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Was Vielfahrer beschäftigt

11.01.2013 14:03    |    Reneke    |    Kommentare (10)    |   Stichworte: Autopresse, Tests, Volvo

Findest du die deutsche Autopresse objektiv?

Hin und wieder lese ich Automagazine, sowohl online als auch auf Papier. Immer wieder bemerke ich, daß ich vor allem bei Vergleichstests hinterher Fragen habe, oder daß sich ein Fazit überhaupt nicht im Test widerspiegelt.

Eine Strategie ist das Erstellen von Punktentabellen in denen eine sehr hohe Anzahl an Punkten vergeben wird. Hier wird dann so geschliffen und gefeilt, bis die deutsche Marke (gerne auch aus dem VAG Konzern, wahrscheinlich weil der die Sponsorgelder fließen läßt) gewinnt. Das ist eine Vermutung, aber ich bekomme immer wieder denselben Eindruck.

 

Außerdem werden sehr oft nicht alle Anforderungen mitgenommen. Vor allem Qualität und Zuverlässigkeit der Fahrzeuge und die Sicherheit scheinen nur eine kleine Rolle zu spielen. Ich denke da würden zum Beispiel asiatische (Qualität, Zuverlässigkeit) und schwedische (Sicherheit, Zuverlässigkeit) Automarken hoch Punkten.

 

Beides ist meiner Meinung nach bei der deutschen Autopresse vor allem der Fall, wenn Autos deutscher und ausländischer Automarken verglichen werden. Da können die ausländischen Marken kaum Punkten, obwohl aus den Einzeltests oft sehr gute Resultate kommen. In der niederländischen Autopresse ist das zum Beispiel weniger der Fall, weil die Niederlande keine eigene PKW-Industrie hat, nur ein paar Fertigingswerke und Exklusivmarken wie Spyker und Donkervoort.

 

So habe ich mich zum Beispiel wirklich gewundert, als der neue VW Passat vom Volvo V70 III gewonnen hat, obwohl Zuverlässigkeit und Sicherheit kaum berücksichtigt wurden im Test, der Preis aber eine überaus große Rolle gespielt hat. Wären dies anders gewesen, hätte der V70 mit Sicherheit gesiegt. Einen solchen Test kann ich nicht ernst nehmen und es ärgert mich, weil potentielle Käufer in die Irre geführt werden.

 

Ich denke auch, daß man Autos nicht pauschal vergleichen sollte, sondern eher nach Fahreranforderung. Wird das Fahrzeug zum Beispiel als Vielfahrerauto benutzt werden, dann spielen Sicherheit, Komfort und Zuverlässigkeit eine große Rolle. Soll es lange gefahren werden, dann ist die Langlebigkeit und zeitloses Design wichtig. Wird ein Auto als Zweitwagen benutzt, ist wahrscheinlich der Verbrauch weniger wichtig. Fahren Kinder mit, ist die Sicherheit sehr wichtig. Wird es in der Stadt gefahren, dann ist der Verbrauch wichtig, usw.

 

Vielleicht sollte man Bewertungen für unterschiedliche Fahrerprofile erstellen, die unterschiedliche Anforderungen an ein Auto haben. Dann wären die Test zum Teil objektiver, denke ich, außer das Magazin hat schon vorher einen Sieger festgelegt, der dann auch gewinnen soll.

 

Wie ist eure Meinung zum Thema 'Objektivität der deutschen Autopresse' ?

 

 

Gruß,

 

René


18.04.2012 00:47    |    Reneke    |    Kommentare (3)    |   Stichworte: Alternative Kraftstoffe, Diesel, Gasfahrzeug, LPG

Als Vielfahrer interessiert mich natürlich was für mich die Kostengünstigste und für die Umwelt beste Lösung ist, Diesel oder LPG, eine Wahl vor der bei den derzeitigen hohen Kraftstoffpreisen viele Autofahrer stehen. Erdgas kommt für mich nicht in Frage, weil ich viel in die Niederlande fahre, wo es sehr wenig Erdgastankstellen gibt.  

 

Im ersten Augenblick denkt man schnell, ein LPG-Fahrzeug sei billiger als ein Dieselfahrzeug, weil der Kraftstoff viel preiswerter ist und die Kfz-Steuer nicht höher als bei einem Benziner. Ich habe bis jetzt 2 Fahrzeuge mit LPG gefahren und eines mit Diesel. Die Gasfahrzeuge waren ein Peugeot 206 1,6-16v (110 PS) und ein VW Golf V 1,6-8v (102PS). Der Diesel ist ein Volvo V60, 2,0-20v (5-Zylinder, 163 PS).

Ich habe nicht vor Menschen von LPG zu raten, aber man sollte sich gut beraten lassen und sich nicht blenden lassen von sehr, meiner Meinung nach oft zu positiven, Werbeaussagen von LPG-Anlagenherstellern. Andererseits sollte man die Umweltversprechen der Dieselmotor-Industrie auch nicht blind vertrauen, denn oft werden Stickoxid- und Feinstaubausstoß bagatellisiert. Ich will meine Erfahrungen schildern.

