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Renault Mégane R.S. (2018) im Test: Tracktest, Technische Daten - Wird das der neue Rekordhalter auf dem Ring?

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Der Renault Mégane R.S. ist im Fahrerlager so häufig, wie Lieferwagen vor dem Baumarkt. Wir gingen mit dem Neuen auf die Rennstrecke. Erste Fahrt im 280 PS-Kompakten.

Renault bringt die insgesamt dritte Generation des Kompakt-Sportlers Mégane R.S. in vorerst zwei Varianten. MOTOR-TALK fuhr das Cup-Modell Renault bringt die insgesamt dritte Generation des Kompakt-Sportlers Mégane R.S. in vorerst zwei Varianten. MOTOR-TALK fuhr das Cup-Modell Quelle: Renault

Jerez – Der Streckenposten gibt den Weg frei: Ab auf die Rennstrecke von Jerez. Mit dem schärfsten Produkt der Renault-Palette, dem Mégane R.S. Ich wollte in der Aufwärmrunde die Strecke studieren. Mir Linie, Bremspunkte und haarige Stellen einprägen. Doch am ersten Kurvenausgang zieht mich der Fronttriebler tief in die Küchentisch-Psychologie: Sage mir, welche Mégane R.S.-Variante Du gewählt hast und ich sage Dir, was für ein Mensch Du bist.

Mégane R.S.: Einer für den Swing, einer für den Ring

Der neue Renault Mégane R.S. der dritten Generation ist ausschließlich als Fünftürer erhältlich. Sein Vorgänger war Dreitürer Der neue Renault Mégane R.S. der dritten Generation ist ausschließlich als Fünftürer erhältlich. Sein Vorgänger war Dreitürer Quelle: Renault Wobei, so psychologisch ist das gar nicht: Wer vor allem auf kurvigen Landstraßen Spaß haben will, wählt die „Sport“-Version. Den R.S. mit dem herkömmlichen, offenen Differenzial. Und dem etwas weicheren Fahrwerk. In absoluten Maßstäben heißt das immer noch: bretthart. Und dann gibt es den R.S. für die Rennstrecken-Fraktion. Die Nordschleifen-Touristenfahrer, die Hockenheim-Piloten und Handlingkurs-Glüher. Der R.S. Cup verfügt über härtere Dämpfer, leichtere Bremsscheiben, die Hitze besser vertragen und: über ein Torsen-Sperrdifferenzial.

Die mechanische Sperre des Cup-Modells hilft beim Herausbeschleunigen aus der engen, letzten Kurve. Ansonsten würde das kurveninnere Rad allzu leicht durchdrehen, die Kraft verpuffen. Jetzt Schwung mitnehmen auf die Start-Ziel-Gerade für den ersten vollen Umlauf. Ich drehe den aufgeladenen 1,8-Liter-Benziner nahezu aus. Die Höchstleistung von 280 PS (7 PS mehr als beim stärksten Vorgänger) erreicht der Vierzylinder bei 6.000 Umdrehungen. Der akustische Schalt-Hinweis ertönt rund 1.000 Umdrehungen später. Damit passt der Anschluss im nächsten Gang. Dritter Gang, vierter Gang – das manuelle 6-Gang-Schaltgetriebe lässt sich ausreichend präzise schalten, die Wege könnten gerne kürzer sein. Alternativ bietet Renault für beide Varianten des R.S. ein 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an. Automatik-Modelle verfügen über eine Launch-Control für optimale Starts.

Mindestens 1.482 Kilogramm

Über die Start-Ziel-Linie. Der Zeigefinger der rechten Hand klopft auf den Touchscreen am Armaturenbrett. Um die Stoppuhr zu starten. Die R.S.-Monitor-Funktion kann noch mehr anzeigen. Zum Beispiel die Drosselklappenstellung. Und vermutlich auch die Blutgruppe des Werks-Hausmeisters im spanischen Palencia, wo der R.S. gebaut wird. Ich wählte die naheliegende Funktion für die Rundstrecke.

