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Autodesign der Zukunft: Ausblick - So könnten Autos in 20 Jahren aussehen

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Bisher folgen Elektroautos im Design den Konventionen im Autobau. Aber das muss nicht so bleiben, denn die Anforderungen der Technik an die Form sehen völlig anders aus.

Die Proportionen könnten sich verschieben: Die lange Haube ist bei Elektroautos überflüssig. In welche Richtung es gehen könnte, zeigt der Faraday Future FF91 Die Proportionen könnten sich verschieben: Die lange Haube ist bei Elektroautos überflüssig. In welche Richtung es gehen könnte, zeigt der Faraday Future FF91 Quelle: Porsche & Faraday Future

Köln/München - Lange Motorhaube, Kühleröffnung, Lenkrad und ein Auspuff am Heck: Autos mit Verbrennungsmotor haben sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert. Sie wurden zwar windschnittiger, sicherer und der Chrom fiel weg. Doch die technische Verteilung der Aggregate hat sich wenig verändert. Bei künftigen Elektrofahrzeugen wird das vermutlich anders aussehen.

Durch den Verzicht auf mechanische und thermische Bauteile wie Motor, Kühlung und Auspuff gewinnen die Ingenieure Platz. "Dadurch gibt es viele Möglichkeiten, eine neue Fahrzeugarchitektur und ein neues Design zu entwickeln", sagt Paolo Tumminelli, Design-Professor an der TH-Köln.

VW MEB-Plattform: Die technischen Anforderungen des Antriebs erlauben Designs, die sich vom bisherigen Aussehen unserer Autos deutlich unterscheiden VW MEB-Plattform: Die technischen Anforderungen des Antriebs erlauben Designs, die sich vom bisherigen Aussehen unserer Autos deutlich unterscheiden Quelle: Volkswagen Doch wie vor 150 Jahren, als Fahrzeuge trotz neuem Motor immer noch wie Kutschen aussahen, wird sich in den nächsten Jahren optisch nicht viel ändern. "Die Entwicklung zu einer aus heutiger Sicht neuen Optik wird nur langsam voranschreiten. Erst in zehn Jahren werden wir vielleicht ein ganz neues Automobil sehen."

Keine Standardform für Autos

Doch nicht nur künftige Antriebe werden das Aussehen der Autos beeinflussen, sondern auch das autonome Fahren. Fährt das Auto selbstständig, müssen die Passagiere nicht fest sitzen. "Vielleicht kommen dann Liegesitze zum Einsatz", sagt Tumminelli. Möglicherweise werden auch Kinder vom Auto ohne Eltern zur Schule gefahren und gebrechliche Menschen alleine zum Arzt. "Die Form wird nicht mehr der Technik folgen, sondern sich Geschmack und Kultur anpassen."

An eine Standardform wie heute bei Smartphones glaubt der Design-Professor nicht. Vielmehr würden Designer eine hohe konzeptionelle und gestalterische Freiheit genießen. Vorschriften, die heute das Design beeinflussen, wie etwa der Fußgängerschutz, könnten neu verhandelt werden. Denn durch Vernetzung und autonome Autos sinke die Unfallgefahr.

Dann könnte das Auto leichter werden, Airbag und Seitenaufprallschutz würden überflüssig. Aus der Motorhaube oder Knautschzone könnte neuer Gestaltungsraum entstehen. "Das Auto könnte dann wieder offen und luftig wie eine Veranda werden".

E-Autos werden windschnittiger sein

Beim i3 hat BMW die Batterie in den Unterboden gelegt, was neue Möglichkeiten für die Innenraumgestaltung eröffnet, sagt Domagoj Dukec, Leiter Design BMW i. "Es gibt keinen Mitteltunnel mehr, der die Vordersitze voneinander teilt. Hier ist nun Platz für Ablage und Controller." Bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge feilschen Ingenieure und Designer um jeden Zentimeter. "Sonst verschenkt man Platz oder Gewicht." Und gerade Gewicht sei eine entscheidende Größe, da es die Reichweite beeinflusst. Optisch würden sich E-Autos von konventionellen Autos durch ihre Windschnittigkeit unterscheiden.

