Zündverteiler allgemeine Fragen und Einstellschrauben
Hallo Community,
ich habe nun seid einem Monat einen Mercedes Benz W108 280 SE mit 160 PS USA Import. Nun bin ich dabei meinen Zündverteiler zu warten.
Zu meinen Softskills:
Ich hab Etechnik Studiert und bin durchaus fähig mit einem Maulschlüssel umzugehen, würde mich aber "noch" nicht als "Schrauber" bezeichnen.
Da ich das zum ersten Mal mache, und mein Fahrzeug ohnehin erst nach ca. 1Minute Zündschlüssel betätigen anspringt, will ich nichts falsch machen, sodass ich evtl. nicht mehr fahren kann.
Also bitte nicht gleich rumhaken falls dumme Fragen meinerseits kommen.
Mein Zündverteiler hat die Kennung
Bosch 0 231 116 066 JFUR 6 (hab ich abgelesen)
1 .Nun weiß ich nicht ob der Vorbesitzer die Kappe Original draufgesetzt hat oder ob einfach eine "passende" genommen wurde. Grund: Die kappe wackelt.
Auf der Kappe steht:
1 235 522 060
Gibt es irgendwo eine Explosionszeichnung dieses Zündverteilers? Ich hab im Inet und leider nicht dazu finden können?!
2 .Des Weiteren "hängt" Zündkondensator am Zündverteiler rum. Im Zündverteiler ist eine Sechskant ausfräsung drin, allerding weiß ich nicht wie der Zündkondensator am Zündverteiler befestigt werden soll?
Aktuell habe ich den Kondensator mit einen Kabelbinder am Zündverteiler fixiert.
Der Zündverteiler hat meiner Ansicht nach 3 "Befestigungsschrauben"
Eine Schlitzschraube (damit denke ich kann man den Zündverteiler ausbauen )
Eine Innensechskantschraube (Funktion unbekannt)
Eine per Hand verdrehbare Schraube (Funktion unbekannt)
3. Welche Schraube ist den dafür Zuständig, dass ich den Zündzeitpunkt per Stroboskoplampe verstellen kann?
4. Wenn ich den Zündverteiler ausbauen will (um Fotos zu machen und den einfach mal zu begutachten), was muss ich beachten, damit der nachher wieder eingebaut werden kann und das Auto auch wieder anläuft?
Wie Ihr seht ist der Zündverteiler noch ein Mysterium für mich, aber ich bin durchaus gewillt den zu beherrschen. Da ich mit entsetzen feststellen muss, da die Oldtimerbesitzer in meiner Umgebung, Ihr auto bei einem Defekt in die Werkstatt geben, hoffe ich hier auf den ein oder anderen Schrauber treffen zu können.
Soweit von meiner Seite aus
Franco
Beste Antwort im Thema
Hallo,
betr. Kondensatorbefestigung:
leider sind gerade die Bilder 5 und 6 sehr unscharf...
Ich vermute, dass da ein Teil des ZV-Gehäuses ausgebrochen ist. Im Sechskant war eine Mutter M4 eingepresst (nach innen verstemmt, damit sie nicht in das Gehäuse reinfallen kann), und nach außen hin saß das ausgebrochene Stück vom Gehäuse mit 4 mm - Bohrung. Mit der üblichen kurzen Schlitzschraube M4 wurde der Kondensator von außen gegen die Mutter verschraubt.
Genau wegen dieses abgebrochenen Teils wurde vermutlich nämlich auch schon so viel an der Grundplatte rumgeschraubt: um den Kondensator irgendwie von innen verschrauben / kontern zu können. Das kann man an den Spuren auf der Grundplatte erkennen.
Nimmt die Grundplatte ruhig schon mal raus - das sieht alles total verdreckt aus. Die Fliehgewichtsmechanik da drunter vermutlich total vergammelt und verschlissen, im Zweifel die Welle ausgeschlagen (kann man am sich drehzahlabhängig veränderten Schließwinkel feststellen, bei intakter Welle ist der Schließwinkel bei Anlasser- wie Höchstdrehzahl gleich).
