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Ferrari 308 GTE: Elektro-Umbau - Wie Magnum, nur viel leiser

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Einen Elektro-Ferrari darf man aus Maranello vorerst nicht erwarten. Es gibt trotzdem einen: Die Firma Electric GT baute einen Magnum-Flitzer zum lautlosen Stromer um.

Lautlos und schnell: Dieser Ferrari 308 fährt mit Strom Lautlos und schnell: Dieser Ferrari 308 fährt mit Strom Quelle: Electric GT

San Diego – Die Frage war nie, ob es passiert. Sondern wann. Jetzt gibt es ihn, den ersten Ferrari mit Elektro-Antrieb. Er kommt allerdings nicht aus Maranello. Ferrari-Boss Sergio Marchionne sagte kürzlich, er halte die Idee eines Elektro-Ferrari für „obszön“. Die Ruhe in einem Tesla Model S würde ihn stören. Anders die Schrauber der amerikanischen Firma Electric GT. Sie haben einen 308 GTS zum Stromer umgebaut.

Die Basis: Ein Ferrai 308 GTS mit Brandschaden Die Basis: Ein Ferrai 308 GTS mit Brandschaden Quelle: Electric GT

Elektro-Umbau: Ferrari 308 GTS wird zum GTE

Allen Skeptikern sei gesagt: Keine Angst, für dieses Projekt starb kein Bilderbuch-Sportler. Es handelte sich um ein Exemplar mit einem sogenannten „Salvage Title“, also einem schweren Vorschaden. Der Motorraum hatte gebrannt. Vermutlich ein Leck an der Krafstoff-Rücklaufleitung. Rund um die vier Weber-Doppelvergaser schmorte das Blech. Zudem soll es einen kleineren Unfallschaden gegeben haben.

Der Kalifornier Eric Hutchinson kaufte das Auto und gab den Umbau in Auftrag. Die Mechaniker von Electric GT schnitten das verkohlte Fleisch aus dem Magnum-Ferrari, reparierten die Schäden und bereiteten das Chassis für drei Elektromotoren vor.

Der originale V8 saß im Ferrari quer hinter den Vordersitzen. Für den Elektro-Traum änderten die Schrauber das Layout. Drei Elektro-Motoren des Typs „AC-51“ stecken längs im Motorraum. Einer auf Höhe der Getriebe-Eingangswelle, die beiden anderen versetzt darüber - in V-Anordnung und damit möglichst nah an der Optik des Originalmotors. Zwei Riemen verbinden die Aggregate. Ein gekürztes und gedrehtes Transaxle-Fünfganggetriebe von Porsche (Typ Q50) sitzt davor und leitet das Moment an die Hinterräder.

Ursprünglich saß hier ein V8 mit Weber-Vergasern quer im Chassis Ursprünglich saß hier ein V8 mit Weber-Vergasern quer im Chassis Quelle: Electric GT

Fast doppelt so stark wie der Verbrenner

Gemeinsam leisten die Elektromotoren 225 Kilowatt, also umgerechnet 306 PS. Hinzu kommen fast 450 Newtonmeter Drehmoment. Der Hersteller nennt ein Benzin-Äquivalent von 415 PS. Ende der 1970er leistete der 308 GTS vergleichsweise schmale 223 PS und 284 Newtonmeter Drehmoment.

Lithium-Ionen-Akkus mit 30 Kilowattstunden Kapazität erlauben eine Reichweite von rund 160 Kilometern. Mehr wäre möglich gewesen, langfristig ist sogar eine Option auf die doppelte Reichweite geplant. Mit der kleinen Batterie bleibt aber das Gewicht niedrig. Electric GT gibt ein Leergewicht von etwa 1.520 Kilogramm an – 45 Kilogramm mehr als die Basis.

Natürlich gibt es im fertigen Auto keine Weber-Trichter, keinen V8-Mittelmotor und keinen Benzin-Geruch. Vermutlich werden sich einige Fans nie an einen Ferrari ohne Motorsound gewöhnen können. Dafür gibt es viel Drehmoment an den Rädern und ein zweites Leben für einen totgeglaubten Renner. Eines ohne Benzinlecks.

Mehr Bilder und die ganze Geschichte gibt es im Umbau-Thread.

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Ford
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