Cockpit-Entwurf BMW i Inside Future Cockpit-Entwurf BMW i Inside Future Quelle: BMW "Die Reichweite hängt zum einen von leistungsfähigen Batterien ab und zum anderen vom Luft- oder Rollwiderstand, den das Fahrzeug überwinden muss", sagt Dukec. Ein niedriger Verbrauch sei zwar auch bei Verbrennungsmotoren wünschenswert, bei Elektrofahrzeugen sei er jedoch noch bestimmender. Das werde man den Autos ansehen.

Auch der Innenraum künftiger Autos wird sich von heutigen Autos stark unterscheiden. Um das andersartige Konzept erkennbar zu machen, werden die Cockpits deutlich anders aussehen. Kunden erwarten neue Bedienungskonzepte, glaubt man bei BMW: "Das Design unterstützt den Kunden, damit er Inhalte selber gestalten und den Input auch so programmieren kann, wie er ihn gerne haben möchte", sagt der BMW-Designer. Wie das aussehen könnte, zeigten die Bayern Anfang des Jahres mit der Studie BMW i Inside Future.

VW: Intuitive Bedienkonzepte

Wie sich künftige Autos von heutigen Autos unterscheiden, zeigen auch aktuelle Studien wie Mercedes Generation EQ, Jaguar i-Pace und VW I.D. Bei VW soll die I.D.-Familie schon recht bald den seit vier Jahrzehnten erfolgreichen Golf ablösen - so wie damals der Golf den Käfer. Nur dass kein Verbrennungsmotor mehr unter der Haube arbeitet, sondern ein Elektromotor leise summt.

VW stellt sich die Zukunft seiner Autos mit kurzen Überhängen, großen Innenräumen auf kleiner Grundfläche und mit einem klaren Design vor. "Dazu kommt eine loungeartige Atmosphäre im Innenraum und ein intuitives Bedienkonzept", sagt VW-Designchef Klaus Bischoff. Das sei wichtig, da das Auto der Zukunft aufgrund seiner neuen Funktion komplexer als bisherige Fahrzeuge sein werde. "Eine wichtige Aufgabe ist daher die Simplifizierung multipler Inhalte, sodass der Passagier sie sofort kinderleicht und intuitiv bedienen kann."

Toyota i-TRIL Concept Car: Paolo Tumminelli, Design-Professor in Köln, glaubt an kompakte E-Autos für den reinen Stadtverkehr - Toyota offenbar auch Toyota i-TRIL Concept Car: Paolo Tumminelli, Design-Professor in Köln, glaubt an kompakte E-Autos für den reinen Stadtverkehr - Toyota offenbar auch Quelle: Toyota Auch Bischoff sieht im Elektroantrieb für das Design größere Freiräume. "Wir können die Kühlöffnungen minimieren, die Achsen weit nach außen rücken und so atemberaubende Proportionen generieren." Dafür entwickelt VW eine neue Plattform, den Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB).

Künftige E-Autos werden kleiner

Der Trend geht laut Tumminelli bei E-Autos zu kompakteren Autos: "E-Autos für Ballungsgebiete werden kleiner und effizienter, weg vom großen Familienfahrzeug hin zum Individualfahrzeug." Statt Fünfsitzer werden dann Zwei- oder Zwei-plus-Zwei-Sitzer unterwegs sein. Das Nutzungsmodell stelle sich vielleicht um: zu einem Individualfahrzeug für den Alltag. "Und ein großes Familienauto für den Urlaub, das sich überall mieten oder teilen lässt", sagt Tumminelli.

Nach Meinung der Experten werden E-Autos in 20 Jahren optisch stärker auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen. Doch bis es soweit ist, werden sich künftige Elektrofahrzeuge oftmals weiterhin optisch nur marginal von denen mit Verbrennungsmotor unterscheiden. Dafür kann man den Unterschied hören - weil man in vielen Fällen nichts hört.

Quelle: dpa (Fabian Hoberg)

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