Vermutlich hat auch die Plastikabdeckung unterhalb des Verteilerfingers gefehlt? Nur dann gelangt normalerweise so ein Dreck in den Verteiler rein.
Du musst das jetzt entscheiden: Eine technisch und optisch akzeptable Bastellösung ist natürlich möglich - richtig original wird es aber nur durch Austausch des defekten ZV-Gehäuses.
Ich würde diesen Schrott rauswerfen und einen anderen intakten Verteiler suchen. Den kannst du dann mit den von dir georderten Teilen wieder in einen technisch wirklich einwandfreien und originalen Zustand versetzen, bei dem jetzigen geht das nicht mehr.
Du entscheidest dich sonst irgendwie dazu, das Auto zur 'Ratte' werden zu lassen, d.h. immer nur mit Minimalaufwand instandzusetzen. Viele kleine Kompromisse machen aus einem Oldtimer eine Bastelbude...
Gruß
P.S.: Was heißt hier 'Linksläufer'? Nach Unterbrecherkonstruktion dreht die Verteilerwelle im Uhrzeigersinn.
35 Antworten
Hallo michael,
Was meinst Du mit im Stand?
Leerlauf oder Motor aus?
Wie kann ich das im Stand einstellen?
Immer fällt mir nochwas ein hinterher... siehe mein Edit.
Schließwinkeleinstellung:
Irgendwann geht die Prüflampe an, in dem Moment ist der Unterbrecherkontakt geschlossen. Die Stelle markiert man sich auf der Riemenscheibe auf der Kurbelwelle. Dann dreht man so weit, bis die Lampe wieder ausgeht, d. h. der Kontakt öffnet. Das ist der Zündzeitpunkt eines Zylinders, wo der genau liegt, ist zuerst egal.
Die Stelle auch wieder markieren. Der Winkel zwischen beiden Markierungen geteilt durch zwei ist der Schließwinkel. Man kann auch an den Umfang der Riemenscheibe ein Maßband dranhalten, den Winkel kann man dann übern Dreisatz ausrechnen, ein kompletter Umfang auf der Kurbelwellen-Riemenscheibe hat dann 180° an der Verteilerwelle.
Man kriegt das nicht aufs Grad genau hin, denn man muss den Kontakt ja immer lösen, verrutschen und dann wieder festmachen. Ist aber egal. Die Zündspule muss einfach nur lange genug Strom kriegen, um ein solides Magnetfeld aufzubauen, was dann zum Zünden effektvoll zusammenbrechen kann, und das auch bei hohen Drehzahlen.
Wenn man da glaubt, fertig zu sein, dann geht es an den Zündzeitpunkt. Dazu muss es auf der besagten Riemenscheibe eine Markierung geben - oder besser noch zwei. Diese bezeichnet entweder den Zündzeitpunkt des ersten Zylinders (oder siehe Werkstatthandbuch) oder den OT desselben. Man löst jetzt den Verteiler an der Klemmschraube, nur soweit, dass man ihn stramm um seine Achse drehen kann. Dann stellt man ihn so hin, dass die Prüflampe genau in dem Moment ausgeht, wenn die Markierung mit einer anderen Markierung am Motorgehäuse (siehe Handbuch?) fluchtet. Oder eben nach Werkstatthandbuch - man muss ja z. B. den Zündzeitpunkt ein paar Grad VOR dem OT haben, normalerweise.
Sollte man keine Markierung haben, muss man sich eine machen. Sollte man den OT nicht kennen, muss man ihn mit einem Messschieber durch die Zündkerzenlöcher ausmessen... aber ich denke, da wird sich der Fahrzeughersteller schon eine bequemere Lösung einfallen gelassen haben.
Anschließend zieht man den Verteiler wieder fest und kontrolliert noch mal.
Wichtig ist, dass man immer nur in Drehrichtung des Motors misst. Wenn man also zurückdrehen will, dann deutlich über den Punkt hinaus, so dass beim wiederhindrehen alle Spiele wieder in ihrem Grundzustand sind, wenn der Kontakt abhebt. Oder man dreht den Motor mit der Hand einmal durch. Eine Knarre mit passender Nuss, die man auf die Riemenscheibenmutter aufsetzt (irgendeine) ist dann sehr hilfreich. Und langsam drehen, wenn der Motor noch gut bei Kompression ist, sonst wirds anstrengend 🙂
Grüße,
Michael
Ah, schon wieder ein Nachsatz.
