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NCAP-Crashtest: Datsun Go erhält Null Sterne - Todesfallen frisch aus dem Autohaus

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Das ist lebensgefährlich: Nissans Billigauto Datsun Go erhält im Global-NCAP-Crashtest null Sterne. Auch andere Hersteller sparen in Indien an der Sicherheit.

Null Sterne im NCAP-Crashtest: Auf den ersten Blick peinlich für Nissan. Aber das Problem liegt tiefer, denn auch andere Hersteller verkaufen in Schwellenländern sehr unsichere Autos Null Sterne im NCAP-Crashtest: Auf den ersten Blick peinlich für Nissan. Aber das Problem liegt tiefer, denn auch andere Hersteller verkaufen in Schwellenländern sehr unsichere Autos Quelle: Nissan / Global NCAP

Delhi – Wie viel ist der Autoindustrie das Leben ihrer indischen Kunden wert? Angesichts verheerender Ergebnisse bei einem Crashtest fordert das Global-NCAP-Konsortium von Nissan, den Datsun Go vom Markt zu nehmen. Die Organisation führt analog zum europäischen Euro NCAP weltweit Crashtests durch. Daran beteiligt ist zum Beispiel der deutsche ADAC.

Anfang der Woche veröffentlichte die Organisation Crash-Ergebnisse des Datsun Go. Mit dem Billigauto (ca. 4.000 Euro) will Nissan in Schwellenländern wie Indien, Indonesien, Südafrika und Russland erfolgreich sein.

Im Test erreichte der Datsun null Sterne beim Insassenschutz und zwei Sterne beim Schutz von Kindern. Die Grundstruktur des Fahrzeugs sei im Crashtest zusammengebrochen und werde deshalb als instabil eingeschätzt. Fehlende Airbags hätten zudem dafür gesorgt, dass der Kopf des Dummys hart auf das Lenkrad und das Armaturenbrett aufschlug. Aufgrund der instabilen Karosserie sei ein Nachrüsten von Airbags allerdings nutzlos.

PDF: Crashtest Datsun Go

Datsun Go: "Minderwertige Qualität"

Datsun Go beim Crash-Test: Die Struktur der Karosse brach beim Crash zusammen. Nach Ansicht der Tester hätten Airbags da auch nichts mehr gerettet Datsun Go beim Crash-Test: Die Struktur der Karosse brach beim Crash zusammen. Nach Ansicht der Tester hätten Airbags da auch nichts mehr gerettet Quelle: Global NCAP Max Mosley, ehemaliger FIA-Präsident und heute Leiter von Global NCAP, fordert daher jetzt: Nissan-Chef Carlos Ghosn möge veranlassen, dass das Modell vom Markt genommen wird. Es sei „ äußerst enttäuschend, dass Nissan die Markteinführung eines brandneuen Fahrzeugmodells genehmigt hat, das ganz klar von minderwertiger Qualität ist.“

Der Datsun Go könne mit Sicherheit nicht die (bisher nicht verbindlichen) Crashtest-Mindestanforderungen der Vereinten Nationen erfüllen. Mosley empfiehlt daher, „den Datsun Go vom Verkauf zurückzuziehen und eine dringend erforderliche Neukonstruktion der Fahrzeugkarosserie vorzunehmen.“

Auch andere Kleine erreichten null Sterne

Es ist nicht damit getan, mit dem Finger auf Nissan zu zeigen. Zusammen mit dem Datsun Go testete das Konsortium den Suzuki Maruti Swift, der sogar noch schlechter abschnitt. Für einen Stern hätten die Fahrzeuge zumindest Frontairbags und ABS benötigt, und genau da liegt das Problem: Die meisten günstigen Autos in Indien sind damit nicht ausgestattet.

Schon im Januar testete Global NCAP den indischen Suzuki Alto, Hyundai i10, Ford Figo, Tata Nano und Volkswagen Polo. Sie alle erhielten beim Insassenschutz null Sterne. VW nahm die Kritik ernst und rüstet den Polo seitdem mit zwei Airbags aus. Anschließend bat der Konzern das Konsortium um einen erneuten Test. Dabei erhielt der indische Basis-Polo vier Sterne. Er ist aktuell der einzige Kleinwagen auf dem indischen Markt, der so hoch bewertet wird.

„Für viele indische Autokäufer ist die Sicherheit noch kein Entscheidungsgrund für oder gegen ein Auto“, zitiert Global NCAP Rohit Bajula. Der Präsident des indischen „Instituts für Verkehrserziehung“ sieht dennoch die Hersteller und Händler in der Pflicht: „Sie müssen den Kunden diese Informationen zugänglich machen und auch gezielt damit werben“.

Gemeinsam mit der Autoindustrie versucht das Verkehrsministerium derzeit, einen indischen NCAP ins Leben zu rufen. Indien habe hier vieles nachzuholen, sagt Bajula. Und hofft auf verbindliche Crashtests bis spätestens 2016.

Mosley: Ghosn soll vorangehen

Max Mosley fordert nun von Carlos Ghosn eine Führungsrolle: Der Präsident des Branchenverbands ACEA sowie CEO von Nissan und Renault könne mit dafür sorgen, dass die Autoindustrie die „berechtigten Erwartungen der UN erfülle“, indem er globale Mindeststandards für Sicherheit in seinem Konzern umsetze.

Nissan wollte sich zu dem Thema bisher nicht konkret äußern. Eine indische Sprecherin sagte der Zeitung „The Hindu“: Wir glauben, dass Sicherheit ein Kernthema ist, weltweit und in Indien“. Es gäbe jedoch keine Unsiversallösung. Das Thema variiere von Land zu Land und entwickle sich mit der Zeit, dem Verkehr und den gesellschaftlichen Bedingungen.

Video: Datsun Go im Crash

 

Quelle: Global NCAP; The Hindu

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