Dynamisches Lastmanagement für Tiefgarage

Moin zusammen,

seit mehreren Jahren bereite ich mich vor, unsere Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses mit einer Ladelösung zu versehen. Allerdings gestaltet sich der Markt noch immer recht unübersichtlich. Daher würde ich gerne hören, ob ihr Erfahrungen oder Ideen habt, die ich noch nicht in Betracht gezogen habe.

Hier die Fakten:
13 Wohneinheiten (Eigentumswohnungen) mit je 1 Tiefgaragenstellplatz ( = 13 Tiefgaragenstellplätze)
Hausanschlussleistung 78 kW (125A/Phase), Erhöhung der HA-Leistung wurde vom Netzbetreiber zunächst abgelehnt
Installiert werden sollen zunächst 3-5 Wallboxen für Miteigentümer mit Ladebedarf auf dem jeweils eigenen Stellplatz. Das System soll aber skalierbar/erweiterbar sein auf bis zu 13 Wallboxen, damit auf lange Sicht keiner benachteiligt wird.
Die jeweilige Wallbox soll durch den Lieferanten des jeweiligen Wohnungseigentümers versorgt werden - also Anschluss hinter dem Haushaltszähler. Separat die Energiemengen unter uns aufteilen wollen wir eigentlich nicht.
Um die Hausanschlussleistung bestmöglich auszureizen, benötigen wir also dynamisches Lastmanagement, welches die zur Verfügung stehende Leistung des Hausanschlusses optimal auf die Wallboxen verteilt. Wenn also ein Mitbewohner seine Sauna anschmeißt, dann müssen die Wallboxen entsprechend Ladeleistung reduzieren.
Ich habe eine kleine Skizze im Anhang angefertigt, um das Anschlussvorhaben zu verdeutlichen.

Was ich bisher herausgefunden habe:

Innogy: Kein Angebot für Privatkunden.

BS Energy: Vertrieb von Mennekes-Produkten, derzeit noch keine Lösung im Portolio. Bisher nur statisches Lastmanagement.

Charge.ON: Nur Statisches Lastmanagement.

ChargeIT: Hat u.a. das Dörnberg in Regensburg ausgestattet, Ladelösung für 400+ Stellplätze. Ist tauglich, aber mit Kanonen auf Spatzen und dementsprechend sehr teuer.

The Mobility House: Dynamisches Lastmanagement als Kauflösung ohne Folgekosten, jedoch müssen alle Wallboxen (Alfen Eve Single) über eine separat gemessene Unterverteilung angeschlossen werden. Macht einen Beschluss zu einem gemeinsamen E-Mobility-Energielieferanten sowie eine separate Energiemengenabrechnung erforderlich.

Keba: Kombination aus P30x (Master) und P30c (Slave) beherrscht nur statisches Lastmanagement bzw. dynamisches Lastmanagement der Wallboxen bei statischer Vorgabe der Gesamtladeleistung.

Webasto: Wallbox als Master- und Slave-Kombination ermöglicht genau das, was wir benötigen. Energiebezug über den Haushaltsstromlieferanten, dynamisches Lastmanagement unter Einbeziehung des Gebäudebezugs, dynamische Verteilung der Leistung an die Wallboxen.

Bisher sind also nur Webasto und ChargeIT in der Lage, unseren Bedarf zu bedienen. Dabei ist Webasto deutlich günstiger, da das Lastmanagement offline in der Wallbox stattfindet und nicht wie ChargeIT ein Online-Backend nebst zentraler Infrastruktur erfordert.

Daher würde ich mich freuen, wenn ihr vielleicht weitere Tips oder Erfahrungen habt, die ich im Vorfeld unserer kommenden Eigentümerversammlung im April aufnehmen kann.

Beste Grüße
Martin

Beste Antwort im Thema

Ich danke euch für die kontroverse Diskussion, die mir auch einige Denkansätze bieten. Ich kann nicht auf jedes Argument detailliert eingehen. Aber in Summe:

Wenn nach Holgors Ansatz jeder sein eigenes Ladesüppchen kocht, dann wird die billige 400 EUR-Wallbox gekauft oder ein CEE16-Anschluss gelegt zum Stellplatz. Das machen 4 Leute und dann ist die Anschlussleistung erschöpft. Das ist Wildwuchs pur, das muss vermieden werden.

Die Idee, später ein Lastmanagement zu kaufen, funktioniert nur, wenn die Wallboxen von vornherein kompatibel dazu sind, sonst wird das Lastmanagement zu teuer. Und ja, das Lastmanagement soll auf die mitmachenden Nutzer umgelegt werden, später hinzukommende Miteigentümer können sich dann in die Lösung einkaufen. Daher gefällt mir die Webasto-Lösung so gut, da gibt es keine zentralen Komponenten (von ein bisschen Netzwerktechnik und einem MBUS-Zähler mal abgesehen).

Den Vergleich mit der Küche und dem Küchenbauer verstehe ich nicht. Eine Küche hat recht standardisierte Verbraucher (Ofen, Kochfeld, Mikrowelle) und die Hausanschlussleistung ist von vornherein auf 13 Wohneinheiten MIT Küche konzipiert. Und ein Kochfeld muss auch nicht heruntergeregelt werden, da es in der Regel nicht 3-8 Stunden mit Volllast läuft. Da ist die Wahrscheinlichkeit einer hohen Gleichzeitigkeit sehr gering und statistisch gesehen gibt die Hausanschlussleistung das locker her.

Bei 3-4 unter Volllast ziehenden Autos (11kW) ist jedoch ein großer Block der Hausanschlussleistung dauerhaft blockiert. Das geht nicht. Es darf keiner am Kochen gehindert werden, weil andere ihre Autos laden. So ist zumindest mein Empfinden von Fairness. Daher müssen die Autos bei Engpässen immer zurückstecken.

Gewollt ist, dass jeder seinen Stromlieferanten nutzen kann und keine separate Abrechnung stattfindet. Gewollt ist eine Lastmanagementlösung, die die Wohnungen priorisiert und die restliche Leistung den Autos zur Verfügung stellt, alles andere wird nicht mehrheitsfähig. Und gewollt ist auch, dass die Verdrahtung hinter dem Wohnungszähler stattfindet, ein späterer Stellplatzwechsel ist nahezu absolut ausgeschlossen, da die Stellplätze alle im jeweiligen Eigentum des Wohnungseigentümers sind. Dies ist kaufvertraglich und notariell fixiert, ein späterer Wechsel ist so gut wie ausgeschlossen und wenn dann nur in Absprache einzelner Eigentümer untereinander leihweise möglich. Und selbst wenn jemand tauschen will (Wahrscheinlichkeit nahe 0 %), dann ist das deren Sache das neu zu verdrahten. Sind dann halt ein paar Kabel im Hausanschlussraum.

Was das Template angeht: Wenn ich die Idee richtig verstanden habe, dann mache ich genau das jetzt gerade. Das System wird so konzipiert, dass insgesamt 13 teilnehmen können. Und wenn's zu Anfang nur n=2 sind, dann tragen die alle anfallenden Kosten (zentrale Kosten geteilt durch n, jeder trägt seine eigenen Wallbox-Kosten). Da ist das Lastmanagement zwar etwas unterfordert, aber problemlos skalierbar, wenn's dann mal 4 oder 13 werden. Erneut: Webasto hat kaum zentrale Kosten und ist auf 13 skalierbar.

Wenn die Eigentümergemeinschaft einen Beschluss fasst, dann ist der bindend. Wenn später jemand seine eigene ungeregelte Wallbox an die Wand baut, darf die Eigentümergemeinschaft die Entfernung verlangen. Wenn also jemand eine Wallbox will, dann muss er halt das beschlossene System verwenden und sich an den zentralen Kosten beteiligen. Das ist in meinen Augen Fairness. Niemand wird bevorteilt oder verschafft anderen einen Nachteil. Ebenso ist es in meinen Augen Fairness, dass eine Sauna (die's immer noch nicht gibt bei uns), ein Elektrogrill oder ein Kochfeld technisch bevorzugt wird und den Autos Ladeleistung nimmt, weil die letztgenannten Verbraucher nur kurzzeitig laufen. Sind die wieder aus, bekommt das Auto die Ladeleistung zurück. Das wird immer noch reichen, dass das Auto am nächsten Tag voll sein dürfte.

Oder liege ich mit der Beurteilung völlig falsch?

Der Vorschlag einer GbR ist begründet, wäre im Falle einer PV auf dem Dach ja auch zu überlegen. Aber ich glaube, in unserem Fall ist das nicht unbedingt notwendig, solange das Wallbox-System von jemandem koordiniert wird (und das bin in diesem Fall ich - sollte ich mal ausziehen: nach mir die Sintflut 😁 ).

VG
Martin
PS: Hab's noch nicht geschafft, dem Elli-VW-System hinterherzutelefonieren.
PS2: ups, sorry, sehr langer Beitrag...

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Zitat:

@Schwarzwald4motion schrieb am 21. April 2020 um 08:24:39 Uhr:



Zitat:

@Grasoman schrieb am 21. April 2020 um 07:38:41 Uhr:


... Aber für den Zuteilungsalgorithmus (...) die Real-Verbräuche von den Wohneinheiten...

Da es aber um den Bedarf fürs individuelle Fahrprofil geht, und die allermeisten problemlos ihre Kisten vollbekommen... wäre eine andere Lösung hilfreicher. Wahrscheinlich kommt eh jeder erstmal problemlos zurecht.

Ja, vom Tages-Fahr-Profil und Lade-Profil ist es abhängig.

Am Ende teilen sich da bis zu 13 Parteien (schon mal so Vollausbau geplant) eben etwa 30-60 kW wirklich verfügbare Leistung, da bekommt jeder ja nur 2-4 kW im Mittel. Wenn die Ladeleistung so knapp ist, kann es schon recht schnell eine Verteilungs-Rivalität geben. Zumal der Unterschied: manchmal kann es bis zu 11 kW oder bis zu 22 kW geben (Wallbox-Limit). Und manchmal aber auch mal nur 2 kW schon recht drastisch ist. Da ist Faktor 5 oder 10 dazwischen und ich finde, alle Beteiligten sollten VORHER drauf hingewiesen werden, damit es dann keinen Stress gibt. Bevor sie sich ein BEV kaufen und annehmen: ach, das wird schon voll werden, ich kann ja daheim laden und habe da gerade 1500 EUR investiert.
In den Phasen, wo das Lastmanagement nur 2kW zuteilt, ist es halt nicht schneller als ein ICCB an Schuko. Das muss vorher allen klar sein. Bevor dann mancher mault: 1000 EUR investiert (pro Wohneinheit) und jetzt so ein lausiger Speed.
Mancher kann dann nochmal in Richtung PHEV denken. Oder sich immer noch für ein BEV entscheiden, dann aber informierter. Weil auch die Variabilität vorher kommuniziert wird.

Die Realverbräuche von den Wohneinheiten sollen halt zeigen: Elektrische Langzeit-Großverbraucher in den Wohnungen bitte auch vor Anschaffung gut überlegen.

Zitat:

@Grasoman schrieb am 21. April 2020 um 09:08:36 Uhr:


...Am Ende teilen sich da bis zu 13 Parteien (schon mal so Vollausbau geplant) eben etwa 30-60 kW wirklich verfügbare Leistung, da bekommt jeder ja nur 2-4 kW im Mittel. Wenn die Ladeleistung so knapp ist, kann es schon recht schnell eine Verteilungs-Rivalität geben. Zumal der Unterschied: manchmal kann es bis zu 11 kW oder bis zu 22 kW geben (Wallbox-Limit)...

Ja zumindest die verlegten Kabel sollten schon für alle 13 Ausgelegt sein. Das eigentliche Problem ist sicherlich das jeder zu einem individuellen Zeitpunkt auf eben PHEV oder BEV umschwenkt, da können locker 10-20 Jahre ins Land gehen.

Das ganze Konzept muss auf einen schrittweisen Ausbau ausgelegt werden sonst wird es nur ein klein klein Gemurkse, deshalb ist es auch so wichtig kein proprietäres aber updatesicheres System zu wählen.

Zitat:

@Grasoman schrieb am 21. April 2020 um 09:08:36 Uhr:


Ja, vom Tages-Fahr-Profil und Lade-Profil ist es abhängig.

Am Ende teilen sich da bis zu 13 Parteien (schon mal so Vollausbau geplant) eben etwa 30-60 kW wirklich verfügbare Leistung, da bekommt jeder ja nur 2-4 kW im Mittel. Wenn die Ladeleistung so knapp ist, kann es schon recht schnell eine Verteilungs-Rivalität geben.

Ich halte dieses Szenario für unrealistisch mit dem Hang zur Panikmache.
Ich kenne keine Wohneinheit, bei der alle 13 Parteien gleichzeitig laden. Sämtliche Studien darüber haben das bisher gezeigt. Da kommen dann Gleichzeitigkeitsfaktoren von irgendwas um die 3 raus. Siehe auch Länder, die uns weit voraus sind wie bspw. Norwegen oder die Niederlande.

Rechnen wir es mal durch:
Gehen wir davon aus, dass die Garage in der 10-stündigen Nacht 50kW erhält, so haben wir 500kWh pro Nacht zu verteilen.
Bei 13 Autos gleichverteilt (!) wären das 38,5kWh oder ca. 190km Reichweite.
Zum Vergleich: Der deutsche Durchschnitt fährt unter 40km am Tag.
Das Szenario hier hätte also das 4,8fache des Durchschnitts in Deutschland zur Verfügung!

Ich weiß, Durchschnittswerte sind immer gefährlich, aber bei 13 Parteien davon auszugehen, dass jeder über dem Durchschnittv liegt, ist extrem unwahrscheinlich.

Zitat:

@Schwarzwald4motion schrieb am 21. April 2020 um 09:33:41 Uhr:


Das ganze Konzept muss auf einen schrittweisen Ausbau ausgelegt werden sonst wird es nur ein klein klein Gemurkse, deshalb ist es auch so wichtig kein proprietäres aber updatesicheres System zu wählen.

So ist es. Gerade deshalb sehe ich diese Master-Slave-Boxen-Systeme kritisch.

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Nach meiner Ansicht kann das nur in den beiden Extremformen funktionieren. Für die Lösung 1 wird man recht schnell Zustimmung finden, weil letztendlich der Nutzer die ganzen Kosten trägt. Kurzfristig war das bei uns die einfachste Lösung.

Die maximale Leistung holt man aus einem zentralen System, dessen Service man nutzt und bezahlt. Es muss sich nur jemand finden, der das betreibt und die initialen Kosten übernimmt. Da wird es dann leider schwierig.

Mischlösungen mögen interessant klingen, aber da hat man das Problem der verschiedenen Interessen. Wenn man das in der der Eigentümergemeinschaft hinbekommt: Glückwunsch. Mich würde das aber sehr wundern. Und wer jetzt sein Auto laden will, der wird sicher nicht die ewigen Diskussionen abwarten wollen (billig/teuer, jetzt/später, warum zahlen, wenn ich nicht nutze, ...).

@holgor2000

Ich verstehe die Problematik mit der Master/Slave-Konfiguration nicht ganz... Oder habe da ein falsches Verständnis.

Für mich sorgt die Master-Wallbox nur für die Führung der anderen Slave-Wallboxen, damit die maximale Leistung von der Gruppe nicht überschritten wird. Also organisiert die Master-Wallbox das Lastmanagement.

Die Slave-Wallboxen melden dabei den aktuellen Bedarf an und erhalten entsprechend eine Freigabe einer bestimmten Leistung vom Master. Der Master kann dabei die Leistung dynamisch zuteilen.

In deinem Beispiel mit den Rentner-Zoes:

Am Anfang der Nacht laden alle "gleich langsam", weil alle Fahrzeuge dem Master melden, dass sie gerne mit 22kw laden wollen. Der Master teilt die verfügbare Leistung auf.

Wie du schon ausgeführt hast, ist das Szenario, dass alle gleichzeitig laden wollen schon eher unwahrscheinlich (Stichwort Gleichzeitigkeitsfaktor). Dass alle Fahrzeuge also von 0 auf 100% laden wollen, ist also noch unwahrscheinlicher.

Im Laufe der Nacht werden also die Rentner-Zoes vollgeladen, haben ja nur wenige Kilometer abgespult. Die Wallboxen melden dann keinen Bedarf mehr, das Lastmanagement regelt dynamisch nach und die Wallbox des Vielfahrers lädt schließlich mit 22kw.

Klar, eine Garantie für einen vollen Akku gibt es für den Vielfahrer immer noch nicht, aber ich sehe das Problem nicht sooooo gravierend wie du.

Eine Priorisierungsmöglichkeit wäre natürlich schön, birgt aber auch gehörig Konfliktpotenzial:
Wer darf die Priorisierung ggf. steuern? Wer legt Grundregeln fest? Manche Miteigentümer wollen keine Ungleichbehandlung? Neid und Missgunst sind überall 😉

Zitat:

@DaimlerDriver schrieb am 21. April 2020 um 10:21:37 Uhr:


Nach meiner Ansicht kann das nur in den beiden Extremformen funktionieren. Für die Lösung 1 wird man recht schnell Zustimmung finden, weil letztendlich der Nutzer die ganzen Kosten trägt. Kurzfristig war das bei uns die einfachste Lösung.

Die maximale Leistung holt man aus einem zentralen System.
(…)

Mischlösungen mögen interessant klingen, aber da hat man das Problem der verschiedenen Interessen...

Hmm vielleicht funktioniert es Gemeinsam einen vernünftigen Kabelquerschnitt zu verlegen, und solange machbar lädt der "early adopter" an einer Campingdose bis es genug Interessenten für einen Start der Gemeinschaftsinvestition gibt. Auch eine art Stufenplan.🙄

Zitat:

@Xentres schrieb am 21. April 2020 um 10:35:02 Uhr:


@holgor2000

Ich verstehe die Problematik mit der Master/Slave-Konfiguration nicht ganz... Oder habe da ein falsches Verständnis.

Ich müsste das konkrete System prüfen. Die ungterscheiden sich auch, klar.
Die bisherigen Systeme, die ich mir angeschaut hatte, stammten alle vion Herstellern, die eigentlich von IT und Lastmanagement keine Ahnung hatten. Ein LM ist eine Mischung aus IT Know How und Elektro Know How. Es hat aber rein gar nichts mit Steckern und Wallboxen zu tun.
Gerade die Hersteller von Steckerlösungen und Wallboxen, was oftmals Hersteller aus der Schaltschrank-Welt sind, wittern nun einen neuen Markt und versuchen sich darin. Kann gut gehen, muss aber nicht. Sie sind eben fachfremd.
Das Risiko dabei ist, dass man sich an ein System bindet (lock-in) und da nicht mehr raus kommt. Genau das macht ein Master-Slave System.
Fragen sind: Was passiert, wenn wir bspw. in einigen Jahren auf Bi-direktionales Laden gehen? Was ist mit OCPP 2.0 und größer?
Kann man eine Smart Home Batterie und eine Solaranlage anschließen?

Falls nein, dann müsste man die Hardware austauschen! Das ist aufwändig udn verursacht kosten.
Daher präferiere ich persönlich aktuell ganz einfache Wallboxen, die man updaten kann. Bspw. eine simple P30 vom Keba. Die soll nichts anderes machen als dder Stecker zum Auto sein und sich mittels OCPP steuern lassen.
Die gesamte Steuerung stecke ich in in dseparates Software System. Ob On Premise oder Cloud ist eine andere Diskussion, aber wieso nicht mieten für X Euro im Monat?
Das hat den Vorteil, dass ich nicht gebunden bin. Entspricht das LM dann nicht mehr meinem Bedarf oder ergibt sich was modernes am Markt, so wechsele ich nur den Anbieter des LM und das ist Software.
Die Hardware Installation muss ich nicht anfassen.
Ich bin also viel flexibler für die Zukunft aufgestellt.

Zitat:

@Xentres schrieb am 21. April 2020 um 10:35:02 Uhr:


Für mich sorgt die Master-Wallbox nur für die Führung der anderen Slave-Wallboxen, damit die maximale Leistung von der Gruppe nicht überschritten wird. Also organisiert die Master-Wallbox das Lastmanagement.

Das was Du beschreibst, isrt aber nicht die Aufgabe einer Wallbox. Die Wallbox Hersteller packen das aber in ihre WB rein, damit sie dich in ihrem System gefangen haben. (um es mal negtaiv zu sagen).

Begründung siehe oben.

Das LM sollte idealerweise nichts mit den WB zu tun haben. Diese Verknüpfung ist nicht nötig.

Zitat:

@Xentres schrieb am 21. April 2020 um 10:35:02 Uhr:


In deinem Beispiel mit den Rentner-Zoes:

Am Anfang der Nacht laden alle "gleich langsam", weil alle Fahrzeuge dem Master melden, dass sie gerne mit 22kw laden wollen. Der Master teilt die verfügbare Leistung auf.

...

Im Laufe der Nacht werden also die Rentner-Zoes vollgeladen, haben ja nur wenige Kilometer abgespult. Die Wallboxen melden dann keinen Bedarf mehr, das Lastmanagement regelt dynamisch nach und die Wallbox des Vielfahrers lädt schließlich mit 22kw.

Schönes Beispiel über das man diskutieren kann.

Ich würde bspw. nicht die Zoes der Rentner zu Beginn der Nacht laden lassen.

Ich würde die großen Teslas der Vertriebsmitarbeiter zuerst laden, damit die morgens auf die Arbeit können. Von mir aus erst mal 80% in einer ersten Welle.

Die Zoes der Rentner würde ich erst dann laden lassen, wenn die großen Autos fertig sind oder die Zoes schpn langsam mit 1-2KW durch die Nacht laden lassen. Das sollte für ein Stadtauto in der Regel ausreichen.

"Gleich langsam" ohne jegliche Logik halte ich für schlecht. Das ist nicht mein Anspruch an ein LM. Ein LM muss schon intelligente sein, sonst könnte ich mir das LM auch sparen und einfach alle Boxen manuell runter regeln mittels einer "Zeitschaltuhr Logik".

... und wo hängt das gemeinsame Kabel dran? Wie läuft die Abrechnung, wenn man da seine Wallbox dranklemmt. Wollen wirklich alle für das gemeinsame Kabel zahlen?

Das Problem ist immer: wenige möchten das schnell, anderen ist das bestenfalls egal, aber zahlen wollen sie auf keinen Fall. Wenigstens können sie nicht mehr aus dubiosen Gründen verhindern.

Es kommt natürlich auf die Eigentümergemeinschaft an. 2-3 Parteien werden sich wahrscheinlich eher einig als 10, 15 oder mehr.

Zitat:

@DaimlerDriver schrieb am 21. April 2020 um 10:56:08 Uhr:


... und wo hängt das gemeinsame Kabel dran? Wie läuft die Abrechnung, wenn man da seine Wallbox dranklemmt. Wollen wirklich alle für das gemeinsame Kabel zahlen?

Ist ja ein Invest in die Zukunft, bei uns haben wir einen Gemeinschaftsstrom für die Beleuchtung, Rasenmähen e.t.c.., für die Garagentoröffner hat jeder seine eigene Schuko und Zähler.

Der Hausobmann läuft einmal im Jahr durch und liest die Zähler ab, das könnte sich in Zukunft etwas häufen. 😁

Zitat:

@DaimlerDriver schrieb am 21. April 2020 um 10:56:08 Uhr:


... und wo hängt das gemeinsame Kabel dran? Wie läuft die Abrechnung, wenn man da seine Wallbox dranklemmt. Wollen wirklich alle für das gemeinsame Kabel zahlen?

