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Mangelnder Überblick, Unvermögen oder einfach nur Herdentrieb

Themenstarteram 18. August 2014 um 10:49

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber in den 36 Jahren eigener Fahrpraxis fallen mir immer wieder so herdentriebartige, seltsame und nahezu untersuchungswürdige Verhaltensweisen anderer Verkehrsteilnehmer auf, gerade heute Morgen wieder:

Umgehungsstraße innerorts, sehr breit (wie eine Bundesstraße), TL 60 km/h, im allg. wird dort aber 70 km/h gefahren, so knapp.

Vor mir 3 oder 4 Autos, an der weiter vorn kommenden Ampel, die gerade auf Grün springt, steht ein Linienbus des HVV, der gerade rechts in eine schmalere Straße abbiegen will und, da Fußgänger queren, zwangsweise mit seinem halben Hintern auf unserer Spur steht, aber nicht so weit, dass man nicht links daran vorbei könnte, ohne den Mittelstreifen zu überfahren oder zumindest massiv in die Gegenspur zu geraten.

Alle Autos vor mir fahren, nachdem der Bus im Abbiegevorgang zwangsweise halten und warten muss, immer weiter rechts, als wollten sie dem Bus folgen und ebenfalls dort abbiegen.

Dass niemand von den Autos vor mir dieses durch entsprechendes Blinksignal ankündigt, ist ja schon fast normal, damit rechnet man heutzutage ja fast gar nicht mehr.

Als wir nun auf den Bus "auflaufen" zeigt sich, dass keine/r der Vordermänner und -frauen tatsächlich rechts ab will!

Vielmehr orientiert man sich quasi im letzten Moment um und zieht dann von ganz rechts (nah am Bordstein und für den Gegenverkehr massiv vom Bus verdeckt) nach ganz links schon in die Gegenspur hinein, um den Hintern des Busses zu umfahren.

Wenn denn aber doch alle geradeaus wollten und die o.g. Situation ja schon aufgrund des Blinkzeichens und anschließenden Abbiegens und der erkennbar querenden Fußgänger mit Wartepflicht für den Bus als solche rechtzeitig vorher erkennbar war, so dass man im allg. bereits da schon eine eher linksgerichte Fahrlinie einnimmt (und schon mal den Gegenverkehr abcheckt, Ausweichmanöver kalkuliert und die verbleibende Restbreite der eigenen Fahrspur etc.), warum folgten dann alle, bis auf mich, wie im Herdentrieb dem abbiegenden Bus, bis man kurz vor dessen Heck dann scharf links an dessen Hintern vorbeizog und daher erst da den Gegenverkehr einsehen konnte?

Kapier ich einfach nicht!

Ist das mangelnder Überblick, mangelnde Vorausschau, schlichtweg Unvermögen oder doch vielmehr der von mir vermutete, soziologisch interessante und untersuchungswürdige Herdentrieb, der viele (m.M.n. sogar die meisten) Autofahrer/innen dazu bringt, erst mal dem Vordermann zu folgen in Fahrtrichtung und Verhaltensweise?

Kennt Ihr solche Situationen auch?

Wie beurteilt Ihr diese?

Zu welchen Erklärungen und Schlüssen kommt Ihr?

Ich finde das unterdessen regelrecht faszinierend und warte quasi schon auf entsprechende Bestätigungen der von mir erahnten Verhaltensweisen, die dann in der überwältigenden Mehrzahl all solcher Situationen auch tatsächlich eintreten.

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16 Antworten

Dein Beitrag gehört eigentlich HIER hin. "Was mich im Straßenverkehr aufregt".

Denn DA wurde deine Frage sicherlich bereits beantwortet. Sorry, soll keine Belehrung sein sondern nur ein freundlicher Hinweis. Ansonsten wird das nur der x-te Beitrag zum Thema "Was mich im Straßenverkehr aufregt"

Bei der von Dir geschilderten Situation sind diejenigen, die auf der rechten Spur geblieben sind, wohl davon ausgegangen, dass der Bus die Kurve in einem Zug nimmt und haben die Fußgängerampel, die parallel Grün zeigt, selbst wenn die zu sehen war, nicht einkalkuliert. Sowas sieht man ja täglich mehrmals. Oder es lag einfach an mangelnder Aufmerksamkeit, man war halt mit den Gedanken woanders und dann ist ja auch noch Montag.

Meiner Beobachtung nach nimmt das Bemühen um vorausschauendes Fahren sowieso drastisch ab. Jeder fährt seinen Stiefel herunter und sieht maximal den unmittelbaren Vordermann/-frau. Einen Instinkt oder ein Gefühl dafür, wie sich eine Situation weiterentwickeln wird, ist bei vielen Mitverkehrsteilnehmern scheinbar nur minimal vorhanden.

