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02.05.2018 19:35    |    Tobner    |    Kommentare (21)

Baltic Sea Circle, das bedeutet einmal "fix" zum Nordkap, dann über Russland wieder zurück. Um das größtmögliche Abenteuergefühl heraus zu kitzeln, gingen wir mit einem Auto an den Start, was die meisten Leute schon längst verschrottet hätten. Eine Reise, die so voller Geschichten, Eindrücke und Emotionen vollgepackt war, dass ich garnicht recht weiß, wie ich anfangen soll. Im Nachhinein war es wohl der pure Wahnsinn, was wir da gemacht haben. Und im Nachhinein kann ich sogar die Ängste und Befürchtungen verstehen, die sich die Familie und Freunde gemacht haben. Vielleicht sind wir auch etwas schmerzfrei an die Sache heran gegangen, trotz der guten Vorbereitung...

 

Ich werde die Reise in den Etappen staffeln, die wir gefahren sind. Jeden Tag eine Etappe, 15 insgesamt. In meinen vorherigen Blogartikeln ging es bereits um die Vorbereitungen und Umbauarbeiten. In den Tagen vor dem Start mussten wir also nur noch das Gepäck in das Auto verladen. Samstag, am 24.2.2018 war der offizielle Start, ich musste bis Donnerstag arbeiten. Wir hatten den kompletten Freitag, um noch einige Eratzteile zu organisieren und das Auto zu packen. Leider brütete mein Körper eine Bronchitis aus, die die Vorbereitungen einbremsten. Ich hatte stellenweise echt Panik, dass die Bronchitis erst richtig ausbricht und mich aus dem Rennen wirft, am Mittwoch vor dem Start gingen die Gliederschmerzen und die Kraftlosigkeit los und ich war echt fertig mit der Welt. Das konnte ja was werden, wenn ich 2 Wochen fiebrig und halb apatisch so eine Riesentour fuhr. Ich versucht viel zu schlafen, half mir mit den einfachen Hausmittelchen. Aber es schlug an, zum Glück.

 

Die Startveranstaltung ging am Samstag 10:00 in Hamburg los. Bis HH hatten wir knapp 500km, also starteten wir Samstag 01:00 Richtung HH. Ich ging Freitag gegen 17:00 ins Bett und wollte noch etwas schlafen, aber ich kam nicht zur Ruhe. Langsam stiegen die Bedenken und Ängste in mir hoch und die Gedanken rasten durch meinen Kopf. Haben wir alles? Hält das Auto durch? Geht die Heizung? Haben wir genug Werkzeug? Ich ging mehrmals die komplette Packliste im Kopf durch, aber mir fiel nichts ein, was wir vergessen hatten. Bis Mitternacht wälzte ich nur im Bett, am Ende habe ich nur darauf gewartet, endlich starten zu können. Ich setzte mich 0:45 ins Auto, drehte den Schlüssel und dachte: "Top oder Flopp, jetzt gibts kein Zurück mehr"

 

 

Ich fuhr los, holte Franke, meinen Mitstreiter ab. Punkt 01:00 starteten wir Richtung Hamburg. Auf der BAB angekommen, legte sich erst spät meine Aufregung, obwohl wir alles mögliche getan hatten, was in unserer Macht stand, um den Trip problemlos über die Bühne zu bringen. Selbst Frankes Subaru Legacy musste noch herhalten, am Freitag schraubten wir noch einige Zündungsteile aus dem Auto und packten sie aufs Dach unseres Rallyesubis.

 

Wir fuhren auf die Autobahn auf und ich war die ersten Kilometer total angespannt. Jedes Geräusch wurde genauestens beobachtet, außerdem machte ich mir Sorgen um das Grill. Also nicht direkt um das Grill, sondern was die Ordnungshüter davon hielten. Ich dachte, wir sind bei jeder Kontrolle mode... Mit den Kilometern legte sich die Aufregung, die Müdigkeit kam. Schließlich hatte ich seit Freitag früh keine Minute geschlafen. Die ersten 500km liefen wie am Schnürchen, ich hatte ehrlich gesagt schon richtig Panik, dass wir nichtmal in HH ankamen. Ich hätte es besser wissen müssen, schließlich hatte ich in 4,5 Wintern nicht ein Problem mit dem Auto.

 

Wir kamen gegen 06:30 in HH an, es waren schon 2 Teams da, die am Freitag anreisten und die Nacht im Auto schliefen. Ich war müde und schlief eine halbe Stunde im Auto, bis Franke mit Brezeln und Kaffee von der Reeperbahn kam. Dort war noch reges Treiben (hehe, zweideutig :D), die letzten Besucher torgelten nach Hause. Wir warteten. Dann rollten langsam andere Teams an und das Organisationsteam baute die Rampen und Zäune auf. Wir plauderten, scherzten, die Stimmung war gelassen. Die meisten schlichen um unser Auto, debatierten, schossen Fotos und zeigten aufgeregt auf das Grill und die Heizung.

 

"Das Grill ist ja mal geil, da wissen wir, wo wir hinterfahren"

"Und ihr schlaft in DEM Auto? Wie das?"

"Da müsst ihr euch aber wirklich gern haben :D"

"Was ist das für ne Heizung? - DDR? Die Idee ist ja super haha!"

 

Die Resonanz zu unserem hässlichen Entlein war bombe, nur einige waren etwas spektisch, ob wir mit dem Trümmerhaufen überhaupt aus Hamburg rauskommen. Wir konnten es den Leuten nicht verübeln, wir waren ja genauso skeptisch :D

Zwischendrin wollten wir noch einen Kaffee machen. Ich hatte mir extra eine 12V-Kaffeemaschine mit auswaschbarem Filter gekauft und im Firmenwagen im Außendienst reichlich getestet. Leider ging die Maschine nach 10 Minuten aus, da der Zigarettenanzünder geschmolzen ist. Sicherung war noch drin, aber am Anzünder kam keine Spannung. Und wir waren noch nichtmal richtig gestartet...

 

Das restliche Starterfeld bestand aus Autos, die wesentlich teurer, jünger und besser beinander waren. Leider halten sich, meiner Meinung nach, sehr wenige an die inoffizielle Regel, die Autos dürfen nicht mehr als 2500€ wert sein und nicht jünger als 15 Jahre alt sein. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, wo man bspw. einen Touareg, einen Daimler ML-Klasse oder G-Klasse, einen Defender oder einen Gran Cherokee für das Geld bekommt. Zumal die meisten Autos wirklich gut in Schuss waren. Ich fühlte mich mit unseren Auto fast schon deplaziert, mit dem ganzen Rost, dem Eigenbaukram an einem Auto, was in Summe wirklich in keinem guten Zustand war. Trotzdem, oder genau deswegen, stießen wir letztendlich auf viel Sympathie.

 

Wir holten unser Roadbook ab, schossen ein Gruppenfoto und dann ging es auch schon los. Die Teams fuhren nacheinander auf die Bühne, der "Moderator" stellte uns kurz vor und schon wurden wir auf die Reise entlassen.

 

 

Etappe 1: Hamburg - Käseberga

 

Ich machte mir fast in die Hose vor Aufregung. Erst einmal aus der Stadt raus, auf die Autobahn Richtung Dänemark. Autobahnen waren prinzipiell verboten, nur am ersten und letzten Tag durften sie befahren werden. Als wir der Stadt entflohen waren, machten wir kurz Rast und blätterten das Roadbook durch. Es gab jeden Tag eine Routenempfehlung und eine Tagesaufgabe. Tagesaufgabe am Samstag war in Kaseberga in Schweden. Nach einer kurzen Recherche über die Strecke fuhren wir nach Dänemark, dann mit der Fähre von Fynshaven nach Bojden, dann über die Stoerebelt- und Öresundbrücken nach Malmö und dann nach Käsberga. Die Brücken sind zusammen mit 85€ nicht günstig, aber selbst schon fast ein Erlebnis. Die Navigation mit Karte (Navi ist nicht erlaubt gewesen) ruckelte sich langsam ein. Die Strecke war mit 550km nicht ohne und ich war am Ende meine Kräfte. Franke fuhr ein großes Stück der Etappe, schließlich kann ich die Route auch nicht komplett alleine fahren. Die Stimmung im Auto war nicht so doll, ich war kaputt und leider leidet meine Laune auch darunter, zum Leidwesen der allgemeinen Stimmung im Auto. Dazu kamen ein paar, eher harmlose Situationen der Orientierungslosigkeit, die die Stimmung jedoch nicht verbesserten. Gegen 21:30 waren wir in Käseberga, die Tageausgabe klemmten wir uns aufgrund der Müdigkeit und der Finsternis. Wir präparierten das Auto, bauten unser Bett auf und legten uns, nach 40h ohne Schlaf, hin. Die Heizung ließen wir aus, bei -6°C Außentemperatur war die Nacht kein Problem im Schlafschlack.

