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01.10.2020 13:01    |    Tobner    |    Kommentare (24)

..Ich hatte bei einer Youngtimerausfahrt im Frühsommer 2019 mit dem Audi einen Gutschein für eine komplette Fahrzeugaufbereitung gewonnen. Das spielte mir direkt in die Karten und ich quatschte einen Termin ab. Die Strecke zum Aufbereiter war 85km einfach. Es war Mitte August und es war kochend heiß. Das Kühlerproblem hatte ich ja soweit im Griff, aber trotzdem war mir etwas mulmig zumute. Und wie das meist so ist, bestätigte sich mein Misstrauen, denn in einer Baustelle auf der Autobahn schnappte die Temperaturanzeige direkt durch den roten Bereich hindurch in den Anschlag am Tachogehäuse. Natürlich gab es keinen Standstreifen. Anhalten wäre keine Option, also war Bangen und Schwitzen angesagt. Ich drehte die Heizung voll auf, kurbelte alle Fenster runter und starrte auf die Temperaturanzeige. Leider war es so laut, dass ich auch den Lüfter nicht hören konnte. Bis zum Ende der Baustelle zuckte sich die Nadel nicht einen Millimeter und ich hatte wirklich Panik, dass ich mir den Motor kaputt fahre. Am Ende der Baustelle dann auf die mittlere Spur in den Fahrtwind, etwas beschleunigt und bergab beim rollen lassen fing sich die Temperaturanzeige wieder. Herr im Himmel.

Kuroiserweise lief der Lüfter dann im Stadtverkehr (Freitag nachmittag in der Rush-hour) dann ohne Probleme. Auch die Temperatur war völlig im Rahmen. Vielleicht hat auch die Anzeige kurz gesponnen.

Ne Woche später konnten wir das Auto wieder abholen. Und die Jungens haben echt gute Arbeit geleistet. Das Auto glänzt wie neu und stinkt innen nicht mehr nach Schimmel. Grandios.

 

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Die Heimfahrt ging mit einem Aufsetzen an der Einfahrt gut los. Der Gurt ließ sich nicht herausziehen und es waren 35°C im Schatten. Aber es half nichts, rauf auf die Piste. Die Temperatur im Maschinenraum war im Rahmen, aber in der Fahrgastzelle war es wirklich unangenehm. Ich dachte an eine Klimaanlage :D

Der Lüfter hatte voll zu tun und ging nur selten mal aus. Nach einer Stunde Autobahn rollerte ich noch 35 Minuten über Land und durch die Stadt und der Lüfter lief wirklich die ganze Zeit. Ich denke, das war aber auch der thermische Worst-case.

Zufrieden, dass die Technik funktionierte und das Auto optisch jetzt etwas her machte, stellte ich den E30 in den Garage. Das Auto gefiel mir von Tag zu Tag besser. Dass es mich an den Rand der Verzweiflung bringen sollte, konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen.

 

 

Nachrüstung Stabi

 

Im letzten Artikel berichtete ich über furchtbares Kurvenverhalten des Autos. Es kam auch einiger Input hier im Kommentarbereich (Danke dafür :) ) und es war klar, dass an die HA ein Stabi nachgerüstet werden muss. Ein guter Kumpel hatte noch einen E30 Touring rumstehen. Die Tourings hatten alle serienmäßig an der HA einen 13.5mm Stabi, an der VA einen 20mm Stabi. Meine Limosine hat vorne 18mm, hinten kein Stabi. Ich dachte, es wäre eine gute Idee, beide Stabis vom Schlachter zu ernten und bei mir einzubauen. Kurzum, ich kaufte ihm die Stabis ab, ließ sie pulverbeschichten und baute sie mit neuen Koppelstangen, Gummis und Halteblechen ans Auto. Die Aktion hat mich ca. 250€ gekostet und ging recht schnell von der Hand. Leider kam es am Tag des Einbaus zu keiner ausgiebigen Probefahrt mehr, denn es war spät und bereits dunkel. Ich fuhr nur noch kurz zum Dönerladen und wieder zurück. Das Auto lief grandios.

 

Hier sind mal noch 3 Bilder vom Unterboden.

 

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In den kommenden Tagen habe ich noch ein kleines Problemchen behoben. Die Batterie war alle 3 Tage leer und es stellte sich heraus, dass ich beim Verkabeln einen Fehler gemacht hatte. Dadurch "zogen" die Verbraucher 250mA Ruhestrom. Nach vielen vielen Stunden Fehlersuche hatte ich das aber im Griff. Ärgerlich war, dass es wirklich ein sehr blöder Fehler gewesen ist und ich deshalb wieder so ewig herumgesucht hatte. Aber Schwamm drüber, das gehört halt dazu.

 

 

Der Frust - Part 1

 

Am Wochenende darauf wollte ich eine ausgiebige Testfahrt unternehmen. Also stieg ich Sonntag Nachmittag ins Auto, fuhr es aus der Halle, stellte es draußen ab und räumte noch etwas in der Halle herum. Nach ein paar Minuten war ich fertig, setzte mich in den E30 und wollte ihn starten. Aber er sprang nicht mehr an. Der Anlasser leierte wie verrückt, aber der Motor wollte nicht anspringen. Nichtmal ein kleines Patschen. Die kleine 55Ah-Batterie war nach einigen Sekunden am Ende und so blieb mir nichts weiter übrig, als das Auto wieder in die Halle zu schieben. Schonwieder Fehlersuche...

An der Ersatzbatterie kam der Motor auch nicht. Merkwürdig, ich war ja vor 10Min noch mit dem Auto herausgefahren. Ich weiß nicht mehr genau, in welcher Reihenfolge ich was probiert hatte, aber es half alles nichts. Luftmassenmesser (LMM) abgesteckt, Benzinpumpenrelais gebrückt, mit Starterspray vorne vor den LMM gesprüht (wichtig, merken), Spannungen an den Verbrauchern gemessen, Nockenwellensensor getauscht (hatte noch einen da). Aber er wollte nicht mehr. Nach 3h habe ich aufgegeben. Frustriert gegoogelt. Wegfahrsperre. Kann nicht sein, ist ja aus dem Steuergerät herauscodiert. LMM. Hatte ich testweise abgesteckt. Nockenwellensensor. Habe ich getauscht. Kurbelwellensensor. Der musste es sein. Also am Montag bei Stahlgruber für 115€ (HUNDERTFÜNFZEHN EURO!) den Sensor bestellt und abends eingebaut. Nichts. Kein Zündfunken. Dann kam ein Kumpel mit der BMW-Auslesesoftware INPA vorbei (die er natürlich rechtmäßig besitzt). Im Fehlerspeicher standen folgende Dinge:

 

- LMM (klar, hatte ich abgesteckt)

- Lambdasonden vor Kat (ebenfalls abgesteckt)

- Can-Kommunikation Tacho (klar, weil der E39-Tacho irgendwie fehlt)

- Taktventil Tankentlüftung (wer weiß...)

- Kennfeldthermostat (klar, fehlt auch seit dem Umbau auf das starre Thermostat)

- EWS (Wegfahrsperre, Konflikt. Das stande meines Wissens von Anfang an da drinnen, hatte mit der Auscodierung zu tun)

 

Ich musste malwieder in der E30-Umbautengruppe in Facebook zu Kreuze kriechen. Die Jungs dort haben Ahnung, das macht echt Spaß. Das übliche hatten wir schnell abgefrühstückt: Nockenwellen- und Kurbelwellensensor, LMM, Falschluft.

Ich postete ein Bild vom Fehlerspeicher, da schrie einer sofort: Deine EWS ist aktiv. Ich antwortete: Kann ja nicht sein, ist doch auscodiert. Keine weiteren Fragen. Nur noch Ratlosigkeit und Rauschen im Äther.

Ich habe dann die komplette Verkabelung des Motors geprüft. Es war alles in Ordnung. Dann habe ich mit meiner Spezial-Test-LED Marke "Selbermach" die beiden OT-Sensoren geprüft. Blinkerten Sauber. Motormann angerufen. Der Meinte nur "Nockenwelle und Kurbelwelle liefern Signal, springt trotzdem nicht an? Ist sicher dein Steuergerät gestorben.". Die Idee war mir auch schon gekommen. Steuerzeiten stimmten.

Als allerletzen Stohhalm schrieb ich dem Herren, der die EWS auscodiert hat, eine Mail. Kurze Zeit später die Antwort:

 

"War die Batterie öfters mal leer?"

 

Ja klar, alle 3 Tage.

 

"Da musst du über die Software so und so und hin und her und dann PENG." Genauer möchte ich nicht werden. Ich folgte seinen Anweisungen und nach 30 Sekunden lief der Motor, als wäre nie etwas gewesen. Die EWS hatte sich im Steuergerät verschluckt und blockierte den Zündfunkten und die Einspritzventile, obwohl sie ja deaktiviert wurde. Ich weiß nicht genau wie es funktioniert, aber die Wegfahrsperre scheint nur unterdrückt zu sein. Keine Ahnung.

 

Die Fehlersuche hatte mich bequem 8-9h gekostet und die 115€ für den Sensor. War mir aber wumpe, der Eimer lief wieder. Ich habe dann gleichmal eine 50km Testfahrt mit einigen engen Kurven gemacht. Geht schon ganz anders. Dennoch steckte mir irgendwie der Frust tief in den Knochen.

 

 

Der Frust - Part 2

 

Genau einen Tag später, in Zahlen EINEN TAG, stieg ich in den E30 und wollte mit 2 Kumpels fix über Land zur örtlichen Burgertanke. Der Motor sprang etwas zögerlich an, drehte kurz hoch, stotterte, spratzelte etwas, eierte dann bei 300-400U/min herum und ging aus. Danke.

Neustart brachte nichts. Das scheint nur bei Windows und Android zu funktionieren. Hm.

 

Ich hatte bei der ewigen Fehlersuche die Adaptionsdaten gelöscht. Ich dachte mir so: Naja gut, vielleicht muss er sich selbst noch etwas anlernen. Versuche mal, ob du etwas herumrollern kannst. Wir haben hier situationsbedingt ein passendes Sprichwort, was ich euch nicht vorenthalten will:

 

Nen alten Arsch.

 

Ich bin herumgehüpft wie eine junge Ziege. Den Motor musste ich die ganze Zeit mit Gasstößen am Leben erhalten und so eierte ich wie ein Anfänger durch die Stadt. Anfahren ging nur mit 2500U/min und gaaaaaaaaannnnnnnzz zartem Einkuppeln. Peinlich. Und es wurde bei warmen Motor kaum besser. Träge, wie mit 20PS schleppte ich mich hüpfend zur Halle zurück. Was war denn plötzlich los?!

Fehlerspeicher ausgelesen. Bis auf die üblichen Verdächtigen leer. So ein Ärger aber auch.

Kurz davor gesetzt, überlegt. Dann mit der Fehlersuche angefangen. Ruckeln kann prinzipiell durch Falschluft, LMM oder einen der beiden OT- Sensoren hervorgerufen werden. Diese Komponenten hatte ich ja auch alle in der Hand, vielleicht war da nur etwas schief gelaufen. Also tauschte ich wieder den Nockenwellensensor und den Kurbelwellensenor. Ruckelte weiter. Also bestellte ich den Luftmassenmesser und die Kurbelgehäuseentlüftung neu.

..Ich hatte ja bei der vorherigen Fehlersuche kühn Starterspray in den LMM gesprüht. Das überlebt dieser meist nicht und ich hoffte, dort schon den Fehler gefunden zu haben. Die Kurbelgehäuseentlüftung geht beim M62-Motor gern mal kaputt und der Motor zieht Falschluft. Die KGE besteht aus einer Membrane, die die Öldämpfe kontrolliert in die Ansaugbrücke leitet. Siehe Bild, Position 2. Gern reißt die Membrane, wodurch den Motor die Luft und das Öl aus dem Kurbelgehäuse saugt. Die KGE steckt im hinteren Deckel der Ansaugbrücke. Man muss also den kompletten Deckel hinten an der Ansaugbrücke tauschen. Genau dort, wo beim E30 wirklich kein Platz ist. Frust.

Ich fing also erstmal beim Luftmassenmesser an. Der ist in 3 Minuten getauscht. Beim Starten änderte sich aber, wie schon zu erwarten, nichts. Nur mein Frust stieg.

Also baute ich die Ansaugbrücke aus dem Auto. Das sind so Arbeiten, die wirklich keinen Spaß machen. Glücklicherweise hatte ich einen guten Kumpel mit dabei, der nicht nur für heitere Stimmung sorgte, sondern auch mit anpackte. 3h später hatten wir alles wieder zusammen. Beim Starten zeigte sich der Motor von seiner hässlichen Seite, denn es hatte sich NICHTS verändert. Maximaler Frust.

 

Tja. Shit happens.

 

Ich hatte wieder die Online-Community gefragt, doch diesmal waren die nicht ganz so cool wie vorher. Diese störten sich daran, dass ich keine Originalen-BMW-Teile eingebaut hatte, sondern Sachen vom Zulieferer. Nach der geschlossenen Meinung kann das so nicht funktionieren. Ich bin da anderer Meinung.

 

Ich bin dann erstmal 4 Tage in den Harz gefahren. Und zwar mit einem Auto, was nie bockt: Dem Trabanten. Hinten den Hänger samt Motorrad dran gehangen, Bier und Grill eingeladen und los gefahren. Ganz spontan und ganz alleine. Und es war grandios. Hier ein paar kleine Bilder vom Trip:

 

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..Der neue Motor läuft erste Sahne. Jetzt schafft der Pappmann samt 400kg-Anhänger gut 95 Sachen auf der Geraden. Das reicht sogar für die BAB. Die Woche Urlaub hat den bitter nötigen Aufschwung gebracht.

Als ich wieder zuhause war, habe ich mir direkt eine Benzindruckmessuhr ausgeliehen. Alles andere hatte ich ausgeschlossen und so blieb nur dieser letzte Punkt. Die Messuhr habe ich in den Vorlauf eingebaut und den Motor gestartet. Zu meiner Verblüffung blieb der Zeiger des Messinstrumentes auf nur 2 Bar stehen. Trotz neuer Benzinpumpe. Sehr merkwürdig. Ich habe dann einfach und unkompliziert eine neue Benzinpumpe und einen Benzindruckregler von Bosch bestellt. Beides eingebaut und "schon" lief der Motor wieder. Meine Fresse, dachte ich mir, was für eine riesen Katastrophe mit dem E30.

Das Auto stande 4 Wochen still. Die beiden kleinen Fahrten zählen nicht :D

Ich bin hart im Nehmen mit meinen Projekten, habe viel Geduld und auch Verständnis, wenns mal nicht so läuft, aber zwischendrin hatte ich schlicht keinen Bock mehr auf das Auto. Da baut man 4 Jahre an einem alten Auto rum, fährt genau 1000km und fängt wieder an...

Das letzte mal, als mir der Gedanke "ebay und weg" kam, war damals, als mein Audi 80 monatelang herumgesponnen hatte mit der KE-Motronik. Das ist schon alle Weile her, aber ich erinnere mich noch gut an die Zeit. Genau wie sich die Zeit mit dem E30 in mein Hirn brennen wird.

 

Wie dem auch Sei, meine Liebe zum E30 wurde auf eine harte Probe gestellt. Ich weiß noch nicht so genau, wie es weiter geht, aber richtig Spaß habe ich nicht mehr mit dem Auto. Das ist äußerst schade, das weiß ich selbst. Aber ich glaube, ich brauche erstmal etwas Abstand. Dass er für immer im Fuhrpark bleibt, war von Anfang an eher unwahrscheinlich, aber dass er nach nichtmal 2000km gehen muss, ist (zumindest im Herbst 2020) nicht weit hergeholt.

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19.08.2020 08:57    |    Tobner    |    Kommentare (48)

Moin liebe MT´ler,

 

der letzte Stand war folgender: Der BMW steht bereit zur Vollabnahme. Am 20.06. hatte ich den Termin, ich sollte schon 07:00 Uhr da sein, damit wir genügend Zeit hatten, alles ordentlich zu checken. Ich hatte mir vorher noch alle Papiere ausgedruckt, damit man das am Auto auch alles etwas besser handhaben kann.

 

Wochen vor dem Termin habe ich das Auto noch einmal komplett durch geschaut. Anfangs leckten die beiden Sensoren für Öltemperatur und Öldruck wie verrückt. Die konischen Gewinde musste ich extra noch mit Teflonband umwickeln, bevor es wirklich 100% dicht wurde. Danach habe ich an der Hinterachse noch 10mm Spurplatten verbaut. Jetzt stehen die Räder hinten satt im Radkasten drin.

 

Leider habe ich keine Detailfotos gemacht, nach der kompletten Aufbereitung werde ich aber eh ein Fotoshooting machen.

 

Ich habe die Kabel am Pluspol noch aufgeräumt und die orignale E30-Abdeckkappe dranaddaptiert und einen anderen Wischwasserbehälter eingebaut. Mein Eigenbau ist leider innen verrottet gewesen durch schlechte Farbe und Wassereinschlüsse. Der Hallennachbar hatte noch einen Behälter samt Pumpe von einem Fiesta I rumliegen. Der passte von der Form gleich recht gut und ich passte ihn mit einem selbstgebauten Halteblech in den Motorraum.

 

Die Räder vorne gingen bei Volleinschlag vorne an den Radhausschalen an. Ich habe die Luftführungskanäle etwas modifiziert und verschraubt (original sind die bloß gesteckt). Dadurch habe ich die fehlenden 4-5mm im Radkasten gewonnen.

 

Der Spallüfter hing leider 1,5-2cm vom Kühler weg. Beim Testlauf mit gebrücktem Lüfterschalter fiel mir aber sofort auf, dass die Luft nicht durch den Kühler, sondern eher durch den Spalt am Lüfter herausgedrückt wurde. Also experimentierte ich etwas herum und setzte den Lüfter fast direkt an den Kühler. Ich hätte das gleich noch machen sollen... Jetzt drückt die Luft richtig schön durch den Kühler.

 

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Dann kam auch schon der Tage der Wahrheit. Die Fahrt zur Vollabnahme stand an. Wir trafen uns 06:00 Uhr vor der Halle, klemmten die roten Nummern dran und fuhren los. Es war früh ziemlich kalt, diesig, neblig und stellenweise regnerisch. Es war die erste Fahrt, bei der es nicht darum ging, angespannt zu lauschen und bangen. Wir konnten einfach qautschen und herumrollern. Ab und zu auf den Tacho schauen, ab und zu auf die Öltemperatur, sonst nichts. Am Tag zuvor installierte ich noch neue Wischerblätter, die mir jetzt die Regenfahrt fast schon versüßten. Der V8 drehte munter und unangestrengt an der Kardanwelle und so waren wir nach 50 Minuten am DEKRA-Standort. Der Prüfer war schon da und empfang uns mit Kaffee.

 

Dann ging es ans Eingemachte. Wir fingen an mit der Lichtanlage. Danach die Klassiker wie Gurte, Scheibenwischer, Bremsen, Abgasverhalten. Danach ging es auf die Bühne und unters Auto. Nach einiger Zeit und vielen Fragen des Prüfers war er angetan von der Arbeit, dem Baukastenprinzip der BMWs und meiner Umsetzung der Ideen. Einzig die Bremsbetätigung gefiel ihm nicht gleich. Die Stange, die direkt vom Bremspedal aus quer durch den Motorraum und an den Bremskraftverstärker geht sorgte für Bauchschmerzen. Er wollte nochmal die Papiere sehen, die ich dazu erstellt habe. Ich musste ja, bevor ich angefangen hatte mit dem Umbau, bereits die Verformung der Bremsstange simulieren und ihm zuschicken. Damals konnte ich das als Student noch via Autodesk Inventor gut machen. Die Simulationen nahmen dem Prüfer jetzt etwas die Bauchschmerzen. Eine ausführliche Probefahrt mit einigen Bremstests überzeugte ihn dann schließlich. Danach ging es ans Eintragen. Die Papiere, die es zum V8-Umbausatz dazu gibt, gefielen ihm gut. Auch die Tragfähigkeitsnachweise der Felgen (die sind ja vom BMW X1) und die Tragfähigkeiten des Fahrwerks in Verbindung mit dem erstellten Wiegeschein gefielen ihm. Kurzum: Alles eingetragen. Und das stellenweise sogar mit den BMW-Teilenummern und den Bezeichnungen. Vorallem die Bremsanlage und Abgasanlage nahm er penibel auf.

 

Er meinte noch "Fährt sich echt sauber, kein Rappeln, kein Hackeln, nichts. Wie ein normaler E30. Gefällt mir gut. Glückwunsch zum sauberen Umbau."

 

Das geht runter wie Öl :D

 

Ein kleiner Wermutstropfen: Bei diesem Termin lief der Motor malwieder extrem heiß. Der Lüfter ging entweder garnicht oder zu spät los. Der Prüfer sagte nichts dazu, aber für mich war das schon recht peinlich. Da musste ich unbedingt nochmal dran. In der Mittagszeit rollerten wir wieder heim. In langsamen Stadtverkehr mussten wir wieder mit der Temperaturnadel im roten Bereich herausfahren und den Motor abkühlen lassen. Ansonsten lief das Auto wie geschmiert.

 

..In den kommenden Tagen machte ich gleich einen Termin auf der Zulassungsstelle. Wartezeit waren 2.5 Wochen. Mit dem Gedanken an das Cruisen im V8 fällt das Warten schwer :D

In der Wartezeit konnte ich mich aber noch um das Temperaturproblem kümmern. Ich habe den Motor warmlaufen lassen und an einigen Punkten die Temperatur gemessen. Der Motor wird schnell sehr heiß, der Kühler bleibt sehr lange kalt. Fehlersuche. Der M62-Motor hat ein Kennfeldgesteuertes Thermostat. Dieses regelt die Motorwassertemperatur auf über 100°C im Leerlauf und bei Teillast. Das verbessert (angeblich) das Abgasverhalten. Irgendwie verträgt sich dieses Kennfeld aber nicht mit dem großen Kühler. Eh der Kühler das Wasser heruntergekühlt hat, kocht der Motor. Also musste ich in den sauren Apfel beißen und das Thermostat ohne Kennfeld aus dem 840i E31 kaufen. Das kostet über 100€.Ich habe gleich die Tropenausführung gewählt, die bereits bei 85°C öffnet. Danach wechselte ich noch den Lüfterschalter. Der "alte" schaltete bei 95-90°C, der "neue" bereichts bei 90-85°C.

 

Beim Testlauf kam die Anzeige im Cockpit nicht über 90°C. Der große Spallüfter mit den 385mm Durchmesser macht zwar richtig Lärm, aber drückt auch gewaltige Luftmassen durch den Kühler. Kein Überhitzen mehr. Bis jetzt.

 

Mit dem Versicherungsmann handelte ich einen Deal aus. Da ich alle Fahrzeuge bei ihm versichert habe, kam er mir sehr entgegen. Jetzt bezahle ich 260€ Versicherung in der Saison von 04-10. Und das mit Teilkasko. Beim Anmelden musste eine nicht enden wollende Litanei an Bezeichnungen, Abkürzungen und Nummern in den Schein geschrieben werden. Die Zulassungsfrau schwitzte. Aber es lief. Und als Krönung konnte ich sogar mein Wunschkennzeichen nehmen: HOT-M62. Das Kennzeichen ist sooooo sexy. Es macht das Auto noch sexyieyier. Oder so.

 

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Tja. Und dann bin ich herumgefahren. Erstmal habe ich Vollgetankt und gemerkt, dass der Tankverschluss undicht ist. Dort schwappert der Sprit etwas raus und es stinkt nach Benzin. Das war mir aber erstmal egal. Ich kurbelte das Dachfenster auf und cruiste eine gediegene Runde durch das Erzgebirge. Es war traumhaft. Das I-Tüpfelchen war ein Audi S4 B6, der in der Ortschaft gedrängelt hat. Kurz nach dem Ortsausgang war er dann recht klein im Rückspiegel. Als er näher kam, gab es kurze Lichthupe und nen Daum. Er hat sicher etwas geweint.

 

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Seitdem bin ich fast 1000km gefahren und hatte eine Menge Spaß. Der Lüfter macht was er soll. Nur manchmal schaltet er etwas spät. Zwei Dinge sind mir dennoch aufgefallen:

 

1. Die Kats hängen so tief, dass ich echt schon oft aufgesessen bin. Die hängen erstens tief und zweitens auch noch genau zwischen den beiden Achsen. Das sorgte schon für Frust.

 

2. Ich habe das Auto 2mal fast ins Gebüsch geschmissen. Und dabei war ich noch recht zahm mit der Kurvengeschwindigkeit.

Das Auto fährt um eine Kurve wie ein amerikanischer Pickup aus den 60ern. Die Vorderachse ist präzise wie ein schweizer Uhrwerk, dann folgt die Hinterachse und macht, was sie will. Beim Lastwechsel (bremse lösen beim Kurveneingang, Gasgeben am Scheitelpunkt), fühlt es sich an, als ob die Achse irgendwo anders hin möchte. Das Auto fängt an zu schlingern, rollt und giert. Und das nicht zu knapp. Man muss sogar gegenlenken beim Gieren. Und nein, ich meine nicht das Übersteuern, was durch einen schweren rechten Schuh hervorgerufen wird :p

 

Das schlimme Fahrverhalten wird wohl am fehlenden Stabi an der Hinterachse liegen. Beim Bau dachte ich auch schon über den Stabi an der HA nach. Aber ich wollte es erstmal ohne versuchen. Das sich das so schlecht fährt, hätte ich nie gedacht. Ich kümmere mich die Tage um einen Stabi und rüste ihn an meinem kleinen 316i nach. Genauso wie eine ordentliche, ausfahrbare Großeltern-E30-Radioantenne. Dann ist er der perfekte Sleeper.

 

Und das Prinzip funktioniert. Es haben schon einige Leute richtig blöd aus der Wäsche geschaut. Einigen habe ich das Ego amtlich ausgebremst. Sehr sehr viele Daumen habe ich bekommen. Es macht einfach Spaß. Man hat zwar nur knapp 300PS, aber durch die nichtmal 1200kg Gewicht und das amtliche Drehmoment drückt die Fuhre richtig gewaltig nach vorne. Ich bin schon einige PS-Boliden mitgefahren (erst kürzlich in einem S8 D3 mit V10 Motor und E63 AMG mit dem großen Sauger), aber der E30 fährt, zumindest gefühlt, vorne mit.

 

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Ich genieße das Fahren nach den (grob geschätzten) 800h Arbeit und viel Schweiß und grauen Haaren. Die Gesichter der Beifahrer, die mit weit aufgerissenen Augen tief Luft holen, wenn der V8 losmarschiert, ist zusätzlicher Lohn der langen Arbeit. Anfangs war es eine Hassliebe, aber mit jedem Kilometer macht mir das Auto mehr Freude. Anfangs dachte ich, ich verkaufe das Auto nach ein oder zwei Jahren. Aber jetzt funktioniert alles so gut, dass ich am Überlegen bin, was ich damit mache...

 

Das steht aber noch in den Sternen. Jetzt steht erstmal eines auf dem Plan: SPASS HABEN!

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05.06.2020 12:25    |    Tobner    |    Kommentare (13)

Fertigstellung. Jeder definiert den Begriff anders und prinzipiell muss ich sagen, dass so ein Auto nie wirklich fertig wird. Es werden immer Kleinigkeiten (oder auch "Großigkeiten") auftreten, die man an so einem Oldie zu erledigen hat. In diesem speziellen Falle sind es aber wirklich nur noch Kleinigkeiten, wie eine andere Schaltkulisse oder ein Sperrdifferential :D

 

Der Rest ist fertig.

 

Ja. Fertig.

