winkel-Warner ("BLIS") mit bestellt haben, ist beim Spurwechsel auf die linke Spur der Autobahn wirklich viel Aufmerksamkeit und genaues Hingucken nötig - sonst kanns einem schon passieren, dass da ganz plötzlich ein schnell herbei gezischter, ziemlich flacher Ferrari am linken Kotflügel klebt, den man (fast) nicht bemerkt hätte (ich spreche aus eigener Erfahrung).

 

Die Rückfahrkamera ist in meinen Augen übrigens absolute, unbedingte Pflicht, ohne die ist man beim rückwärts Fahren und besonders beim Einparken ziemlich aufgeschmissen und unsicher. Mindestens leisten sollte man sich auch die Abstandswarner vorn und hinten. Die helfen grad in engen Parksituationen sehr. Ob man auch die 360°-Kameras braucht, muss jeder selbst entscheiden, ich für mich komme ganz gut ohne klar.

 

Der Kofferraum erscheint mir ausreichend groß. Da ich meistens allein oder zu zweit fahre, werd ich da sicher keine Platzprobleme bekommen. Sehr praktisch find ich auch die Ablage unterm Laderaumboden, da lässt sich noch so Kleinzeugs ablegen, das sonst durch die Gegend fliegen würde. Unbedingt epmfehlen möchte ich hier übrigens den (leider aufpreispflichtigen) faltbaren Laderaumboden. Ich habe in einem anderen XC40 auch den starren Boden ohne Faltmöglichkeit gesehen, der ist schon durch das Gesamtgewicht extrem unhandlich und macht es schon bei nur wenig Gepäck, das oben drauf liegt, fast unmöglich, noch an díe Zwischenablage unterm Laderaumboden zu kommen.

 

Was mich allerdings sehr enttäuscht, ist die übertriebene Sparsamkeit von Volvo bei der Innenraumbeleuchtung beim Basis-Modell: die ist wirklich ein absoluter Witz. Zwei ziemlich leuchtschwache LEDs oben an der Windschutzscheibe spenden mickriges Licht, wenn man die Tür öffnet, im Fußraum und vor allem im Fond gibt es kein Licht. Fahrgäste, die hinten einsteigen, tun das in absoluter Dunkelheit, da nützt auch der spärliche Lichtschein von vorn nichts. Das finde ich für ein Auto im so genannten "Premium"-Sektor lächerlich, peinlich und absolut am falschen Ende gespart - auch wenn es hier ums Basis-Modell geht.

Testkriterien
Platzangebot vorn: eng geräumig
Platzangebot hinten: eng geräumig
Kofferraum: klein groß
Übersichtlichkeit: schlecht gut
Qualitätseindruck: minderwertig hochwertig
Fazit - Karosserie
  • + geräumig
  • + viele Ablagen
  • + viele Staufächer
  • + große Außenspiegel
  • - B-Säule behindert linken Schulterblick
  • - Im Basis-Modell schlechte Innenbeleuchtung

Antrieb

4.0 von 5

Der T4-Motor mit 190PS macht Spaß und ist meiner Meinung gut dimensioniert. Wenn ich an den T3 mit 156PS denke, hätt ich in einigen Situationen, insbesondere beim Herausbeschleunigen von 80 auf 120 oder mehr km/h vielleicht etwas Bedenken - das find ich mit dem T4 grad so ok. Aber das hängt natürlich auch vom eigenen Leistungsbedürfnis ab, das wird ein sehr defensiver Fahrer etwas anders beurteilen.

 

Der Motor war anfangs oft recht laut und klang mir manchmal zu sehr wie ein Diesel. Wenn ich voll beschleunige, ist das auch heute noch so, da geht es "kernig" zur Sache. Im normalen "Dahincruisen" ist die Lautstärke mittlerweile aber recht angenehm geworden, bei Überlandfahrten oder auf der Autobahn bei 130km/h hört man ihn kaum.

 

Die 8-Gang-Automatik ist in meinen Augen etwas träge. Im Eco-Modus schaltet sie natürlich sehr defensiv, das ist auch ok. Aber die "Gedenksekunde" beim Kick Down ist mir doch etwas zu lang, und der Beschleunigungs"hüpfer" etwas zu grob. Das kriegen andere Automatiken meiner Erfahrung nach besser hin. Ich hab auch mal versucht, das mit dem Schalten manuell besser zu machen als die Automatik, aber in den ganz normalen Alltags-Fahrsituationen kommt man dann doch nicht an sie ran und tut man sich mit dem manuellen Herumgeschalte auch keinen Gefallen. Zumal 8 schaltbare Gänge ein anderes Schaltgefühl wie bei meinem 5-Gang-Handschalter im C70 erfordern und die Umgewöhnung schwer machen. Also lass ich es und hab mich mittlerweile drauf eingestellt.