 

 

Tageskilomter: 1050km

 

 

Etappe 2: Käseberg - Fagersta

 

Wir haben recht lang geschlafen, ich meine, wir sind erst gegen 10 losgefahren. Ich habe geschlafen wie ein Toter, es ist tatsächlich recht gemütlich im Subaru. Es half aber nichts, wir mussten weiter. Leider dauert das morgentliche Ritual, das Auto wieder um zu räumen, recht lange. Kurzer Blick in die Karte - Küstenstraße bis Norrköping, dann weiter ins Innland. Tagesaufgabe ist ein historischer Autofriedhof, den die Teams finden sollten. Etappenziel sollte in der Region um Upsalla liegen. Und los. Wir hatten uns geeinigt, dass Franke vormittags fährt, ich dann nachmittags. Nach der ersten Etappe hatten wir gehofft, dass die nächsten Tage nicht so Stressig werden, aber falsch gedacht. Der Veranstalter warb mit 7500 Gesamt-km, was ca. 500km am Tag bedeutete. Gegen Ende war aber klar, dass nicht stimmen konnte, da wir nach 7500km erst in Estland waren...

Egal. Frohen Mutes eierten wir los. Ohne Kaffe, dafür Jonny Cash im Radio, Sonnenbrillen im Gesicht - entspanntes Dahinrollern. Stimmung war wieder gut, Auto lief wider Erwarten wie ein Bienchen. Nur der kleine 35L Tank fing schon am Vortag an zu nerven. Sicherheitshalber alle 300-350km tanken, wir mussten also mindestens 2mal am Tag volltanken. Ich blätterte das Roadbook durch, übersetzte die Aufgaben und Zusatzchallenges ins Deutsche, das Roadbook ist komplett in englisch verfasst. Dann holte ich die GoPro aus ihrer Tasche und experimentierte herum. Zwischendrin musste ich gelegentlich in die Karte schauen, kurz checken, ob wir noch auf Kurs waren. Der Süden von Schweden ist im Gegensatz zum Norden sehr dicht besiedelt, was stellenweise für Stress sorgte. Nicht der Verkehr, aber die Verkehrsführung bereitete Kopfschmerzen. Autobahn umfahren, ohne Navi durch größere Städte navigieren. Ohne Stadtplan, sondern nur mit der sehr groben Karte, fragen, Schilder lesen und die ausgeschilderten Orte auf der Karte suchen. Baustelle, Katastrophe. Nach der Umleitung dann völliger Orientierungsverlust, weiterfragen, Zeit verlieren...

 

Im Roadbook stand explizit, dass wir früh starten sollten, weil die Etappe recht lang ist. Das hatten wir schonmal vergeigt. Wir sind zu spät gestartet und haben stellenweise recht lang navigiert. Über Mittag sind wir durchgefahren, Franke schmierte auf dem Beifahrersitz dann Toast. Wir sind gut durchgekommen und wollten uns entlang der Strecke ein kleines Nachtlager aufschlagen, den Grill anheizen, gemütlich ein Steak essen, nachdem wir kein richtiges Mittag hatten und dann ins Bett gehen. Wir suchten recht lang eine Stelle zum campen. Es sollte schon etwas in der Zivilisation sein, nicht unbedingt irgendwo auf der Bundestraße oder in einer Waldeinfahrt oder ähnlichem. Gegen 22:00 rollten wir in das kleine Dorf Färna ein. Wir fanden einen kleinen Platz neben einem Pizzaimbiss, mitten im Dorf. Passt. Da es inzwischen -14°C kalt war, dachten wir, wir schauen erst, ob die Heizung geht, dann schmeißen wir das Grill an. Also die Schalter gedrückt. Es war wie in einem Flugzeug, ich fühlte mich jedes mal beim Betätigen der Knöpfe wie ein superwichtiger Filmstar. Der Lüfter ging an, dann setzte die Glühkerze ein und die Drehzahl des Lüfters ging aufgrund des hohen Glühstromes etwas in die Knie und wir warteten. Nach ca. 10 Sekunden müsste man ein Röhren, gefolgt vom sonoren Fauchen der Heizung hören. Das Röhren signalisiert das Zünden, das Fauchen den störungsfreien Betrieb der Heizung. Es blieb aber beides aus. Was ist denn da los? Auf unserem Prüfstand ging sie jedes mal ohne Probleme an. Abgesoffen? Luftblase in der Benzinleitung? Wir bauten die Holzkiste herunter, unter der die Heizung schlummerte und ich ging an die Fehlersuche. Die Finger waren bereits eisekalt nach dem herumgefingere mit dem Spanngurt. Ich fande keinen Fehler. Benzin ist da, Luft ist da, Hitze von der Glühkerze ist da. Was nun? Herumdoktern. Neue Glühkerze ausprobieren, dazu die andere Kiste vom Dach räumen, dabei die Finger noch mehr auskühlen. Dann in der Kiste im Dunkeln, spärlich beleuchtet durch die Handykamera die Ersatzteile durchwühlen. Mit neuer Glühkerze probiert; ging nicht. Is es eventuell zu kalt? Brennkammer vorwärmen? Mit einer Lötlampe versuchte ich die Brennkammer zu erhitzen. Es half nichts, die Heizung hatte uns im Stich gelassen. Die Stimmung war komplett am Ende. Was jetzt? Hotel suchen?! Halb 11, mitten in einem schwedischen, winzligen Dorf? No way. In dem Dorf war ein Spa, doch da war niemand. Ich fragte in der Whatsapp-gruppe der Rallye, als erster Tipp bekam ich zu lesen "Wie wärs denn mit booking.com?" Für solche Tipps hatte ich keine Nerven. Google angeschmissen, Hotels gesucht, es gab kaum welche. Ich fing oben beim ersten Ergebnis an zu telefonieren. Es nahm niemand ab, genau wie beim 2. und 3. Hotel. Auto die ganze Nacht laufen lassen und im Auto schlafen? Der kleine Benziner ist nach 2-3h eisekalt. Die Stimmung war am absoluten Tiefpunkt. Ein Rallyeteilnehmer meinte, in seiner Unterkunft wäre noch ein Zimmer frei, er würde uns die Schlüssel holen, doch es waren noch über eine Stunde fahrt bis dahin. Ich versuchte weiter ein Hotel zu organisieren. Ich erwischte einen Hotelier, der am Telefon etwas verschlafen klang. "Do you speak english" - "Yes". Perfekt. Er hatte ein Zweibettzimmer frei. Jackpot. Für 115€. Tja, was will man machen, ich habe ihn auf 100€ gehandelt und sind in Richtung Fagersta gestartet. Ich war stinksauer. Sauer, dass ich vor der Reise die Heizung so lange geschraubt und getestet hatte. Sauer, dass es nichts geholfen hat. Sauer, dass wir für 100€ ein Hotel buchten, in dem wir nur ein paar Stunden schlafen würden und sauer, dass wir auch noch 30 Minuten fahrt vor uns hatten. Ich war emotional etwas aufgewühlt, wir brauchten dadurch nur 20 Minuten bis zum Hotel und waren gegen 11 dort. Franke gestand mir ein paar Tage später, dass er Angst neben mir hatte, als ich wie vom Teufel besessen durch die vereiste Nacht preschte :D Zugegebenermaßen hab ich den Motor des Subarus bis aufs letzte "ausgeschält" und bin allerletzte Rille gefahren. Im Nachhinein betrachtet schon ziemlich leichtsinnig...

 

 

Das Hotel war dem Preis entsprechend, das Zimmer war echt erste Sahne. Warm duschen, noch mehr Toast essen, weil grillen fiel aus, dann schlafen. Nach 8h Schlaf war die Nacht vorbei, alles wieder zusammenpacken, bezahlen, frühstücken (ein Top Frühstück mit Eiern und Speck) und abreisen.

 

Tageskilomter: 690

 

 

Etappe 3: Fagersta - Vilhelmina

 

Tagesziel war Vilhelmina. Der Veranstalter versprach warmes Essen, etwas Party und dann ein warmes Bett in einem Hotel. Beim ersten Check der Karte wurde klar, dass wir an dem Tag viel zu fahren hatten. Glücklicherweise wurde die Navigation einfacher, wir mussten nur die Fernverkehrsstraße E45 erreichen und dann ohne größere Umwege ans Ziel fahren. An dem Tag war leider auch landschaftlich nicht viel los, die Straßen wurden monoton und langsam eisig. Auch die Schneemengen wuchsen von Kilometer zu Kilometer, sodass wir in Vilhelmina doch schon recht glatte Straßen und viel Schnee zu verbuchen hatten. Sehr coole Sache, deswegen fuhren wir die Rallye auch im Winter!