Der Unterbrecherkontakt schaltet nach Masse. Handelsübliche Prüflampen werden nun parallel zum Unterbrecherkontakt gelegt, das heisst: sie gehen aus, wenn der Kontakt geschlossen hat. Was ich beschrieben habe, ist eine Verfahrensweise, bei welcher die Prüflampe ANSTELLE der Zündspule angeschlossen wird. Dann geht die Lampe bei geschlossenem Kontakt natürlich an, man braucht halt aber ein Plus auf auf der Lampe.
Wie Du das machst ist egal. Ich hab' den Motor hinten und kann durch die Heckscheibe die Öldruckkontrolleuchte sehen, also nehme ich die, da brauche ich kein Zusatzwerkzeug. Du wirst da sicher eine andere Lösung finden.
Grüße,
Michael
Hallo Michael,
Das ist ja sowas von vorbildlich das du dir die zeit nimmst das so ausführlich zu erklären.. Ich Schätze ich muss das noch 10mal durchlesen damit ich das verstehe im Detail. Eine Frage habe ich jetzt schon.. Wo klemmst du die Prüflampe an? Ist das die stroboskoplmpe? Nein, denn die misst ja lediglich das induzierte Feld. Also was nehme ich als Prüflampe und wo schließe ich das an?
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Gerade überschneiden sich hier wild unsere Beiträge 🙂
Irgendwas, was leuchtet, mit zwei Krokoklemmen dran! Ziehst den Stecker ab von der Zündspule (die Leitung, die zum Unterbrecher geht), dann kannst Du seriell eine Lampe reinhängen (12V). Oder klemmst parallel an (mit der Funktion andersrum), dann leuchtet sie etwas schwächer, vielleicht brauchste dann sogar eine kleinere Birne, da die Zündspule dann der Vorwiderstand wäre.
Grüße,
Michael
Ok so langsam komm Licht ins dunkle..
Ich habe hier ein Multimeter, dass ich auf durchgang schalten kann, dann habe ich auch eine Prüflampe mit Sound 😉
Du "simulierst" quasi die Zündung.. Jetzt hab ich es verstanden...
Um die Welle zu drehen muss ich aber alle Zündkerzen abnehmen, sonst dreh ich mich unterm Fahrzeug und mehr dreht sich da nicht.
Ok so ganz habe ich das mit dem markieren noch nicht verstanden.
Aber hat dieses Vorgehen des ZZP einstellen einen Namen?
Vielleicht finde ich bei Google eine bebilderte Anleitung?!
Ja das mit den Beiträgen ist gerade wirklich wild..
Ich mach jetzt leider Schluss damit ich deine Methode verinnerlichen kann in der Hoffnung dass ich das Morgen hinbekommen.. wenn mir das bis jetzt mit der Markierung immernoch nicht 100% klar ist. Vielleicht macht es morgen klick bei mir!
Ich bereichte auf jedenfall über meinen Status.
Vorab will ich dir aber äußerst Danken, dass Du deine Zeit für ein Newbie wie mich opferst 😉
Ich hoffe in ein paar Jahren kann ich auch ein paar Newbies helfen den Zündvereiler einzustellen.
Guts Nächtle aus der Heimat des W108
Zitat:
Original geschrieben von ciaofranco
Aber hat dieses Vorgehen des ZZP einstellen einen Namen?
'Zündung einstellen'
Z.B. auch als
VideoZitat:
Original geschrieben von ciaofranco
Bitte stellt mich nicht als den letzten Pfuscher dar!
Das unterstellt DIR bisher Niemand, Du schrubst ja, daß Du den Wagen so gekauft hast.
Aber wenn Du alten Pfusch beseitigen willst, ist es unerlässlich, daß Du Dir erstmal etwas Fach-, / Detailwissen anliest. Das geht nicht nur im Netz, im Antiquariat gibt es auch viele schöne Fachbücher, KFZ Elektrik, Boschhandbücher...
