• Online: 4.643

Citroën C3 82 Puretech 2016: Erste Fahrt, Preise, Daten - Er kann nicht alle Tricks, macht nix

verfasst am

Citroën hat mit dem C3 wieder einen Kleinwagen der optisch hervorsticht, ohne anzuecken. Auf der ersten Ausfahrt konnten wir uns trotz kleiner Schwächen für ihn erwärmen.

Citroën C3 82 Puretech: In Dänemark konnten wir den neuen Kleinwagen das erste Mal fahren Citroën C3 82 Puretech: In Dänemark konnten wir den neuen Kleinwagen das erste Mal fahren Quelle: Peter Besser, MOTOR-TALK.de

Skagen – Für skandinavisches Design war Citroën nie berühmt, wieso auch. Für französisches jedoch lange auch nicht. Bis sich die Marke vor einigen Jahren neu erfand, mit C4 Cactus und Picasso. Beim C3 dagegen war das freundlichste, was man über den Kleinwagen sagen konnte: dass er „gefällig“ aussah.

Jetzt kommt der Neue. Mit simplem, aber originellem Konzept. In Paris haben wir uns schon reingesetzt, jetzt ein Wiedersehen im Norden Dänemarks. Unser Testwagen verzichtet auf die charakteristischen Airbumps an den Flanken - die sind anders als beim Cactus keine Pflicht-Ausstattung. Weißer Lack, schwarzes Dach, schwarze Felgen, schwarze Radhaus-Verbreiterungen. So klare Linien hat man Citroën in dieser Klasse lange nicht zugetraut. Es ist ein Design mit einem hohen Wiedererkennungswert.

Fast schon skandinavisch wirkt der Innenraum. Gerade Linien, Luftdüsen mit abgerundeten Ecken, der große, eckige Touchscreen in Fingerspitzenreichweite. Die Textil-Sitzbezüge beweisen, dass es nicht unbedingt Leder sein muss, wenn es schick aussehen soll. Im Testwagen harmoniert der sparsam gelb abgenähte und grob strukturierte Stoff prima mit den Sitzpolstern. Ein bisschen Chrom dazu, fertig. So geht klares Alltagsdesign.

Erste Ausfahrt im Citroën C3 82 Puretech Erste Ausfahrt im Citroën C3 82 Puretech Quelle: Peter Besser, MOTOR-TALK.de

Citroën C3: Lieber gemütlich als gehetzt

Beim Messe-Auto in Paris spannte sich Kunstleder über die Fläche, umgeben von einer rot lackierten Zierleiste. Für uns: weniger gelungen als die Textilvariante. Schlüssig wirkt das Menü des Infotainmentsystems: Der Touchscreen ist klar gegliedert, liegt in guter Reichweite, nur ein wenig zu tief. Dass die Klimaanlage über den Touchscreen gesteuert werden muss, nervt ein bisschen.

Die Schlaufen zum Zuziehen der Türen fielen schon beim Cactus positiv auf. Hier wieder. Sie sollen an das „Reisethema“ erinnern, an Spannriemen für Taschen, meint Citroën. Bei den Türinnenverkleidungen fallen einem Hartschalenkoffer ein, leider sehr preisgünstige.

Ohnehin ist das Reisen nicht die Stärke dieses Kleinwagens - trotz der breiten Lümmelsitze, die schon im Cactus gut gefielen. Jedenfalls das weite und das schnelle Reisen. Bei der Fahrt zum Einkaufszentrum am Stadtrand oder zum Kindergarten stört das nicht. Der C3 bügelt bei niedrigen Geschwindigkeiten komfortabel durch Schlaglöcher, federt nachgiebig über Tramschienen und nimmt Speedbumps mit leichtem Nachwippen. Der C3 geriet straffer als der Cactus, bleibt aber eher komfortabel.

Der 1,2-Liter-Dreizylinder fährt ordentlich, solange man ihm keine hohe Drehzahlen zumutet. Dann wird er recht laut Der 1,2-Liter-Dreizylinder fährt ordentlich, solange man ihm keine hohe Drehzahlen zumutet. Dann wird er recht laut Quelle: Peter Besser, MOTOR-TALK.de

82-PS-Benziner mit mittelmäßigen Manieren

Dass Hektik nicht die Sache dieses Wagens ist, liegt vor allem an der indirekten, etwas schwammigen Lenkung. Wer ihn durch Kurven jagt, spürt kaum etwas von den Vorderrädern. Wer ihn durch die Gänge hetzt, greift außerdem in eine labbrige Fünfgangschaltung. Wer ihn die Drehzahlleiter hochtreibt, hört den Dreizylinder-Sauger, dessen 82 PS erst kurz vor 6.000 Umdrehungen anliegen. Der röhrt ungeniert, nicht kernig, sondern ungehobelt.