Wir hatten das Ziel, nach dem Abendessen noch 2 kleine Defekte in den Griff zu bekommen. Zum einen war die Heizung kritisch, die MUSSTE am nächsten Tag wieder laufen. Zum anderen funktionierte die Wischwasserpumpe nicht mehr. Wir beeilten uns also, fuhren die 11h ohne Pause (nur Tankstops) durch und kamen am frühen Abend am Hotel an.

Wir aßen zusammen, danach schlichen wir uns heraus, wo wir uns frisch ans Werk machten. Franke hatte mit der Heizung nicht viel am Hut, sodass mir die Aufgabe zuviel. Er hingegen ging mit der Fehlersuche der Wischwasserpumpe ans Werk. Nach 5 Minuten sah es um das Auto aus wie auf einer Explosionszeichnung. Überall Kisten, Werkzeug, Brenner, Handschuhe, Deckel von wiederum anderen Kisten, dazwischen Bierflaschen. Die anderen Rallyeteilnehmer beteiligten sich rege an dem Spektakel. Die einen fragten nur, andere boten Hilfe an, wieder andere heiterten die Stimmung mit Geschichten und Witzeleien auf. Es war wieder eine sehr entspannte Stimmung. Nur die Heizung trübte die Stimmung und glänzte mit Funktionslosigkeit. Egal, was wir probierten, sie zündete nicht. Ich baute die Benzinpumpe auseinander, andere Rallyeteilnehmer lämpelten hilfreich mit ihren Smartphones, sodass ich sogar sehen konnte, was ich tat. Die Pumpe funktionierte tadellos. Dann Benzinschlauch entlüften. War eventuell die Einsrpitzdüse defekt? Demontiert, genau wie das Mischrohr. Alles mit dem Brenner erhitzt und durchgeblasen, vllt saß irgendwo ein gefrorener Wassertropfen fest, der die Benzinzufuhr blockierte?! Es war nichts auffälliges. Mittlerweile hielt Franke triumphierend den Schalter für die Wischwasserpumpe in die Höhe, den er als Urheber unsere Sichtblockade und für das notdürftige herumwischen auf der Frontscheibe mit Schnee ausgemacht hatte. Tja, wir hatten aber keinen Ersatzschalter. "Du hattest doch den Kompressor für die Drucklufthupen ausgebaut, war dieser Schalter dafür zuständig?" - Fingerzeig aufs Amaturenbrett - "Jo, den kannste nehm." Er klemmte die Kabel um und schon ging die Pumpe wieder.

Leider stande ich mittlerweile ziemlich hilflos auf dem Dachkorb und bekam die Heizung nicht ans laufen. Benzin war da, das roch man ziemlich deutlich aus dem Gebläse. Die Glühkerze glühte auch. Selbst mit vorgewärmter Brennkammer tat sich nichts. Die Mitstreiter, die sich mittlerweile um den Subaru versammelt hatten, fieberten heimlich mit. Doch ich gab auf. Ich wusste einfach nicht mehr weiter. Das Gebläse, die Pumpe und die Glühkerze versuchten nun schon seit 10Minuten Dauerlauf, meine Erwartungen zu erfüllen, doch sie schaffte nicht, das eingespritze Benzin zu zünden. Frustrierend schaltete ich erst die Glühkerze, dann die Benzinpumpe und danach den Lüfter aus. Der Lüfter drosselte seine Geschwindigkeit und ich überlegte, wie wir das mit dem Schlafen im Auto in den nächsten Tagen wohl machen. Kurz bevor der Lüfter zum absoluten Stillstand kam, gab es ein leises Röhren. HM?! Was war das? Hat dieses Scheißteil gerade gezündet? Schnell den Lüfter wieder an, der Lüfter beschleunigte wieder, es wurde ein Fauchen hörbar. EIN WUNDER!!! Schnell die Benzinpumpe wieder an, danach die Glühkerze, jetzt bloß nicht ausgehen!!! Ein leichtes Gemurmel in der Gruppe, überglückliche Gesichter unsererseits. Sie lief. Warum auch immer. Egal, sie lief. Stabil brummte sie vor sich hin, als wäre nie etwas gewesen. Und sie fing an zu qualmen. Das qualmen wurde stärker und stärker, bis nach 3 Minuten der gesamte Platz mit einem dunkelgrauen, übelriechenden Qualm eingedeckt war. Wahrscheinlich ist durch das ganze Testen und Herumprobieren die Brennkammer voll Benzin gelaufen und nun lief sie viel zu fett. Nach bangen 5 Minuten war der Qualm abgezogen und die Zuschauer näherten sich langsam der lauten Merkwürdigkeit auf unserem Dach.

 

 

"Geil, das ist ja richtig warm"

"Schau mal, die Brennkammer glüht ja sogar hellrot, da ist ja richtig Dampf da!"

 

Tja, Freunde, schon krass, was eine 40 Jahre DDR-Heizung so drauf hat (wenns sie denn geht...) :D

Für diese Aktion und die imposante Vorführung gab es wieder viel Zuspruch. Die verrückten Sachsen mit ihren wilden Konglomerat wissen scheinbar, was sie tun :D

Wir tranken noch ein Bier, packten unsere Explosionszeichnung wieder ein und gingen schlafen.

 

 

Tageskilometer: 760

 

 

Etappe 4: Vilhelmina - Bodö

 

Könnt ihr euch an das Gefühl errinnern, als Kind am Geburtstagsmorgen aufzuwachen und voller freudiger Erwartung zum "Geschenkespot" zu laufen? So bin ich am nächsten Tag aufgestanden. Ganz aufgehibbelt. Schnell zusammenpacken, schnell auschecken schnell auf die Piste! Warum denn so eilig? Tja, es ging vorerst zum im Roadbook erwähnten Ice Track. ICE TRACK! GEIL! Ein zugefrorener See, auf dem ein Rundkurs geschoben wurde. Nur für uns. Ich konnte es kaum erwarten!

Der Track war von 08:00 bis 10:00 für uns geöffnet, wir waren natürlich Punkt 08:00 da. Wir ließen den Motor noch ein paar Minuten laufen und bauten währenddessen das Grill von der Anhängerkupplung. Das Wetter war perfekt, wolkenfreier Sonnenschein, Eiseskälte. Nach einer kurzen Einweisung wurden wir auf die Strecke entlassen. Die erste Runde war zum eingewöhnen, der Motor wollte auch noch etwas auf Temperatur kommen. Die Eisfläche war spiegelglatt, der Schneestaub wirbelte beim fahren auf und glitzerte in der Sonne. Einfach nur fantastisch!

 

Durch diverse Übungen auf Parkplätzen, Gewerbegebieten und anderen Flächen wusste ich vorher schon recht gut, wie sich der Subaru auf glatten Flächen verhält und hatte natürlich den Grenzbereich ausgelotet. Ich war also entsprechend vorbereitet, als ich in der ersten Kurve der 2. Runde das Heck aufschaukelte und den Subaru gekonnt ums Eck warf. Zugegebenermaßen war etwas "Show" dabei, schnell waren wir auf keinen Fall :D Aber es ging auf dem Track nicht um Geschwindigkeit oder Platzierungen, jeder fuhr sowieso wie es am meisten Spaß machte. Kurzum, wir hatten einen Riesengaudi und die Zuschauer lobten uns für die aktionreichen Drifteinlagen. Nur die 150kg auf dem Dach und sicher nochmal 50kg im Kofferraum sorgten für ein wirklich unbalanciertes Auto mit merkwürdigen Driftverhalten. Dazu fehlt dem Motor einfach die Musik, die Räder mal richtig drehen zu lassen.

 

 

 

 

 

 

Gegen 9:30 fuhren wir weiter, wir wollten unser Ziel, die Hafenstadt Bodö, am frühen Abend erreichen. Also tankten wir noch einmal voll und fuhren Richtung Norden. Die Landschaft wurde bergiger, die Ausblicke waren sagenhaft! Zivilisation gibts kaum noch, das Fahren war sehr entspannt. Die Straßen bestanden eher aus angerauhten Eisflächen als aus Asphalt. Trotzdem lässt es sich gut fahren und man kann mit 110-120km/h dahinrollen. Autos sind auch so gut wie keine unterwegs.

Auf der halben Strecke überquerten wir den Polarkreis, ein kleines Erfolgserlebnis! Direkt am "Checkpoint" waren auch einige Asiaten zugange, die dort ihre vermummten Hybridautos testeten und dort am Checkpoint Rast machten. Sie hatten als kleine Mutprobe die Aufgabe, in Unterhosen in einen Schneehaufen zu springen. Wir beobachteten das Geschehen distanziert, mussten uns aber darüber amüsieren, wie sich die Leute zerissen vor lachen.