 

Seit dem letzten Beitrag sind noch einige Dinge passiert, ich versuche das man chronologisch nieder zu schreiben. Das erste Problem (Ende 2019) war die Abgasanlage. Von der Stange passte nichts und so hieß es: Es wird Marke "Selbermach". Was der Dekra-Mann dazu zu sagen hatte, war deutlich: Geräuschemissionen dürfen nicht lauter sein als im Fahrzeugschein des E30 eingetragen sind und die Kats müssen die vom Motor sein. Außerdem müssen die Katalysatoren ungefähr im selben Abstand vom Motor eingebaut werden. Im letzten Artikel habe ich schon von den Jungens von Edel01 geschrieben, die hier extrem kompetent extrem gute Arbeit gemacht haben. Ich war dann 2,3 mal dort und habe sehr nett mit den beiden gequatscht. Wir haben dann einen Plan ausgearbeitet: Ich baue noch die Kats an, danach wird eine sondergefertigte Anlage gebaut und vorläufig abgenommen. Die Frage mit der Eintragung der Abgasanlage und der Geräuschemission stellte auch die beiden Auspuffbauer auf die Probe, denn es ist garnicht so einfach, einen so großen Motor so leise zu bekommen. Zudem ist der Platz unter dem E30 auch sehr begrenzt, weshalb man nicht ewig große Schalldämpfer bauen kann.

 

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Ursprünglich wollte ich eine doppelflutige Abgasanlage haben und wir hatten auch den Preis dieser aufwändigeren Variante ausgemacht, aber letzendlich ist es nur einflutig geworden. Der Preis blieb, deshalb war ich erst etwas knatzig. Aber der Preis von 1500€ für die beiden Schalldämpfer in einer Qualität, die keine Wünsch offen lässt, ist dennoch fair. Außerdem hatte es einen Grund für die Änderung: die Auspuffrohre gehen aus dem Mittelschalldämpfer, dann schräg unter der Achse durch und dann in den Endschalldämpfer. Wenn man jetzt 2 parallele, schräg verlaufende Rohre verbaut, kann es durch die Hitzeausdehnung und den beiden Knicken zu Spannungen kommen. Erfahrungsgemäß kann das wohl zu Rissen kommen. Deshalb entschieden wir uns für eine einflutige Variante.

 

Nach dem Bau wurde die Anlage einem Dekra-Prüfingenieur vorgeführt. Dieser hat dann auf einer eingemessenen Straße die Stand- und Fahrgeräusche gemessen und ein Dokument mit den Messwerten erstellt. Der Prüfer, der den kompletten Umbau einträgt, hatte vorher darum gebeten, weil ihm die Möglichkeiten so einer Messung nicht offen stehen. Die Messung schlug nochmal mit 225€ zu buche.

 

Als das Telefon klingelte und es hieß: "Dein Auto ist fertig, hat alles geklappt." fiel mir ein gigantischer Stein vom Herzen. Nicht nur, weil die Edel01-Jungs es geschafft hatten, den Auspuff "Tüv-konform" zu bauen, sondern weil die Messfahrt auch glatt lief. Das war nicht selbstredend, weil die Jungfernfahrt nicht durch mich, sondern durch den Auspuffbauer bei der Messfahrt absolviert wurde. Ich habe ihm das natürlich gesagt und er hatte Vorsicht walten lassen. Aber trotzdem war mir etwas mulmig, einen fremden mit dem Konglomerat an wild zusammengesuchten Teilen fahren zu lassen. Ich hätte das Auto gern selbst etwas getestet, aber ohne Auspuff hätten sie mich spätestens am Ortsausgang wegschnappt und in den weißen Gummiraum gesperrt :D

 

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Danach kam MEINE erste Fahrt im Auto. Achja, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass es Mitte Januar war und auf dem Auto Sommerreifen montiert waren. Es war ja schon nicht nervenaufreibend genug, die erste Testfahrt im öffentlichen Straßenverkehr mit roten Nummerschildern zu machen :D

 

Meine Ängste, dass irgendwas infernal schief lief, blieben unbegründet. Das Auto verhielt sich vom ersten Moment an ganz normal. Fast brav. Die Lichtanlage hatte ich natürlich komplett instandgesetzt und so rollerten wir unauffällig durch die Dörfer. Auf den ersten Metern habe ich gleich die Bremse gequält. Wäre ja auch blöd, wenn da irgendetwas gebockt hätte... Nach einem heftigen Nicken der Insassen war klar: Bremse packt. Meine wilde Bastelei am Tacho funktioniert auch tadellos, die Geschwindigkeit passt exakt mit einigen % Abweichung nach unten. Die Abweichung habe ich gewollt eingestellt, weil nach unten eine Toleranz erlaubt ist, jedoch nach oben nicht. Getriebe schaltet, nur sind die Schaltwege noch viel zu lang. Der Ganghebel stößt vorne und hinten am Ausschnitt in der Mittelkonsole an. Das Rühren mindert auch extrem ein knackiges Fahrgefühl. Die Lenkung im E30 ist nach dem Umbau auf das Lenkgetriebe des E36 ein Traum. Kurzum: Ich war begeistert.

 

Kommen wir zum Herz. Wie läuft der Alutrümmer denn nun, der vorne auf der Achse hockt und eingepfercht ist wie nichts Gutes?!

Grandios. Eine absolute Wonne. Schon beim vorsichtigen Anfahren merkt man, man muss garkein Gas geben. Wozu aus? Der Motor ist so rießig, dass er sich rangieren lässt wie ein Diesel. Beim losfahren und beschleunigen in den ersten Gängen muss man nicht über 1300-1400U/min. Auch wenn man so untertourig schaltet und im nächsten Gang fast bei Leerlaufdrehzahl ist, genügt ein streicheln des Gaspedales und die Fuhre kommt in Wallung. Beim normalen herumrollern ist der Motor extrem unauffällig, nur das sonore bollern von hinten erinnert einen, das es auch anders geht.

 

So sind wir über die Dörfer gefahren. Immer ein Auge auf Öldruck und Öltemperatur, immer ein Auge auf die Wassertemperatur und ein Ohr Richtung Maschinenraum. Es fiel recht schnell auf, dass das Getriebe so garnicht mit dem Einmassenschwungrad zufrieden war. Es schimpfte. Es schimpfte so laut, dass ich Angst hatte, es könnte kaputt gehen. Es jaulte und kreischte wie ein verletztes Tier aus den Unweiten des vollgestopften Getriebetunnels. Ich erinnerte mich aber, dass der Motormann das schon erwähnt hatte. Ein anderes Öl sollte Ahilfe schaffen.

 

An einem Ortsausgang, wir waren inzwischen 25 Minuten unterwegs, hielt ich es nicht mehr aus. Ich musste sehen, was der Motor kann. Also bin ich, zunächst vorsichtig, im 3. Gang bei immerhin 1600U/min mal ans Gas gegangen. Der Motor erwachte und fing innerhalb eines Lidschlages an, wie wild an der Kardanwelle zu zerren. Jesus Maria. Die Kiste kann was. Ängstlich habe ich schon bei 3500U/min geschaltet. Man muss es ja nicht gleich übertreiben. Mein Grinsen ging von einem Ohr zum Anderen. Vorallem, weil dabei nichts zerflogen ist. Am nächsten Ortsausgang wiederholten wir es im 2. Gang bis 4000Touren. Macht Lust auf mehr.

 

Der Sound ist durch die einflutige Anlage etwas "weicher". Das blubbern eines V8 kommt nicht so gut zur Geltung wie bei einer zweiflutigen Anlage und so denke ich halt schon immer mal "was wäre wenn". Vielleicht kommt es auch nicht so gut rüber, weil die Anlage im Stand auch recht leise ist. Nichts genaues weiß man nicht.

Beim Fahren hingegen klingt der Motor gigantisch. Die Soundkulisse ist ein Genuss. Beim Arschtritt fängt der V8 das Fauchen an und katapultiert den kleinen E30 förmlich davon.

 

..Wir hielten kurz am Fahrbahnrand, knipsten ein Foto und fuhren zur Halle. Beim herumrangieren in der Halle fiel mir ein leicht süßlicher Geruch nach Kühlmittel auf. Anfangs dachte ich, dass noch irgendwo Kühlmittel klebte, was ich bei der Undichtigkeit unter der Ansaugbrücke verteilte. Beim letzten Meter, ich war schon in der Halle angekommen, gab es ein Knacken, gefolgt von einem Zischen und ich merkte, wie 100°C heißes Wasser in meine Schuhe lief. Zum Glück habe mich mir die Füße nicht verbrüht. Dennoch war ich bedient, weil ich wusste, dass der Wärmetauscher unter dem Armaturenbrett geplatzt ist. Die Laune, die vorher von Euphorie bestimmt war, kippte nun. Schade.

 

..Am nächsten Tag baute ich das Auto (malwieder) auseinander. Im Innenraum die gesamte Mittelkonsole, alle Verkleidungen in den Fußräumen, das halbe Armaturenbrett, den halben Motorraum, weil der Heizungskasten unter der Frontscheibe verschraubt ist. Da kommt man auch super dran, weil der Motor ja auch überhaupt nicht im Weg ist :D

 

Den Wärmetauscher habe ich gleich noch am Katastrophenabend bestellt. Jetzt stellte sich heraus, dass nicht der Wärmetauscher, sondern das Heizungsregelventil geplatzt war. Dieses regelt elektrisch den Durchfluss des warmen Kühlwassers durch den Wärmetauscher. Das Teil kostet gleich mal um die 190,- ohne MWst. Ich habs gebraucht gekauft und eingebaut, weil ich den Wucher manchmal nicht mitmachen muss. Die Herstellung des Magnetventils kostet sicher keine 10€...

 

 

 

 

 

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Als dann alles wieder dicht war, wollte ich den Teppich trocknen. Nach einigen fruchtlosen Versuchen mit Lappen und Tüchern musste ich auch den Teppich noch ausbauen, was gleich die nächste Strafarbeit gewesen ist. Unter dem Teppich dann ein Rostloch :D

 

Ich habe einige Zeit gebraucht, bis alles wieder zusammen war.

 

Danach ging ewiges hin und her mit dem Lackierer los. Ich habe einen grandiosen Lackierer an der Hand, der leider nicht mehr "nebenbei" schaffen kann. Ich hatte ihn gefragt, er wollte wiederrum seinen Chef fragen. Der meinte, es geht nur mit Rechnung, anbei ein Angebot. Ich wollte die Radläufe hinten, die Kotflügelunterkanten vorne und das Heckblech lackieren lassen. Er wollte ne viereckige Zahl, mir war das etwas zu dolle. Danach habe ich es für 650€ in einer anderen Firma lackieren lassen. Diese hat gute Arbeit gemacht, nur haben die Jungs dort die Türen nicht mit einlackiert. Ich hoffe nach dem Polieren sieht man keinen Farbunterschied...

 

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Die Nummer hat dann in Summe 2 Monate gedauert. Gut Ding mag Weile haben. Stört mich auch nicht, schließlich kam ja auch so ne kleine Pandemie dazwischen.

 

Die Fahrten zum Lackierer und zurück durfte ich wieder mit den roten Nummern absolvieren. Es war ein absoluter Hochgenuss. Das Getriebe macht nach dem Ölwechsel auch kaum noch Geräusche.

 

..Vor 2,3 Wochen ging es dann vor der Vollabnahme zur letzten Etappe: Die Leistungsmessung. Ich wollte gern auf den örtlichen Rollenprüfstand, doch die Firma vergibt durch Corona Samstags keine Termine mehr. In der Woche schaffe ich es nicht. Also war ich beim nebenörtlichen Tuner, der bietet Insoric-Messungen auf der Straße an. Vorteil daran: Das Auto wird gleich gewogen (mit Protokoll, was ich für die Abnahme brauche). Nachteil: Leistungsmessung auf offener Straße. Folgende Erkenntnisse: Das Auto wiegt leer (Tank halb voll) 1130kg. Der 2. Gang geht bis knapp über 100, der 3. Gang bis knapp 180. Der Motor leistet ernüchternde 280PS und 401Nm Drehmoment. Ich war etwas frustriert, weil ich mir mit dem Motor und den Nockenwellen und Einmessen und allem viel Mühe gegeben hatte und mehr erhoffte. Der Motormann meinte, das Ergebnis ist aber klar, weil der Motor noch nicht abgestimmt ist. Vielleicht läuft der Motor auch im Notlauf, denn bei genau 5000U/min knickt die Leistung urplötzlich ab. Habe da aber noch nicht weiter geforscht. Interessant ist aber, wie das Auto anschiebt, wenn er dann wirlkich mal 320PS und >450Nm hat...

 

Jetzt steht das Auto da und ich warte auf den 20.06. Da ist nämlich der TÜV-Termin. Ich sammel in der Zwischenzeit alle Papiere und Dinge zusammen und hoffe, dass der Termin dann mit einer erfolgreichen Eintragung der ganzen Komponenten endet. Ich bin jetzt schon nervös :D

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20.11.2019 14:14    |    Tobner    |    Kommentare (16)

Ich hatte mehr oder weniger den ganzen Oktober Urlaub mit 4 Tagen Unterbrechnung durch entnommene Weisheit. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, dass der E30 am Ende des Urlaubes zumindest läuft. Ich habe mir nichts anderes Vorgenommen in der Zeit. In der Woche vor dem Urlaub eine to-do-Liste erstellt und mit den Vorbereitungen angefangen. Prinzipiell ist es ja kein Hexenwerk. Der Motor braucht Luft (geht selten aus), Sprit und Funken. Ganz so einfach war es nicht, ich habe eine Woche (jeden Tag 7-10h) gebraucht, bis es zum ersten Startversuch kam.

 

Angefangen habe ich damit, dass ich das Steuergerät weggeschickt habe zum Umcodieren/Umprogrammieren. Es musste die Wegfahrsperre und einige Kleinigkeiten herauscodiert werden, wie Automatikgetriebe/Schaltgetriebe und sowas. Das kam nach einer Woche zurück, dazu gab es einen Signalwandler für den DZM. Dieser würde bei 8Zylindern genau doppelt so viel anzeigen wie beim 4Zylinder. Außerdem bestellte ich gleich ne Benzinpumpe, Wasserkühler, Ölkühler samt Dashleitungen und Ölfilteradapter, Kabel und Stecker und Zusatzinstrumente samt passenden Sensoren. Da war gleichmal der nächste Tausender weg. :D

 

 

Stromzufuhr

 

..Ich begann am Anfang die Batterie in den Kofferraum zu verlegen. Dazu musste ich nur das 50qmm-Kabel durchs Auto legen und einen Massepol an die Karosse schweißen. Danach war der erste Schlüsselmoment: Das erste mal Strom aufm Netz. Ich hatte ja das Auto mit Motorschaden gekauft, da war auch die Batterie ausgebaut, somit war das Auto auch immer stromtot.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Motorelektrik

 

..Tja, hier wurde es langwierig und kompliziert. Der Motor ist schon recht modern und die Verkabelung für Fortgeschrittene. Die Schaltpläne gibts im Netz, aber nicht mehr wie herkömmlich, sondern immer nur Stückweise. Powersupply, Sensoren, ein Stecker, ein Sicherungskasten, eine Regelstrecke. Alles mit Links auf wiederum andere Schaltbilder. Ich habe ein neues Wort gelernt, was das Wirrwarr perfekt beschreibt: Eine Gemengelage.

 

Pinout am Steuergerät, Stecker X60004, Kabel an Pin25 geht auf Stecker X6011, von dort auf Verteiler X6798, da weiter in den Sicherungskasten auf F11. Und so muss man erstmal jedes Kabel und jeden Stecker herausfinden, messen und dann überlegen, wie der im E30 angeschlossen werden kann. Am Ende war der Anschluss relativ schnell gemacht, aber es hat wirklich 3 Tage gebraucht, bis der Plan stande und ich wusste, was ich mache. Dann muss noch ein Kabel an den Tacho, dann noch eins an den Drehzahlmesser mit Signalwander, dann muss noch ein Relais für die Spritpumpe verkabelt werden, weil das im E30 wirklich komisch geschalten wird. Dann braucht man eine straffe Spannungsversorgung mit Klemme 30, 15, dann sind viele Komponenten auf dem sogenannten DME-Relais, was durch das Steuergerät geschaltet wird und die Klemmenbezeichnung 87 im Schaltplan trägt. Eine Gemengelage an Kabeln und Signalen.

 

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Startversuch

 

..Ich habe die neue Benzinpumpe eingbaut und angeschlossen, noch einen Benzinfilter unters Auto gebaut mit einem Eigenbau-Halter und die Leitungen vorne am Motor angeschlossen. Dann kam der Moment zum leiern. Öl war drinnen, Batterie war dran, auf dem Motorsteuergerät war Strom. Nach dem leiern, um Öldruck aufzubauen, kam der Moment des Startens. Zündspulen waren alle wieder angesteckt und ich drehte den Schlüssel. Der Motor zischte und paffte manchmal aus einen der Auslässe (Krümmer ware noch nicht dran), aber der Motor sprang nicht an. Garnicht. Nicht mit ewigen leiern, nicht mit Bremsenreiniger, garnicht. Jetzt steht man mit so einem Umbau natürlich vor der Frage: Woran liegt es?! An der Verkabelung? An der Mechanik des Motors (falsch zusammengebaut?)? Liegt es am umprogrammierten Steuergerät? Liegt es an einem Sensor, bspw. dem LMM oder einer der Zündzeitpunktgeber?! Wie weitermachen? Fehlerspeicher? Die Diagnosedose war noch nicht verkabelt, das hätte ich mir auch gern vorerst gespart. Ich habe klassisch angefangen: Funke beim leiern? War da. Bei den Iridiumkerzen ist das wie ein Blitzlicht, das funkt wie die Seuche. Sprit war da, die Einspritzventile takten alle. Beim Orgeln riecht es auch nach Sprit. Wird die Luftmenge nicht richtig erfasst? LMM abgesteckt, ohne Erfolg, danach den Drosselklappensensor, auch ohne Erfolg. Herumtelefoniert und gegockelt. Wenn ein Funke da ist, sind auch die beiden Zündzeitpunktgeber in Ordnung und sollten auch Synchron sein, sonst gibt das Steuergerät den Funken nicht frei. Sprit Vor- und Rücklauf vertauscht? Endete in einer Benzindusche, war aber in Ordnung. Einen Nockenwellengeber hatte ich noch da, getauscht, ohne Erfolg. Kompression gemessen, war völlig in Ordnung, also stimmen auch die Steuerzeiten. Ich habe ein ganzes Wochenende damit zugebracht, den Fehler zu finden. Im Netz kursieren die verrücktesten Dinge, von Nockenwellen falsch herum eingebaut bis verrückte Fehler im Steuergerät... Ich habe weitere Stunden damit zugebracht, die Diagnosedose provisorisch zu verkabeln, um den Fehlerspeicher auszulesen. Darin stande als Fehler nur "Can-Bus", die Livedaten sahen aber alles soweit ganz gut aus.

 

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Am Ende konnte es mehr oder weniger nur noch ein Fehler sein: Falsch montierte Geberscheibe auf der Nockenwelle. Dadurch stimmt der Zündzeitpunkt nicht und der Motor springt in 100Jahren nicht an. Das fiese dabei ist, dass die Geberscheibe sozusagen lose ist und man die Möglichkeit hat, die Scheibe in 6 verschiedene Positionen zu montieren (durch 6 Schraubenlöcher). Ich war mir aber sicher, dass ich das richtig gemacht hatte, weil ich beim Zusammenbau genau darauf geachtet hatte. Apropos Zusammenbau... ich hatte viele Fotos gemacht, also war es doch ein einfaches, die Bilder durch zu sehen. Vllt sieht man ja was?! Beim Blick auf die Bilder in meinem eigenen Blog hier sah ich meinen Fehler. Das Geberrad war tatsächlich ein Loch verdreht. Und ich Blödhammel hatte es sogar fotografiert :D :D :D

 

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..Jetzt musste ich doch den Ventildeckel wieder runterbauen und mir das Werkzeug für die Arretierung der Nockenwellen ausleihen. Was für ein Ärger... Der noch größere Ärger war, dass der Motor mit Messuhren eingemessen werden muss, weil man die Kurbelwelle nicht Arretieren kann. Also baute ich wieder Messuhren auf, Arretierte die Nockenwellen und löste die Schrauben des Nockenwellenrades, auf dem auch die Geberscheibe sitzt. Und die Kurbelwelle verdrehte sich.........nicht. Gott sein Dank. Geberscheibe ab, drehen wieder dran und festziehen. Damit umging ich das gesamte Einmessen des Motors und ich war total erleichtert. Tja jetzt kam der Moment (Take two). Diesmal sprang der Motor nach einer Sekunde sofort an und brüllte seinen Weckruf durch die ganze Stadt. Gefiel mir. Durch das Getöse hindurch konnte man keine Nebengeräusche oder ähnliches hören. Es hat einfach nur Gedröhnt im Hirn :cool: Außerdem war noch kein Kühlwasser im Motor, also stellte ich ihn nach 20 Sekunden wieder ab. Aber er lief...

 

 

 

LichtmaschinenprüfstandLichtmaschinenprüfstand...und schon war die Lichtmaschine kaputt. Sie qualmte vor sich hin und war glühend heiß. Sie hatte einen Kurzschluss gegen Masse. So konnte ich aber gleich mein neues Batteriekabel mal auf Herz und Nieren testen, denn die gesamte Plusleitung lag durch die Lichtmaschine auf Masse. Die Kabel hielten stand. Kurzum, ich musste eine neue Lichtmaschine einbauen. Das ging ohne Wasserkühler noch recht gut. Die "neue" gebrauchte Lima war beim Elektrikspezi noch auf dem Prüfstand und wir haben die Lichtmaschine mal richtig gestresst. Die Lima geht tadellos, obwohl die Spannung auf dem Oszi etwas zappelig aussah.

 

 

 

Ölkühler und Adapterzirkus

 

Es kann passieren, dass der Motor heiße Backen bekommt, deshalb ist es ratsam, einen Ölkühler zu verbauen. In dem Atemzug kam auch gleich ein Adapter, mit dem ich von der originalen externen Ölfilterpatrone direkt auf Schraubfilter umgestiegen bin. Den Filteradapter gibts für 150€ im Netz und ist leicht zu montieren. Dort kann man dann die allgemein bekannten Sandwichplatten montieren. In die Sandwichplatte kommen dann Sensoren für Öldruck und Öltemperatur und die Anschlüsse für den Ölkühler. Ich habe mir eine recht teure Sandwichplatte von BAT-Motorsport bestellt. Diese hat ein Thermostat, was beim Ölkühler wichtig ist und alle Anschlussmöglichkeiten. Es gibt garnicht so viele Sandwichplatten, in denen man Ölkühlerschläuche UND Sensoren verbauen kann.

Ich verbaute die Sandwichplatte, dann die Sensoren, dann musste ich noch 2 mal die Dash-Anschlüsse umtauschen weil es immer nicht so richtig gepasst hat. Es geht auch wirklich nur gerade so. Der Ölkühler hängt vorne am unteren Schlossträger. Dazu habe ich Halter angeschweißt und den Ölkühler auf so Gummiteilen montiert. Die Sache mit den Dash-Leitungen war super, die Montage ist kinderleicht und die Schläuche halten.

 

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Wasserschaden am Motor

 

Danach kam der Kühler dran. Verbaut habe ich einen Kühler vom BMW 535i E28. Zur Montage habe ich unten nur straffe Winkel einschweißen müssen, dann passt der Kühler plug&play. Ziel war, den Motor mal etwas länger laufen zu lassen, wenn Wasser drin ist. Beim Auffüllen vom Wasser passierte die nächste Katastrophe. Es lief in Strömen unten aus dem Motor wieder raus. Zwischen Motor und Getriebe. Seelenkrebs. Oben war alles trocken, rund um den Motor war alles trocken aber es lief wie aus Eimern zwischen Motor und Getriebe raus. Hier wirds affig. Der Motor hat einen Aluminiumdeckel für das Kühlwasser über der Kurbelwelle (praktisch unter der Kupplungsscheibe). Den hatte ich mit abgedichtet. Jetzt war er undicht, was bedeutet, dass das Getriebe wieder raus muss. Also muss auch der Motor wieder halb raus. Die Stimmung war am Tiefpunkt, an dem Punkt hatte ich einfach keinen Bock mehr. Ich hatte angefangen, die Schaltung wieder auseinanderzubauen und alles vorzubereiten. Aber wie das so ist, wenn man keinen Bock mehr hat, bin ich einfach nach Hause gegangen und habe Bier getrunken. Ich rief frustriert meinen Motormann an, der schon die Nockenwellen und Köpfe gemacht hat. Der kennt die Motoren in- und auswendig. "Schau mal oben im V nach dem Deckel. Wenn der undicht ist, läuft das Wasser durch die Abläufe ab. Und die sind wo? Bingo, in der Getriebeglocke!"

 

:eek::eek::eek:

 

Am nächsten Tag gleich den Schraubenschlüssel in die Hand. Nervig ist, dass der Deckel unter der monströsen Ansaugbrücke liegt. Aber es bewahrheitete sich, der große Deckel im V war tatsächlich undicht. Die Dichtung gibts nicht einzeln, man muss den ganzen Deckel neu kaufen. Da waren wiedermal 80€ weg...

Danach war aber alles dicht und ich war glücklich wie bolle. Ich konnte das Getriebe drin lassen. So halb provisorisch bastelte ich noch den Ausgleichsbehälter dran. Ich wollte mal fahren! Und es fuhr! nur kurz aus der Halle, draußen umgelenkt und wieder herein, wegen dem schier infernalen Lärm des Motors. Aber es fuhr. Es war ein Schlüsselmoment. Die Kardanwelle ist übrigens aus dem BMW-Baukasten vom E36 328i und die Kupplungshydraulik ist soweit neu (und natürlich angepasst)

 

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Abgasanlage

 

Tja, der richtige Hass ist die Abgasanlage. Nicht, weil es unmöglich ist, eine zu bauen, sondern die so zu bauen, dass man sie auch eingetragen bekommt. Ich war bei meinem Dekramann und quatschte mit ihm die Herangehensweise durch. So trivial wie vor 10 Jahren ist so eine AGA nicht mehr, auch der Ermessensspielraum der Prüfingenieure ist hart eingeschränkt. Das geht bei den Krümmern los. Es sollten angepasste Originalteile sein, weil man mit Eigenbauten ja nicht weiß, wie sich das thermisch und leistungstechnisch verhalten. Das wollte er ungern sehen. Weiter ging es mit den Katalysatoren. Mein Wunsch waren 2 200Zeller Metallkats von HJS. Geht nicht. Also ginge, wenn ich ein Papier hätte, was bestätigt, dass die Katalysatoren an genau diesem Motor richtig funktionieren würden. Gibts nicht, also ist nicht. Danach kommen die Schalldämpfer. Dafür braucht der Prüfer dann Papiere, evtl. sogar Papiere über die benutzte Dämmwolle. Der Prüfer meinte, er muss jetzt alles lückenlos nachweisen können. Er kann nichts für den Zirkus, jedoch verdrehte er selbst etwas die Augen bei dem Thema Bürokratie. Außerdem muss ich die eingetragenen Geräuschemissionen erreichen. Die wären 77dB(A) für das Fahrgeräusch und 83dB(A) für das Standgeräusch. Und das ist verdammt wenig für so nen Koloss von Motor. Ich war erst bei Enco-Motorsport in Chemnitz, die machen aufgrund der ganzen Abgas- und Lautstärkekatastrophe keine AGAs mehr. Dann war bei Edel01 in Lichtenstein und die Jungens dort sind wirklich mal top. Die haben Ideen, sind kommunikativ, nett und haben echt mal richtig Ahnung.

 

"83dB(A) im Stand? Never ever bei 4.4Liter Hubraum. Wieviel hat der 540i?"

"82."

Betroffene Gesichter.