Der R.S. löst den aktuellen GT als Baureihen-König ab. Der Kompaktsport-Klassiker verfügt vorne über eine 5,1 Zentimeter breitere Spur, hinten sind es 2,7 Zentimeter Der R.S. löst den aktuellen GT als Baureihen-König ab. Der Kompaktsport-Klassiker verfügt vorne über eine 5,1 Zentimeter breitere Spur, hinten sind es 2,7 Zentimeter Quelle: Renault Die ersten Kurven in Jerez sind eng. Ob das dem Renault liegt? Ansichtssache. Der Mégane R.S. ist ausschließlich als Fünftürer erhältlich, wiegt mindestens 1.482 Kilogramm. Offenbar zu viel, um den Kompakten mit den serienmäßigen Bridgestone-Sommerreifen völlig sorgenfrei in die Kurve zu werfen. Andererseits wirkt das Heck agil, ein untersteuernder Mégane findet bei Gaswegnahme recht schnell wieder auf die Ideallinie. Wer es provoziert, kann mit der Taktik „zu schnell in die Kurve, rasch vom Gas“ auch leichte Heckausbrüche provozieren. Schneller ist man mit Geduld am Kurvenein- und -ausgang.

Das Geschlängel geht in eine Mutkurve über. Eine schnelle Links, Marke „kann voll gehen, muss aber nicht.“ Ich bin ohne Sicherheitsnetz unterwegs, im Race-Modus ruht das ESP. Auf einsamen Landstraßen bietet sich der Sport-Modus mit etwas toleranterem Stabilitätsprogramm an.

Die wichtigste Stelle der Strecke: Auf eine ewig lange Rechtskurve folgt die längste Gerade, leicht bergauf. Jedes Quäntchen Schwung zählt. Ich versuche es mal im dritten, mal im vierten Gang – das breite Drehzahlband des Motors erlaubt solche Experimente. Das maximale Drehmoment von 390 Nm liegt bei frühen 2.400 Umdrehungen an, knapp vor der 5.000er-Marke gibt es einen weiteren merkbaren Schub.

300-PS-Variante soll den Civic Type R fordern

Der Innenraum des Renault Mégane R.S.: Die einteiligen Sportsitze bieten guten Seitenhalt. Im Fond gibt es im Fußraum wenig Platz Der Innenraum des Renault Mégane R.S.: Die einteiligen Sportsitze bieten guten Seitenhalt. Im Fond gibt es im Fußraum wenig Platz Quelle: Renault Ob Gang drei oder vier, das Ergebnis ist das gleiche: der Tacho zeigt vor der engsten Stelle des Kurses rund 194 km/h. Hier entschied sich übrigens die Formel-1-Weltmeisterschaft 1997 zugunsten von Williams-Renault und Jacques Villeneuve. Der konkurrierende Ferrari stand im Kies. Die Konkurrenten des Renault Mégane R.S. heißen Hyundai i30 N, VW Golf GTI oder Peugeot 308 GTI.

Und vor allem: Honda Civic Type R. Er hält den Rekord für Fronttriebler auf der Nordschleife des Nürburgrings. Mit 320 PS ist er deutlich stärker als der Mégane. Renault reicht zu einem späteren Zeitpunkt den 300 PS starken Mégane R.S. Trophy nach. Ein Nordschleifen-Rekordversuch gilt als gewiss.

Einziger Kompakt-Sportler mit Allradlenkung

Doch bleiben wir in Jerez, an der engsten Stelle des Kurses. Hart anbremsen. Die Scheiben des Mégane (v. 355 mm, h. 290 mm) kommen gut zurecht. Nach mehreren Runden am Stück wird das Pedalgefühl erwartungsgemäß schwammig, die Verzögerung schlechter. Grenzwertige Erfahrungen bleiben aus, verpasste Einlenkpunkte gingen stets auf das Konto des Fahrers.