 

"You're next!"

"No, thanks :D "

"HAHAHAHA Okay :D :D :D"

 

Wir wollten weiter, wir hatten noch ein paar Meter zu machen. An der schwedisch-norwegischen Grenze stand nur ein Häuschen. Wenn man etwas zu verzollen hatte, sollte man anhalten, wenn nicht, kann man durchfahren. Man darf also selbst frei entscheiden, ob man die Dinge verzollen möchte. Komisch, aber die Vertrauensbasis scheint in Skandinavien sowieso eine ganz andere zu sein als im Rest der Welt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gegen Abend erreichten wir den Fährhafen, Zeit für unser zweites Highlight des Tages. Eine Dose SURSTÖMMING. Für jeden, der es nicht kennt: Es ist fermentierter Hering in der Dose. Die meisten essen ihn nicht, sonder öffnen ihn feierlich und freuen sich am bestialischen Gestank, der nicht von dieser Welt zu sein scheint. Wir haben ein kleines Video gemacht, seht selbst:

 

 

 

Ich hab das Video sicherlich schon 20 mal gesehen, aber mir kommen immernoch Tränen vor Lachen :D

 

Danach fuhren wir in die Warteschlange, wir haben in weiser Vorraussicht die Dose etwas auserhalb des Hafengeländes geöffnet.

Die Fähre legte 02:15 in der Nacht ab, wir hatten also Zeit. Also nutzten wir die Zeit sinnvoll und heizten das Grill ein. In der Rallye-Whatsappgruppe startete ich am Nachmittag einen Aufruf. Wir grillen. Jeder, der mitmachen möchte, muss nur etwas Grillgut für sich besorgen und an die Fähre kommen. Letztlich standen jede Menge Leute um das Grill, das Grill selbst fungierte als Magnet. Die Stimmung war bombe, das Grill war pausenlos voll besetzt. Wie das dann immer so ist, kamen dann ein paar Leute mit Bier, andere bauten Tische und Benzinkocher auf und spendierten Glühwein. Wieder andere hatten sich beim hungrigen shoppen von Grillmaterial verschätzt und teilten mit denjenigen, die nichts hatten. Es war super, das Grill sorgte letztenendes für einen tollen, lebendigen Abend. Dass es so gut ankommt, hatte ich nicht vermutet. Wir gingen zeitnah ins Bett, ich hatte schon spürbar einen sitzen :D

Wir schliefen wie die Toten, plötzlich riss mich ein Klopfen aus dem Schlaf. Was war das? Was jetzt los? Völlig verstrahlt blinzelte ich auf die Uhr. 1:15. Draußen war hektische Gewühle zu hören. Ich öffnete die Tür und erstarrte. Die Fähre war schon da, alle liefen herum, packten ihr Zeug zusammen und fuhren Richtung Fähre. Und wir glotzten ziemlich blöd aus den Schlafsäcken mit der Gewissheit, dass wir ja recht lange herumräumen müssen, um überhaupt fahren zu können.

 

"Los, raus! Du baust die Alufoliendinger und das Funkding runter, ich räum das Gelumbe weg und bau das Dings zusammen" - Für Wortfindung war keine Zeit.

Hektik. Draußen stande noch das Grillzeugs in der Botanik herum, die anderen Teams packten es freundlicherweise erstmal mit ein. Nach wirklich hektischen 5 Minuten nach unserem Kaltstart saßen wir im Auto und rollten Richtung fähre. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich garnicht mal so fit war. Es fühlte sich an, als würde eine Gehirnhälfte schlafen, die andere hatte komplett Plattenschluss...

Lustig war aber, dass wir fast ganz vorne in der Schlange standen und mit unserem Gewühle und Gefummel den kompletten Verkehr aufhielten :D So schlimm war das nicht, schließlich wurden die andere Teams genauso hässlich geweckt und hatten mit sich selbst zu tun.

Wir stiegen aus, schleppten unseren tonnenschweren Glieder und noch schwereren Köpfe die steile Treppe der Fähre hinauf und suchten einen Schlafplatz. Die Fähre sollte gegen 6:30 anlegen, also konnten wir noch einige Stunden schlafen. Wir fanden superbequeme Sessel und schliefen weiter.

 

Plötzlich war eine Vibration zu spüren, aus den blinzelnden Augen sah ich schonwieder Hektik. Leute liefen herum wie kopflose Hühner, packten wild ihr Nachtlager ein. Durch die Fenster waren Lichter zu sehen. Die Fähre hatte angelegt. Herrgott nochmal! Und wir müssen uns wieder so beeilen! Wir liefen nach unten, wo wir dann merkten, dass es Fehlalarm war. Es war nur ein Zwischenstopp zum Laden. Das war 2h nach Ablegen.

Cool. Danke! :D

Nach weiteren Stunden auf den Sitzen legten wir dann wirklich an. Die Sonne ging gerade über den Lofoten auf. Es war ein atemberaubender Anblick, den ich euch leider nicht zeigen kann, weil im Dunkeln die Kameras keine ordentlichen Bilder liefern.

 

Tageskilometer: 520

 

 

Etappe 5: Bodö - Narvig

 

Wir verabredeten uns mit 3 weiteren Teams, die ab diesem Tag den kompletten Trip noch verbesserten. Team WildEast mit Mario und Franzi, Team Sisu mit Thomas und Annika und Team Woldo, naja mit Woldo eben. Kolonne fahren bietet sich ja an, es macht einfach mehr Spaß. Vorallem, wenn man sich in der Gruppe sehr gut versteht. So gondelten wir los Richtung Narvig. Die Staßen über die Lofoten ist sehr abwechslungsreich und bieten einen traumhaften Ausblick. Nur der schwache Motor trübte unseren Spaß etwas. Die Berge mussten wir immer herunterschalten, über die Kuppe dann wieder hoch, bis der nächste Anstieg kam. Ich hatte damit nicht sooo das Problem, doch Franke ging das schon auf den Keks. An einigen Spots hielten wir an, um Fotos zu machen. Das reisen in unserer Truppe war entspannt, das gefiel mir sehr gut. Es entschleunigte und so fühlt es sich auch eher nach Urlaub an. Am Nachmittag machten wir rast an einer Tankstelle (in der wir einen Zigarettenanzünder mit unversalklemmen kauften YEEAAARRR Kaffeemaschine wurde wieder in Betrieb genommen) und dachten darüber nach, wie wir das mit dem Übernachten wohl machen. Wir waren flexibel und die anderen wollten schauen, ob wir eventuell einen Campingplatz ansteuern konnten. Es war ein Campingplatz ein Stück "über" Navig, also steuerten wir den an. Auf dem Campingplatz gab es Blockhütten, in denen je 4 Leute schlafen konnten. Eine Hütte kostete um die 80 Euro, also 20Euro pro Person. Wir grillten Abends und gingen zeitig ins Bett.

 

 

Tageskilometer: 610

 

 

Etappe 6: Narvig - Nordkap

 

Wir kamen durch diverse Dinge leider erst gegen 11:00 vom Zeltplatz los. Unser Tagesziel war Honnigsvag, ein kleiner Ort 30km vor dem Norkap. Team Sisu wollte in Alta dann abbiegen, das Nordkap aus lassen und einen Tag länger durch Russland fahren. Wir wollten unbedingt ans Nordkap, also trennten sich unsere wege für 2 Tage. An dem Tag gab es nicht viel aufregendes zu berichten, nur die Landschaft war phenomenal. Deshalb lasse ich lieber Bilder sprechen :)

 

 

 

 

 

 

 

Gegen Abend brach dann etwas Stress aus. Wir hatten eine Unterkunft in Honnigsvag gebucht. So weit, so gut, doch hatten wir bis dahin noch einen ganzschönen Ritt vor uns, und es war schon Nachmittag. Wir gaben also gegen Abend richtig gas. Die Strecke von Alta nordwärts ist kurvig, gut ausgebaut und wenig befahren, also glühten wir förmlich die Strecke hoch. Spaßfaktor (für uns) war die vereiste Piste mit dem Schnee+Seitenwind. Wirklich abenteuerlich! Der gigantische Suburban wankte, schaukelte und rollte vor uns in die Kurven, am Scheitelpunkt dann kurze Finsternis beim Herausbeschleunigen. Es war sowieso ziemlich dunkel nachts, aber wenn der 6,4L Saugdiesel einen Arschtritt bekam, quittierte er es zusätzlich mit einer infernalen Rußwolke. Dieselaffäre? Nicht mit uns :D

Wir hinterher. Franke hatte den Angstgriff schon fast abmontiert, ihm ist die Grenzgängerei nichts. Musser durch. Hart anbremsen bis das Auto leicht "weich" wurde, nen Gang runterschalten, Bremse auf und rein in die Kurve. Dabei leichter Seitenversatz, da die 9 Jahre alten Kleber kaum mehr Grip hatten. Im Scheitelpunkt dann voll auf den Pin, dem nervösen Heck etwas kontern, dann den Gang ausdrehen und hochschalten. Das war wirklich Fahrspaß. Obwohl wir in einer vollbepackten Sämpfte fuhren...