 

Tja, Blöd jetzt :D Wir sind momentan noch etwas am Drehen. Laut Aussage einiger Prüfer kann man vor BJ89 wohl noch etwas nach oben gehen, aber wirklich ne Zahl haut niemand raus. Die Edel01-Truppe versucht aber wirklich ihr bestes, war ich extrem gut finde. Die Krümmer habe ich selbst angepasst. Dazu hab ich mir die Krümmer vom VorTu gekauft, ein paar 90°Bögen und habe herumgeschweißt. Ich muss dazu sagen, dass ich mir dafür extra Edelstahlschweißdraht für das MIGMAG gekauft habe und meine ersten Versuche an den Krümmer gestartet hatte. Sieht gut aus, das Schweißbad war nach Meinung der Experten etwas zu kalt, sollte aber trotzdem halten. So glotzen die beiden Rohre jetzt unter dem Getriebe raus. Die Kats kaufe ich noch bei Kleinanzeigen für nen relativ schmalen Taler und warte dann auf einen Termin bei den Edel01-Jungs. Ich habe noch den ohnehin versaubeutelten Auspuffauschnitt gerichtet. Bei E30 ragen die Endrohre immer so schräg aus dem Heck, das gefällt mir nicht. Habe das alles etwas verbreitert und versetzt.

 

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Tachoanpassung

 

Den Tacho hatte der Vorbesitzer mit dem Versuch, die Zeigen zu lackieren, versaut. Die Zeiger sahen schlimm aus. Außerdem wollte ich die Geschwindigkeitskala bis 280km/h haben. Ich hatte im Netz so einige Firmen angeschrieben, was der Umbau samt Tachoabgleich so kostet, da war ich bei Angeboten von 750€ ohne Zertifikat fast in Ohnmacht gefallen. Machste das halt selber, so schwer ist es letztendlich auch bloß nicht. Der Tüv meinte, er macht einen Vergleichsfahrt mit GPS, wenn das passt, passt das.

 

Also baue ich den Tacho aus. Schwierig war, dass es keine Stromlaufpläne zum Tacho gab. Also hab ich die Geschwindigkeitseinheit aus dem Tacho gebaut und siehe da: 4 Anschlüsse, auch noch beschriftet. Leider wirr. 30 und 31 war klar die Spannungsversorgung. 31g und A war mir unklar. Glücklicherweise war damals so, dass man die ICs auf den Platinen nicht geschwärzt hatte, so konnte ich eine Pinbelegung des Tachotreibers auftreiben. Mit etwas messen und herumsuchen fand ich heraus, dass 31g das Eingangssignal ist, A ist der aufbereitete Ausgang für Tempomat, BC und das Verdeck beim Cabrio. Alles klar.

 

Mit einem Microprozessor habe ich ein rechtecksignal mit verschiedenen Frequenzen erzeugt, dann die Frequenzen und die dazugehörigen Geschwindigkeiten notiert, die Tachoscheibe getauscht und dann wieder bei den festen Frequenzen die angezeigte Geschwindigkeit eingstellt (mittels R als Außenbeschaltung des ICs). Hat super geklappt. Ich habe gleich alle Tachoscheiben bestellt wegen der Optik und gleich alle Zeiger ordentlich rot lackiert. So war der Tacho wieder einbaufertig.

 

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Was noch?

 

Kleinigkeiten. Dinge, man so nebenher mit macht und trotzdem viel Zeit in Anspruch nimmt. Hier wären die Zusatzinstrumente zu nennen, die Verkabelung des E-Lüfters und den mechanischen Einbau, den Einbau der OBDII-Buchse unterm Lenkrad, das sortieren und verlegen der Kabel im Innenraum, den Einbau eines ordentlichen Radios (war durch abgeschnittene und fehlende Kabel langwierig), Den Einbau der ganzen Verkleidungen, Nachrüstung eines Audio-System frontsystems und all diese "Kleinigkeiten".

 

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Wie gehts weiter?

 

Kleinigkeiten. Front dran bauen, dann müssen einige Stellen nachlackiert werden, dann muss das Fahrzeug komplett aufbereitet werden, die AGA fehlt. Mit der AGA ist er dann soweit fertig und kann der Dekra vorgestellt werden...

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23.08.2019 08:44    |    Tobner    |    Kommentare (27)

Nach langer Zeit geht es am BMW E30 weiter. Also es geht schon seit Anfang des Jahres weiter, nur wurde die ganze Motorgeschichte ungewöhnlich in die Länge gezogen. Dazu später mehr.

 

..Den Motor selbst habe ich schon vor 3 Jahren mit dem Wintersubaru aus der Bremer Region gekauft. Damals war er günstig und vorallem mit allen Anbauteilen und dem Steuergerät. Der Motor sei bis zum Ausbau wunderbar gelaufen, aber solche fadenscheinigen Aussagen zählen bei mir nichts. Leider ist man bei solchen Dingen dem Verkäufer ausgeliefert... Ich habe vor Ort nur gecheckt, ob der Motor dreht und ob er halbwegs Kompression hat und habe ihn dann mitgenommen. Damals lief der Wintersubaru die 800km am Tag problemlos, ich vermisse den kleinen, hässlichen Trümmer von Zeit zu Zeit :D

 

Der Motor ist ein M62B44S1, also ein 4.4 Liter Benziner vor TU (TU=technische Überarbeitung), was bedeutet, dass der Motor noch keine variable Nockenwellenverstellung ("Vanos") und noch eine alte Version der Wegfahrsperre besitzt. Das größere Problem ist die wassergekühlte Lichtmaschine des TU-Motors, die etwas größer baut und somit kaum noch Platz im E30 hat. Außerdem hat der TU-Motor keinen Gasbowdenzug mehr, was die Anbindung an den E30 schwierig macht. Aus diesen Gründen sollte man für so einen Umbau den "vorTU" hernehmen. Leider wurden diese vorTU-Motoren nur 2 Jahre gebaut, was sie recht selten macht. Außerdem ist der "große" 4.4 Liter seltener und gefragter als der "kleine" Bruder mit 3.5Liter. Das alles schmählert die Auswahl und treibt den Preis in die Höhe. Mein Motor hat 850€+100€Sprit gekostet, war also schon günstig, weshalb ich auch so weit gefahren bin.

 

Doch, wie sieht der Motor innen aus? Es hätte auch sein können, dass ich mir einen ziemlich teuren Briefbeschwerer gekauft habe. Aufschluss sollte die Regenerierung des Aggregates bringen. Klar hätte ich den Motor auch einfach so einbauen können, aber das ist nicht meine Art. Zumal die Motoren nicht die robustesten sind und keiner weiß, wie viel der Motor tatsächlich erlebt hat. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, als Motor öffnen. Schwachpunkt des Motors ist der Kettentrieb. Die Ketten längen sich und die Laufschienen laufen stark ein, was über kurz oder lang zum Tot des Aggregates führt. Deshalb war der anfängliche Plan: Motor auf und nur den Kettentrieb und einige Dichtungen, wie die ohnehin undichte Ölwannendichtung austauschen.

 

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Durch Zufall kam ich aber mit einem Motortuner in Kontakt, der mir anbot die Nockenwellen schleifen zu lassen. Damit würde der Motor spürbar besser gehen und ich käme mit etwas Anpassung von Hardware und Software auf ca. 350PS. Der gute Mann hat echt was auf dem Kasten, also war der Deal klar. Ich fing an, den Motor zu zerlegen. Dabei wurde ich immer glücklicher, denn der Motor macht innen wirklich einen sehr guten Eindruck. Kein schlimmer Kettentrieb, keine gelängten oder eingelaufenen Ketten von den Nockenwellen oder Ölpumpe, keine eingelaufenen Nockenwellen oder kaputte Zylinder. Ja, Zylinder. Ich beschloss, nachdem ich nun die Nockenwellen ausbauen musste, gleich noch die paar Zylinderkopfschrauben zu lösen und die Köpfe ebenfalls zu überarbeiten.

 

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Mit den Nockenwellen fuhr ich zum Motorenmann. Da es hier später Dissonanzen gab, verzichte ich darauf, den Mann persönlich zu nennen. Letztendlich konnte er nicht viel für meinen Ärger, er hat die Arbeit auch outgesourced und stande zwischen den Stühlen. Deal war einfach. Ordentlich straffes Nockenwellenprofil, um die 250grad Öffnungswinkel und knapp über 10mm Ventilhub. Das ist schon amtlich für so einen großen V8. Kosten sollte es knapp 1000€ und der Ventilspielausgleich sollte mit im Preis sein. Beim Abgeben der Wellen war von Lashcaps die Rede. Das sind Kappen, über die Ventile gestülpt werden und damit den Schaft verlängern (s.Bilder). Ohne diesen Ausgleich kann es passieren, dass die Hydrostößel das Spiel nicht mehr ausgleichen können und kaputt gehen. Dauern sollte der Spaß 3 Wochen.

 

 

 

 

In der Zwischenzeit zerlegte ich den Motor weiter. Ich wollte mir die Pleuellager anschauen, denn diese sterben auch früher oder später und nach der ganzen Arbeit "obenrum" am Motor wollte ich das Risiko eines kapitalen Motorschadens durch Pleuelschaden nicht eingehen. Auch "untenrum" war der Motor zwar gut gelaufen, aber keinesfalls schlimm verschlissen. Die Pleuellagerschalen war mit knapp 50€ relativ günstig, doch die Schrauben der Pleuel sind mit 8€/Stk nicht ganz so billig. Davon braucht man auch noch 16 Stück!

 

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..Ich hatte auch die kompletten Dichtungen am Block bestellt, alle Wellendichtringe, 2xKettenspanner Nockenwelle, 1x Kettenspanner Hauptkette, alle Ketten (auch die der Ölpumpe) und alle Kettenschienen, neue Dichtsätze der Köpfe samt Ventilschaftdichtungen und Kopfschrauben und sämtliche O-Ringe am Motor. Da waren gleich mal 1300€ weg. Und ich habe nichts bei BMW gekauft, sondern nur im Zubehör. Da natürlich von Namenhaften Herstellern (Viktor Reinz, Elring, Kettenkit von Febi, Lagerschalen von Glyco). Tja, billig ist das Verknügen nicht...

 

 

 

 

Dann habe ich mir die Köpfe angeschaut. Die sahen auch super aus. Also baute ich die Ventile heraus und fuhr damit wieder zum Motormann. Der reinigte die Köpfe, fräßte die Ventilsitze nach, checkte die Ventilführungen und passte die Ventil an. 2 Wochen später konnte ich die Köpfe abholen. Die Arbeit war hervorragend und kostete 650€ für beide Köpfe. So muss das!

 

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Aber wo blieben die Nockenwellen? 3 Wochen waren ausgemacht, nach 5 Wochen fragte ich an. Es hieß, in der folgenden Woche werden sie fertig. 2 Wochen später rief ich wieder an, ich wurde wieder auf die folgende Woche vertröstet. Nach über 3 Monaten ging meine Geduld zur Neige. Es hieß dann, der eine Zerspaner wäre mit dem Fuß umgeknickt und der andere hätte einen Todesfall in der Familie gehabt, aber nächste Woche wird es fertig. Ganz ehrlich. Mit den ganzen Ausreden wurde es leider nicht besser. Da ich den Motormann aber persönlich mag und seine Expertise wertschätze, übte ich mich weiter in Geduld. Nach 4 Monaten klingelte das Telefon. Die Nockenwellen wären auf der Maschine, aber eine der Wellen sei irreparabel eingelaufen. Prima. Der Motormann kümmerte sich und beschaffte günstig einen Ersatz. Eine Woche später konnte ich die Wellen abholen. Bei der Abholung fragte ich nach dem Ventilspielausgleich. Egal ob Shim oder Lashcap. Die waren nicht da, werden aber nachbestellt und kämen (Achtung!) in der kommenden Woche. Wie es der Zufall wollte kamen die Lashcaps nicht. Aber der Motormann hätte noch einen Satz liegen, die könnte ich haben. Noch bevor die Caps ankamen, kam eine Rechnung vom Motormann über 250€ für die Lashcaps. Ich fragte, was das solle, er meinte, es war nie ausgemacht, dass sie im Preis inbegriffen seien. Was solls denn, mündliche Absprachen sind halt schwierig... Also zahlte ich zähneknirschend die Rechnung und eine Woche später hielt ich die Caps in der Hand. Ein Traum. Die ganze Aktion hat 5 Monate gedauert, was mich persönlich rasend vor Zorn macht. Egal. Akzeptiere, was du nicht ändern kannst.

 

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Dann ging es ans einbauen. Köpfe waren mit Ventilen und Federn bestückt, also installierte ich die Lashcaps und baute die Nockenwellen ein. Ich sollte, laut Motormann am ersten Termin, die Nockenwellen einmessen. Durch das Schleifen müssen die Nockenwellen anders eingestellt werden als Serie. Also kaufte ich für 80€ 2 Messuhren samt Stativ. Die Einstellwerte blieb er mir bis zum Versand der Lashcaps schuldig, am Ende hieß es, ich solle das auf Originalwerte stellen und gut. Also lieh ich mir das Arretierwerkzeug für die Nockenwellen aus,stellte die Kurbelwelle mit einer Messuhr auf OT und montierte die Kette. Der Rest war unspektakulär. Ich musste natürlich nach der ewigen Standzeit viel Zeit mit Puzzlen und herumgesuchen zubringen, aber am Ende war der Motor zusammen und ich glücklich wie Bolle! Dann Motierte ich noch das Einmassenschwungrad von CCC-Motorsport. Der Zweimassenschwung von BMW wiegt um die 18kg und macht den Motor doch recht träge. Durch Zufall kam ich günstig (400€) an ein gebrauchtes EMS. Dazu kaufte ich die passende Kupplung, neue Zündkerzen und einen neuen Riementrieb samt Umlenk und Spannrolle und montierte das 5Gang-Getriebe.

 

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Dann kam der Einbau. Ich dachte, es wäre ein gute Idee, den Motor samt Getriebe einzubauen. War es nicht, es ging nicht. In meinen Vorbildern, den amerikanischen Sendungen wie Fast&Loud ist es immer einfach, einen V8 samt Getriebe einzubauen. Mit einem E30 geht sowas nicht. Das Getriebe taucht von oben in den Getriebetunnel, dann verkanntet der Motor an den Ventildeckeln an der Stehwand und mit der Ölwanne am Schlossträger. Also dachte ich, es wäre eine bessere Idee, die Achse aus dem Auto zu bauen, den Motor darauf zu Montieren und dann die Karosse von oben auf den Fahrschemel zu setzen. Blöde Idee, der Motor war schlicht zu breit für die Längsträger vom E30. Der Motor ist 4cm zu breit anden Ventildeckeln. Also Montierte ich wieder den Motor von der Achse und baute die Achse wieder ans Auto. Der Motor musste auf herkömmliche Art eingebaut werden. Erst Motor, dann Getriebe.

 

Ich flanschte das Getriebe wieder ab, setzte den Motor ins Auto (direkt auf die Motorhalter) und wir fädelten von unten das Getriebe an. Die Getriebeglocke verklemmte sich im Getriebetunnel, der Motor saß zu weit hinten, sodass wir mit der Getriebeglocke nicht an der Kupplung vorbeikamen. Als hoben wir den Motor von den Motorhaltern und ließen ihn im Motorraum am Kran hängen. Der Motor war soweit nach vorne geschoben, dass er am Schlossträger und am Kühlerhalter anlag. Dann ging das Getriebe dran. Was ein Affenzirkus...

 

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Ich übe mich ja auch im Filmen und der Filmbearbeitung. Ich habe mir nach den ersten Versuchen mit der Canon Spiegelreflexkamera und Schusstimer jetzt eine günstige Aktioncam gekauft, die direkt Zeitraffer aufnehmen kann. Ich habe die komplette Arbeit am Motor gefilmt und möchte sie euch auch nicht vorenthalten. Leider ist die Helligkeit in der Halle nicht perfekt für die Kamera, eine GoPro wäre da bedeutend besser, aber was nicht ist, kann ja noch werden :)

 

 

 

 

 

Kosten

 

Gestern kam ein Hallennachbar und fragte, was so ein Umbau so kostet. Als ich sagte, mit 10k wirste nicht weit kommen, bekam er große Augen. Die Kosten sind sicher auch interessant für euch, deshalb schreibe ich mal einen groben Überblick.

 

BeschreibungKosten
Umbauset von 300mm.de1000,-
Bremssättel & Halter VA + HA400,-
Bremskraftverstärker + HBZ200,-
Hinterachse Scheibenbremse gebraucht100,-
Tonnen- und Schwingenlager + neuer Lack150,-
Handbremse mit Seilen und Kleinteilen100,-
Differential + passender Deckel250,-
Radlager VA+HA100,-
Bremscheiben & Beläge VA+HA350,-
Z4 Radnaben100,-
Tank235,-
Kleinteile (Schläuche, Leitungen, Dichtungen, Schrauben...)300,-
Motor900,-
Getriebe 5 Gang650,-
Ersatzteile Motor komplett samt Kupplungssatz1700,-
Einmassenschwungrad samt Schrauben460,-
Nockenwellen schleifen + Lashcaps1250,-
Köpfe überholen650,-
Werkzeug extra gekauft150,-
Umbauset Automatik-Schaltgetriebe komplett (Pedale, Geber- &Nehmerzylinder,...)200,-
Batterie im Kofferrraum samt Batteriepol, Batteriefach, Kabel200,-
Batterie100,-
Felgen+Pulvern+Reifen+Aufziehen550,-
Lenkgetriebe + Spurstange130,-
Gesamt bis hier10.230,-

 

Natürlich wird die Liste noch länger. Da fehlen noch die Elektrik, Anpassung des Steuergerätes, die komplette AGA, Eintragung, Spezielle Dinge für die Anpassung der Servolenkungshydraulik, Kühler samt E-Lüfter und sowas....

 

Ich muss gestehen, ich hätte nicht gedacht, dass der Umbau SO teuer wird. Aber man macht es ja einmal richtig...

 

So denn, demnächst gehts weiter :)

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14.03.2019 11:33    |    Tobner    |    Kommentare (21)

Sensationelle Schnapsidee, die der Tobner da wieder hatte... bauste mal nen Anhänger.

 

Warum denn das? Noch nicht genug Projekte? Die Antwort ist einfach: Psychische Selbstkasteiung.

 

Nein, Spaß beseite. Ich wollte meinem Hobby genreübergreifend frönen. Ich fahre gern Motorrad und ich unternehme auch gern Touren mit dem Pappmann, warum das nicht verbinden? Die Idee kam mir, als ich letztes Jahr einige Motorradtouren plante und feststellen musste, dass die Startpunkte der Touren immer weiter weg rücken, weil man das heimische Gefilde schon desöfteren abgefahren hatte. Man will ja auch mal den Harz abfahren, die sächsische Schweiz/Elbsandsteingebirge/Kiffhäuser oder bayrischer Wald. Wie geil wäre es, wenn ich stilecht das Motorrad an den Trabant bekäme?!

 

Stilecht... bedeutet im Kern, es muss ein DDR-Anhänger sein. Viele DDR-Anhänger gab es nicht und noch weniger eignen sich zum Transport eines Motorrades. Prinzipiell sind die DDR-Anhänger schnell aufgezählt:

 

1. Die kleinen HP300/HP400 -> kleine Räder, zu wenig Nutzlast, viel zu klein und hässlich

2. HP500 ->Ginge, muss aber gebremst sein für den Trabant, sind relativ teuer und zu kurz

3. umgebauter Wohnwagen

 

Und bei 3. stieß ich wie durch Zufall auf einen leeren Camptourist-Anhänger. Ein CT6-1, BJ.76 ohne Zelt, dafür gebremst und für 100Euro die absolut perfekte Basis. Zu Schade war er auch nicht, weil der Aufbau in einem eh schon desolaten Zustand war. Plan war, den Aufbau zu erneuern, Die Bordwände neu zu bauen und dann als offenen Kasten (evtl. sogar mit 100km/h) zuzulassen. Hier fing es an, kompliziert zu werden.

 

Beim Bau kommen dann so Ideen und Probleme, die man halt so nicht vorhersehen konnte. Die erste Idee war, einfach eine Platte auf den Rahmen und fertig, für das Bike reicht das. Die zweite Idee war, einen Kasten mit Bordwänden zu bauen. Die Bordwände sollten vorne und hinten nach unten klappbar sein, an den Seiten abnehmbar. Danach kam mir die Idee, keine Schiene fürs Bike auf die Bodenplatte zu bauen, sondern nur eine Motorradwippe zu verwenden. Dann könnte ich den Anhänger auch für Gartenabfälle, Möbel oder die nervende Schwiegermutter hernehmen. Als Allzweckhänger.

 

 

So grob sollte es werden, der Rest wird sich schon beim Bauen ergeben. Also habe ich den Anhänger bis auf den Rahmen zerlegt:

 

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Danach habe ich links und rechts in Fahrtrichtungen den Rahmen geschlossen. Dabei fiel dann auf, dass so die Räder nicht mehr zu Demontieren gingen, also musste das Rechteckprofil teilbar sein. Dazu habe ich den mittleren Part herausgetrennt und so gebaut, dass man das Mittelteil nach unten hausnehmen kann.

 

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Danach habe ich die Bremsen (sind vom Trabant) erneuert, neue Leitungen und Schläuche verbaut, neue Radlager eingeschrumpft und mit neu gepulverten Felgen und Rädern zusammengebaut. Dann wollte ich unbedingt eine Siebdruckplatte aus dem Ganzen als Bodenplatte, weil ich bei so etwas irgendwelche Nahtstellen hasse. Die platte musste mindestens 1,50x2m sein, also kaufte ich etwas passendes in 18mm Stärke vom Holzfachhandel.

 

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Nachdem die Bodenplatte passte, kümmerte ich mich um die Bordwände. Die seitlichen Bordwände sollte abnehmbar sein. Ich wollte also in den Rahmen vom Anhänger Hülsen einschweißen und dann an die Bordwände senkrechte Stifte schweißen, die saugend in die Hülsen passen. Die Bordwände vorne und hinten sollten mit Scharnieren klappbar sein und sich mit den Seitenwänden verriegeln lassen, um den Kasten insgesamt zu stabilisieren.

 

Die Bordwände sind Eigenbauten aus 15mm Siebdruckplatten und einem Rahmen aus U-Profilen.

An den Seitenwänden ragen unten die Stifte heraus, an den Wänden vorne und hinten sind Scharniere montiert. Die Elektrik ist komplett neu und da die hintere Bordwand abnehmbar sein sollte, ist dort noch eine 13polige Dose verbaut. Dort kann ich die Elektrik komplett auftrennen und die Bordwand entfernen.

 

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Nachdem das alles gepasst hat habe ich den Anhänger wieder zerlegt, mit Chassislack aus dem Korrosionsschutzdepot lackiert und wieder zusammengebaut. Danach habe ich noch die Bremse entlüftet und auf Funktion geprüft. Hier habe ich wieder ein Zeitraffervideo gemacht:

 

 

 

 

 

Funfact Bremse: Ungewöhnlich an der DDR-Bremskonstruktion ist, dass es eine hydraulische Bremse ist. Am Zugrohr vorne befindet sich ein Hauptbremszylinder samt Behälter, ähnlich wie der vom Trabant. Von dort läuft eine Bremsleitung zum Verteiler am Zugrohr, von dort links und rechts an die Radbremszylinder. Ungewöhnlich, nicht ganz Wartungsfrei, aber funktioniert super!

 

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Danach ging es zur Dekra, die neuen Kastenmaße eintragen lassen und HU durchführen zu lassen. Das ging erstaunlich problemlos, selbst die 100km/h Zulassung hat der Anhänger bekommen, obwohl hier die Meinungen der Prüfingenieure über die Machbarkeit außenandergehen.

 

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Dann habe ich den Anhänger angemeldet und am selben Tag 200km ins bayrische Kulmbach gefahren, um ein Motorrad zu kaufen. Anfangs war mir etwas mulmig, ob das alles klappt mit dem Anhänger, ob ich keine Panne habe und ob wir das Motorrad auf den Hänger bekommen, aber das ging alles ohne Probleme. Leider geht so ein ausgewachsenes Bike nur schräg auf den Anhänger, was probleme beim Verzurren mit sich bringt. Hier habe ich einfach den Fehler gemacht und die Bordwände nicht in meine Überlegung über die Kastenlänge mit einbezogen. Die Motorradschienen sind 2m lang, da reichts, wenn mein Hänger 2m Ladefläche hat. Falsch, das Motorrad ist ja länger als der Radstand und schon sind 2m zu wenig. Dieser Fehler ärgert mich immernoch, vllt erfinde ich noch etwas, um ein Motorrad auch gerade aufladen zu können...

 

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Ansonsten läuft der Hänger astrein. Dadurch, dass alles recht massiv gebaut ist und der Anhänger gefedert ist, klappert, springt und poltert der Anhänger nicht wie wild auf der Straße herum Das ist ausgesprochen angenehm. Man merkt ihn garnicht. Nie. Ich werde wohl mal noch etwas mit dem Trabant und meiner alten Yamaha testen und hoffe, ich kann die ursprüngliche Idee so umsetzen, wie ich es mir gedacht habe.

 

Update 17.04.2019

 

Ich habe getüftelt. Ich habe erstens vorne auf dem Zugrohr einen Rahmen gebaut, auf dem ich die Motorradwippe befestigt habe. Dazu musste ich nur 2 Löcher in den Rahmen bohren und die Handbremse versetzen. Jetzt kann ich das Motorrad alleine aufladen und vorallem gerade auf dem Anhänger transportieren.

 

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Zum anderen musste ich mir noch eine Rampe bauen, die fest mit dem Hänger verbunden werden kann. Hintergrund: Beim testen hatte ich immer nur ein langes Brett angelegt. Problem ist aber, dass die Brettkante am Hänger etwas übersteht und vom Motorrad-Hinterreifen weg geschoben wird. Damit rutscht die Rampe ab und das Motorrad knallt mit dem Hinterrad "ins Leere". Mein Testmoped wiegt 260kg und ich war alleine, als die Fuhre ins Kippen kam... Da muss man schon mächtig stemmen :D

 

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Meine Konstruktion ist einfach, aber trotzdem geschmacklos. Durch die Laschen, an denen die Heckbordwand befestigt wird, stecke ich eine lange Stahlstange. An meiner Rampe sind wiederrum Laschen, die auf die Stahlstange gefädelt werden. Somit kann das Brett nicht abruschten. Meine Rampe musste ich noch mit U-Profilen links und rechts verstärken, weil es doch schlimm durchbiegt, wenn ich die Möppe darüberschiebe.

 

....

 

Zum Test bin ich gleichmal mit dem Trabant durch die Gegend gerast und habe alles getestet. Mein Fazit: Reisetauglich. Der Hänger liegt satt auf der Straße, das Motorrad ist saustabil und der Trabant kommt mit dem Gewicht gut zurecht. Der Luftwiderstand ist auch nicht so hoch, sodass das Gespann auch nicht so furchtbar langsam ist, wie mit dem Qek-Junior Wohnanhänger. Auf der Gerade habe ich mit Testmoped um die 85km/h geschafft, was völlig aussreichend ist. Am Osterwochenende fahre ich die erste Tour ins Elbsandsteingebirge. Mal sehen was das wird :D

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16.11.2018 12:31    |    Tobner    |    Kommentare (46)

Die Saison ist fast vorbei und ich hatte einen gigantischen Spaß in meinem Trabanten. Angefangen hat es mit der Fertigstellung und Zulassung. Zur Fertigstellung hatte ich nur noch die Stoßstangen verbaut, die Kupplung gewechselt (Motorausbau dauert 45 Min :D ), die Felgen pulverbeschichten lassen und neue Reifen aufgezogen.

 

 

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Dann ging der totale Irrsinn mit der Zulassung los. Ich hatte keine Papiere dazubekommen und auch keine eidesstattliche Versicherung über den Verlust der Papiere. Wie ist der Werdegang?

 

Man benötigt eine eidesstattliche Versicherung. Die hatte ich nicht und die Vorbesitzerin hat nicht dergleichen getan. Also redete ich mit einem Notar und der schrieb mir eine Versicherung, dass ICH die Papiere verloren hatte. Danach braucht das Fahrzeug eine Vollabnahme bei der Dekra. Also wurde das Auto vorgestellt. Der Prüfer verweigerte dann die Abnahme, ohne neue Papiere kann er die Vollabnahme nicht machen. Also Trabant wieder nach hause transportiert und wieder auf die Zulassungstelle gefahren. Man muss nicht dazusagen, dass es schon ziemlicher Aufwand war und das ganze hin und her sehr sehr viel Zeit gekostet hat.