 

Beim Verbrauch war ich überrascht: die diversen Testberichte und Erfahrungsangaben insbesondere zum T5 haben mich schlimmeres befürchten lassen, als ich jetzt an Verbrauchswerten bei meinem T4 habe. Nach etwa 3000km komm ich auf der Autobahn mit 120 bis 140km/h mit ca. 8,5l aus, im Stadtverkehr bin ich bisher nicht über 9,5l gekommen, und über Landstraße lande ich bei 7,5l oder auch mal drunter. Ich fahre allerdings in der Stadt und über Land sehr vorausschauend und zurückhaltend und immer im Eco-Modus. Spurtstarts an der Ampel gewinnt man damit zwar nicht, brauch ich aber irgendwie auch nicht.

 

Der Bordcomputer rechnet mir nach dem Volltanken zwar immer eine Reichweite von mehr als 600km aus, allerdings hab ichs noch nicht drauf ankommen lassen, ob ich die damit auch schaffe. Mir persönlich ist der Tank aber etwas zu klein, 10l mehr wäre kein Luxus.

Testkriterien
Motorleistung: schwach stark
Durchzug: unelastisch elastisch
Drehfreude: zäh agil
Getriebe/Schaltverhalten: schlecht gut
Verbrauch: durstig effizient
Reichweite: gering hoch
Fazit - Antrieb
  • + Verbrauch besser als erwartet
  • + sehr kräftiger Durchzug
  • - Motor klingt
  • - Gangwechsel der Automatik manchmal ruppig
  • - Tank vielleicht etwas zu klein

Fahrdynamik

4.5 von 5

Für ein stimmiges Fahrgefühl habe ich in diesem Auto etwas gebraucht: das Finden des eigenen Rhythmus, wie man Gas gibt, bremst, an Ampeln anfährt oder auch einfach nur gemütlich cruist, fiel mir nicht ganz so leicht. Eine regelrechte Neu-"Entdeckung" ist da der Tempomat für mich: ich fahre meinen XC40 mittlerweile so oft es geht nur noch mit dem Daumen am Tempomaten. Dabei nutze ich auch so oft es die Situation erlaubt "nur" die wirklich ausgezeichnete Motorbremse über den Tempomaten und lass den Fuß möglichst vom Bremspedal, wenn es geht. Überhaupt ist die Motorbremse für mich ein echtes Highlight, das habe ich mit anderen (Dienst- wie Privat-) Wagen so noch nicht ausschöpfen können.

 

Der Wendekreis ist gewöhnungsbedürftig. Von meinem C70 bin ich schon große Wendekreise gewöhnt, da nimmt sich der XC40 spürbar weniger Raum. Aber klein ist er trotzdem nicht, bisher kam ich aber bei Wende- oder engen Kurvenmanövern gut damit klar.

 

Im Ganzen macht das Handling des Wagens aber viel Spaß. Die Lenkung ist bei niedriger Geschwindigkeit sehr direkt und leichtgängig, bei hohen Geschwindigkeiten angenehm ruhig und eben auch etwas schwergäniger, wie es sein soll. Das Lenkrad liegt gut an der Hand, man hat den Wagen damit wirklich gut in Griff.

Testkriterien
Wendekreis: groß klein
Beschleunigung: langsam schnell
Lenkung: schwammig direkt
Bremsen: schwach standfest
Fahrverhalten: unausgeglichen ausgeglichen
Kurvenverhalten: unsicher sicher
Wendigkeit: träge agil
Fazit - Fahrdynamik
  • + sehr angenehme, geschwindigkeitsabhängige Lenkung
  • + starke Bremsen
  • + sehr gutes Handling
  • + sehr gute Motorbremse
  • - Wendekreis gewöhnungsbedürftig
  • - es dauert etwas, bis man sein individuelles Fahrgefühl gefunden hat

Komfort

3.5 von 5

Mir persönlich sagen Fahr- und Federungskomfort des Standard-Fahrwerks im XC40 sehr zu. Ich finde es insgesamt Volvo-typisch recht gut und zum Cruisen abgestimmt, nur manchmal bei notwendigen schnellen Lenkbewegungen kommt mir das Federungsverhalten etwas schwammig vor. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit das adaptive Fahrwerk hier noch andere Komfortaspekte bringt und sportlicher wirkt. Aber ich vermisse es irgendwie auch nicht - zumal ich bei der Wahl des Wagens nicht so sehr eine besondere Sportlichkeit im Fokus hatte.

