Man achte auf den weißen VELAR Prototyp
Heute möchte ich euch die Geschichte des Range Rovers "erzählen".
Zumindest denen unter euch, die sich damit noch nicht auseinandergesetzt haben. 
Es geht also, zumindest für die Öffentlichkeit, 1970 mit dem ersten Ranger Rover los, doch entwickelt wurde das Fahrzeug natürlich schon früher. Maurice Wilks, welcher von 1962 bis zu seinem Tod 1963 Generaldirektor von Land Rover war, und auch an der Entwicklung des Land Rover Series 1 wesentlich beteiligt war, hatte mitte der 50er eine Idee für einen Jeep, welcher im Gelände keine Probleme haben durfte, und auf der Straße einen gepflegten Look haben sollte. Der Name, den er sich für das Fahrzeug ausgedacht hatte, nämlich "Road Rover", war an "Land Rover" angelehnt. Wilks hatte zusammen mit dem Konstrukteur Gordon Bashford einen ersten Prototypen entwickelt, welcher auf dem Rover P4 basiert. Der Prototyp wurde schnell als "Greenhouse" bekannt. Der Prototyp hatte allerdings nur Hinterradantrieb, und das Design war viel zu sehr an den Land Rover angelehnt. Das Projekt wurde eingestellt, weil die Produktionskosten zu hoch gewesen wären.
Ende der 50er gab es dann noch ein Projekt, welches mehr an einen amerikanischen Sportkombi erinnerte. Der Wagen war 4,16 Meter lang und hatte nur zwei Türen. Das Projekt wurde aber 1958 ebenfalls gestoppt, da sich Rover vollständig auf den neuen Rover 2000 konzentrieren wollte.
Mitte der 60er nahm Spen King, dessen Onkel Wilks war, die Idee wieder auf und entwarf zusammen mit Bashford die Skizze des ersten Range Rover, welche bereits sehr nah an dem Serienmodell des ersten RR war. King wollte keine Blattfedern verwenden, weil man sonst den Komfort eines PKW's nicht hätte realisieren können. In die Abstimmung der Federung und Dämpfung wurde mehr Arbeit investiert, als es in den 60ern üblich war. Außerdem bekam die Hinterachse eine automatische Niveauregulierung.
Ursprünglich sollte als Motor ein Rover Straight Six eingebaut werden, man entschied sich jedoch für einen 3,5 Liter aluminium V8 aus einem Buick Skylark, welchen der damalige Rover Generaldirektor Hurst in einem Rennboot entdeckt hat, als er einer Räderei Rover-Gasturbinen verkaufen wollte. Hurst gefiel der Motor sofort, da er kaum größer und schwerer war als ein Rover Straight Four, und nach ein wenig verhandeln kaufte er die Rechte für den Motor, welchen GM bereits aus dem Programm gestrichen hatte. Der Motor wird in modifizierter Form auch heute noch in einem TVR Sportwagen und von Land Rover selbst verwendet.
Ein Prototyp dieses Wagens wurde gebaut und hieß "100 inch Station Wagon". Der Name kommt daher, weil der Radstand 99,9 Zoll betrug. Der Prototyp hatte Allradantrieb, es war jedoch ursprünglich nicht so geplant. Die Achswelle und das Differenzial hätten bei Zweiradbetrieb der Power des V8 nicht standgehalten. Deswegen wurde die Idee des zuschaltbaren Allradantriebs wieder verworfen.
1967 war der erste Prototyp fertiggebaut und war fahrbereit.
Bannock arbeitete damals in der Marketingabteilung bei Rover, und führte eine Umfrage durch, bei der man die Kaufbereitschaft der Kunden herausfinden wollte. Es hieß " It will offer safe, fast and relaxing travel on motorways, on the road, across fields, sands, snow or ice. It is easy to drive and handle, will tow boats or caravans, carry milk churns, be used as a camping vehicle or you can use it to go shopping or to go to the Opera." Die Reaktionen waren überaus positiv.
Als der damalige technische Direktor Peter Wilks, ebenfalls ein Neffe von Maurice Wilks, den Prototypen probe fuhr, gefiel ihm der Wagen und die Entscheidung, den Wagen zu bauen, viel.
Es hätte ursprünglich auch eine billigere Version mit Rover Motor geben sollen, diese Idee wurde jedoch ebenfalls verworfen.
Im Dezember 1968 wurde endgültig entschieden, dass der Wagen Range Rover heißen soll. Davor war als Codename immer "Velar" verwendet worden. Velar steht für Vee Eight LAnd Rover. Diese VELAR-Prototypen sind heute gefragte Sammlerobjekte und werden zu Mondpreisen gehandelt.
Im Juni 1970 stellte man den Wagen der Presse vor - mit Erfolg! Der erste Range Rover war so erfolgreich, dass im ersten Jahr nicht genug produziert werden konnten.
Der RR war damals jedoch garnicht luxuriös ausgestattet, weshalb elektrische Fensterheber, Ledersitze oder eine Servolenkung fehlten. Er verbrauchte im Test rund 16 Liter auf 100 Kilometer, was vor der Ölkrise normal war. Außerdem hatte der Wagen neben der fehlenden Servo und anderem Spielzeug noch ein weiteres Problem: Er hatte nur ein manuelles 4-Gang Schaltgetriebe, welches " die längsten Schaltwege aller Zeiten " hatte.
Erst 1982 war eine Chrysler-Dreigangautomatik (TorqueFlite) lieferbar. 1983 kam eine ZF-Viergangautomatik und ab 1985 wurde serienmäßig eine Fünfgangautomatik verbaut. In dem Jahr verkaufte Land Rover auch den 100.000sten Range Rover.
1986 wurde, nach 16 Jahren Bauzeit, ein zweiter Motor eingeführt. Ein 2,4 Liter Diesel mit 112 PS. Kurz nach der Einführung wurden 40 Prozent aller RR mit dem neuen Motor ausgeliefert, 1987 verkaufte Land Rover sogar zum ersten mal mehr RR als Land Rover.
Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel ein wenig Klarheit über Land Rover und den Range Rover geschaffen habe.
PS: Bilder folgen noch, weil Flickr bei mir immer "Schluckauf" hat.
PPS: Ich krieg's mit Flickr immer noch nicht hin. Mal sehen ob ich es jemals schaffen werde, jemanden um die Permissions für seine Bilder zu fragen. 
Quelle: Land Rover 1948 - 1998, Die ersten 50 Jahre, M. Pfannmüller & B. Schmidt, autovision 1997, S. 86 -99