Die Frau auf der Zulassungsstelle meinte dann, ohne Vollabnahme keine neuen Papiere. WAS DENN NUN???

 

Die Zulassungstante wollte die Telefonnummer vom Dekramann, die ich natürlich nicht hatte. Nachdem ich die Nummer nachgerreicht hatte, klärten die beiden Parteien das untereinander. Der Dekramann war im Unrecht und erledigte die Vollabnahme ohne Probleme.

 

Dann wieder zur Zulassungsstelle...3h gewartet... dann meinte die Dame, die eidesttsattliche Versicherung kann sie nicht akzeptieren, das hätte der Notar aber wissen müssen. Abgelehnt. Danke.

 

Dann wieder zum Notar: Der war maximal sauer, dass ich seine Rechnung nicht bezahlen wollten und jagte mich überaus böse und unprofessionell davon. Bezahlen musste ich nichts.

Und jetzt?

Ich rief die Vorbesitzerin an, sie meinte, sie kümmert sich darum. Es vergingen Tage und Wochen, ich rief immer wieder an. Es kam aber nichts...

 

Was ich noch dazusagen muss: Der Trabant musste am ersten Juniwochenende 250km fahren als eine Geburtstagsüberraschung, die groß geplant war. Es war Mitte Mai. Irgendwann machte ich Druck, die gute Frau möchte bitte langsam zusehen, mir geht die Zeit aus. Ausreden über ausreden. Mir wurde bewusst, wie schlimm es ist, keine eidesstattliche Versicherung zu besitzen. Da ist das Fahrzeug fertig, Abgenommen und nichts geht los...

 

Samstag musste das Auto die Tour fahren, Mittwoch derselben Woche rief die Vorbesitzerin an. Der Brief ist aufgetaucht. Dem Himmel sei Dank. Also fuhr ich nochmal die 400km und holte den Brief ab. Der Schein wurde damals beim Abmelden eingezogen und lag nicht bei. Egal. Am Donnerstag ging ich zur Zulassungstelle, letzte Chance vor der Tour. Die Zulassungsdame war neu im Amt.

 

"Wo ist der Schein?"

"Der wurde beim Abmelden eingezogen"

"Ohne Schein kann ich keine neuen Papiere ausstellen"

"Dort steht, dass er eingezogen wurde"

"Das wäre mir neu"

 

...

 

Die gute Frau ging zur Kollegin, diese wieß sie zurecht, dass es tatsächlich so war. Die Frau musste wirklich alle Daten in den neuen Schein eingeben, was lange gedauert hat. Dann eierte der Drucker herum, dann war die EVB mit der alten Adresse ausgefüllt, was einen bitteren Anruf später geklärt war, dann wollten die Schilderdienste schließen, weil es schon 19 Uhr war, dann brach langsam Hektik aus...

 

"Kommen Sie bitte morgen wieder"

"NEIN!"

"Okay okay"

 

Egal, nach einer Stunde bangen und herumeiern hatte ich neue Papiere und die Schilder in der Hand. WIE GEIL! Nach dieser ganzen Katastrophe konnte ich es kaum glauben. Ich dachte das wird nie etwas...

Also heim, Kennzeichen dran, FAHREN! Ich hatte nur den Freitag um den Trabant ausgiebig zu testen. Er war über 10 Jahre nicht gefahren und keiner wusste, ob er sooo zuverlässig ist. Also Donnerstag Abend noch losgefahren.

 

 

..Das Fahren in einem Trabant ist mit nichts zu vergleichen. Schon das Geräusch der Türen beim schließen ist besonders. Dann diese Sitze, die ungequem aussehen, aber total bequem und langstreckentauglich sind. Dann das Purschaumlenkrad und die Richtung Fahrzeugmitte versetzten Pedale, sodass man leicht schräg sitzt. Super. Eigensinnig und total symphatisch.

Benzinhahn öffnen und das kleine Motörchen anschmeißen. 2Takt-gebrabbel und wohldufte blaue Wolken verbreiten noch bessere Laune. Der Radstand und superkurz, was das herumrangieren und das Kurvenfahren total eigen macht. Außerdem sitzt man genau zwischen beiden Achsen. Das Auto ist so leicht, dass auch ohne Lenkhilfe das "Scheibenwischen" geht. Die Bremse hat einen guten Druckpunkt, man muss aber wirklich stark treten, dass der Trabant verzögert. Mir gefällt mein Pappmann. Seine Eigenart macht ihn mir sympathisch.

 

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Der Motor ist mit seinen 26PS jetzt kein Leistungswunder, und die Beschleunigung hält sich in Grenzen, aber er geht besser als gedacht. Schließlich hat der kleine nur 700kg zu bewegen. Es reicht. In der Stadt und Überland reicht es vollkommen zum Mitschwimmen, nur auf der Autobahn machts nicht soo viel Spaß mit dem Trabbi. Aber auch das geht...

 

Wie dem auch sei, ich rollerte so durch die Gegend und freute mich wie ein kleines Kind. So muss es sein. Der Trabant ist total aufs Fahren reduziert. Keine Lenkhilfe, keine Bremshilfe, keine elektr. Fensterheber, kein Display, nichtmal einen Drehzahlmesser. Nur das, was man zum fahren braucht. Und mir gefällt es. Und bei 55tkm p.a. in meinem 2018er Firmenoctavia eine sehr willkommene Abwechslung. So völlig und schnickschnack...

 

....Die 250km am Wochenende fuhr der Trabant super. Danach haben wir mal eine kleine Reinigungs- und Konservierungsaktion gemacht, sodass ich jetzt mit ruhigem Gewissen fahren kann. In den kommenden Wochen bin ich dann im Alltag herumgefahren und bin mir der Alltags- und vorallem Stadttauglichkeit bewusst geworden. Parken geht überall und man kann den Trabant fast als Stadtflitzer bezeichnen. Im Juli stand dann die Fahrt zu Freunden an. 250km einfache Strecke. Ich hab mir anfangs sorgen gemacht, dass ich nicht hin- und herkomme, aber die 500km lief der Trabbi ohne Murren. Ich bin Autobahn gefahren, immer mit 85-90km/h, dass ich keine LKW ausbremse. Ging schon, nur die Hitze machte mir zu schaffen. Klima ist schon was tolles, wenn man eine hat :D

Auf der BAB gab es sogar einige Daumen und andere Grüße, es war schon ziemlich geil :D

 

 

..Nach der Tour plante ich schon die OMMMA , die "Ost-Mobil-Meeting-Magdeburg". Magdeburg sind wieder 250km einfach, diesmal sollte aber ein "Anhang" mit. Ich machte unseren "Qek Junior" klar, den mein Opa in den 80ern neu gekauft hat. Zugrohr der Auflaufbremse gängig gemacht, Elektrik kontrolliert und getüvt. Ich fuhr mit einer befreundeten Familie und da mein Pappmann Rollgurte hat, und der meines Kumpels nicht, nahm ich sein Kind im Kindersitz und seine Frau mit. Tja, da hatte der kleine schlimm zu schleppen... Der Wohnanhänger wiegt 360kg und ist somit (falls gebremst) für den Trabant freigegeben. Doch der große Luftwiderstand ist ein echtes Problem. Wir wollten mal schauen ob wir auf 70km/h Reisegeschwindigkeit kamen, um Autobahn fahren zu können, doch daraus wurde nichts. Und wir hatten GEGENWIND. Oh Gott waren wir langsam. Mein Trabbi schaffte auf der Gerade geradeso 60km/h, was die 250km zur Tortur machte. Doch gegen Abend kamen wir ohne Probleme in Magdeburg an und verbrachten ein affengeiles Wochenende dort. Also wer auf Ostmobile steht, kommt nicht an der OMMMA vorbei. Wirklich sehr empfehlenswert.

 

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Rückzu hatten wir dann Rückenwind und wir konnten auf der BAB fahren. Damit waren wir auch nur 3.5h unterwegs. Auch diese Tour lief der Kleine ohne Probleme, was mich etwas verwunderte, weil ich wirklich die komplette Zeit Vollgas fuhr. Seitdem fahre ich zum Spaß mal ne kleine Runde oder mache kleine Erledigungen mit der Pappe. So sind um die 3500km zusammengekommen und jeder davon hat Spaß gemacht ;)

 

..Irgendwann in diesem Jahr hatte ich noch eine Wahnsinnsgelegenheit auf ein Fotoshooting. Ich durfte den Trabant in einen Ferrari-Showroom (!!!) stellen und ein paar Fotos schießen. Dafür wurde sogar eines dieser edlen Fahrzeuge vor die Tür gestellt. Wie geil ist das denn bitte??? :D Dieser Tag war das Highlight in meiner Trabbisaison! Ich glaube, es wird wohl das erste und letzte mal gewesen sein, dass ein Trabant in einem Ferrari-Schowroom stande und ich bin der Person, die mir das ermöglicht hatte, unendlich Dankbar ;)

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17.10.2018 15:22    |    Tobner    |    Kommentare (28)

Letztens hatte ich Urlaub und alle anderen Arbeiten und Verpflichtungen soweit beendet, dass ich den BMW endlich richtig anfangen konnte. Ich wollte mit der Hinterachse anfangen, da ich das ganze Material schon liegen hatte. Ich hole etwas aus, da es schon schwer nachzuvollziehen ist, was ich da so gemacht habe.

 

Der E30 hat hinten original eine Trommelbremse. Klar, für knapp 100PS reicht die, aber mit fast 300PS wäre sie dezent überfordert. Also muss eine Scheibenbremse her. Das geht bei BMW nur mit anderen Achsschwingen. Also Trommelbremsachse komplett raus und Scheibenbremsachse komplett rein. Die Achse, die ich organisiert hatte, habe ich sandstrahlen und mit Industrielack lackieren lassen. Anschließend habe ich neue Tonnenlager in den Achskörper und neue Schwingenlager in die Achsschwingen eingepresst. Dann habe ich neue E30-Radlager eingepresst und darin dann die Radnaben vom Z4. Das passt alles plug&play.

 

 

Damit war die Achse einbaufertig. Der Plan war simple: Alte Achse raus, neue rein und fertig. Sollte nur einen Tag dauern. Es wurden dann 2 Wochen daraus, in denen in jeden Tag am Auto arbeitete. Warum? Seht selbst:

 

Achse drinAchse drin

 

Erst die Achse raus, das ging recht easy. Nur die alten Tonnenlager waren in der Karosse festgekeimt und gingen nur mit roher Gewalt raus. Als die Achse draußen war, ging die Katastrophe los. Rost. Und hier und da etwas Rost. hinten war auch Rost. Und unten. Und am Tankrohr rostete es. Und Pfalzrost war auch zu sehen. Und Rostlöcher überall. Hatte ich schon vom Rost erzählt?!

 

Achse draußenAchse draußen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ii

 

Der E30 hat eine ziemlich alberne Tankentlüftungskonstruktion. Es gehen mehrere Leitungen vom Tank durch ein Rohr zum rechten Radkasten, dort durch den gesamten Radkasten, hinter dem Stoßdämpfer entlang zum Tankeinfüllstutzen. Darüber sitzt noch ein Ausgleichsbehälter für die Tankentlüfung.Der Halter vom Tankrohr war weg. Hinter dem Tankrohr war ein Handflächengroßes Loch im Radhaus. Darum kümmerte ich mich als erstes.

Tankrohr und Ausgleichsbehälter raus, Leitungen und Tank raus und die Stellen geschweißt. Den Halter vom Tankrohr und den Halter vom Ausgleichsbehälter baute ich neu und schweißte ihn an.

 

Tank ausbauenTank ausbauen

 

 

 

 

 

 

 

Der Tank war innen fortgeschritten faulig. Ich überlegte, ob ich ihn vielleicht spühlen, reinigen, versiegeln, lackieren und wieder einbauen sollte?! Ich kaufte für 225Euro einen komplett neuen. Den Tank habe ich dann mit Brantho 3in1 Chassislack lackiert. Soll ja auch halten...

Danach befreite ich den Unterboden vom Auto von allen Kabeln, Sprit- und Bremsleitungen. Die Müssen eh alle neu. Anschließend suchte und stocherte ich den Unterboden ab und legte alle rostigen Stellen frei. Vorallem die Pfalze und Sicken sahen schlimm aus. An der Federtelleraufnahme war auch ein Loch drin.

 

 

 

Ich möchte die arbeiten einmal machen, dafür richtig. Deshalb schliff ich die Roststellen blank, behandelte sie mit Kovermi-Rostumwandler, strich sie anschließend mit Brantho 3in1 und versiegelte sie anschließen mit hochwertigem Wachs vom Korrosionsschutzdepot. Das wird 100 Jahre halten!

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann baute ich neue Benzinleitungen ein, baute und bog die Bremsleitung vom HBZ durchs ganze Auto nach hinten (aus KuNiFer) und baute anschließend den Tank wieder ein.

Danach noch die ganze Tankrohr- Tankentlüftungsgeschichte wieder rein. Meine Halter passen super, hat mich auch einen ganzen Tag gekostet...

 

 

Als das alles wieder schick war und das Auto eh halbnackt auf der Bühne stand, kümmerte ich mich noch um die Hintere Kofferrraumecke/Heckblech um die Abschleppöse. Dazu habe ich die ganze Ecke herausgetrennt und neu gebaut.

 

 

 

Ich habe hier noch ein Zeitraffervideo am Start. Ich habe mit meiner Canon EOS alle 15 Sekunden ein Bild gemacht und anschließend zusammengeschnippelt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie ich finde. Und die Ecke am E30 sieht auch wieder sauber aus ;)

 

 

 

 

 

 

 

 

Danach die neue Achse rein und voilà

 

 

danach passte ich stundenlang das Bremsankerblech an und baute folgende Bremskomponenten ein:

 

-Handbremse original vom E30 mit Scheibenbremse

-Radnabe Z4

-Bremsscheibe vom E46 328i in 294mm Durchmesser

-Bremssatteladapter von 300mm.de

-Bremssättel und -halter vom 540i E34

-Bremsbeläge vom 540i E34

-Handbremsseile original

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bremssättel sind Originalteile aus 1988. Ich hab sie blank gemacht, neu lackiert, neue Manschetten (Kolben waren wie neu) und neue Führungsgummis verbaut. Dann passierte noch ein Malör: Ich habe eine Entlüfter abgerissen. Der Linksausdreher riss dann das im Loch verbliebene Gewindestück in 2 Hälften und ich konnte die oberen3-4mm herausdrehen. Das untere Stück mit dem Konus ging auch mit Linksausdreher nicht heraus, sodass ich als letzte Chance einen Torxbit hineingetrieben habe, den Sattel zum glühen gebracht und so das letzte Krümel herausgedreht habe. Glück gehabt...

 

 

So sieht das Ergebnis aus:

 

 

Am Ende habe ich das Differential vom E34 525tds eingebaut. Das passt mit passendem Deckel in den E30. Da es viele Umbauer gibt, aber die Deckel sehr selten sind, werden die sehr teuer gehandelt. So habe ich 150Euro nur für den Deckel gelohnt, was mir schon ein Dorn im Auge war...

 

 

Ich baute den Deckel an, es passte alles, aber plötzlich ließ sich das Differenzial nicht mehr drehen. Das Geberrad vom Geschwindigkeitssensor stieß am Deckel an. Wie das???

Ich googelte.

 

Es ist kein Deckel vom E30, sondern vom E36 323i compact. Super. Den gibt es bei BMW für 75€ NEU. Superdupermegaprima. Ich wurde abgezockt und mein Blut kochte. Zurückgeben geht nicht, der Deckel liegt schon ein halbes Jahr hier und ich kenne den Verkäufer nicht mehr. Was nun? Geberrad gekürzt. Jetzt dreht das Differenzial aber der Geschwindigkeitssensor stößt innen gegen die Welle...

Jetzt muss ich einen anderen Sensor besorgen und hoffen, dass der Mist passt. Ansonst habe ich ein Problem.

 

Ansonsten konnte ich den E30 auf die neue Achse stellen. Mitsamt den X1-Stahlfelgen in 17" mit neuen 215/40R17 Reifen. Macht schon einen gewaltigen Eindruck.

 

 

 

 

Demnächst habe ich wieder urlaub, dann sollte es am E30 weitergehen.

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23.09.2018 16:35    |    Tobner    |    Kommentare (8)

Tja, in den letzten Monaten ist Zeit meine kostbarste Ressource, deshalb stehen Dinge wie Blogartikel im Hintergrund. Trotzdem will ich den Reisebericht zuende bringen...

 

 

Etappe 9: Ladogasee - St. Petersburg

 

Wir packten unsere 7 Sachen ein und starteten. Thomas hatte die Karte auf die Motorhaube des Suburban gelegt und rührte mit seinem Finger darauf herum: "Hier ist ein schöner Spot, direkt am Ladoga, dort grillen wir." - "Und hier ist ein alter Stadtteil, den müssen wir sehen."

Seine Vorschläge und Pläne waren super, nur hatten wir leider die Zeit nicht und mussten aussortieren. Tagesziel 1 war das älteste Kloster am Ladoga. "Da gehts durch den Wald hin, kein Problem. Und wenn wir dort sind, können wir super grillen"

Kein Problem war es vielleicht mit einem Suburban, eine Niva, einem Landrover oder einem Panzer. Für einen durch das eigene Gewicht tiefergelegten und ziemlich kopflastigen Impreza war es schon schwierig... Wir bogen in den Wald ein, zuerst waren die "Wege" noch recht in Ordnung, doch es wurde von Meter zu Meter schlimmer. Schließlich ging es über Stock und Stein, wurzeln, irgendwelche verschneite Haufen, durch Traktorfahrrinnen quer durch den Wald. Der Impreza kämpfte, saß auf, sodass man den Schnee und Steine am Unterboden langkratzen hörte, saß bei tiefen, fast kraterartigen Schlaglöcher mit den Lampen und/oder dem Grill auf. Mir kamen irgendwann Bedenken wie das noch enden sollte. Umdrehen ging nicht, wir waren schon 20 Minuten in der Schneiße gefahren, die genauso breit war wie ein Auto. Flucht nach vorn ging nicht mehr lange gut. Es macht auch wenig Sinn, wenn man sich einen Antrieb oder einen Querlenker an einem Stein oder einer Wurzel abriss. Vorallem nicht DORT. Und vorallem nicht, wenn man durch die Schneewälle links und rechts nichtmal aus dem Auto austeigen konnte. Franke fuhr die Passage gut. Mit gleichbleibender Drehzahl, mit etwas schwung, bergab mit Motorbremse. Es täuschte aber nicht über die Tatsache, dass der Weg immer schlimmer wurde... Ich war schon dabei zu protestieren, da hielt der Konvio. Wattn nu noch? Eine Art Holzrückezug stande an der Schneiße, der Weg war durch einen riesigen Schnee-/Erdwall versperrt.

Thomas zeigte mitten in den Wald. "Wir könnten auch da so quer..." "NEIN"

Wir drehten um, fuhren die furchtbare Schneiße durch den Wald zurück und bogen irgendwo in einer Waldsiedlung ab Richtung dem Kloster. Das Wetter war bombenhaft, die kleine Fischersiedlung am See lag verschlafen brach. Das Kloster haben die Russen kurzerhand weggerissen und waren dabei, ein neues ältestes Kloster zu errichten. Mit Blick auf die Uhr klemmten wir uns leider das Grillen und rollten weiter.

 

 

 

Plan war, auf der Ostseite nach Süden um den Ladoga zu fahren und dann westwärts nach St. Petersburg zu fahren.

 

Was ich noch anmerken muss, dass wir, außer Thomas, entsetzt waren, wie die Russen lebten. Am Vorabend war es so dunkel, dass wir es nicht direkt sahen, aber jetzt sahen wir das Elend der Landbevölkerung. Die Russische Landbevölkerung lebt in Bretterhaufen, sporadisch mal mit Fenster oder Tür. Kanalisation haben die Dörfer sehr selten. Wahnsinn. Wenn man soetwas sieht, muss man jede Minute froh sein, in Deutschland einen hohen Lebensstandart zu besitzen und es nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen...

 

 

 

 

Irgendwann nervte wieder der winzlige Tank des Subarus und wir mussten Sprit fassen. Wir hielten an einer "Tanke" und fragten uns, was zu Hölle DAS da war?!

 

 

Eine Tankstelle. Bestehend aus einem Überseecontainer, darin alte Fässer und IBCs, voll mit Sprit. In den Seiten hat der Russe Löcher in den Container gefressen und Zapfsäulen hineingestellt. Die Zapfpistole ruhte in einem umgeschweißten Feuerlöscher. Abenteuerlich. Wahnsinn. Wie geht das Tanken? Nebenan stande ein Verschlag aus Holz und Blech. Darin eine Frau, die die Tankstelle im Griff hatte. Über einen Lautsprecher schnauzte die uns schnarrend an. Thomas übersetzte. Man wählt einen Betrag, den man Tanken will, die Frau gibt den Betrag an Sprit frei und man tankt. 25Euro wählte ich und musste meine Sparkassenkarte in die Blechhöhle geben. Mulmig tippte ich die PIN ein und schon durfte ich Tanken. Man kann zwischen 76, 92 und 95 Oktan wählen. 76 Oktan, mit was fahren die denn noch rum?!

Ich tankte 95Oktan bis der Tank voll war. Wir hatten aber noch einige Liter "frei", also stieg Franke mit dem Benzinschlauch aufs Dach und tankte die Kanister voll. Anschließend waren immernoch 200ml übrig. Es ging kein Tropfen mehr ins Auto, also steckten wir die Pistole wieder in den Feuerlöscher. Plötzlich brüllte die Frau durch den Lautsprecher wie verrückt. Thomas meinte, wir sollen die 200ml noch tanken. Ging nicht. Die Frau war außer sich. Thomas sagte ihr, die 200ml sind geschenkt, die soll es einfach dem nächsten Kunden schenken. Ich glaube, die Frau erlag einem Nervenzusammenbruch. Entrüstet meinte sie, sowas hat sie in 15Jahren noch nciht erlebt... Also dass einer 200ml Sprit verschenkt... Der Liter Sprit kostet übrigens um die 70-80Cent.

 

Wir fuhren weiter durch die Dörfer, ich kam aus dem Staunen kaum wieder heraus. Es war wirklich eine Wahnsinns-Erfahrung. Dann bogen wir auf die Schnellstraße, die um den Ladoga führt, ein und waren in einer automobilen Anarchie. Kriegsähnliche Zustände, jeder gegen jeden. Jeder kennt die Dashcam-Videos von den Russen, und ich war entsetzt, dass es wirklich so aussieht im Straßenverkehr. Halsbrecherische Überholmanöver, egal ob links vorbei bei Gegenverkehr oder mit über 140 Sachen durch den Dreckstreifen rechts vorbei. Dazwischen linksabbieger, die auf der Autobahnähnlichen Straße wenden wollten, daneben die sagenhaft behämmerten ZEBRASTREIFEN!!!! Zebrastreifen auf einer Schnellstraße! Was macht man wenn man da angesohlt kommt und jemand am Zebrastreifen steht? Anhalten? Da knallt einem der nächste ungebremst ins Heck. Ausweichen? Da drängt man den Kinderbus, der gerade mit 140 und vollem Gegenverkehr überholt, von der Straße. Man kann nichts anderes machen als hoffen, dass die Omi dort stehenbleibt. Was passiert, wenn man dort auf Straße tritt, sieht man in den Dashcam-Videos. Der Nerven kitzelten bis in die Haarspitzen. Natürlich muss man dann auch noch auf die badewannengroßen Schlaglöcher aufpassen, mithilfe denen man sich die Achsen in Rekordzeit ausbauen könnte...

 

Das Kolonnenfahren war genauso schwierig bis fast unmöglich, weil sich andauernd fremde Autos zwischen und drängten und weiter überholten. Dazu MUSS man tatsächlich öfters auf den Dreckstreifen ausweichen, weil sonst der Russe in seinem Lade im Gegenverkehr am LKW zerschellen würde. Ich bin mir auch sicher, dass die Russen einen rammen würden. Ein Wahnsinn, mir war das alles VIEL zu stressig. Dann möchte man überholen, Team Sisu mit Thomas, der voll im Russenmodus war, zog einfach raus, wir hinterher. Die Straße ist kerzengerade (fast immer und überall) und die Gegenfahrbahn ist frei. Man zieht raus, plötzlich knallt einer ganz links, halb auf dem Dreckstreifen vorbei. Währenddessen zieht ganz gemächlich einer aus einer Nebenstraße auf die Gegenfahrbahn. Spaß. Und am Ende kommt noch ein russischer Redneck mit dem Niva aus dem Unterholz und gurgt einem noch in die Quere. Ich muss schon sagen, ich hatte echt Angst, auf Russlands Straßen einen schlimmen Unfall zu bauen. Thomas war da ganz ruhig. "Du darfst nicht in den Rückspiegel schauen, das macht hier niemand. Blinken und fahren, die anderen passen sich schon an..."

 

Um Himmels Willen. Das Himmelfahrtskomando dauerte an, bis wir Tanken mussten und als Snack einen "Schawerma" aßen. Was ein traumhaftes Gericht, es war der Himmel auf Erden. War ich evtl. im Straßenverkehr gestorben? Auch wenn der Schuppen echt gruselig aussah, das Essen war bombe. Man sah aber zum Glück die Küche nicht.

Tja, Toiletten funktionierten auch nirgends, überall waren die Wasserrohre eingefroren...

 

Emotion-Overload. Und das heftige, nämlich den Stadtverkehr, hatten wir noch vor uns. Aber bevor wir nach St. Petersburg fuhren, bogen wir kurz vorher richtung Süden ab und starteten eine spontane Sideseeing-tour. Durch die Dörfer gelangten wir zufällig an ein altes Kloster, bei dem wir uns nur etwas umschauen wollten. Plötzlich kam ein schwarz gekleideter, alter Herr auf zu und fragte, was wir wollten. Er nannte sich selbst einen Pope (orthodoxer Priester) und hat vor geschätzt 200 Jahren in Darmstadt studiert. Er konnte kaum noch deutsch...

Dennoch war er so begeistert von Besuchern, die einfach interessehalber angehalten waren, dass er uns eine Pivatführung durch sein Kloster anbot. Klar, los gehts.

Ich kürze den fast zweistündigen Aufenthalt mal ab und sage: Es war wirklich interessant. Er zeigte uns ein Video mit der Geschichte, zeigte uns den Glockenturm und führte uns wie wild herum. Ein wirklich frommer und netter Mensch. Ein Kontrast zu den Menschen, die ich bisher in Russland getroffen hatte.

 

 

 

 

 

 

 

Wir rollten weiter, wir mussten noch nach St. Petersburg und halb durch die Stadt. Ich kürze auch hier ab. Chaos. kriegsähnliche Katastrophe im Straßenverkehr und wir mittendrin. Wir waren froh, dass der gigantische Suburban hinter uns fuhr. An den trauten sich die Russen nicht heran. Wir erfüllten die Tagesaufgabe: Das finden einer geheimen Bar. Dort war das "Hallo" mit den anderen Teilnehmern riesig, wir freuten uns, überlebt zu haben. Die anderen waren schon Stunden dort und hatten schon recht männlich einen sitzen. Mutig, in Russland herrscht 0.0 als Alkoholgrenze, ein Verstoß kostet fast 4 stellig (EURO!). Zudem bekommt man das Problem, dass das rechtmäßige Klären des Problems mehrere Wochen dauern kann, in denen auch noch das Visum abläuft. Oder man versucht die Polizei zu schmieren, was fast immer geht, aber halt nur fast. Das muss man echt nicht haben, also nur ne Cola trinken und weiterfahren.