 

Diese Sensus-Bedienoberfläche erscheint mir in einigen Punkten etwas unkomfortabel. Da ich sehr oft den Eco-Modus nutze und auch das Line Keeping und die Start-Stopp-Automatik öfter mal abschalte, find ich es natürlich blöd, dafür jedes Mal erst mal nach links wischen zu müssen, um die notwendigen "Schalter" zu finden. Aber man gewöhnt sich dran. Richtig dämlich find ich allerdings bei der (nur manuellen) Klimaanlage dieses Rumgetippe, bis man Lüftung und Temperaturregler erreicht. Bisher brauchte ich keine Klima-Vollautomatik, ich sehe aber ein, dass es unter diesen (Bedien-) Umständen besser gewesen wäre, sie dazu zu bestellen - einfach, damit man sich nicht jedesmal in diese Menüs reinhangeln muss. Das ist gerade während der Fahrt wirklich unpraktisch. Die eigentliche Regelung der Klimaanlage und die Einstellungsmöglichkeiten der Lüftung sind - wenn man mal im Menü drin ist - allerdings sehr einfach, das Ergebnis in der Wirkung auch effizient und angenehm.

Testkriterien
Federung (komfortabel): schlecht abgestimmt gut abgestimmt
Sitze vorn: unbequem bequem
Sitze hinten: unbequem bequem
Innengeräusche: laut leise
Bedienung: kompliziert intuitiv
Heizung/Klimatisierung: schwach wirkungsvoll
Fazit - Komfort
  • + Angehmes Raumgefühl
  • + komfortabel
  • - Bedienkonzept vom Sensus gewöhnungsbedürftig
  • - Lüftung und Klima umständlich zu bedienen

Emotion

5.0 von 5

In meinen Augen sind die meisten Kaufentscheidungen für ein Auto Emotions-Entscheidungen, die nur bedingt mit sachlichen Kriterien zu tun haben. Das ist bei mir und meinem XC40 nicht anders. Und dazu kann ich stehen. Ich mag das markante, eigensinnige, etwas "andere" Design des XC40, ich mag (schon seit Jahrzehnten) die Marke, die Eigenheiten und das Image, ich mag die Konzepte von Volvo dahinter (insbesondere zum Thema Sicherheit) und ich mag es, mich mit einem XC40 ein klein wenig außerhalb des Mainstreams zu bewegen.

 

Klingt wie ein Werbespruch (und ist es von Volvo selbst meines Wissens sogar), trifft aber tatsächlich mein Gefühl auf den Punkt: einen Volvo zu fahren, und besonders den neuen XC40, ist ein Statement, nicht nur eine Entscheidung. In diesem Sinne.. Emotion pur.

Testkriterien
Design: langweilig attraktiv
Temperament (komfortabel): ausbaufähig realisiert
Image: negativ positiv
Fazit - Emotion
  • + schönes Gesicht
  • + markantes, eigensinniges Design
  • + gefühlt ein sicherer Panzer

Gesamtfazit zum Test

Aus diesen Gründen kann ich den empfehlen:

Wer in der Klasse der Kompakt-SUVs ein etwas eigensinniges, selbstbewusstes, abseits des Mainstreams liegendes Fahrzeug sucht und vielleicht auch ein wenig Querdenker ist, ohne dabei auf Dinge wie Sicherheit, Komfort, Praktikabilität und hohen Nutzen verzichten zu wollen, dem kann ich einen XC40 gut empfehlen.

 

Mal von dem ganzen Assistentengedöns abgesehen, würde ich dabei aber raten, mindestens die Rückfahrkamera, die vorderen Einparkhilfen, die Klimaautomatik und den faltbaren Laderaumboden (leider alles aufpreispflichtig) zu berücksichtigen. Nicht verkehrt sind außerdem das etwas bessere Soundsystem (Performance) sowie Car Connect (mit Android Auto und Apple Car Play) - vor allem, wenn man die hohen Kosten fürs Original-Volvo-Navi scheut und dafür lieber das kostenlose Google Maps auf dem eigenen Smartphone nutzen will (welches übrigens hervorragend funktioniert).

 

Wenn man dann noch ein paar Euro übrig hat, sollte man vielleicht auch noch den Toter-Winkel-Warner ("BLIS"), die 360°-Kameras und die beheizbare Frontscheibe dazu buchen. Alles andere ist meiner Meinung nach eine reine Frage des Geschmacks und des Geldbeutels.

Gesamtwertung: 4.0 von 5
Das Testfahrzeug erhielt im Test durchschnittlich 4.0 von 5 möglichen Sternen
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Kommentare: 1

12.10.2018 15:15    |    ffrafri

Moin, ich habe meinen XC40 T4 Inscription seit Ende Juni 2018.

Einige deiner Erfahrungen sind halt subjektiv, aber sie sind im Großen und Ganzen korrekt.

Zwei Ergänzungen / Erfahrungen von meiner Seite

1. merkwürdige Bremsgeräusche im Schiebebetrieb

2. Die Kopfstützen der Rücksitzbank lassen sich weder manuell demontieren, geschweige manuell umklappen. Mein vorheriger XC60 hatte noch diese Funktionalität.

23.05.2019 10:53    |    Rostlöser82

Überaus umfangreicher und informativer Testbericht. Ich warte noch auf meinen, kann den Bericht aber teilweise aus der Erfahrung mehrerer Probefahrten bestätigen.