 

Bevor ich meine jetziges Auto gekauft habe, einen Volvo V60 2.0 Diesel, habe ich alles mal im Vergleich durchgerechnet. Wenn man die Abschreibung und eventuelle Extra-Kosten eines LPG-Fahrzeuges mitrechnet, wird man sehen, dass man mit einem LPG-Fahrzeug nicht unbedingt Geld spart im Vergleich zum Diesel-Fahrzeug. Dafür gibt es verschiedene Ursachen:

  • Ein LPG-Benziner ist in der Regel bei 200.000Km abgeschrieben, ein Diesel aber erst bei 300.000-350.000Km. Diesel-Autos kann man länger fahren und man bekommt mehr dafür zurück. Für meinen damals neuen Golf V 1.6, Neupreis EUR 23.400,- inklusive LPG-Anlage (im Wert vom EUR 2500,-), EZ 10.2008, habe ich im März 2012 nur noch EUR 5.500,- bekommen, hauptsächlich weil er mit LPG gefahren wurde, meinten die Händler. Teilweise wollte man sogar noch weniger zahlen. Das Auto sah super aus. Es hatte erst 165.000Km auf dem Tachometer, aber LPG-Fahrzeuge traut man nicht so ganz. Ein Diesel mit diesem Kilometerstand hingegen sei sehr interessant gewesen, sagten die Händler. Da hätte man viel mehr für bezahlt.
  • Im Winter verbraucht man noch ziemlich viel Startbenzin. Das habe ich in meinen Berechnungen berücksichtigt. Man muss auch bedenken, dass Benzin sich nicht ewig hält und dass die Benzinanlage regelmäßig benutzt werden sollte, damit sie auch auf die Dauer einwandfrei funktioniert.
  • Der LPG-Tank wird meistens in der Reserveradmulde eingebaut. So spart man Platz. Aber wenn man einen 60Liter-Tank (brutto) einbauen lässt, ist dieser etwa 10cm höher als eine Reserveradmulde. So hatte ich im Golf z.B. 10 cm weniger Platz, weil eine Schaumstoffeinlage im Kofferraum eingebaut wurde. Ich konnte so zwar noch einige andere Sachen neben dem Tank verstauen, aber der Kofferraumboden wurde 10 cm höher. Im Peugeot war das kein Problem, da der Tank unter dem Auto verbaut wurde.
  • LPG-Tanks dürfen nur bis 80% befüllt werden. In einem 60-Liter brutto Tank passen also nur maximal 48 Liter Gas. Weil man aber einen Mehrverbrauch hat von 20-30% im Vergleich zu Benzin, verringert sich die Reichweite erheblich. Zwar hat man einen Benzintank, mit dem man auch noch eine Strecke fahren kann, aber so fällt der Vorteil von LPG weg.
  • Den Mehrverbrauch darf man nicht unterschätzen. Beim Peugeot (1100 KG) war der Verbrauch LPG/Benzin: 8,5/6,5 (30%) und im Golf (1200 KG)10,0/7,8 (28%). Der viel schwerere Volvo V60 Diesel (1700 KG) mit Automatikgebetriebe hat einen Verbrauch von 6,5 L/100Km. Wenn Leute sagen, sie hätten einen sehr geringen Mehrverbrauch mit LPG, ist die Anlage wahrscheinlich zu mager eingestellt, und kann es zum Motorschaden kommen. Dieses hat also einen erheblichen Einfluss auf die Kosten.
  • Nicht jede Werkstatt kann die LPG-Anlage inspizieren. Ich musste mit dem Golf z.B. immer in 2 Werkstätten, weil meine VW-Werkstatt keine LPG-Inspektion machen konnte, obwohl die Anlage von VW eingebaut worden war. Das hatte ich gemacht, damit es keine Probleme wegen der Autogarantie geben würde. Ich musste deswegen aber immer 2 Tage ein anderes Fahrzeug mieten, was meistens mit Mehrkosten verbunden war. Man sollte sich also gut erkundigen, wie es mit der Inspektion aussieht. Den Peugeot fuhr ich, als ich noch in den Niederlanden wohnte. Da ist das Fahren mit einer LPG-Anlage eine andere Sache, denn da fährt man schon seit den 70ern mit LPG und jede Werkstatt muss eine LPG-Anlagen-Inspektion machen können.

 

Aus Umweltaspekten, war ich lange gegen Dieselfahrzeuge, wegen der Stickoxide und des Feinstaubs, und für LPG-Fahrzeuge, die sogar weniger CO2 produzieren als Benzinfahrzeuge.

Weil ich aber Vielfahrer bin, und auf ein sehr zuverlässiges Auto angewiesen bin, ich relativ oft Inspektionen machen lassen muss, nicht jeden 2. Tag tanken möchte, wie bei LPG der Fall war, und ich sehr wenig für mein letztes Auto bei der Inzahlungnahme bekommen habe, habe ich mich für ein Dieselfahrzeug entschieden. Weiter hat mitgespielt, dass es erst seid kurzem LPG-Anlagen gibt für moderne direkteingespitzte Benzinmotoren (TSI, FSI & co.) gibt, und da muss sich die Zuverlässigkeit erst noch beweisen.


Blogautor

Reneke Reneke

Entwickler Medizintechnik

Volvo

Ich bin Diplom-Ingenieur Elektrotechnik, Richtung Medizintechnik und entwickle als System Architekt medizinische Geräte.

 

Tesla Model 3 LR AWD, 325 kW, BJ 2021

 

Vorher:

- Volvo V60 Momentum, D3, 120 kW, BJ 2011, Geartronic

- VW Golf V Edition, 1.6, 75kW, , BJ 2008 (LPG)

- Peugeot 206 Gentry, 1.6-16v, 81kW, Bj. 2002 (LPG)

- Ford Fiesta GFJ / FAJ, CL, 1.1i, 37kW Bj. 1992 (Benzin)