Thomas`alter Freund Alexej hatte uns ein 4 Sterne-Restaurant organisert, das auch noch bezahlbar war. Doch wir fanden es nicht. An der angegebenen Adresse war nur ein Wohnhaus, kein Hotel. Thomas verschwand und tauchte 3 Minuten später wieder auf. Wir müssen durch das Tor, das Hotel ist im Innenhof. Ja, genau. Im Innenhof. Ein 4-Sternehotel...

Das Hotel war ein ausgebauter Kindergarten und der Eingang befande sich tatsählich im Innenhof. Nur das nach Verarsche aussehende Schild deutete auf das Hotel hin. Wir traten durch den schmuddeligen und heruntergerockten Hof durch die klemmende und kratzende Tür und standen tatsächlich auf feinem Teppichboden vor einer Rezeption. Dahinter eine junge Rezepionistin und buisness-Dresscode und mangelfreiem Englisch (eine Seltenheit in Russland). Sie führte uns die Treppe hinauf in ein Zimmer, was selbst nach deutschem Standart 4 Sterne entsprach. Ich hab leider keine Bilder gemacht, aber es fehlte an nichts. Neue Einrichtung, teure Möbel, Designfliesen im Bad, teure Dusche mit Regenfunktion, Fußdusche, LEDs, verschiedenen Brausen und Programmen und alles. Wahnsinn.

 

Wir duschten und trafen uns wieder mit Thomas, Annika und Alexej, der schräg gegenüber ein gregorianisches Restaurant ausgemacht hatte. Dort angekommen gab es Mors und die Karten. Wir konnten uns nicht entscheiden und fragten die wirklich genervt wirkende Kellnerin, was zu empfehlen sei. Die Antwort war sinngemäß "alles, ich kann euch nicht die ganze Karte vorlesen". Prima. Letztendlich einigten wir uns, dass sie von allen etwas brachte und wir alles ausprobierten. Nach 10 Minuten stande der Tisch so voll, dass wir keinen Platz mehr zum Essen hatten. Käsebrot, Soljanka, Pelmini, Hackbällchen mit verschiedenen Soßen, Fischzeugs, Salate, verschiedene Weine und Gelumbe standen zum Verzehr. Wir schlugen uns die Bäuche voll, Quatschten etwas und zahlten irrwitzige 55€ für alles. Super!

Auf dem Rückweg sagte Alexej, mit unserem Auto würde er sich nicht in den Straßenverkehr trauen. "Das ist ja nur ein Moped mit Blech rundrum." Danke. So denken halt die Russen.

Wir gingen danach gleich ins Bett, ich war nach dem Tag im russischen Straßenverkehr fix und alle mit der Welt...

 

Tageskilometer: 476km

 


Etappe 10: St. Petersburg - Raudsilla

 

 

Wir trafen und wieder zum Frühstück, zu dem es schlechten Automatenkaffee und keine Brötchen gab, sondern nur Süßgebäck. Naja das war nicht so dolle, aber auch keine Katastrophe. Wir wollten bei Tageslicht noch ein wenig Stadtrundfahrt in Petersburg machen, grundsätzlich hatte ich Lust, mir die Stadt anzusehen, schließlich kommt man nicht alle Tage nach Petersburg. Andererseits war da der Stadtverkehr, bei dessen Gedanken sich mir der Magen verkrampfte. Und das auch noch in der morgentlichen Rushhour. Ohjeohje...

Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass der Innenhof des Hotels winzlig war und wir mit den Autos schon schlimm puzzlen mussten, am Abend hatte sich ein Anwohner lautstark beschwert, ich hätte ihn eingeparkt. Er wäre ohne Probleme da herausgekommen, aber man kann auch erstmal eine Szene machen...

Wir starteten in die Stadt, ab dem ersten Meter ging wieder das pure Chaos los. Ich kürze es ab: Die Stadt bietet wunderbare Ecken, wir hatten das besten Bombenwetter, was man sich vorstellen kann und wir hatten ein paar echt tolle Stunden in der Stadt. Gegen Mittag ließen wir Petersburg hinter uns und wollten nochmal zum Kriegsdenkmal "Krasnaja Gorka" an der Ostsee. Leider darf man als Tourist nicht bis dort hin fahren und sich das anschauen, wir wurden vorher aufgehalten... Also steuerten wir den Grenzübergang nach Narwa an. Außerhalb der Stadt wurde der Verkehr zum Glück etwas ruhiger, trotzdem stressen einen die ganzen waghalsigen Überholmanöver ungemein...

 

Megamarkt "Lenta" mit 34 KassenMegamarkt "Lenta" mit 34 Kassen

 

 

WodgaregalWodgaregal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Stadt gingen dann tatsächlich auch Probleme mit dem Subaru los. Ein Geräusch bündelte meine Aufmerksamkeit, es war ein ganz leises kratzen vom Rad hinten rechts. Es war kaum hörbar, aber unsere geübten Ohren entging es nicht. Vllt Eis, was am Reifen kratzt?! Könnte sein. Wir fuhren erstmal weiter Richtung Grenze.

An der Grenze standen wir gut 2.5h an, wir waren am frühen Nachmittag dort und waren gegen 16:30 endlich an der Reihe. Die Grenzerin war sichtlich am Ende, die ganzen Rallyetouristen haben sie den ganzen Tag unheimlich gestresst. Nach einer kurzen Fahrzeug- und Passkontrolle durften wir ausreisen und das Fahrzeug exportieren.

 

Als wir über die Grenze rollerte, fiel mir ein gigantischer Stein vom Herzen. Die ganze Anspannung fiel von mir ab. Erst jetzt fiel mir auf, wie anstrengend das für mich gewesen ist, nicht ungedingt das fahren, aber die Angst, in einen Crash verwickelt zu werden. Wir hatten es ohne schlimme Polizeikontrollen oder Zwischenfälle geschafft. So viel Glück hatte nicht jeder, beim abendlichen Zusammentreffen ging herum, dass 2 Rallyefahrer am morgen doch noch nicht ganz nüchtern waren und die Polizisten mit viel Geld schmieren mussten. Zu ihrem Glück ging das...

Egal, wir hatten es hinter uns und waren recht froh, wieder mit gesitteten Menschen den Straßenverkehr teilen zu dürfen. Etappenziel war ein Feriendorf kurz vor Tallin. Das war die zweite Rallyeparty, die der Veranstalter organisiert hat. Da wir schon ziemlich spät dran waren, und wir beim Einreisen in Estland auch noch einmal komplett kontrolliert wurden, fuhren wir ohne Umschweife direkt dort hin. Wir hatten uns auch noch verfahren und es gab ein paar kleine Dissonanzen in der Gruppe, wodurch es immer später wurde. Wir freuten uns auf das vom Veranstalter organisierte Abendessen und das gemütliche Beisammensitzen.

Nach 2 kleinen Verfahrern hatten wir das Dorf gefunden. Es war wirklich mitten im Wald, wir sind 10 Minuten durchs Unterholz gekarrt, was aber kein Problem war. Nur das Geräusch aus dem Radkasten hinten rechts wurde allmählich lauter, es war schon fast besorgnisehregend.

 

Das Feriendorf war wie ein Indianerdorf gestaltet. Als Versammlungsort stande dort ein riesiges Tipi (sicher 15m im Durchmesser und wer weiß wie hoch), darin war mittig eine Feuerstelle, darum sitzplätze. Am Rand war eine Bar und eine kleine Bühne mit Livemusik. Es war eine atemberaubende Atmosphäre und unsere Laune stieg....bis es hieß, es gibt nichts zu Essen mehr. Wie bitte WAS?! Schock. Wie jetzt, nichts mehr??? WAS?

Scheinbar ist etwas mit der Organisation schief gelaufen und es war nicht genügend Verpflegung da. Es hieß auch, die ersten Teams hätten ohne Rücksicht auf Verlust gefressen was das Zeug hielt... Was nun wirklich passiert ist, wussten wir nicht, doch wir waren doch ziemlich sauer. "Mir doch wurst, ich grill jetzt!!!" Ich fuhr den Subaru rückwärts direkt ans Festzelt, obwohl es verboten war, und heizte den Grill ein.

 

...nichts zu essen...auf einer Party...tzzz...nicht mit mir...mir doch egal ob das parken hier verboten ist...ich fahr da jetzt hin...

 

Vor dem Zelt war ein Außenbereich mit einer Art überdachter und beleuchteter Bar, perfekter Spot zum grillen. Wir hatten nicht mehr sooo viel Grillmaterial, aber wir schmissen alles aufs Grill, was da war. Es war wieder gelungen, so ein Grill auf der Anhängerkupplung von zwei verrückten Bastlern sorgt immer wieder für Heiterkeit. Die Teams, die nach uns kamen und auch etwas angesäuert wegen der fehlenden Verpflegung waren, waren auch glücklich, noch etwas warmes zwischen die Kiemen zu bekommen. Wir standen noch recht lang am Feuer, quatschten und tranken Coktails. Ich glaubte, langsam waren die Leute auch nicht mehr der Meinung, wir sind irgendwelche Hanswürste, die nicht wissen, was sie machen. Vielmehr machte es den Eindruck, die Leute fingen an uns zu respektieren, weil wir mit einem so schäbigen Auto so weit gekommen waren. Einige fragten uns um Rat wegen ihren Autos, einige wollten unsere Heizung für ihre nächste Rallye kaufen, viele machten Fotos. Das war echt beflügelnd. Nichts desto Trotz mussten wir ins Bett. Der Veranstalter organisierte, wie in Vilhelmina, Schlafplätze für alle. Der Schlafsaal war auf dem Dachboden eines der alten Häuser, die dort standen. Es war simpel, es waren Nischen abgetrennt, in jeder Nische 2 Betten. Leider war es ziemlich kalt dort oben, der kleine Elektroheizer vermochte gegen die Kälte nicht viel zu helfen. Ich legte mich hin, hatte aber den Schlafsack im Auto vergessen. Auch, wenn ich mich in der Bettdecke einrollte, fing ich mitten in der Nacht an zu frieren und so war der Schlaf nicht unbedingt erholsam...

 

 

 

 

Tageskilometer: 410km

 

 

Etappe 11: Raudsilla - Siauliai

 

 

Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass es in dem Feriendorf kein Wasser gab. Nicht mal kaltes. Damit war das morgendliche "Fertigmachen" etwas unkonfortabel. Camping eben. Zähne putzen mit kaltem Wasser, umziehen bei Eiseskälte. Da wird man auch nur sehr langsam warm. Team Sisu und Wildeast wollten Wasser kochen und türkischen Kaffee trinken, doch leider versagte der Gaskocher. Unser ziemlich klappriger und recht günstiger Benzinkocher half wahre Wunder. Mein Arbeitskollege brauchte mich glücklicherweise auf den Trichter, dass Gaskocher ab einer bestimmten Temperatur nicht mehr funktionieren, weil das Gas nicht mehr ausströmt. Deshalb gab er mir den Benzinkocher mit. "Der geht immer!"

Wir hatten natürlich unsere Kaffeemaschine schon gefüttert und schnupperten Kaffeeduft, als die anderen fluchend auf warmes Wasser warteten. Mit dem Benzinkocher ging es dann aber innerhalb von 3 Minuten und die Stimmung stieg unaufhörlich mit der Aussicht auf KAFFEE. Auf den zerknitterten Gesichtern konnte man sogar sporadisch ein Lächeln erkennen :D

Wieder trennten sich unsere Wege, Team Sisu wollte über Kaliningrad, Team Wildeast und wir wollten gern auf Russland verzichten. Nach einem Blick auf die Karten starteten wir in den Tag. Auf den ersten Metern hört man wieder das "krrt krrt krrt" aus dem Radkasten. Es wurde tatsächlich lauter und lauter. Es war langsam echt beunruhigend und wir rätselten beim Fahren lange Zeit über die mögliche Ursache...

 

Ansonsten war der Tag (und die kommenden Tage) recht emotionslos. Das hatte mehrere Gründe. Es schlich sich eine sachliche Routine ein. Morgens fuhr Franke, ich saß daneben und schaute aus dem Fenster, nach dem Mittag (meist ohne Malzeit bei einem der vielen Tankstops) tauschten wir und ich fuhr bis abends. Zwischendrin beratschlagten wir uns mit Mario und Franzi zwecks der Übernachtung und alberten über Whatsapp herum. Sehr viel mehr gab es die Tage nicht zu sehen. Und die Landschaft oder die Länder selbst waren auch nicht mehr so faszinierend wie Skandinavien oder Russland. Siteseeing ging auch nicht, dafür waren die Tagesetappen zu weit. Plan war, schon etwas "vorzufahren", um noch das Roadbook mit Bilder zu füllen und entspannt am Zieleinlauf einzutreffen. Wäre da nicht das schlimme Geräusch aus dem Radkasten...

 

Mittags rollten wir in einer kleinen Stadt nordlich von Riga ein. Wir hatten ein kleines Restaurant am Wasser gefunden, welches eine astreine Küche bot. Ich bin nicht so der Foodblogger oder Schickimicki-Essenfotografierer, aber diesmal musste ich ein Bild machen:

 

 

Danach fuhren wir weiter und hielten wir nochmal kurz an der Küste an. Der Walter gab uns den Tipp, wie es genau dazu kam, weiß ich nicht mehr. Doch dort machten wir folgende Schnappschüsse:

 

 

 

 

Abends quartierten wir uns in Litauen, in der Vorstadt von Siauliai ein. Abends wurde die Gangart wieder etwas zorniger, da es wieder recht spät wurde. Ein kleines Ereignis war noch das umfahren einer Autobahn, während dem wir auf der Karte auf eine gelbe (also schon etwas größere) Landstraße fuhren. Leider war das definitv einer der schlechtesten Straßen des gesamten Trips, ich habe nur ein kurzes Video dazu gemacht.

 

 

 

So ging es übrigens über 2h.

 

 

Das Geräusch aus dem Radkasten haben wir bei dem Geschepper und Gekrache natürlich nicht gehört, aber abends wussten wir, dass die Straße es noch viel schlimmer gemacht hat. Wir hätten ehrlich gesagt nach den ersten 10min auf der Straße gedacht, das hält der Subaru niemals aus. So eine schlimme Vergewaltigung des Autos habe ich auch noch nie mitgemacht. Ich hatte regelrecht Angst um die Technik und Angst, dann mitten in der Nacht in Litauen zu stranden mit kaputtem Auto. So unwahrscheinlich war es auch nicht, ein Audi A4 B5 zweier Rallyeteilnehmern ist auf so einer Strecke mehr oder minder gestorben (Querlenker kaputt gegangen) und eine andere Teams hatten defekte Reifen oder Radlagerschäden. Schlimm...

 

Abends quartierten wir uns bei einem älteren Ehepaar ein, die ein Nebenhaus für Übernachtungen vermieteten. Die Bude war klein, die Einrichtung war alt, aber die Zimmer waren spottbillig und es gab Duschen und ein Bett. Am nächsten morgen wollten wir nach dem Geräusch sehen, da wir regelrecht erschrocken waren, als wir wieder auf eine ordentliche Straße fuhren und nunmehr ein richtiges Schaben und Kratzen hörten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tageskilometer: 630km

 

 

Etappe 12: Siauliai - Marienburg

 

 

Der Tag begann ohne Fürhstück in der Herrberge, dafür mit Herumgefummel am Auto. Wir entschieden, dass wir so nicht weiterfahren wollten und dem Problem auf dem Grund gehen wollten. Wir hatten schon eine Vermutung, die dem Fehlerbild gerecht werden könnte: Wir vermuteten, dass ein Spannstift in der Trommelbremse herausgerissen war, der den Bremsbelag arretierten. Dadurch kann sich der Bremsbelag vom Ankerblech weg bewegen und sich in der Bremstrommel verkanten. Das ruft ein Geschwindigkeitsabhängiges Schaben und Kratzen hervor.

Wir kramten also den hydraulischen Wagenheber vom Dach und setzten ihn hinten links an der Schwellerkante an. Franke pumpte und pumpte und der Subaru erhob sich. Kurz bevor das Rad hinten rechts den Bodenkontakt verlor, gab es einen Knack und der Subaru sackte 15cm ab. Nanu?! Die Schwellerkante war irgendwie komplett im Schweller verschwunden und selbst der Schweller knickte bis zum Einstieg ein... Kacke...

Bei der anderen Seite passierte das Gleiche, also pumpten wir den Subaru am Differential hoch. Natürlich bei -15°C und Neuschnee. Als das Auto endlich oben war, untersuchten wir, ohne das Rad abzuschrauben, ob irgendetwas locker war oder ob einer der Spannstifte an der Trommelbremse fehlte. Es war aber alles fest und auch beide Stifte waren noch fest am Ankerblech. hm... Wir entschieden uns, weiter zu fahren und das Geräusch notgedrungen weiter zu beobachten. Da es am Vortag aber wirklich schon sehr laut war, wurde uns mulmig zumute. Nicht, dass wir den Trip nicht zuende fahren können?! So kurz vor dem Ziel? Das wäre wirklich extrem Ärgerlich.

Wir fuhren los. Auf den ersten Metern war das Geräusch extrem. Nun fing es auch noch an bei jeder Umdrehung zu haken und zu stocken. Irgendetwas musste in der Bremse kaputt gegangen sein. Nach 2 Kilometern Gehuckel und teilweise blockiertem Hinterrad fuhren wir in eine Tankstelle. Natürlich schneite es wie verrückt und wir fragten, ob wir unter dem Dach der Tanke unser Auto reparieren durften. Der Tankstellenbetreiber verneinte und gab uns einen Platz auf dem Tankstellengelände vor, auf dem wir ungestört arbeiten konnten. Besser als nichts. Ich bekam schon magenkrämpfte, bei dem Gedanke, dass unsere Reise hier vorbei gewesen sein soll. Selbst wenn wir die Trommel abbekamen (was schon sehr unwahrscheinlich war), konnten wir ohne Ersatzteile das Auto auch nicht reparieren. Wir wollten drastisch werden:

 

"Wir bauen den ganzen Hafer aus der Trommel raus und fahren mit 3 Bremsen weiter..."

"Die Idee ist gut, aber ohne Bremsbeläge geht der Radbremszylinder kaputt und die Bremsflüssigkeit läuft dort raus"

...

...

...

"Wir knicken die Leitung am Radbremser soweit zusammen, dass dort keine Bremsbrühe mehr durchfließt"

"Jo, so tun wir, los gehts"

 

Mario und Franzi bekamen große Augen. Zurecht, die Idee ist wirklich etwas krass. Aber besser als stranden. Und mit 3 Bremsen kommt man noch nach Hause. Wir wühlten wieder unser Werkzeug raus, was unter dem Bett in den Mulden der originalen Sitzbank lagerte. Ich bockte das Auto auf und Franke setzte den Knebel samt verlängerungsrohr an, um das Rad zu lösen. Er dreht ohne Kraft die Mutter.

 

"Guck mal, die Mutter ist lose"

 

Die zweite Mutter auch. Wie jetzt?! Letztendlich waren alle 5 Muttern lose. Und zwar nicht nur los, sondern 2-4 Umdrehungen runter. Warum uns das 2km vorher nicht aufgefallen ist, konnten wir uns nicht erklären. Wir hatten das Rad gedreht und dabei nichts gehört...

Unserer Meinung nach hätte das schon der Grund für das Geräusch sein können. Da die Bremstrommel durch das Rad und die Radmuttern befestigt ist, kann sich durch das lösen der Muttern auch die Trommel bewegen. Und auf den Belägen verkanten. Was bei uns passiert sein muss. Wir zogen die Muttern wieder fest und kontrollierten die restlichen 3 Räder. Die anderen Räder waren bombenfest. Wie konnte das passieren? Ein Rad lose nach 7500km??? Egal.

 

Die Testfahrt zeigte sich mehr als befriedigend, das Geräusch und das blockieren der Bremse war weg. Gott sei Dank!

 

 

Wir starteten in den Tag. Wie schon beschrieben, waren die letzten Tage etwas emotionslos. Oder besser gesagt emotionsloser als die ersten 10 Tage. Wir fuhren zum "Hill of Crosses" und verbrachten eine bedächtige Stunde an diesem Ort. Danach ging es weiter. Wir hatten die letzten Tage schon gut durchgeplant, also hielten wir uns an den Plan. Im Nachhinein betrachtet nahmen wir uns dadurch wahrscheinlich noch etwas das Abenteuergefühl...

 

 

Das erklärte Ziel war Marienburg in Polen. Das Roadbook gab 2 Routenvorschläge: Einmal durch Kaliningrad, einmal außen rum. Hier muss noch gesagt werden, dass Kaliningrad zur russischen Förderation gehört und praktisch noch Russland ist. Bedeutet natürlich wieder Einreise- und Auseisestress, Sprachbarriere und Stress auf den Straßen. Durch unsere Dummheit, beim Russlandvisum nur einmalige Einreise beantragt zu haben, waren wir eh raus und hätten nicht über Kaliningrad fahren können, selbst, wenn wir es gewollt hätten. Wir fuhren außen rum, Team Sisu trennte sich erneut von uns fuhr über Kaliningrad.

 

Die Etappe war beinahe öde. Sie war so öde, dass ich kaum noch Erinnerungen daran habe und auch nicht ein Bild an dem Tag gemacht habe. In Marienburg hatte Mario ein super Hotel aufgetan. Es hatte 3 Sterne und kostete mit Frühstück um die 20 Euro pro Nacht. Die Bude war der nackte Oberwahnsinn. Alles neu, alles hochwertig und die Leute supernett. Durch Zufall war Walter vom Team Woldo auch in Marienburg und wir trafen und spontan im Hotelrestaurant zum Abendessen. Das war auch der letzte Abend im Ausland. Am nächsten Tag sollten wir über die deutsche Grenze rollen.

 

 

ii

 

Tageskilometer: 675km

 

 

Etappe 14: Marienburg - Peenemünde

 

 

Zum Frühstück war Walter schon unterwegs und hinterließ uns wieder einen Süßigkeitenbeutel :D

Wir eierten los und kamen gut voran. An dem Tag war der Höhepunkt das Mittagessen in einer Stadt, deren Namen ich vergessen habe. Das Restaurant war eine liebevoll ausgebaute Mühle, die wirklich auf den Punkt restauriert war. Im Eingangsbereich gab es einen großen Tonkrug mit selbst gemachtem Speckfett und frischem Brot, bei dem man sich selbst bedienen konnte. Schon allein das Speckfett war eine Offenbarung. Danach gab es Rote-Beete-Suppe und die besten Piroggen meines Lebens, die mit groben Speck garniert wurden. Wir überfraßen uns alle maßlos.

 

 

 

Danach fuhren wir schnurstracks Richtung Swinemünde auf Usedom. Dort warteten wir eine Stunde auf die Fähre, nachdem wir irgendwie total irritiert waren, dass wir mit einer Fähre fahren mussten. Außenrum ging nicht, Brücken gab es nicht. Mit dem Blick auf GoogleMaps wussten wir dann auch warum...

 

Danach waren wir wieder in Deutschland. DEUTSCHLAND. Wir waren wieder in der Heimat. Wahnsinn. Wie als wäre nichts gewesen. Es fiel wieder etwas Anspannung von uns. Wir hatten wieder gewohnten Boden unter den Rädern. Völlig überglücklich gingen wir an der peenermünder Promenade in eine Pizzaria essen und danach fuhren wir auf den Campingplatz, den wir klargemacht hatten. Die letzte Nacht wollten wir nochmal, im ursprünglich geplanten Sinne campen. Das taten wir auch. Das Wetter war mitTemperaturen um den Gefrierpunkt schon sehr mild und wir schliefen wie die Murmeltiere. Im wahrsten Sinne des Wortes: Ein Traum!

 

 

 

 

Tageskilometer: 500km

 


Etappe 15: Peenemünde - Hamburg - Heimat

 

 

Etwas kribbelig standen wir auf. Man fühlte etwas Euphorie in unserem kleinen Wolfsrudel, die Stimmung war gut. Die sanitären Einrichtungen auf dem Campingplatz waren super, also duschten wir und starteten mit einem frischem Kaffee in den Tag. Unser erstes Ziel war ein Rossmann oder ähnliches, in dem wir die Bilder für das Roadbook ausdrucken und aufklebten. Danach ging es auf die Autobahn. Am ersten und letzten Tag der Rallye waren Autobahnen erlaubt, also nutzten wir es auch. Es war traumhaft. Einfach mal "Meter machen". Gegen 3 oder 4 Uhr nachmittags erreichten wir Hamburg. Die Zielveranstaltung war wieder am Elbufer. Wir mussten also durch die Stadt, wobei mir persönlich etwas mulmig wegen unseres Rallyeautos und der Polizei war. Wir wurden aber glücklicherweise nicht angehalten und erreichten die Zielveranstaltung. Ein Wahnsinns-Gefühl!!!!!!

 

 

 

Nachdem wir über die Ziellinie rollten, beglückwünschten sich alle Teams und wir plauderten mit anderen Teams und Besuchern. Da wir über Mittag durchgefahren waren und wir bis zur Abendveranstaltung etwas Zeit hatten, schmissen wir den Grill ein letztes mal an. Für die Besucher ein echter Hingucker!

Die Stunden vergingen leider wie im Flug, und so stande die Schlussveranstaltung im "Eier-Karl" an. Dazu muss ich leider sagen, dass die Bude mal viel viel viel zu klein für die ganzen Leute war, sodass es nicht nur ein Gedränge und Getrampel war, sondern dass einige Leute sogar draußen bleiben mussten. Zudem das schlechte Imbissessen für teures Geld und Unstimmigkeiten mit dem Veranstalter, der die Verpflegung auf seine Kosten versprach, aber das Versprechen nicht hielt. Franke bekommt in engen Räumen mit so vielen Leuten leichte Panik, weshalb er ins Auto ging und wartete. Verständlich, es war wirklich kaum auszuhalten in der Kneipe. Nach der Siegerehrung, bei der die Teams, die am meisten Punkte im Roadbook sammeln konnten, geehrt wurden, tranken wir noch ein Bier (oder zwei ;) ) und quatschen noch etwas.

 

Wir (oder eher ich, weil Franke leider nicht dabei sein konnte), bekam unheimlich viel Zuspruch und Komplimente. Wir waren "Sieger der Herzen", die verrückten Sachsen mit ihrem rollenden Seelenverkäufer, die es problemlos geschafft hatten und immer mit einer lustigen Annektode oder einem lockeren Spruch aufwarten konnten. Wir waren soetwas wie ein Running-Gag. Die Leute freuten sich, wenn sie während der Reise des bunten Trümmer sahen und wussten, dass wir IMMERNOCH fuhren. Und wir hatten es geschafft. Viele meinten, sie hätten bei der Startveranstaltung niemals gedacht, dass wir es mit dem Auto hätten schaffen können.

 

Beflügelt von den tollen Gesprächen und den netten Leuten, musste ich leider Abschied nehmen. Wir wollten noch nach Hause fahren, wir wollten nicht in HH übernachten. Das eigene Bett ist dennoch am schönsten und wir mussten beide am Montag wieder arbeiten, und es war Samstag Abend. Am Sonntag 500km heimfahren und dann "ankommen" wäre stressig gewesen. Der Abschied fiel mir wirklich schwer, schließlich wächst man mit den Leuten auf so einer Reise schnell zusammen. Wir fuhren los, tankten noch einmal voll und ließen HH hinter uns. Auf der BAB war es Nachts ruhig und so fuhren wir, total geflasht von den ganzen Emotionen und Eindrücken, einfach heim. Die letzte Etappe mit 500km verging wie im Flug und so kamen wir halb 2 in der Nacht zuhause an. Wir hatten die letzten 500km darüber nachgedacht, nach Hause zu kommen, sodass es wenig besonderes war, endlich zuhause angekommen zu sein. Ich ging ins Bett schlief fast bis Sonntag mittag.