Mein Weg zur Arbeit führt über eine Kraftfahrstraße mit abwechselnd ein- und zweispuriger Verkehrsführung. Das Verkehrsaufkommen dort (B 54 von Gronau nach Münster) ist besonders die letzten 20 Kilometer vor der BAB-Auffahrt zur A 1 (Münster-Nord) dermaßen hoch, dass ein Überholen auf den jeweils nur wenige Kilometer langen zweispurigen Abschnitten (die idiotischerweise auch noch 120 km/h erlauben, da die Gegenfahrbahn räumlich durch eine Mauer getrennt ist und alle die 120 km/h auch zwanghaft erreichen wollen) absolut sinnlos ist, da nach wenigen Hundert Metern zwangsläufig das Wiedereinfädeln und Abbremsen auf das Kolonnentempo von 80 oder 90 km/h erforderlich ist.

Auf einer derart stark befahrenen Straße zu überholen, obwohl man kilometerweit sowieso nur Heckleuchten sieht, ist eh komplett unsinnig. Soweit ich das vor 34 Jahren gelernt habe, überholt man dann wenn absehbar ist, dass beispielsweise vor einem langsamen Lkw alles frei ist und nicht, um 20, 30 oder 40 Meter Vorsprung zu haben. Wer auf einer kreuzungs- und kurvenfreien Kraftfahrstraße aufgrund seiner Fahrweise alle paar Hundert Meter zum Wiedereinscheren nach sinnfreiem Überholen wieder auf die rechte Spur wechseln muss und durch entsprechendes Bremsen Phantomstaus verursacht, macht auf jeden Fall etwas falsch und hat die Gesamtsituation überhaupt nicht erfaßt. Auf einer kreuzungs- und kurvenfreien Kraftfahrstraße muss man, vernünftig gefahren im Grund überhaupt nicht bremsen sondern kann eine Feinanpassung der Geschwindigkeit schon durch einfaches Gas wegnehmen erreichen.

Ich weiss nicht, woran es liegt... Gedankenlosigkeit, wirklich mangelnder Überblick, Unvermögen, Egoismus, Dummheit oder alles zusammen. Jedenfalls macht mich die verdammte Straße dort noch schwach. Wird vorausschauendes Fahren in Fahrschulen überhaupt nicht thematisiert?

@Bootsmann22

Stimmt, mein Beitrag kann dann auch sofort dorthin verschoben werden.

Obwohl... vielleicht entwickelt sich so ja eher eine Diskussion, aus welchen Gründen man immer weniger eine vorausschauende Fahrweise beobachten kann oder warum sich viele einfach ganz leger über bestehende Vorschriften hinwegsetzen... ist ja dann schon was anderes als allgemeine Aufreger im Straßenverkehr.

Gestern Nachmittag war ich z. B. bei teils heftigem Regen von Emden unterwegs nach Hause. Auf der A 31 haben mich jede Menge Fahrzeuge mit Fahrradheck- oder -dachträgern überholt. Wohlgemerkt im Regen mit z. T. deutlich mehr als 120 km/h. Wie schnell darf man überhaupt mit Rädern auf oder am Auto fahren? Ist mir gestern wirklich unangenehm aufgefallen. Ich dachte immer kein Hersteller von Trägersystemen empfiehlt Geschwindigkeiten von mehr als 120 km/h:

http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrradtr%C3%A4ger

Waren alle unaufmerksam, gedankenlos oder zu risikobereit und unsensibel, was mögliche Konsequenzen/Gefahren aufgrund des Tempos betrifft oder woran liegt sowas wohl?

Themenstarteram 18. August 2014 um 13:31

Zitat:

Original geschrieben von Bootsmann22

Dein Beitrag gehört eigentlich HIER hin. "Was mich im Straßenverkehr aufregt".

Denn DA wurde deine Frage sicherlich bereits beantwortet. Sorry, soll keine Belehrung sein sondern nur ein freundlicher Hinweis. Ansonsten wird das nur der x-te Beitrag zum Thema "Was mich im Straßenverkehr aufregt"

Es regt MICH gar nicht auf, das hast Du vermutlich überinterpretiert! :D

Es verwundert und beschäftigt mich, weil ich das sehr oft erlebe.

Nach 36 Jahren erheblicher Fahrpraxis (was verschiedenste Fahrzeuge, Fahrzeugklassen und vor allem Jahreskilometer anbelangt) regt mich so schnell nichts mehr auf! :eek:

Im übrigen wäre es schön, wenn Ihr beim Thema / bei meinem Thema bleiben könntet, also diesem vermeintlichen Herdentrieb!