Ein kleines Highlight war noch der Tunnel, der über 200m UNTER dem Meeresspiegel lag. Auf den ersten Metern fühlt es sich an wie ein normaler Tunnel, doch dann knickt die Straße nach unten ab und man fährt sicher 5Minuten in dem Tunnel straff bergab. Dann kommt die Senke, dann gehts wieder steil bergauf. Ach herrje, und das mit gefühlten 50PS. Da der Suburban zwar kein Problem mit Drehmoment hatte, doch durch das hohe Gewicht auch keine Rennmaschine war, bretterten wir mit 130 Sachen durch die Senke. Der Schwung half. Nicht viel, aber wenig. Während die dunkle Rußwolke vor uns langsam davon zog, ging der Subarumotor in die Knie. Bei 3200U/min runterschalten in den 4. Gang auf 3700U/min. Nach wenigen Sekunden waren wir bei 3400U/min, diesemal schaltete ich noch früher. im 3. Gang bei fast 4000U/min hielt der Subaru die Geschwindigkeit. Fast. Er wurde trotzdem langsamer. Mit 60km/h quälten wir uns nach einer gefühlten Ewigkeit aus dem Tunnel.

Draußen war wieder das super Panorama. Also quälte ich den Subaru wieder auf 110 und wir glühten die Küstenstraße hoch bis zum Hotel. 21:30 waren wir in der Unterkunft. Dort aßen wir noch nen Teller Dosenravioli (Hmmmm etwas für richtige Feinschmecker) und gingen zu Bett.

 

 

Tageskilometer: 510

 

 

Etappe 7: Honnigsvag - Nordkap - Ivalo

 

 

Es stande ein Highlight der Extraklasse bevor: Der nördlichste Punkt Europas und außerdem grob Halbzeit unserer Reise. Wir starteten 30km südlich des Nordkaps in den Tag. Wir konnten uns Zeit lassen, denn der Konvoi zum Nordkap startete erst 11 Uhr. Im Winter werden die letzten 13km zum Kap für die Besucher aufgrund von Schneeverwehungen gesperrt. Es besteht nur die Möglichkeit, sich in den festen Zeiten am Konvoi anzustellen und so zum Kap zu fahren. Ganz vorne fährt ein - für deutsche Verhältnisse- gigantonomischer Schneepflug, dahinter, dicht an dicht die Besucher mit Warnblinke. Da fast alle Teilnehmer der BSC an diesem Tag 11:00 ans Kap wollten, war auf dem Parkplatz ein großes Gedränge. Natürlich wurde nach deutscher Manier geparkt wie angeschwemmt. Das gefiel dem Schneepflugmann überhaupt nicht und schimpfte mit feuerroten Kopf durch die Reihen. Der "Parkplatz" war einfach zu klein, sodass sicher 30 Fahrzeuge auf der Straße parken mussten. Das war natürlich kein Problem, weil dort oben fahren so gut wie keine Autos mehr.

Den nächsten Ärger gab es, als sich (zurecht) ängstliche Fahrer mit ihren Autos mit halbem Antriebsstrang (Front- oder Heckantrieb) an große Allrader hingen. Das schleppen auf der Strecke ist strikt untersagt, warum weiß keiner. Vorallem wusste keiner, was passiert, wenn einer mal einen Berg nicht hochkommt und hängen bleibt. Wir hatten das Abschleppseil trotzdem in den Fußraum gelegt, da die Jungens im 32B-Passat vor uns Bedenken angekündigt hatten. Zurecht, sie hatten richtig zu kämpfen, haben es aber letztendlich geschafft.

Landschaftlich ist es dort oben extrem interessant, es sind nur schneeverdeckte Hügel, sonst NICHTS. Keine Pflanze, kein Mensch, kein Baum, kein Tier, nichts. Außer einer Straße mit über 40 wild gewordener Rallyefahrzeuge im Schlepptau eines Schneepfluges.

 

 

Die 13km vergingen wie im Flug. Nach den Etappen der letzten Tage war das auch nur ein Steinwurf. Oben am Norkap stande eine Mautstelle, an der jedes Fahrzeug irrwitzige 50Euro blechen musste. Umdrehen war aufgrund der Konvoiproblematik nicht erlaubt, also blieb nicht viel übrig als zu zahlen. Clever gespielt, Norwegen :D

Oben an der Station angekommen, schmissen wir den Subaru in den Schnee und stapften Richtung Globus. Wir bogen um eine Ecke und dort stande er. Majestätisch stande der Globus an der Klippe, dahinter nur noch Wasser. Wir hatten es geschafft, wir konnten es kaum glauben. Wir waren mit diesem Trümmerhaufen ohne Probleme bis ans Nordkap gefahren. Wir schossen ein paar Bilder, danach stande ich nur an der Klippe und hielt einen kurzen Moment inne.

Man muss sich schon einmal vor Augen führen, was in den letzten Tagen passiert ist, wie weit man gefahren ist und was dieser Ort bedeutet. Es war schon ein bedächtiger Moment.

 

 

Die Station des Nordkaps besteht aus einem Cafe mit Souveniershop (was denn sonst...) und einem kleinen Museum. Ich schlenderte durch das Gebäude und nahm mir einige Mitbringsel mit. Punkt 13:00 ging es dann wieder zurück zum Parkplatz, von dort aus wieder Richtung Olderfjord. Von dort fuhren wir auf der E6 Richtung Karasjok, dort über die Grenze nach Finnland und dann nach Ivalo. Dort wollten wir uns einen Campingplatz suchen, oder nach Bedarf im Auto schlafen.

 

 

In Ivalo war ein Campingplatz, doch dort ging niemand als Telefon. Wir fuhren einfach dort hin und wollten Fragen. Doch an der angegebenen Adresse war nur eine Tankstelle. Wir tankten und fragten nach dem Campingplatz. "Here it is". Die Tankstelle war wie eine kleine Kneipe und Rezeption. Leider war keine Hütte mehr frei, aber wir durften gegen einen kleinen Obulus die sanitären Anlagen nutzen und auf dem Parkplatz unser Nachtlager aufschlagen. Wir aßen in der kleinen, wirklich supergemütlichen Kneipe noch einen Kebab (wie Dönerfleisch) mit Pommes und bauten anschließend unser Auto um. Es war wirklich frostelig geworden. Als wir uns hinlegten, waren weniger als -20°C. Kein Thema, die Heizung funktionierte ja. Wir zogen uns aus, gruben uns in die Schlafsäcke und sagten uns gute Nacht. Nach 5Minuten keimte eine Frage in mir:

 

"Haben wir die Heizung getankt?"

 

Ach maaaaaaaaaaaaaannnnnnn, die Heizung lief schon wie sie sollte (sprang auch ohne Probleme an) und wir waren kaputt. Es half aber alles nichts, wir mussten nochmal raus und die Heizung tanken. Schon beim Lösen der spanngurte froren unsere Finger fast ab, es war wirklich knackig kalt. Wir tankten die Heizung und legten uns wieder hin. Nebenan nagelte blubbernd der Diesel-V8. Die beiden im Suburban hatten keine extra Heizung, also ließen sie den Motor über Nacht laufen. Wir hatten so unsere Zweifel, dass der Diesel nicht einfach auskühlt und der Innenraum eisekalt wird.

Egal, wir hatten andere Probleme. Die Heizung lief wieder und es wurde warm im Auto. Franke schlief schon, ich hörte auf Geräusche der Heizung. Unbegründet, die lief wie ein Uhrwerk. Es wurde angenehm warm, dann kuschelig warm, dann schon stickig warm, dann unerträglich heiß. Da der Auslass der Warmluft in Fußnähe lag, musste ich nach 15 Min die Beine einziehen, weil ich Angst hatte, der Schlafschlack könnte schmelzen. Nach weiteren 5 Minuten war es nicht mehr auszuhalten. Es waren sicher 45°C im Auto, es nahm einem fast die Luft zum atmen. Ich schaltete die Heizung aus und schlief ein. Irgendwann nachts wachte ich auf. Innen im Auto war alles gefroren, wir waren kurz davor. Der Atem war gut sichtbar und im Auto hingen Eiszapfen.