 

Tageskilometer: 900km

 

Gesamt-km: ~9500km

 

 

 

 

Outro

 

Ich habe so meine Schwierigkeiten, diverse Sachverhalte besonders zu umschreiben oder in die Länge zu ziehen, was mir im Deutschunterricht öfters mal kopfzerbrechen bereitete. So weiß ich auch gerade nicht so recht, wie ich hier eine umfangreiche Zusammenfassung schreiben soll.

 

Es ist tatsächlich eine wahnsinnig tolle Reise gewesen. Ein Abenteuerurlaub, der in der heutigen Zeit voller All-Inclusive-Billigreisen in überfüllte Hotelanlagen seines Gleichen sucht. Ein Trip, der so viel Potential hat, das man es selbst in vielen Wochen und Monaten auf Achse nicht ausreizen kann. Es ist fast schon traurig, dass die Reise wirklich nur 2 Wochen andauerte und dass man in den 2 Wochen über 9000km gefahren ist. Man sieht soviele Dinge, dass man garnicht alles "behalten" kann. Man fährt so viele Kilometer, dass man fast schon hetzen muss.

 

Ich behalte die positiven Aspekte in Erinnerung. Die vielen Dinge, die ich gesehen haben, die vielen Leute, die ich kennengelernt habe. Die Vielen Bilder, die ich mir anschaue, wenn ich malwieder etwas Fernweh habe. Die 2 Wochen Ausnahmezustand, in denen ich wirklich nur an die Reise dachte und mit den tollen Dingen auf der Reise so beschäftigt gewesen bin, dass ich keine Minute an die Arbeit, den Stress oder den Alltagstrott zuhause dachte. Es war eine der schönsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben bisher machen durfte. Dafür bin ich dankbar.

 

Ich werde öfters gefragt, was die Reise so gekostet hat. Kurz und knapp: Mit Startgebühr, Sprit, Fähren, Vorbereitung, Visa und Hotels waren es um die 3500€ zu zweit. Leider muss ich hier sagen, dass man von den 950€ Startgebühr nicht viel bekommt. Da wären Start- und Zielveranstaltung, die mehr oder weniger aus einer Alurampe und einem Banner, ein paar Zäunen und Durchsageanlage bestehen, die beiden Events mit Unterkunft (wobei Raudsilla zwar toll, aber zum nächtigen umbrauchbar war, zudem gab es kein Wasser und nichts mehr zu essen) und ein Paket mit den Aufklebern und 2 Pullovern. Ich hatte ehrlich gesagt mehr von dem Geld erwartet. Kein Support bei Pannen, kein Support bei Problemen in den einzelnen Ländern (einer wurde in Schweden sehr teuer geblitzt und hatte Probleme, andere in Russland), keine Visa oder sonst etwas. Die Teams mussten sich komplett selbst organisieren, orientieren und alles selbst zahlen. Ohne Whatsapp-Gruppe und GPS wären sicher einige Aktionen nicht so gut ausgegangen. Hier erinnere ich mich an einige Abtaucher in tiefe Schneewehen im Menschenleeren Schweden und die folgenden Hilferufe im Netz, Pannen oder auch unsere Hotelsuche in Schweden. Ich muss sagen, von der Arbeit des SAC war ich doch etwas enttäuscht. Ich möchte es kaum schreiben, aber ich persönlich habe das Gefühl, keine Reise sondern den Lebensunterhalt einer oder mehrerer Veranstalter zu zahlen. Vielleicht liege ich auch falsch...

 

 

Epilog

 

Laut Wikipedia ist ein Epilog ein Nachtrag zum Drama :D

 

Das Drama fing leider erst nach der Reise an. Auspacken, umräumen, waschen, alles wieder an die Leute verteilen, die mir diverse Dinge geliehen hatten, Arbeiten gehen...

Doch was wird mit dem Subaru? Er hatte sein Geld verdient. Er hatte es schon vor unserer Reise redlich verdient, schließlich bin ich in 5 Jahren 45tkm gefahren, mit der Reise sogar 55tkm. Problematisch war aber der Zustand. Ehrlich gesagt war das Auto VOR der Reise schon ziemlich nieder, ich hatte mich ja auch 4 Jahre kaum um den Zustand gekümmert oder nur notdüftig repariert.

Die einzig logische Konsequenz war klar: Das Auto ist tot. Wirklich tot. Endgültig. Nicht "tot, aber ich rette es und fahre es noch 5 Jahre", sondern "egal was ich tue, er wird keinen Meter mehr fahren-tot". Einige Leute wollten ihn kaufen und damit noch etwas herumfahren, schließlich hat er ja Zuverlässigkeit bewiesen. Aber das konnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.

 

Ich habe also, nachdem wir das ganze Rallyezeug demontiert hatten, angefangen, die hintere Stoßstange abzubauen, weil ich ganz genau wusste, dass dort drunter eine Katastrophe lauerte. Die Ecke am Radlauf HL, die bei Subaru IMMER rostet, wurde vom Vorbesitzer schon "repariert" und zugeschmiert, JETZT wollte ich es wissen und popelte die Reparatur auseinander. Seht selbst.

 

 

 

Danach stocherte ich die Schweller ab, die waren ja hinten sowieso nicht mehr existent. Die waren ebenfalls total fratze. Dann baute ich Stoßstange runter und bestaunte die Ecken der Radhäuser links und rechts. Da war NICHTS MEHR. Krass. auf der Beifahrerseite war die komplette Ecke weg. WEG. Nicht mehr da. Alles klar...

 

 

 

 

 

Es gab nur noch Schrott. Vorher wollte ich aber den Motor messen, weil er ja mit voller Beladung keine 130 mehr lief. Den Fuffi investierte ich und wir maßen die Leistung. Der Motor drückte noch 89,6PS. Original hat er 90PS, also passte das ziemlich gut. Da blieb für die enorme Performance-Einbuße tatsächlich nur die Beladung und der Luftwiderstand durch den Dachkorb. Krass...

Danach bauten wir den Motor aus, was entspannte 1,5h dauerte und ich verkaufte ihn. Der jetzige Besitzer schrieb mir noch eine Whatsapp, dass der Motor sehr gut läuft und er sehr glücklich mit dem Motor ist. Die komplette Innenaustattung und die originalen Scheinwerfer sind auch verkauft, sowie die Dachrehling und Innenverkleidungsteile. Der Rest war eh nicht mehr zu gebrauchen. Mit den Verkauf habe ich noch knapp 300Euro verdient. Ähnlich viel, wie ich mal vor 5 Jahren für das Auto bezahlt habe :D

 

 

 

Die Motorhaube hängt jetzt in unserer Schrauberhöhle, als stilles Denkmal an dieses unglaubliche Auto, mit der wir die Reise unseres Lebens machen durften.

 

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02.05.2018 19:35    |    Tobner    |    Kommentare (21)

Baltic Sea Circle, das bedeutet einmal "fix" zum Nordkap, dann über Russland wieder zurück. Um das größtmögliche Abenteuergefühl heraus zu kitzeln, gingen wir mit einem Auto an den Start, was die meisten Leute schon längst verschrottet hätten. Eine Reise, die so voller Geschichten, Eindrücke und Emotionen vollgepackt war, dass ich garnicht recht weiß, wie ich anfangen soll. Im Nachhinein war es wohl der pure Wahnsinn, was wir da gemacht haben. Und im Nachhinein kann ich sogar die Ängste und Befürchtungen verstehen, die sich die Familie und Freunde gemacht haben. Vielleicht sind wir auch etwas schmerzfrei an die Sache heran gegangen, trotz der guten Vorbereitung...

 

Ich werde die Reise in den Etappen staffeln, die wir gefahren sind. Jeden Tag eine Etappe, 15 insgesamt. In meinen vorherigen Blogartikeln ging es bereits um die Vorbereitungen und Umbauarbeiten. In den Tagen vor dem Start mussten wir also nur noch das Gepäck in das Auto verladen. Samstag, am 24.2.2018 war der offizielle Start, ich musste bis Donnerstag arbeiten. Wir hatten den kompletten Freitag, um noch einige Eratzteile zu organisieren und das Auto zu packen. Leider brütete mein Körper eine Bronchitis aus, die die Vorbereitungen einbremsten. Ich hatte stellenweise echt Panik, dass die Bronchitis erst richtig ausbricht und mich aus dem Rennen wirft, am Mittwoch vor dem Start gingen die Gliederschmerzen und die Kraftlosigkeit los und ich war echt fertig mit der Welt. Das konnte ja was werden, wenn ich 2 Wochen fiebrig und halb apatisch so eine Riesentour fuhr. Ich versucht viel zu schlafen, half mir mit den einfachen Hausmittelchen. Aber es schlug an, zum Glück.

 

Die Startveranstaltung ging am Samstag 10:00 in Hamburg los. Bis HH hatten wir knapp 500km, also starteten wir Samstag 01:00 Richtung HH. Ich ging Freitag gegen 17:00 ins Bett und wollte noch etwas schlafen, aber ich kam nicht zur Ruhe. Langsam stiegen die Bedenken und Ängste in mir hoch und die Gedanken rasten durch meinen Kopf. Haben wir alles? Hält das Auto durch? Geht die Heizung? Haben wir genug Werkzeug? Ich ging mehrmals die komplette Packliste im Kopf durch, aber mir fiel nichts ein, was wir vergessen hatten. Bis Mitternacht wälzte ich nur im Bett, am Ende habe ich nur darauf gewartet, endlich starten zu können. Ich setzte mich 0:45 ins Auto, drehte den Schlüssel und dachte: "Top oder Flopp, jetzt gibts kein Zurück mehr"

 

 

Ich fuhr los, holte Franke, meinen Mitstreiter ab. Punkt 01:00 starteten wir Richtung Hamburg. Auf der BAB angekommen, legte sich erst spät meine Aufregung, obwohl wir alles mögliche getan hatten, was in unserer Macht stand, um den Trip problemlos über die Bühne zu bringen. Selbst Frankes Subaru Legacy musste noch herhalten, am Freitag schraubten wir noch einige Zündungsteile aus dem Auto und packten sie aufs Dach unseres Rallyesubis.

 

Wir fuhren auf die Autobahn auf und ich war die ersten Kilometer total angespannt. Jedes Geräusch wurde genauestens beobachtet, außerdem machte ich mir Sorgen um das Grill. Also nicht direkt um das Grill, sondern was die Ordnungshüter davon hielten. Ich dachte, wir sind bei jeder Kontrolle mode... Mit den Kilometern legte sich die Aufregung, die Müdigkeit kam. Schließlich hatte ich seit Freitag früh keine Minute geschlafen. Die ersten 500km liefen wie am Schnürchen, ich hatte ehrlich gesagt schon richtig Panik, dass wir nichtmal in HH ankamen. Ich hätte es besser wissen müssen, schließlich hatte ich in 4,5 Wintern nicht ein Problem mit dem Auto.

 

Wir kamen gegen 06:30 in HH an, es waren schon 2 Teams da, die am Freitag anreisten und die Nacht im Auto schliefen. Ich war müde und schlief eine halbe Stunde im Auto, bis Franke mit Brezeln und Kaffee von der Reeperbahn kam. Dort war noch reges Treiben (hehe, zweideutig :D), die letzten Besucher torgelten nach Hause. Wir warteten. Dann rollten langsam andere Teams an und das Organisationsteam baute die Rampen und Zäune auf. Wir plauderten, scherzten, die Stimmung war gelassen. Die meisten schlichen um unser Auto, debatierten, schossen Fotos und zeigten aufgeregt auf das Grill und die Heizung.

 

"Das Grill ist ja mal geil, da wissen wir, wo wir hinterfahren"

"Und ihr schlaft in DEM Auto? Wie das?"

"Da müsst ihr euch aber wirklich gern haben :D"

"Was ist das für ne Heizung? - DDR? Die Idee ist ja super haha!"

 

Die Resonanz zu unserem hässlichen Entlein war bombe, nur einige waren etwas spektisch, ob wir mit dem Trümmerhaufen überhaupt aus Hamburg rauskommen. Wir konnten es den Leuten nicht verübeln, wir waren ja genauso skeptisch :D

Zwischendrin wollten wir noch einen Kaffee machen. Ich hatte mir extra eine 12V-Kaffeemaschine mit auswaschbarem Filter gekauft und im Firmenwagen im Außendienst reichlich getestet. Leider ging die Maschine nach 10 Minuten aus, da der Zigarettenanzünder geschmolzen ist. Sicherung war noch drin, aber am Anzünder kam keine Spannung. Und wir waren noch nichtmal richtig gestartet...

 

Das restliche Starterfeld bestand aus Autos, die wesentlich teurer, jünger und besser beinander waren. Leider halten sich, meiner Meinung nach, sehr wenige an die inoffizielle Regel, die Autos dürfen nicht mehr als 2500€ wert sein und nicht jünger als 15 Jahre alt sein. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, wo man bspw. einen Touareg, einen Daimler ML-Klasse oder G-Klasse, einen Defender oder einen Gran Cherokee für das Geld bekommt. Zumal die meisten Autos wirklich gut in Schuss waren. Ich fühlte mich mit unseren Auto fast schon deplaziert, mit dem ganzen Rost, dem Eigenbaukram an einem Auto, was in Summe wirklich in keinem guten Zustand war. Trotzdem, oder genau deswegen, stießen wir letztendlich auf viel Sympathie.

 

Wir holten unser Roadbook ab, schossen ein Gruppenfoto und dann ging es auch schon los. Die Teams fuhren nacheinander auf die Bühne, der "Moderator" stellte uns kurz vor und schon wurden wir auf die Reise entlassen.

 

 

Etappe 1: Hamburg - Käseberga

 

Ich machte mir fast in die Hose vor Aufregung. Erst einmal aus der Stadt raus, auf die Autobahn Richtung Dänemark. Autobahnen waren prinzipiell verboten, nur am ersten und letzten Tag durften sie befahren werden. Als wir der Stadt entflohen waren, machten wir kurz Rast und blätterten das Roadbook durch. Es gab jeden Tag eine Routenempfehlung und eine Tagesaufgabe. Tagesaufgabe am Samstag war in Kaseberga in Schweden. Nach einer kurzen Recherche über die Strecke fuhren wir nach Dänemark, dann mit der Fähre von Fynshaven nach Bojden, dann über die Stoerebelt- und Öresundbrücken nach Malmö und dann nach Käsberga. Die Brücken sind zusammen mit 85€ nicht günstig, aber selbst schon fast ein Erlebnis. Die Navigation mit Karte (Navi ist nicht erlaubt gewesen) ruckelte sich langsam ein. Die Strecke war mit 550km nicht ohne und ich war am Ende meine Kräfte. Franke fuhr ein großes Stück der Etappe, schließlich kann ich die Route auch nicht komplett alleine fahren. Die Stimmung im Auto war nicht so doll, ich war kaputt und leider leidet meine Laune auch darunter, zum Leidwesen der allgemeinen Stimmung im Auto. Dazu kamen ein paar, eher harmlose Situationen der Orientierungslosigkeit, die die Stimmung jedoch nicht verbesserten. Gegen 21:30 waren wir in Käseberga, die Tageausgabe klemmten wir uns aufgrund der Müdigkeit und der Finsternis. Wir präparierten das Auto, bauten unser Bett auf und legten uns, nach 40h ohne Schlaf, hin. Die Heizung ließen wir aus, bei -6°C Außentemperatur war die Nacht kein Problem im Schlafschlack.

 

 

Tageskilomter: 1050km

 

 

Etappe 2: Käseberg - Fagersta

 

Wir haben recht lang geschlafen, ich meine, wir sind erst gegen 10 losgefahren. Ich habe geschlafen wie ein Toter, es ist tatsächlich recht gemütlich im Subaru. Es half aber nichts, wir mussten weiter. Leider dauert das morgentliche Ritual, das Auto wieder um zu räumen, recht lange. Kurzer Blick in die Karte - Küstenstraße bis Norrköping, dann weiter ins Innland. Tagesaufgabe ist ein historischer Autofriedhof, den die Teams finden sollten. Etappenziel sollte in der Region um Upsalla liegen. Und los. Wir hatten uns geeinigt, dass Franke vormittags fährt, ich dann nachmittags. Nach der ersten Etappe hatten wir gehofft, dass die nächsten Tage nicht so Stressig werden, aber falsch gedacht. Der Veranstalter warb mit 7500 Gesamt-km, was ca. 500km am Tag bedeutete. Gegen Ende war aber klar, dass nicht stimmen konnte, da wir nach 7500km erst in Estland waren...

Egal. Frohen Mutes eierten wir los. Ohne Kaffe, dafür Jonny Cash im Radio, Sonnenbrillen im Gesicht - entspanntes Dahinrollern. Stimmung war wieder gut, Auto lief wider Erwarten wie ein Bienchen. Nur der kleine 35L Tank fing schon am Vortag an zu nerven. Sicherheitshalber alle 300-350km tanken, wir mussten also mindestens 2mal am Tag volltanken. Ich blätterte das Roadbook durch, übersetzte die Aufgaben und Zusatzchallenges ins Deutsche, das Roadbook ist komplett in englisch verfasst. Dann holte ich die GoPro aus ihrer Tasche und experimentierte herum. Zwischendrin musste ich gelegentlich in die Karte schauen, kurz checken, ob wir noch auf Kurs waren. Der Süden von Schweden ist im Gegensatz zum Norden sehr dicht besiedelt, was stellenweise für Stress sorgte. Nicht der Verkehr, aber die Verkehrsführung bereitete Kopfschmerzen. Autobahn umfahren, ohne Navi durch größere Städte navigieren. Ohne Stadtplan, sondern nur mit der sehr groben Karte, fragen, Schilder lesen und die ausgeschilderten Orte auf der Karte suchen. Baustelle, Katastrophe. Nach der Umleitung dann völliger Orientierungsverlust, weiterfragen, Zeit verlieren...

 

Im Roadbook stand explizit, dass wir früh starten sollten, weil die Etappe recht lang ist. Das hatten wir schonmal vergeigt. Wir sind zu spät gestartet und haben stellenweise recht lang navigiert. Über Mittag sind wir durchgefahren, Franke schmierte auf dem Beifahrersitz dann Toast. Wir sind gut durchgekommen und wollten uns entlang der Strecke ein kleines Nachtlager aufschlagen, den Grill anheizen, gemütlich ein Steak essen, nachdem wir kein richtiges Mittag hatten und dann ins Bett gehen. Wir suchten recht lang eine Stelle zum campen. Es sollte schon etwas in der Zivilisation sein, nicht unbedingt irgendwo auf der Bundestraße oder in einer Waldeinfahrt oder ähnlichem. Gegen 22:00 rollten wir in das kleine Dorf Färna ein. Wir fanden einen kleinen Platz neben einem Pizzaimbiss, mitten im Dorf. Passt. Da es inzwischen -14°C kalt war, dachten wir, wir schauen erst, ob die Heizung geht, dann schmeißen wir das Grill an. Also die Schalter gedrückt. Es war wie in einem Flugzeug, ich fühlte mich jedes mal beim Betätigen der Knöpfe wie ein superwichtiger Filmstar. Der Lüfter ging an, dann setzte die Glühkerze ein und die Drehzahl des Lüfters ging aufgrund des hohen Glühstromes etwas in die Knie und wir warteten. Nach ca. 10 Sekunden müsste man ein Röhren, gefolgt vom sonoren Fauchen der Heizung hören. Das Röhren signalisiert das Zünden, das Fauchen den störungsfreien Betrieb der Heizung. Es blieb aber beides aus. Was ist denn da los? Auf unserem Prüfstand ging sie jedes mal ohne Probleme an. Abgesoffen? Luftblase in der Benzinleitung? Wir bauten die Holzkiste herunter, unter der die Heizung schlummerte und ich ging an die Fehlersuche. Die Finger waren bereits eisekalt nach dem herumgefingere mit dem Spanngurt. Ich fande keinen Fehler. Benzin ist da, Luft ist da, Hitze von der Glühkerze ist da. Was nun? Herumdoktern. Neue Glühkerze ausprobieren, dazu die andere Kiste vom Dach räumen, dabei die Finger noch mehr auskühlen. Dann in der Kiste im Dunkeln, spärlich beleuchtet durch die Handykamera die Ersatzteile durchwühlen. Mit neuer Glühkerze probiert; ging nicht. Is es eventuell zu kalt? Brennkammer vorwärmen? Mit einer Lötlampe versuchte ich die Brennkammer zu erhitzen. Es half nichts, die Heizung hatte uns im Stich gelassen. Die Stimmung war komplett am Ende. Was jetzt? Hotel suchen?! Halb 11, mitten in einem schwedischen, winzligen Dorf? No way. In dem Dorf war ein Spa, doch da war niemand. Ich fragte in der Whatsapp-gruppe der Rallye, als erster Tipp bekam ich zu lesen "Wie wärs denn mit booking.com?" Für solche Tipps hatte ich keine Nerven. Google angeschmissen, Hotels gesucht, es gab kaum welche. Ich fing oben beim ersten Ergebnis an zu telefonieren. Es nahm niemand ab, genau wie beim 2. und 3. Hotel. Auto die ganze Nacht laufen lassen und im Auto schlafen? Der kleine Benziner ist nach 2-3h eisekalt. Die Stimmung war am absoluten Tiefpunkt. Ein Rallyeteilnehmer meinte, in seiner Unterkunft wäre noch ein Zimmer frei, er würde uns die Schlüssel holen, doch es waren noch über eine Stunde fahrt bis dahin. Ich versuchte weiter ein Hotel zu organisieren. Ich erwischte einen Hotelier, der am Telefon etwas verschlafen klang. "Do you speak english" - "Yes". Perfekt. Er hatte ein Zweibettzimmer frei. Jackpot. Für 115€. Tja, was will man machen, ich habe ihn auf 100€ gehandelt und sind in Richtung Fagersta gestartet. Ich war stinksauer. Sauer, dass ich vor der Reise die Heizung so lange geschraubt und getestet hatte. Sauer, dass es nichts geholfen hat. Sauer, dass wir für 100€ ein Hotel buchten, in dem wir nur ein paar Stunden schlafen würden und sauer, dass wir auch noch 30 Minuten fahrt vor uns hatten. Ich war emotional etwas aufgewühlt, wir brauchten dadurch nur 20 Minuten bis zum Hotel und waren gegen 11 dort. Franke gestand mir ein paar Tage später, dass er Angst neben mir hatte, als ich wie vom Teufel besessen durch die vereiste Nacht preschte :D Zugegebenermaßen hab ich den Motor des Subarus bis aufs letzte "ausgeschält" und bin allerletzte Rille gefahren. Im Nachhinein betrachtet schon ziemlich leichtsinnig...

 

 

Das Hotel war dem Preis entsprechend, das Zimmer war echt erste Sahne. Warm duschen, noch mehr Toast essen, weil grillen fiel aus, dann schlafen. Nach 8h Schlaf war die Nacht vorbei, alles wieder zusammenpacken, bezahlen, frühstücken (ein Top Frühstück mit Eiern und Speck) und abreisen.

 

Tageskilomter: 690

 

 

Etappe 3: Fagersta - Vilhelmina

 

Tagesziel war Vilhelmina. Der Veranstalter versprach warmes Essen, etwas Party und dann ein warmes Bett in einem Hotel. Beim ersten Check der Karte wurde klar, dass wir an dem Tag viel zu fahren hatten. Glücklicherweise wurde die Navigation einfacher, wir mussten nur die Fernverkehrsstraße E45 erreichen und dann ohne größere Umwege ans Ziel fahren. An dem Tag war leider auch landschaftlich nicht viel los, die Straßen wurden monoton und langsam eisig. Auch die Schneemengen wuchsen von Kilometer zu Kilometer, sodass wir in Vilhelmina doch schon recht glatte Straßen und viel Schnee zu verbuchen hatten. Sehr coole Sache, deswegen fuhren wir die Rallye auch im Winter!

Wir hatten das Ziel, nach dem Abendessen noch 2 kleine Defekte in den Griff zu bekommen. Zum einen war die Heizung kritisch, die MUSSTE am nächsten Tag wieder laufen. Zum anderen funktionierte die Wischwasserpumpe nicht mehr. Wir beeilten uns also, fuhren die 11h ohne Pause (nur Tankstops) durch und kamen am frühen Abend am Hotel an.

Wir aßen zusammen, danach schlichen wir uns heraus, wo wir uns frisch ans Werk machten. Franke hatte mit der Heizung nicht viel am Hut, sodass mir die Aufgabe zuviel. Er hingegen ging mit der Fehlersuche der Wischwasserpumpe ans Werk. Nach 5 Minuten sah es um das Auto aus wie auf einer Explosionszeichnung. Überall Kisten, Werkzeug, Brenner, Handschuhe, Deckel von wiederum anderen Kisten, dazwischen Bierflaschen. Die anderen Rallyeteilnehmer beteiligten sich rege an dem Spektakel. Die einen fragten nur, andere boten Hilfe an, wieder andere heiterten die Stimmung mit Geschichten und Witzeleien auf. Es war wieder eine sehr entspannte Stimmung. Nur die Heizung trübte die Stimmung und glänzte mit Funktionslosigkeit. Egal, was wir probierten, sie zündete nicht. Ich baute die Benzinpumpe auseinander, andere Rallyeteilnehmer lämpelten hilfreich mit ihren Smartphones, sodass ich sogar sehen konnte, was ich tat. Die Pumpe funktionierte tadellos. Dann Benzinschlauch entlüften. War eventuell die Einsrpitzdüse defekt? Demontiert, genau wie das Mischrohr. Alles mit dem Brenner erhitzt und durchgeblasen, vllt saß irgendwo ein gefrorener Wassertropfen fest, der die Benzinzufuhr blockierte?! Es war nichts auffälliges. Mittlerweile hielt Franke triumphierend den Schalter für die Wischwasserpumpe in die Höhe, den er als Urheber unsere Sichtblockade und für das notdürftige herumwischen auf der Frontscheibe mit Schnee ausgemacht hatte. Tja, wir hatten aber keinen Ersatzschalter. "Du hattest doch den Kompressor für die Drucklufthupen ausgebaut, war dieser Schalter dafür zuständig?" - Fingerzeig aufs Amaturenbrett - "Jo, den kannste nehm." Er klemmte die Kabel um und schon ging die Pumpe wieder.

Leider stande ich mittlerweile ziemlich hilflos auf dem Dachkorb und bekam die Heizung nicht ans laufen. Benzin war da, das roch man ziemlich deutlich aus dem Gebläse. Die Glühkerze glühte auch. Selbst mit vorgewärmter Brennkammer tat sich nichts. Die Mitstreiter, die sich mittlerweile um den Subaru versammelt hatten, fieberten heimlich mit. Doch ich gab auf. Ich wusste einfach nicht mehr weiter. Das Gebläse, die Pumpe und die Glühkerze versuchten nun schon seit 10Minuten Dauerlauf, meine Erwartungen zu erfüllen, doch sie schaffte nicht, das eingespritze Benzin zu zünden. Frustrierend schaltete ich erst die Glühkerze, dann die Benzinpumpe und danach den Lüfter aus. Der Lüfter drosselte seine Geschwindigkeit und ich überlegte, wie wir das mit dem Schlafen im Auto in den nächsten Tagen wohl machen. Kurz bevor der Lüfter zum absoluten Stillstand kam, gab es ein leises Röhren. HM?! Was war das? Hat dieses Scheißteil gerade gezündet? Schnell den Lüfter wieder an, der Lüfter beschleunigte wieder, es wurde ein Fauchen hörbar. EIN WUNDER!!! Schnell die Benzinpumpe wieder an, danach die Glühkerze, jetzt bloß nicht ausgehen!!! Ein leichtes Gemurmel in der Gruppe, überglückliche Gesichter unsererseits. Sie lief. Warum auch immer. Egal, sie lief. Stabil brummte sie vor sich hin, als wäre nie etwas gewesen. Und sie fing an zu qualmen. Das qualmen wurde stärker und stärker, bis nach 3 Minuten der gesamte Platz mit einem dunkelgrauen, übelriechenden Qualm eingedeckt war. Wahrscheinlich ist durch das ganze Testen und Herumprobieren die Brennkammer voll Benzin gelaufen und nun lief sie viel zu fett. Nach bangen 5 Minuten war der Qualm abgezogen und die Zuschauer näherten sich langsam der lauten Merkwürdigkeit auf unserem Dach.