Also, wenn Du den Motor nicht mit der Hand oder mit einer großen Knarre langsam durchdrehen kannst, dann macht es keinen Spaß. Erst alle Kerzen rausschrauben ist keine Option. Sollte aber eigentlich auch so möglich sein, man merkt halt, wenn sich die Kompression aufbaut, und muss dann notfalls etwas warten, bis die Luft sich an den Kolbenringen vorbei verflüchtigt hat, was sie mehr oder weniger hörbar tut. Je besser der Motor, um so länger dauert das, und das bei Dir eben dreimal pro Umdrehung.
Mit der Stroboskoplampe ist es aber ähnlich. Man löst den Verteiler, lässt den Motor im Leerlauf laufen, und blitzt dann auf die Markierung (die hoffentlich irgendwo ist). Eventuell ist es sinnvoll, vorher den Schlauch der Unterdruckverstellung abzuziehen. Dann dreht man den Verteiler vorsichtig, bis der Blitz genau dann kommt, wenn die Markierung an der Riemenscheibe mit der Gegenmarkierung fluchtet, und zieht die Klemmschraube wieder an - fertig. Zumal Du ja schon eine Stroboskoplampe hast.
Wieso eigentlich "unter dem Fahrzeug"? Kommst Du nicht von oben an den Verteiler?
Grüße,
Michael
Hallo Michael,
unter dem Fahrzeug, weil ich ja die Kurbel mit der Knarre irgendwie fassen muss... und das geht eben nur unter dem Fahrzeug.
Bei mir regnet es leider..
Ich hoffe trotzdem, dass ich mit meinen Einstellungen weiterkomme.
Viele Grüße
Hallo Leute,
heute habe ich ein wenig am ZZP gewerkelt und es wurde mehr schlecht als recht!
Laut WHB soll der ZZP im Leerlauf auf 8° nach OT eingestellt werden.
Vor dem Abblitzen war der bei 20° vor OT.
bei 20° vor OT hat sich der Wagen eigentlich reproduzierbar starten können und hat sich auch gut angehört.
Jetzt bei 8° nach OT hört der sich richtig tief und laut an und es richt stark nach sprit. Also irgendwie haut das nicht ganz hin. Hat jmd. eine Idee wieso nach der Verstellung des ZZP der Motor so schlecht läuft?
Schließwinkel sollte zwar auf 36° sein, liegt bei mir aktuell bei 30°. In anderen Foren habe ich gelesen, dass das auch ok sei (fürs erste).
Aber das mit dem ZZP ist jetzt echt ärgerlich. Weil der Motor eben nicht mehr reproduzierbar läuft.
Vielleicht weiss von euch jmd. einen Rat?
Grüße aus der Garage
Hast du ordentliches Gehör und ein vernünftiges Gefühl, dann drehe langsam den Verteiler im Standgas hin und her und höre und fühle wie der Motor am optimalsten, mit gesundem Klank läuft, gleiche das Standgas an, schmeiße alle Messblitzgeräte weg und sei froh.
Hallo ! Muß mich nochmal einmischen . Zündung nach OT gibts nicht , oder nur , wenn der Motor nen Doppeldosenverteiler hat ,und im Leerlauf bei aufgesteckten Unterdruckschläuchen gemessen werden soll . Bei Verteiler ohne Unterdruckdosen MUß Zündund grundsätzlich immer zwischen OT und max. in Sonderfällen 30 Grad vor OT stehen . Also noch mal genau erkundigen , sonst Motorschaden möglich .Gruß : Rostklopfer
Also habe noch mal in meinen Unterlagen gesucht ( von 1970 ): 280S bei Leerlauf 2 Grad vOT und 35 Grad bei4500 U/min ohne Unterdruck , also Schlauch abgezogen; Unterdruckverst 7-13 Grad bei320-365mmHg ;280 SE/8 und 280SEC/8 & Grd. vor OT bei Leerlauf und 30 Grd. bei4500 U/min ohne Unterdruck ; mit Unterdruck 8 bis 14 Grd nach spät bei 240 mmHg . Eingestellt wird OHNE Unterdruckdose .
Gruß :Rostklopfer