Also startete ich die Heizung. Nach 10 Sekunden glühen fing das sonore fauchen an und es wurde wieder angenehm warm. Dann wieder drückend heiß. Was nun? Wieder ausmachen und frieren wie die Schweine? Anlassen und verbrennen? Aber für den Inschenör ist nichts zu schwör. Ich öffnete die hintere Tür und regulierte die Temperatur über den Türspalt. Nach ein paar minuten hatte ich herausgefunden, dass ein 10cm Spalt für eine wohlige Temperatur sorgte. Also schliefen wir bei -24°C mit offener Tür und es war trotzem angenehm im Auto. Es war traumhaft. Von draußen zog die sauberste Luft ins Auto, die man sich vorstellen kann, dazu eiskalt und voller Sauerstoff. Der im Schlafsack eingepackte Körper ist wohlig warm, nebenan stampfte der Dieselsaurier ruhig vor sich hin. Ein wirklich friedlicher Moment.

Im nächsten Augenblick klingelte der Wecker.

 

 

Tageskilometer: 485

 

 

Etappe 8: Ivalo - Oulu

 

Wir hatten letztendlich gut geschlafen. Franke sowieso, er hatte Ohrstöpsel im Gehirn und bekommt auch so beim Schlafen nichts mit. Team Wild East hatte bitterlich gefroren, weil der kleine Motor des Suburban auskühlte und somit der Innenraum fast auf Außentemperatur auskühlte. Entsprechend sahen die beiden auch etwas zerstört aus.

Für die Morgentoilette mussten wir ca. 50m Meter laufen. Die paar Meter waren bei der Temperatur am Morgen kein Geschenk, ich verzichtete auf das Duschen, zog mich nur an, putzte Zähne und war ready for Takeoff. Wir kauften uns noch einen Kaffee an der Tanke/Kneipe/Rezeption und fuhren Richtung Napapiiri. Dort, am Polarkreis, gibt es den Themenpark Santa-Claus-Village, dort wohnt übrigens der Weihnachtsmann.

Im Santa-Dorf trafen wir das erste und letzte mal auf unserer Route auf Touristen. War klar, das Dorf war wie dafür geschaffen. Attraktionen, Stände, ungefähr 45 Restaurants mit den phantasievollsten Namen und abgefahrensten Gerichten, Gift-shops, Bungalowsiedlungen und alles, was man sonst so nicht braucht. Wir schlenderten durch das Dorf, waren von der Preisgestaltung entsetzt, gingen quer über die Straße und aßen in einer Tankstelle Kebak mit Salat und Pommes. Dort machten wir noch folgenden Schnappschuss:

 

 

Danach fuhren wir weiter. Recht emotionslos erreichten wir Oulu, wo Mario ein kleines Häuschen für eine Nacht gebucht hatte. Die kleine Siedlung lag genau an der finnischen Ostsee, man musste nur 30m bis zum Strand laufen. Wir stopften uns ne Dose Ravioli in die Figur und ich wollte mal an die See. Also ging ich alleine los. Ich musste die Umzäunung der Siedlung überwinden. Nichts leichter als das, ich wollte mich formschön über den Zaun schwingen. Da ich keine 16 mehr bin, und außerdem die Riegel des Zaunes vereist waren, schnappte ich ab und knallte auf eine Zaunslatte, die sich in das rechte Schienbein rammte. Ziemlich formunschön kippte ich über den Zaun, fing mich aber glücklicherweise mit dem Gesicht ab. Soweit, sogut. Das Bein blutete, der Kopf brummte aber ich war über den Zaun. Ich humpelte zum Strand. Nach der Zaun-Malörität wollte ich nicht umdrehen, nur weil ich kaum laufen konnte...

Am Strand war ein Aussichtsgebäude mit einer Treppe. Es waren vllt 25 Stufen in Reihe. Auf den ersten Stufen merkte ich, dass die Stufen verschneit und vereist waren. Es waren keine richtigen Stufen mehr, sonder eher kleine Rampen auf jeder Stufe. Ich hoffte nicht zu stürzen.

Ich kam ohne Probleme oben an und wurde mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Die See war komplett zugefroren. Die weiße, spiegelglatte Fläche vor mir war so gigantisch, dass man sogar die Erdkrümmung erahnen konnte. Es war totenstille. Ich verweilte eine halbe Stunde und drehte wieder um. An der oberen Treppenkante ahnte ich schon schlimmes. Ich trat auf die erste Stufe, wollte gerade den Handlauf greifen, da flogen förmlich meine Beine davon und war plötzlich ziemlich schnell auf dem Weg nach unten. Es war kein Grip da. Ich stotterte die Treppen hinab, war aber noch nicht vorn oder hinten übergekippt. Der Handlauf war genauso vereist wie die Stufen, außerdem bekam ich ihn kaum gegriffen durch das Geklapper über die Treppenstufen. Hoffentlich tu ich mir jetzt noch richtig weh...

Auf der halben Treppe fing ich mich, halb auf dem Rücken liegend, die linke Hand um den Handlauf geknödelt, die rechte war irgendwie unter mir. Ich hielt kurz inne. Ich hatte überlebt. Und außer meiner Einbußen des Zaun-Massakers hatte ich keine weiten Blessuren davongetragen. Ich humpelte wieder zurück und hatte schon so meine Bedenken, wie ich wieder über den Zaun kam. Zumal ja jetzt fortgeschrittene Schwierigkeit bestand, da am Zaun auf der Außenseite keine Längsriegel angebracht waren. Scheiße, was mach ich denn jetzt?

Ich schaute mich am Zaun um und erspäte 20m meiner Absturzstelle in der Ecke des Geländes ein Tor. Prima, Tobner. Gut gemacht. Ich hatte das Tor vorher nicht gesehen, da in der Ecke des Geländes noch ein Haus stande. Man hätte evtl. auch mal einen Meter laufen können, um zu schauen, aber ein echter Kerl geht lieber die Gefahr ein, sich das Genick zu brechen, während er über einen Zaun klettert.

Ich wollte nicht noch einmal über den Zaun, sonder entschloss mich, einfach durch das Tor hindurch zu gehen. In der Hütte erzählte ich den Leuten von meiner Nahtod-Erfahrung, da meinte Franke:

 

"Ja, ne Minute nachdem du losgestiefelt bist, hab ich nen dumpfen Knall gehört. Das war dein Schienbein?"

"Ja."

"Trottel. :D "

 

Wir gingen ins Bett und schliefen sofort ein.

 

Tageskilometer: 530

 

 

Etappe 9: Oulu - Ladogasee

 

Als ich meinen grazilen Körper aus dem Bett bewegte und auftrat, knickte sofort das rechte Bein ein. Aua... Da war ja was. Das Schienbein sah kunstvoll aus. Um den dunklen Grind schimmerte jede Farbe der Natur. Blau, Grünlich, Rot, Violett. Die Farbverläufe habe ich auch gut getroffen. Jetzt war ich also ein Hinkebein.

Wir packten die Autos und fuhren los. Heute stande der Grenzübertritt nach Russland an. Eine heikle Angelegenheit. Wir waren also den ganzen Tag fürchterlich aufgeregt. Von Oulu bis Kaurila an der Grenze waren es etwas über 450km, also fuhren wir einfach ohne Umwege und ohne Schickimicki direkt dort hin. Wir wollten den Grenzübertritt so schnell wie möglich hinter uns bringen. Bis dahin passierte auch nicht so viel. Wir fuhren mit 110km/h bis zur Grenze. An der Tankstelle war die Frau hinter der Theke so begeistert vom Subaru, dass sie gleich herausgestürmt kam und Fotos machte. Ein paar Minuten späten kam in der Whatsappgruppe ein Screenshot aus Facebook mit unserem Subaru. Die Krachbummenten hatten wieder einmal für Aufsehen gesorgt.

An der Grenze nach Russland ging dann das Chaos los, was uns die nächsten beiden Tage nicht wieder verließ.

 

Wir fuhren ins Grenzgebiet und sahen schon die ersten Häuschen der Grenzstation. Team Wild East rollte mit der hubraumstarken Ausgeburt des kapitalistischen Feindes an die Grenze, dahinter ein Subaru mit einer Farbgebung, die nur Insassen des anderen Ufers vermuten ließen. Es war niemand da, also stellten wir uns an der ganz rechten Bahn an. Nach 3 Sekunden kam der erste russische Grenzer, gestikulierte wie wild herum und schlug auf das Kennzeichen des Suburban ein. Das Kennzeichen war verreist, ein unzumutbarer Frevel. Außerdem standen wir an der LKW-Schlange. Das gab den ersten Ärger...