 

 

"Geil, das ist ja richtig warm"

"Schau mal, die Brennkammer glüht ja sogar hellrot, da ist ja richtig Dampf da!"

 

Tja, Freunde, schon krass, was eine 40 Jahre DDR-Heizung so drauf hat (wenns sie denn geht...) :D

Für diese Aktion und die imposante Vorführung gab es wieder viel Zuspruch. Die verrückten Sachsen mit ihren wilden Konglomerat wissen scheinbar, was sie tun :D

Wir tranken noch ein Bier, packten unsere Explosionszeichnung wieder ein und gingen schlafen.

 

 

Tageskilometer: 760

 

 

Etappe 4: Vilhelmina - Bodö

 

Könnt ihr euch an das Gefühl errinnern, als Kind am Geburtstagsmorgen aufzuwachen und voller freudiger Erwartung zum "Geschenkespot" zu laufen? So bin ich am nächsten Tag aufgestanden. Ganz aufgehibbelt. Schnell zusammenpacken, schnell auschecken schnell auf die Piste! Warum denn so eilig? Tja, es ging vorerst zum im Roadbook erwähnten Ice Track. ICE TRACK! GEIL! Ein zugefrorener See, auf dem ein Rundkurs geschoben wurde. Nur für uns. Ich konnte es kaum erwarten!

Der Track war von 08:00 bis 10:00 für uns geöffnet, wir waren natürlich Punkt 08:00 da. Wir ließen den Motor noch ein paar Minuten laufen und bauten währenddessen das Grill von der Anhängerkupplung. Das Wetter war perfekt, wolkenfreier Sonnenschein, Eiseskälte. Nach einer kurzen Einweisung wurden wir auf die Strecke entlassen. Die erste Runde war zum eingewöhnen, der Motor wollte auch noch etwas auf Temperatur kommen. Die Eisfläche war spiegelglatt, der Schneestaub wirbelte beim fahren auf und glitzerte in der Sonne. Einfach nur fantastisch!

 

Durch diverse Übungen auf Parkplätzen, Gewerbegebieten und anderen Flächen wusste ich vorher schon recht gut, wie sich der Subaru auf glatten Flächen verhält und hatte natürlich den Grenzbereich ausgelotet. Ich war also entsprechend vorbereitet, als ich in der ersten Kurve der 2. Runde das Heck aufschaukelte und den Subaru gekonnt ums Eck warf. Zugegebenermaßen war etwas "Show" dabei, schnell waren wir auf keinen Fall :D Aber es ging auf dem Track nicht um Geschwindigkeit oder Platzierungen, jeder fuhr sowieso wie es am meisten Spaß machte. Kurzum, wir hatten einen Riesengaudi und die Zuschauer lobten uns für die aktionreichen Drifteinlagen. Nur die 150kg auf dem Dach und sicher nochmal 50kg im Kofferraum sorgten für ein wirklich unbalanciertes Auto mit merkwürdigen Driftverhalten. Dazu fehlt dem Motor einfach die Musik, die Räder mal richtig drehen zu lassen.

 

 

 

 

 

 

Gegen 9:30 fuhren wir weiter, wir wollten unser Ziel, die Hafenstadt Bodö, am frühen Abend erreichen. Also tankten wir noch einmal voll und fuhren Richtung Norden. Die Landschaft wurde bergiger, die Ausblicke waren sagenhaft! Zivilisation gibts kaum noch, das Fahren war sehr entspannt. Die Straßen bestanden eher aus angerauhten Eisflächen als aus Asphalt. Trotzdem lässt es sich gut fahren und man kann mit 110-120km/h dahinrollen. Autos sind auch so gut wie keine unterwegs.

Auf der halben Strecke überquerten wir den Polarkreis, ein kleines Erfolgserlebnis! Direkt am "Checkpoint" waren auch einige Asiaten zugange, die dort ihre vermummten Hybridautos testeten und dort am Checkpoint Rast machten. Sie hatten als kleine Mutprobe die Aufgabe, in Unterhosen in einen Schneehaufen zu springen. Wir beobachteten das Geschehen distanziert, mussten uns aber darüber amüsieren, wie sich die Leute zerissen vor lachen.

 

"You're next!"

"No, thanks :D "

"HAHAHAHA Okay :D :D :D"

 

Wir wollten weiter, wir hatten noch ein paar Meter zu machen. An der schwedisch-norwegischen Grenze stand nur ein Häuschen. Wenn man etwas zu verzollen hatte, sollte man anhalten, wenn nicht, kann man durchfahren. Man darf also selbst frei entscheiden, ob man die Dinge verzollen möchte. Komisch, aber die Vertrauensbasis scheint in Skandinavien sowieso eine ganz andere zu sein als im Rest der Welt...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gegen Abend erreichten wir den Fährhafen, Zeit für unser zweites Highlight des Tages. Eine Dose SURSTÖMMING. Für jeden, der es nicht kennt: Es ist fermentierter Hering in der Dose. Die meisten essen ihn nicht, sonder öffnen ihn feierlich und freuen sich am bestialischen Gestank, der nicht von dieser Welt zu sein scheint. Wir haben ein kleines Video gemacht, seht selbst:

 

 

 

Ich hab das Video sicherlich schon 20 mal gesehen, aber mir kommen immernoch Tränen vor Lachen :D

 

Danach fuhren wir in die Warteschlange, wir haben in weiser Vorraussicht die Dose etwas auserhalb des Hafengeländes geöffnet.

Die Fähre legte 02:15 in der Nacht ab, wir hatten also Zeit. Also nutzten wir die Zeit sinnvoll und heizten das Grill ein. In der Rallye-Whatsappgruppe startete ich am Nachmittag einen Aufruf. Wir grillen. Jeder, der mitmachen möchte, muss nur etwas Grillgut für sich besorgen und an die Fähre kommen. Letztlich standen jede Menge Leute um das Grill, das Grill selbst fungierte als Magnet. Die Stimmung war bombe, das Grill war pausenlos voll besetzt. Wie das dann immer so ist, kamen dann ein paar Leute mit Bier, andere bauten Tische und Benzinkocher auf und spendierten Glühwein. Wieder andere hatten sich beim hungrigen shoppen von Grillmaterial verschätzt und teilten mit denjenigen, die nichts hatten. Es war super, das Grill sorgte letztenendes für einen tollen, lebendigen Abend. Dass es so gut ankommt, hatte ich nicht vermutet. Wir gingen zeitnah ins Bett, ich hatte schon spürbar einen sitzen :D

Wir schliefen wie die Toten, plötzlich riss mich ein Klopfen aus dem Schlaf. Was war das? Was jetzt los? Völlig verstrahlt blinzelte ich auf die Uhr. 1:15. Draußen war hektische Gewühle zu hören. Ich öffnete die Tür und erstarrte. Die Fähre war schon da, alle liefen herum, packten ihr Zeug zusammen und fuhren Richtung Fähre. Und wir glotzten ziemlich blöd aus den Schlafsäcken mit der Gewissheit, dass wir ja recht lange herumräumen müssen, um überhaupt fahren zu können.

 

"Los, raus! Du baust die Alufoliendinger und das Funkding runter, ich räum das Gelumbe weg und bau das Dings zusammen" - Für Wortfindung war keine Zeit.

Hektik. Draußen stande noch das Grillzeugs in der Botanik herum, die anderen Teams packten es freundlicherweise erstmal mit ein. Nach wirklich hektischen 5 Minuten nach unserem Kaltstart saßen wir im Auto und rollten Richtung fähre. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich garnicht mal so fit war. Es fühlte sich an, als würde eine Gehirnhälfte schlafen, die andere hatte komplett Plattenschluss...

Lustig war aber, dass wir fast ganz vorne in der Schlange standen und mit unserem Gewühle und Gefummel den kompletten Verkehr aufhielten :D So schlimm war das nicht, schließlich wurden die andere Teams genauso hässlich geweckt und hatten mit sich selbst zu tun.

Wir stiegen aus, schleppten unseren tonnenschweren Glieder und noch schwereren Köpfe die steile Treppe der Fähre hinauf und suchten einen Schlafplatz. Die Fähre sollte gegen 6:30 anlegen, also konnten wir noch einige Stunden schlafen. Wir fanden superbequeme Sessel und schliefen weiter.

 

Plötzlich war eine Vibration zu spüren, aus den blinzelnden Augen sah ich schonwieder Hektik. Leute liefen herum wie kopflose Hühner, packten wild ihr Nachtlager ein. Durch die Fenster waren Lichter zu sehen. Die Fähre hatte angelegt. Herrgott nochmal! Und wir müssen uns wieder so beeilen! Wir liefen nach unten, wo wir dann merkten, dass es Fehlalarm war. Es war nur ein Zwischenstopp zum Laden. Das war 2h nach Ablegen.

Cool. Danke! :D

Nach weiteren Stunden auf den Sitzen legten wir dann wirklich an. Die Sonne ging gerade über den Lofoten auf. Es war ein atemberaubender Anblick, den ich euch leider nicht zeigen kann, weil im Dunkeln die Kameras keine ordentlichen Bilder liefern.

 

Tageskilometer: 520

 

 

Etappe 5: Bodö - Narvig

 

Wir verabredeten uns mit 3 weiteren Teams, die ab diesem Tag den kompletten Trip noch verbesserten. Team WildEast mit Mario und Franzi, Team Sisu mit Thomas und Annika und Team Woldo, naja mit Woldo eben. Kolonne fahren bietet sich ja an, es macht einfach mehr Spaß. Vorallem, wenn man sich in der Gruppe sehr gut versteht. So gondelten wir los Richtung Narvig. Die Staßen über die Lofoten ist sehr abwechslungsreich und bieten einen traumhaften Ausblick. Nur der schwache Motor trübte unseren Spaß etwas. Die Berge mussten wir immer herunterschalten, über die Kuppe dann wieder hoch, bis der nächste Anstieg kam. Ich hatte damit nicht sooo das Problem, doch Franke ging das schon auf den Keks. An einigen Spots hielten wir an, um Fotos zu machen. Das reisen in unserer Truppe war entspannt, das gefiel mir sehr gut. Es entschleunigte und so fühlt es sich auch eher nach Urlaub an. Am Nachmittag machten wir rast an einer Tankstelle (in der wir einen Zigarettenanzünder mit unversalklemmen kauften YEEAAARRR Kaffeemaschine wurde wieder in Betrieb genommen) und dachten darüber nach, wie wir das mit dem Übernachten wohl machen. Wir waren flexibel und die anderen wollten schauen, ob wir eventuell einen Campingplatz ansteuern konnten. Es war ein Campingplatz ein Stück "über" Navig, also steuerten wir den an. Auf dem Campingplatz gab es Blockhütten, in denen je 4 Leute schlafen konnten. Eine Hütte kostete um die 80 Euro, also 20Euro pro Person. Wir grillten Abends und gingen zeitig ins Bett.

 

 

Tageskilometer: 610

 

 

Etappe 6: Narvig - Nordkap

 

Wir kamen durch diverse Dinge leider erst gegen 11:00 vom Zeltplatz los. Unser Tagesziel war Honnigsvag, ein kleiner Ort 30km vor dem Norkap. Team Sisu wollte in Alta dann abbiegen, das Nordkap aus lassen und einen Tag länger durch Russland fahren. Wir wollten unbedingt ans Nordkap, also trennten sich unsere wege für 2 Tage. An dem Tag gab es nicht viel aufregendes zu berichten, nur die Landschaft war phenomenal. Deshalb lasse ich lieber Bilder sprechen :)

 

 

 

 

 

 

 

Gegen Abend brach dann etwas Stress aus. Wir hatten eine Unterkunft in Honnigsvag gebucht. So weit, so gut, doch hatten wir bis dahin noch einen ganzschönen Ritt vor uns, und es war schon Nachmittag. Wir gaben also gegen Abend richtig gas. Die Strecke von Alta nordwärts ist kurvig, gut ausgebaut und wenig befahren, also glühten wir förmlich die Strecke hoch. Spaßfaktor (für uns) war die vereiste Piste mit dem Schnee+Seitenwind. Wirklich abenteuerlich! Der gigantische Suburban wankte, schaukelte und rollte vor uns in die Kurven, am Scheitelpunkt dann kurze Finsternis beim Herausbeschleunigen. Es war sowieso ziemlich dunkel nachts, aber wenn der 6,4L Saugdiesel einen Arschtritt bekam, quittierte er es zusätzlich mit einer infernalen Rußwolke. Dieselaffäre? Nicht mit uns :D

Wir hinterher. Franke hatte den Angstgriff schon fast abmontiert, ihm ist die Grenzgängerei nichts. Musser durch. Hart anbremsen bis das Auto leicht "weich" wurde, nen Gang runterschalten, Bremse auf und rein in die Kurve. Dabei leichter Seitenversatz, da die 9 Jahre alten Kleber kaum mehr Grip hatten. Im Scheitelpunkt dann voll auf den Pin, dem nervösen Heck etwas kontern, dann den Gang ausdrehen und hochschalten. Das war wirklich Fahrspaß. Obwohl wir in einer vollbepackten Sämpfte fuhren...

Ein kleines Highlight war noch der Tunnel, der über 200m UNTER dem Meeresspiegel lag. Auf den ersten Metern fühlt es sich an wie ein normaler Tunnel, doch dann knickt die Straße nach unten ab und man fährt sicher 5Minuten in dem Tunnel straff bergab. Dann kommt die Senke, dann gehts wieder steil bergauf. Ach herrje, und das mit gefühlten 50PS. Da der Suburban zwar kein Problem mit Drehmoment hatte, doch durch das hohe Gewicht auch keine Rennmaschine war, bretterten wir mit 130 Sachen durch die Senke. Der Schwung half. Nicht viel, aber wenig. Während die dunkle Rußwolke vor uns langsam davon zog, ging der Subarumotor in die Knie. Bei 3200U/min runterschalten in den 4. Gang auf 3700U/min. Nach wenigen Sekunden waren wir bei 3400U/min, diesemal schaltete ich noch früher. im 3. Gang bei fast 4000U/min hielt der Subaru die Geschwindigkeit. Fast. Er wurde trotzdem langsamer. Mit 60km/h quälten wir uns nach einer gefühlten Ewigkeit aus dem Tunnel.

Draußen war wieder das super Panorama. Also quälte ich den Subaru wieder auf 110 und wir glühten die Küstenstraße hoch bis zum Hotel. 21:30 waren wir in der Unterkunft. Dort aßen wir noch nen Teller Dosenravioli (Hmmmm etwas für richtige Feinschmecker) und gingen zu Bett.

 

 

Tageskilometer: 510

 

 

Etappe 7: Honnigsvag - Nordkap - Ivalo

 

 

Es stande ein Highlight der Extraklasse bevor: Der nördlichste Punkt Europas und außerdem grob Halbzeit unserer Reise. Wir starteten 30km südlich des Nordkaps in den Tag. Wir konnten uns Zeit lassen, denn der Konvoi zum Nordkap startete erst 11 Uhr. Im Winter werden die letzten 13km zum Kap für die Besucher aufgrund von Schneeverwehungen gesperrt. Es besteht nur die Möglichkeit, sich in den festen Zeiten am Konvoi anzustellen und so zum Kap zu fahren. Ganz vorne fährt ein - für deutsche Verhältnisse- gigantonomischer Schneepflug, dahinter, dicht an dicht die Besucher mit Warnblinke. Da fast alle Teilnehmer der BSC an diesem Tag 11:00 ans Kap wollten, war auf dem Parkplatz ein großes Gedränge. Natürlich wurde nach deutscher Manier geparkt wie angeschwemmt. Das gefiel dem Schneepflugmann überhaupt nicht und schimpfte mit feuerroten Kopf durch die Reihen. Der "Parkplatz" war einfach zu klein, sodass sicher 30 Fahrzeuge auf der Straße parken mussten. Das war natürlich kein Problem, weil dort oben fahren so gut wie keine Autos mehr.

Den nächsten Ärger gab es, als sich (zurecht) ängstliche Fahrer mit ihren Autos mit halbem Antriebsstrang (Front- oder Heckantrieb) an große Allrader hingen. Das schleppen auf der Strecke ist strikt untersagt, warum weiß keiner. Vorallem wusste keiner, was passiert, wenn einer mal einen Berg nicht hochkommt und hängen bleibt. Wir hatten das Abschleppseil trotzdem in den Fußraum gelegt, da die Jungens im 32B-Passat vor uns Bedenken angekündigt hatten. Zurecht, sie hatten richtig zu kämpfen, haben es aber letztendlich geschafft.

Landschaftlich ist es dort oben extrem interessant, es sind nur schneeverdeckte Hügel, sonst NICHTS. Keine Pflanze, kein Mensch, kein Baum, kein Tier, nichts. Außer einer Straße mit über 40 wild gewordener Rallyefahrzeuge im Schlepptau eines Schneepfluges.

 

 

Die 13km vergingen wie im Flug. Nach den Etappen der letzten Tage war das auch nur ein Steinwurf. Oben am Norkap stande eine Mautstelle, an der jedes Fahrzeug irrwitzige 50Euro blechen musste. Umdrehen war aufgrund der Konvoiproblematik nicht erlaubt, also blieb nicht viel übrig als zu zahlen. Clever gespielt, Norwegen :D

Oben an der Station angekommen, schmissen wir den Subaru in den Schnee und stapften Richtung Globus. Wir bogen um eine Ecke und dort stande er. Majestätisch stande der Globus an der Klippe, dahinter nur noch Wasser. Wir hatten es geschafft, wir konnten es kaum glauben. Wir waren mit diesem Trümmerhaufen ohne Probleme bis ans Nordkap gefahren. Wir schossen ein paar Bilder, danach stande ich nur an der Klippe und hielt einen kurzen Moment inne.

Man muss sich schon einmal vor Augen führen, was in den letzten Tagen passiert ist, wie weit man gefahren ist und was dieser Ort bedeutet. Es war schon ein bedächtiger Moment.

 

 

Die Station des Nordkaps besteht aus einem Cafe mit Souveniershop (was denn sonst...) und einem kleinen Museum. Ich schlenderte durch das Gebäude und nahm mir einige Mitbringsel mit. Punkt 13:00 ging es dann wieder zurück zum Parkplatz, von dort aus wieder Richtung Olderfjord. Von dort fuhren wir auf der E6 Richtung Karasjok, dort über die Grenze nach Finnland und dann nach Ivalo. Dort wollten wir uns einen Campingplatz suchen, oder nach Bedarf im Auto schlafen.

 

 

In Ivalo war ein Campingplatz, doch dort ging niemand als Telefon. Wir fuhren einfach dort hin und wollten Fragen. Doch an der angegebenen Adresse war nur eine Tankstelle. Wir tankten und fragten nach dem Campingplatz. "Here it is". Die Tankstelle war wie eine kleine Kneipe und Rezeption. Leider war keine Hütte mehr frei, aber wir durften gegen einen kleinen Obulus die sanitären Anlagen nutzen und auf dem Parkplatz unser Nachtlager aufschlagen. Wir aßen in der kleinen, wirklich supergemütlichen Kneipe noch einen Kebab (wie Dönerfleisch) mit Pommes und bauten anschließend unser Auto um. Es war wirklich frostelig geworden. Als wir uns hinlegten, waren weniger als -20°C. Kein Thema, die Heizung funktionierte ja. Wir zogen uns aus, gruben uns in die Schlafsäcke und sagten uns gute Nacht. Nach 5Minuten keimte eine Frage in mir:

 

"Haben wir die Heizung getankt?"

 

Ach maaaaaaaaaaaaaannnnnnn, die Heizung lief schon wie sie sollte (sprang auch ohne Probleme an) und wir waren kaputt. Es half aber alles nichts, wir mussten nochmal raus und die Heizung tanken. Schon beim Lösen der spanngurte froren unsere Finger fast ab, es war wirklich knackig kalt. Wir tankten die Heizung und legten uns wieder hin. Nebenan nagelte blubbernd der Diesel-V8. Die beiden im Suburban hatten keine extra Heizung, also ließen sie den Motor über Nacht laufen. Wir hatten so unsere Zweifel, dass der Diesel nicht einfach auskühlt und der Innenraum eisekalt wird.

Egal, wir hatten andere Probleme. Die Heizung lief wieder und es wurde warm im Auto. Franke schlief schon, ich hörte auf Geräusche der Heizung. Unbegründet, die lief wie ein Uhrwerk. Es wurde angenehm warm, dann kuschelig warm, dann schon stickig warm, dann unerträglich heiß. Da der Auslass der Warmluft in Fußnähe lag, musste ich nach 15 Min die Beine einziehen, weil ich Angst hatte, der Schlafschlack könnte schmelzen. Nach weiteren 5 Minuten war es nicht mehr auszuhalten. Es waren sicher 45°C im Auto, es nahm einem fast die Luft zum atmen. Ich schaltete die Heizung aus und schlief ein. Irgendwann nachts wachte ich auf. Innen im Auto war alles gefroren, wir waren kurz davor. Der Atem war gut sichtbar und im Auto hingen Eiszapfen.

Also startete ich die Heizung. Nach 10 Sekunden glühen fing das sonore fauchen an und es wurde wieder angenehm warm. Dann wieder drückend heiß. Was nun? Wieder ausmachen und frieren wie die Schweine? Anlassen und verbrennen? Aber für den Inschenör ist nichts zu schwör. Ich öffnete die hintere Tür und regulierte die Temperatur über den Türspalt. Nach ein paar minuten hatte ich herausgefunden, dass ein 10cm Spalt für eine wohlige Temperatur sorgte. Also schliefen wir bei -24°C mit offener Tür und es war trotzem angenehm im Auto. Es war traumhaft. Von draußen zog die sauberste Luft ins Auto, die man sich vorstellen kann, dazu eiskalt und voller Sauerstoff. Der im Schlafsack eingepackte Körper ist wohlig warm, nebenan stampfte der Dieselsaurier ruhig vor sich hin. Ein wirklich friedlicher Moment.

Im nächsten Augenblick klingelte der Wecker.

 

 

Tageskilometer: 485

 

 

Etappe 8: Ivalo - Oulu

 

Wir hatten letztendlich gut geschlafen. Franke sowieso, er hatte Ohrstöpsel im Gehirn und bekommt auch so beim Schlafen nichts mit. Team Wild East hatte bitterlich gefroren, weil der kleine Motor des Suburban auskühlte und somit der Innenraum fast auf Außentemperatur auskühlte. Entsprechend sahen die beiden auch etwas zerstört aus.

Für die Morgentoilette mussten wir ca. 50m Meter laufen. Die paar Meter waren bei der Temperatur am Morgen kein Geschenk, ich verzichtete auf das Duschen, zog mich nur an, putzte Zähne und war ready for Takeoff. Wir kauften uns noch einen Kaffee an der Tanke/Kneipe/Rezeption und fuhren Richtung Napapiiri. Dort, am Polarkreis, gibt es den Themenpark Santa-Claus-Village, dort wohnt übrigens der Weihnachtsmann.

Im Santa-Dorf trafen wir das erste und letzte mal auf unserer Route auf Touristen. War klar, das Dorf war wie dafür geschaffen. Attraktionen, Stände, ungefähr 45 Restaurants mit den phantasievollsten Namen und abgefahrensten Gerichten, Gift-shops, Bungalowsiedlungen und alles, was man sonst so nicht braucht. Wir schlenderten durch das Dorf, waren von der Preisgestaltung entsetzt, gingen quer über die Straße und aßen in einer Tankstelle Kebak mit Salat und Pommes. Dort machten wir noch folgenden Schnappschuss:

 

 

Danach fuhren wir weiter. Recht emotionslos erreichten wir Oulu, wo Mario ein kleines Häuschen für eine Nacht gebucht hatte. Die kleine Siedlung lag genau an der finnischen Ostsee, man musste nur 30m bis zum Strand laufen. Wir stopften uns ne Dose Ravioli in die Figur und ich wollte mal an die See. Also ging ich alleine los. Ich musste die Umzäunung der Siedlung überwinden. Nichts leichter als das, ich wollte mich formschön über den Zaun schwingen. Da ich keine 16 mehr bin, und außerdem die Riegel des Zaunes vereist waren, schnappte ich ab und knallte auf eine Zaunslatte, die sich in das rechte Schienbein rammte. Ziemlich formunschön kippte ich über den Zaun, fing mich aber glücklicherweise mit dem Gesicht ab. Soweit, sogut. Das Bein blutete, der Kopf brummte aber ich war über den Zaun. Ich humpelte zum Strand. Nach der Zaun-Malörität wollte ich nicht umdrehen, nur weil ich kaum laufen konnte...

Am Strand war ein Aussichtsgebäude mit einer Treppe. Es waren vllt 25 Stufen in Reihe. Auf den ersten Stufen merkte ich, dass die Stufen verschneit und vereist waren. Es waren keine richtigen Stufen mehr, sonder eher kleine Rampen auf jeder Stufe. Ich hoffte nicht zu stürzen.

Ich kam ohne Probleme oben an und wurde mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Die See war komplett zugefroren. Die weiße, spiegelglatte Fläche vor mir war so gigantisch, dass man sogar die Erdkrümmung erahnen konnte. Es war totenstille. Ich verweilte eine halbe Stunde und drehte wieder um. An der oberen Treppenkante ahnte ich schon schlimmes. Ich trat auf die erste Stufe, wollte gerade den Handlauf greifen, da flogen förmlich meine Beine davon und war plötzlich ziemlich schnell auf dem Weg nach unten. Es war kein Grip da. Ich stotterte die Treppen hinab, war aber noch nicht vorn oder hinten übergekippt. Der Handlauf war genauso vereist wie die Stufen, außerdem bekam ich ihn kaum gegriffen durch das Geklapper über die Treppenstufen. Hoffentlich tu ich mir jetzt noch richtig weh...

Auf der halben Treppe fing ich mich, halb auf dem Rücken liegend, die linke Hand um den Handlauf geknödelt, die rechte war irgendwie unter mir. Ich hielt kurz inne. Ich hatte überlebt. Und außer meiner Einbußen des Zaun-Massakers hatte ich keine weiten Blessuren davongetragen. Ich humpelte wieder zurück und hatte schon so meine Bedenken, wie ich wieder über den Zaun kam. Zumal ja jetzt fortgeschrittene Schwierigkeit bestand, da am Zaun auf der Außenseite keine Längsriegel angebracht waren. Scheiße, was mach ich denn jetzt?

Ich schaute mich am Zaun um und erspäte 20m meiner Absturzstelle in der Ecke des Geländes ein Tor. Prima, Tobner. Gut gemacht. Ich hatte das Tor vorher nicht gesehen, da in der Ecke des Geländes noch ein Haus stande. Man hätte evtl. auch mal einen Meter laufen können, um zu schauen, aber ein echter Kerl geht lieber die Gefahr ein, sich das Genick zu brechen, während er über einen Zaun klettert.

Ich wollte nicht noch einmal über den Zaun, sonder entschloss mich, einfach durch das Tor hindurch zu gehen. In der Hütte erzählte ich den Leuten von meiner Nahtod-Erfahrung, da meinte Franke:

 

"Ja, ne Minute nachdem du losgestiefelt bist, hab ich nen dumpfen Knall gehört. Das war dein Schienbein?"

"Ja."

"Trottel. :D "

 

Wir gingen ins Bett und schliefen sofort ein.

 

Tageskilometer: 530

 

 

Etappe 9: Oulu - Ladogasee

 

Als ich meinen grazilen Körper aus dem Bett bewegte und auftrat, knickte sofort das rechte Bein ein. Aua... Da war ja was. Das Schienbein sah kunstvoll aus. Um den dunklen Grind schimmerte jede Farbe der Natur. Blau, Grünlich, Rot, Violett. Die Farbverläufe habe ich auch gut getroffen. Jetzt war ich also ein Hinkebein.