Citroën bietet den kleinen Motor noch mit 68 PS und als Turbo mit 110 PS an. Den Einsteigsbenziner konnten wir noch nicht fahren, für den Stadtverkehr wirkt die Mitte einigermaßen golden. Wer öfter außerorts unterwegs ist, mag über den kräftigen C3 nachdenken, oder über einen Diesel (75 oder 99 PS). Das treibt den Preis, logisch.

Unser Testwagen steht als mittlere Ausstattung „Feel“ für 14.590 Euro in der Liste. Mit ordentlicher Ausstattung (Audioanlage, Fahrspurassistent, Tempomat, Verkehrszeichenerkennung u. a.), aber einem Dach in Wagenfarbe. Schwarz, Weiß oder Rot kosten 300 Euro extra. Das Basismodell „Live“ muss ohne kontrastierendes Dach auskommen und kostet mit 82 PS 12.890 Euro. Los geht es beim 68-PS-Benziner mit günstigen 11.990 Euro.

Beim Eis nach der Testfahrt besprechen Heiko und Timo den Citroën C3 - auf jeden Fall sympathisch, lautet das Fazit Beim Eis nach der Testfahrt besprechen Heiko und Timo den Citroën C3 - auf jeden Fall sympathisch, lautet das Fazit Quelle: Peter Besser, MOTOR-TALK.de

Der Citroën C3 kann nicht alle Tricks: Macht nix

Die Basis lässt sich zwar kaum aufwerten (Audio- und Klimaanlage sind bestellbar, viel mehr nicht), aber die Konkurrenz bringt das trotzdem in Verlegenheit. Der konzerninterne Rivale Peugeot 208 kostet als Fünftürer mit 72 PS mindestens 13.350 Euro. Ein VW Polo (60 PS) ist nicht für weniger als 12.600 Euro zu haben. Zwei Extra-Türen kosten beim VW 800 Euro extra. Bei den größeren Motoren und mit mehr Ausstattung sieht die Bilanz ähnlich aus.

Ganz entspannt beim Eisessen am windigen dänischen Strand finden wir insgesamt wenig am C3 auszusetzen. Dabei ist er ganz und gar nicht ohne Schwächen und Unzulänglichkeiten: indirekte Lenkung, wenig präzise Führung des Schalthebels, Geräuschniveau bei hohem Tempo.

Aber was er können soll (entspannt durch die Stadt oder über Dörfer wuseln und Wohlgefühl beim Einsteigen verbreiten), kann er gut. Das ist sympathisch, originell und nicht so teuer. Da verzeiht man dynamische Schwächen gerne.

Technische Daten: Citroën C3

Modell Puretech 68 Puretech 82 Puretech 110 BlueHDI 75 BlueHDI 100
Motor 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel
Leistung 68 PS (50 kW) bei 5.750 U/min 82 PS (60 kW) bei 5.750 U/min 110 PS (81 kW) bei 5.750 U/min 75 PS (55 kW) bei 3.500 U/min 99 PS (73 kW) bei 3.750 U/min
Drehmoment 106 Nm bei 2.750 U/min 118 Nm bei 2.750 U/min 205 Nm bei 1.500 U/min 233 Nm bei 1.750 U/min 254 Nm bei 1.750 U/min
Getriebe Fünfgang-Handschaltung, Frontantrieb Fünfgang-Handschaltung, Frontantrieb Fünfgang-Handschaltung, Frontantrieb Fünfgang-Handschaltung, Frontantrieb Fünfgang-Handschaltung, Frontantrieb
0-100 km/h 15,9 s 14,6 s 10,4 s 15,1 s 11,9 s
Höchstgeschwindigkeit 165 km/h 173 km/h 188 km/h 171 km/h 185 km/h
Verbrauch 4,7 l/100 km 4,7 l/100 km 4,6 l/100 km 3,5 l/100 km 3,7 l/100 km
CO2 108 g/km 108 g/km 105 g/km 92 g/km 95 g/km
Länge 3,996 m 3,996 m 3,996 m 3,996 m 3,996 m
Breite 1,829 m 1,829 m 1,829 m 1,829 m 1,829 m
Höhe 1,474 m 1,474 m 1,474 m 1,474 m 1,474 m
Radstand 2,539 m 2,539 m 2,539 m 2,539 m 2,539 m
Leergewicht (EU) 1.051 kg 1.051 kg 1.125 kg 1.165 kg 1.165 kg
Kofferraum 300 l 300 l 300 l 300 l 300 l
Preis ab 11.990 Euro (Live) ab 12.890 Euro (Live) ab 17.990 Euro (Shine) ab 17.240 Euro (Feel) ab 18.490 Euro (Feel)

 

Avatar von HeikoMT
88
Hat Dir der Artikel gefallen? 8 von 8 fanden den Artikel lesenswert.
Diesen Artikel teilen:
88 Kommentare: