ForumVerkehr & Sicherheit
  1. Startseite
  2. Forum
  3. Wissen
  4. Verkehr & Sicherheit
  5. Alter Mann fährt noch Auto - Was tun?

Alter Mann fährt noch Auto - Was tun?

Themenstarteram 30. Dezember 2005 um 10:01

Ich brauche eure Hilfe und euren Rat.

Mein Opa ist 88, er hat div. Beschwerden, kann seinen Kopf kaum noch nach links oder rechts drehen (eigentlich gar nicht), langsame Reaktionen, falsche Einschätzungen.. Er ist nicht mehr fähig sein Auto zu fahren. Mittlerweile ist er soweit und fährt nicht mehr im dunkeln, trotzdem aber noch tagsüber, zB jeden Tag zur Bank oder zum Einkaufen.

Das ganze ist unverantwortlich und gefährlich. Jeder der ihm zB dabei zusieht, wie er aus der Einfahrt fährt, schüttelt entsetzt den Kopf. Er fährt einfach langsam los, verlässt sich auf die Rücksicht anderer (Zitat: Der kann doch bremsenn) wird er aber zB durch einen langsamer fahrenden Wagen "genötigt" etwas abzubremsen oder machen andere einen Fehler, hupt er und regt sich unglaublich auf.

Was würdet ihr tun? Mir geht es weniger um eine rechtliche Aufklärung sondern vielmehr um eure persönliche Meinung. Mein Opa ist alter Ostpreuße, ein echter Haudegen. Er hat schon viel angerichtet in der Familie durch seine Sturheit und den (alterbedingten?) Starrsinn. Ihn darauf ansprechen bringt Null. Antwort ist immer: Wenn ich nicht mehr in der Lage bin, gebe ich den Führerschein ab" Er ist aber nicht mehr in der Lage! Das ganze klingt jetzt vielleicht wie rumgeheule, aber das belastet unsere ganze Familie. Er hat schon mehrere Unfälle gehabt, so zB einen Radfahrer (leicht) angefahren als der bei grün über einen Ampel gefahren ist, kleinere Auffahrunfälle und viele Parkrempler.

Sollte man sowas bei der Polizei melden? Können die einen Eignungstest durchführen? Kann das Straßenverkehrsamt helfen? In jedem Fall muss derjenige der das veranlasst anonym bleiben, sonst hätten wir keinen Frieden mehr in der Familie.

Es kann so nicht weitergehen, wenn etwas schweres passiert machen wir uns hinterher die Vorwürfe. Ich hoffe, ihr könnt mir irgendwie weiterhelfen, wir sind etwas unsicher und hilflos in der Situation. Kennt ihr das evtl aus dem eigenen Bekannten- oder Verwandtenkreis?

Schönen Dank.

Ähnliche Themen
156 Antworten

Mein Großvater war 99'er Jahrgang.

Er ist noch mit 89 600 km in den Urlaub gefahren.

Das war höchst gefährlich.

Irgendwann hat auch er nach massivem Zureden das Auto stehen gelassen.

Den Schein allerdings nie abgegeben und das Auto blieb angemeldet.

Es ist eine sehr schwere Situation.

Auch in Hinblick auf das Altenheim.

Genau wie Dein Opa müsst ihr allerdings erkennen, dass es Grenzen gibt die eingehalten werden sollten.

An Deiner Stelle würde ich zur Hauptwache fahren und das Problem unverbindlich und ohne Namensnennung ansprechen.

Man wird Dir da freundlich Auskunft geben können.

Die Jungs sollten Erfahrung haben.

So, wie Wireless das beschreibt, mit der Kriegsgeneration, der Sparkasse und offenbar noch in Verbindung mit Altersstarrsinn würde ich mal eine Polizeikontrolle "zufällig arrangieren". Du kannst denen ja Kennzeichen und Anschrift geben.

Gerade diese Generation gehorcht normalerweise Amtspersonen, und so entsteht auch der Eindruck, dass die Nörgelei nicht nur aus der Familie kommt.

Da weiter oben mal wieder die Bemerkung aufgekommen ist:

Es geht hier nicht pauschal darum, ältere Fahrer zum Idiotentest zu schicken, sondern um einen Einzelfall.

solange er nicht der generation angehört:

"Ich fahre seit über 50 Jahren Unfallfrei" (...)

und darauf besteht...ist es noch nicht so schlimm....so einen fall kenne ich nämlich....bilanz eines jahres bei ihm bzw. 20tsd km. 2verschlissene kupplungen....

Zitat:

Original geschrieben von MagirusDeutzUlm

solange er nicht der generation angehört:

"Ich fahre seit über 50 Jahren Unfallfrei" (...)

und darauf besteht...ist es noch nicht so schlimm....so einen fall kenne ich nämlich....bilanz eines jahres bei ihm bzw. 20tsd km. 2verschlissene kupplungen....

Die fahren dann meist nur unfallfrei, weil ein Unfall bei 30 km/h recht unwahrscheinlich ist und selbst da noch andere Leute für einen mitbremsen müssen...

Mein Opa ist auch so ein besonderes Exemplar. Jahrgang 1914.

Er hat sich noch mit 82 einen Neuwagen gekauft (Golf III). Der Wagen hat jetzt nach 9 Jahren erst 35.000 km auf dem Buckel. Immerhin ist er schon vor 15 Jahren auf Automatik-Getriebe umgestiegen, weil er sich nicht mehr zugetraut hat die Schaltung "nebenbei" noch zu bedienen.

Irgendwann habe ich meinen Eltern erklärt, nach einer Horrormitfahrt, dass ich nie wieder bei Opa mitfahre, es sei denn, dass ich selber das Auto lenke. Das war zum Glück kein Problem.

Auch Opa wollte lange nicht einsehen, dass er nicht mehr fähig ist Auto zu fahren. So nach und nach konnten wir ihn (Eltern, Bruder, ich) überzeugen, dass es keinen Sinn mehr hat.

Wir haben das inzwischen folgendermaßen organisiert:

1. Ich kaufe seit knapp 2 Jahren alle 1-2 Wochen für meine Großeltern ein. Wir sprechen den Tag ab. Den Abend vorher hole ich mir den Einkaufszettel telefonisch ab.

2. Opa fuhr (bis Anfang 2005) nur eben - 600 m - zur Sparkasse und zum Aldi selber. (Auch das war schon gefährlich)

3. Seit er Anfang 2005 lange im Krankenhaus lag und nun sehr schwach ist, hat er auch Punkt 2 aufgegeben. Das erledigen meine Eltern und ich mit.

4. Zum Arzt, Friseur etc. fährt mein Vater meine Großeltern. Sollte er oder auch ich mal keine Zeit haben, wird eben ein Taxi bestellt.

5. Das Auto meines Opas ist noch auf ihn angemeldet. Für die Chauffeursdienste und sonstigen Erledigungen nutzen ihn meine Eltern mit. Damit hat Opa die Ruhe, dass nicht wir ihm alles bezahlen, sondern er stellt uns +/- Null.

Irgendwann haben wir Opa mal, nebenbei, die ganzen Dellen und Schrammen an seinem Auto gezeigt, die er da rein gefahren hat. Sie stammen hauptsächlich von zu knappen Versuchen in die Garage einzuparken oder der Gartenmauer. (Das arme Auto....). Er war entsetzt und war schon ein Stück einsichtiger.

Das nächste Stück Einsicht kam, als es hier eine zeitlang immer wieder Zeitungsmeldungen mit Unfällen von Fahrern über 75 gab. Meist leider mit Verletzten.

Und zum Schluss kam der lange Krenkenhausaufenthalt.

Organisation ist alles. Und wir sind froh, dass Opa keinen mehr gefährdet.

Gruß

Schnute

Themenstarteram 30. Dezember 2005 um 20:24

Ich bin das letzte Mal mit 13 oder 14 bei ihm mitgefahren. Damals, das weiss ich noch genau, sollte ich gucken, ob alles frei ist. (an der Kreuzung) Das ist mittlerweile aber schon über 5 Jahre her.. Ich werde morgen schweren Herzens wohl zur Polizeistation fahren. :rolleyes:

@Consylos: Eine Polizeikontrolle, die für ihn nicht arrangiert wirkt, wäre prima.