Wir packten die Autos und fuhren los. Heute stande der Grenzübertritt nach Russland an. Eine heikle Angelegenheit. Wir waren also den ganzen Tag fürchterlich aufgeregt. Von Oulu bis Kaurila an der Grenze waren es etwas über 450km, also fuhren wir einfach ohne Umwege und ohne Schickimicki direkt dort hin. Wir wollten den Grenzübertritt so schnell wie möglich hinter uns bringen. Bis dahin passierte auch nicht so viel. Wir fuhren mit 110km/h bis zur Grenze. An der Tankstelle war die Frau hinter der Theke so begeistert vom Subaru, dass sie gleich herausgestürmt kam und Fotos machte. Ein paar Minuten späten kam in der Whatsappgruppe ein Screenshot aus Facebook mit unserem Subaru. Die Krachbummenten hatten wieder einmal für Aufsehen gesorgt.

An der Grenze nach Russland ging dann das Chaos los, was uns die nächsten beiden Tage nicht wieder verließ.

 

Wir fuhren ins Grenzgebiet und sahen schon die ersten Häuschen der Grenzstation. Team Wild East rollte mit der hubraumstarken Ausgeburt des kapitalistischen Feindes an die Grenze, dahinter ein Subaru mit einer Farbgebung, die nur Insassen des anderen Ufers vermuten ließen. Es war niemand da, also stellten wir uns an der ganz rechten Bahn an. Nach 3 Sekunden kam der erste russische Grenzer, gestikulierte wie wild herum und schlug auf das Kennzeichen des Suburban ein. Das Kennzeichen war verreist, ein unzumutbarer Frevel. Außerdem standen wir an der LKW-Schlange. Das gab den ersten Ärger...

Nach der ersten Kontrolle der Pässe durften wir in das eigentliche Grenzgebiet. 50m weiter folgte die nächste Kontrolle, danach kam die richtige Kontrolle. Wir sollten das Auto abstellen und mit ins Grenzhäuschen kommen. Nach der 3. Pass- und Visakontrolle mussten wir einige Zettel ausfüllen. Jeder Fahrer 2 Zettel, jeder Beifahrer einen Zettel.

Die Zettel waren kyrillisch/englisch. Durch 6 Jahre Russischunterricht konnte ich zwar problemlos russisch lesen, ich verstand aber nur Bahnhof. Also füllte ich den Zettel nach besten Wissen und Gewissen aus und gab ihn ab. Der Grenzer schaute kurz drüber und meinte "NJET" Ich fragte warum, er fing an, irgendwelche Kreise und Striche auf den Zettel zu kritzeln und erklärte mir alles ungeduldig auf russisch. Sehr gut, damit war ich wenigstens so schlau wie vorher.

Der zweite versuch scheiterte genauso. Die Grenzer konnten aber auch kein englisch, es machte sich Frust und Verzweiflung breit. Nach ca. einer halben Stunde kam ein Grenzer und fragte in gutem englisch, ob er uns helfen könne. Ich wollte ihn umarmen.

Der Zettel, den wir ausfüllen sollten, war eine Art Importbestätigung des Fahrzeuges. In Russland ist es so, dass wenn man sein Fahrzeug importiert (indem man damit über die Grenze fährt) ist man verpflichtet, das Auto auch wieder zu exportieren. Heißt im Umkehrschluss, wenn man mit 100 an einen Baum fährt, ist man VERPFLICHTET, das zerstörte Wrack irgendwie über die Grenze zu bewegen. In Russland verschrotten ist auch nicht erlaubt.

 

Na Prost Mahlzeit.

 

1600ccm schrieb ich auf den Zettel, es war falsch. Es mussten 1597ccm sein. Bei Serial Number musste die Schlüsselnummer stehen, nicht die FIN. Und so weiter und so weiter. Der Grenzer war sehr nett und half uns Begriffstutzigen den Zettel auszufüllen. Schließlich hatten wir es geschafft den ersten Schein auszufüllen, daraufhin bekamen wir einen winzligen Zettel mit Stempel. Die Bestätigung, dass das Auto legal importiert ist. Wenn man den verliert, bekommt man riesige Probleme bei der Ausreise. Danach kam Zettel Nummer 2. Das war eine Art Fragebogen auf Russisch, den wir englisch beantworten sollen. Der Grenzer übersetzte die Fragen ins englische, wir schrieben die Antworten auf. Reisegrund, Reiseziel, Unterkünfte mit Adressen, Arbeitgeber samt Adresse und Furz und Feierstein mussten wir preisgeben...

 

Danach kontrollierte noch jemand unsere Pässe und wir durften wieder zu den Autos. Es war ausschließlich dem Importeur gestatttet, das KFZ im Grenzbereich zu bewegen. Ich rollte also vor zum Checkpoint, an dem schon 3 weitere Grenzer und ein Drogenhund warteten. Einer tippte Unsanft mit seinem Schlagstock auf Motorhaube, Türen und Heckklappe. Der Befehl zum Öffnen. Jetzt ging mir die Düse, schließlich hatten ich das CB-Funkgerät abgebaut und ganz unten unter der Matraze versteckt. Der Grenzer stocherte aber nur in dem wüsten Haufen aus Klamotten und Essen herum und grub nicht tiefer. Danach ging es zum Fahrzeugheck. Ich hatte vorher im Wörterbuch herausgesucht, was "Heizung" und "Ersatzteile" auf russisch heißen. Er tippte mit dem Schlagstock auf die Holzkiste der Heizung.

 

"Sto eto?" - Was ist das?

"Ottoplenie" - Heizung

 

Er drehte sich emotionslos zu seinem Kollege um, zeigte ihm nen Vogel und sagte amüsiert, leicht spöttisch "Ottoplenie hahaha" Ihm gefiel scheinbar die Umsetzung unsere Idee der Heizung. Russen eben. Er tippte auf den Grill. - "Sto eto?" - "Griill." "Open!" Ich öffnete das Fass und sah ein kleines Funkeln in den Augen des Grenzers. Ich kam trotzdem nicht drum herum, die schwarze Kiste mit den Grillutensilien zu öffnen. Ich öffnete die Kiste, darin waren neben den Grillsachen auch Frankes mit Surstömming kontaminierte Schuhe. Diese hatten leider 2 Tropfen Fischsut abbekommen und waren nicht mehr tragbar. "STO ETO!!!" Ich packte die Schuhe aus, der Grenzer hetzte seinen Hund los. Diesem verging in dem Moment die Lust und er kniff die Rute zwischen seinen Beinen ein. Armes Tier.

Wir packten noch unsere Ersatzteilkiste vom Dach, danach packten wir alles zusammen und durften, nach einer Passkontrolle, weiterfahren.

Nach 50m war noch eine Passkontrolle, langsam fing es an zu nerven, aber wir waren froh, dass wir durch waren. Franke sortierte alles wieder ein. Plötzlich war der Importzettel des Subarus weg. Panik machte sich breit. Wenn der weg ist und wir kommen in eine Kontrolle, wars das. Der Zettel war dann irgendwo in dem Wust aus Zetteln, Pässen, Erklärungen und Tankquittungen wieder aufgetaucht. Gott sei Dank. Wir konzentrierten uns auf die Straßen und den Verkehr.

 

Im Vorfeld habe ich mich über das Autofahren in Russland belesen. Die Kernaussage war immer die gleiche: Die Russen fahren wie die allerletzen Henker, man sollte auf den Fernverkehrsstraßen immer mind. 20km/h schneller fahren, um Ärger zu vermeiden, als Ausländer ist man bei jeder Kontrolle mode und im Falle eines Unfalls hat man automatisch schuld. Demzufolge war ich doch ziemlich nervös, als ich die ersten Meter fuhr. Aber es war garnicht so schlimm. Die Straße Richtung Ladogasee war gut ausgebaut. Es war eine recht breite Spur ohne asphaltiertem Seitenstreifen. Es war eher so, dass der Asphalt einfach an den Rändern aufhört und im Dreck eine 1-2m breite Spur "herausgefahren" war. Warum bekamen wir am nächsten Tag zu spüren.

Wir rollerten also dahin und merkten sehr schnell, dass urplötzlich doch recht große Schlaglöcher auftauchen können. Natürlich ohne Warnhinweis. Das rumpelte schon böse, schließlich ist der Subaru auch eher schlecht gefedert. Also haben wir schnell gelernt vorsichtig zu fahren und dass wenn die Russen ein Schild mit einem abgebildeten Schlagloch aufstellt, man wirklich sachte fahren sollte. Dem ersten Schild "Achtung Schlaglöcher" folgte ein badewannengroßes und sicher 20cm tiefes Loch in der Straße. Das Problem: Die Russen hämmern da trotzdem ohne Rücksicht auf Verluste drüber, als gäbe es keinen Morgen mehr. Dementsprechend wurden wir an den Verwerfungen im Asphalt angehupt oder grob überholt (auch von LKW). Es war stellenweise etwas stressig, aber auszuhalten. Wir rollten dann von der Fernverkehrstraße direkt Richtung See. Dort hörten die "guten" Straßen plötzlich auf. Wir befanden uns in einer Schneise im Wald. Der Untergrund bestand aus Dreck und Sand/Schotter. Es war teilweise ausgewaschen, überfroren oder hatten sonst extrem viele kleine und größere Schlaglöcher. Es war wie ein Feld aus Woks. Manchmal lagen größere Steine rum oder es waren querrillen ausgewaschen. Es war, wie wenn man mit 60km/h über ein Welldach fuhr. Die Dörfer, durch die wir fuhren waren ein Kulturschock. Im Finstern sieht man nicht ungedingt die Umgebung, aber die an den "Straßen" befindlichen Häuser waren eher Bretterhaufen mit Türen und manchmal auch Fenstern. Wenn man durch die Fenster in die beleuchteten Häuser sah, sah man die pure Armut der russischen Landbevölkerung. Kaum Putz an den innenwänden, kaum Tapeten, nur sporadisch mal ein Wandteppich. Völlig abgewohnte Möbel, in jedem 2. Fenster ein uralter Ofen. Krass.

 

Ich kann leider die Atmosphäre nicht in Worte fassen, aber mich hat es regelrecht erschüttert. Aber gleichzeitig auch irgendwie fasziniert. Ich weiß nicht warum, aber ich hätte gern noch mehr gesehen. Nach 80km auf dem Welldach trafen wir auf Team Sisu, die einen Dreher auf einer der Waldstraßen hatten. Es war nichts passiert, nur ein Licht war ausgefallen. Thomas vom Team Sisu hat Russlanderfahrung nach 2 Jahren Leben in St. Petersburg. Außerdem sprach er fließend russisch, sodass wir uns an seinen Rockzipfel hingen und heilfroh waren, ihn wieder bei uns zu haben. Es wirkt stellenweise beängstigend, in Russland umherzufahren ohne einen, der sich mit den Leuten verständigen kann.

Thomas hatte uns einen kleinen Bungalow in einem kleinen Dorf klargemacht.

Als wir dort ankamen erwartete uns eine wohlig warme Hütte. Innen war alles aus Holz, Fußböden, Wände und die Decken. Treppen und Türen. Es roch auch sehr angenehm und wir hatten eine eingebaute Sauna. Wir aßen alle zusammen, Team Wildeast und Team Sisu gingen in die Sauna. Wir gingen Schlafen.

 

 

Tageskilometer: 690

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22.02.2018 14:35    |    Tobner    |    Kommentare (21)

In den letzten Tagen haben wir viel herumgedoktert am Wintersubaru. Leider hat der Zahn der Zeit recht ordentlich am Impreza genagt, sodass wir recht viel Zeit mit Instandsetzung verbringen mussten. Da der Motor so langsam war, haben wir letzendlich die Lambdasonde, Benzinpumpe/ -filter und den LMM getauscht, es brachte alles nichts. Kompression war ja schon gruselig, wir haben aber letzten Endes einfach aufgehört zu suchen. "Wird schon irgendwie werden"

 

Dann haben wir die Heizung aufs Dach gebaut. Abenteuerlich. Aber die "Sirokko 231" aus dem Barkas 1000 funktioniert prima! Die Heizung verbrennt Benzin und drückt die warme Luft durch einen Lüftungsschlauch in den Innenraum. Durch die getrennte Abgasfürhung bleiben die Abgase draußen. Um den Lüftungschlauch an den Innenraum ankoppeln zu können, haben wir die hintere Seitenscheibe herausgetrennt und dort ein Blech mit einer 90mm Muffe eingesetzt. Dort wird der Warmluftschlauch dann eingesetzt. Gesteuert wird es über Schalter, die sich jetzt anstelle des Angstgriffes über dem Bett befinden. Strom bekommt sie von einer autargen Aufbaubatterie aus einem Wohnmobil (95Ah, geladen tagsüber über Lichtmaschine). Die Heizung macht was sie soll, nach wenigen Minuten ist es drückend heiß im Auto. Sollte also bei -30°C auch vor dem Erfrieren schützen. "Wird schon irgendwie werden"

 

 

 

 

Anschließend bauten wir das Bett ins Auto. Der Impreza ist wirklich kein Raumwunder, ohne umgeklappte Vordersitze sind es nur 1.60m von Kofferraumverkleidung bis zu den Sitzlehnen. Da wir beide aber dezent länger sind, musste eine Lösung her. Wir entfernten die Rücksitzband, bauten ein langes Brett bis zur Vorderkante der Rücksitzbank und befestigten dort ein klappbares Brett. Also kann man Abends die Sitze vorschieben und umklappen und dann das Kopfteil des Bettes umklappen, schon hat man 1.90m Liegefläche. Gerade genug für uns :D

"Wird schon irgendwie werden"

 

 

Danach wechselten wir noch den Auspuff (der Eigenbau war übertrieben zu laut, zum Glück gibts hier keine SOKO "Poser") und erneuerten die Bremsbeläge der HA. Zugegebenermaßen habe ich, seit ich das Auto besitze, nie in die hintere Bremse geschaut. Also dachte ich, es wäre keine schlechte Idee, wenigstens mal einen Blick hinein zu werfen. Es war ne gute Idee, von den Bremsbelägen links war wirklich nicht mehr viel übrig...

 

 

Danach pakten wir die Dachbox noch voll, es befinden sich jetzt folgende Teile darauf:

-2 vollwertige Winterräder

-2 20L Kanister Benzin

-die Heizung (unter der Kiste)

-Ersatzteilkiste mit sämtlichen Teilen (Anlasser, Lichtmaschine, Gebläsemotor, Wagenheber, Ersatzbirnen, Teile für die Heizung, Kleinkram)

 

 

Morgen Abend gehts dann los, etwas mulmig ist mir schon zumute. Haben wir alles? Hält das Auto? Kommen wir überhaupt an der Startveranstaltung in HH an?...

 

 

 

"Wird schon irgendwie werden"

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25.01.2018 10:50    |    Tobner    |    Kommentare (22)

Sodele,

 

nachdem nun das "Kurzzeitprojekt" Trabant,welches schlimm ausuferte, erstmal soweit beendet ist, habe ich Zeit, mich um den BMW zu kümmern. Momentan suche ich noch Teile zusammen, aber die Sammelei neigt sich dem Ende. Es fehlen als große Posten nur noch die Nockenwellen, die ich gern umschleifen lassen möchte und ein Einmassenschwungrad. Original hat der M62 ein fast 18kg schweres Zweimassenschwungrad, welches den Motor träge erscheinen lässt. Die Firma CCC-Motorsport hat ein 7kg leichtes Einmassenschwungrad (EMS), welches ich nach der Rallye beschaffen werde.

 

Problematisch ist noch die Kupplung. Ich fahre ein 5 Gang Getriebe, welches nur am 3.5Liter V8 zum Einsatz kam. Den 4.4Liter gab es nur mit 6Gang oder Automatik. Ein 5Gang an einen 4.4Liter zu schrauben geht zwar, doch müsste man dann aufgrund der Getriebewelle die Kupplung vom 3.5Liter V8 fahren, welche aber öfters das Drehmoment nicht übertragen kann und abraucht. Die größere Kupplung vom 4.4 geht aufgrund der Getriebewellenverzahnung nicht (so richtig). Da gibt es aber Mittel und Wege, dieses Problem zu beheben.

 

 

 

 

Nachdem ich dann über Weihnachten das V8-Umbauset von 300mm.de bestellt hatte, konnte ich auch richtig loslegen. Das Paket umfasste folgende Teile:

 

- Motorhalter

- Motor- und Getriebegummis

- Spezialradnaben für die VA

- Bremssatteladapter für die VA und die HA

- Achstieferlegung

- Bremsbetätigungstange (vom Bremspedal bis Hauptbremszylinder)

- Haltebleche BKV zum Einschweißen

- Kühlerabschlussblech für den E28 Kühler

 

Ich habe den alten Motor samt Getriebe ausgebaut, den Motorkabelbaum entfernt und ein Halteblech am linken Dom entfernt. Dort war original ein Behälter befestigt, der aber für den Bremskraftverstärker weichen muss. Das abgefahrene: BMW baute in den älteren 5er mit V8 Motor den Bremskraftverstärker hinter den Scheinwerfer auf der Fahrerseite, weil nirgendwo sonst Platz ist. Es wäre auch möglich, bspw. mit einem Waagebalken und ohne BKV zu fahren, aber das sehe ich sehr kritisch. Es nützt auch nichts, wenn die Kniescheibe rausspringt eh das Auto bremst.

 

Danach habe ich ein Lenkgetriebe vom 3er BMW (E36) eingebaut. Dieses ist bedeutend direkter, fährt sich besser und die Anschlüsse sind etwas versetzt, was dem Einbau des V8 zugute kommt. Der größte Vorteil ist, dass das Lenkgetriebe die Achstieferlegung kompensiert, da es am Anschluss von der Lenksäule etwas länger ist. Also kurz gesagt: Achse und somit Lenkgetriebe liegt 20mm tiefer, Anschluss zur Lenksäule ist 20mm länger - Lenksäule passt plug&play ans Getriebe.

 

 

Danach habe ich die Motorhalter vom Umbauset montiert, die Motorgummis auf die Vorderachse geschraubt und den Motor in den Motorraum gehangen. Das war notwendig um die Platzverhältnisse zu klären. Als der Motor drin war, habe ich mir die kritischen Stellen angesehen und für weniger problematisch befunden. Folgende Stellen sind eng:

 

- alle

 

Aber seht selbst:

 

 

 

 

 

Am engsten ist es an der Spritzwand, die Anschlüsse zum Wärmetauscher liegen fast an. Außerdem ist zwischen Lichtmaschine und Längsträger ungefähr 2cm luft und das Batterieblech muss etwas verkleinert werden. Batterie kommt sowieso in den Kofferraum.

 

Als der Motor saß, habe ich den BKV vom E34 540i eingepasst. Dazu muss man den originalen Halter kürzen, die beiden Haltebleche oben und unten einschweißen und festschrauben. Problematisch war, dass das obere Halteblech nicht vorgebogen war und ich erstmal ein wenig probieren musste. Auch hier sind die Platzverhältnisse kritisch, da der Hauptbremszylinder nach vorne aus dem BKV herausragt. Der HBZ ragt zwischen die beiden Scheinwerfer und hat nach vorne vllt noch einen cm Platz. Auch zum Motor hin ist da wenig Platz, aber es passt.

 

 

 

 

Danach habe ich den Motor wieder herausgehoben und die Bleche durchgeschweißt. Außerdem habe ich einen Satz 17Zoll Stahlfelgen vom BMW X1 geschossen, die dann auf das Auto kommen. Schick dabei ist, dass sie die riesen Bremse verstecken und das Sleeper-Image unterstreichen :D

 

 

Die Hinterachse und die Radlagergehäuse der HA sind beim Pulverbeschichten, danach kann ich die alte HA mit Trommelbremsen ausbauen und die überholte Scheibenbremshinterachse verbauen. Zum Einsatz kommen Radnaben vom Z4 (wegen LK 5x120), Bremsscheiben vom Z4, Bremssättel vom E34 540i samt Halter und Bremssatteladapter von 300mm.de.

 

Bis zur Rallye werde ich mich noch etwas um die Elektrik kümmern, die ist bei dem Projekt auch nicht ohne. Da ich beim Kauf des Motor einen riesen Fehler gemacht habe und die Komponenten der elektrische Wegfahrsperre nicht mitkaufte, komme ich etwas ins Schwimmen. Die EWS beinhaltet eine Ringantenne samt Schlüssel mit Transponder, Kabelbaum und das EWS-Steuergerät. Ohne ein Signal von der EWS gibt das Motorsteuergerät aber nichts frei. Man kann die EWS aber nicht ohne weiteres simulieren oder aus dem Motorsteuergerät auscodieren...

Außerdem bekommt das Steuergerät das Geschwindigkeitssignal vom ABS-Block. Da mein BMW aber kein ABS hat (und ich es auch nicht nachrüste), muss ich an dieser Stelle auch zaubern. Aber ich denke, da finden sich auch Wege...

 

Es wird wohl erst nach der Rallye die nächsten Fortschritte geben, aber das Projekt rennt ja nicht weg :D

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15.01.2018 14:50    |    Tobner    |    Kommentare (17)

Moin liebe Mtler,

 

nach langer Zeit des Schweigens muss ich meinen Blog malwieder etwas aktualisieren. Der Trabant steht fast fertig für die Vollabnahme, der E30 nimmt langsam Form an (Artikel folgt!) und der Wintersubaru fährt tapfer seinem Ende entgegen. Ende März läuft der Tüv aus und es ist absolut aussichtslos, noch einmal bei der HU vorzufahren. Aber es sollte nochmal einen kleinen "Schlussknall" mit dem Winterauto geben, schließlich begleitet mich das hässliche, tapfere Entlein nunmehr fast 5 Jahre.

 

Über Facebook kam ich letzten Sommer auf die Seite des SAC, ein Reiseveranstalter für Charity-Rallyes. Als ich auf der Seite unterwegs war, keimte da eine Idee im Hinterkopf:

 

 

Mit dem Subaru die Baltic-Sea-Circle-Rallye mitfahren. 7500km durch 10Länder. Und passend dieses Jahr: Premiere der ersten Winter-Edition dieser Rallye. Es passt alles. Supergeil! Im Winter ans Nordkapp, dann über Murmansk nach St. Petersburg und über Polen zurück nach Deutschland. Ich überedete meinen besten Kumpel und meldete uns an. Anfangs zweifelten wir noch etwas, schließlich ist es finanziell auch nicht ohne (Startgebühr fast viereckig, dazu noch Spenden sammeln,Verpflegung, Sprit, Visa,......) und auch so war anfangs etwas mulmige Grundstimmung. Aber was solls denn, wir sind jung und ungebunden. Wenn wir jetzt nicht fahren, dann nie.

 

Also fingen wir die Vorbereitungen an. Da wir hardcore im Auto nächtigen wollen, muss das Auto dazu passend etwas umgebaut werden...

 

Was wollen wir mitnehmen?

Tja, so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Aber ganz ohne Werkzeug und Ersatzteile gehts dann doch nicht. Ich habe 2 vollwertige Ersatzräder organisiert, dazu kleinen Spittel wie Anlasser, Lichtmaschine, Benzinpumpe, Riemen, Gebläsemotor, Birnen, Schellen, Kabel, Lüsterklemmen, Benzinkanister und Kleinkram wie Sicherungen. Dazu noch viele Klamotten, Verpflegung, Campingkocher und nen Kasten Bier (das wichtigste!).

 

Wo stopfen wir das alles hin?

Der Tobner hat sich mal 2 Tage hingestellt und hat gebastelt. Eine Dachbox musste her. Problem: Der Subaru hatte keine Dachreling. Erst habe ich herumprobiert mit Dachschienen zum Klemmen. Da diese an die Fensterkante geklemmt werden und der Subaru aber so alberne Maße an den Scheiben hat, ging das nicht. Ich rüstete eine originale Dachrehling nach und organiserte mir dann 2 Grundträger. Danach habe ich Rundmaterial besorgt und beim Feierabendbier ein Korb gebaut. Leider hat das dann länger als geplant gedauert und ich hab fast ein ganzen Wochenende damit zugebracht :D Aber es kann sich sehen lassen. Eintragen brauche ich es nicht, da es als Ladung gilt, solange man es mit dem Bordwerkzeug abbauen kann.

 

 

 

 

 

Loch für die AntenneLoch für die Antenne

 

 

 

Wie schlafen?

Zelt fällt aus wegen den Temperaturen. Hotel/Pension fällt wegen den Finanzen und dem Abenteuergefühl aus. Bleibt das Auto. Wir haben uns überlegt, das Rücksitzbank auszubauen und eine große Liegefläche einzurichten. Eng wirds trotzdem, der Impreza ist wirklich recht klein... Heizen wollen wir mit einer Benzinstandheizung eines Barkas B1000 mit 3500W Heizleistung, die auf den Dachkorb geschnallt wird. Diese läuft aber noch im Teststatus in der Halle, das Ding muss einfach 100% funktionieren. Zum heizen legen wir nur einen Luftschlauch ins Auto und gut. Vorteil der Heizung: DDR-Technik ist sehr robust und leicht zu reparieren. Außerdem braucht sie wenig Strom und hat getrennte Abgasführung, somit werden die Verbrennungsabgase nicht in den Innenraum geblasen. Wäre auch wünschenswert, wenn wir nach der ersten Nacht wieder aufwachen können :D

 

Was wird am Auto vorbereitet?

Ich habe einen anderen Anlasser eingebaut, da der alte doch recht müde und kraftlos klang. Der jetzige klingt genau so desolat, wahrscheinlich klingen die alle so gruselig. Auch neue Masse- und Pluskabel haben nichts gebracht. Außerdem habe ich eine zweite Batterie für die Heizung eingebaut. Diese ist mit einem Trennrelais von der Starterbatterie getrennt und wird beim Fahren über die Lichtmaschine nachgeladen. Dann steigen wir von 10W40 auf 5W40 um und wechseln die Kühlflüssigkeit gegen welche, die bei -40°C nicht gefriert. Eine neue Benzinpumpe habe ich eingbaut, da die alte gestorben ist und ich zum ersten mal mit dem Auto stehen geblieben bin:eek:

 

Was noch?

Kleines Gimmik :D Ich habe mir einen Fahrradträger für die AHK gekauft und ein Gestell darauf gebaut. Oben in dem Gestell tront ein Ölfassgrill. In der schwarzen Kiste sind alle Grillutensilien drin. Ich denke, wenn man abends den Grill einheizt und sich einen warme Mahlzeit brutzelt, ist das viel Wert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So viel ist nun nicht mehr zu erledigen. Die Heizung muss noch installiert werden und das Bett eingebaut werden, aber das sollte nun nicht mehr das große Problem sein. Sorgen macht mir der Motor, da er schonwieder das lahmen anfängt. Die Kompressionsmessung zeigte:

 

1. 10 Bar

2. 8 Bar

3. knapp 7 Bar

4. 8 Bar

 

Eine neue Lambdasonde veringerte das Ruckeln bei Teillast, aber dennoch schafft das Auto mit ach und krach 140km/h auf der Geraden. Irgendetwas stimmt nicht und ich weiß noch nicht so genau was. Fehlerspeicher ist leer, Benzinpumpe neu, DK-Poti ist rauschfrei, nur den LMM habe ich noch nicht geprüft...

 

Da es sich um eine Charity-Rallye handelt, wollen wir noch ein paar Spenden sammeln. Wenn ihr wollt, schaut mal auf unserer Spendenseite vorbei :)

 

Link: https://www.betterplace.org/.../30566-bscwinter2018-die-krachbummenten

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Blogautor(en)

Tobner Tobner


Infos zur Person... hmmm mal sehen...

 

Ich bin BJ 92 und vom Beruf Medizintechniker. Damit verdiene ich das Geld, was ich gleich wieder in meinen Fuhrpark investiere :rolleyes:

Ich schraube an so ziemlichen Allem, was Räder oder Ketten hat, sich fortbewegt, oder einfach nur Lärm und Qualm fabriziert. Mein Motto ist dabei: Normal kann jeder.

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