Daran ändert sich nichts.
Ein LM überwacht und regelt nur die Leistung. Mit dem "Kabel" hat das nichts zu tun.

Beim LM geht es ja darum, die verfügbare Kapazität optimal auf die Abnehmer zu verteilen. Natürlich wäre es gerecht, allen die selbe Leistung zu geben, bis sie sie nicht mehr abnehmen können. Dann die nicht abnehmbare Leistung auf die anderen verteilen.

Das mag zwar bedeuten, dass Zoe und Tesla gemeinsam langsam laden, aber warum sollte der Vertreiber dem Rentner vorgezogen werden?

Zitat:

Ich halte dieses Szenario für unrealistisch mit dem Hang zur Panikmache.
Ich kenne keine Wohneinheit, bei der alle 13 Parteien gleichzeitig laden. Sämtliche Studien darüber haben das bisher gezeigt. Da kommen dann Gleichzeitigkeitsfaktoren von irgendwas um die 3 raus. Siehe auch Länder, die uns weit voraus sind wie bspw. Norwegen oder die Niederlande.

Das kann man ja leicht versachlichen: best case, average case, worst case Szenario. Dann kann sich jeder das raussuchen, was er will. Der Optimist und Werbeheini -> best case und ein kleines "bis zu" dazu.

Der "Am Ende ist noch immer alles gut gegangen"-Typ => average case.

Der Skeptiker und Vorsichtige, der keine falschen Versprechungen machen will => rechnet für worst case und schreibt ein kleines "mindestens" dazu.

Zitat:

Rechnen wir es mal durch:

Das setzt eine 10-stündige Nacht (für alle!) und eben auch perfektes Lastmanagement, also auch ideale Phasenverteilung voraus.

Sobald ein paar Constraints dazu kommen (ich will aber Nachststrom aus meinem Spezial-Tarif und der gilt nur 23-5 Uhr) oder die Phasenverteilung von 2-Phasenladern (das geht ja auf 3 Phasen nur schlecht auf), oder eben die Betrachtung eines 1-2-stündigen Ladeslots mitten am Tag: Mittagspause oder zwischen von Arbeit heim kommen und dann abends nochmal los, ändern sich die Ergebnisse. Ich finde es wichtig, auch da die Fälle zu betrachten.

Zitat:

@DaimlerDriver schrieb am 21. April 2020 um 11:20:20 Uhr:


Beim LM geht es ja darum, die verfügbare Kapazität optimal auf die Abnehmer zu verteilen. Natürlich wäre es gerecht, allen die selbe Leistung zu geben, bis sie sie nicht mehr abnehmen können. Dann die nicht abnehmbare Leistung auf die anderen verteilen.

Das mag zwar bedeuten, dass Zoe und Tesla gemeinsam langsam laden, aber warum sollte der Vertreiber dem Rentner vorgezogen werden?

Weil der Tesla Fahrer im Aussendienst pro Tag mehr Strom verbraucht als die Zoe für die Stadt. Daher benötigt er auch mehr Ladung nachts.

Allen die selbe Leistung zu geben und diese ggf. nur herunter zu regeln (sofern die maximale Last erreicht wird) ist kein Lastmanagement pro Auto, sondern nur eine Zuteilung der maximalen Leistung am Hauptaschluß der Garage.

... die Eigentümerversammlung möchte ich sehen, bei der das beschlossen wird. 😁

Lastmanagement ist eine Optimierungsaufgabe. Dabei ist die Frage, auf welches Ziel man optimieren möchte. Bei der gleichen Verteilung, bis das Maximum erreicht ist, bedeutet ja, dass man zu einem beliebigen Zeitpunkt abbrechen kann und seinen gerechten Anteil erhalten hat. Für eine echte Optimierung müsste man aber wissen, wer, wann wieviel Ladezustand benötigt. Vielleicht will der Rentner in einer Stunde nochmal 100 km fahren oder der Vertriebler macht morgen Home-Office. Wenn man die Informationen nicht hat, dann kann man nicht optimieren.

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