Nach der ersten Kontrolle der Pässe durften wir in das eigentliche Grenzgebiet. 50m weiter folgte die nächste Kontrolle, danach kam die richtige Kontrolle. Wir sollten das Auto abstellen und mit ins Grenzhäuschen kommen. Nach der 3. Pass- und Visakontrolle mussten wir einige Zettel ausfüllen. Jeder Fahrer 2 Zettel, jeder Beifahrer einen Zettel.

Die Zettel waren kyrillisch/englisch. Durch 6 Jahre Russischunterricht konnte ich zwar problemlos russisch lesen, ich verstand aber nur Bahnhof. Also füllte ich den Zettel nach besten Wissen und Gewissen aus und gab ihn ab. Der Grenzer schaute kurz drüber und meinte "NJET" Ich fragte warum, er fing an, irgendwelche Kreise und Striche auf den Zettel zu kritzeln und erklärte mir alles ungeduldig auf russisch. Sehr gut, damit war ich wenigstens so schlau wie vorher.

Der zweite versuch scheiterte genauso. Die Grenzer konnten aber auch kein englisch, es machte sich Frust und Verzweiflung breit. Nach ca. einer halben Stunde kam ein Grenzer und fragte in gutem englisch, ob er uns helfen könne. Ich wollte ihn umarmen.

Der Zettel, den wir ausfüllen sollten, war eine Art Importbestätigung des Fahrzeuges. In Russland ist es so, dass wenn man sein Fahrzeug importiert (indem man damit über die Grenze fährt) ist man verpflichtet, das Auto auch wieder zu exportieren. Heißt im Umkehrschluss, wenn man mit 100 an einen Baum fährt, ist man VERPFLICHTET, das zerstörte Wrack irgendwie über die Grenze zu bewegen. In Russland verschrotten ist auch nicht erlaubt.

 

Na Prost Mahlzeit.

 

1600ccm schrieb ich auf den Zettel, es war falsch. Es mussten 1597ccm sein. Bei Serial Number musste die Schlüsselnummer stehen, nicht die FIN. Und so weiter und so weiter. Der Grenzer war sehr nett und half uns Begriffstutzigen den Zettel auszufüllen. Schließlich hatten wir es geschafft den ersten Schein auszufüllen, daraufhin bekamen wir einen winzligen Zettel mit Stempel. Die Bestätigung, dass das Auto legal importiert ist. Wenn man den verliert, bekommt man riesige Probleme bei der Ausreise. Danach kam Zettel Nummer 2. Das war eine Art Fragebogen auf Russisch, den wir englisch beantworten sollen. Der Grenzer übersetzte die Fragen ins englische, wir schrieben die Antworten auf. Reisegrund, Reiseziel, Unterkünfte mit Adressen, Arbeitgeber samt Adresse und Furz und Feierstein mussten wir preisgeben...

 

Danach kontrollierte noch jemand unsere Pässe und wir durften wieder zu den Autos. Es war ausschließlich dem Importeur gestatttet, das KFZ im Grenzbereich zu bewegen. Ich rollte also vor zum Checkpoint, an dem schon 3 weitere Grenzer und ein Drogenhund warteten. Einer tippte Unsanft mit seinem Schlagstock auf Motorhaube, Türen und Heckklappe. Der Befehl zum Öffnen. Jetzt ging mir die Düse, schließlich hatten ich das CB-Funkgerät abgebaut und ganz unten unter der Matraze versteckt. Der Grenzer stocherte aber nur in dem wüsten Haufen aus Klamotten und Essen herum und grub nicht tiefer. Danach ging es zum Fahrzeugheck. Ich hatte vorher im Wörterbuch herausgesucht, was "Heizung" und "Ersatzteile" auf russisch heißen. Er tippte mit dem Schlagstock auf die Holzkiste der Heizung.

 

"Sto eto?" - Was ist das?

"Ottoplenie" - Heizung

 

Er drehte sich emotionslos zu seinem Kollege um, zeigte ihm nen Vogel und sagte amüsiert, leicht spöttisch "Ottoplenie hahaha" Ihm gefiel scheinbar die Umsetzung unsere Idee der Heizung. Russen eben. Er tippte auf den Grill. - "Sto eto?" - "Griill." "Open!" Ich öffnete das Fass und sah ein kleines Funkeln in den Augen des Grenzers. Ich kam trotzdem nicht drum herum, die schwarze Kiste mit den Grillutensilien zu öffnen. Ich öffnete die Kiste, darin waren neben den Grillsachen auch Frankes mit Surstömming kontaminierte Schuhe. Diese hatten leider 2 Tropfen Fischsut abbekommen und waren nicht mehr tragbar. "STO ETO!!!" Ich packte die Schuhe aus, der Grenzer hetzte seinen Hund los. Diesem verging in dem Moment die Lust und er kniff die Rute zwischen seinen Beinen ein. Armes Tier.

Wir packten noch unsere Ersatzteilkiste vom Dach, danach packten wir alles zusammen und durften, nach einer Passkontrolle, weiterfahren.

Nach 50m war noch eine Passkontrolle, langsam fing es an zu nerven, aber wir waren froh, dass wir durch waren. Franke sortierte alles wieder ein. Plötzlich war der Importzettel des Subarus weg. Panik machte sich breit. Wenn der weg ist und wir kommen in eine Kontrolle, wars das. Der Zettel war dann irgendwo in dem Wust aus Zetteln, Pässen, Erklärungen und Tankquittungen wieder aufgetaucht. Gott sei Dank. Wir konzentrierten uns auf die Straßen und den Verkehr.

 

Im Vorfeld habe ich mich über das Autofahren in Russland belesen. Die Kernaussage war immer die gleiche: Die Russen fahren wie die allerletzen Henker, man sollte auf den Fernverkehrsstraßen immer mind. 20km/h schneller fahren, um Ärger zu vermeiden, als Ausländer ist man bei jeder Kontrolle mode und im Falle eines Unfalls hat man automatisch schuld. Demzufolge war ich doch ziemlich nervös, als ich die ersten Meter fuhr. Aber es war garnicht so schlimm. Die Straße Richtung Ladogasee war gut ausgebaut. Es war eine recht breite Spur ohne asphaltiertem Seitenstreifen. Es war eher so, dass der Asphalt einfach an den Rändern aufhört und im Dreck eine 1-2m breite Spur "herausgefahren" war. Warum bekamen wir am nächsten Tag zu spüren.

Wir rollerten also dahin und merkten sehr schnell, dass urplötzlich doch recht große Schlaglöcher auftauchen können. Natürlich ohne Warnhinweis. Das rumpelte schon böse, schließlich ist der Subaru auch eher schlecht gefedert. Also haben wir schnell gelernt vorsichtig zu fahren und dass wenn die Russen ein Schild mit einem abgebildeten Schlagloch aufstellt, man wirklich sachte fahren sollte. Dem ersten Schild "Achtung Schlaglöcher" folgte ein badewannengroßes und sicher 20cm tiefes Loch in der Straße. Das Problem: Die Russen hämmern da trotzdem ohne Rücksicht auf Verluste drüber, als gäbe es keinen Morgen mehr. Dementsprechend wurden wir an den Verwerfungen im Asphalt angehupt oder grob überholt (auch von LKW). Es war stellenweise etwas stressig, aber auszuhalten. Wir rollten dann von der Fernverkehrstraße direkt Richtung See. Dort hörten die "guten" Straßen plötzlich auf. Wir befanden uns in einer Schneise im Wald. Der Untergrund bestand aus Dreck und Sand/Schotter. Es war teilweise ausgewaschen, überfroren oder hatten sonst extrem viele kleine und größere Schlaglöcher. Es war wie ein Feld aus Woks. Manchmal lagen größere Steine rum oder es waren querrillen ausgewaschen. Es war, wie wenn man mit 60km/h über ein Welldach fuhr. Die Dörfer, durch die wir fuhren waren ein Kulturschock. Im Finstern sieht man nicht ungedingt die Umgebung, aber die an den "Straßen" befindlichen Häuser waren eher Bretterhaufen mit Türen und manchmal auch Fenstern. Wenn man durch die Fenster in die beleuchteten Häuser sah, sah man die pure Armut der russischen Landbevölkerung. Kaum Putz an den innenwänden, kaum Tapeten, nur sporadisch mal ein Wandteppich. Völlig abgewohnte Möbel, in jedem 2. Fenster ein uralter Ofen. Krass.

 

Ich kann leider die Atmosphäre nicht in Worte fassen, aber mich hat es regelrecht erschüttert. Aber gleichzeitig auch irgendwie fasziniert. Ich weiß nicht warum, aber ich hätte gern noch mehr gesehen. Nach 80km auf dem Welldach trafen wir auf Team Sisu, die einen Dreher auf einer der Waldstraßen hatten. Es war nichts passiert, nur ein Licht war ausgefallen. Thomas vom Team Sisu hat Russlanderfahrung nach 2 Jahren Leben in St. Petersburg. Außerdem sprach er fließend russisch, sodass wir uns an seinen Rockzipfel hingen und heilfroh waren, ihn wieder bei uns zu haben. Es wirkt stellenweise beängstigend, in Russland umherzufahren ohne einen, der sich mit den Leuten verständigen kann.