Vier gewinnt: Der Renault Mégane R.S. kommt serienmäßig mit einer Vierrad-Lenkung. Angetrieben werden ausschließlich die vorderen Räder Vier gewinnt: Der Renault Mégane R.S. kommt serienmäßig mit einer Vierrad-Lenkung. Angetrieben werden ausschließlich die vorderen Räder Quelle: Renault Gerade für enge Kurven entwickelten die Franzosen die Allradlenkung 4Control. Bis zu 100 km/h (in zivileren Fahr-Modi bis 60 km/h) lenken die Hinterräder leicht entgegengesetzt zur Vorderachse, um die Wendigkeit zu verbessern. Bei höherem Tempo schwenken sie minimal in die gleiche Richtung, um die Stabilität zu erhöhen.

In der nächsten, langgezogenen Linkskurve zum Beispiel. Hier sieht man das Heck nicht gern rutschen. Mit möglichst ruhigen Lenkbewegungen versuche ich die Hinterräder gnädig zu stimmen, ohne Tempo rausnehmen zu müssen. Ohne Korrektur und fest in die breiten Wangen des einteiligen Sportsitzes gepresst durch die Kurve, das ist der Plan. Eine passende Sitzposition lässt sich dank höhen- und tiefenverstellbarem Lenkrad recht schnell finden.

Fazit: Ein Zeitenjäger für präzise Piloten

Renault bietet den Mégane R.S. als zivilere Sport-Variante und als Rennstrecken-tauglichere Cup-Version. Später kommt der 300 PS starke Trophy Renault bietet den Mégane R.S. als zivilere Sport-Variante und als Rennstrecken-tauglichere Cup-Version. Später kommt der 300 PS starke Trophy Quelle: Renault Letzter Abschnitt in Jerez. Es läuft für den Mégane. Nur im engen Ayrton-Senna-S - einer Schikane – wirkt er behäbig. Danach steht noch die enge Linkskurve zwischen mir und der Ziellinie. Ach so, und der nächsten Rundenzeit. Um die 2.11 Minuten zeigte die Stoppuhr meist an. Mit Sommerreifen, bei trockenen Bedingungen und rund 9 Grad. Doch was heißt das schon? Der FIA- oder der Guinness-Kommission werden meine handgestoppten Versuche herzlich egal sein.

Mégane-R.S.-Fahrer gehen gerne auf die Rundstrecke. Renault rechnet mit einem Anteil von 60 Prozent für das Cup-Modell, über alle Märkte hinweg. Für den deutschen Markt gibt es vorerst keine Schätzungen zum Megane R.S., vermutlich werden es weniger als die 60 Prozent. Doch nicht nur den geduldigen und präzisen Zeitenjägern wird der Mégane R.S. gefallen. Auch Vertreter des verwegenen Stils dürften ihre Freude haben - dann aber eher mit ausgeschalteter Stoppuhr.

Wie viel der Spaß kosten wird, verrät Renault noch nicht. Wir rechnen in jedem Fall mit einem Startpreis deutlich oberhalb von 30.000 Euro. Und wer sportliche Ambitionen hegt, kommt am Cup-Paket nicht vorbei. Dann dürfte es stramm auf die 40.000 Euro zugehen.

Technische Daten Renault Mégane R.S.

  • Motor: 1,8-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner
  • Getriebe: Sechsgang-Handschaltung (Doppelkupplungsgetriebe optional)
  • Leistung: 280 PS b. 6.000 U/min
  • Drehmoment: 390 Nm b. 2.400 U/min
  • Verbrauch: 7,2 l/100 km
  • CO2: 161 g/km
  • 0 – 100 km/h: 5,8 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 255 km/h
  • Länge: 4,364 m
  • Breite: 1,875 m
  • Höhe: 1,428 m
  • Radstand: 2,670 m
  • Leergewicht (EU): 1.482 kg (1.505 mit DKG)
  • Kofferraum: 384 bis 1.247 l
  • Preis: n.a.

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