Dass andere Situationen andernorts und anderen Bedingungen auch absurd und kritikwürdig sind, will ich gar nicht abstreiten, mir ging es HIER aber um dieses soziologische Faszinosum, dass alle einem Leittier hinterher rennen bzw. fahren, obwohl sie tatsächlich ein ganz anderes Ziel haben.

Die Antwort hast du dir mit deiner Überschrift selbst gegeben. Von jedem ein bischen.

Gruss Pido

Sollte hier im diesem Thread tatsächlich diese seit Jahrzehnten wenn nicht sogar jahrhunderten vorhandene Frage geklärt werden, warum dem so ist, dann hätte ich gerne als erster und vorallem einziger die Lösung. Ich könnte in meiner Fahrschule Millionen verdienen wenn ich diese Frage endlich lösen könnte.

Aber da sich hier schon seit hunderten von Jahren die Leute den Kopf zerbrechen, wird dieses Phänomen wohl nie gelöst.

Das ist in etwa wie der Lieferwagen Fahrer der sein Fahrzeug halb in der Kreuzung, halb auf dem Trottoir abstellt um Waren zu Liefern. Würde er zwei Meter weiter vor fahren, würde er aber korrekt in einem Parkfeld stehen. Auch etwas das keinen Sinn macht oder?

Themenstarteram 20. August 2014 um 8:56

Aber zumindest nicht mit Kurierfahrer-Herdentrieb zu erklären, offenbar! :)

Das Heck des Busses kann (ausscheren / ausschwenken, oder wie das im deutschen heißt) dir in die Seite knallen, wenn er abbiegt. Deshalb ist es nicht verkehrt da hinter zu bleiben.

Das Verhalten kenne ich. Ursache nicht bekannt, aber Einstein hat mal was dazu gesagt... Das Heck schwenkt aber auch dann aus, wenn man erst im letzten Moment oder nach ein paar Gedenksekunden links dran vorbei will.

Nur daß man dann den eventuellen Gegenverkehr schlechter sieht.

Zitat:

Original geschrieben von Taubitz

 

Wenn denn aber doch alle geradeaus wollten und die o.g. Situation ja schon aufgrund des Blinkzeichens und anschließenden Abbiegens und der erkennbar querenden Fußgänger mit Wartepflicht für den Bus als solche rechtzeitig vorher erkennbar war, so dass man im allg. bereits da schon eine eher linksgerichte Fahrlinie einnimmt (und schon mal den Gegenverkehr abcheckt, Ausweichmanöver kalkuliert und die verbleibende Restbreite der eigenen Fahrspur etc.), warum folgten dann alle, bis auf mich, wie im Herdentrieb dem abbiegenden Bus, bis man kurz vor dessen Heck dann scharf links an dessen Hintern vorbeizog und daher erst da den Gegenverkehr einsehen konnte?

Na ja, Herdentrieb im Straßenverkehr ist ja nun wirklich nichts neues.

Das geschilderte Verhalten kenne ich so nicht, obwohl ich oft und viel in Städten unterwegs bin. Normalerweise machen die vor mir das, was Du so vermisst hast: Leicht nach links, die Gegenspur abchecken und dann so schnell wie möglich am haltenden, abbiegenden Bus vorbei.

War vielleicht einfach ein ungünstiger Moment?

Der Herdentrieb der deutschen Autofahrer läßt sich auch sehr schön an den Mautstellen in Italien und Österreich beobachten...8 Spuren, davon 6 frei, ratet mal wo sich die meisten anstellen...;)

Wenn auf den 6 freien Spuren schon Handtücher liegen, sind diese reserviert.:D

Zitat:

Original geschrieben von sasisoli

Der Herdentrieb der deutschen Autofahrer läßt sich auch sehr schön an den Mautstellen in Italien und Österreich beobachten...8 Spuren, davon 6 frei, ratet mal wo sich die meisten anstellen...;)

Aber noch viel besser sind die, die auf die freien E-Pass Spuren fahren, ihren Fehler bemerken und dann versuchen, zurück zu setzen (was in Italien übrigens richtig Geld kosten kann), um auf die andere Spur zu wechseln.

Zitat:

Original geschrieben von sasisoli

Der Herdentrieb der deutschen Autofahrer läßt sich auch sehr schön an den Mautstellen in Italien und Österreich beobachten...8 Spuren, davon 6 frei, ratet mal wo sich die meisten anstellen...;)

Ist hier genau so an Ampeln. Find ich Klasse. Man kann an 10 Fahrzeuge vorbei bis zur Haltelinie.

Rote Rücklichter müssen was mit den Augen einer Schlange zu tun haben. Wie die Karnickel starren die hypnotisiert drauf.

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