Thomas hatte uns einen kleinen Bungalow in einem kleinen Dorf klargemacht.

Als wir dort ankamen erwartete uns eine wohlig warme Hütte. Innen war alles aus Holz, Fußböden, Wände und die Decken. Treppen und Türen. Es roch auch sehr angenehm und wir hatten eine eingebaute Sauna. Wir aßen alle zusammen, Team Wildeast und Team Sisu gingen in die Sauna. Wir gingen Schlafen.

 

 

Tageskilometer: 690

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02.05.2018 21:25    |    AgilaNJOY

Schöner Bericht, sehr unterhaltsam geschrieben!

Bin schon gespannt auf den nächsten Teil...

 

LG

Bernd


02.05.2018 21:41    |    ToledoDriver82

Klasse!!! ...man merkt jetzt schon,ihr hattet viel Spaß....ich kann den nächsten Teil kaum erwarten


03.05.2018 08:18    |    PIPD black

W A H N S I N N !!!!!

Vielen Dank für den ersten Teil des Tourberichts.:)

 

An alle anderen, die die Kommentare lesen, bevor sie den Bericht lesen: UNBEDINGT zuhause lesen. Man fällt im Büro sonst unangenehm auf, wenn man ohne vermeintlichen Anlass laut prustend loslacht.;):D

 

Die Nummer mit dem Zollhund war übrigens für mich der Auslöser dafür. So kann man also Drogen nach RUS schmuggeln. Man muss nur alles mit Stinkefisch kontaminieren.:p


03.05.2018 10:22    |    7D-Fan

WOW!!!

Wahnsinnig guter Bericht - vielen Dank dafür!

 

Bekommt man echt lust sich z.B. nen Golf 4 Variant 4 Motion zu holen, einige Dinge umzubauen und sich ins Abenteuer zu stürzen - sicher ein Erlebnis dass man im Leben nicht mehr vergisst.

 

@PIPD black

Die Warnung kam leider zu spät - bin hier wohl mehreren Kollegen mit spontanen Lachanfällen negativ aufgefallen :D


03.05.2018 10:44    |    PIPD black

Bis zu einem gewissen Punkt, kann man das laute Lachen noch unterdrücken.....aber irgendwann bricht es einfach aus.:D

 

Ich hab mir gerade die Videos gegeben. Leider hab ich hier keinen Ton.....aber die Driftchallenge war ja geil. Auch wenn dem Auto mal die Leistung oder auch die Piste ausgeht.:D

 

Und beim Stinkefisch ist mir aufgefallen, dass euer Fisch noch gar nicht "durch" war. Öffnet man die Dose nicht erst, wenn diese schon fast zu einer Kugel mutiert ist?:confused::cool:


03.05.2018 11:08    |    Tobner

Jaaaa naja in Schweden ist der Fisch ja noch frisch vergammelt. Wenn er dann irgendwann in einem anderen Land ankommt, ist er schon richtig schön am Schimmeln und dann beult es die Dose auch raus. Funfact: So einfach ist der Transport aufgrund der Explosionsgefahr nämlich garnlcht. Ich glaube, in Flugzeugen ist der Transport generell verboten. Man müsste das Flugzeug auch entsorgen, wenn im Innenraum das Zeug breit läuft.

 

Aber es hat auch so gereicht. Kleiner Tipp: Das Surströmming-Video mit Ton anschauen, die Tonspur ist das beste daran. Ich habe mich echt nicht mehr unter Kontrolle gehabt :D


03.05.2018 11:10    |    Tobner

Und das mit dem Driften war halt stellenweise nicht sehr einfach, weil es die Fahrzeugfront durch die Gewichtsverteilung sehr stark nach außen drückte. Man sieht das auch am Kurvenausgang, wie die Schnauze förmlich aus der Kurve fliegt. War aber trotzdem saulustig ;)


03.05.2018 11:56    |    PIPD black

Och das mit dem Driften haste doch Klasse gemacht....und ne Mordsgaudi dabei. Das glaub ich wohl. Und Auslaufzone war ja massig vorhanden.:p

 

Die Schuhe hattet ihr ja beim Grill verstaut. Was habt ihr mit den Handschuhen gemacht? Direkt verbrannt?


03.05.2018 12:20    |    Tobner

Die Handschuhe sind mitsamt der Dose sofort in den Müll geflogen. Alles andere wäre pure Selbstfolter gewesen :D


03.05.2018 12:34    |    PIPD black

Vllt. hätte man so einen kleinen getränkten Fetzen den mitreisenden Auchautoschläfern in nem unbeobachteten Moment mal unterjubeln können.:D


03.05.2018 13:22    |    Tobner

Wir hatten die buntesten Ideen mit dem Surströmming. Von heimlich ins Duchbad kippen bis zum Reinschütten in die Lüftungsgitter des Autos war alles dabei. Das ist aber so fies, dass wir es gelassen haben. Schließlich kann man den Trip auch gleich beenden wenn das Zeug im Lüftungskasten vom Auto angekommen ist :D


03.05.2018 13:31    |    PIPD black

Das wäre auch echt fies gewesen.

Das Zeug ist echt übel.


03.05.2018 19:59    |    ToledoDriver82

Das muss man einfach mal in natura gerochen haben :D


05.05.2018 22:48    |    Teddy-der-Prophet

der bericht ist große klasse....super geschrieben und es macht tatsächlich lust, das ganze selbst mal zu erleben...naja vielleicht verzichte ich lieber auf die körper-gesichts-bremse nach der zaun-aerobik ;)


08.05.2018 08:43    |    DerGroßmeister

Geiler Bericht! Danke für die Ausführlichkeit.

Habe euch auf der Homepage von Baltic Sea etwas verfolgt :-)


09.05.2018 18:22    |    bronx.1965

Endgeile Story! :D

 

Top geschrieben. Habe bei euren Vorbereitungen ja schon mitgelesen.

Ihr habt das super durchgezogen und euer Konstrukt verdient den Oscar für die gelungenste Improvisation! Allein das Ding mit der Standheizung ist es wert. :p

Freue mich auf den nächsten Teil.


09.05.2018 18:45    |    Tobner

Auch, wenn es Improvisiert war: Es hat super funktioniert. Die anderen Teams hatten ihre Standheizungen, die das Kühlwasser der Dieselmotoren aufheizen und dann den Innenraum. Diese Systeme sorgten nicht für genug Wärme im Innenraum, sodass die Truppenteile froren. Wir waren die einzigen, die schwitzten wie die Schweine :D

 

Darüber haben sich die anderen Teams natürlich kaputtgelacht :D Aber wir haben gezeigt, dass man mit Improvisation auch nicht schlecht fährt ;)

 

@Großmeister: Wir haben im offiziellen Stream leider nicht viel gepostet, ich weiß aber auch nicht so richtig warum... Wir waren eher so am fahren und schauen interessiert...


09.05.2018 18:51    |    ToledoDriver82

Eure Lösung war für die Reise die bessere Lösung,mit der Erfahrung dieser Reise kann es beim nächsten Mal nur noch "besser" werden ;) Anpassungen/Verbesserungen gibt es ja immer

 

Zitat:

...Wir waren eher so am fahren und schauen interessiert...

Sollte es nicht genau so sein ;)


14.05.2018 09:30    |    Tobner

Ich will die Tour auch nochmal fahren, stellt sich nur die Frage mit wem, wann und womit...

 

Ich würde sagen: Kommt Zeit, kommt Rat.


09.06.2018 22:30    |    PIPD black

Heute fuhr mir ein Volvo 850 vor die Linse. Mit großen Kasten auf dem Dach und Baltic-Sea-Circle-2018-Sticker auf der Tür. Hatte SE am Kennzeichen.


11.06.2018 19:34    |    Tobner

Ja die Sommer-Edition 2018 startet jetzt irgendwann im Sommer ;)


Deine Antwort auf "Reisebericht Baltic Sea Circle - Teil 1"

Blogautor(en)

Tobner Tobner


Infos zur Person... hmmm mal sehen...

 

Ich bin BJ 92 und vom Beruf Medizintechniker. Damit verdiene ich das Geld, was ich gleich wieder in meinen Fuhrpark investiere :rolleyes:

Ich schraube an so ziemlichen Allem, was Räder oder Ketten hat, sich fortbewegt, oder einfach nur Lärm und Qualm fabriziert. Mein Motto ist dabei: Normal kann jeder.

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