Im übrigen: Ich kenne auch Leute die im hohen Alter fit sind, x km Fahrradfahren, spazieren gehen und sehr gut Autofahren. Das sollte keine Äusserung sein, dass alle alten Leute Idioten sind ;) Mein Opa ist ein harter, sehr schwerer Einzelfall. (es stehen da noch andere Geschichten im Hintergrund die sehr unschön sind)

@DieSchnute

Das klingt wirklich gut, so würde ich mir das auch vorstellen. Es ist ja nicht so, dass ich oder wir das nicht machen würden. Es kann mittlerweile auch nicht seine Post aus dem Briefkasten an der Hauswand holen, der Arm geht nicht hoch genug. Er ist aber zu stolz, bescheid zu sagen. Mülltonnen zur Straße bringen, Einkäufe reinbringen, Getränke...ich könnte soviele Beispiele aufzählen. Es macht ihn selbst fertig, weil er manchmal deutlich merkt, wie er nachlässt. Geistig ist er noch völlig fit, nur alles andere lässt nach. Ihm kommen manchmal die Tränen, wenn ich ihm den Briefkasten vor seiner Nase aufschliessen muss, obwohl er kaum kleiner ist als ich...

Er wohnt allein, er braucht nicht sehr viel und es ist kein Problem, ihm die Sachen mit einzukaufen, dass machen wir bei meiner Oma (keinen Führerschein) schon jahrelang. Einmal die Woche fährt meine Mutter mit ihr einkaufen. Das sind maximal 2 Stunden.

Gut zu wissen, dass nicht nur ich mir um sowas Gedanken machen muss.

Absolut traurig finde ich, dass meine Eltern und ALLE anderen nichts unternehmen. Gut reden können sie "Der darf aber nicht mehr fahren" aber sie haben bis heute nicht gehandelt. Das ist mir egal, ich ziehe das durch.

..auch wenn ich mich etwas wie ein Verräter oder undankbar fühle.. :rolleyes:

Zitat:

Original geschrieben von FallSoWireless

..auch wenn ich mich etwas wie ein Verräter oder undankbar fühle.. :rolleyes:

verstehe ich nicht, mach dir da doch keinen Kopf, im Endeffekt handelst du doch nur zum Besten deines Opas und natürlich auch der anderen Verkehrsteilnehmer, die Aktion ist dir imo hoch anzurechnen.

Gruß

Kandinsky

Themenstarteram 30. Dezember 2005 um 20:52

Klar, das ist leicht gesagt.

Ich hab früher immer viel mit ihm gemacht, mein anderer Opa ist gestorben als ich 8 war. Er wohnt über uns, es fällt mir nicht gerade leicht.

Zitat:

Original geschrieben von FallSoWireless

Klar, das ist leicht gesagt.

glaube mir, ich kenne solche Geschichten auch, und andere hier im Thread ja auch.

das geht dir nahe, ist doch klar, ist doch schließlich die Familie, wäre ja schlimm wenn es anders wäre.

Nur, warte mal ab, vielleicht hat dein Opa dann ohne FS auch mal noch ein Einsehen..., nach ihm zugestandener Zeit ;), und lässt sich gerne mal von dir chauffieren zu nem Ausflug ins Grüne, und lernt das auch noch schätzen, und ihr kommt euch so wieder näher, so war es bei uns jedenfalls.

Ich habe damals übrigens mit unserem Hausarzt gesprochen, und der hat meinen Opa dann überzeugt.

Viele Grüße

Kandinsky

Also es gibt da schon Möglichkeiten den Führerschein "von Amts wegen" einzuziehen. Wenn er im Verkehr auffällig wird, kann eine MPU verlangt werden. Und wenn er durchfällt, isser wech der Lappen.

Ich hatte mal einen Stammpatienten, der schon dreimal wiederbelbt wurde und so dummerweise einen deutlichen Schaden im Oberstübchen hatte.

Der wurde vom Führerscheinbüro angeschrieben, mußte eine MPU machen und dann den Lappen abgeben.

War aber auch echt gut so.

@Marc

Klar ist das schwer. Nicht nur für dich.

Lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Ich finde es sehr mutig von dir das anzugehen.

Dein Großvater merkt mit der Zeit immer mehr, dass er nicht mehr der junge Mann ist, der er mal war. Er muss Stück für Stück sein Leben komplett umkrempeln (lassen) und Hilfe annehmen, wo er eigentlich nie welche gebraucht hat. Er muss abhängig werden... das würde mir auch sehr schwer fallen.

Gruß

Schnute

Ein schwieriger Job!

Ich bin überrascht wie viele verständnisvolle Beiträge kommen.

Weiter so! :)

also einerseits kann ich die Opas schon verstehen. weil ich in meiner familie auch so einen fall hatte. Momentan bin ich 20. Aber mein opa wollte auch nicht den führerschein und auto aufgeben.

Es war so eine art freizeitbeschäftigung von ihm das auto am samstag sauber zu machen und in geschäfte mit meiner oma zu fahren.

Obwohl er nachts und bei schlechtem wetter nicht mehr fahren wollte und nicht mal gewusst hat wo er hinfahren muss (musste immer jemand mitfahren oma oder mama oder sogar ich) wollte er nicht aufgeben.

Er hat das fahren erst dann aufgegeben als er nur noch einen fuß hatte (Zuckerkrank).

Aber es ist manchmal wirklich gefährlich wenn man hinter solchen leuten fährt oder auch entgegen fährt. Die fahren dann immer in der mitte der straße.

Mein Opa ist ein sogenannter "Eck-Rentner". Er hat seine 40 Jahre Arbeit voll - die letzten dreißig davon am Stück als Vertriebsmann bei einem inzwischen nicht mehr existenten Reifenhersteller, Jahresfahrleistung an die 100Tkm durch ganz Europa.

Vielleicht ist es ein Fehler, ihm den Lappen unbedingt abnehmen zu wollen - auch mein Opa hat die Pappe nicht abgegeben, würde ihm auch nie einfallen. Warum ? Das Stück graues Papier ist wie ein Strohhalm in Richtung "ich kanns noch". Er kann jederzeit - wenn er will. Es ist SEINE Entscheidung, nicht die anderer.

Seinen Opel herzugeben war wohl die schlimmste Entscheidung seines Lebens - aber er blieb in der Familie und ist in guten Händen. Wir zucken auch mit keiner Wimper, sollte er je wieder Lust "auf ne Runde um den Block" haben. Auch dies gibt ihm das Gefühl, noch jederzeit mobil sein zu können - wenn er es will. Es ist SEINE Entscheidung, nicht die anderer.

Ergo: Vielleicht ist es die bessere Strategie, ihm nur das fahren auszureden - Auto kann problemlos angemeldet bleiben, jederzeit für ihn verfügbar sein, und von den anderen aus der Familie mitbenutzt werden. Und kein Wort mehr über "Führerschein weggeben". Wird er niemals tun und nur auf stur schalten.

Auch ein dezent und ganz beiläufig (ganz wichtig !!!) in den Raum geworfener Hinweis auf die vielen Blechschäden regt zum Nachdenken an - wenn er noch so fit im Kopf ist, wie Du sagst, bewirkt das vielleicht mehr als jede andere Diskussion.

Laßt ihm das Gefühl, SELBST entschieden zu haben und doch jederzeit "zu können". Es ist immer eine Frage der Verpackung, mit der das Geschenk eingewickelt ist ;)

Zitat:

Original geschrieben von Der Tazmedic

Also es gibt da schon Möglichkeiten den Führerschein "von Amts wegen" einzuziehen. Wenn er im Verkehr auffällig wird, kann eine MPU verlangt werden. Und wenn er durchfällt, isser wech der Lappen.

Wenn er dann aber NICHT durchfällt, ist das Problem um so schwerer zu lösen... Daher ist Einsicht der betroffenen Person der bessere Weg.

Deine Antwort
Ähnliche Themen
  1. Startseite
  2. Forum
  3. Wissen
  4. Verkehr & Sicherheit
  5. Alter Mann fährt noch Auto - Was tun?